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Lukas 4,14-44

Lukas 4,14-4,4413.10.2008
Serie•Teil 8 / 53Lukas-Evangelium
Warum lehnen Menschen Jesus ab, obwohl er befreien will? Weil echte Hilfe nur ankommt, wenn du deine eigene Armut siehst und seinem Wort vertraust.

Rückblick auf die letzten drei Beobachtungen

Vielleicht weiß der eine oder andere noch, was wir beim letzten Mal hatten. Beim letzten Mal ging es darum, dass wir wissen oder wie gut es ist zu wissen, woran wir glauben. Also, wenn wir jetzt sagen: Herr Jesus, wenn wir das singen, was bedeutet das eigentlich?
Und das Schöne ist, dass diese Frage uns von Lukas beantwortet wird, im Lukasevangelium in den Kapiteln 3 und 4. Und da befinden wir uns gerade. Also, was müssen wir über den Sohn Gottes eigentlich wissen?
Das letzte Mal hatten wir uns drei Punkte angeschaut. Der erste Punkt war die Taufe. Die Taufe offenbart die Einzigartigkeit Jesu. Die Stimme kommt aus dem Himmel und sagt: Du bist mein geliebter Sohn. Das ist etwas Einzigartiges in der Beziehung zwischen diesem Jesus von Nazareth und Gott im Himmel.
Dann der Stammbaum. Der Stammbaum zeigt uns seine Menschlichkeit, seine Geschöpflichkeit. Also, obwohl er in einer ganz einzigartigen Beziehung zum Vater im Himmel steht, ist er doch als geliebter Sohn auch ganz Mensch, ganz Geschöpf, so wie Adam.
Und dann hatten wir uns zum Schluss die Versuchung angeschaut. Die Versuchung hat uns mit der Andersartigkeit Jesu konfrontiert. Die erste Versuchung: Im Raum steht die Frage: Wie wär’s, möchtest du nicht Stein zu Brot machen? Und dahinter steckt natürlich eine andere Frage. Dahinter steckt die Frage: Wovon lebe ich? Was bestimmt meine Prioritäten? Sind das meine Bedürfnisse, so die Triebe in mir, die Lust, die Dinge, von denen ich meine, dass sie mir zustehen? Oder ist es meine Beziehung zum Vater im Himmel?
Und die Sünde, mit der der Teufel den Herrn Jesus versucht, ist die Sünde der Eigenwilligkeit, der Unabhängigkeit. Und Jesus besteht diesen Test: Nicht vom Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort Gottes.
Dann kommt die zweite Versuchung. Das Angebot lautet: Bete mich an, und du bekommst alle Macht der Erde. Und für uns stellt sich die Frage: Wen bete ich an, wem diene ich? Es geht also nicht so sehr um die Prioritäten des Lebens, sondern es geht um die Frage: Wer ist eigentlich Gott in meinem Leben? Wem folge ich, wenn es um Einfluss, Erfolg und Ansehen in der Welt geht? Bin ich bereit, den Weg des Kreuzes zu gehen, oder gehöre ich zu denen, die machtgeil und leidensscheu auf das Angebot des Teufels eingehen? Wem will ich mit meinem Leben dienen?
Und wieder, wir haben es gesehen: Jesus besteht den Test. Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.
Und dann kam die dritte Versuchung. Und in der dritten Versuchung ging es um die Frage: Wie denke ich eigentlich über Gott? Wie gehe ich mit Gott um? Wenn die erste Versuchung etwas mit unseren Prioritäten zu tun hat, die zweite Versuchung das Thema Götzendienst in den Mittelpunkt stellt, dann geht es in der dritten Versuchung um die Frage nach unserer Gottesfurcht. Bin ich bereit, Gott und sein Wort, also die Bibel, bin ich bereit, ihn und sein Wort vor meinen Karren zu spannen?
Ist Gott für mich so der Gott des Okkulten? Wisst ihr, wie dieser Gott des Okkulten funktioniert? So: Ich habe irgendwo einen Zauberspruch, und ich benutze jetzt diesen Zauberspruch, um Gott zu manipulieren, ihn mit Magie zu kontrollieren. Die Frage ist: Wie gehen wir mit Gott und der Bibel um? Ist die Bibel für uns auch so ein Zauberbuch? Es steht geschrieben, dann suche ich mir den einen Vers, von dem ich denke, dass ich ihn benutzen kann, um Gott zu manipulieren. Ist das mein Denken über Gott?
Oder fürchte ich Gott, wage es nicht, ihn zu versuchen, verstehe mich als den Wurm und ihn als den Heiligen und den Ewigen? Und ein drittes Mal, das haben wir gesehen, besteht Jesus den Test: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. Dreimal offenbart er sich tatsächlich als der ganz Andere.
Das war die letzte Predigt. Jetzt möchte ich dazu Teil zwei bringen. Also: Der Sohn Gottes stellt sich vor, Teil zwei. Lukas 4,14-44. Und ich finde es spannend, wenn wir uns das gemeinsam anschauen. Wir haben ihn jetzt: Gott, Mensch, der ganz Andere. Und wir werden heute anschauen, was passiert, wenn er auf eine sündige Menschheit trifft, beziehungsweise wenn der Gottmensch auf die Welt des Bösen trifft. Und für unser Verständnis von Jesus ist das ganz bedeutend, dass wir gut verstehen, was da in Nazareth und in Kapernaum passiert.
Und wer mitlesen will, kann das entweder hier tun beziehungsweise seine Bibel aufschlagen im Lukasevangelium, Kapitel 4, und wir machen da einfach in Vers 14 weiter. Ich möchte die Ereignisse in Nazareth anschauen, die erste Predigt, und dann die Ereignisse in Kapernaum, da geht es hauptsächlich um Heilungen.
Und die erste Frage, wenn man das so liest, man liest vielleicht das erste Mal das Lukasevangelium, denkt: Das ist ja spannend, schauen wir doch mal, erstes Auftreten, Jesu erstes Mal öffentlich so in Erscheinung treten, mal schauen, womit Lukas so die Sache beginnt. Und dann ist die allererste Geschichte, wo Jesus das erste Mal uns präsentiert wird als Prediger, gleich eine Geschichte, da will die Menge ihn am Ende umbringen. Das verblüfft ja. Also es startet und dann gleich so eine Geschichte. Warum? Das macht doch ein Stück weit eigentlich gar keinen Sinn.
Wenn man schon eine Geschichte schreibt von jemandem, der als Vorbild taugt, dann muss man doch am Anfang so den richtigen Knaller bringen, wo alle begeistert sind und sagen: Bah! Und hier, wenn die Geschichte rum ist, dann nimmt die Menge Jesus und sie will ihn da von so einer Klippe stürzen. Warum die Predigt in Nazareth am Anfang? Sie war ja chronologisch nicht am Anfang. Wir wissen, dass das Leben Jesu eine Phase hatte, wo er auch im Süden, in Judäa, viel gepredigt hat. Man hätte da ja eine Geschichte rausnehmen können.
Oder denkt an das Johannesevangelium. Was ist so die erste Geschichte im Johannesevangelium? Kana, genau. Das ist doch toll, ja. Also so das Erste, womit man Jesus kennenlernt: erst mal 600 Liter guten, feinen Wein, so als Hochzeitsgeschenk obendrauf. Wenn man sich das mal durchrechnet: 600 Liter, das sind über den dicken Daumen so 800, 900 Flaschen. Und wenn man das dann mal hochrechnet, mal zehn Euro, dann legt Jesus hier eben mal 10.000, 15.000 Euro Cash hin und sagt: Hier, für euch, damit es weitergehen kann. Na, das ist ein Gott, den wir mögen, oder?
Und Lukas startet mit einer Predigt, wo man Jesus am Ende umbringen will. Ich denke, Lukas weiß, was er tut, und ich finde die Predigt hier sehr passend, weil sie etwas sehr Programmatisches hat. Sie ist eine gute Einführung in den Dienst Jesu. Genauso wie Johannes der Täufer zitiert Jesus am Anfang den alten Propheten Jesaja und macht damit etwas klar. Er macht damit klar, dass er nicht gekommen ist, eine neue Religion zu gründen, sondern dass er Teil eines göttlichen und prophetischen Programms ist, zur Rettung der ganzen Menschheit.
Wir lesen ab Vers 14, Lukas 4,14-21:
Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück, und die Kunde von ihm ging aus durch die ganze Umgegend. Und er lehrte in ihren Synagogen, geehrt von allen. Und er kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war, und er ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. Und es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben war: Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen. Er hat mich gesandt, Gefangenen Befreiung auszurufen und Blinden, dass sie wieder sehen, Zerschlagenen Freiheit hinzusenden, auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn. Und als er das Buch zugerollt hatte, gab er es dem Diener zurück und setzte sich, und alle Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Er fing aber an, zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt.

Der Anspruch des Messias und die Frage nach echter Armut

Ich möchte am Anfang die Frage stellen: Mit welchem Anspruch tritt Jesus hier auf?
Erstens behauptet er, der gesalbte Knecht Gottes zu sein. Vers 18: Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat.
Zweitens beschreibt er seinen Predigtdienst. Er sagt: Ich bin dazu gekommen, Armen gute Botschaft zu verkündigen.
Und natürlich stellt sich die Frage: Was sind das für Arme, die hier gemeint sind? Im Verlauf seiner Predigt werden uns zwei Arme vorgestellt. Das eine ist eine wirklich materiell arme Witwe, und das andere ist ein reicher syrischer Fürst, dessen Armut darin besteht, dass er kein Mittel hat, um sich vom Aussatz zu befreien. Und diese beiden Armen, also der, der materiell arm ist, und der, der, wir würden vielleicht eher sagen, geistlich oder von den Möglichkeiten her arm ist, erleben Gottes Gnade.
Ich denke, das macht schon einmal deutlich, dass Jesus hier, wenn er davon spricht, Armen gute Botschaft zu verkündigen, nicht nur die materiell Armen im Blick hat, sondern dass es ihm eigentlich um eine andere Art von Armut geht. Das werden wir auch gleich noch sehen: um geistliche Armut.
Und was bekommen diese Armen für eine gute Nachricht? Das heißt: Er hat mich gesandt, Gefangenen Befreiung auszurufen und Blinden, dass sie wieder sehen, Zerschlagene in Freiheit. Wörtlich steht da auch: Zerschlagene in Befreiung hinzusenden. Die Betonung liegt also immer auf diesem Wort Befreiung. Befreiung – wir könnten das anders übersetzen, dann kommt es uns bekannter vor. Vergebung wäre dasselbe Wort. Jesus redet über Vergebung.
Und in Vers 21 sagt er: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt. Das heißt: Wen meint er, wenn er sagt, ich bin gekommen, Gefangenen und Blinden und Zerschlagenen zu predigen? Er meint seine Zuhörer. Und wir merken sofort: Die Begriffe sind bildhaft zu verstehen. Jesus möchte den Zuhörern sagen: Ihr seid die Gefangenen eurer Sünde und eurer Schuld. Ihr steht unter der zerschlagenden Kraft des Teufels. Ihr seid geistlich blind, und ich möchte euch predigen. Ich möchte euch die Augen des Herzens auftun für das Evangelium.
Dann heißt es in Vers 19: auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn. Das Interessante ist, dass, wenn man den Text im Original liest, in Jesaja 61 an dieser Stelle der Vers eigentlich noch weitergeht. Jesaja spricht auch von dem angenehmen Jahr des Herrn, und dann geht es weiter: und den Tag der Rache für unseren Gott. Das liest Jesus nicht.
Ihr müsst euch vorstellen, er liest das bis zu dem Punkt: ein angenehmes Jahr des Herrn. Und alle erwarten sehnsüchtig, dass der Text weitergeht: Ja, und den Tag der Rache. Aber Jesus hört auf, rollt das Buch zusammen, gibt es dem Diener, setzt sich wieder hin, und in dem Moment sind natürlich alle Augen auf ihn gerichtet. Und dann sagt er, während alle ganz gespannt sind: Was passiert jetzt? Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt.
Was möchte er sagen? Jesus will sagen: Ich bin der Messias, und ich bin gekommen, um Menschen von ihrer Schuld zu befreien. Und ich habe kein Interesse daran, Menschen mit dem Zorn Gottes zu konfrontieren. Das ist ein ganz wichtiger Punkt.
Natürlich stimmt das, was Johannes der Täufer gepredigt hat. Jesus ist tatsächlich der, der mit Feuer tauft und der die Spreu mit unauslöschlichem Feuer verbrennen wird. Ein paar Kapitel später werden wir sehen, dass Johannes der Täufer ein Riesenproblem damit hat, dass Jesus ihm nicht radikal apokalyptisch genug ist. Aber Jesus sagt: Nein, im Moment predige ich das angenehme Jahr des Herrn. Der Zorn Gottes wird kommen, aber der Zorn Gottes ist jetzt überhaupt nicht mein Thema.
Und als die Leute das hören, fangen sie an, sich zu wundern. Sie wundern sich doppelt. Vers 22: Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich, erstens über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen, und sie sprachen zweitens: Ist dieser nicht der Sohn Josefs?
Auf der einen Seite freut man sich und sagt: Boah, was für ein Angebot, super, klingt doch toll, ein angenehmes Jahr des Herrn, Befreiung. Und auf der anderen Seite: Sag mal, den kennen wir doch. Das ist doch der Kleine, der Sohn von Josef, oder? Den haben wir doch hier groß werden sehen. Da wissen wir doch noch, als der hier, ich sag mal, die ersten Schritte gemacht hat und die ersten paar Male in der Werkstatt von seinem Vater mitgearbeitet hat. Den kennen wir doch von klein auf. Wie kann der so etwas sagen? Das geht so in den Köpfen vor.
Und Jesus liest diese Gedanken. Er sagt dann in Vers 23: Ihr werdet jedenfalls dieses Sprichwort zu mir sagen: Arzt, heile dich selbst! Alles, was wir gehört haben, dass es in Kapernaum geschehen sei, tu auch hier in deiner Vaterstadt.
Das Verrückte ist: Wir hatten das eingangs mit den Beweisen, ja, das ist die Ausrede, die sie sich bereitlegen, wenn Jesus mal zu ihnen kommt und sie fragt: Sag mal, warum habt ihr eigentlich nicht geglaubt? Und die Ausrede lautet: Wir haben nicht genug Beweise. Dabei ist das so völlig verrückt. Kapernaum liegt ungefähr wie weit weg? Ich schätze mal, Kapernaum ist von Nazareth etwa so weit weg wie Spandau hier von Felefanzen. Also man kann da an einem Tag relativ problemlos hinlaufen.
Man kennt die Leute in Kapernaum. Sie hatten davon gehört, dass in Kapernaum Wunder passiert waren. Wahrscheinlich kannten sie Leute, die vorher blind waren und jetzt sehen konnten, die vorher lahm waren und jetzt gehen konnten, die vorher krank waren und jetzt gesund waren. Sie kannten die Leute. Aber in ihrem Herzen denken sie: Wir werden nicht glauben, solange das, was in Kapernaum passiert ist, nicht auch bei uns passiert.
Und so ein Denken offenbart etwas über das Herz eines Menschen. Wer so rangeht, der macht eigentlich klar, dass allein durch die Art des Beweises, den ich fordere – ich will das auch mal erleben, wie es da passiert ist –, selbst wenn er es erlebt, es ihm eigentlich nichts bringt. Was soll das denn bringen? Ich weiß, in Kapernaum sind Leute geheilt worden. So, jetzt weiß ich, es hat auch in Nazareth funktioniert. Super! Was bringt mir das an Argument? Was bringt mir das an Beweis, an Sicherheit? Eigentlich gar nichts. Dieses Argument offenbart etwas ganz anderes.
Und das scheint mir dann auch für den Alpha-Kurs ziemlich wichtig zu sein. Es offenbart nämlich die Herzenshaltung. Wenn Leute gleich sagen, Gott muss sich beweisen auf die und die Weise, in einer Form, wie er es an anderer Stelle schon getan hat, dann kann man fragen: Und dann, wenn er es tut, was bringt das dann? Steckt da nicht ein anderes Problem im Hintergrund, was viel größer ist?
Und ein anderes, zweites Problem, ja, es ist ein sehr persönliches, wir würden heute sagen: ein psychologisches Problem. Vers 24 sagt Jesus: Wahrlich, ich sage euch, dass kein Prophet in seiner Vaterstadt angenehm ist.
In ihrem Kopf gibt es ein Vorurteil. Das ist irrational, also nicht wirklich logisch, aber es ist trotzdem ein Vorurteil, das da ist. Das ist nur der Sohn Josephs. Punkt. Und weil ich ihn kenne, weil ich ganz genau weiß, wer er ist, deswegen kann er nicht der sein, für den er sich hier ausgibt. Er kann nicht der Messias sein, weil ich ihn kenne. Ein ganz großes Problem.
Und jetzt ist die Frage: Wie kann Jesus sie von ihrem eigentlichen Problem überführen? Was ist ihr eigentliches Problem? Ihr eigentliches Problem besteht darin, dass sie nicht zugeben wollen, wie übel es um sie steht. Und weil sie dazu nicht bereit sind, suchen sie nach Gründen, wirklich sich ausstrecken nach Gründen, die sie vorschieben können, um das, was ihnen hier begegnet, das ist nämlich der Anspruch Gottes, der aus der Zeit des Alten Testaments prophetisch in ihr Leben hineinspricht, wegzuschieben und zu sagen: Nein, nein, also damit wollen wir jetzt nichts zu tun haben.
Das ist genau das Gleiche, was heute passiert, wenn wir das Evangelium predigen. Ein uralter Anspruch Gottes kommt auf Menschen. Da spricht plötzlich, wenn wir den Mund aufmachen und das Evangelium predigen, Gott persönlich Menschen an. Und du merkst sofort, wie die Menschen reagieren. Und es ist nicht so, dass es immer um Beweise geht. Es geht um etwas ganz anderes. Es geht zuerst einmal um die Frage: Wie denke ich über mich selber? Wie halte ich mich? Habe ich ein Gespür dafür, dass ich wirklich geistlich blind bin, zerschlagen bin, gefangen bin?
Und wo das ist, wo ein Mensch das zugibt, da hat er eine Chance. Wo ein Mensch das nicht zugibt, wo er sagt: Nee, mir geht es gut, ich brauche Gott gar nicht. Ich komme gut ohne Gott klar. Ich weiß gar nicht, wo du in meinem Leben ein Problem siehst. Alles happy, alles gut, alles nett. Da wird das Evangelium abprallen. Es muss abprallen, weil das Evangelium tatsächlich nur die Menschen trifft, die auch verloren sind. Oder mit den Worten hier, mit dem Beispiel von dem Arzt: Nur der geht zum Arzt, der denkt, dass er krank ist.
Also ich habe mir jetzt in den Finger geschnitten bei dieser Brüderrüste, ja, und das ist immer noch nicht so richtig gut. Und jetzt gehe ich zum Arzt. Eine Woche macht man so ein bisschen Pflasterchen drum und hält so ein bisschen und denkt sich: Es wird schon wieder. Nach einer Woche tut es immer noch weh, und jetzt denke ich langsam: Na ja, werde ich wohl doch nächste Woche mal zum Arzt gehen. Und diese Haltung, dieses: Ich glaube, ich sollte mich darum kümmern, ich glaube, ich sollte das nicht einfach immer mit Pflasterchen drum herum machen, bis es darunter weggefault ist. Diese Haltung braucht ein Mensch im Blick auf sein ganzes Leben.
Und deswegen bringt Jesus hier zwei Geschichten.
Vers 25 und Vers 26: In Wahrheit aber sage ich euch, viele Witwen waren in den Tagen Elias in Israel, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate verschlossen war, so dass eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Und zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, als nur nach Sarepta in Sidon zu einer Frau, einer Witwe.
Ich möchte jetzt nicht die ganze Geschichte erzählen. Ihr könnt das nachlesen: 1. Könige 17 ab Vers 8. Hungersnot, lange Hungersnot, Elija, der Prophet, der ein Stückchen dafür verantwortlich ist, verschwindet, wird von Gott auf übernatürliche Weise für eine ganze Weile versorgt. Überall gibt es nichts zu essen, und dann bekommt Elija den Auftrag: Geh doch da in diesen Ort zu dieser Witwe. Und Elija geht dahin, trifft dann auch die Frau und sagt: Gib mir zu essen.
Das ist ziemlich frech, weil die Frau eigentlich nichts mehr hat. Sie hat noch genug Mehl und Öl, um so einen Kuchen zu backen, und dann kommt dieser Prophet und sagt: Also ich hätte gern das Letzte, was du hast.
Tja, wenn die Frau in der Situation so drauf gewesen wäre wie die Nazarener, dann hätte sie gesagt: Wenn du behauptest, ein Prophet Gottes zu sein, und wenn du mir sagst, ich soll dir das geben, und wenn ich dir das gebe, dann wird Gott mich danach versorgen, das musst du mir erst beweisen. Tu erst mal ein Wunder, irgendein kleines Wunder, und dann bin ich bereit, dir so einen Kuchen zu backen, und dann schauen wir weiter.
Aber so war sie nicht drauf. Diese Frau lässt sich auf Elija ein. Sie vertraut dem, was er sagt, und indem sie sich darauf verlässt, ihm diesen Kuchen backt und ihm das gibt, erhält sie als Folge davon den unumstößlichen Beweis dafür, dass Elija die Wahrheit gesagt hat. Es ist dann tatsächlich so, dass Gott sie übernatürlich versorgt, sie und ihren Sohn, und dass sie durch die Hungersnot hindurchkommt.
Und die Frage ist: Warum konnte diese Frau so leicht Elija vertrauen? Was ist der Punkt dabei? Die Antwort ist einfach: Sie hatte nichts zu verlieren, oder? Du hast noch einen Kuchen. Wenn sich Elija als Scharlatan herausstellt, als einer, der einfach irgendwie den letzten Kuchen abschwatzen will, dann stirbst du fünf Stunden früher. Wenn er die Wahrheit sagt, hast du gewonnen, und Gott wird dich versorgen, und du kommst durch die Hungersnot durch. Ist doch toll, ist doch ganz einfach. Ich habe doch wirklich nichts zu verlieren.
Für die Nazarener ist der Mehltopf noch voll. Sie kapieren einfach nicht, dass sie arm sind. Und was uns die Geschichte hier zeigen will, was Jesus mit dieser Geschichte zeigen will, ist: Nur wer sich seiner Armut bewusst ist, nur wer weiß, dass es wirklich langsam wehtut und dass man nicht ganz gesund ist, der lässt tatsächlich den Arzt an sich heran.
Und in dem Moment, wo ich Gott an mich heranlasse, wo ich den Arzt an mich heranlasse, der mich gesund macht, wo die Witwe Elija vertraut und tatsächlich dann versorgt wird, hat sie plötzlich den unumstößlichen Beweis dafür, dass Elija die Wahrheit sagt, beziehungsweise bei den Nazarenern, dass Jesus die Wahrheit gesagt hat. Also das Erste, was ein Mensch verstehen muss, ist seine eigene Armut.
Aber es gibt noch eine zweite Geschichte. Lukas 4, Vers 27: Und viele Aussätzige waren zur Zeit des Propheten Elisa, ein bisschen später als Elija, in Israel, und keiner von ihnen wurde gereinigt als nur Naaman, der Syrer.
Ganz andere Geschichte: 2. Könige, Kapitel 5. Naaman, ein syrischer Edelmann, lässt sich von Elisa, das ist der Nachfolger von Elija, vom Aussatz heilen. Also eigentlich will er das erst mal, reist dahin, und jetzt müsst ihr euch vorstellen: syrischer Edelmann, großes Gefolge, kommt da so richtig mit Pomp an, ist einer, wo andere sich gefreut hätten, auch nur einmal mit ihm zum Frühstück zu essen oder einmal sagen zu können: Boah, Naaman hat bei mir zu Hause übernachtet. Oder auch nur vor meiner Hütte übernachtet. Wahnsinn!
Naaman kommt da an, und Elisa schickt ihm einen Diener raus, kommt nicht mal selber, und sagt: Ich weiß schon, was du willst, du willst vom Aussatz geheilt werden, kein Problem, geh zum Jordan. Bade dich da siebenmal, und alles ist weg.
Und Elisa, Quatsch, Naaman ist überhaupt nicht froh darüber. Er denkt sich: Was passiert hier? Der spricht nicht mal richtig mit mir, der schickt da nur seinen Diener, und dann was soll das? Ich soll zum Jordan gehen und mich da siebenmal baden. Haben wir da, wo ich herkomme, nicht auch Flüsse? So ein Unsinn!
Und es braucht eine ganze Weile, bis seine Diener ihn wieder runterholen und sagen: Hör her, jetzt sind wir schon hier. Und wenn er irgendwas von dir verlangt hätte, irgendwas Großes, was weiß ich, gib die Hälfte deines Besitzes oder sonst irgendetwas, hättest du doch gemacht. Probier es doch wenigstens aus.
Naaman macht das, geht zum Jordan, badet sich siebenmal im Jordan und wird heil. Und so wie die Witwe ein Beispiel dafür ist, dass wir begriffen haben müssen, wie hoffnungslos arm wir vor Gott stehen, so ist Naaman ein Beispiel dafür, wie wir uns im Glauben auf den Weg der Rettung einlassen müssen, den Gott uns gibt.
Und beide Geschichten zusammen zeigen uns, was Jesus hier seinen Nazarenern mitgeben will. Wenn du gesund werden möchtest, dann brauchst du auf der einen Seite eine tiefe Einsicht in deine eigene Verlorenheit und Armut und auf der anderen Seite die Bereitschaft, tatsächlich das zu tun, was Gott von dir verlangt.
Jetzt ist es bei den Nazarenern mit ihrer Geduld vorbei. Also natürlich ist es schon mal schlimm, wenn man sagt: Du bist geistlich blind. Und es ist auch schlimm, wenn ich sage: Du bist einer, der hoffnungslos und kraftlos unter die Sünde und den Teufel verkauft ist. Aber wenn sich einer hinstellt und sagt: Du bist dümmer als ein aussätziger Heide in dem, was du jetzt tust, dann ist das etwas, wo bei den Leuten wirklich so die Galle überläuft.
Wie heißt das hier so schön? Vers 28: Und alle in der Synagoge wurden von Wut erfüllt, als sie dies hörten, und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn bis an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, um ihn so hinabzustürzen. Er aber schritt durch ihre Mitte hindurch und ging weg.

Warum die erste Szene so hart endet

Ich hatte am Anfang die Frage gestellt, warum gerade diese Geschichte am Anfang steht. Ich glaube, dass Lukas sie deshalb an den Anfang setzt, weil er Theophilus etwas verstehen lassen möchte. Er möchte, dass Theophilus versteht, was Menschen dazu bringt, den Anspruch Jesu an ihr Leben abzulehnen. Und ich glaube, dass das bis heute nicht ein Mangel an Beweisen ist.
Wenn ein Mensch heute Beweise sucht, dann hoffe ich, dass er in dein Leben hineinschauen kann und dass du ihm sagen kannst: Die verändernde Kraft Gottes ist in meinem Leben zu sehen, schau einfach mal genau hin. Ich kann in die Schöpfung schauen und mir die Frage stellen: Wo kommt das alles her? Wo kommt diese Ordnung her im Kosmos, wo kommt dieses fein aufeinander Abgestimmte her? Und ich werde auf die Idee kommen, dass es einen Schöpfer gibt. Und ich schaue in mein Leben hinein, wie sich die letzten zwanzig Jahre verändert hat, und ich kann dir sagen: An meinem Leben ist Gott sichtbar.
Und wenn du genau hinschauen möchtest, ist Gott am Leben jedes Christen sichtbar. Gott verändert uns nämlich. Gott wirkt durch seinen Geist in uns. Gott lässt uns nicht bleiben, wie wir sind. Es mangelt nicht an Beweisen. Das Problem ist wohl ganz anders. Es mangelt daran, dass Menschen ihre eigene geistliche Verlorenheit anerkennen. Und wer sich in seinem Herzen schon entschieden hat, dass er gar keine Buße tun will, der kann dann tatsächlich auch nicht sehen, dass Josef, der Sohn, der Messias ist.
Oder um das mal mit den Worten von Jesaja und von Johannes dem Täufer zu sagen: Das Heil Gottes sehen kann nur der, der dem Messias die Wege ins eigene Herz durch Buße ebnet. Also, ich glaube, es steht am Anfang, weil es so zentral ist. Wir werden überhaupt das, was jetzt im Folgenden, in den nächsten Kapiteln passiert, im Lukasevangelium nur verstehen, wenn diese zwei Wahrheiten sich tief verinnerlicht haben.
Und wir müssen uns selber die Frage stellen, wo wir stehen, ob wir wirklich unsere eigene Hilflosigkeit erkannt und anerkannt haben, ob das die Grundlage ist, auf der wir zu Jesus gekommen sind. Und wir müssen uns natürlich die Frage stellen, wie wir damit umgehen, dass wir hilflos sind. Ob das etwas ist, was uns immer wieder runterzieht, wo wir denken: Boah, ich kann ja gar nichts. Oder ob wir es ein Stückchen als Befreiung erleben, zu sagen: Ich darf ehrlich sein. Ich darf ehrlich sagen, dass ich es nicht bringe. Ich darf ehrlich sagen, dass ich verloren bin ohne diesen Jesus. Und ich möchte ihn und seine Kraft und seine Vollmacht in mein Leben hineinholen, um genau das, was hier steht, zu erleben.
Ich möchte befreit werden aus der Gefangenschaft der Schuld und Sünde. Ich möchte sehend werden in geistlichen Dingen, und ich möchte erleben, dass die Zerschlagenheit unter der Macht des Teufels ein Ende hat in meinem Leben.
So wie die erste Geschichte hier uns etwas zeigt über die Voraussetzung, die ein Mensch mitbringen muss, um das Evangelium aufzunehmen, so zeigt uns der Rest des Kapitels Lukas 4,31 folgende etwas über Vollmacht. Ich lese mal Vers 32. Jesus ist jetzt in Kapernaum und lehrt dort wieder in den Synagogen. Vers 32 heißt es: Und sie erstaunten sehr über seine Lehre, denn sein Wort war mit Vollmacht.
Und wenn ihr das durchlest, ich werde jetzt nur ein paar Verse zitieren, dann werdet ihr feststellen: Das Thema der nächsten Verse und Geschichten lautet Vollmacht und Kraft. Jesus heilt mit Vollmacht und Kraft. Vers 36, da heißt es: Und Entsetzen kam über alle, und sie redeten untereinander und sprachen: Was ist dies für ein Wort? Denn mit Vollmacht und Kraft gebietet er den unreinen Geistern, und sie fahren aus.
Also die ganzen nächsten kleinen Geschichten bis zum Ende von Kapitel vier drehen sich um die Autorität Jesu, drehen sich um Effektivität. Immer wieder geht es dabei um die Heilung von Besessenen. Das heißt, wenn wir uns den Dienst Jesu anschauen, dann ist die Kraft Jesu über Dämonen etwas, was im Neuen Testament zum Herz des Messiasverständnisses gehört, wenn man so will.
Kann man sagen: In der Versuchung begegnet der Teufel Jesus, und er versucht, ihn umzudrehen, versucht, ihn auf seine Seite zu ziehen. Und hier in den Geschichten, die alle in und um Kapernaum stattfinden, da dreht Jesus jetzt den Spieß um und trifft den Teufel auf seinem eigenen Terrain, und er schlägt zurück und offenbart seine eigene Macht. Und dabei wird deutlich: Das ist für uns eine Lektion, die wir auch nie vergessen dürfen.
Dabei wird deutlich, dass der Kampf um die Errettung von Menschen, dass sich dieser Kampf in einer unsichtbaren Welt abspielt. Wenn der unreine Dämon hier in Vers 34 fragt: Bist du gekommen, uns zu verderben? Ja, du musst dir ja vorstellen, du bist, ich weiß nicht, ob wir uns das vorstellen können, aber stell dir vor, du wärst ein Dämon und du steckst da recht gemütlich in so einem armen Schwein, also Mensch drin, und kannst mit dem so ein bisschen machen, was du willst. Und dann begegnet dir der lebendige Gott, und du merkst schon, es wird heißer und heißer, und es wird kribbelig, und es wird gefährlicher. Und dann passiert das, dass Jesus predigt, und unter der Predigt bricht der zusammen, den du in deiner Gewalt hast, und du merkst, es geht zu Ende. Und dann kommt diese Frage, die ängstliche Frage eines Dämons: Bist du gekommen, uns zu verderben?
Dann lautet die Antwort: Ja, genau das ist meine Mission. Verstumme und fahre aus.
Wenn Lukas das bringt, dann möchte er ganz deutlich etwas machen. Er möchte nicht sagen, jeder Mensch ist besessen. Ich denke, es wäre wirklich falsch, dumm und gefährlich zu behaupten, dass jeder Mensch von einem Dämon besessen ist. Das will er nicht sagen. Besessenheit ist eine extreme, vielleicht die extremste Form der geistlichen Unterwerfung eines Menschen oder der geistlichen Bindung.
Und trotzdem, wenn wir das Neue Testament lesen, werden wir feststellen, dass auf eine ganz reale Weise das, was hier mit den Besessenen so auf extreme Weise vorgeführt wird, auf eine reale Weise in abgeschwächter Form ein Stückchen für jeden Menschen gilt. Jeder Mensch steht irgendwie unter dem Einfluss des Teufels.
In der Apostelgeschichte beschreibt Paulus in Kapitel 26 seinen Auftrag, und er sagt in Kapitel 26, Vers 17 und 18: Da sagt er, dass er den Auftrag von Jesus bekommen hat: „Ich werde dich herausnehmen aus dem Volk und den Nationen, zu denen ich dich sende, ihre Augen aufzutun, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind.“
Merkt ihr: Der Auftrag des Apostels besteht darin, Leute aus dem Machtbereich des Teufels herauszuziehen. Im Epheserbrief schreibt Paulus dann in den ersten beiden Versen des zweiten Kapitels, Epheser 2,1 und 2, rückblickend auf die Erfahrung, die die Epheser gemacht haben: „Auch euch hat er auferweckt, die ihr tot wart, geistlich tot, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden, in denen ihr einst wandeltet gemäß dem Zeitlauf dieser Welt, gemäß dem Fürsten der Macht der Luft, des Geistes, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt.“
Man müsste jetzt eine Stunde Zeit nehmen, den Satz aufzudröseln. Das, was Paulus hier sagen möchte, ist: Heute ist der Teufel eine Realität, sie ist da, und sie wirkt in den Menschen, die nicht glauben. Und das ist für euch, ihr lieben Epheser, Vergangenheit. Heute ist das anders, ihr seid da rausgerissen, dieser Einfluss ist beendet worden.
Das heißt, nicht jeder Mensch muss Bindung an den Teufel gleich erfahren im Sinne von Besessenheit. Wahrscheinlich reicht es völlig, wenn du voller Wut und Zorn wie die Nazarener an den Punkt kommst, wo du bereit bist, einen Menschen umzubringen. Das heißt: Jedes Mal dann, wenn wir in unserer Umgebung morden, sei es mit Blicken, mit Worten, unhörbar mit Gedanken oder womöglich mit kleinen Gehässigkeiten und Sticheleien. Ich will gar nicht glauben, dass einer von euch wirklich jemanden schon umgebracht hat. Jedes Mal, wenn wir in unserer Umgebung morden, werden wir dem gleich, von dem Jesus sagt, dass er ein Menschenmörder von Anfang an ist.
Jedes Mal, wo der Zorn in uns aufsteigt und wir geben ihm Raum und Nahrung und fangen an, um uns herum den Tod zu verbreiten, bringen wir damit zum Ausdruck, wer uns beherrscht und prägt.
Und deswegen ist diese Frage, die Lukas hier beantwortet, eine ganz entscheidende: Mit welchen Waffen bekämpft Jesus den Teufel? Also, ich habe ihn der Befreiung ausruft, und ich habe auf der anderen Seite Menschen, die gebunden sind und die irgendwie aus dieser Bindung nur schwer herauskommen. Was ist denn die Methode, die der Messias anwendet, um Menschen zu befreien?
Und wir lesen in den Versen 31, 35, 39 und 41 immer wieder dasselbe. Wir lesen, dass Jesus spricht, er redet einfach. Und wir merken, dass hier ein Motiv fortgesetzt wird: In der Wüste, in der Versuchung, kommt der Teufel, und Gott, der Sohn, benutzt das geschriebene Wort, um den Teufel abzuweisen. Und jetzt praktiziert er hier das Gleiche.
Ich lese einfach mal Vers 31: Da heißt es: Und er lehrte sie an den Sabbaten. Vers 35: Und Jesus bedrohte ihn, das ist ein unreiner Geist. Dann Vers 39: Da geht es um ein Fieber, und er beugte sich über sie, bedrohte das Fieber. Ja, auch wieder lustig, einfach so zu reden. Oder Vers 41: Dann: Und auch Dämonen fuhren von vielen aus, indem sie schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes. Und er bedrohte sie.
Immer ist es das Wort Gottes, was Jesus einsetzt im Kampf gegen das Böse als das wesentliche Mittel. Und das ist für uns deshalb so wichtig, weil wir das begreifen müssen, dass, wenn wir es zulassen, dass wir das Predigen vernachlässigen oder wenn an irgendeiner Stelle Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Bibel gesät werden, dann ist das immer auch etwas, was dem Teufel in die Hände spielt.
Für Jesus ist das Predigen so wichtig, dass er bereit ist, obwohl alle Leute an der Stelle gerade ihn total gut finden, er total populär ist und die natürlich begeistert sind, dass er sagt in Vers 42: Als es aber Tag geworden war, ging er aus und begab sich an einen einsamen Ort, und die Volksmengen suchten ihn auf und kamen bis zu ihm, und sie hielten ihn auf, dass er nicht von ihnen ginge. Er aber sprach zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkündigen, denn dazu bin ich gesandt worden. Und er predigte in den Synagogen von Galiläa.
Versteht ihr? Die Predigt ist ihm so wichtig, dass er nicht da bleibt, wo er sagt: Schön, ihr wollt mich nicht von der Klippe stürzen, hier fühle ich mich wohl, hier könnt ihr mir ein bisschen ein Häuschen einrichten und vielleicht eine Familie gründen, und dann bin ich hier so der Wundermann im Ort, und dann ist es eigentlich ganz schön. Nein, ich muss weiterziehen, ich muss weiter an anderen Orten predigen.
Das ist die eine Waffe, die eine Methode, die Jesus einsetzt: sein Wort. Und die zweite Methode, das ist seine Identität. Dass, wer er ist, in Vers 34, da sagt der Dämon: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus Nazarener, bist du gekommen, uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist, der Heilige Gottes. Und in Vers 41 ein anderer Dämon: Du bist der Sohn Gottes.
Hier betont Lukas in der Art, wie er das beschreibt, nochmals, wer Jesus eigentlich ist. In diesem Fall kann Jesus auf das Zeugnis der Dämonen getrost verzichten. Hör auf zu reden, ich will das gar nicht hören, obwohl sie die Wahrheit sagen. Der Grund dafür ist, dass ich das Zeugnis des Teufels nicht brauche, weil selbst dann, wenn er die Wahrheit sagt, er es nicht deshalb sagt, weil er Menschen in die Wahrheit führen möchte. Er möchte sie nur enger an sich binden.
Und trotzdem ist das hier die Wahrheit, diese Identität, wer ist Jesus, sein Wort und seine Identität. Zu wissen, wer er ist und was er gesagt hat, das ist die Methode, die wir anwenden müssen, um dem Teufel zu widerstehen.
Ich will es einmal kurz zusammenfassen: Was rettet einen Menschen vor dem Teufel und seinen Machenschaften? Es rettet ihn zu wissen, wer Jesus ist und was Jesus gesagt hat. Jesus zu kennen, das heißt zu wissen, dass er ganz Mensch und ganz Gott ist, der ganz andere und dabei die einzige Rettung für verlorene Menschen, und dann seinem machtvollen Wort vertrauen.
Wer das tut, der allein hat die Chance, frei zu werden von den Bindungen, die ihn versklaven, der allein hat die Chance, geistlichen Durchblick für sein Leben zu gewinnen und dabei ein Leben zu leben, das sich wirklich lohnt.
Das ist es, was uns Lukas hier am Anfang vorstellt, wenn er uns zeigt, wer der Sohn Gottes ist. Bis dahin. Das nächste Mal geht es dann weiter im Lukasevangelium mit dem Thema: Wie geht Jesus denn jetzt konkret mit Sündern um? Aber das kommt erst das nächste Mal.

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