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Unser Gott lebt!

Johannes 21,1-1420.04.2003
Versagt, leer gefischt, am Ende? Genau dort begegnet Jesus. Und plötzlich kippt alles: Hoffnung wächst dort, wo du nur noch deine Grenzen siehst.

Der Sieg des Lebens über den Tod

Der Herr ist auferstanden. Das ist der Siegesruf der Christen. Ostern verkündigt den Sieg über den Tod. Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Der Tod ist auf der ganzen Linie besiegt, schreibt Paulus an die Korinther. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein tödlicher Stachel?
Was an Ostern geschah, ist kaum zu begreifen. Noch bis heute wird darüber diskutiert, auch in unserer Gemeinde. Mir hat heute auch ein Bruder gesagt, dass sie am Radio darüber diskutiert hätten, ob Jesus wirklich auferstanden sei oder nicht. Das ist eine jahrhundertealte Diskussion. Sie wird immer wieder so dargestellt, als wäre das etwas ganz Neues. Dabei streitet man sich schon seit Jahrhunderten darüber. Denn man kann es nicht begreifen, dass jemand gestorben ist, im Grab lag und dann aufersteht.
Jesus hatte immer wieder versucht zu erklären, dass er sterben und dann wieder zum Leben erweckt werden würde. Auch das konnten die Jünger nicht begreifen. Und als Maria von Magdala berichtete, sie hätten Jesus gesehen, was machten da die Jünger? Sie sagten: leeres Gerede, Frauengeschwätz. Er ist nicht auferstanden. Sie glaubten es schlicht und ergreifend nicht.
Leeres Geschwätz, sagten sie zu diesen Frauen. Die waren sicher frustriert. Man stelle sich das vor: Voller Freude kommen sie vom Grab, haben Jesus gesehen, Jesus begegnet, und wollen das dann den anderen sagen. Sie denken bestimmt, dass sich die anderen auch freuen werden, wenn sie das erzählen. Und dann sagen die einfach: leeres Geschwätz. Sie waren völlig vor den Kopf geschlagen.
Ja, was die Jünger hatten, war Angst. In jenen Tagen war das Gerücht im Umlauf, sie hätten den Leichnam Jesu gestohlen. Dafür hatten die Soldaten viel Geld bekommen, praktisch Schweigegeld, damit sie dieses Gerücht verbreiten. Und dann sollten die Oberen der jüdischen Führung sie schützen, damit sie deswegen nicht bestraft würden, weil sie diesen Diebstahl nicht bemerkt hätten.
Aber ich sage Ihnen eines: Die Jünger wären nie, aber wirklich nie auf die Idee gekommen, den Leichnam Jesu zu stehlen. Nie! Sie waren einfach so frustriert darüber, dass ihr Herr hingerichtet worden war und sie allein zurückgelassen hatte. Sie versteckten sich nun aus lauter Angst vor den Juden.
Jesus kam dann zu dieser eingeschüchterten und ungläubigen Gruppe. Und Jesus ermutigte sie. Er begegnete ihnen nicht mit Schimpfworten, sondern trat in den Raum ein und sagte: Fürchtet euch nicht! Das ist wunderbar: Fürchtet euch nicht!
Dann erschien er ihnen ein weiteres Mal, weil beim ersten Mal Thomas nicht dabei war. Und wir sprechen ja immer von diesem ungläubigen Thomas und davon, wie ungläubig er gewesen sei. Aber ungläubig waren alle Jünger. Denn auch die anderen zehn glaubten es nämlich nicht, als die Frauen kamen. Sie glaubten es erst, als sie Jesus sahen. Thomas war nicht dabei, und dann glaubte er es nicht einmal. Zehn Zeugen glaubte er nicht, dass Jesus lebt. Er sagte: Wenn ich nicht meine eigenen Hände in seine Wunden legen kann, glaube ich das nicht.
Dann kam Jesus nochmals speziell für Thomas und zeigte sich ihm. Er sagte zu Thomas: Komm, leg du deine Hände in meine Wunden. Ich weiss nicht, ob Thomas das wirklich getan hat. Ich weiss nur, dass er niederfiel und Jesus nur noch anbeten konnte: Mein Herr und mein Gott!
Jesus forderte nun die Jünger auf, nach Galiläa zu gehen, also dorthin, wo Jesus hauptsächlich gewirkt hatte. Dort wollte er ihnen nochmals begegnen. Und heute wollen wir uns mit dieser Begegnung am See Genezareth beschäftigen.
Ich lese aus dem Johannesevangelium, 21,1-14. Wer das gern mitverfolgen möchte, ich lese aus der Neuen Genfer Übersetzung:
 Johannes 21,1-14
Jesus zeigte sich seinen Jüngern später noch ein weiteres Mal. Er erschien ihnen am See von Tiberias. Dort waren Simon Petrus, Thomas, auch Didymus genannt, Nathanael aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und noch zwei andere Jünger zusammen. Also waren es sieben.
Simon Petrus sagte: Ich gehe fischen. Wir auch, sagten die anderen. Wir kommen mit. Sie gingen zum Boot hinaus und legten ab. Aber in jener Nacht fingen sie nichts.
Als es dann Tag wurde, stand Jesus am Ufer, doch die Jünger kannten ihn nicht. Kinder, rief er ihnen zu, habt ihr nicht ein paar Fische fürs Frühstück? Nein, riefen sie, nicht einen einzigen.
Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, forderte er sie auf. Ihr werdet sehen, dass ihr etwas fangt. Sie warfen das Netz aus, aber dann konnten sie es nicht mehr einholen, so viele Fische hatten sie gefangen.
Da sagte jener Jünger, den Jesus besonders liebte, zu Petrus: Es ist der Herr. Als Petrus ihn sagen hörte: Es ist der Herr, warf er sich das Obergewand über, das er bei der Arbeit angelegt hatte, band es fest und sprang ins Wasser, um schneller am Ufer zu sein.
Die anderen Jünger kamen mit dem Boot nach, das Netz mit den Fischen im Schlepptau. Sie hatten es nicht weit bis zum Ufer, nur etwa hundert Meter.
Als sie aus dem Boot stiegen und an Land gingen, sahen sie ein Kohlefeuer, auf dem Fisch briet. Auch Brot lag dabei. Bringt ein paar von den Fischen, die ihr eben gefangen habt, forderte Jesus sie auf.
Da stieg Simon Petrus ins Boot und zog das Netz an Land. Es war voll von grossen Fischen, im Ganzen hundertdreiundfünfzig. Und trotz dieser Menge riss das Netz nicht.
Kommt her und esst, sagte Jesus. Die Jünger hätten ihn am liebsten gefragt: Wer bist du? Aber keiner von ihnen wagte es. Sie wussten ja, dass es der Herr war.
Jesus trat ans Feuer, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Das war schon das dritte Mal, dass Jesus seinen Jüngern erschien, nachdem er von den Toten auferstanden war.
Unser Gott lebt. Wir sehen zuerst einmal diese verzagten Jünger. Wir sehen ihre Unfähigkeit, etwas zu tun. Und wir sehen dann auch nochmals die Bedeutung davon, dass Jesus lebt.
Sieben seiner Jünger befinden sich jetzt am See Genezareth, und obwohl sie Jesus schon zweimal gesehen hatten, scheinen sie nicht besonders glücklich zu sein. Die Stimmung war eher gedrückt. Petrus beschäftigt sich bestimmt mit der Sache der Verleugnung Jesu dreimal. Dreimal hatte er deutlich gesagt: Ich habe diesen Menschen nie gekannt. Ich denke, das lastete noch schwer auf Petrus. Nicht nur einmal, sondern dreimal hatte er das gesagt.
Aber auch die anderen Jünger konnten sich mit ihrem Verhalten nicht brüsten. Sie rannten weg, als Jesus gefangen genommen wurde. Sie verstreuten sich in alle Richtungen, und keiner glaubte es, als man ihnen sagte, dass Jesus nun auferstanden sei.
Irgendwie müssen sich diese Männer wie Versager vorgekommen sein. Statt durch die Strassen zu laufen und allen freudig zu erzählen, dass Jesus nun auferstanden ist, sitzen sie niedergeschlagen am See Genezareth.

Rückkehr in die alte Sicherheit

Und wie so oft ergreift Petrus die Initiative. Er kann nicht länger stillbleiben, er muss irgendetwas tun. Und das Naheliegendste ist, dass man das tut, was man zu beherrschen meint. Er kehrt zu seinem Beruf zurück und sagt den anderen: „Ich will fischen gehen.“
Er macht nicht das, was man von einem frommen Mann in so einer Situation erwarten würde. Was würden wir von einem frommen Mann erwarten? Nämlich Petrus. Was tut man? Was würden wir sagen, was Petrus jetzt tun sollte? Hat er Jesus verleugnet, hat er ihn jetzt gesehen und ist trotzdem niedergeschlagen? Was sagen wir ihm, was soll er tun? Er soll beten und fasten, oder? Das erwarten wir doch von einem frommen Mann. Aber nicht, dass er fischen geht, nicht, dass er seinen Beruf wieder ergreift, den er hatte.
Ihm fehlte vermutlich die Ruhe dazu, und so entschloss er sich, fischen zu gehen. Und die anderen schlossen sich gerne an. Sie sagen nicht: Nein, halt, Petrus, wir müssen etwas ganz anderes machen. Jetzt müssen wir still sitzen und beten und ausharren. Nein, jetzt gehen sie fischen. Jetzt muss einfach etwas geschehen.
Die Nacht verbrachten sie auf dem See, auf dem sie mit Jesus so viel erlebt hatten. Und vermutlich war das noch ein intensiveres Erlebnis, als wenn sie am Ufer geblieben wären und gebetet hätten. Denn auf diesem See haben sie mit Jesus sehr viel erlebt. Sie haben erlebt, wie Jesus Stürme gestillt hatte. Sie hatten erlebt, wie Jesus auf dem Wasser ging. Selbst Petrus konnte auf dem Wasser laufen. Ich denke, das ging ihnen alles durch den Kopf. Nur jetzt wurde ihr Herr hingerichtet. Jetzt ist er auferstanden, und sie begreifen es noch nicht so ganz. Und sie wissen überhaupt nicht, wie das alles weitergehen soll.
Zu allem Elend fingen sie in dieser Nacht nicht einen einzigen Fisch. Nicht einmal mehr ihren Beruf können sie ausüben, nicht einmal mit ihrem Beruf klappt es noch. Sie waren absolut erfolglos: sieben Männer, die eine ganze Nacht lang nicht einen Fisch fangen. Nichts von Osterjubel, nichts von Siegerstimmung. Alles scheint schiefzulaufen, nichts ist von der Freude der Auferstehung zu sehen.
Vermutlich waren sie in einem ähnlichen Zustand wie Elija, nachdem er einen großen Sieg auf dem Karmel errungen hatte. Da waren doch diese Baalspriester, die tanzten um ihr Opfer herum, und dann ritzten sie sich auf und riefen ihren Baal herbei, dass er sich erzeige mit seiner Macht. Und es geschah überhaupt nichts. Und Elia sagte noch: Schreit doch lauter, vielleicht hört er euch ja nicht. Und Elia macht etwas ganz Einfaches: Er lässt noch Wasser über das Opfer schütten, damit es ganz sicher ist, dass man da nichts macht. Und dann betet er, und dann kommt Feuer vom Himmel, und Gott zündet diesen Altar an.
Und jetzt müsste man meinen, dass Elia voll Freude taumelt. Jetzt geht es bergauf in seinem Leben. Jetzt hat er eine wunderbare Tat Gottes erlebt und selbst mitgewirkt. Aber was macht er? Er hat Angst vor Isebel, der Frau Ahabs. Da heißt es: Nach diesem Ereignis packte Elia die Angst, und er floh, um sein Leben zu retten. Dann setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte den Tod herbei. „Herr, ich kann nicht mehr“, sagt er. „Lass mich sterben, ich bin nicht besser als meine Vorfahren.“
So kann ich mir vorstellen, dass sich die Jünger vorgekommen sind. Sie versagten dermassen in den letzten Tagen, sie waren feige und ungläubig, und nun sind sie nicht einmal in der Lage, Fische zu fangen. Ich denke, diese Männer waren zutiefst geschlagen, etwa so wie eben dieser Elia, der sagt: Ich bin nicht besser als meine Vorfahren. Ich habe zwar viel erlebt mit Gott, aber ich bin nicht besser.
Wie vertraut sind uns doch diese Jünger, wie gut können wir ihre Gemütsverfassung verstehen. Wir hätten auch allen Grund, überglücklich zu sein. Wir hätten allen Grund, uns zu freuen. Aber es klappt nicht immer. Zu viel scheint uns zu hindern und im Wege zu stehen. Zu oft erleben wir uns als Versager. Jetzt hast du schon wieder nichts von Jesus gesagt, du Feigling. Du hättest jetzt eben eine gute Gelegenheit gehabt. Oder da hast du dich auch nicht vorbildlich verhalten. Statt freundlich zu bleiben, hast du den angeschnauzt. Wie soll der merken, dass du ein Christ bist, du Versager!
Dann könnte ich auch noch mehr beten. Viele Vollzeiter auf dem Missionsfeld und auch im Inland kommen immer wieder an ihre eigenen Grenzen, und zwar an die Grenzen ihrer eigenen Persönlichkeit. Sie arbeiten und haben oft den Eindruck, dass nichts daraus werden will. Macht es überhaupt noch Sinn? Ich bin für diese Arbeit ja vielleicht gar nicht geeignet. Ich bin viel zu schwach, viel zu unfähig. Und schon manche dachte darüber nach, in seinen erlernten Beruf zurückzukehren. Und manche Frau hatte schon den Stellenanzeiger in der Hand, um zu sehen, was es noch zu tun gäbe im ursprünglichen Beruf, den man erlernt hat.
Auch in unserer Gemeinde geht es uns oft so. Wir strampeln uns ab und kämpfen und arbeiten und hoffen. Wie viel unternehmen wir, und das Resultat ist oft, wenn wir dann ganz ehrlich sind, wenn wir nicht noch etwas fromm beschönigen möchten, oft null. Oft null. Wir können dann noch sagen, wir haben es schön gehabt miteinander, es ist auch nett. Aber das, was wir mit einer Aktion erreichen wollten, ist das Ergebnis oft null.
„Ja, Herr, wir schaffen es nicht. Ich schaffe es nicht, so Christ zu sein, wie ich mir das vorstelle und wie ich das möchte. Ich versage immer wieder. Ich ziehe mich zurück zu meinem alten Handwerk, da kenne ich mich wenigstens aus. So kann ich auch als Gemeindeglied mich zurückziehen auf meinen Beruf, auf meine Weiterbildung, und ich lasse die anderen machen, die es besser können. Wenn sie es dann nicht gut machen, kann ich ja dann auch noch sagen, sie machen es nicht gut. Aber ich lasse mal die anderen machen.“
Das ist so in uns drin.

Die Begegnung am Ufer

Hier sehen wir die Jünger, wie verzagt sie in sich sind, und wir denken, sie müssten jetzt ja eigentlich vor Freude jubeln. Und in dieser Verfassung begegnet unser Herr seinen Jüngern, und das ist ja das Wunderbare: Er begegnet seinen Jüngern.
Er hat das gesehen. Er hätte sagen können: Nein, jetzt habe ich auch genug. Jetzt haben sie mich schon zweimal gesehen, jetzt fischen sie, haben überhaupt nichts Besseres zu tun, als zu fischen, als ob ich nicht auferstanden wäre. Ich lasse sie jetzt. Nein, er lässt sie nicht. Er begegnet ihnen. Er sagt ihnen sogar: Kinder, Kinder, habt ihr nicht ein paar Fische für das Frühstück? Nein, müssen sie sagen, nicht einen einzigen.
Nur schon, dass sie das als Fischer sagen müssen, ist schon wieder eine Frustration für sich. Ein Fischer, der nach einer Nacht sagen muss: Ich habe nicht einen Fisch gefangen, oder? Wenn ich als Prediger sagen müsste, ich habe nicht eine Predigt geschafft, denken alle: Was ist denn das, der Prediger ist nicht mal scharf zu predigen. Ich habe nicht einen Fisch gefangen.
Und nun gibt Jesus ihnen einen Ratschlag: Ja, dann werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, so werdet ihr Fische finden. Wir denken ja: Aber links oder rechts? Aber okay, rechts. Sie werfen es rechts aus. Und tatsächlich: Sie machen das, was Jesus sagt, und sie wissen noch nicht einmal, dass das Jesus ist.
Nun beginnt sich das Netz zu füllen. Es wird so schwer, dass sie es nicht einmal ins Boot hineinziehen können. Sie müssen das Netz in den Schlepptau nehmen. Das hatten sie doch schon mal erlebt. Wie war denn das? Wo war denn das, Petrus? Komm! Denk ein bisschen nach, kommst du nicht auf die Idee? Nein, Petrus kam nicht auf die Idee. Er hat das noch nicht begriffen.
Johannes, also der Jünger, den Jesus liebte, das ist der Johannes, der das Johannesevangelium schrieb und die Offenbarung, der Jünger, den Jesus liebte, sagte zu Petrus: Es ist der Herr. Der Petrus hat echt eine lange Leitung. Aber was mir an Petrus gefällt: Obwohl er eine lange Leitung hat, wenn er es dann begriffen hat, dann ist er nicht mehr zu halten. Das gefällt mir an Petrus so. Dann ist er nicht mehr zu halten.
Als er das realisiert, dass das Jesus sein könnte, warf er sich das Obergewand über, also er zog sich an, das er bei der Arbeit abgelegt hatte. Das heißt, er hörte auf zu arbeiten, die anderen mussten dann nachher alles machen, und er sprang ins Wasser, um möglichst schnell bei Jesus zu sein. Er wollte der Erste sein. Da ist das Leben in diesem Mann zurückgekehrt. Jetzt wollte er zu Jesus, so schnell wie möglich. Er will so schnell wie möglich beim Herrn sein.
Die anderen Jünger mühten sich ab, um das Boot und diese Fische noch hundert Meter ans Ufer zu schleppen. Die hätten vielleicht auch sagen können, würden vielleicht heute sagen: Ja, siehst du, uns lässt er die Arbeit machen, er springt einfach herum. Aber er ist zu Jesus gesprungen, das ist das Entscheidende. Er wollte bei Jesus sein, das gefällt mir an Petrus. Wenn er Jesus sieht, dann kennt er nichts mehr, dann geht er aufs Wasser, auch wenn er nachher wieder runtergeht. Aber wenn Petrus Jesus sieht, dann kann er sich nicht mehr halten.
Ich wünsche, dass das bei uns auch so ist, wenn wir Jesus sehen und wenn wir über Jesus nachdenken, dass wir nicht mehr zu halten sind.
Am Land angelangt, sahen sie, dass Jesus bereits ein Feuer hergerichtet hatte, und mit Fisch und Brot darauf. Also Jesus hatte schon zwei Fische bereit auf dem Feuer, und er bat sie, ihm noch weitere Fische zu bringen. Und Jesus hielt ihnen damit eine Predigt ohne Worte, aber eine Predigt, die unvergesslich und eindrücklich war. Die Predigt hatte folgenden Inhalt: Ihr könnt nichts tun, ihr könnt nicht einmal fischen ohne mich. Ihr habt nichts, habt selbst nichts und darum auch nichts zum Geben. Aber weil ich nun auferstanden bin von den Toten und lebe, darum kann ich euch geben, über alles bitten und verstehen. Ihr könnt euch auf mich voll und ganz verlassen. Und wenn ihr auch am tiefsten Punkt eures Lebens und eures Glaubens angelangt seid, auf mich könnt ihr zählen, denn ich bin der lebendige Gott, der mit euch sein wird.
Und vergesst nicht, wozu ihr berufen seid. Ich will euch zu Menschenfischern machen. Ich bin der, der euch die Netze füllen wird. Und was Jesus Petrus bei der Berufung schon sagte, als er dort die Netze füllte, gilt heute erst recht: Du brauchst dich nicht zu fürchten, von jetzt an wirst du ein Menschenfischer sein.
Jesus bevollmächtigt in einer liebevollen Weise seine frustrierten Jünger, und er sagt ihnen: Ich will doch mit euch weitergehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Petrus und den anderen Jüngern dieses Netz, das Jesus füllte, mit diesen 153 Fischen vor Augen stand, als an Pfingsten dreitausend Menschen zum Glauben kamen. Können Sie sehen, wie das Netz sich füllte? Ausgeworfen, auswerfen mussten sie es, das heißt, predigen musste Petrus, aber die Fische gebracht hat Jesus. So ist das bis heute.
Wir können auch nicht sagen: Ja, Jesus bringt schon die Fische, die Hauptsache ist, wir haben es schön miteinander. Wir müssen die Netze auswerfen. Wir müssen Netze auswerfen, auch in Zürich, in der ganzen Welt, überall, dass Menschen das Evangelium hören und dass Jesus die Fische in unsere Netze hineintreibt. Jesus braucht uns, und das hat er auch seinen Jüngern gesagt. Es waren nicht nur seine Fische, die dann auf diesem Rost waren, sondern er hat gesagt: Bringt mir auch Fische von euch.
Jesus macht dir deutlich, wie die Zukunft aussehen wird, dass das Wirken und die Entwicklung des Reiches Gottes ein Miteinander, ein Ineinander ist von dem, was wir tun als seine Nachfolger, und dem, was er tut als unser Herr, dass wir miteinander wirken. Das zeigt Jesus schön an diesem Beispiel. Die Jünger lernten, dass es Jesus ist, der es machen wird. Sie haben wohl ihren Beitrag zu leisten. Sie mussten die Netze auswerfen, sie mussten sie selbst an Land ziehen, das hat nicht Jesus für sie getan. Aber die Fische hat Jesus ins Netz getrieben. 153 große Fische, und nicht einmal das Netz ist gerissen.

Die Botschaft für Gemeinde und Glauben

Ist es nicht wunderbar, wie Jesus seinen Jüngern begegnet? Wie er sie aus ihrem Loch herausholt, nicht indem er sie niedermacht, ihnen eine Lektion erteilt und sagt: Ihr Ungläubigen und ihr Schlimmen, was soll ich mit euch anfangen? Und hin und her, und dann sind sie noch tiefer unten? Nein, er hilft ihnen auf. Und Gott tut das oft so, oder manchmal so, in unserem Leben, dass er uns an solche Grenzen führt.
Dieses Lernstück, das hier die Jünger lernten, wird an keiner Bibelschule und an keiner Universität gelernt. Das ist ein Lehrstück, das Jesus jedem Einzelnen beibringt, und jeder buchstabiert es selber. Er muss uns immer wieder einmal an diesen Punkt führen, wo wir merken, dass wir es aus eigener Kraft wirklich nicht schaffen, auch als Gemeinde nicht. Er muss uns immer wieder an den Punkt führen, dass wir auch als Gemeinden merken, dass es wichtig ist, dass wir das Beste für Gott bringen, aber dass wir bei all dem nie vergessen, dass wir nichts aus eigener Kraft schaffen. Weder die Rettung von Menschen noch das Reich Gottes aufzubauen ist machbar, ohne dass Jesus mit dabei ist.
Wir müssen in unserem Leben ganz persönliche Erfahrungen machen, dass wir ohne Jesus nichts vermögen. Wie Jesus seine Jünger lehrt, das müssen wir vor allem in einer Zeit sehen, die uns ja lehrt, dass wir sehr viel können. Wir leben in einer sehr erfolgreichen Zeit, wir können im Moment auch sehr viel erreichen. Das kann sich wieder ändern. Jesus sagt: Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wenn jemand in mir bleibt und ich in ihm bleibe, trägt er reiche Frucht. Ohne mich könnt ihr nichts tun. Das ist kein Geheimnis, es ist ein offenes Geheimnis.
In der engen Verbindung mit Jesus entfaltet sich Gottes Kraft auch in unserem Leben. Wenn wir das einsehen, wenn wir uns in unserer Schwachheit ergeben, dann ist die Zeit reif, wo Gott, der Herr, eingreift. Gerade dann, wenn wir verzweifelt sind, zeigt uns Gott oft, dass er wirklich lebt, und wir erfahren die Kraft der Auferstehung. Dann können wir sagen: Mein Gott, lebt.
Vielleicht haben Sie so eine Lektion hinter sich, oder vielleicht haben Sie noch eine vor sich. Ich habe bestimmt noch eine vor mir, mindestens eine. Ohne mich könnt ihr nichts tun. Wir arbeiten, sind tätig. Interessant ist ja, dass Jesus nicht gesagt hat: Hört auf mit der Fischerei, das ist überhaupt nichts. Er hat ihnen deutlich gemacht: Ihr könnt schon fischen, aber nicht ohne mich. Mit mir macht es Sinn, ohne mich ist es verschwendete Zeit.
Und nun ist Jesus mit ihnen. Sie wagen ihn zwar gar nicht zu fragen, ob er der sei, den sie meinen, dass er sei, obwohl sie wussten, wer er war. Das ist auch irgendwie komisch. Irgendwie waren sie verunsichert. Irgendwie konnten sie sich doch noch nicht so richtig vorstellen, dass Jesus jetzt nun wirklich lebt, obwohl sie ihn gesehen und mit ihm gegessen hatten. Ich weiss nicht, ob wir besser gewesen wären, ob wir das schneller begriffen hätten. Im Nachhinein ist man ja immer gescheiter, aber die haben ja nicht im Nachhinein gelebt. Sie haben im Vorhinein gelebt, sie haben das erste Mal das erlebt. Also sind sie auch barmherzig mit ihnen, denn Jesus war auch barmherzig mit ihnen.
Jesus war bei ihnen und führte ihnen einmal mehr vor Augen, dass er wirklich auferstanden ist und lebt. Sie sollten erkennen, dass er nicht ein Geist war, sondern leiblich, körperlich auferstanden war. Das ist die fundamentale Botschaft des Evangeliums, dass unser Gott auferstanden ist und damit den Tod besiegt hat. Das ist die Botschaft der Apostel. So ist das auch ein durchschlagendes Argument in der Verkündigung: Doch drei Tage danach hatte Gott ihn auferweckt, und in Gottes Auftrag hatte er sich als der Auferstandene gezeigt, allerdings nicht dem ganzen Volk, sondern nur denen, die Gott schon im Voraus zu Zeugen bestimmt hatte, nämlich uns Apostel. Mit uns hat er, nachdem er von den Toten auferstanden war, sogar gegessen und getrunken, was ein Geist nicht tut.
Das war das durchschlagende Argument der Verkündigung des Evangeliums. Dass Jesus auferstanden ist, gilt bis heute. Jesus ist auferstanden und lebt. Wenn wir die Verkündigung des Paulus in Athen sehen, sagt Paulus den Athenern zum Beispiel gar nichts über die Kreuzigung, es sei jedenfalls nicht so niedergeschrieben, sondern er spricht von der Auferstehung. Das war den Griechen dann etwas zu bunt, und dann hat sich das Ganze in Aufruhr und Empörung aufgelöst. Aber da hat Paulus die Auferstehung von Jesus betont.
Die Verkündigung der Auferstehung ist ein Hauptpfeiler der christlichen Botschaft schlechthin. Deshalb musste ein Apostel unbedingt Zeuge des Auferstandenen sein. Ein Apostel musste Jesus gesehen haben, sonst konnte er nicht Apostel sein, weil seine Aufgabe war, Zeuge der Auferstehung Jesu zu sein. Und wenn er ihn nicht gesehen hatte, konnte er nicht Zeuge sein. Und so ging es, als es um die Wahl eines Ersatzjüngers für Judas ging. Da heisst es: Einer von denen, die das alles miterlebt haben, soll zusammen mit uns Zeuge der Auferstehung Jesu sein.
Also das Zeugnis der Auferstehung Jesu ist ein zentrales Zeugnis, und wir verlassen uns auf das Zeugnis der Apostel, dass die, die Jesus gesehen haben, und das uns in der Schrift, in der Bibel überliefert ist, zuverlässig ist. Wenn das nämlich nicht stimmt, dann ist unser Glaube umsonst. Dann gehören wir zu den lächerlichen Kreaturen dieser Welt, nämlich denen, die einem Phantom nachrennen. Ist Jesus nicht auferstanden, so gibt es keinen Sieg über den Tod. Das heisst, es gibt auch keine Erlösung von unserer Schuld. Es gibt keine Hoffnung, es gibt nur das Verderben für den Menschen.
Wenn Jesus nicht leiblich auferstanden ist, so hat die Botschaft von der Erlösung absolut keine Bedeutung. Und wenn die Theologen heute darüber streiten, ob Jesus leiblich auferstanden ist oder nicht, dann sollen sie bitte darüber streiten, ob man die Bibel einstampfen soll oder nicht. Um das geht es nämlich. Ist Jesus nicht auferstanden, kann man alles theologische Denken irgendwie dem Abfuhrwesen in Zürich mitgeben, die sollen das verbrennen. Es ist sinnlos, schade um jede Minute. Weil es völlig bedeutungslos ist, wenn Jesus nicht leiblich auferstanden ist.
Deshalb müssen wir als Christen, ob die anderen lachen oder nicht, daran festhalten: Jesus ist auferstanden. Ich habe heute Morgen Gott gedankt, dass ich hier oben stehen darf und dass ich euch sagen kann, dass Jesus auferstanden ist, und ich bin der tiefsten Überzeugung, dass das tatsächlich so ist. Das ist nicht das Werk, weil ich besonders fromm bin, das ist das Werk des Heiligen Geistes, der in uns lebt und uns das bezeugt, sodass wir mit felsenfester Sicherheit sagen können: Auch wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen habe, Jesus ist auferstanden, und zwar leiblich. Und wenn ganz Zürich das Gegenteil sagt, ich weiss es.
Wir können dem Herrn einfach nur danken, dass er uns diese Gewissheit geschenkt hat, dass das, was er uns mitteilt in seinem Wort, wahr ist. Dass wir deshalb Hoffnung und Zukunft haben. Dass wir deshalb wissen dürfen, dass Gott mit uns ist. Und dass er uns auch aufrichten wird in den tiefsten Stunden, wenn wir zu ihm kommen oder sogar wenn wir irgendwie wieder etwas machen, irgendetwas Banales.
Mir geht das manchmal auch so. Ich kann manchmal nicht einfach hinsetzen, wenn es mir irgendwie schlecht geht oder mich etwas beschäftigt, und dann beten. Das mache ich dann manchmal auch noch schnell, weil ich weiss, man macht es. Aber dann schreibe ich auch irgendwie Kuvert an oder mache eine Adressänderung im Computer. Manchmal ist es doch schön zu sehen, dass mir trotzdem Jesus wieder begegnet, dass er das irgendwie doch versteht, wie wir manchmal ganz komisch reagieren.
Die Jünger waren verzagt, für uns im Nachhinein unverständlich. Sie haben ja den Auferstandenen gesehen, das, was wir ja wünschten. Weil wir ja überglücklich wären. Ich würde Jesus auch gern sehen, heute noch. Aber sie waren nicht überglücklich, sie waren verzagt, sie waren frustriert. Sie hatten den Eindruck, von sich wirklich versagt zu haben, und das hatten sie auch. Sie konnten gar nicht glücklich werden darüber. Sie brauchten noch mehr Zuspruch von Jesus. Und Jesus hat sehr mutig gezeigt: Ich werde mit euch sein. Ohne mich könnt ihr nichts tun, aber mit mir seid ihr stark, trotz eurer Schwachheit. Er hat ihnen vorgeführt: Ich bin im Schwachen mächtig.
Und ich lebe noch ein Letztes: Was geschieht denn mit den Fischen, die nicht in das Netz gehen, in dieses Netz, das wir im Auftrag unseres Herrn auswerfen? Auch diese Fische, die noch herumschwimmen, gehen in ein Netz. Aber das Netz, in das sie gehen, wird nicht von uns ausgeworfen. Dieses Netz wird der Herr selber auswerfen. Jesus erzählt: Mit dem Himmelreich ist es auch wie mit einem Netz, das auf dem See ausgeworfen wird und mit dem man Fische aller Art fängt. Wenn es voll ist, ziehen die Fischer es ans Ufer, setzen sich hin und lesen die Fische aus. Die Guten legen sie in Körbe, aber die Ungeniessbaren werfen sie weg. So wird es auch am Ende der Welt sein. Die Engel werden kommen und die Bösen aussondern. Sie werden sie von den Gerechten trennen und in den Feuerofen werfen, dorthin, wo es nichts gibt als lauter Jammern und angstvolles Zittern und Beben.
Dieses Netz des Gerichtes und des Zornes wird zuletzt ausgeworfen werden. Und glücklicherweise werden nicht wir als Menschen das besorgen, sondern das wird Gott selbst an die Hand nehmen. Heute ist es noch Zeit. Wenn du nicht schon in dieses Netz der Gnade gekommen bist, wenn du nicht schon Jesus begegnet bist, dem Auferstandenen, dann ist es heute noch Zeit, in dieses Netz zu gehen. Jesus ruft dir zu: Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast zerdrückt werdet, ich werde sie euch abnehmen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.
Wenn du Jesus noch nicht in dein Leben eingeladen hast, warum wartest du? Du kannst keinen besseren und liebevolleren Herrn und Meister über deinem Leben finden als Jesus. Du wirst niemanden finden, der deinem Leben so eine Perspektive und Zukunft geben kann wie Jesus. Und du wirst keinen anderen Gott finden, der lebt und den Tod besiegt hat als Jesus. Wenn Jesus ruft, dann ruft er als der, der auferstanden ist und lebt, und als der, der in unserem Leben mit uns unterwegs ist. Denn ich bin bei euch alle Tage bis an der Weltende. Amen.
Ich bete mit uns. Ich möchte dir danken, dass du uns die Gewissheit gibst, dass wir einen lebendigen Gott haben. Ich möchte dir danken, Herr Jesus, dass du für uns und für unsere Schuld am Kreuz gestorben bist. Aber was wäre das, wenn du nicht auferstanden wärst? Dann wäre alles umsonst gewesen. Und was wäre unser Glaube, wenn nicht du wirklich auferstanden wärst und lebst und nun zur Rechten des Vaters sitzt? Unser Glaube wäre untauglich, eine leere, sinnlose Beschäftigung.
Ich möchte dir danken, dass es ein Vorrecht deiner Kinder ist, dass du uns die Gewissheit in unsere Herzen gibst, dass wir wissen, dass du lebst und dass wir das Unmögliche glauben können, dass du auch auferstanden bist, nachdem du drei Tage im Grab gelegen hast, und du zu deinem Vater gegangen bist und nun zu seinen Rechten sitzt. Wir danken dir, dass wir eine lebendige Hoffnung haben, dass wir einen Glauben haben, auf dem wir bauen können, der Zukunft und Hoffnung hat, ja einen Glauben, der in die Herrlichkeit führt. Wir beten dich an und danken dir. Amen.