"Geistesgaben: Glaube"
23.05.2011
Serie•Teil 11 / 17Gaben in der Gemeinde
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Generierte Mitschrift
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Einleitung und Anschluss an die laufende Reihe
Den allen Gästen nochmals Hallo! Wenn wir heute so ein bisschen erschöpfter wirken, dann hat das einen Grund, eben in dieser Feierlichkeit von gestern. Ich glaube, wir sind auch alle einfach erschöpft, ob wir uns das so richtig zugeben oder nicht.
Wir stecken als Gemeinde in einer Reihe, einer Reihe über Geistesgaben. Also für alle, die heute das erste Mal da sind: Wir sind bei Predigt 10 von ungefähr 14. Und alle, die regelmäßig da sind, haben natürlich enorm viel Vorwissen.
Gleichzeitig haben wir einen Bibelleseplan, in dem in dieser Woche das Buch Esther dran war. Mindestens von dem lieben Wolfgang weiß ich, dass er das gelesen hat, denn er hat mir gesagt, dass er es liest. Und ich hoffe, dass viele, auch wenn wir die Geistesgabenreihe parallel laufen lassen, unseren schönen Erdbeer-Bibelleseplan nicht aus dem Blick verlieren und sich da auch die Mühe machen oder das Vorrecht genießen – vielleicht müsste man das eher so sagen –, die Bibel einfach durchzulesen, Stück für Stück, und dafür zu sorgen, dass wir uns gemeinsam ein Stück weiterentwickeln.
Das Buch Esther ist ja ein durchaus spannendes Buch. Vor allem ist es ein Buch, das ohne große Not einen Übergang schafft zwischen den beiden Themen. Das ist total lustig. Ich werde euch das gleich zeigen. Das teile ich mal noch nicht aus, das machen wir nachher. Wir schauen einfach mal rein in das Buch Esther.
Die Bedrohung im persischen Reich
Also, die Geschichte bei Esther ist relativ einfach. Wir schreiben das Jahr 400 irgendwas, die Israeliten sind formal schon wieder in ihrem eigenen Land. Aber es gibt noch eine ganze Menge von ihnen, die in Persien sitzen, wirklich viele.
In Persien ist es so: Es gibt nicht nur Freunde der Juden, sondern unter dem König Xerxes gibt es auch einen Haman, der die Juden gar nicht mag. Das ist, ich will mal sagen, so etwas wie ein Holocaust vor Christus, ein echter Antisemit. Dieser Haman bringt den König Xerxes dazu, ein Edikt zu erlassen, also einen königlichen Befehl. Dieser königliche Befehl sagt nicht mehr und nicht weniger, als dass alle Juden im Reich ausgerottet werden sollen. Das ist schon ganz schön grob.
Wenn man sich das so vorstellt, kommt da einer, der ganz oben angesiedelt ist, und überzeugt seinen Chef: Was hältst du davon? Ich habe da so eine Idee, wie man relativ schnell viel Geld machen kann. Da müssten nur strategisch gesehen bestimmte Köpfe rollen, und eigentlich wäre dann alles deins. Wollen wir das machen? Und warum auch immer der gute König das nicht gleich versteht, was da passiert, also das ist so ein bisschen Blackout, sagt er: Ja, coole Idee, ja, Geld können wir immer brauchen, warum auch nicht.
Man muss dazu wissen, dass Xerxes derjenige ist, der ein paar Jahre vorher versucht hatte, Griechenland einzunehmen. Das war eine ausgesprochen teure und überhaupt nicht gelungene Aktion. Das heißt, er hat alles da reingesteckt, was er hatte. Und wer den Film 300 ein bisschen kennt, weiß, worum es da geht: um Spartaner und Griechen, die sich hinstellen und sagen: Ja, also mit uns nicht. Du kannst ja mal versuchen, Griechenland einzunehmen, das klappt eh nicht. Und das klappte auch wirklich nicht. Er kam mit eingezogenen Ohren wieder nach Hause, war erst mal total fertig, dann benimmt sich seine Frau noch ein bisschen daneben, und dann braucht er erst mal eine neue Frau. Und das ist dann der Punkt, an dem die gute Esther ins Spiel kommt.
Also, Esther ist eigentlich so eine Art Ersatz für einen frustrierten König, der gerade die Welt erobern wollte, und es hatte halt nicht geklappt. Jetzt sitzt da im Königspalast Esther, von der niemand weiß, dass sie eine Jüdin ist, und der Vize überzeugt seinen Chef: Wir bringen alle Juden um. So, da steigen wir ein, genau an der Stelle.
Mordecais öffentlicher Protest
- Esther 3,14 Die ganze Verzweiflung wird nochmals zum Ausdruck gebracht, und die Briefe wurden durch die Eilboten in alle Provinzen des Königs gesandt, um alle Juden zu vernichten, umzubringen und auszurotten, vom Knaben bis zum Greis, Kinder und Frauen, an einem Tag, am dreizehnten des zwölften Monats, das ist der Monat Adar, und um ihre Habe als Beute zu erbeuten. Das ist die Idee. Wir legen einen Tag fest, und an diesem Tag machen wir alle platt.
So sitzt Mordecai, das ist der Vater von Esther, in der Hauptstadt, und er merkt: Ich muss etwas tun. Kapitel 4: Und als Mordecai alles erkannte, was geschehen war, da zerriss Mordecai seine Kleider und kleidete sich in Sack und Asche. Und er ging hinaus mitten in die Stadt und erhob ein lautes und bitterliches Klaggeschrei.
Heute würde man so etwas einen Flashmob nennen. Also: Ich mache etwas, womit keiner rechnet, schon gar nicht in der Hauptstadt. Denn Hauptstadt heißt: Hier geht es immer sehr gesittet zu, hier schreit keiner herum, hier legt auch keiner Sack und Asche an, hier ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Nein, Mordecai macht das nicht. Er ist da.
Und so kam er bis vor das Tor des Königs. Er bleibt also nicht irgendwo in einer Ecke der Stadt, wo ihn keiner mitkriegt, sondern er geht direkt dahin, wo der König wohnt. Denn in das Tor des Königs durfte man nicht mit Sackgewand kommen. Er geht also wirklich ein Risiko ein.
Und in jeder einzelnen Provinz, überall, wohin das Wort des Königs und sein Gesetz gelangte, war eine große Trauer bei den Juden, mit Fasten und Weinen und Wehklage. Den meisten war Sack und Asche als Lager ausgebreitet.
Ihr merkt wieder diese interessante Verbindung zwischen dem, was ich tue und mit meinem Körper darstelle, und dem, was ich innerlich empfinde. Sack und Asche: Jemand trauert, jemand macht sich klein, jemand fastet, jemand sagt, das ist mir wirklich ein Anliegen. Und das tun alle Juden.
Und Esthers Dienerinnen und ihre Eunuchen – ihr könnt euch vorstellen, die Königin hatte nicht unbedingt die potentesten Begleiter, sondern ihre Bodyguards; da hat man vorher dafür gesorgt, dass sie bestimmte Dinge eben nicht mehr können – kamen und teilten ihr das mit. Die schauten hinaus und sahen: Schau mal, da unten steht Mordecai, und er ist gerade dabei, im Sacktuch Richtung Königstor zu laufen, wo er gar nicht mit Sacktuch hin darf.
Esther zwischen Angst und Verantwortung
Und was macht die gute Esther? Da geriet die Königin sehr in Angst. Sie sandte Kleider hin, um Mordecai zu bekleiden und ihm sein Sacktuch abzunehmen.
Logisch, er wusste erst einmal nicht, was los war. Er merkte nur, dass er sich in Lebensgefahr begab. Aber er nahm die Kleider nicht an.
Da rief Esther Hatach, einen von den Eunuchen des Königs, den er mit ihrem Dienst beauftragt hatte, und gab ihm den Befehl, wegen Mordecai zu gehen, um zu erfahren, was das sei und weshalb es so sei. Sie schickt also jemanden hin, um zu fragen: Was geht da draußen vor? Keine E-Mail, keine SMS, kein Handy. Sie sitzt drinnen und bekommt nur mit, dass irgendetwas völlig schiefgeht, weil Mordecai sich auf eine Art und Weise verhält, die man einfach nicht macht, wenn man noch halbwegs gerade im Kopf ist.
Also schickt sie einen Diener hinaus. Mordecai ist vorbereitet.
Vers 7: Und Mordecai teilte ihm alles mit, was ihm widerfahren war, auch den genauen Betrag an Silber, den man Haman versprochen hatte, in die Schatzkammern des Königs als Gegenwert für die Juden darzuwiegen, um sie ausrotten zu können. Auch eine Abschrift des Schreibens mit dem Gesetz, das in Susa, das ist die Hauptstadt, zu ihrer Vernichtung erlassen worden war, gab er ihm, damit er es der Esther zeige und ihr alles mitteile.
Und dann kommt’s: Mordecai sagt diesem Hatach nun, und dann sagst du der Königin Folgendes. Mordecai ist der Ersatzpapa von Esther, also Stiefvater oder wie sagt man das, Adoptivvater. Dann sagst du das, und er solle ihr gebieten, zum König hineinzugehen, ihn um Gnade anzuflehen und vor ihm für ihr Volk zu bitten.
Also: Hatach, geh nach Hause, hier ist die Abschrift, so viel kriegt der König, und jetzt, liebe Königin, liebe Esther oder mit dem anderen Namen Hadassa. Der Name gefällt mir persönlich viel besser. Aber liebe Esther: Geh zum König und sage ihm, dass das eine völlig blöde Idee ist, dass die Juden gern am Leben bleiben würden und dass man das nicht einfach so machen kann.
Vers 9: Und Hatach kam und teilte Esther die Worte Mordecais mit. Da sagte Esther zu Hatach und trug ihm auf, für Mordecai jetzt die Antwort zu bringen:
Alle Knechte des Königs und die Bewohner der Provinzen des Königs wissen, dass für jeden Mann oder jede Frau, die zum König in den inneren Hof hineingeht, ohne dass er gerufen worden ist, ein Gesetz gilt, nämlich ihn zu töten, es sei denn, dass der König ihm das goldene Zepter entgegenreicht. Dann darf er am Leben bleiben. Ich aber bin schon seit dreißig Tagen nicht mehr gerufen worden, zum König hineinzukommen.
Ja, das ist also so. Ich habe mal gehört, dass es in Gemeinden getrennte Sitzordnungen geben soll. Das ist getrennt. Da hat der eine seinen inneren Hof, da wohnt er, und wenn er mal seine Frau sehen will, dann wird nach ihr gerufen. Und die gute Esther sagt: Das ist ein toller Vorschlag von dir, Mordecai, dass ich zum König gehe und ihn mal frage, ob wir an dem Ding was drehen können, an diesem Edikt da, alle Juden auszurotten. Aber mal ganz ehrlich: Wenn ich ganz ehrlich bin, so den letzten Monat, da habe ich den König nicht gesehen.
Und du weißt so gut wie ich: Wenn ich da einfach reingehe und der König hat einen schlechten Tag, erinnere dich mal, was mit seiner Frau vorher, mit Wasti, so hieß sie auch, interessanter Name übrigens, passiert ist. Die ist einfach abserviert worden. Die hat auch mal gerufen, die wollte nicht, dann weg. Glaubst du, ich soll da reingehen? Ey, das kostet mich den Kopf. Bist du wirklich sicher, dass ich da reingehen soll?
Der Glaube des Mordecai
Und jetzt kommt das, worauf es mir ankommt: Die Spannung steht im Raum. Da ist eine Frau im Zentrum der Macht, Jüdin, die eigentlich für ihr Volk eintreten könnte und eintreten müsste.
Man teilte Mordecai die Worte Esters mit, und Mordecai ließ Ester antworten: Bilde dir nicht ein, du könntest dich mit deinem Leben im Haus des Königs allein von allen Juden in Sicherheit bringen. Denn wenn du zu diesem Zeitpunkt wirklich schweigst, so wird Befreiung und Errettung für die Juden von einem anderen Ort erstehen. Du aber und das Haus deines Vaters, ihr werdet umkommen. Und wer erkennt, ob du nicht gerade für einen Zeitpunkt wie diesen zur Königswürde gelangt bist?
Mordecai sieht ganz genau, was Ester glaubt. Sie glaubt, dass sie heil aus der Sache herauskommen kann, wenn sie schweigt. Und sie hat kein echtes Vertrauen in den Vorschlag von Mordecai, obwohl der Vorschlag an sich ganz logisch ist. Da fehlt ihr einfach der Glaube, dass das funktionieren kann.
Und jetzt sagt Mordecai nicht, und das ist das Spannende, er sagt nicht, was wir erwarten würden: Hey Ester, wenn du da nicht hingehst, sind sie alle tot, was sollen wir denn machen? Das sagt er nicht. Mordecai tritt hier auf als einer, der ganz, ganz festen Glauben hat. Es ist nicht sein Problem, dass er Gott nicht zutrauen würde, dass er rettet. Er sagt zu Ester: Hör her, der Punkt ist nicht, überhaupt nicht, ob Gott uns rettet. Das wird er tun. Der Punkt ist nur, ob du das Werkzeug an der Stelle bist.
Das heißt, Mordecai besitzt etwas, was Ester nicht besitzt: einen ganz festen Glauben im Angesicht einer ganz gefährlichen, existenziell gefährlichen Situation. Wo man zu Recht logisch sagen könnte: Mann, das ist mir eine Nummer zu groß, das ist eigentlich nicht mehr meine Liga, in der ich so glaubensmäßig spiele. Und Mordecai sagt: Aber ich spiele da. Und wo Ester nicht mehr glauben kann, da tritt Mordecai mit seinem Glauben an die Seite und sagt: Hey, Gott wird uns retten. Überleg doch mal, ob das nicht der Moment ist, für den du eigentlich geboren worden bist, für den du gemacht bist, und warum du an die Stelle als Königin hingekommen bist.
Das heißt, er ist nicht panisch, sondern er hat einen festen Glauben. Diesen festen Glauben: Gott wird uns retten. Und die Folge davon ist, in Vers 15 und 16, dass Ester zuversichtlich wird. Da heißt es dann: Da ließ Ester dem Mordecai antworten: Geh hin, versammle alle Juden, die sich in Susa befinden, und fastet um meinetwillen. Und esst nicht und trinkt nicht drei Tage lang, Nacht und Tag. Auch ich selbst werde mit meinen Dienerinnen ebenso fasten. Und sodann will ich zum König hineingehen, obwohl es nicht nach dem Gesetz ist. Und wenn ich umkomme, so komme ich um.
Also merkt ihr: Da entsteht Mut, Glaubensmut im Herzen von Ester, weil ein anderer geglaubt hat und gesagt hat: Hey, Gott wird uns retten.
Und da möchte ich heute mit euch darüber reden. Schlagen wir mal auf: 1. Korinther 12,9 und treten hinein in unsere Glaubensreihe. 1. Korinther 12, die ihr schon länger diese Reihe begleitet. Ihr wisst, das ist eine Standardstelle, wo man immer mal wieder so einen kleinen Fuzzel liest und sich eine geistliche Gabe, also eine Gabe, mit der der Heilige Geist Menschen begabt, herauspickt. Und unsere Gabe heute findet sich in Vers neun ganz am Anfang. Da heißt es nämlich: Der Geist gibt einem anderen aber Glauben, die geistliche Gabe des Glaubens.
Es wird vielleicht der eine oder andere, wenn er das das erste Mal liest, sagen: Es ist komisch, ich dachte, Glauben ist das, was jeder Christ haben muss. Sind die Christen nicht Gläubige? Ohne Glauben kann ich ja kaum ein Gläubiger sein. Hier wird beinahe gesagt: Ohne Pfunde kein Pfundskerl. Das gehört doch irgendwie so richtig dazu.
Und natürlich Apostelgeschichte 16,31, so die Geschichte, die man wahrscheinlich in der Kinderstunde, wenn man jemals in seinem Leben Kinderstunde besucht hat, auf alle Fälle kennt, wo der Kerkermeister in Philippi sich bekehrt. Und dann heißt es da: Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus. Ah, das ist so schön, Glaube! Und er glaubt und lässt sich taufen, und alles ist gut.
Rettender Glaube und Nachfolge
Und wir wissen, dass jeder diese Art von Glauben haben muss. Das gehört einfach dazu. Ein Gläubiger hat rettenden Glauben.
Rettender Glaube ist ein Glaube, der sich aus drei Dingen zusammensetzt. Ich möchte das immer wieder wiederholen, damit wir dafür einen klaren Blick bekommen.
Rettender Glaube glaubt an das Richtige, in diesem Fall beim Kerkermeister an den Herrn Jesus. Wir glauben als Gläubige an den Herrn Jesus. Und dann kommt zu einem bloßen Glauben, der ein rettender Glaube wird, noch etwas hinzu: Zu dem richtigen Inhalt, also dem Herrn Jesus, kommt der Moment dazu, in dem man wirklich anfängt zu glauben. Die Bibel nennt diesen Moment Bekehrung.
Ich weiß noch, wie das für mich war. Das war spannend. Ja, ich bin ja konfirmiert, ich hatte schon eine ganze Menge Hintergrundinfos über das Christentum mitbekommen, so mit Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Ganz grob hatte ich schon eine Vorstellung davon, worum es geht. Und dann kommt, wenn wir über rettenden Glauben reden, zu diesem Wissen der Schritt, zu sagen: Jetzt möchte ich das auch annehmen. Ich möchte die Person annehmen. Ich möchte der Person Jesus, von der ich so viel weiß, auch wirklich vertrauen.
Und dann gibt es einen dritten Punkt, den lernt man im Jakobusbrief: Jakobus 2. Glaube ohne Werke ist tot. Das heißt, einfach nur sich hinzustellen und zu sagen: Ja, ich glaube auch an Jesus, reicht nicht. Schön, ja, freut mich. Aber echter Glaube ist etwas, das man im Leben sieht, weil Nachfolge zum Glauben dazugehört.
An Jesus zu glauben heißt, ihm zu folgen, ein Jünger zu werden, das zu tun, was er sagt. Bitte lasst uns das auf einer ganz simplen Ebene einfach immer wieder festhalten. Ein Jünger Jesu folgt Jesus. Und wenn Jesus sagt, wir gehen nach links, geht er nach links. Und wenn er sagt, wir gehen nach rechts, gehen wir nach rechts. Wenn Jesus sagt, es wird nicht gelogen, wird nicht gelogen. Und wenn er sagt, wir fangen an zu beten, beten wir.
Ganz einfach, bitte, ja: Wir haben jemanden, dem wir folgen. Wir haben einen guten Hirten, und wir gehen ihm hinterher. Und wir lassen uns führen, wir lassen uns ein Leben lang durch dieses Leben führen. Das ist der Glaube, den jeder haben soll. Und diesen Glauben hatten natürlich auch alle Korinther.
Die besondere Gabe des Vertrauens
Und doch gibt es eine Gabe des Glaubens. Eine einzige theoretische Sache heute Nachmittag: Ich weiß, es ist heiß, viele sind müde, aber ich muss das mal loswerden.
Dieses Wort, das im Neuen Testament mit Glaube übersetzt wird, hat zwei große Schwerpunkte. Zum einen, so wie man es immer versteht: Glaube ist das, wenn jemand von einer Sache überzeugt ist, gewiss ist, wenn er Vertrauen hat. Das gleiche Wort kann aber auch übersetzt werden mit Vertrauenswürdigkeit. Also: Das Wort Pistis, Glaube, heißt Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit.
Anders ausgedrückt: Wenn jemand Glauben hat, dann ist das jemand, der glaubt, jetzt in der Bibel an Gott, oder der vertrauenswürdig ist, dem man glauben kann. Beides steckt in diesem Begriff drin. Ein Gläubiger ist einer, der an Gott glaubt, und es ist einer, dem geglaubt werden kann. Man muss dann immer bei den Texten so ein bisschen schauen, wo liegt der Schwerpunkt.
Bei der Gabe des Glaubens ist mir das in meinen Augen relativ klar auf der ersten Seite. Es ist einer, der in besonderer Weise an Gott glaubt. Also nicht nur grundsätzlich, sondern es gibt Typen, die haben einen schier unerschütterlichen Glauben. Da stehst du da vor und sagst: Sag mal, so ein Mordecai halt, ja? Wir haben ja nur den mächtigsten Mann der Welt, den Beherrscher ganz Persiens und was damals zum persischen Großreich gehörte, das ging runter bis Alexandrien und rüber bis Indien, ja? Wir haben ja nur den Mann gegen uns. Na und, Gott wird uns retten.
Das ist so eine Form von Glaube, wo du sagst: Wie macht der das? Und an dieser Stelle greift dieser Text aus 1. Korinther 12,9. Die Gabe des Glaubens ist die Fähigkeit, Gott auf ganz außergewöhnliche Weise zu vertrauen.
Und noch mal: Gott verlangt von uns allen und wünscht sich von uns allen, dass wir einen großen Glauben haben. Gott wünscht sich von uns allen, dass wir einen Glauben haben, der Berge versetzt, dass wir nicht zweifeln. Geschenkt. Wir dürfen alle dafür beten, dass Gott unseren Glauben mehrt. Dass wir in den Situationen, in die wir so hineinstolpern, an der Stelle glauben können.
Das ist genau wie: Wir haben Barmherzigkeit schon als Gabe, wir sollen alle barmherzig mit Leuten umgehen. Aber dann gibt es bestimmte Typen, die machen das einfach. Das ist denen irgendwie imprägniert, so barmherzig, wie so ein Roboter, ein Barmherzigkeitsroboter, wo du sagst: Der kann gar nicht anders.
Oder ich habe euch bei dem Thema Wort der Erkenntnis erklärt: Es gibt einfach Typen, könnt ihr euch vorstellen, dass ich manchmal morgens aufwache und ich habe im Traum ein theologisches Problem gelöst? Das ist einfach absurd, oder? Ich hatte vor kurzem einen Traum, da bin ich morgens aufgewacht, da dachte ich: Super, die Stelle gehört eigentlich mit der Lebenserfahrung verknüpft. Da läuft das im Hintergrund einfach weiter. Jeder von euch soll die Bibel aufschlagen und soll ab und an denken: Boah, ich habe was dazugelernt. Es wäre schade, wenn das nicht so ist.
Aber es gibt einfach Typen, und da finde ich mich halt wieder, die sind ständig am Lernen und Lesen. Ich habe mich mit Boris die Woche getroffen, wir haben Jakobus 1 zusammen studiert für seine nächste Predigt, und es hat mir mehr Spaß gemacht als ihm. Ich habe so viel gelernt, ich habe einfach nur mit ihm studiert, es war einfach toll. Einfach so ein bisschen drauf losgequatscht und bin so begeistert, ich hätte am liebsten gleich Jakobus 1 heute gepredigt.
Oder Evangelisten. Wir sollen alle Evangelisten sein, alle uns bei einer Hochzeit darüber freuen, wenn wir mit jemandem reden können, ins Gespräch kommen, vielleicht so viel Kontakt bauen, dass wir mit ihm in der Bibel lesen können. Aber es gibt einzelne Typen, das heißt so einfach: Über den ist das im Blut. Dein Schwager zum Beispiel, der kann nicht anders, der ist einfach getrieben. Das ist nicht einer, der mal evangelisiert und einer, der sich so sagt: Christen sollten auch über ihren Glauben reden, das wäre irgendwie schon gut. Das macht er einfach.
Und so gibt es Leute, die nicht einfach nur glauben, sondern es gibt Leute, die leben, als hätte Gott ihnen permanent gesagt: Mach ich schon. Und die sagen: Super, wollen nur keinen Kopf mehr machen. Und ich rede nicht von Leuten, die naiv sind, wir reden nicht über Naivität. Wir reden auch nicht von Leuten, die allgemeine Plätze gebrauchen. Man kann dieses „Gott macht das schon“ bestimmt so salbungsvoll ausgießen, ohne dass im Inneren irgendwas drin ist. Gute Christen sagen immer so Sachen wie: „Gott macht das schon, mach dir keine Sorgen, Gott ist groß.“ Das stimmt alles irgendwie, das ist in Ordnung, aber sei vorsichtig, darüber reden wir heute nicht.
Wir reden über eine Gabe des Glaubens. Wir reden darüber, dass Leute einen Glauben haben, der vertrauenswürdig ist, einen Glauben haben, dem man glauben kann, dass, wenn die sagen: Gott macht das schon, es wirklich so ist. Dass sie sich das nicht nur wünschen würden oder mal gehört haben, dass das irgendwann mal passiert ist, sondern dass sie sagen: In der Situation, wo du jetzt drinsteckst, sage ich dir, weil ich diese Gabe des Glaubens habe, dass Gott das machen wird.
Ein Beispiel für Glauben zugunsten anderer
Ich war sehr früh in meinem geistlichen Leben von ein paar Typen begeistert, die, glaube ich, selten in Predigten erwähnt werden. Deswegen muss ich sie euch vorstellen: Lukas 5.
Sie werden deshalb selten erwähnt, weil der Schwerpunkt dieser Geschichte so weit weg von ihnen liegt, dass man sie ganz leicht übersieht. Aber sie haben etwas ganz Besonderes.
Lukas 5,17.
Auch da eine Geschichte, von der ich überzeugt bin, dass ihr sie schon gehört habt, auch hier schon gehört habt. Da heißt es: Und es geschah an einem Tag, Lukas 5,17, es geschah an einem Tag, dass er lehrte. Schön, es geht um Jesus. Und es sassen da Pharisäer und Gesetzeslehrer, die aus jedem Dorf von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren, und des Herrn Kraft war da, um zu heilen.
Klassisches Setting. Du hast Raum, der Raum ist voll. Es ist eine etwas fiese Situation. All die Theologen waren gekommen, um Jesus aufzulauern, um irgendetwas von ihm zu hören und zu sagen: Jetzt haben wir dich, jetzt können wir dich anklagen. Ganz gespannte Situation. Aber es liegt Kraft im Raum. Jesus ist mit Autorität da.
Und jetzt kommen die Männer, die ich euch vorstellen möchte und von denen ich glaube, dass man selten genau liest, was das für Typen sind. Da heißt es: Und siehe, Männer bringen auf einem Bett einen Menschen, der gelähmt war, und sie suchten ihn hineinzubringen und vor ihn zu legen. Und da sie nicht fanden, auf welchem Weg sie ihn hineinbringen sollten, wegen der Volksmenge, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn durch die Ziegel hinab, mit dem Bett, in die Mitte.
Das ist kein richtiges Bett, ja. Es ist mehr so eine Art Hängematte, Matratze mit dem Bett in der Mitte, vor Jesus. Stark, oder? Ich mag die.
Da haben Leute, die sehen ihren Freund, der ist gelähmt. Die hören, da gibt es diesen Rabbi, der kann heil machen. Und ich weiß gar nicht, ob sie den Freund so groß gefragt haben. Zumindest schnappen sie ihn sich. Ja, und kommen bei dem Haus an, und sie sehen: Boah, wir kommen da überhaupt nicht rein. Da stehen außen die Leute außen herum, innen drin sitzen sie, da ist kein Durchkommen.
Und die sagen nicht: Naja, irgendwie schade jetzt. Vielleicht heute Abend, ja, vielleicht morgen, vielleicht irgendwann mal. Sondern sie haben so eine Dringlichkeit in ihrem Herzen, dass sie aufs Dach gehen, das Ding aufreißen und das runterlassen.
Ich finde Jesus beeindruckend, weil er sitzt ja genau da, wo der Staub und der Dreck und all das runterkommt. Aber ich finde die vier auch beeindruckend.
Und dann kommt der Vers, auf den es mir ankommt. Vers 21 – nee, noch Vers 20, Entschuldigung. Vers 20, Lukas 5,20: Und als er ihren Glauben sah.
Also, das ist so spannend. Jesus schaut hoch, da kommt dieser runter. Der Mensch ist völlig uninteressant. Er sieht hoch und er sieht ihren Glauben. Es ist der Glaube von den Freunden, es ist nicht der Glaube von dem, der da runterkommt. Wir würden denken: Na, der war gläubig und deswegen wird er gerettet. Hä, steht nicht da. Was da steht, ist: Die Freunde haben Glauben.
Und es ist eine besondere Form von Glauben, die ich euch heute vorstellen möchte. Es ist der Glaube für andere. Wir haben ja oft den Eindruck, Glaube ist etwas, was nur für uns ist. Ich glaube für mich. Hier sind Leute, die glauben für andere. Und wir wissen, dass es bei einer Gabe doch immer darauf ankommt, dass man mit seiner Gabe andere unterstützt, andere befähigt. Gaben sind für die Gemeinschaft gemacht.
Und hier erleben wir, was die Gabe des Glaubens kann. Ich denke, es ist ein Bild dafür, wie die Gabe des Glaubens funktioniert. Da habe ich Glauben, mehr Glauben, wahrscheinlich mehr Glauben oder mehr Möglichkeiten als der Gelähmte. Und ich setze mich, weil ich mehr Glauben habe, ich setze mich in Bewegung, ich tue etwas.
Wer die Gabe des Glaubens hat, der glaubt da weiter, wo einem anderen die Glaubenskraft verloren geht. Der kann durch diesen Glauben, den er hat, Mut zusprechen. Er kann konkrete Schritte der Hilfe einleiten, die der Betroffene selber gar nicht mehr tun kann. Er kann sich mit seinem Glauben auch gegen Zweifel stellen, die bei dem anderen sind. Und das ist meines Erachtens die Gabe des Glaubens.
Wenn jemand diese Gabe hat, dann besitzt er die nötige Ausdauer, um, selbst wenn es jetzt Schwierigkeiten gibt, selbst wenn negative Vorzeichen sich gegen das stellen, wovon er durch Gott überzeugt ist, dass Gott tun wird, einfach weiter zu glauben. Und mit dieser Überzeugung und mit dieser Ausdauer kann er jetzt die stärken, die das nicht haben.
Gemeinde, Schwäche und geistliche Verantwortung
So, und das ist für mich ein ganz toller Gedanke, weil ich jetzt einen Schritt zurückgehen möchte.
Stellt euch einmal vor, was das für eine Gemeinschaft, für eine Gemeinde bedeutet, wenn Gott sagt: Ich habe so eine Gabe in eure Mitte gestellt. Das ist erst einmal hypothetisch. Es bedeutet doch, dass eine Gemeinschaft aus Leuten besteht, bei denen nicht immer alle Überwinder und Superhelden im Glauben sind, sondern wo Gott ganz genau weiß: Unser geistliches Leben ist ein Auf und ein Ab. Es wird Zeiten geben, da können wir im Glauben Berge versetzen, und es wird Zeiten geben, da sind wir so tief unten, da wissen wir eigentlich gar nicht mehr weiter.
Da brauchen wir jemanden, der einen Überschuss an eigenem Glauben hat, an unsere Seite tritt und sagt: Weißt du, ich helfe dir jetzt. Wir schaffen das jetzt gemeinsam.
Es macht mich so frei, dieses Denken. Nicht nur, weil es so realistisch ist, sondern auch, weil ich mir selber sagen kann: Jürgen, du wärst zwar immer gerne stark, wer wäre das nicht, aber du bist es nicht. Du bist es einfach nicht. Es wird Momente in deinem Leben geben, in denen du schwach bist. Es wird Momente in deinem Leben geben, in denen du vielleicht sogar zweifelst, in denen du nicht mehr weiter weißt, in denen du vor so einer Wand stehst und sagst: Vielen herzlichen Dank, ich kann gerade auch noch so weit blicken, und dann ist Schluss. Wo die Hoffnung weg ist. Oder wo du keine Vision mehr für die Zukunft hast. Wo du dir ernsthaft die Frage stellst: Ist das mit Gott eigentlich richtig in Ordnung hier, oder sollte ich es mal ohne ihn probieren?
Das darf es geben. Und für so einen Moment, in dem ich selber nicht mehr weiter kann, in dem ich wie so ein Gelähmter da liege und mich eigentlich nicht mehr bewegen kann, schenkt Gott Menschen, die an meine Seite treten und sagen: Weißt du, ich habe Glauben für zwei. Wenn du gerade keinen hast, ist es okay. Ich habe das einmal als junger Christ ganz extrem erlebt. Das ist jetzt nicht, glaube ich zumindest, nicht die Gabe des Glaubens, aber ich habe so eine Unterstützung durch Bärbel mal erlebt.
Ich bin mal in ein seelisches Tief hineingerutscht, ich weiß gar nicht mehr wodurch, in dem ich nicht mehr beten konnte. Ich war so down. Ich konnte nur noch da sitzen. Ich weiß nicht, woher das kam. Ich konnte nur noch Bärbel sagen: Bärbel, ich kann nicht mehr beten, ich kann nicht mehr den Mund aufmachen, ich kann nicht mehr klar in diese Richtung Gott denken. Und ich habe ihr einfach gesagt: Weißt du, kannst du für mich beten? Kannst du quasi meinen Glauben am Leben erhalten?
Es war nur ein kurzer Moment, so ein Abend, aber es war so ein tiefer, also er hat sich tief eingeprägt. Ich war noch Student, es war so ein kleines, acht Quadratmeter großes Zimmerchen, und ja, er sitzt an meinem Schreibtisch und ich bin völlig erledigt. Und Bärbel betet für mich und glaubt für mich und hilft mir durch diesen Moment hindurch.
Und ich denke, wenn jemand die Gabe des Glaubens hat, dann ist das seine Berufung, Menschen in solchen Situationen zu begleiten, vielleicht schon bevor die Zweifel kommen.
Und jetzt muss ich auf etwas hinweisen, was mir ganz wichtig ist. Es gibt mit dieser Gabe ein riesiges Problem. Es gibt das Problem, dass man die Gabe des Glaubens nicht auf konkrete Verheißungen aufsetzt, die man von Gott bekommen hat. Es sind die, die zu anderen sagen: Fürchte dich nicht, aber es ist nur eine Floskel. Sie haben nicht wirklich etwas zu sagen.
Ich erlebe das unter Christen, dass immer wieder aus einer falschen Motivation Menschen Mut zugesprochen wird. Also das geht dann, wenn ich das richtig sehe, etwa so: Man ist innerlich vielleicht emotional berührt von einer Situation, man hat einen Bibelvers, wo man sagt: Das steht doch drin, Gott muss retten. Dann kommt noch so ein bisschen ungesundes Sendungsbewusstsein dazu und dann diese Denke: Gott muss doch, wenn ich nur irgendwie arg genug glaube, genau das machen, wofür ich bete. Und dann wird der Sieg Jesu proklamiert über die Situation, und es wird Kampf gebetet, und es wird Leuten, die in tiefer Verzweiflung stecken, Mut zugesprochen: Gott wird retten!
Ich habe, was weiß ich, so ein paar Situationen vor Augen, wo man Eheleuten gesagt hat, wohl einer hatte Krebs: Oh, wir haben es vom Herrn, er wird gesund werden! Und das wird dann über Wochen und Monate gesagt, und dann wird Mut gemacht, und dann stirbt der Partner. Was dann übrig bleibt, sind ganz, ganz tiefe Verletzungen, denn Menschen sind erhoben worden und fühlen sich von Gott betrogen.
Deswegen möchte ich an dieser Stelle warnen vor einem seelischen Missbrauch des Denkens: Wenn ich nur in mir etwas spüre, dann wird das schon Gottes Stimme sein. Sei vorsichtig. Wir reden über eine Gabe. Wir reden darüber, dass du diese inneren Eindrücke erlebst und dass der Glaube, den du da hast, vertrauenswürdig ist, dass man dir glauben kann, wenn du sagst: Der wird gesund.
Das ist die Gabe des Glaubens, nicht der innere Eindruck: Ja, ich habe irgendwie die Idee, dass Gott retten möchte. Die habe ich auch oft. Aber ich möchte euch ehrlich sagen: Ich habe dann so eine Fifty-fifty-Chance. Ich suche nicht nach Fifty-fifty.
Und wenn ich jemals in eine schwierige Situation kommen sollte, erspart mir bitte, wenn ihr nicht klar die Gabe habt, erspart es mir, mir Mut zu machen. Ich will das gar nicht haben. Ich möchte euren Arm um meine Schulter haben, ja, aber nicht: Gott hat gesagt, wo er nicht gesprochen hat. Weil es nicht fair ist. Wenn Gott nicht spricht, spricht er nicht. Dann müssen wir durch.
Aber wenn jemand von uns diese Gabe hat und sagt: Ja, zu mir spricht Gott, ich erlebe das immer wieder. Ich habe in bestimmten Situationen Glauben, weiß auch nicht, welche Situationen das immer so im Allgemeinen sind, aber plötzlich habe ich da so eine feste Zuversicht. Und immer, wenn ich so eine feste Zuversicht habe, erlebe ich regelmäßig, es geht ja um Gabe, es geht ja um Ausprobieren, geistliches Wachstum, ich erlebe dann, das passiert auch. Und irgendwann weiß ich: Wenn ich mich so fühle, kann ich zu einem anderen hingehen und sogar sagen: Wird gut. Und es wird gut.
Wenn du das hast, dann bewegen wir uns in Richtung Gabe des Glaubens.
Warnung vor Überheblichkeit und Selbstprüfung
Und wenn du noch eine letzte Anmerkung hast, dann pass auf: Es gibt eine Riesengefahr. Stell dir vor, du hättest so eine Gabe. Glaubenszweifel sind uns tendenziell fremd, ich glaube für andere gleich noch mit. Und dann begegnet dir jemand, der sich so durchs Leben schleppt und sagt: Na ja, heute mal nur 30 Prozent Zweifel. Die Gefahr, dass man auf den herabschaut und denkt: Was hast du denn, bist du eigentlich ein richtiger Christ?, ist riesengroß.
Von daher: Wenn du diese Gabe hast, und ich wünsche mir, dass wir an der Stelle wirklich in uns hineinhorchen, dann haben wir da etwas. Sind wir so Typen, die genau das erleben? Und ich habe euch die Zettel mitgebracht und würde mit euch gern zum Schluss die Fragen noch einmal durchgehen. Ich mache das mal so. Für alle Gäste: Es gibt diese Zettel auch im Internet auf frogwords.de.
Ich habe euch unten einfach ein paar Fragen zur Selbstreflexion zusammengestellt, um eine Idee davon zu bekommen, inwieweit diese Gabe bei uns da ist.
Erstens: Bist du ein „vollmächtiger Beter“? Das heißt: einer, der beim Beten ganz selten Zweifel hat. Das heißt: einer, der sagt: Yo, ich traue Gott also prinzipiell immer, und alles ist gar keine Sache. Das wäre schon mal so ein Hinweis. Wenn du so einer bist, der beim Beten immer erst mal denkt, ob das wirklich passiert und ob das alles hier so Sinn macht, ist es vielleicht nicht deine Gabe.
Zweitens: Fühlst du dich innerlich gedrängt, glaubend und betend gegen scheinbar ausweglose Situationen anzugehen, die Gott dir besonders aufs Herz legt? Also wo du denkst: Hier für die Sache, da stehe ich. Keine Ahnung, warum gerade die Sache. Es ist nicht immer da, aber da stehe ich dazu.
Also, ich habe mal, das waren die Eltern von Doro, die haben ein Haus gebaut, und da gab es mal so eine Krisensituation. Und ich konnte an dieses Haus glauben, keine Ahnung warum. Mir war klar: Das wird werden. Ich habe nicht die Gabe des Glaubens, aber so war es in dieser Richtung. Da gibt es etwas, das hat eigentlich mit mir nichts zu tun, aber ich habe irgendwie einen ganz unerschütterlichen Glauben: Das wird werden. Ja, das ist schön, weil man dann so ... Es war vielleicht ein bisschen, also ihr merkt schon.
Hast du in bestimmten Situationen die innere Überzeugung, dass Gott handeln wird, und Gott tut es auch? Wichtig: also der zweite Punkt, nicht nur, dass Gott handeln wird, sondern dass Gott es auch tut. Ist dein Glaube also vertrauenswürdig?
Nächste Frage: Würdest du dein grundsätzliches Vertrauen auf Gott als sehr hoch bis unerschütterlich bezeichnen? Also dieses Glaubenstief, das ist etwas, das haben andere.
Vorletzte Frage: Hast du schon Erfahrung mit dem Für-andere-Glauben gemacht, den Gaben, die man hat? Die, die man hat, die macht man ja manchmal spontan einfach so, weil man sich gedrängt fühlt. Indem du geistlich kraftlosen Geschwistern mit deinem Glauben zur Seite gesprungen bist, ist das schon mal passiert? Also als du dachtest: An der Stelle, da konnte der nicht mehr, aber ich bin einfach da hingegangen und habe mich da ... ja, wäre ja möglich.
Und dann die letzte Frage: Bist du charakterlich ein Mensch, das ist jetzt ein Rechtschreibfehler, sorry, nicht Mann groß geschrieben, sondern Mann klein geschrieben mit einem n weniger, also Mann und Frau, dem man vertrauen kann? Ja, also wo Glaube ist, ist auch Vertrauenswürdigkeit. Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit gehören eng zusammen in der Bibel, nicht nur begrifflich, sondern Gott vertraut Menschen, die vertrauenswürdig sind. Und deswegen wäre es ganz ungewöhnlich, dass jemand die Gabe des Glaubens hat, aber er ist charakterlich einfach unter aller Sau oder einfach saß. Bloß nicht, es wäre ganz ungewöhnlich.
Schluss
So, an dieser Stelle mache ich Schluss.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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