Serie•Teil 4 / 5Liebevoll
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und thematische Ausrichtung
Hallo zusammen, schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt bei liebevoll.
Nach einer längeren Pause sind wir wieder am Start, und wir möchten uns in diesem Halbjahr dem Thema Kindererziehung widmen. Ich weiß, das ist immer ein heikles Thema, aber ich glaube auch, dass es ein so wichtiges Thema ist, mit dem wir Ehepaaren und Eltern etwas mit an die Hand geben wollen.
Und das Thema heute Abend lautet: Liebe Eltern, wir müssen umdenken. Der Titel ist natürlich etwas provokant formuliert, weil er ja auch ein Stück weit suggeriert, dass wir alle irgendwo falsch denken. Das möchte ich aber nicht pauschal unterstellen. Ich glaube, dass sich viele Eltern diesen Vortrag anschauen, die am Ende sagen werden: Ja, André, das wussten wir, das handhaben wir bereits so. Schön, dass du jetzt auch draufgekommen bist.
Aber ich denke schon, dass wir in Sachen Kindererziehung immer wieder auch mal eine Korrektur in unserem Denken brauchen. Kindererziehung hat so viel mit Denken zu tun, mit der Sichtweise auf die Dinge. Wie sehen wir uns als Eltern? Wie sehen wir unsere Kinder? Und das ändert sehr, sehr vieles, wie wir dann auch praktisch vorgehen.
Dieser Vortrag, Liebe Eltern, wir müssen umdenken, ist eher als Basisvortrag zu verstehen. Wir möchten anschließend in verschiedenen Q-and-A-Videos auch auf sehr konkrete Themen eingehen, die Kindererziehung eben betreffen, auf Methoden. Aber in diesem Vortrag geht es gar nicht so sehr um Methoden, sondern vielmehr um unser Denken als Eltern. Dieser Vortrag möchte eine Brille aufsetzen, durch die wir uns sehen, unsere Kinder sehen und das Thema Kindererziehung im Licht der Bibel sehen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir im Wort Gottes alles haben, was wir brauchen, um dem Herrn zu gefallen und damit auch, um gute Eltern zu sein. Natürlich können viele Bücher sehr, sehr hilfreich sein, Sachbücher, wenn sie wirklich biblisch basiert sind. Aber ich glaube, dass wir im Wort Gottes eigentlich alles haben.
Dennoch bin ich total dankbar für Vorträge und für Bücher, von denen ich auch sehr viel profitieren konnte. Der heutige Vortrag ist eigentlich auch zum Teil aus diesem Buch entstanden: das Buch von Paul David Tripp, Papa sein, Mama sein: Eltern sind Botschafter Gottes. Dieses Buch empfehle ich euch wärmstens.
Ich möchte einfach von vornherein auch klarstellen: Ich habe einige Inhalte aus diesem Buch übernommen.
Die erste grundlegende Perspektive
Heute geht es eigentlich um sechs Prinzipien, um sechs Sichtweisen auf Kindererziehung, die ich mit euch durchgehen möchte.
Das erste lautet: Die erste grundsätzliche Denkweise, bei der wir vielleicht auch als Eltern sehr konkret umdenken müssen: Unsere Kinder gehören uns nicht. Unsere Kinder gehören uns nicht.
Für mich war jede der drei Geburten, die ich als Vater miterleben durfte, etwas ganz, ganz Besonderes. Und ich glaube, da könnt ihr voll mitgehen. Aber in gewisser Weise war die erste Geburt das grösste Erlebnis, im Sinne davon, dass sie so viel Veränderung in meinem Denken bewirkt hat. Ich habe diesen Jungen gesehen und wusste zum ersten Mal: Ich bin Vater. Ich bin sein Vater. Er ist mein Sohn.
Und in einer gewissen Weise sind unsere Kinder natürlich unsere Kinder, in dem Sinne, dass wir sie gezeugt haben. Aber unsere Kinder, und das ist eine ganz, ganz wichtige Wahrheit, sind uns nur anvertraut worden. Gott hat dieses Kind geschaffen. Gott ist der Besitzer unseres Kindes, und er hat es uns nur als Eltern anvertraut.
In Jeremia 1 wird deutlich, dass Gott jedes Kind im Mutterleib aktiv erschafft. Wir denken ja manchmal, Gott hat Adam und Eva erschaffen, und dann geht einfach nur ein biologischer Prozess in Gang, und Vater und Mutter zeugen eben das nächste Kind. Aber aus Jeremia 1 erfahren wir: Gott ist immer noch aktiv bei der Erschaffung eines jeden Kindes im Mutterleib tätig. Das heisst, Gott ist der Schöpfer eines jeden Kindes.
Aus Psalm 139 erfahren wir, dass Gott einen Plan für jedes Kind hat. „Alle meine Tage waren in deinem Buch geschrieben, bevor einer war“, sagt der Schreiber von Psalm 139. Und so wird deutlich: Gott hat das Kind gemacht, Gott ist der Schöpfer, Gott hat einen Plan für dieses Kind. Und dann heisst es in 1. Mose 2, darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen. Das heisst, Gott hat einen Plan für dieses Kind. Er hat es uns für eine gewisse Zeit anvertraut. Und dann geht das Kind irgendwann aus dem Haus.
Das heisst aber: Wir sind als Eltern nicht Besitzer des Kindes, sondern wir sind nur Verwalter. Es ist uns anvertraut worden. Und so sollten wir unsere Kinder sehen.
Schaut mal, es macht einen Riesenunterschied, wenn wir denken, wir sind die Besitzer, oder wenn wir uns einfach nur als Verwalter verstehen. Wenn wir denken, unsere Kinder gehören uns, dann zählt unsere Agenda. Dann zählt das, was wir als Eltern für dieses Kind wollen. Dann zählt vielleicht das, was die Gesellschaft für dieses Kind will, gesellschaftliche Dinge, die wir auch gut finden als Eltern. Dann ist das die Agenda unserer Erziehung.
Wenn wir aber vor Augen haben, dieses Kind gehört Gott in dem Sinne, dass er es geschaffen hat, dass er einen Plan für dieses Kind hat und dass er es uns anvertraut hat, dann verändert das sehr, sehr viel in unserer Erziehung.
Paul David Tripp schreibt dazu: Erziehung meint nicht zuerst, was wir für unsere Kinder oder von unseren Kindern wollen, sondern was Gott in seiner Gnade geplant hat, durch uns in unseren Kindern zu bewirken.
Und das ist das, was ich euch mitgeben möchte. Vielleicht muss hier ein Umdenkprozess stattfinden. Vielleicht haben wir es theoretisch im Hinterkopf, aber nicht immer wirklich ganz, ganz praktisch auf dem Schirm.
Unsere Kinder gehören uns nicht. Es sind Gottes Kinder. Er hat sie gemacht. Er hat einen Plan für sie. Und jetzt hat er sie ganz bewusst in seiner Souveränität gerade uns als Eltern anvertraut. Und er möchte durch uns in diesem Kind etwas bewirken.
Deswegen muss unsere Frage sein: Herr, was willst du? Wie willst du uns als Werkzeuge gebrauchen, um diesem Kind zu dienen, um dieses Kind zu prägen, um dieses Kind so zu erziehen, wie du es willst? Nicht, wie wir es wollen, sondern wie du es willst. Denn dieses Kind ist dein. Du hast es gemacht, du hast es gewollt, und du hast einen Plan. Und in deiner Souveränität willst du uns gebrauchen.
Das ist der erste Umdenkprozess. Unsere Kinder gehören nicht uns. Sie sind uns nur anvertraut. Aber wir sind nicht Besitzer, wir sind Verwalter. Wir sind Botschafter, die Gott gebrauchen möchte im Leben dieses Kindes.
Die innere Not jedes Kindes
Die zweite Wahrheit, bei der wir vielleicht umdenken müssen, lautet: Jedes Kind kommt mit einer Schockdiagnose auf die Welt.
Als mein Neffe auf die Welt gekommen ist, haben wir uns alle total gefreut. Er ist das dritte Kind meiner Schwester und meines Schwagers, Marc ist sein Name. Wir als Verwandte haben uns natürlich riesig mitgefreut: Nelly und John haben ein drittes Kind bekommen.
Aber im Laufe der nächsten Monate kamen einige Bedenken und Sorgen auf. Irgendwie fixierte er mit seinen Blicken die Menschen in seinem Umfeld immer noch nicht. Kann es sein, dass mit diesem Kind etwas nicht stimmt? Einige Untersuchungen wurden veranlasst, und nach vier Monaten hatten John und Nelly die traurige Gewissheit: Ihr Kind ist schwerstbehindert, Liss-Enzephalie.
Dieser Tag war niederschmetternd für uns alle in unserer Familie, besonders natürlich für die Eltern. Es war eine Schockdiagnose. Lissencephalie ist eine sehr, sehr seltene, aber sehr schwere Behinderung mit einer nicht sehr langen Lebenserwartung.
Wir sind so dankbar für Marc, und ihr habt das vielleicht in dem Vortrag über behinderte Kinder auch mitbekommen, was für ein starkes Zeugnis John und Nelly haben. Aber es war eine Schockdiagnose. Jede Eltern, jedes Elternteil wünscht sich ein gesundes Kind.
Aber wisst ihr was? In einer gewissen Weise kommt jedes Kind mit einer Schockdiagnose auf die Welt. Was meine ich damit? In Römer 5,12 wird die Schockdiagnose geschildert. Da schreibt Paulus, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod. So ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.
Die Schockdiagnose, mit der jedes Kind auf die Welt kommt, lautet: sündig. Adam hat uns alle mitgerissen, das macht Römer 5,12 deutlich. Wir alle tragen, und damit auch jedes Kind, das auf die Welt kommt, dieses Virus der Sünde in uns drin.
Und genauso wie es bei Marc am Anfang nicht klar war, aber immer deutlicher wurde, wird es früher oder später deutlich werden, dass unsere Kinder ein ganz großes Problem haben: eine Schockdiagnose in ihrem Herzen. Sie sind absolut versklavt in Sünde. Sie haben eine so große geistliche Not.
David schreibt in Psalm 51,7: Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen. Das ist ein Bußpsalm, in dem David seinen Ehebruch bekennt. Und er sagt: Ich bin so, ich bin durch und durch Sünder.
Das heißt, jedes Kind kommt mit dieser Schockdiagnose auf die Welt. Und früher oder später, bei einigen Kindern vielleicht früher, bei einigen später, wird dieses Kind auch den empirischen Beweis dafür liefern, dass es durch und durch ein geistliches Problem hat und verdorben ist in seinem Herzen.
In 1. Mose 8,21b sagt Gott über den Menschen: Denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an; und nicht noch einmal will ich alles Lebendige schlagen, wie ich es getan habe. Das sagt Gott nach der Sintflut. Er sagt: Auch das Gericht hat das menschliche Herz nicht verändert. Seit Kindheit an, also seit Anfang an im Prinzip, ist das Trachten des menschlichen Herzens böse.
Ich hatte vor einiger Zeit die Möglichkeit, bei einem Gespräch mit einem Kinderpsychologen dabei zu sein. Die Eltern hatten Rat gesucht. Es ging um ein Mädchen, das ziemlich verhaltensauffällig war: Wutausbrüche und so weiter, also richtig heftig. Und nachdem die Eltern die ganze Problematik geschildert hatten, christliche Eltern, stellte der Psychologe, der kein Christ war beziehungsweise kein Christ ist, die Frage: Glauben Sie, dass etwas Böses im Kind ist? Glauben Sie, dass etwas Böses im Kind ist?
Und dann setzte er fort, ohne dass die Eltern darauf geantwortet hatten: Ich glaube, dass dieses Kind, ich glaube, dass ihre Tochter gut ist. Und dann wird im Gespräch mehr und mehr deutlich: Eigentlich sieht er das Problem bei den Eltern und will die Eltern verändern.
Ihr Lieben, das ist ein direkter Angriff auf das Evangelium. Diese Aussage, dass der Mensch, dass das Kind an sich gut ist und einfach nur die Umstände dafür sorgen, dass das Kind sich böse Dinge anlernt, ist ein Angriff auf das Evangelium.
Warum sage ich das? Wenn der Mensch von sich aus gut wäre, wenn jedes Kind gut auf die Welt käme, dann hätte Christus nicht am Kreuz sterben müssen. Dann hätten Eltern einfach die Aufgabe, möglichst für gute Umstände zu sorgen, für ein gutes Umfeld zu sorgen, ja, vielleicht das Kind möglichst bald in ein Kloster zu geben, wo die Umstände irgendwie heilig sind, und dann wird das Kind gut. Aber dem ist nicht so. Das funktioniert nicht.
Und die Bibel sagt: Wir alle haben ein ganz großes Problem. Das bezieht sich auch auf eure Kinder. Kann es sein, dass wir unsere Kinder manchmal irgendwie doch als Engelchen ansehen? Sie sind supersüß, und ich sage nicht, dass wir nicht echt Freude an unseren Kindern haben sollten, auf keinen Fall, das sollten wir. Es ist herrlich, Kinder zu beobachten, es macht uns so viel Freude.
Aber wir müssen vor Augen haben: Unser Kind hat eine große Not. Und das ändert unsere Erziehung, das ändert unsere Denkweise über Erziehung, das ändert unsere Methoden der Erziehung. Unser Kind hat eine große geistliche Not.
Es gibt zwei Lügen, die jedes verlorene Kind glaubt. Die erste Lüge lautet Unabhängigkeit, die zweite Lüge lautet Selbstgenügsamkeit.
Unabhängigkeit redet unserem Kind ein, also lässt unser Kind glauben: Ich habe das Recht, mein Leben so zu führen, wie ich es will. Die Eltern geben dem Kind eine Anweisung, und man merkt, das Kind sträubt sich dagegen. Man merkt es körperlich: Dieser angespannte Körper, und es rebelliert gegen die Eltern. Und damit sagt ein Kind eigentlich aus: Ich will unabhängig von euch sein. Ich will nicht, dass es Autoritäten in meinem Leben gibt, die mir sagen, was ich tun soll. Und da kommt so eine Wut auf, weil das Kind nicht seinen Willen bekommt.
Das hängt damit zusammen, dass ein Kind wirklich glaubt: Ich kann unabhängig sein, ich will unabhängig sein, und ich brauche keine Autorität in meinem Leben. Paul Washer hat einmal gesagt: Wenn Kinder die Kraft eines erwachsenen Mannes hätten, würde so manch ein Kind seine Eltern umbringen. Das alles steckt in einem kleinen Kind. Unsere Kinder sind keine Engelchen, auch wenn wir das manchmal denken. Unsere Kinder sind Sünder, die eine große Not haben.
Die zweite Lüge lautet Selbstgenügsamkeit. Selbstgenügsamkeit sagt unserem Kind, dass es alles, was es für sein Wohlbefinden braucht, bereits in sich besitzt. Und dass es unsere Hilfe, unsere Befreiung, unsere Unterstützung, unsere Korrektur nicht benötigt.
Unabhängigkeit und Selbstgenügsamkeit, das sind die Lügen, die jedes verlorene Kind glaubt. Und ich möchte euch einfach auch noch einmal vor Augen führen: Euer Kind hat nicht nur körperliche Bedürfnisse, euer Kind hat so eine große geistliche Not. Und das müssen wir als Eltern auf dem Schirm haben. Wenn uns das klar ist, dann wird das unsere Denkweise von Erziehung und unsere Prioritäten, die wir in der Erziehung setzen, enorm verändern.
Erziehung am Herzen und nicht nur am Verhalten
Und damit kommen wir zum nächsten Punkt, zur dritten Wahrheit, wo wir vielleicht umdenken müssen: Kindererziehung muss am Herzen ansetzen.
Ich möchte mal die Behauptung aufstellen, dass wir als Eltern viel zu schnell dazu neigen, einfach nur das Verhalten unserer Kinder zu korrigieren. Kindererziehung ist dann häufig nur auf der Verhaltensebene. Aber die Quelle des Verhaltens ist das Herz. Das sagt die Bibel ganz deutlich. Deswegen muss jede Kindererziehung am Herzen ansetzen.
In Lukas 6,43-45 steht: Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, auch keinen faulen Baum, der gute Frucht bringt. Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Denn von Dornen sammelt man nicht Feigen, auch liest man nicht von einem Dornbusch Trauben. Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der Böse bringt aus dem Bösen das Böse hervor. Denn aus der Fülle des Herzens redet sein Mund.
Jesus verwendet hier zunächst einmal das Bild von einem Baum und der Frucht. Die Logik lautet: Wie der Baum, so die Frucht. An der Frucht, die sichtbar ist, kann man auf den Zustand, auf die tiefer liegenden Wurzeln des Baumes schließen. Ja, wie der Baum, so die Frucht.
In Vers 45 spricht Jesus das Herz an und sagt: All das, was wir sagen und unser Verhalten, hat seinen Ursprung im Herzen. Und deswegen dürfen wir als Eltern uns nicht nur auf der Verhaltensebene bewegen, sondern wir müssen tiefer gehen in unserer Erziehung und das Herz ansprechen.
Ich möchte das mal anhand eines Beispiels aus dem Kinderzimmer deutlich machen, was ich damit meine. Der absolute Klassiker ist ja: Wir als Eltern sind irgendwo im Haus oder in der Wohnung unterwegs, und plötzlich hören wir, wie im Kinderzimmer Streit ausbricht. Wir kommen hin und stellen fest, das eine Kind hat dem anderen Kind ein Spielzeug weggenommen. Und normalerweise fragen wir Eltern dann direkt: Wer hatte es zuerst? Dann sagt der kleinere Bruder: Ich hatte es zuerst, und die größere Schwester hat es ihm weggenommen.
Wie reagieren wir als Eltern darauf? Wir sagen der älteren Schwester: Gib es deinem jüngeren Bruder zurück. Sie wehrt sich und sagt: Nein, aber ich will es haben. Wir erheben unsere Stimme und sagen: Gib es ihm zurück. Sie gibt es ihm zurück. Wir gehen aus dem Kinderzimmer und denken: Job erledigt, jetzt ist alles wieder gut.
Das ist aber nur Verhaltensebene. Wenn wir uns die Herzensebene anschauen, haben wir hier in diesem Beispiel, das ich gerade erwähnt habe, zwei Schuldige. Denn der eine will das Spielzeug des anderen haben, der andere will es nicht teilen. Beide denken: Ich brauche dieses Spielzeug, um glücklich zu sein. Ich will dieses Spielzeug für mich. Von diesem Spielzeug hängt mein momentanes Glück ab, und mein persönliches Glück steht über dem Glück meines Bruders beziehungsweise meiner Schwester. Und das ist das eigentliche Problem.
Wenn wir einfach nur für Gerechtigkeit sorgen und sagen: Du hattest es zuerst, klar, gib es ihm zurück, hat sich dann irgendetwas im Herzen der älteren Schwester getan, die dem jüngeren Bruder das Spielzeug weggenommen hat? Gar nichts. Hat sich irgendetwas im Herzen des jüngeren Bruders getan, der ja auch egoistisch denkt, der nicht will, dass seine Schwester dieses Spielzeug bekommt, und der nur an sich denkt? Es hat sich nichts getan.
Deswegen geht es um viel, viel mehr als einfach nur um das Verhalten. Das Problem ist ja, dass Kindererziehung auf Verhaltensebene eine Zeit lang funktioniert. Es funktioniert ja eine Zeit lang, sie gibt es ihm irgendwann zurück. Aber es geht nicht tief genug.
Eltern, die vor allem auf Verhaltensebene arbeiten, arbeiten in der Regel mit zwei Mitteln: entweder mit Drohung oder mit Belohnung.
Nehmen wir noch einmal das Beispiel aus dem Kinderzimmer. Der jüngere Bruder will sein Spielzeug zurück, die ältere Schwester hat es ihm ja weggenommen. Die Eltern sagen der älteren Schwester: Gib das Spielzeug zurück. Sie will es nicht. Und was wir dann als Eltern häufig machen: Wir erheben unsere Stimme und drohen. Und wenn sie dann immer noch nicht hört, werden wir noch lauter und kündigen eine Strafe an: Gib es ihm zurück, sonst ...
Und sie wird es ihm zurückgeben. Warum? Weil sie Angst hat vor der Strafe. Damit hat sich aber nichts in ihrem Herzen geändert. Wir drohen, und sie gibt einfach nur aufgrund der Drohung das Spielzeug zurück. Aber wenn wir damit arbeiten, dann fördern wir nur die Menschenfurcht. Sie gibt es nur zurück, weil wir als Eltern drohen und weil sie Angst vor uns hat. Deswegen gibt sie es zurück. Sie gibt es nicht zurück, weil sich in ihrem Herzen das Denken geändert hat: Ich muss an meinen Bruder denken, ich gönne es ihm. Nichts hat sich geändert.
Das heißt: Eltern, die auf Verhaltensebene arbeiten, arbeiten häufig mit Drohungen.
Das zweite, womit Eltern auf Verhaltensebene arbeiten, ist Belohnung. Wir sind immer noch im Kinderzimmer bei unserem Beispiel und spielen das jetzt mal anders durch. Die ältere Schwester will das Spielzeug dem kleinen Bruder nicht zurückgeben, und einige Eltern arbeiten dann mit Belohnung. Sie wollen nicht so streng sein und drohen, dann gibt es eben ein weiteres Mittel: die Belohnung.
Gib es deinem Bruder doch zurück. Nein, will ich nicht, ich will es selber haben. Weißt du was? Wenn du es deinem Bruder zurückgibst, gebe ich dir ein ganz anderes Spielzeug. Das haben wir letztens gekauft, davon weißt du noch nichts. Und das geben wir dir. Das ist viel schöner als das Spielzeug, das du in deiner Hand hast. Oder wenn du es deinem Bruder zurückgibst, dann geben wir dir Haribos, oder dann darfst du ein Stück Schokolade essen.
Was wird sie machen? Es funktioniert, sie gibt es ihrem jüngeren Bruder zurück. Aber hat sich ihre Herzenshaltung geändert? Kein bisschen. Sie macht es einfach nur wegen der Belohnung. Und das hilft unserem Kind nicht wirklich weiter, denn das eigentliche Problem sitzt so viel tiefer.
Also ganz ehrlich: Ich habe mich in diesen Beispielen total wiedergefunden. Das Problem ist ja, dass wir uns oft nicht die Zeit nehmen wollen. Wir sind hektisch, unser Terminkalender ist voll, wir sind vielleicht sogar genervt, dass unsere Kinder miteinander streiten. Wir wollen das schnell lösen und regeln es auf Verhaltensebene.
Aber ich möchte euch als Eltern wirklich Mut machen: Nehmt euch die Zeit, über das viel grundsätzlichere Problem zu reden. Paul David Tripp schreibt: Als Eltern haben wir nicht einfach mit schlechtem Verhalten zu tun, sondern mit dem Zustand, der zu schlechtem Verhalten führt. Es geht um den Herzenszustand.
Ich habe irgendwann meine Frau darum gebeten, mir aus rotem Papppapier ein großes Herz rauszuschneiden. Und dann habe ich verschiedene Bilder auf dieses Herz geklebt: ein ganz wütendes Kind und dann ein Bild, ich glaube, es war ein Thron, oder ein Bild, wo ein Kind, eine Person, eine Medaille hat, Nummer eins, und verschiedene andere Bilder.
Und wenn wir in Situationen kamen, wo die Kinder miteinander gestritten haben oder wo sie sich aufgeregt haben, habe ich sie gerufen und ihnen das Herz gezeigt und ihnen die Frage gestellt: Überleg mal selber, was ist gerade in deinem Herzen drin? Welches Bild passt am besten zu deinem Herzenszustand?
Dann haben die überlegt und dann auf das Bild mit der Wut gezeigt. Ja, und so können wir vielleicht anfangen. Vielleicht ist das eine praktische Hilfe für euch, wo wir anfangen können, mit unseren Kindern über das viel größere Problem zu reden, dass das eigentliche Problem im Herzen ist und sich nur im Verhalten zeigt.
Eine weitere Wahrheit, die hier immer noch mitschwingt, dass Erziehung am Herzen ansetzen soll, lautet aber: Wir als Eltern können das Herz unserer Kinder nicht verändern.
Vielleicht sagst du jetzt: Moment, Andre, das ist dann doch ein Widerspruch. Du hast gerade gesagt, wir müssen uns auf das Herz konzentrieren, und jetzt sagst du, wir als Eltern können das Herz nicht verändern. Ja, das stimmt. Das Herz unseres Kindes kann nur Jesus Christus verändern. Unser Kind braucht ein neues Herz. Und das wirken nicht wir Eltern.
Wir können unseren Ehepartner nicht verändern, wir können aber auch unsere Kinder nicht verändern. Unsere Aufgabe ist es, unsere Kinder die Wahrheit Gottes über ihr eigenes Herz sehen zu lassen. Das ist unsere Aufgabe. Das Werk der Veränderung wirkt der Heilige Geist. Und ja, er möchte uns als Eltern als seine Werkzeuge gebrauchen, aber wir dürfen nicht meinen, wir hätten die Kontrolle darüber.
Und das führt uns eigentlich als Eltern in einen Zustand der absoluten Abhängigkeit von Gott, richtig? Wenn wir vor Augen haben, wir können unser Kind nicht verändern, dann ist auch Kontrolle falsch. Einige Eltern wollen so sehr alles kontrollieren. Wir müssen Kontrolle abgeben und immer wieder unsere Kinder wirklich auf den Knien vor den Thron Gottes bringen und darum ringen im Gebet, sagen: Herr, bitte schenke du unserem Kind ein neues Herz, bitte wirke du durch deinen Geist. Eine echte Wiedergeburt, dass das Kind die Befähigung von innen bekommt.
Und das bringt uns als Eltern so sehr ins Gebet. Ich möchte euch ermutigen, für eure Kinder regelmäßig zu beten. Was sind wir aktuell am Beten für unsere Tochter? Dass Gott ihr ein neues Herz schenkt. Wir sehen es so sehr, dass sie so gefangen ist in der Sünde. Und wir beten darum: Herr, bitte schenke du ein neues Herz, so wie Gott in Hesekiel 36 sagt: Ich nehme das steinerne Herz raus und gebe ein Fleischherz. Das kann nur der Herr wirken, aber er möchte uns als Werkzeuge gebrauchen.
Gesetz und Evangelium als Einheit
Die vierte Wahrheit, bei der wir vielleicht einen Umdenkprozess brauchen, lautet: Wir brauchen die Kombination aus Gesetz und Evangelium in der Kindererziehung.
Wir brauchen das Gesetz in der Kindererziehung. Wir brauchen Regeln in der Kindererziehung. Warum sage ich das? Gottes Gesetz ist gut. Gottes Gesetz spiegelt Gottes Willen wider, Gottes Maßstäbe. Und es ist wichtig, dass unsere Kinder ein Verständnis dafür bekommen, was Gott beispielsweise in den Zehn Geboten oder in dem doppelten Liebesgebot will.
Zugleich liefert das Gesetz aber auch einen Schutzraum für unsere Kinder. Wir dürfen unsere Kinder nicht antiautoritär erziehen. Wir dürfen unsere Kinder nicht ohne Regeln erziehen. Damit lassen wir sie, die so eine geistliche Not haben, einfach völlig frei laufen in ihrer Sündhaftigkeit. Das Gesetz ist ein Schutzraum für unsere Kinder. Deswegen braucht es Regeln, deswegen braucht es das Gesetz in der Kindererziehung.
Aber ohne Gesetz, und das ist der wichtigste Punkt, wüsste unser Kind gar nicht, dass es eine geistliche Not hat, dass es Sünder ist und Vergebung braucht. In Römer 7,7 steht: Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durch das Gesetz; denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: Du sollst nicht begehren.
Wenn es keinen Maßstab gibt, dann weiß man nicht, wogegen man verstoßen hat. Aber bevor wir zum Evangelium kommen, brauchen wir erst einmal das Gesetz. Schaut mal: Wenn wir zu schnell einfach sagen: Jesus liebt dich und er will ein Leben mit dir, dann hat das Kind nicht wirklich das Evangelium verstanden. Das Evangelium beginnt immer mit der schlechten Nachricht: Ich bin ein Sünder und ich brauche Jesus. Und das zeigt uns das Gesetz auf.
Das Gesetz Gottes und eine Erziehung, die am Herzen ansetzt, gehen Hand in Hand. Ich komme zurück zu unserem Beispiel aus dem Kinderzimmer. Die ältere Schwester gibt dem jüngeren Bruder nicht das Spielzeug zurück, und dann sagen wir nicht nur als Eltern: Gib es ihm zurück, sondern wir fragen: Wieso hast du es ihm weggenommen? Ja, ich wollte es. Okay, war es für dich also wichtiger, dass du es hast, als dass dein Bruder damit spielen kann? Ja, okay, aber schau mal, was sagt Jesus in seinem Gebot? Jesus sagt: Liebe deinen Nächsten. Hast du in dieser Situation deinen Bruder geliebt, oder hast du in dieser Situation nur dich geliebt und bist deinen Wünschen nachgegangen? Ich habe nur mich geliebt. Ja, schau mal, aber dann hast du doch ein Problem mit Gott, weil Gott sagt, du sollst deinen Nächsten lieben.
Und somit können wir unseren Kindern durch das Gesetz zeigen, dass sie ein vertikales Problem haben. Dass sie nicht nur ein Problem mit den Eltern haben oder mit dem Bruder, mit dem Geschwisterteil, sondern dass sie vor allen Dingen ein vertikales Problem haben. Und eigentlich ist es unsere Aufgabe, mit dem Gesetz unserem Kind zu helfen, mehr und mehr in eine Situation der Verzweiflung zu kommen und zu sehen: Ich schaffe es nicht. Ich schaffe es nicht, gut zu sein. Ich schaffe es nicht, Gottes Maßstab zu erfüllen.
Und genau dann kommen wir zum Evangelium. Dann ist das Kind reif, die gute Nachricht zu hören und zu sehen: Jesus ist für diese Schuld am Kreuz gestorben. Jesus hat deine Schuld auf sich genommen. Er hat das perfekte Leben gelebt, aber ist am Kreuz für deine Schuld gestorben.
Meine Frau hat es unserem ältesten Sohn bei seiner Bekehrung anhand von zwei Listen aufgezeigt. Erst einmal gab es hier seine Schuldenliste, da standen sämtliche Sünden drauf. Dann hat sie gesagt: Schau mal, das hier ist Jesu Liste, und auf Jesu Liste steht nichts. Er hat alles eingehalten, was Gott wollte, und jetzt will Jesus sie anbieten, die Listen zu tauschen. Das ist die Rechtfertigungslehre. Unsere Sünde wird weggenommen und seine Gerechtigkeit wird uns angerechnet.
Aber schaut mal, dafür braucht es das Gesetz, um deutlich zu machen: Du bist schuldig, du schaffst es nicht. Und dann sagen wir: Jesus hat alles getan. Setz dein Vertrauen auf Jesus!
Wir brauchen das Gesetz, aber wir brauchen in der Kindererziehung auch das Evangelium. Und es ist so wichtig, dass wir dann aber auch eine Atmosphäre der Gnade schaffen, dass wir auch als Eltern immer wieder unseren Kindern sagen: Ich brauche so sehr Vergebung, ich brauche so sehr die Gnade Gottes.
Ich erinnere mich an ein wunderbares Gespräch mit unserem ältesten Sohn in unserem Urlaub. Er war wütend. Ich weiß nicht mehr genau, was die Situation war, aber ich habe gesagt: Komm, Jeremia, wir gehen jetzt mal an den Tisch und wir reden mal darüber. Und dann habe ich ihm gesagt: Weißt du was, Jeremia, ich kann dich so verstehen. Genau das, was du jetzt empfindest, genau das, was du falsch gemacht hast, damit habe ich auch zu kämpfen als dein Vater. Und ich brauche so sehr die Gnade Gottes.
Und es ist so wichtig, dass wir unseren Kindern das vorleben, dass wir die Gnade brauchen und dass unsere Kindererziehung durchtränkt ist mit dem Evangelium. Kindererziehung ohne Gesetz treibt unsere Kinder nicht zum Evangelium. Aber Kindererziehung ohne Evangelium macht unsere Kinder entweder zu bloßen Pharisäern, die nur Regeln bekommen, oder einfach zu verzweifelten Personen, die wissen: Ich kann es nicht, aber es gibt auch keine Lösung. Deswegen ist die Kombi aus beidem so wichtig.
Erziehung als Jüngerschaft
Wir kommen zum fünften Punkt, bei dem wir Kindererziehung vielleicht einmal neu denken sollten. Der fünfte Punkt lautet: Kindererziehung ist Jüngerschaft.
Wenn ein christliches Paar heiratet, dann spricht man idealerweise schon in der Ehevorbereitung auch über das Thema Kinderkriegen. Und ich möchte behaupten, dass sich viele christliche Ehepaare, die einen Kinderwunsch haben oder bereits Kinder gezeugt haben, von der Bibelstelle „Seid fruchtbar und mehret euch“ leiten lassen, dem sogenannten Fortpflanzungsauftrag. Ich denke, das ist eine sehr gute Bibelstelle, die wir als Christen auf dem Schirm haben sollten. Wir sollten darüber reden, was es für uns heute im 21. Jahrhundert bedeutet: Seid fruchtbar und mehret euch.
Aber der Auftrag „Seid fruchtbar und mehret euch“ muss im Licht von Matthäus 28 gesehen werden. In Matthäus 28 heißt es in Vers 19 und 20: Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.
Das ganze Thema, Kinder zu bekommen, sich für Kinder zu entscheiden, aber auch Kinder zu erziehen, muss im Licht von Matthäus 28 gesehen werden: Macht zu Jüngern. Wenn es heißt: Macht alle Nationen zu Jüngern, dann sind doch unsere Kinder mit eingeschlossen. Wir denken dabei meistens nur an Weltmission, aber es beginnt im eigenen Zuhause.
Christliche Eltern zeugen nicht nur Kinder, sie machen Jünger. Christliche Eltern zeugen nicht nur Kinder, sie machen Jünger. Das beinhaltet nicht nur, dass wir unseren Kindern christliche Werte und gutes Benehmen beibringen. Jünger machen bedeutet, eine verlorene Person zu Christus zu führen. Aber dann ist der Auftrag nicht abgeschlossen. Dann beginnt: Lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe.
Meine Frage an euch heute Abend lautet: Habt ihr diese Perspektive für Kindererziehung? Seht ihr Kindererziehung als Jüngerschaft an?
Wie Jüngerschaft funktioniert, sehen wir bei Jesus. Ich bin mir bewusst, dass das ein eigener Vortrag wäre: Kindererziehung als Jüngerschaft. Ich möchte hier lediglich einige Tipps weitergeben, und ihr könnt anschließend als Ehepaar gerne weiter darüber austauschen.
Schaut mal: Jesus hat sich zwölf Personen ausgesucht und hat drei Jahre lang intensiv in sie investiert. Bei Jesus können wir lernen, was es bedeutet, Jünger zu machen und Jüngerschaft zu leben. Jesus hatte eine klare Agenda. Das sehen wir in Lukas 9 bis 19. Das ist das letzte Semester im dreijährigen Jüngerschaftsprogramm, in dem er noch einmal bewusst den Schwerpunkt auf Lehre setzt. Kurz vor seinem Tod, auf dem Weg nach Jerusalem, mit dem Kreuz vor Augen, gibt er seinen Jüngern noch einmal sehr konkrete Wahrheiten mit.
Jesus hatte eine klare Agenda. Es gab Situationen, in denen seine Jünger gesagt haben: Hey, hier sind noch ganz viele Kranke, die geheilt werden wollen. Und Jesus sagt: Nein, nein, jetzt gehen wir in den anderen Ort, da muss ich das Evangelium predigen, dazu bin ich gekommen. Jesus hatte eine sehr klare Agenda, was er mit seinen Jüngern macht.
Meine Frage an euch ist: Habt ihr eine Agenda für eure Kindererziehung? Mir ist es vor einiger Zeit sehr wichtig geworden, auch einmal aufzuschreiben, was ich meinen Kindern an geistlichem Input mitgeben will, wenn sie mit 18 vielleicht später aus dem Haus gehen. Was ist mein Auftrag? Meine Frage an euch heute lautet: Habt ihr das auf dem Schirm? Habt ihr eine Agenda, was wir unseren Kindern mitgeben wollen? Liebe zur Gemeinde, Wichtigkeit des Dienstes, die Wichtigkeit der Evangelisation, wie lebe ich als Christ, wie gehe ich mit Versuchungen um, wie lebe ich als Mann, wie lebe ich als Frau, und, und, und. Es gibt so viel, das wir ihnen vermitteln sollten.
Jesus hatte eine klare Agenda in der Jüngerschaft, und die sollten wir als Eltern auch haben. Jesus hat Zeit mit den Jüngern verbracht. In Markus 3,14 steht: Und er berief zwölf, damit sie bei ihm seien. Jüngerschaft funktioniert, wenn man miteinander Zeit verbringt. Wie viele Stunden verbringst du mit deinen Kindern? Jesus hat sich manchmal nur drei Jünger mitgenommen, um diese drei noch einmal intensiv zu prägen. Nimmst du vielleicht auch einmal einfach ein Kind mit, um eins zu eins Zeit mit ihm zu verbringen? Das ist Jüngerschaft: Zeit mit den Kindern zu verbringen, intensiv.
Jesus hat seinen Jüngern eine Gottesbeziehung vorgelebt. Die Jünger haben ihn beten sehen. Die Jünger haben gesehen, was für eine enge Beziehung er zu seinem Vater hat. Leben wir unseren Kindern vor, was es bedeutet, eine authentische Gottesbeziehung zu führen?
Mir war es irgendwann wichtig, meinem Sohn das Beten zu lehren. Das ist das, was die Jünger Jesus gebeten haben, in Lukas 11,1: Herr, lehre uns beten. Sie haben ihn beobachtet. Ich bin mit meinem Sohn einfach auf einen Prayer Walk gegangen. Wir sind spazieren gegangen, und ich habe gesagt: Komm, wir beten einfach. Wir können ganz frei mit Gott sprechen. Und wir hatten eine Gebetsgemeinschaft beim Spaziergang.
Lebst du deinen Kindern eine authentische, aber auch ziemlich konsequente und natürliche Gottesbeziehung vor?
Jesus hat ganz gezielt Lehreinheiten in die Jüngerschaft eingebaut, zum Beispiel in Lukas 12. Da heißt es: Und er sprach zu seinen Jüngern. Und dann sagt er: Seid nicht besorgt für das Leben, was ihr essen sollt oder was ihr trinken sollt, und so weiter. Jesus hat auch zu Pharisäern gesprochen, Jesus hat zu Mengen gesprochen, aber immer wieder sehen wir: Er sprach zu seinen Jüngern. Ganz gezielte Lehreinheiten für seine Jünger.
Wir können als Eltern unseren Kindern nicht genug biblischen Input geben. Ich möchte euch ermutigen: Nutzt Autofahrten, nutzt gemeinsame Mahlzeiten, um biblischen Input zu vermitteln, um ganz gezielte Lehreinheiten zu geben. Jesus hat das oft sehr praktisch gemacht, anhand von Geschichten, aber er hat sich Gedanken darüber gemacht, was er seinen Jüngern mitgeben will.
Jesus hat seine Jünger in den Dienst genommen. Seine Jünger konnten an ihm sehen, was es bedeutet, Gott zu dienen. Können eure Kinder an euch sehen, was es praktisch bedeutet, für Gott zu leben und ihm zu dienen?
Uns ist es sehr wichtig, dass unsere Kinder in den Dienst hineingenommen werden. Unser Ältester, der ist jetzt getauft, der ist bei uns in der Gemeinde. Ich bin so froh, dass er jetzt seinen ersten Dienst hat: Er ist hinter der Kamera. Mir war es wichtig, mit den Kindern einmal auf die Straße zu gehen. Zu den Obdachlosen haben wir das zweimal gemacht. Die Kinder durften dann irgendwann auch Bibeln verteilen und Essen verteilen.
Beim Thema Gastfreundschaft nehmen wir unsere Kinder mit hinein in den Dienst. Wir sprechen mit ihnen darüber, wie wichtig es ist, dass wir für Leute aus der Gemeinde da sind, und sie tragen den Dienst mit. Ich nehme ab und zu meine Kinder mit, wenn ich woanders predige, damit sie mich einfach im Dienst begleiten.
Ich weiß nicht, was das für euch ganz praktisch bedeutet, aber ich möchte euch einfach ermutigen: Wenn Kindererziehung Jüngerschaft ist, dann nehmt eure Kinder mit hinein in den Dienst.
Ein letzter Punkt, den wir an Jesus sehen können, wie er Jüngerschaft gelebt hat, ist, dass er seinen Jüngern auch konkrete Aufträge gegeben hat. In Markus 10,5-8 heißt es: Diese Zwölf sandte Jesus aus und befahl ihnen und sprach: Geht nicht auf den Weg der Nationen und geht nicht in eine Stadt der Samariter. Geht aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Wenn ihr aber hingeht, predigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist nahegekommen. Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus. Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt.
Das ist das Tolle: Jesus hat seine Jünger trainiert. Sie konnten an ihm sehen, wie er Dinge macht. Aber dann kam der Punkt, an dem er gesagt hat: Jetzt seid ihr dran, ich sende euch. Und er schmeißt sie nicht ins kalte Wasser. Er gibt ihnen ganz genaue Anweisungen: Geht nicht dahin, sondern geht dahin. Macht das, macht nicht das.
Das ist so wichtig: dass wir unsere Kinder mit hineinnehmen in den Dienst, sie dann aber auch einmal selbst machen lassen. Dass wir nicht die ganze Zeit kontrollieren wollen, so helikopterelternmäßig, sondern dass wir sagen: Hier, das gebe ich dir mit, aber jetzt bist du dran. Diene dem Herrn. Geh auf die Straße. Mach du. Gib du diese Bibel mal den Obdachlosen weiter.
Deswegen will ich euch einfach auch noch einmal zusammenfassend sagen: Wir müssen Kindererziehung im Licht von Matthäus 28 sehen. Kindererziehung ist Jüngerschaft. Christliche Eltern zeugen nicht nur Kinder, sie machen Jünger.
Gottes Werkraum für unsere Veränderung
Ein letzter Punkt, und dann komme ich auch zum Schluss. Eine letzte Wahrheit, bei der wir umdenken müssen, lautet: Die Kindererziehung ist Gottes Werkraum für unsere Veränderung.
Ich habe es in einem anderen Vortrag schon gesagt: Die Ehe als Gottes Werkraum war das Thema. Gott möchte unseren Ehepartner gebrauchen, um uns zu verändern und uns in der Heiligung weiterzubringen. Aber das ist genauso wahr im Hinblick auf unsere Kinder.
Ich weiß nicht, wie es euch bisher als Eltern ergangen ist, aber ich habe vor allem an meinen Kindern gemerkt, wie ungeduldig ich sein kann. Ich dachte, ich wäre ein geduldiger Mensch. Aber dann kommen die Kinder, die nachts schreien und manchmal lange wach sind, oder sich dauernd zanken, und ich merke, wie schnell ich zum Zorn neige, wie schnell ich dazu neige, ungeduldig zu werden.
Die gute Wahrheit ist: Gott hat uns genau diese Kinder gegeben, die wir haben, mit genau den Neigungen und dem Temperament, um dadurch an unserem Herzen zu arbeiten. Und ich möchte euch das perspektivisch mitgeben. Vielleicht seid ihr manchmal frustriert. Meine Frau und ich, wir kennen das. Wir sind manchmal so sehr an unseren Grenzen. Aber wir merken: Diese Wahrheit ist so wichtig, um sie sich vor Augen zu führen.
Es passiert nichts von ungefähr in unserer Familie. Gott gebraucht gerade diese Situation, die er nicht gutheißt. Wenn ein Kind mit Wutausbrüchen zu kämpfen hat, sagt Gott ja nicht: Das ist gut. Aber Gott möchte diese Situation gebrauchen, um an unseren Herzen zu arbeiten.
Ich hoffe, dass dieser Vortrag euch jetzt einiges an Gesprächsstoff gegeben hat. Und ich möchte euch drei Fragen mitgeben, über die ihr jetzt auf dem Sofa oder wo auch immer ihr seid, als Ehepaar miteinander austauschen könnt.
Die erste Frage lautet: Worin, in welchem Punkt habt ihr euch bestätigt gesehen? Was läuft bisher gut in eurer Kindererziehung?
Zweitens: Was war für euch ein ganz neuer Aspekt? Was habt ihr bisher noch nicht gesehen und hattet vielleicht heute Abend ein Aha-Erlebnis?
Und die dritte Frage: Tauscht darüber aus, welche Sichtweisen ihr ganz konkret ändern wollt.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Abend und einen gesegneten Austausch bis zum nächsten Mal.

