Einführung in das Spannungsfeld von Frieden und Konflikt im Glauben
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 320: Mission als Herausforderung, Teil 11.
Es ist paradox, aber wahr. Wir predigen als Christen ein Evangelium des Friedens im Auftrag eines Herrn, den man als „Fürst des Friedens“ bezeichnet. Doch genau das formuliert der Herr Jesus hier:
Matthäus 10,34: „Meint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“
Fast möchte man fragen: Ja, was denn nun? Frieden oder Schwert? Und Schwert steht hier für Krieg, Kampf, Unfrieden – eben das Gegenteil von Frieden. Warum ist Jesus hier so pessimistisch? Ganz einfach: Weil er die Menschen kennt.
Die Herausforderung der Bekehrung im familiären Umfeld
Ich erlebe dieses Szenario immer wieder: Junge Leute bekehren sich ernsthaft zu Jesus, und dann passiert Folgendes.
Vorher war es ihrer Familie egal, ob sie erste Erfahrungen mit vorehelichem Sex, mit Cannabis oder Alkohol gemacht haben. Es war auch egal, auf welche Partys sie gingen, welche Freunde sie hatten oder was sie sich an Perversitäten im Internet angeschaut haben. All diese Dinge waren kaum der Rede wert.
Doch jetzt bekehren sich diese jungen Leute. Sie hören mit dem Kiffen, Saufen und Rumhuren auf. Sie schauen keine Pornos mehr. Noch besser: Sie hören auch auf zu lügen, zu stehlen, faul zu sein und ihre Zeit mit unnützen Dingen zu füllen.
Man müsste doch denken, dass sich alle, die diese jungen Leute sehen, freuen. Aber weit gefehlt. Die vorher passive Familie wird plötzlich ganz aktiv.
Allerdings nicht, um die jungen Leute zu motivieren, diesen guten Weg unbedingt weiterzugehen, sondern um sie davon abzubringen. Obwohl sie meist selbst keine Ahnung von Gott und Glauben haben, wird jetzt der religiöse Extremismus der jungen Leute kritisiert. Es wird vor Sekten gewarnt und, wie in meinem Fall, kann es auch sein, dass der Kontakt zu dem Fanatiker abgebrochen wird.
Die unvermeidliche Entzweiung durch das Evangelium
Aber das macht doch keinen Sinn, stimmt. Aber so reagiert die Finsternis, wenn das Licht angeht.
Wer sich bekehrt und der Wahrheit folgt, weil er Jesus folgt – und zwar nicht nur so weit, wie es der Zeitgeist erlaubt, sondern darüber hinaus, dorthin, wo es persönlich, schmerzhaft und unkomfortabel wird – der wird zum Ärgernis. Denn er hält mit seinem Leben, ganz ohne ein Wort zu sagen, all denen einen Spiegel vor, die in der Finsternis bleiben wollen.
So jemandem wird man Überheblichkeit, Engstirnigkeit, Fundamentalismus und Intoleranz vorwerfen, aber man wird ihn nicht lieben. Unfrieden ist förmlich vorprogrammiert.
Matthäus 10,34-36:
„Meint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“
Der Bruch um des Evangeliums willen geht mitten durch Familien. Das ist, was Jesus hier vorhersagt. Jesus kam, um diesen Unfrieden in Familien hineinzubringen – nicht weil er Streit liebt, sondern weil diese Entzweiungen unvermeidlich sind.
Frieden mit Gott versus Konflikt mit Menschen
Wir dürfen nicht denken, dass das Evangelium, obwohl es Frieden mit Gott bringt, uns auch Frieden mit den Menschen bringt. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Wir erhalten Frieden mit Gott, aber oft Stress mit den Menschen.
Dieser Stress entsteht, weil Gott in unserem Leben wirklich Gott wird. Es ist logisch, dass es zu Entzweiungen kommen muss, wenn Gott tatsächlich Gott ist. Wenn aus christlicher Kultur echtes Christentum wird und Jesus vom Baby in der Krippe zum Herrn in meinem Leben wird, ändert sich mein ganzes Denken.
Bekehrung ist immer ein Paradigmenwechsel. Alles wird auf den Prüfstand gestellt. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich Hipster, Computernerd, Nazi, Ökokleber oder einfach Grundschullehrerin bin. Wenn alles überprüft wird, verändert sich mein Denken und Verhalten vollständig.
Dann beuge ich mich vor Jesus und seinem Anspruch auf Exklusivität. Exklusivität bedeutet, dass Jesus allein bestimmt, weil er die Wahrheit ist. Er legt fest, was ich für wahr halte, wie ich lebe und wo das geschieht.
Die Konsequenzen der Nachfolge Jesu im Alltag
Wo Menschen die Bibel lesen, weil sie wirklich wissen wollen, was Gottes Wille ist, dort fangen die Probleme an. Diesen Problemen können wir nicht aus dem Weg gehen.
In Matthäus 10,36 heißt es: "Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein." Das geschieht, weil sie mit dem neuen Kurs in meinem Leben nicht einverstanden sind.
Als Christen sind wir dazu berufen, gegen den Strom zu schwimmen. Deshalb orientieren wir uns nicht länger an irgendeiner Ideologie, den Werten der Familie, einem Herzenswunsch, einer Lebensangst oder unseren alten Gewohnheiten. Nein, das tun wir nicht.
Wir schauen auf Jesus und orientieren uns an ihm, weil wir ihn mehr lieben als unsere Familie. In Matthäus 10,37 steht: "Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig."
Das zeigt uns: Bekehrung setzt eine Entscheidung voraus. Es ist die Entscheidung, den Herrn Jesus mehr zu lieben als Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Und wir könnten die Liste fortsetzen: mehr als Hobby, Karriere, Lebenstraum, Gesundheit, Erfolg, Wohlstand, Freunde, Selbstverwirklichung, ein guter Ruf und so weiter.
Lasst uns das wirklich ernst nehmen! Ich bin seiner nur dann würdig, wenn mein Herz ihm ganz gehört. Wer das nicht tut, passt nicht zu einem Gott, der alles gab, um uns zu retten.
Wenn Jesus all in gegangen ist, um unsere Schuld am Kreuz zu tilgen, wie können wir es dann wagen, weniger geben zu wollen?
Die Bedeutung von Kreuztragen und Nachfolge
Matthäus 10,38: „Und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.“
Noch zwei Dinge machen uns würdig: das Kreuz aufnehmen und nachfolgen. Wenn du gerettet werden und ewiges Leben finden möchtest, dann sind das unverhandelbare Voraussetzungen.
Das Bild vom Kreuz aufnehmen ist heute oft schwer verständlich, weil die Redewendung „sein Kreuz tragen“ meist bedeutet, schwierige Lebensumstände zu ertragen. Hier geht es jedoch nicht darum, Schwierigkeiten zu tragen. Zur Zeit Jesu war derjenige, der ein Kreuz trug, ein verurteilter Schwerverbrecher. Er erwartete nichts mehr vom Leben und schleppte sein Kreuz zur Hinrichtungsstätte.
Wenn ich mein Kreuz aufnehme, dann nehme ich die Haltung von jemandem ein, der von diesem Leben nichts mehr für sich erwartet. Ich lebe tatsächlich für Jesus. Ich gehe dorthin, wohin er mich führt, und nehme die Berufung an, die er mir gibt. Ich trage das Leid, das er mir zumutet, und tue, was er mir sagt.
Das ist Nachfolge. Nur wenn ich bereit bin, mein Leben auf diese Weise zu leben, bin ich seiner würdig. Wenn ich mein Leben verliere, dann werde ich es finden – wenn ich mein altes, eigensinniges Leben aufgebe. Dann werde ich ewiges Leben finden.
Matthäus 10,39: „Wer sein Leben findet, wird es verlieren, und wer sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.“
Das ist die Verheißung, die Jesus denen gibt, die ihn über alles lieben, die ihm ihr Leben opfern und das tun, was er von ihnen verlangt.
Abschluss und Ermutigung zur Selbstprüfung
Was könntest du jetzt tun? Du könntest darüber nachdenken, ob du würdig bist. Es ist sinnvoll, immer wieder unser Leben daraufhin zu überprüfen, ob Jesus darin noch die Sonne ist, um die sich alles dreht.
Das war es für heute. Nicht erschrecken: Nächste Woche gibt es wegen zu viel anderer Arbeit nur einen Vortrag. Ich finde ihn jedoch interessant.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
