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Ermahnungen und Grüße

1. Thessalonicher 5,12-2831.05.1994
Warum zerbrechen Beziehungen an Kleinigkeiten? Der Kern ist simpel: weniger Ich, mehr Frieden. Wer den anderen trägt, statt zurückzuschlagen, macht Gemeinschaft überhaupt erst möglich.

Einleitung: Der Blick auf den Zusammenhang

 1. Thessalonicher 5,12-28. Es war interessant: Auf unserer Israelreise haben wir manche Gespräche immer wieder geführt. Dabei war mir aufgefallen, wie froh manche doch sind, wenn man ihnen ein wenig hilft, in die Bibel hineinzufinden.
Wir haben dabei festgestellt, dass heute bei vielen gar nicht mehr bewusst ist, wie hilfreich das Lesen am Stück ist. In der Bibel ist es sehr nützlich, einmal zusammenhängend zu lesen und etwas im Zusammenhang zu entdecken. Das Herausgreifen einzelner Stellen ist gefährlich. Deshalb muss man im Zusammenhang ein ganzes Stück lesen.
Wir haben den ersten Thessalonicherbrief gelesen, um ein wenig in die Gemeinde von Thessaloniki hineinzublicken. Dabei merkt man, wie aktuell das durch die Jahrhunderte immer wieder geblieben ist.
Und jetzt geht es um die Grüße. Grüße sind in unseren Briefen oft nur Floskeln. Ich weiß nicht, wie Sie das machen mit „herzlichen Grüßen“ oder mit „in treuer Verbundenheit“ oder was Sie da unten hinschreiben. Bei Paulus ist das schön: Das sind gefüllte Worte. Er macht das wirklich herzlich, ohne dass das Wort „herzlich“ vorkommt. Denn das kommt wirklich von innen heraus. Und er sagt dabei auch noch wichtige Dinge, Ermahnungen und Grüße überschrieben.

Die Gemeinde als Ort von Leitung, Ordnung und gegenseitiger Verantwortung

Wir bitten euch aber, liebe Brüder, erkennt die an, die bei euch arbeiten und euch im Herrn vorstehen und euch ermahnen. Habt sie umso lieber um ihres Werkes willen.
Haltet Frieden untereinander! Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Seht zu, dass keiner dem anderen Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach, untereinander und gegen jedermann. Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. Den Geist dämpft nicht, prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles und behaltet das Gute.
Meidet das Böse in jeder Gestalt. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt und untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird es auch tun. Liebe Brüder, betet auch für uns. Grüßt alle Brüder mit dem heiligen Kuss.
Kennt ihr, was das ist? Wisst ihr nicht, was es ist? Ich erkläre es euch. Also, ich beschwöre euch, meine Herren, dass ihr diesen Brief lesen lasst vor allen Brüdern. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch.
Wenn sie es im Zusammenhang lesen, fällt ihnen jetzt gleich auf: Hier ist der Einschnitt zum folgenden Abschnitt relativ klar. Im vorigen Abschnitt erzählt Paulus, man muss im Licht der Ewigkeit leben. Denkt daran! Das ist ganz schlimm, wenn man vergisst, dass mein Leben ein Ziel hat.
Leben Sie jeden Tag so, wie es Paulus im Kapitel 5, Vers 1 bis 11 schreibt. Leben Sie im Bewusstsein, dass der jüngste Tag kommt. Leben Sie so, dass er jeden Tag euer Leben bereinigt im Licht der Vergebung Jesu.
Und wisst ihr: Wenn ich einmal vor Jesus stehen werde, der heller ist als tausend Sonnen, und mein Leben erkennt, dann bin ich vor ihm offenbar. Und jetzt soll ich auch im Licht der Ewigkeit merken, dass meine Tagessorgen um Essen und Trinken nicht das Wichtigste sind. Also richte ich mich auf die Ewigkeit aus. Denk jeden Tag daran: Man muss sterben. Ich nehme nichts mit hinüber. Wenn mein Leben hoch und alt wird, werde ich vielleicht achtzig, aber dann ist auch eine Qual, bis man achtzig wird. Denkt doch daran: Macht jeden Tag wieder ein Stück der Ewigkeit entgegen.
Das war letztes Mal das Thema. Heute geht es darum: Vergiss über den Blick zur Ewigkeit nicht deine nächsten Bezüge. Und beides muss ein Christ im Auge haben: die Ewigkeitsbezüge, den Blick auf die Wiederkunft Jesu, den Blick auf den jüngsten Tag, aber auch den Blick auf meine nächste Umgebung. Und wir leben in einem Umfeld, in einem Kreis, in den uns Gott hineingestellt hat. Und dort drin bewährt sich unser Christsein.

Die Gefahr des Rückzugs in die eigene Welt

Dann sagen Sie: Das höre ich, das ist doch eigentlich nichts Besonderes, was der Paulus sagt. Dann haben Sie es nicht begriffen. Denn jede Zeit hat ihre Gefahren. Jede Zeit.
Wir sehen immer wieder die Gefahren vergangener Zeiten sehr gut. Zum Beispiel, dass in den 30er Jahren in Deutschland die Gefahr des Nationalsozialismus war. Dann war die Gefahr, dass man dem Kommunismus verfiel. Und früher war die Gefahr vielleicht, dass man zu militaristisch war, dass die Leute freiwillig zum Militär gingen und stolz darauf waren. Und dann war früher vielleicht die Gefahr, dass man die Arbeiter unterdrückt hat und im vorigen Jahrhundert nicht sozial gedacht hat.
Wir können aus der Vergangenheit immer die Fehler so klar benennen. Wenn wir einen Fehler unserer Zeit herausgreifen wollen und fragen: Was ist für unsere Zeit heute das Gefährlichste? Dann sage ich es Ihnen freimütig: dass wir alle bloß an uns denken. Wir sind individualistisch geworden.
Und jetzt prüfen Sie sich selber einmal. Es kostet Überwindung, heute Abend noch einmal in so einem Saal zu sitzen. Ich bleibe bei mir allein und bin für mich da. Da bin ich doch erzählt von der Frau, die Peter Hahne geschrieben hat: Mein Mann ist tot, mein Hund ist tot, jetzt habe ich nur noch Sie, den Fernsehsprecher, nicht? Mein Mann ist tot, mein Hund ist tot, jetzt habe ich nur noch Sie.
Also, das ist die individualistische Art heute. Da sitzt einer vor dem Fernseher, und das ist der letzte menschliche Kontakt, den man hat. Denn man kauft auch bloß noch irgendwo im Supermarkt, wo es kein Gespräch mehr gibt. Früher hatte es der Metzger und der Milchmann noch, wo man noch reden konnte. Sie wissen doch, wie schwierig das ist. Bei mir immer wieder. Ich mache niemandem die Haustür auf, sagen mir die Leute. Es wird immer schlimmer. Oder die Leute sind ja Kinder, gell. Man hat einfach an den menschlichen Bezügen keine Freude mehr. In der Familie: jeder bin für mich, und lieber für mich allein, und ich ziehe mich zurück.
Und passen Sie auf: Das ist eine ganz gefährliche Zeit des Individualistischen, des Rückzugs auf sich selber. Und ich brauche niemanden, ich weiß sowieso, wie alles recht ist. Wir können da alle kritisieren, man schimpft über alle und so weiter. Man ist ganz in seine Burg eingeschlossen, und da liegen dann ganz viele Nöte und Probleme. Plötzlich findet man nicht mehr heraus. Man weiß auch gar nicht mehr, wie es draußen aussieht. Man sieht sein Leben nicht mehr richtig.
Ich versuche ja immer wieder, und ich danke Ihnen, dass es auch vorher als Späßle versandet war, wenn Sie sagen: Rücken Sie doch vor oder gehen Sie aufeinander zu und drücken Sie mal die Hand, sprechen Sie mal mit jemandem, besuchen Sie doch mal jemanden. Da muss man heute richtig aufpassen, dass man sich nicht so zurückzieht, oft natürlich auch unter wehleidigen Äußerungen: „Ich habe so viele schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, alle Menschen sind schlecht, außer mir natürlich.“ Dann kann man sich so schön zurückziehen und sagen: Ja, ich habe so Schwerheit und ganz, ganz große Not.
Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts ist die individualistische Einsamkeit des Menschen. Und das wird in den reichen Ländern immer, immer schlimmer. Natürlich, da kann man sagen: Ich kann die Tür nicht mehr aufmachen, es passiert so viel Überfall, und so sicher ist es sehr gefährlich. Man kann immer in Versammlungen gehen, denn es ist so gefährlich, auf die Straße zu gehen, und so. Dann wird man immer weiter vereinsamt, und immer kälter wird es um uns her.
Und deshalb sind mir die Worte von dem Paulus ungeheuer aktuell. Er zeigt uns, wie wir jetzt in der Gemeinschaft, in der ganz normalen Gemeinschaft leben. Und dann ist das hochinteressant für unsere Zeit. Und er sagt zuerst: Unterwirf dich Leitern. Das fällt uns nämlich schwer.

Anerkennung von Leitung und die Frage echter Autorität

Eine menschliche Gemeinschaft kann nur funktionieren, wenn irgendwo wieder jemand die Leitung hat. Schon ganz einfach: Man geht in den Hauskreis und sagt, ich höre ihm mal zu, ich akzeptiere das mal. Ich bin dort und lasse mich von einem anderen führen.
Im Leben ist es immer wieder so, dass Gott uns durch andere Personen beschenkt. Wir dürfen zuhören, wir dürfen uns von anderen führen lassen, wir dürfen immer wieder Neues entdecken. Wir bitten euch: Erkennt die an, die an euch arbeiten und euch vorstehen.
Wir haben heute ja eine besondere Krise in der Frage der Autorität. Natürlich meinen wir damit nicht dieses Zerrbild von Autorität, das man dann mit Kaiser Wilhelm, Pickelhaube und so verbindet. Da sagt man dann, man müsse sich einfach unterordnen. Die kennen ja die Zeit gar nicht, wie das wirklich war. So war es ja gar nicht bei Kaiser Wilhelm. Ich schätze Kaiser Wilhelm, auch der Zweite sehr. Ich bin ein historisch denkender Mensch und habe schon als Schüler sehr viel daran gearbeitet. Ich habe gedacht: Das war immer falsch dargestellt. Die Zeit war gar nicht so.
Aber heute ist es so verbreitet, dass man alle Autoritäten in Frage stellt. Es ist ganz schwierig, heute Lehrer zu sein, ganz schwierig in der Schule. Es ist nicht leicht, weil alles im Zeichen der Demokratie so ist, dass es im Grunde nur noch ein Diskutierclub sein kann.
Sie werden merken: Sie werden sehr viel empfangen, wenn Sie sagen, ich möchte mal hören. Auch hier auf unserer Hofhacker-Konferenz. Ich möchte mal wieder hingehen und hören, anderes hören, Neues hören. Ich möchte mich ganz neu beschenken lassen. Man braucht ja heute wirklich wieder Kraft, um zu sagen: Ich lese ein Buch. Ich möchte mal wieder hören, da ist jemand, der mir etwas zu sagen hat. Und ich möchte mich dafür interessieren.
Es geschieht eben nicht so, dass wir durch allgemeine Diskussion viel profitieren, sondern durch Hören. Die, die an euch arbeiten. Ja, was war damals los? Also genau das Gleiche. In der thessalonischen Gemeinde muss es so gewesen sein, dass eben jeder gesagt hat: Ich sage, wie es langgeht. Und Paulus hat gesagt: Es ist gut, in einer Gemeinde und in einem menschlichen Organismus, dass manche Leute führen und andere sich führen lassen.
Ich bin ungeheuer dankbar, dass wir in unserer Gemeinde so viele haben, die Verantwortung übernehmen, die sagen: Ich möchte mich in diesem Bereich verpflichten. Was ist es, wenn einer jeden Sonntag in Treue sagt: Ich bin in der Kinderkirche da? Das ist wahnsinnig viel wert. Wenn jemand sagt: Ich will dort dienen, dann ist das so viel wert. Oder: Ich mache meinen Hauskreis. Oder: Ich bin hier da und helfe an dieser Stelle. Das ist etwas, das andere arbeiten lässt, ein Amt übernehmen, eine Stelle ausfüllen. Und es befriedigt sie auch.
Manche meinen, wir sollten es in unserer Gemeinde viel rigoroser machen und jedem ein Amt zuweisen. Ich bin da so komisch. Ich kann so schlecht andere verpflichten. Ich meine immer, das müsste dann aus einem selbst herauskommen. Sie sagen dann: Ja, wenn einer mich gefragt hätte, dann hätte ich es vielleicht auch gemacht. Das kann ja sein. Aber ich bitte Sie einfach: Ich bin ein komischer Mensch, und Sie sind vielleicht an dieser Stelle auch gehemmt.
Ich sage nur: Ich kann niemanden verpflichten. Ich habe noch nie jemanden aufgerufen, dass wir im Chor mitsingen. Aber ich freue mich so, wenn einer sagt: Ich will dort der Gemeinde dienen, will etwas singen, will etwas sagen durch meine Botschaft, will Verantwortung übernehmen. Ich arbeite mit und tue einen Dienst. Es ist etwas Wunderbares, wenn man Verantwortung für andere übernimmt.

Gemeinschaft, Sympathie und die Liebe um des Werkes willen

Und Paulus sagt, es ist auch wieder gut, wenn man sich Unterordnungen stellt. Es ist ja heute so: Am liebsten würden manche Christen ihre eigene Gemeinde gründen. Es fällt uns oft schwer, Traditionen zu entdecken. Da reiben wir uns auch an der Tradition unserer landeskirchlichen Prägungen. Aber wir dürfen hineinwachsen in Traditionen, in Formen, die bewährt waren, die andere so gemacht haben. Wir dürfen das übernehmen und merken, dass uns Gott darin segnet.
Erkennt das an, so schön, dass Paulus sagt, die euch in dem Herrn vorstehen. Es gibt natürlich auch Leute, die uns bloß in ihrem eigenen Stolz vorstehen. Die brauchen wir nicht anzuerkennen. Das dürfen wir auch prüfen: Sind es Leute, die uns in dem Herrn Jesus vorstehen, die uns als wirkliche geistliche Personen einen Dienst tun und die euch ermahnen?
Das ist mir heute wieder eine einfache Frage. Wir suchen immer wieder neue Vorbilder, auch im geistlichen Leben. Und sind wir bereit, eine Mahnung anzunehmen? Sind wir bereit, uns korrigieren zu lassen? Oder sind wir eigentlich im Grund ganz fertig und erwarten nur noch eine Bestätigung?
Ich denke, Gott hat so viel Vorrat. Kann Gott überhaupt in unserem Leben noch Dinge zeigen, die wir noch nicht sehen? Es wird uns immer wieder deutlich, etwa im Umgang mit anderen Kulturen in Afrika bei unseren Reisen. Wenn wir mit Afrikanern über gewisse Schwächen sprechen, dann gibt es in Afrika immer wieder die Probleme, dass gewisse Ordnungen schlecht eingehalten werden. Das wirkt sich dann ganz verheerend aus im Umgang mit dem Geld.
Da haben neulich Christen in Mosambik gesagt: Das, was in der Bibel vom Geld drinsteht, das hat er bloß für die Westlichen gesagt, das gilt nicht für die Afrikaner. Und so gibt es ja immer Stellen in der Bibel, die wir als Lieblingsstellen sehen, oder andere, die wir herausnehmen. Die wollen wir gar nicht hören, und die haben wir schon längst auf die Seite gerückt. Sind wir wirklich bereit, uns von dem Herrn korrigieren zu lassen, auch durch unangenehme Worte, die uns aufregen, die ja vom Herrn kommen, in der Bibel, die wir lesen, zur Kenntnis nehmen und denen wir uns stellen?
Die euch in dem Herrn vorstehen und ermahnen, habt sie umso lieber um ihres Werkes willen. Also ganz schlimm ist, dass wir heute alles nach der Sympathie beurteilen: mögen wir einen oder nicht? Wir haben ja unsere Art, wie wir Freundschaften schließen. Der eine sagt uns mehr zu, der andere sagt uns weniger zu. Wir haben ein Bild, ich weiß nicht, woher wir dieses Bild haben, dass wir auf einen gewissen Typ von Menschen besser anspringen. Sonst würden ja alle Ehepaare die gleiche Person heiraten, also alle Männer, die heiraten, den gleichen Typ von Frau. Wir haben ja ganz verschiedene Typen, was wir wollen.
Aber auch in den menschlichen Freundschaften gibt es Sympathie und Antipathie. Wir tun uns bei manchen Menschen besonders schwer, dass uns jemand auf die Nerven fällt. Der hat so eine Art, die ist uns unsympathisch, und andere gefallen uns besonders. Diese menschlichen Gefühle dürfen in einer Beziehung der Gemeinde nicht die Beherrschenden sein, überhaupt nicht. Ob uns jemand sympathisch ist oder nicht: Wir sollen jemanden lieben um des Werkes willen.
Und da müssen wir es fertigbringen, dass wir alle lieben können, auch Menschen, die uns von unserer Art her gar nicht liegen. Da müssen wir uns auch bemühen und schauen, wie wir das machen können. Sie werden beschenkt durch jeden einzelnen Menschen, weil in einer Gemeinschaft, in der Gemeinde, alle von Gott her einander geschenkt sind. Das ist eine ganz wunderbare Sache. Habt sie umso lieber um ihres Werkes willen, weil sie etwas tun und weil sie euch beschenken. Sie sind ja im Namen Jesu da.
Ich halte es für ganz toll, dass wir das heute Abend haben mit diesem Wort von der Bruderschaft und von der Gemeinschaft in einer Gemeinde. Es braucht Ämter, haben wir gesagt, es braucht auch Verantwortlichkeiten, man darf sich auch einfügen. Heute leben wir in der grenzenlosen Freiheit, das kann nicht gut gehen. Wir brauchen gewisse Regeln, wir brauchen Formen, wir brauchen Ordnungen. Ich finde es gut, dass Paulus schon davon schreibt, und es war damals in der Gemeinde von Thessalonich eine Not. Eine Not, dass es Leute gab, die sich nicht unterordnen konnten, die sich nicht einordnen konnten, die alles nur vom Gefühl her gesehen haben, die sich nicht allen öffnen konnten.
Habt sie umso lieber um ihres Werkes willen. Ich freue mich immer wieder so, wenn sie das machen und auch tun können. Ich bin immer wieder so überwältigt gewesen, noch am Himmelfahrtstag, wie weit sie auch diese Visionskräfte, die da von ganz verschiedenen Orten kommen, mit hineinnehmen in ihre Liebe. So etwas Tolles. Und wie sie das mittragen, wie man das auch spürt: Durch viel, viel Liebe beschenkt uns Gott, den wir da mittragen dürfen, und Menschen um ihres Werkes willen lieben.

Frieden bewahren in einer zerbrechlichen Welt

Jetzt der nächste Punkt: der Frieden. Der Friede ist ein ganz wichtiges Gut, Frieden untereinander. Die Jahreslosung dieses Jahres lautet: „Er ist unser Friede.“
Wir leben in einer Zeit, in der Friede nicht möglich zu sein scheint. Wer hätte das gedacht, dass wir in solche Auseinandersetzungen hineinwachsen? Es hätte zu Beginn des Jahres wohl niemand geglaubt, wenn man ihm gesagt hätte, dass man im ersten halben Jahr in Afrika erleben wird, dass 500 Menschen totgeschlagen werden und die UNO schweigt und die Welt schweigt.
Wir leben in einer Welt, in der der Teufel regiert, in der der Unfriede da ist. Wenn man das einmal in Afrika und in Ruanda überhaupt zur Kenntnis nimmt, dann merkt man: Kein Afrikaner ist in der Lage, den Unterschied zwischen Hutu und Tutsi zu erkennen. Es gibt gar keinen Unterschied. Wenn man sich natürlich verschieden aus Hutu und Tutsi zusammensetzt, dann ist das nur eine soziale Schichtung, das ist wie ein Reicher und ein Armer. Hutu und Tutsi sind keine Volksstämme.
Wenn das eine rassische Spannung wäre, wäre das ganz einfach. Dann könnte man sagen: Das gab es schon immer. Aber das ist so unerklärlich und so rätselhaft, was dort in dieser Welt abläuft. Ich habe Ihnen ja am Anfang des Ausbruchs dieses Konflikts gesagt, wie es der frühere deutsche Botschafter in Bujumbura gesagt hat: Eine halbe Stunde vorher weiß es niemand, wenn es kommt. Und es sind unheimlich dunkle Mächte, und 30 Minuten später sind 40 Menschen tot. Was da abläuft, versteht niemand.
Wir leben in einer Welt, in der grauenhafte Dinge geschehen. Auch in unserem deutschen Volk sind in diesem Jahrhundert grauenhafte Dinge geschehen, die wir nicht verstehen. Und da passieren furchtbare Dinge, wie Familien zerfallen, wie Ehen brechen, wie Kinder sich gegen ihre Eltern auflehnen. Wir leben in einer unheimlichen Zeit.
Wir haben äußerlich Frieden in unserem Volk, aber wir dürfen nicht überrascht sein, wenn wir auch in den Unfrieden hineingerissen werden. Und wir erleben leider auch, wie wir keinen Frieden haben können, auch etwa in einer Kirche. Wenn die Ehre Jesu mit Füßen getreten wird, da will ich nicht dabei sitzen und Ja und Amen dazu sagen. Wenn die Bibel zerfleddert wird, dann haben wir auch keinen Frieden, dann ist der Friede dahin.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir den Frieden dort bewahren, wo er sein kann. Und dort, wo man eins ist in Jesus, müssen wir ganz arg aufpassen, dass man den Frieden bewahrt. Denn der Friede zerbricht oft an Kleinigkeiten.
Und da bitte ich Sie jetzt auch: Achten Sie in Ihren Familien darauf, dass Sie nicht wegen materieller Dinge, und wenn es Millionen sind bei der Erbauseinandersetzung, den Frieden zerbrechen lassen. Lassen Sie den Frieden nicht wegen einer Ordnungsfrage zerbrechen. Wie oft zerfällt da etwas bei den Kindern, weil sie vielleicht nicht richtig dies und jenes machen. Da sollte man großzügig sein können.
Ich bin Ihnen so wunderbar dankbar, dass wir in dieser Gemeinde Frieden haben, dass Gott uns im Frieden hält. Das sei eine Wunderkraft, denn das kann so leicht sein: Zwischen zwei Menschen genügt irgendeine flapsige Bemerkung, sie nehmen das übel, und auf einmal zerbricht da etwas. Dann kommt ein Graben und eine Feindschaft. Das kann ja so leicht passieren. Es kann über Nacht passieren, wegen irgendetwas vielleicht: Der hat mich nicht gegrüßt, oder hat irgendetwas falsch gemacht, oder hat mich beleidigt oder so etwas, und der Friede ist weg.
Das ist so furchtbar, wenn der Friede zerbrochen ist. Den kann man nicht mehr zurückholen. Der Friede ist die erste Voraussetzung, auch unter den gläubigen Gemeinden, dass wir untereinander Frieden haben in der Liebe. Und wir wollen danken, dass wir Frieden haben, dem Frieden nachjagen, etwa mit den jungen Leuten, mit den verschiedenen Gruppen, mit den Empfindlichen. Es gibt im Moment gar keinen Minenfall, aber der Teufel kann es so schnell machen, dass da irgendwo eine Gefahrenzone ist, dass da um Kunstfragen oder um irgendetwas eine Spannung wird.
Ich habe mal erlebt, in einer Gemeinde, da haben sie die Kirche renoviert, und da war so ein herrliches Bild drin: Bergpredigt in Schwarzwälder Trachten, also Bollenhüte, wunderschön. Und der eine wollte das Bild raus, und der andere wollte es drin lassen. Die Kirchengemeinde, also die ganze Gemeinde, ist hierüber zerbrochen. Eine läppische Kunstfrage, ob das Kirchenbild vom letzten Jahrhundert drinbleibt oder nicht. Das ist so eine Gefahr, da müssen wir so aufpassen.
Ich sage ja, es ist gar kein aktueller Bezug bei uns, aber die Mahnung ist so wichtig. Ich kann in vielem Unfrieden der Welt gar keinen Frieden stiften. Die Idee, als ob ich Frieden machen könnte, probieren Sie es doch. In Ihrer Verwandtschaft gibt es viele zerbrochene Friedensverhältnisse, da können Sie alles probieren. Wenn der Friede nicht mehr da ist, dann kriegen Sie ihn gar nicht her. Dann muss der Friedensstifter Jesus erst wieder Herzen bekehren.
Kein Mensch kann zerbrochene Beziehungen wieder aufmachen. Wie soll das überhaupt wieder gehen in Mostar und in Sarajevo? Das kann man sich nicht vorstellen. Wenn all die Opfer dazukommen, in der Welt, in der so viel geschehen ist, wie soll da wieder Frieden wachsen?
Aber deshalb ist es so wichtig, dass man den Frieden dort bewahrt, wo er gelebt werden kann. Und das ist mir auch immer wieder so wichtig unter allen, die Jesus dienen wollen, in der Jesusgemeinde, egal ob die nun Baptisten oder Heilsarmee sind: dass man den Frieden sucht, dass man sich dort versteht und dass nicht über unwesentliche Fragen der Friede und die Einheit der Gemeinde Jesu zerbrochen wird.
Ich darf noch einmal sagen: Wenn einer das Wort Gottes lästert oder Jesus lästert, dann ist gar keine Verbindung mehr da, da ist der Friede zerbrochen. Es geht um die Gemeinde, die glaubt.

Ermahnung, Zurechtweisung und der Umgang mit Schwachen

Jetzt kommt, wir ermahnen euch ab. Das Wort Ermahnung spielt ja bei uns eine kleine Rolle, es gehört aber dazu, und wir sollten einander auch diesen Dienst tun.
Ich darf Ihnen einen kleinen Tipp geben: Das Ermahnen fällt uns deshalb besonders schwer und tut so weh, wenn wir es vor anderen tun. Wir sollten es immer unter vier Augen tun, nie vor anderen. Denn dann tut es uns weh, wenn man vor anderen das Gesicht verliert.
Ich habe schon Christen erlebt, die das sehr gut gemacht haben. Ich denke an einen, der mir gesagt hat: Du hättest nachher noch einen Moment Zeit? Und dann hat er gewartet, bis wir in seinem Auto gesessen sind, und gesagt: Ich wollte dir sagen, du hast vorhin etwas gesagt, und das war nicht richtig. Ich wollte es aber nicht vor den anderen sagen.
Unheimlich dankbar war ich. Da war ich nicht blamiert vor den anderen. Der hat mich ermahnt, aber er hat es so gütlich gemacht. Und da kann man immer wieder viel lernen: Wie kann ich einen ermahnen? Wichtig ist doch, dass wir einander auf Fehler aufmerksam machen. Wie ermahnen wir einander aber so, dass der andere es verstehen kann?
Sie haben ja auch sicher Probleme mit Mitchristen, wo Sie sagen: Das müsste man der mal sagen, wie die sich benimmt, das ist nicht dem Geist Gottes entsprechend. Aber wie sage ich es mit Psalmen und lieblichen Liedern? So sagt der Paulus über das Ermahnen einander. Es wäre schön, wenn man es einander so geschickt sagen kann, in einer guten Form.
Weise die Unordentlichen zurecht. Was sind die Unordentlichen? In unserer Zeit ist natürlich die Ordnung als das Allerschlimmste verpönt, wenn Sie so in die Welt hineingucken. Die Ordnung, das ist das Allerschlimmste, was es gibt. Law and Order, das ist das Schlimmste, was man heute sagen kann in unserer neuen Kultur, die wir haben.
Dann gibt es Chaosforscher. Die Chaosforscher haben gesagt, die schönste Ordnung wäre das Chaos. Das sind also Leute, die von der Anarchie leben. Die Anarchie, die Anarchisten, die sagen: Alles Chaotische ist das Schönste. Biblisch ist das nicht, und Sie werden merken, dass auch in der Schöpfung alles eine Ordnung hat.
Ich habe in Biologie immer als Kind viel Freude gehabt, bis mir der Lehrer die Freude vertrieben hat. Ich habe da als Kind angefangen, so richtig einmal Pflanzen zu trocknen, Eier dazu, ein Buch, und dann haben die immer bestimmt die Pflanze. Und dann haben wir gemerkt: Das ist Ordnung. Das sind Familien, das geht bis in die Fische und bis hinein in die kleinen Einzeller. Das kann man genau verfolgen, das ist alles eine Ordnung. Doch toll!
Und die Sonne ist auch nicht chaotisch, sondern das kann man vorausberechnen bis auf die Sekunde, wenn sie aufgeht und wenn sie untergeht. Das ist alles eine Ordnung bei Gott. Jeder Stern auf seiner Bahn ist nichts Chaotisches. Wenn das aus der Bahn rausgeht, dann geht die Welt unter. Es ist eine Ordnung, die ist wunderbar.
Und es wird immer schlecht gemacht, eine kleinbürgerliche Ordnung. Da kommt die Kehrwoche dran. Aber ich fand das nicht schlecht, wie in unserer Wächterstraße noch gekehrt wurde. Gucken Sie mal heute Abend, wie es da aussieht. Da meinen Sie, Sie seien schon in der Bronx in New York. Allmählich sieht es da so chaotisch aus, da kommen Sie bald mit dem Buldoser nicht mehr durch.
Verstehen Sie, da wird immer so das schlecht gemacht. Und in der Zeit: Ich bin doch nicht ein kleinbürgerlicher Mensch, wir wollen auch nicht kleinkariert sein. So sauber sind meine Hosen auch nicht gekämmt. Aber was ist denn gemeint? Da geht es natürlich um eine biblische Ordnung.
Es gab große Versuchungen in der Urgemeinde, die Arbeit, das Geldverdienen, als etwas Unwichtiges anzusehen. Es war dem Apostel sehr wichtig. Es gibt sehr harte Worte in der Bibel: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Das ist nicht das große Problem, das uns heute mit der Arbeitslosigkeit betrügt.
Sondern Sie wissen, was schwierig ist: wenn Leute ihre Gaben nicht nutzen. Da haben wir auch bei unseren jungen Leuten immer ein bisschen Not, wenn sie plötzlich ausflippen und nicht mehr reinfinden. Das ist wichtig. Die jungen Leute müssen auch in eine Lebensordnung hineinfinden, wo sie ihre Gaben entdecken, wo sie mit ihren Pfunden wuchern können. Das ist gemeint mit: Weise die Unordentlichen zurecht.
Man kann das Leben nicht, wie heißt es, beim Lena vergeigen und von den Zigeunern in dem Lied, wo man so ganz einfach verspielt. Das Leben, das war zu Zeiten auch so lebenslos. Nein, man muss ein Leben nutzen, man muss die Zeit nutzen. Weise die Unordentlichen zurecht. Ich habe Verantwortung mit meiner Lebenskraft, mit meiner Gesundheit, mit meiner Zeiteinteilung mein Leben zu ordnen, und es ist für Christen eine wichtige Aufgabe, ordentlich zu leben, nach einer Ordnung Gottes mein Leben zu gestalten und es darzubringen.

Trost, Geduld und das Gute im Alltag

Tröste die Kleinmütigen. Was ist damit gemeint? Tröste die Kleinmütigen. Es gibt so viele in einer Gemeinde, die mutlos sind. Sie haben vielleicht schon besonders viel mitgemacht, und die soll man aufrichten. Das ist ganz wunderbar, wenn sie sagen: Ich habe zwei, drei, die darf ich immer wieder ermutigen. Trost heißt ja ermutigen.
Vielleicht sind es Trauernde, vielleicht sind es Leute, die halb krank sind, vielleicht sind es Schwermütige und Belastete. Tröstet die Kleinmütigen. Das gehört genauso dazu.
Der eine braucht eine Zurechtweisung, wo man ihm sagt: Nutze deine Gaben, schaff doch etwas. Es ist doch auch mal etwas Schönes, wenn man etwas tut im Leben. Unsere jungen Leute lechzen danach, heute sich auch mal wieder zu bewähren. Man hat zu viel abgenommen. Unsere jungen Leute, die fahren auch mal, die tun auch mal gerne Nachtdurcharbeiten, wissen Sie das? Da kann man ja ruhig auch mal sagen: Komm, wir schaffen etwas miteinander. Und dann sind wir am nächsten Morgen stolz, wenn etwas gelungen ist.
Das weist die Unordentlichen zurecht. Aber dann auch wieder: Habt Barmherzigkeit mit den Kleinmütigen, die sagen: Ich kann nichts, ich bringe nichts hin, bei mir misslingt alles. Tröstet sie, gebt ihnen Raum, wo sie mitmachen können. Und in der Gemeinde soll ein Raum sein, wo jeder seinen Platz hat. Deshalb ist Gemeinde keine Demonstration von lauter Könnern, sondern es ist ein Raum, wo man Rücksicht nimmt und jeden liebt und jeden aufnimmt und dem Kleinmütigen auch Mut macht.
Und das ist so wichtig. Das kann man sicher nicht pauschal für alle machen, das kann man nur im privaten Gespräch machen. Und ich freue mich immer wieder, wenn man solche Kleinmütigen mittragen kann und ihnen hilft, den Schritt zu bewähren. Dass man anruft und sagt: Wie war der Tag, wie ist es gegangen bei der Prüfung, hast du es geschafft, hast du Mut für morgen? Ich will an dich denken und für dich beten.
Tragt die Schwachen. Was sind schwache Leute? Die immer angefochten sind im Glauben? Es ist ja auch schwer, dass so viele immer wieder an ihrer Schuld leiden, obwohl man schon viermal oder fünfmal gesagt hat, dass die Vergebung alles zutut, kommen sie wieder. Tragt die Schwachen, auch die keinen Mut haben. Seid geduldig gegen jedermann.
Das sind die ganz großen Glaubenswerke. Da steht nicht jetzt da: Geht nach Übersee und missioniert, sondern bewährt euch dort. Ich sage: Da tun Sie etwas ganz Großes. Denken Sie nie, dass etwas unwichtig ist. Wenn Sie das tun, sind Sie ein ganz wichtiger Christ im Dienst des Apostels.
Tröstet. Seid geduldig gegen jedermann. Habt Geduld. Da hat es Leute um dich her, die brauchen bloß deine Nachsicht, deine Hilfe.

Keine Vergeltung, sondern das Gute suchen

Seht zu, dass keiner dem anderen Böses mit Bösem vergelte. Ja, was ist damit gemeint? Das steckt so tief in mir drin, dass ich nicht einmal darüber nachdenken muss. Es kommt ganz automatisch.
Wenn mir einer auf die Zehen tritt, mich verletzt oder mich ärgert, dann platze ich gleich. Bei mir geht das in der relativ kurzen Leitung an der Stelle mit der Reaktion und der Rache sehr schnell, und dann platze ich. Und das darf ein Christ nicht. Sondern immer, wenn diese Situation kommt, dann soll ich so handeln, wie Jesus an mir gehandelt hat.
Herr Motilic hat es ja toll in seiner Auslegung der Bergkritik beschrieben. Er hat gesagt, wir sind Menschen, die auf das Echo reagieren. Sie wissen doch, was ein Echo ist. Wenn Sie im Gebirge rufen, oh, oh, oh, und dann plötzlich kommt es zurück aus dem Tal, dann kommt das Echo zurück, nicht wahr? Und jetzt sind die Israelreisenden wieder ganz erschrocken, und der Bus fährt ab. Da kommt das Echo zurück, da kommt das Echo zurück.
Und genauso ist es bei uns: Schreit uns einer an, schreie ich zurück. Tut mir einer Unrecht, dann werde ich es ihm heimzahlen. Und da hat der Heilige so schön gesagt: In unserem Leben soll das Echo auf das, was Jesus uns getan hat, stärker sein als das Echo vom Unrecht, das andere uns tun.
Vergelte nichts Böses, jag dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.
Und jetzt kommen ganz praktische Ratschläge seit Aufhören. Machen wir nächstes Mal das Gute richtig. Sonst wird es so runtergekleppert, das ist richtig. Meine Frau hat doch gescheit. Jetzt hast du noch ein Lied.