Matthäus 16,18-1922.01.2024
Serie•Teil 6 / 6Das Bekenntnis des Petrus
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Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 377: Das Bekenntnis des Petrus, Teil 6.
Gott wird Mensch Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg Wahrheit und Leben ist. Episode 377 Das Bekenntnis des Petrus Teil 6.
Der Auftrag an Petrus und seine Bedeutung für die junge Gemeinde
Ich hatte in der letzten Episode damit angefangen, euch Matthäus 16,19 zu erklären. Hören wir uns den Vers noch einmal an. Matthäus 16,18-19:
Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben. Und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.
Wir wissen schon, dass es bei der Formulierung „Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben“ um eine Schlüsselgewalt geht, also darum, Menschen den Weg ins Reich der Himmel zu öffnen. Petrus nutzt diese Schlüsselgewalt, um ab Pfingsten durch seine Predigt allen seinen Zuhörern die Tür zum Reich Gottes aufzuschließen.
Und dann heißt es über die Verkündigung des Evangeliums hinaus noch: „Und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.“ Ich hatte euch erklärt, dass es beim Lösen und beim Binden um den Umgang mit Geboten geht, die man für erlaubt, also gelöst, oder verboten, also gebunden, erklärt.
Und was Jesus hier macht, ist Folgendes: Er bereitet Petrus auf die Rolle vor, die ihm am Anfang der Kirchengeschichte zukommt. Er ist nämlich derjenige, der häufig im Mittelpunkt steht, wenn sich auf der Ebene der Theologie das Christentum vom Judentum löst.
Dieser Prozess des Loslösens, der da geschieht, geschieht ja nicht eruptiv an Pfingsten. Es braucht Monate und Jahre, bis die neue messianische Gemeinschaft versteht, was es genau bedeutet, dass neuer Wein in neue Schläuche muss. Und der Apostel Petrus begleitet diesen Ablöseprozess wie kein anderer Apostel.
Petrus als Wegbereiter der theologischen Entwicklung
Entweder ist er wie an Pfingsten, im Haus des Cornelius oder im Zuge seiner Befreiung aus dem Gefängnis derjenige, der das Neue am Neuen Bund als Erster begreift beziehungsweise verkündigt, oder er ist wenigstens mittendrin. So ergreift er in der Frage, wie man mit dem Selbstmord des Judas umgehen soll, das Wort, predigt mindestens noch einmal im Tempel, stellt sich gegen den Hohen Rat, verurteilt Hananias und Zaphira für ihre Lüge und weist Simon den Zauberer auf seine Heuchelei hin.
Was ich damit zum Ausdruck bringen will, ist Folgendes: Ganz am Anfang der Kirchengeschichte spielt Petrus für die theologische Entwicklung der Gemeinde eine ganz wesentliche Rolle. Ich denke persönlich, dass er diese Rolle am Ende seines Lebens nicht mehr in derselben Weise hatte, aber diese Einschätzung kann auch daher rühren, dass die Apostelgeschichte ihren Fokus von Petrus auf Paulus hin verlagert.
Jetzt müssen wir uns die Frage beantworten, auf welcher Grundlage Petrus solche Lehrentscheidungen trifft. Und da gibt es im Wesentlichen zwei Quellen. Da ist zum einen die Belehrung durch den Herrn Jesus in der Zeit zwischen Auferstehung und Himmelfahrt. Apostelgeschichte 1,3: Diesen, das sind die Apostel, hat er sich auch nach seinem Leiden in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dargestellt, indem er sich vierzig Tage hindurch von ihnen sehen ließ und über die Dinge redete, die das Reich Gottes betreffen.
Ich gehe schon davon aus, dass es dieser Unterricht beim Herrn Jesus selbst war, der Petrus dazu befähigte, die Pfingstpredigt zu halten. Und dann ist es natürlich der Heilige Geist, der in ihm wirkt. Der ist ja bekanntermaßen ein Geist der Erkenntnis und der Offenbarung. Und insbesondere dort, wo Petrus begreift, dass Heiden Teil des neuen Bundes sind, merkt man, wie der Geist Gottes den Apostel vorbereitet und leitet.
Es ist also definitiv nicht so, dass Petrus sich die Theologie des Neuen Bundes einfach ausdenkt.
Grammatik, Zeitform und göttliche Vorordnung
Und interessanterweise findet sich dieser Sachverhalt auch in den Worten des Herrn Jesus an Petrus schon angedeutet. Es heißt dort zwar in deutscher Übersetzung: Und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.
Aber wenn wir genau hinschauen – das ist jetzt der genaue Blick der Grammatikfreaks – dann treffen wir bei der Formulierung „wird in den Himmeln gebunden“ beziehungsweise „wird in den Himmeln gelöst sein“ eben nicht einfach nur auf ein grammatisches Futur, sondern auf ein Futurperfekt. Und das müsste man besser so übersetzen: Wird in den Himmeln gebunden beziehungsweise gelöst gewesen sein.
Und das klingt etwas schräg. Es klingt so schräg, dass wir davon ausgehen können, dass Jesus diese Verbform ganz bewusst benutzt hat. Lasst es mich so erklären: Wenn Jesus davon spricht, dass die theologischen Entscheidungen von Petrus auch im Himmel gelöst beziehungsweise gebunden sein werden, dann will er damit nicht zum Ausdruck bringen, dass der Apostel einfach entscheiden kann und der Himmel, also Gott selbst, das dann abnickt. Das wäre absurd.
Vielmehr verwendet der Herr Jesus eine Zeitform, die auf etwas eigentümliche Weise ausdrückt, dass eine Aktion, die schon in der Vergangenheit abgeschlossen wurde, Auswirkungen auf die Zukunft hat. Wenn es also genau genommen nicht heißt: wird in den Himmeln gebunden beziehungsweise gelöst sein, sondern wenn da steht: wird in den Himmeln gebunden beziehungsweise gelöst gewesen sein, dann ist Petrus nicht der, der die neuen Regeln erfindet. Er ist vielmehr nur derjenige, der diese neuen Regeln, die es bereits bei Gott gibt – hier kommt das Perfekt ins Spiel –, durch die Belehrung des Herrn Jesus oder durch die Leitung des Heiligen Geistes entdeckt und verkündigt.
Die Autorität der Gemeinde im Übergang vom Judentum
Wenn also etwas durch Petrus gebunden beziehungsweise gelöst wird, kann man sicher sein, dass Gott den Prozess geistlich initiiert hat und überwacht. Er lenkt die Ausübung der apostolischen Autorität in die richtigen Bahnen.
Und trotzdem ist es wichtig, dass wir ernst nehmen, was Jesus hier dem Petrus zuspricht. Deshalb ist es wichtig, weil die neue messianische Gemeinschaft, die da entstehen soll, nicht nur eine neue Variante des Judentums darstellt, wie es zum Beispiel die Essener sind. Die Gemeinde ist das Volk Gottes, ein geistliches Israel. Aber obwohl sie den Gott und auch die heiligen Schriften der Juden für sich in Anspruch nimmt, verwirft sie die nationale Enge und den jüdischen Way of Life. Dieser Weg führt raus aus dem Judentum hinein in eine ganz eigene christliche Identität. Ein Weg, der ganz viel damit zu tun hat, was erlaubt und verboten ist.
Diesen Weg überhaupt gehen zu können, dafür braucht es Leute mit Einfluss und mit Autorität. Und diese Autorität gibt Jesus zuerst dem Petrus und, wie wir schon gesehen haben, später dann auch den übrigen Aposteln und in letzter Konsequenz der durch den Heiligen Geist geleiteten Gemeinde.
Was könntest du jetzt tun? Du könntest dich nicht darüber ärgern, dass du kein Grammatikfreak bist. Davon braucht die Welt nicht allzu viele.
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Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
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