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Keine Frucht – Teil 1

Jesu Leben und Lehre | Episode 683
Markus 11,12-1725.02.2026
SerieTeil 1 / 5Keine Frucht
Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 683: Keine Frucht, Teil I.

Die Suche nach Frucht am Feigenbaum

 Markus 11,12-14
Am folgenden Tag, nachdem sie von Bethanien weggegangen waren, bekam Jesus Hunger. Von weitem sah er einen Feigenbaum, der Blätter trug. Er ging hin, um zu prüfen, ob er an dem Baum etwas finden würde. Als er zu ihm kam, fand er jedoch nichts als Blätter, denn es war nicht die Zeit der Feigen. Darauf begann er zu dem Baum zu sprechen: „Nie mehr in Ewigkeit soll jemand Frucht von dir essen.“ Seine Jünger hörten dies.
Wir befinden uns nun am Tag nach dem Einzug in Jerusalem, dem Montag der Karwoche. Jesus verlässt mit seinen Jüngern Bethanien und verspürt Hunger. Er sieht einen Feigenbaum und hofft, ein paar Feigen zum Frühstück zu finden.
Dabei ist Folgendes wichtig zu wissen: Feigenbäume tragen zweimal im Jahr Früchte – im Frühjahr und im Spätsommer. Da Jesus zum Passafest nach Jerusalem gekommen war, suchte er nach Frühfeigen. Diese sind kleiner, aber essbar. Sie entstehen vor oder gleichzeitig mit dem Blattaustrieb.
Weil es ein Feigenbaum war, der Blätter hatte, ging Jesus hin, um nach Frühfeigen zu suchen. Doch als er zu dem Baum kam, fand er nur Blätter. Das war sehr enttäuschend. Bei einem so früh belaubten Baum hätte es eigentlich kleine, essbare Frühfeigen geben müssen.
Wenn es also heißt: „Und er ging hin, ob er wohl etwas an ihm fände, und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter, denn es war nicht die Zeit der Feigen“, dann bedeutet das, dass er nur Blätter fand, weil es nicht die Zeit der reifen Sommerfeigen war. Dennoch erwartete Jesus zu Recht, etwas zu finden.
Warum? Weil ein Baum, der so früh voll belaubt ist, eigentlich Frühfeigen hätte tragen müssen. Dieser Baum verbindet totale Fruchtlosigkeit mit äußerer Vitalität. Damit wird er zu einem Sinnbild für die Religiosität des jüdischen Volkes.

Das Verfluchen des Feigenbaums als Zeichen

 Markus 11,14: Und er begann und sprach zu ihm: „Nie mehr in Ewigkeit soll jemand Frucht von dir essen!“ Seine Jünger hörten es.
Jesus verflucht den Feigenbaum. Wenn man die Geschichte zum ersten Mal liest, stößt sie einem sofort auf, oder? Warum tut Jesus das? Ist er einfach nur schlecht gelaunt? Warum verflucht er einen Feigenbaum, weil er keine Feigen trägt, obwohl gar nicht die richtige Zeit für die Feigenernte ist?
Der bekannte Atheist Bertrand Russell benutzt genau diese Geschichte, um Jesus schlechtzumachen. Immer wieder merken wir, wie leicht es Menschen fällt, den Herrn Jesus falsch zu verstehen.
Also, warum verflucht Jesus den Feigenbaum? Natürlich ist das, was er tut, weder belanglos noch rachsüchtig. Es ist vielmehr ein Zeichen. Der unfruchtbare Feigenbaum und sein Schicksal stehen für ein unfruchtbares Israel und dessen Vernichtung.
Es geht Jesus nicht darum, wie ein Kleinkind sich zu ärgern und aus Frust etwas kaputt zu machen. Vielmehr nutzt er das Fehlen von Frühfeigen an einem ansonsten gesunden Baum voller Blätter, um daraus eine Gegenstandslektion für die Jünger zu machen.
Er nutzt hier einfach eine gute Gelegenheit, um seinen Jüngern auf anschauliche Weise zu demonstrieren, was mit dem Volk passieren wird, wenn es – wie der Feigenbaum – keine Frucht für Gott bringt.
Hier wird exemplarisch an einem Feigenbaum vorweggenommen, was über Jerusalem und das Volk kommen soll: Gericht, vollständiges Gericht. Wer also, wenn Gott kommt, Frucht sucht und keine findet...

Biblische Hintergründe und prophetische Deutungen

Was spricht für diese Interpretation, außer dass so etwas typisch für Propheten ist?
Zuerst einmal rahmt diese Geschichte zeitlich die Tempelreinigung ein. Jesus sucht also nicht nur am Feigenbaum nach Frühfeigen, sondern auch im Anschluss im Tempel nach geistlicher Frucht. Zunächst geht es um etwas zu essen, im Tempel dann um Anbetung. Die Geschichte vom Feigenbaum rahmt also zeitlich die Tempelreinigung ein.
Feigenbäume sind im Alten Testament zudem ein typisches Bild, das immer wieder in Gerichtsdrohungen über Israel auftaucht.
So heißt es bei Jeremia 8,13: „Wegnehmen, weggraffen werde ich sie, spricht der Herr. Keine Trauben sind am Weinstock und keine Feigen am Feigenbaum, und das Blatt ist verwelkt.“
In Hosea 2,14 steht: „Und ich veröde ihren Weinstock und ihren Feigenbaum, von denen sie sagte, die sind mein Liebeslohn, den mir meine Liebhaber gegeben haben, und ich mache sie zum Gestrüpp, dass die Tiere des Feldes sie abfressen.“
Auch Micha 7,1-2 sagt: „Wehe mir! Denn mir ist es ergangen wie beim Einsammeln des Obstes, wie bei der Nachlese der Weinernte: keine Traube zu essen, keine Frühfeige, die meine Seele begehrt. Verloren gegangen ist der Getreue aus dem Land, und da ist kein Rechtschaffener unter den Menschen. Sie alle lauern auf Bluttaten, sie jagen jeder seinen Bruder mit dem Netz.“
Merkt man hier nicht, wie auch hier die Fruchtlosigkeit das Thema ist?

Die Reinigung des Tempels als Reaktion auf geistliche Fruchtlosigkeit

Soweit zum Feigenbaum. Schauen wir uns nun an, wie es um die andere Frucht steht. Der Feigenbaum ist ja nur ein Bild für das Volk.
Gehen wir mit Jesus in den Tempel. Wir wissen, dass er am Vortag schon kurz im Tempel gewesen war und sich alles angeschaut hatte. Was jetzt folgt, ist also seine Reaktion auf das, was er am Vorabend gesehen hat.
 Markus 11,15: Und sie kommen nach Jerusalem, und er trat in den Tempel und begann, die hinauszutreiben, die im Tempel verkauften und kauften. Die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stieß er um.
Das Tempelgelände ist riesig. Im äußersten Hof, dem Vorhof der Heiden, befanden sich die Tische der Geldwechsler und die Sitze der Taubenverkäufer.
Was tut Jesus? Er beginnt damit, die Händler und ihre Kunden aus dem Tempel hinauszutreiben. Und er tut das mit Gewalt. Er schreckt nicht einmal davor zurück, die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer umzustürzen.
 Markus 11,16: Und er erlaubte nicht, dass jemand ein Gerät durch den Tempel trug.
Der Begriff „Gerät“ hat eine breite Bedeutung. Er kann übersetzt werden mit Gerät, Gefäß, Handelsware oder Behälter. Gemeint ist also das allgemeine Transportieren von Waren und Gerätschaften.
Es hört sich so an, als hätte man den Tempel beziehungsweise genauer den Vorhof der Heiden als Abkürzung genutzt, wenn man von einem Stadtteil in den anderen wollte. Jesus unterbindet das. Er erlaubte nicht, dass jemand ein Gerät durch den Tempel trug.

Die wahre Funktion des Tempels und Jesu Kritik

Warum ist Jesus so strikt?
 Markus 11,17: Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Nationen? Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.
Markus betont hier die Funktion des Tempels als ein Bethaus für alle Nationen. Wenn der Bereich des Tempels, der eigentlich den Heiden zur Anbetung dienen sollte, als Markt und Durchgang genutzt wird, wird genau das nicht erreicht.
Noch schlimmer ist, dass an dem Ort, wo Raum für die Begegnung mit Gott sein sollte, Menschen anzutreffen sind, die nicht Gott, sondern ihren eigenen Vorteil im Kopf haben. So wird aus einem Bethaus ganz schnell eine Räuberhöhle.

Persönliche Anwendung und Abschluss

Was könntest du jetzt tun? Gott sucht Frucht im Leben der Israeliten. Überlege dir, welche Frucht er in deinem Leben findet. Wo sind im Bild gesprochen die Frühfeigen?
Das war's für heute. Einmal mehr möchte ich uns daran erinnern, dass Gott uns beauftragt hat, für unsere Politiker zu beten.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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