Einführung in die Identifikation der Schafe Christi
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 538: Echte Schafe glauben, Teil 4
Johannes 10,27-29:
„Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit. Niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben.“
Nachdem Jesus seinen ungläubigen Zuhörern attestiert hat, dass sie nicht zu seinen Schafen gehören, erklärt er, woran man Schafe erkennt und was ein Schaf zu einem Schaf macht. Schafe des Messias sind die Menschen, die seine Stimme erkennen und ihm folgen.
Im konkreten Zusammenhang geht es hier um Israeliten, die ihren Messias erkennen und sich darauf einlassen, Teil der neuen Herde zu werden, die wir heute Gemeinde nennen. Man kann jedoch vorsichtig einen Schritt weitergehen und die Zielgruppe dieses Textes erweitern.
Auch heute noch darf ich mich als Schaf verstehen, wenn ich höre und folge. Als ehemaliger Heide habe ich eine andere Ausgangsposition als der gläubige jüdische Überrest zur Zeit Jesu. Aber dort, wo ich das Evangelium höre und im Glauben antworte, indem ich Jesus als meinen Retter anrufe, beginnt auch für mich die Nachfolge.
Und als Jünger Jesu, der ihm folgt, darf ich wissen, dass ich gekannt bin.
Wesentliche Merkmale des geistlichen Lebens
Vielleicht ist es wichtig, an dieser Stelle eine Sache kurz zu wiederholen. Im geistlichen Leben kommt es nicht auf die Zugehörigkeit zu einer Organisation oder Kirche an. Es kommt auch nicht auf Rituale oder Sakramente, nicht auf Spenden oder Engagement und nicht einmal auf Erfahrungen an, die ich im Zuge meines Christseins mache. Entscheidend ist allein, ob Jesus mich kennt.
Ich darf wissen, dass Jesus mich kennt, wenn ich auf seine Stimme höre und ihm folge. Das mag auf den ersten Blick etwas vage klingen: hören und folgen. Jesus sagt nicht, dass er alle kennt, die Teil einer freien Gemeinde sind, getauft wurden, den Zehnten geben oder schon einmal in Zungen gebetet haben. Diese Art von Erklärung würden wir uns vielleicht wünschen, aber genau das sagt Jesus nicht.
Christsein dreht sich nicht um Kirche, Rituale, Dienste, Erlebnisse oder Einsichten. Christsein dreht sich um Jesus. Im Zentrum meines geistlichen Lebens steht keine Gemeinschaft von Christen, kein Buch, kein Glaubensbekenntnis und erst recht nicht meine Vorstellung von Gott. Im Mittelpunkt steht eine Person: Jesus. Seine Stimme zu hören und ihm zu folgen – darauf allein kommt es an.
Herausforderungen beim Hören und Folgen
Jürgen, das ist mir trotzdem zu vage. Was ist, wenn ich nur denke, dass ich seine Stimme höre und Jesus folge, in Wirklichkeit aber gar nicht ihm folge, sondern irgendwelchen anderen Stimmen, die ich fälschlicherweise für die Stimme Jesu halte?
Tja, das ist wohl das größte Problem, das ein Mensch haben kann. Verführung und Selbstbetrug sind reale Gefahren im geistlichen Leben. Und ich bin weit davon entfernt, auf diese Gefahren eine Patentlösung zu kennen.
Ich selbst mache Folgendes: Erstens nehme ich mir Zeit, über das nachzudenken, was Jesus gesagt hat. Dieser Podcast ist primär für mich. Er ist Ausdruck meines unbedingten Wunsches, die Ewigkeit mit Gott zu verbringen. Lasst uns viel über die gesunden Worte unseres Herrn Jesus Christus nachdenken. Nicht umsonst lesen wir Kolosser 3,16: "Das Wort des Christus wohne reichlich in euch, in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig."
Zweitens lebe ich in der Nachfolge. Ich reflektiere über das, was ich tue, und versuche, es mit dem Wort Gottes in Einklang zu bringen. Ich bekenne Sünde, ich probiere neue gute Gewohnheiten aus, die mich ganz praktisch heiliger leben lassen. Ich suche mir Verbündete im Kampf gegen Versuchungen, denn ich will mehr werden wie Jesus. Außerdem schaue ich nach offenen Türen fürs Evangelium und nach guten Werken, die Gott vorbereitet hat. Sprich: Ich verbinde eine heilige Unzufriedenheit über den Status quo mit dem tiefen Wunsch, immer liebevoller zu werden und gute Gelegenheiten fürs Evangelium zu nutzen.
Drittens pflege ich eine gesunde Skepsis gegenüber anderen Christen. Ich folge leidenschaftlich Jesus nach. Aber ich habe verstanden, dass Menschen ganz subjektive Wesen sind, mit intellektuellen, emotionalen und seelischen Grenzen. Deshalb erlaube ich mir, all das, was ich auch aus dem Mund von Christen höre, an der Bibel zu prüfen. Oft genug treffe ich dabei auf christliche Mythen, Einseitigkeit, Modelldenken, Erfahrungstheologie bis hin zu Irrlehre und Verführung.
Mein Tipp: Lasst euch zu jeder Aussage in einer Predigt die Bibelstelle zeigen, auf die sich der Prediger bezieht. Lest sie nach, im Zusammenhang, und überlegt, ob die Stelle zu dem passt, was der Prediger gesagt hat, ob es vielleicht weitere Stellen gibt, die er ignoriert hat, und so weiter. Es gibt eine gesunde Skepsis gegenüber geistlichen Autoritäten.
Viertens höre ich auf reife Geschwister, die mir ins Gewissen reden. Punkt drei bleibt bestehen. Aber Gott hat mich auch in eine Gemeinschaft von Christen gestellt, weil es in meinem Leben blinde Flecken gibt – und das noch neben Verführung und Selbstbetrug.
Diese vier Prinzipien machen für mich wesentlich Hören und Folgen aus: Erstens die Beschäftigung mit dem O-Ton Jesus, zweitens Liebe leben, drittens eigene, am Wort Gottes festgemachte Überzeugungen entwickeln, viertens guten Rat einholen. Bestimmt gibt es noch viele weitere gute Ideen.
Natürlich genieße ich es auch, theologische Bücher zu lesen und mich mit den Kirchenvätern zu beschäftigen. Ich suche Gott im Gebet, schreibe ihm Lieder und bekenne ihm meine Sünden. Leben ist mehr als erstens, zweitens, drittens, viertens.
Die praktische Umsetzung des Gehorsams gegenüber Jesus
Wichtig ist am Ende nur, dass ich wirklich Jesus höre – seine Stimme, seine Ansprache, sein Reden in mein Leben hinein. Es geht darum, nicht unbemerkt Menschen oder Institutionen zu folgen. Jesus will mein Herr sein, und das ganz praktisch.
Erinnern wir uns an die Frage Jesu aus Lukas 6,46: „Was nennt ihr mich aber Herr, Herr und tut nicht, was ich sage?“ Darum geht es. Dass er Herr wird in meinem Leben, ganz praktisch. Ab da hört alles Vage auf.
Ich weiß doch, was bei mir Sache ist. Und wenn ich mir dann doch noch nicht sicher bin, dann hilft es einfach, mal zu fasten und zu beten. Gott will gefunden werden.
Ich bin fest davon überzeugt, dass sich der Herr Jesus jedem offenbart, der aufrichtig seine Stimme hören und ihm folgen will.
Die Folgen des Hörens und Nachfolgens
Und was sind die Folgen, wenn ich höre und Jesus nachfolge?
In Johannes 10,28 heißt es: „Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.“
Das sind die Folgen: ewiges Leben und Sicherheit. Sicherheit ist immer eine Funktion der Nähe zu Jesus. In seiner Nähe sind wir sicher.
Hier spielt natürlich das Bild vom Hirten und den Schafen eine wichtige Rolle. Das Schaf, das dem Hirten folgt, muss sich nicht fürchten. Warum nicht? Weil da jemand ist, der aufpasst und sich um es kümmert.
Abschluss und persönliche Einladung zur Reflexion
Was könntest du jetzt tun? Denke über folgende Frage nach: Wie zeigt sich in deinem Leben ganz konkret das Hören auf Jesus und die Nachfolge?
Das war's für heute.
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Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
