Serie•Teil 11 / 14Blessed - gesegnet, weil...
Generierte Mitschrift
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Die Sprache der Geschwisterlichkeit
Ihr Lieben, wenn die Apostel in der Bibel Christen anreden, dann tun sie das mit dem Wort „Geschwister“. In manchen Bibeln steht auch „Brüder“. Das hat damit zu tun, dass das Neue Testament in Griechisch geschrieben wurde und sich das Wort dort ebenso verhält wie im Deutschen: So wie wir im Deutschen das Wort „Geschwister“ für Brüder und Schwestern verwenden, gibt es im Griechischen ein entsprechendes Wort, das von „Bruder“ abgeleitet ist.
Wenn wir Brüder und Schwestern ansprechen wollen, dann reden wir von Geschwistern. Dieses Wort leitet sich im Deutschen von dem Wort „Schwester“ ab: Schwester – Geschwister. Und genauso ist es dann im Griechischen. Dort wird das Wort für Geschwister von dem Wort „Bruder“ abgeleitet. Die Mehrzahl von „Bruder“ wäre also „Brüder“, und das ist das Wort, das man für Geschwister verwendet. Deshalb findet sich im Neuen Testament in manchen Bibeln nicht das Wort „Geschwister“, sondern man versucht, möglichst exakt mit „Brüder“ zu formulieren. Gemeint sind aber Geschwister.
Genug der Grammatik: Christen werden als Geschwister angeredet, das halten wir einfach mal fest, weil sie Teil einer Familie sind. Und diese Familie trägt den Namen Gemeinde.
Die weltweite Gemeinschaft der Glaubenden
Von der Bibel her gibt es zwei Arten von Gemeinde. Da ist einmal die weltweite Gemeinde, zu der alle Christen zu allen Zeiten gehören. In Matthäus 16,18 heißt es, dass Jesus zu Petrus spricht und sagt: Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen.
Das ist eine Zusage an Petrus. Eine Zusage: Ich werde auf dich meine Gemeinde bauen. Und das geschieht tatsächlich, denn Petrus ist der Apostel, der die Pfingstpredigt hält und damit dieses neue Projekt Gemeinde lostritt und startet. Und tatsächlich: Die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen. Der Tod hat keine Gemeinschaft, er hat keine Macht. Entschuldigung, der Tod hat keine Macht über diese Gemeinschaft.
Wichtig ist: Jesus baut seine Gemeinde. Ich werde meine Gemeinde bauen. Das ist das, was er sagt: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen. Jesus baut seine Gemeinde, eine Gemeinschaft von Gläubigen, aus solchen Menschen, die errettet sind, weil Jesus ein für allemal mit seinem Blut für ihre Sünden bezahlt hat.
Gemeinde ist Gemeinschaft. Und im Moment der Bekehrung werde ich durch den Heiligen Geist Teil einer neuen Gemeinschaft. Ich werde in diesen Leib der Gemeinde hineingetauft. Deshalb kann man Bekehrung auch mit diesen Worten beschreiben: Hebräer 12,23, sondern ihr seid gekommen, Achtung, zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind.
Also: Ich bekehre mich. Der Autor des Hebräerbriefes sagt, in dem Moment, wo das jemand tut, kommt er zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben ist. Die Erstgeborenen sind in der Bibel Menschen mit einer besonderen Bedeutung für Gott. Gemeinde besteht nur aus Menschen, die für Gott eine besondere Bedeutung haben und deren Namen im Himmel angeschrieben sind. Die gehören wirklich dazu. Gott kennt jeden von ihnen persönlich.
Gemeinde ist also die weltweite Gemeinschaft derer, die von ganzem Herzen an Jesus gehorsam und gläubig geworden sind.
Sichtbare Orte des Glaubens
Aber, und das ist jetzt wichtig, wir müssen verstehen: Diese weltweite, alle Gläubigen aller Jahrhunderte umfassende Gemeinschaft ist eine eher abstrakte Größe. Wenn man schaut, wie diese abstrakte Größe in der Geschichte Gestalt gewinnt, dann geschieht das in Form von kleinen Gemeinden, die sich an einem Ort versammeln, miteinander Gottesdienst feiern und miteinander Leben teilen.
Es ist diese Art von Gemeinde oder Gemeinschaft, von der es in Hebräer 10,24-25 heißt: Und lasst uns aufeinander Acht haben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen, indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht. Gemeint ist der Tag der Wiederkunft Christi.
Wie sehr Jesus diese kleinen Ortsgemeinden schätzt, merkt man daran, dass er in der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, kleine Briefchen, sogenannte Sendschreiben, an sieben ausgewählte Ortsgemeinden schreibt: an Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardis, Philadelphia und Laodizea.
Warum Zugehörigkeit nicht nur Theorie ist
Fazit
Als Christ bin ich Teil einer weltweiten Gemeinschaft, die sich in Form von kleinen Ortsgemeinden überall auf der Welt manifestiert. Ich weiss, dass die Identifikation und auch die verbindliche Zugehörigkeit zu einer Ortsgemeinde heute gerne in Frage gestellt wird. Aber das ist eher Zeitgeist als Bibel.
Es könnte jemand sagen: Jürgen, aber ist es nicht so, dass Jesus sagt: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte? Das steht in Matthäus 18,20. Und es ist tatsächlich der Vers, den ich am häufigsten gehört habe, um zu zeigen, dass es nicht nötig ist, sich ganz verbindlich und treu genau einer Gemeinde anzuschliessen. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte, und das kann doch genügen.
Zwei Anmerkungen zu diesem Vers:
Punkt 1: In Matthäus 18,20 geht es nicht um Gemeinde. Der Vers sagt nicht, wo Gemeinde oder verbindliche Gemeinschaft unter Gläubigen anfängt. Wenn man aber den Vers davor mit dazu nimmt, geht es um eine Gebetsgemeinschaft. Das heisst, Jesus verheisst hier, dass er da ist, wo zwei oder drei Christen miteinander beten. Dabei ist es tatsächlich egal, aus welcher Gemeinde sie stammen. Wo zwei oder drei Christen miteinander beten, da wird er in ihrer Mitte sein.
Zweitens: Diese Gebetsgemeinschaft, die hier beschrieben wird, ist Teil einer Ortsgemeinde, also nicht Ersatz für eine Ortsgemeinde. Wieder müssen wir in den Zusammenhang schauen. In den Versen davor geht es darum, gemeinsam um einen Sünder zu ringen. Da ist jemand, der Sünde tut, und die Gemeinschaft versucht, ihn von seiner Sünde zu überführen. Sie versucht, ihn zu gewinnen, und zwar bevor sie ihn, wenn er unbußfertig bleibt, ausschließt.
Ausschließen heisst: Gemeinde ist eine Gemeinschaft mit Grenzen. Es gibt ein Drinnen und ein Draussen. Und bei grober Sünde kümmert sich die Gemeinschaft um den, der sündigt. Das tut sie einerseits durch Gespräche: Erst geht einer hin, dann gehen zwei oder drei hin, dann noch einmal die ganze Gemeinde. Und sie tut es durch Gebet.
Genau in diesem Zusammenhang macht Jesus deutlich, dass schon zwei oder drei Christen aus einer Gemeinde, wenn sie zusammen beten, einen grossen Einfluss auf das Leben ihrer Mitchristen haben können, vor allem wenn es um Sünde geht.
Ein persönlicher Appell an die Gemeinde
Mein Predigtitel heute lautet: „Gesegnet, weil ich Teil einer geistlichen Familie sein darf.“
Ihr Lieben, wozu ich Mut machen möchte, ist Folgendes: Schließe dich verbindlich und treu einer Gemeinde an, in der du dich einbringst, deren Gottesdienste du regelmäßig besuchst, deren Geschwister und auch die Neuzugänge du aktiv kennenlernst und die dir ins Leben hineinreden, die dich prägen dürfen. Wenn du das tust, dann wirst du einen unglaublichen Segen erben. Gemeinde will dir Segen werden.
Und wenn ich das so sage, dann lasst mich das heute ausnahmsweise mal nicht so sehr als Exeget sagen, als einer, der die Bibel auslegt, sondern lasst es mich, ich bin ja jetzt schon über fünfzig, als geistlicher Vater sagen.
Um die Jahrtausendwende haben falsche Propheten zuhauf eine große Erweckung vorhergesagt, die sich, soweit ich das sehe, bis heute nicht ereignet hat. Die Erweckung ist ausgeblieben, aber wir erleben meines Erachtens in Europa im Moment einen noch nie dagewesenen Abfall vom Christentum. Ich überblicke 30 Jahre Gemeinde in Berlin, und es gruselt mich. Ich kann überhaupt nicht einstimmen in den Jubel derer, die sich damit aufputschen, dass Gott ja so viel tut. Das stimmt nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Gemeinden werden immer liberaler, weil die Gemeindeglieder kaum mehr tiefe, biblisch begründete Überzeugungen besitzen.
Echte Bekehrungen, also Bekehrungen, die mehr sind als eine kurzfristige Begeisterung für Gott, werden selten. Und das Schlimmste für mich, das Schlimmste ist: Christen, die ich für stabil im Wort Gottes gegründet und für absolute Vorbilder hielt, fangen plötzlich an, geistlich zu wanken, werden psychisch krank oder geben ihre Träume frustriert auf. Das ist wirklich etwas, was mich zutiefst beunruhigt, zutiefst auch ins Fragen bringt.
Wir leben heute in einer geistlich absolut dunklen und dunkler werdenden Zeit. Bitte versteht mich nicht falsch, ich will euch nicht frustrieren, ich will euch ganz ernst warnen. So traurig es ist, wir werden erleben, wie eine Reihe von uns ihren Glauben wegwerfen werden, weil sie unmoralisch leben wollen und weil ihnen diese treue Nachfolge Christi zu viel wird. Das ist, was ich realistisch erwarte.
Warum? Na ja, ihr Lieben, weil es schwer ist, den Glauben zu bewahren.
Der Schutz der Gemeinschaft
Weil der Teufel wie ein brüllender Löwe umhergeht und Christen mit ihrem Glauben verschlingen will, und es auch tut. Das heißt es in 1. Petrus 5,8: Seid nüchtern, wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann.
Ich glaube, wir kennen alle solche Filme, in denen sich ein Löwe einer Gnu-Herde nähert. Gegen die ganze Herde hat er keine Chance. Ich frage mich oft, warum die Gnus, wenn sie den Löwen kommen sehen, so blöd sind wegzurennen. Würden sie einfach zusammenstehen, die Hörner nach unten, die Hufe bereit zum Treten, dann wäre der Löwe völlig chancenlos.
Aber diese blöden Gnus sehen oder hören den Löwen, und dann rennen sie weg. Und genau das ist sein Ziel: vereinzelnen. Gegen eine Herde hat er keine Chance, gegen ein einzelnes, verwirrtes und verängstigtes Gnu schon.
Und der Teufel versucht dasselbe. Der Teufel weiß, dass er gegen eine Gemeinde, die zusammensteht, keine Chance hat. Also sorgt er dafür, dass Geschwister nicht mehr so eng an der Gemeinde hängen oder dass sich ein Gemeindekritikgeist breitmacht. Statt Freude aneinander gibt es Gequatsche übereinander. Und wenn wir erst einmal unser Christsein für uns leben, anfangen, falsche Prioritäten zu setzen, nicht mehr aufeinander zu hören und uns nicht mehr füreinander zu interessieren, dann hat der Teufel leichtes Spiel.
Liebe Gemeinde, Gemeinde gibt Schutz, und zum geistlichen Überleben brauchen wir einander. Ich brauche euch, und ihr braucht mich. Lass dir das in aller Klarheit sagen: Alleine bist du den Lügen, die du glaubst, den schrägen Einfällen, die du bekommst, und den komischen Gefühlen, die du hast, fast schutzlos ausgeliefert. Mir geht es jedenfalls so: Ich brauche Gemeinde. Und in diesen dunklen Tagen heute mehr denn je.
Warnung vor dem Wegdriften
Lassen Sie mich noch ein bisschen trauriger etwas hinterherschieben.
Ihr Lieben, ich habe es leider immer und immer wieder gesehen. Erst driften Geschwister aus der Gemeinde ab, kommen seltener zum Gottesdienst, sind nicht in einem Hauskreis, werden irgendwie kritisch gegenüber der Gemeindeleitung oder der Gemeinde, und dann driften sie vom Glauben weg.
„Ich gebe heute keinem Christen eine Chance, geistlich zu überleben, der nicht fest in eine Ortsgemeinde eingebunden ist.“ Nochmal: Ich gebe heute keinem Christen eine Chance, geistlich zu überleben, der nicht fest in eine Ortsgemeinde eingebunden ist.
Und natürlich kann man sagen: Jürgen, ist das nicht ein wenig zu extrem formuliert? Gibt es nicht Ausnahmen? Vielleicht. Ich habe wirklich überlegt, ob ich solche Ausnahmen kenne, und dabei ist mir Fritz eingefallen. Vielleicht ist er so eine Ausnahme, aber ich glaube, es tut auch ihm gut, regelmäßig hier zu sein.
Fakt bleibt: Entfremdung von Gemeinde macht angreifbar. Gemeinde ist ein Schutz. Sie bewahrt mich vor Eigenwilligkeit, vor Selbstüberschätzung, vor Irrlehren. Und damit bildet Gemeinde den Rahmen für mein eigenes geistliches Wachstum.
Stabiler Glaube und gemeindliches Engagement, selbst wenn es Klo putzen ist, gehen Hand in Hand. Warum? Keine Ahnung, aber es ist so. Christen, die nicht fest in eine Gemeinde eingebunden sind, werden komisch. Selbst dann, wenn sie so einen Klüngel von Gleichgesinnten um sich scharen.
Was ich rückblickend festgestellt habe: Christen brauchen für einen gesunden Glauben die Erdung einer gesunden Gemeinde. Christsein ist ein Marathon und nichts für Einzelkämpfer. Gott hat uns als geistliche Familie zusammengestellt, weil er uns segnen wollte. Weil er ganz genau weiß, dass wir alleine gegen den Teufel, gegen den Zeitgeist, der in dieser Welt drinsteckt, mit ihren Angeboten und gegen die böse Lust, die in uns drinsteckt, keine Chance haben.
Und um das noch einmal zu sagen: Ich glaube, es wird schlimmer, die Zeiten werden dunkler. Wenn ich euch drei Tipps geben darf, die auch mein Leben prägen, dann würde ich sagen: Kümmere dich mit Leidenschaft um deine Bibel, dein Gebet und die Gemeinde.
Drei Tipps: Kümmere dich mit Leidenschaft um deine Bibel, dein Gebet und die Gemeinde.
Und damit meine ich nicht die paar Geschwister, die du sowieso schon kennst, sondern die EFG, The Rock, Christus Kirche, mit all ihren Facetten.
Praktische Schritte zur Verbundenheit
Und wenn ich das so sage, dann weiß ich, dass Gemeinde eine Herausforderung darstellt. Leben ohne Gemeinde oder nur mit einer oberflächlichen Beziehung zur Gemeinde ist wahrscheinlich leichter.
In unserer Gemeinde gibt es zum Beispiel eine Gerüchtekirche, liebevoll Buschfunk genannt. Und trotzdem ist das extrem nervend. Es wird verleumdet, es gibt jede Art von blödem und verletzendem Verhalten, das man sich vorstellen kann. Ja, das ist so.
Und mich hat das lange Zeit gestört, und ich war lange Zeit irritiert, bis ich folgenden Vers las. Unser Herr Jesus beendet damit nämlich ein Gleichnis, das Gleichnis vom ungerechten Verwalter in Lukas Kapitel sechzehn. Da heißt es in Lukas 16,8:
Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
Es geht mir nur um die Begründung, warum der Herr Jesus den ungerechten Verwalter lobt. Das gesamte Gleichnis ist relativ schwierig und, wenn man es das erste Mal liest, fast ein bisschen verstörend. Aber hier kommt es: Der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Begründung: Denn die Kinder dieser Welt, das sind die Heiden, die nicht gläubig sind, sind unter ihresgleichen, also im Miteinander, klüger als die Kinder des Lichts, das sind die Christen. Klüger als Christen. Das ist das, was Jesus hier sagt.
Total traurig, aber leider auch wahr. Und irgendwie beruhigend, dass die Bibel einmal mehr genau das beschreibt, was ich dann in meinem Leben auch vorfinde. Ich glaube ja, dass die Bibel das einzige Buch ist, in dem ich Wahrheit finde, und hier wieder eine dieser Wahrheiten, die ich eigentlich nicht bräuchte.
Ich würde mir eigentlich wünschen, dass Gemeinde von Natur aus der Ort ist, wo man ganz besonders liebevoll, ganz besonders vorsichtig und ganz besonders einfühlsam miteinander umgeht. Das Gegenteil ist der Fall. Die Art und Weise, wie Christen in einer Gemeinde miteinander umgehen, ist manchmal einfach zum Haare raufen.
Wie oft wünsche ich mir, wenn ich von Konflikten Wind bekomme, die in der Gemeinde stattfinden, einfach ein bisschen mehr Gelassenheit. Oder so einen kleinen Vertrauensvorschuss. Manchmal würde eine Portion Höflichkeit, eine Extraportion Verständnis und Liebe, ein bisschen weniger Verbissenheit, ein bisschen weniger schlechtes Reden, ein bisschen weniger Ich und ein bisschen mehr Wir schon reichen.
Christen sind im Umgang miteinander öfter, als uns lieb ist, einfach blöd. Wenn du also eine heile Gemeinschaft suchst, bist du in der Gemeinde falsch.
Und doch hat uns Gemeinde der Jesus verordnet. Gott hat uns Gemeinde verordnet. Warum? Weil wir eine geistliche Familie brauchen.
Warum wir einander brauchen
Weil wir eine geistliche Familie brauchen, wenn wir geistlich überleben wollen. Wir brauchen einander, und zwar viel mehr, als uns lieb ist. Wir sind wie diese Herde Gnus, die zusammensteht. Einer steht für den anderen ein.
Wir mögen das nicht immer auf die bestmögliche Weise tun. Und jeder von uns mag seinen Beitrag dazu leisten, dass Gemeinde ein Ort ist, der schwierig wird. Und doch gibt es keine andere Gemeinschaft, die Gemeinde ersetzen kann.
Du brauchst Gemeinde. Wir brauchen einander mehr, als uns lieb ist. Einer muss für den anderen einstehen. Und wenn dann der Löwe, der Teufel, kommt und brüllt, dann bleiben wir beieinander. Dann helfen wir uns gegenseitig, und dann sind wir sicher.
Wisst ihr, Gemeinde ist eine Herausforderung, Amen, und sie ist ein Segen, Doppelamen. Und deswegen lasst mich am Ende noch einmal zitieren, was ich vor Jahren in einer anderen Predigt zu 1. Petrus 2,5 gesagt habe.
In 1. Petrus 2,5 heißt es: Lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus.
Konkrete Wege in die Gemeinschaft
Ich habe damals zehn Tipps gegeben, zehn Tipps, damit du in die Gemeinde hineinkommst. Das passiert nämlich gar nicht so einfach.
Zehn Tipps.
Punkt eins: Lies das Update. Das Update ist eine interne E-Mail für Gemeindeglieder und den engeren Freundeskreis der Gemeinde. Es kommt einmal pro Woche und enthält alle wichtigen Informationen. Lies es und bleib auf dem Laufenden.
Zweitens: Lerne die Namen der Leute, die zur Gemeinde gehören. Das ist eigentlich ein Akt der Höflichkeit, aber auch Liebe. Das finden wir schon in 1. Korinther 13: Liebe fängt mit Anstand an. Lern die Namen.
Drittens: Praktiziere Gastfreundschaft. Also lerne nicht nur die Namen, sondern die Menschen hinter den Namen kennen. Lade einmal im Monat jemanden ein. Versuch das einfach: Leute einzuladen, Leute kennenzulernen.
Und dann viertens: Bete für alle Geschwister auf der Kontaktliste. Kontaktliste, das ist bei uns keine Gemeindeliste, sondern eine Liste der Gottesdienstbesucher. Vor allem der Leute, die bereit sind, ihre Daten auszugeben. Und wenn du dann nicht weißt, was du für die Leute beten sollst, dann frag nach. Das ist ja mal ein Anfang.
Fünfter Punkt: Packe im Gemeindealltag dort an, wo Hilfe gebraucht wird. Bring dich mit deinen Gaben in der Gemeinde ein.
Sechster Punkt: Ermutigung. Ermutige die Geschwister durch Feedback, Zeugnisse, Kuchen, ein Lächeln, eine herzliche Umarmung. Lerne lieben. Wenn du mehr so der Einzelgänger bist, lerne lieben. Zeige deine Bewunderung, zieh dich nicht zurück. Schlechtreden, Beziehungen kaputt machen, das ist so einfach. Mach das Gegenteil.
Siebter Punkt: Sei so oft wie möglich im Gottesdienst. Höre die Predigten nach, wenn du nicht da bist. Ja, ich und die anderen Prediger auch machen uns viel Mühe, um das zu predigen, was Gott uns als wichtig für euch aufs Herz legt. Hör das nach!
Achtens: Besuche einen Hauskreis, eine Kleingruppe. Wenn du in keinem bist, sprich die Verantwortlichen an. Wenn du die nicht kennst, sprich mich an. Ein Hauskreis ist kein Allheilmittel, das ist mir auch klar, aber er hilft dir, Teil der Gemeinschaft zu werden.
Neunter Punkt: Fahr mit auf die Gemeindefreizeit. Ein Wochenende, um mit Geschwistern abzuhängen und gerade die kennenzulernen, die einem noch fremd sind. Oder, wenn du sagst, das ganze Wochenende schaffe ich nicht, dann komm den Samstag, diesen kompletten Tag, vorbei. Die anderthalb Stunden nördlich von Berlin schaffst du.
Zehntens: Spende dein Geld großzügig an eine, nämlich deine Gemeinde. Dein Herz wird sein, wo dein Schatz ist. Der Trick funktioniert immer. Unser Umgang mit Geld zeigt oft schon sehr gut, ob wir Teil einer Gemeinde sind oder nicht.
Also: zehn Punkte. Update, Namen, Gastfreundschaft, Beten, Anpacken, Ermutigen, Gottesdienst, Hauskreis, Gemeinde, Freizeit und Geld. Werde Teil einer Gemeinschaft, werde Teil einer Gemeinde, greif den Segen ab, den Gemeinde für dein Leben bereithält.
Gesegnet Nummer 11: Weil ich Teil einer geistlichen Familie sein darf. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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