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Nicht aus eigener Kraft

Johannes 15,1-15,1123.03.2018
EventTeil 2 / 7E21 Regionalkonferenz Süd 2018
Du bist nicht gemacht, um aus eigener Kraft zu funktionieren. Wer an Jesus dranbleibt, wird nicht leer, sondern trägt Frucht – und findet mitten im Druck echte Freude.

Einleitung und Hinführung zum biblischen Thema

Herr Matthias, vielen Dank für deine freundlichen Worte. Er hat ja eigentlich Angst davor, dass ich jetzt eine Vorlesung halte, und wollte mich so ein bisschen runterholen. Kann ja jetzt nur noch schiefgehen.
Nein, das werde ich nicht. Ich werde keine Vorlesung halten, sondern wirklich einen Bibeltext auslegen. Aber ich bin schon dafür bekannt, dass ich von meinen Hörern einiges erwarte. Es ist also gut, wenn ihr eure Bibel dabei habt und sie auch mal aufschlagt, wenn es so weit ist. Und wer ein Notizbuch dabei hat, um sich ein paar Stichworte aufzuschreiben, für den kann das sehr hilfreich sein, um später die Struktur des Vortrages nachzuvollziehen.
Ich möchte einsteigen mit einem Rückblick auf das Alte Testament. Jesus verband nämlich seinen irdischen Dienst mit zwei alttestamentlichen Akteuren. Er sah sich einmal als den leidenden Knecht, der von den Menschen verachtet und verworfen ist und der die Sünden vieler trägt. Der Prophet Jesaja schreibt darüber besonders im 53. Kapitel: Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten; durch seine Wunden sind wir geheilt.
Matthäus, der Evangelist, greift diesen Jesaja-Text auf. Nachdem er geschildert hat, wie Jesus im Haus des Petrus jemanden geheilt und Dämonen ausgetrieben hat, schreibt Matthäus dann in Vers 17: So erfüllte sich, was durch den Propheten Jesaja vorausgesagt worden war: Er selbst hat unsere Leiden auf sich genommen, er hat unsere Krankheiten getragen.
Also merkt euch: Jesus ist der leidende Gottesknecht, der für unsere Sünden an das Kreuz gegangen ist.
Auf der anderen Seite greift Jesus einen anderen alttestamentlichen Akteur auf. Er versteht sich als der Menschensohn, der im Propheten Daniel auftritt. In Daniel 7 wird dieser Menschensohn genauer beschrieben. Macht, Ehre und das Reich werden ihm übertragen, und seine Macht wird ewig sein und nicht vergehen. Sein Reich wird kein Ende haben, und alle Völker werden ihm dienen, steht da.
Der leidende Gottesknecht dient, der Menschensohn regiert, ihm ist die Macht übertragen. Wir sprechen deshalb davon, dass wir Christen einen gekreuzigten König haben. Er ist ans Kreuz gegangen für uns, aber er ist auch der König. Jesus hat uns errettet, er hat uns mit seinem Leben freigekauft, und dieser gleiche Jesus herrscht. Und wir beten ihn an als unseren Herrn und als unseren König.

Der Auftrag des Auferstandenen und die Quelle christlicher Kraft

Als Jesus in Matthäus 28 seinen Jüngern den Auftrag zur Mission erteilt, knüpft er an Daniel 7 an. Er sagt: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker. Kurz gesagt heißt das: Das Ende der Geschichte hat begonnen. Der Vater hat dem Auferstandenen alle Macht übertragen. Jesus beauftragt seine Jünger mit der Mission der Welt. Die Jünger verkündigen das Evangelium allen Völkern, bis Jesus eines Tages wiederkommen wird in Herrlichkeit, um die Lebenden und die Toten zu richten.
Die Autorität, die Allmacht von Jesus Christus, ist natürlich zusammen mit dem Wort Gottes und dem Heiligen Geist – wir werden uns gleich noch damit beschäftigen – die Kraftquelle für das Leben seiner Jünger. Christen können das, was sie tun sollen, nicht aus eigener Kraft heraus tun. Wir können das auf einen ganz einfachen Punkt bringen: Wir Christen, wir sind überfordert. Also nicht nur der Matthias, wenn er wieder irgendjemanden für das Evangelium gewinnen möchte, sondern wir alle. Wir sind überfordert damit, zu tun, was Gott gefällt. Wir brauchen die Verbindung mit Jesus. Wir können nicht aus uns selbst heraus das tun, was wir tun sollen. Wir beziehen die Kraft für die Jüngerschaft, die Kraft, um den Willen Gottes zu tun, durch Jesus, durch die Verbindung mit dem Vater.
Jesus beschreibt diesen Zusammenhang meines Erachtens wunderbar anschaulich in der Gleichnisrede vom wahren Weinstock: Johannes 15,1-11. Und dieser Text ist die Grundlage für die jetzige Predigt. Ich darf jetzt den Patrick mal nach vorne bitten, mit dem Mikrofon. Er wird uns den Text vorlesen. Patrick kommt aus der Jugendarbeit von Evangelium 21 Josia, und er hat übrigens den Notensatz für das Evangelium 21 Liederbuch gemacht. Ja, genau.
Ich lese aus Johannes 15, die Verse 1 bis 11. Spricht Jesus:
Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen. Und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, damit sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir, und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt. Und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger. Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.
Vielen Dank, Patrick. Soweit das Wort Gottes. Ich möchte noch kurz beten.
Wir kommen zu dir, Vater im Himmel, aus all unserer Unruhe, mit so vielen Gedanken, die wir uns machen über unser Leben, unsere Welt, unsere persönliche Berufung. Wir danken dir, dass du kein verborgener Gott bist, sondern dass du in Jesus Christus unter uns warst, bist und sein wirst. Herr, wir bekennen dir unsere Mattheit, unsere Lauheit, unsere Ängstlichkeit. Wir fühlen uns oft überfordert. Und wir danken dir, dass wir in Jesus Christus eine lebendige Kraftquelle haben, die Kraft, die wir brauchen, um dir nachzufolgen, und dass wir durch ihn mit dir, dem Vater, verbunden sind. Schenke, dass wir das besser verstehen. Danke für dein Wort. Hilf uns durch deinen Geist beim Verkündigen, Hören und Erfassen. Amen.

Die großen Bilder des Johannesevangeliums

Also, wir sind beim Gleichnis vom wahren Weinstock. Und dieses Gleichnis gehört zu den sogenannten Ich-bin-Worten. Es gibt sieben Ich-bin-Worte. Mit kraftvollen Bildern beschreibt das Johannes-Evangelium die Heilsbedeutung von Jesus Christus.
Es fängt an mit: „Ich bin das Brot des Lebens“, in Kapitel 6. Dieses Bild nimmt nicht nur die wundersame Brotvermehrung auf, also die Speisung des Gottesvolkes, sondern auch die Brotrede, die beim Hunger des Volkes beginnt und mit dem Abendmahl endet. Jesus gibt nicht nur etwas, das Brot, er gibt sich selbst zum Leben.
Dann das Ich-bin-Wort: „Ich bin das Licht der Welt“, in Kapitel 8. Das Bild thematisiert die Blindheit des Unglaubens und die Helligkeit des Gottvertrauens. Jesus bietet denjenigen, die in der Finsternis leben, das Licht an.
Kapitel 10: „Ich bin die Tür“ und „der Hirte“. Jesus stößt für Juden wie für Heiden das Tor, die Tür zum Gottesreich, auf, und er schenkt ihnen die Gemeinschaft mit dem Vater. Aber er öffnet nicht nur die Tür, sondern er ist selbst diese Tür, weil er das Heil nicht nur zeigt, sondern es uns bringt. Als der gute Hirte gibt er sein Leben für die Schafe.
„Ich bin die Auferstehung und das Leben“, Kapitel 11. Jesus, ihr erinnert euch, erweckt Lazarus aus dem Grab. Und er bekräftigt damit nicht nur die endzeitliche Auferstehung von den Toten, sondern er verheißt die Gegenwart des Heils mitten im Leben. Der Tod hat schon jetzt seine Macht verloren, weil Jesus die, die ihm vertrauen, auf die Seite des Lebens zieht.
Kapitel 14: Jesus ist der Weg. Er vollendet seine irdische Sendung durch den Weg ans Kreuz. Jesus ist der Weg, er ist die Wahrheit und er ist das Leben.

Das Bild vom Weinstock und die alttestamentliche Vorgeschichte

Und das siebte Ich-bin-Wort ist das Bild vom wahren Weinstock. Jesus verwendet hier eine Metapher, die den Juden damals sehr vertraut war. Die Menschen in Palästina wussten, was ein Weinstock ist. Der Weinstock galt nicht nur als Symbol für Wohlstand und Frieden, sondern der Weinstock oder der Weinberg steht im Alten Testament sehr oft für das Volk Gottes.
 Hosea 10 zum Beispiel oder Psalm 80 sprechen davon, dass Gott selbst seinen Weinstock aus Ägypten geholt hat. Gemeint ist natürlich das alttestamentliche Gottesvolk. Sehr bekannt ist auch das Weinberglied aus dem Propheten Jesaja, Kapitel 5. In diesem Lied erscheint Gott als der Weinbergbesitzer, und sein Volk ist der Weinberg. Der Weinberg ist dafür da, dass er viel Frucht bringt und der Vater im Himmel verherrlicht wird.
Aber was passiert? Der Weinberg bringt keine Frucht. Ganz im Gegenteil, es heißt dort, dass sich das Haus Israel rauschenden Getränken hingegeben hat und dass sie das Recht mit Unrecht vertraut haben. Das könnt ihr alles nachlesen in Jesaja 5.
Von diesem Bild her ist unser Ich-bin-Wort zu deuten. Der Weinberg hat keine Frucht erzielt, Israel hat versagt. Und was macht Gott? Was macht Gott? Er vernichtet den Berg, er macht den Berg platt. Jesaja schreibt:
Darum, wie des Feuers Flamme Stroh verzehrt und die Stoppeln vergehen in der Flamme, so wird ihre Wurzel verfaulen und ihre Blüte auffliegen wie der Staub. Der Zorn des Herrn entbrannte über sein Volk.
Das mal nachzulesen, ist keine angenehme Sache. Es ist wirklich schrecklich, was da geschrieben wird, gerade für uns, die wir ja gewohnt sind zu hören, dass Gott immer nett zu uns ist und dass das Evangelium so oft darauf reduziert wird, dass Gott eine Sehnsucht nach Gemeinschaft mit uns hat. Nein, Gott richtet das Böse. Gott hasst die Sünde. Gott ist heilig.
Aber Gott ist zugleich unvorstellbar barmherzig, geduldig und gütig. Kenner der alttestamentlichen Prophetie wissen, dass in diese Gerichtsbotschaften immer wieder Verheißungen eingewoben sind. Gott macht Hoffnung, Gott pflanzt einen neuen Berg. Und von daher ist unser Gleichnis zu verstehen.
Unser Gleichnis bringt auf einprägsame Weise zum Ausdruck, dass Jesus der wahre Weinstock ist und dass seine Jünger die Beziehung zu ihm brauchen, um Frucht zu bringen. Darum geht es. Jesus ist der wahre Weinstock, wir sind die Jünger, und wir brauchen die Beziehung zu ihm, um Frucht zu bringen und den Vater zu verherrlichen.
Wir schauen uns den Text genauer an.

Die handelnden Personen und ihre jeweilige Rolle

Zunächst ganz kurz zu den handelnden Personen: Wir haben hier drei Personen beziehungsweise zwei Personen und eine Gruppe.
Erstens ist da der Vater zu nennen. Er ist der Weingärtner, er pflegt den Wein, er kümmert sich liebevoll um die Pflanzen, und er steht im Hintergrund als die Hauptfigur im Gleichnis. Es geht um ihn und seinen Wein.
Zweitens ist da Jesus, der Weinstock. Er ist der wahre Weinstock im Gegensatz zu dem Volk Israel, das versagt hat. Das Gottesvolk hat nicht das getan, was Gott sich vorgestellt hat. Es hat nicht seiner Bestimmung gemäß gelebt. Gott hat deshalb einen neuen Weinstock gepflanzt, und Gott, der Vater, handelt jetzt durch diesen wahren Weinstock zum Heil der Juden und der anderen Völker.
Drittens ist von den Reben die Rede. Eine Rebe, die keine Frucht bringt, wird abgeschnitten, die bleibenden Reben tragen Frucht. Und diese Reben stehen für die Jesusjünger, die das Wort der Versöhnung empfangen haben. Viele Ausleger sprechen vom Fruchtkapitel, Kapitel 15 des Johannesevangeliums, und vom Fruchtkapitel. Das schauen wir uns jetzt an.
Wir würden ja erst einmal erwarten, dass die gereinigten Reben Frucht bringen, dass sie sozusagen ausgezeichnet werden, dass sie Wertschätzung empfangen und belohnt werden. Wenn wir so manche fromme Literatur der Gegenwart lesen, dann können wir schnell auf die Idee kommen, Gott sei stolz auf uns. Uns wird das Bild vermittelt, Gott ist unser Liebesspender, und er tut alles dafür, damit wir uns wohlfühlen, natürlich als Prinzessinnen und als Prinzen.
Aber tatsächlich finden wir in diesem Text eine erste Überraschung: die Reinigung. Die Reben, die Frucht tragen, werden nicht verwöhnt, sondern gereinigt. Sie werden beschnitten, damit sie noch mehr Frucht bringen.
Wie man im Weinbau junge Reben nach dem ersten Jahr auf zwei bis drei Augen zurückschneidet, so reinigt Gott Menschen, die an ihn glauben. Das Wort Gottes im Leben der Jünger hat nicht nur eine tröstende Funktion, es hat auch eine reinigende Funktion. So wie der Weingärtner mit dem Messer die Rebe reinigt, so schneidet Gott Überflüssiges aus unserem Leben heraus.
Warum? Weil das wilde Zweige sind, die keine Frucht tragen. Frucht wächst dort, wo sich die Lebenskraft konzentriert. Und Gott weiß, was er tut. Er kann Dinge aus unserem Leben herausschneiden, die uns zum Bösen verführen. Aber er kann uns auch Gutes nehmen. Er ist dabei souverän, und es wäre vermessen, Gott dabei immer verstehen zu wollen.

Reinigung, Verlust und Gottes souveränes Handeln

Ich arbeite ja selbst am Martin-Busser-Seminar, und unser Namensgeber Martin Busser, den hier kaum einer kennt, obwohl er mal hier ganz in der Nähe von München war, das war einer der großen Reformatoren.
1518 in Heidelberg war er dabei, als Luther für das Evangelium stritt. Er war damals Student, und Luther hat ihn für die Reformation gewonnen. Martin Busser hat Unglaubliches bewirkt. Wir profitieren noch heute davon, zum Beispiel vom biblischen Unterricht, den wir in vielen Gemeinden pflegen. Der geht auf seinen Einfluss und auf den Einfluss der Täuferbewegung zurück.
Und in den Geschichtsbüchern kann man sehr viel darüber lesen, was dieser Mann alles gemacht hat, wie viele Bücher er geschrieben hat. Er ist dann später nach England gegangen und hat dort auch noch eine segensreiche Zeit gehabt, und so weiter.
Was man aber nicht liest, ist, wie sehr Gott diesen Mann beschnitten hat. Ich will nur mal ein Beispiel nennen: Er hatte zusammen mit seiner ersten Frau dreizehn Kinder. Es war die Zeit der Pest, und seine Frau Elisabeth starb. Kinder starben. Das einzige gemeinsame Kind, das das Erwachsenenalter erreicht hatte, war der geistig behinderte Sohn Nathanael.
Dreizehn Kinder. Wir ahnen, was das für einen Ehemann und für einen Vater bedeutet, so viele Kinder zu verlieren, seine Ehefrau zu verlieren. Nein, wir verstehen nicht immer, was da passiert und welche Pläne Gott hat. Aber Gott bleibt trotzdem der Weingärtner, der es gut meint mit seinem Weinberg. Er will, dass sich die Lebenskraft auf die Zweige konzentriert, die Frucht bringen. Denn nur so gibt es eine reiche Ernte.

Das Bleiben in Christus als Grundlage der Jüngerschaft

Und damit kommen wir zum zweiten Punkt: das Bleiben, das Bleiben.
Heute wird ja sehr viel darüber geredet, dass wir die Kirche sind, nicht irgendein Gebäude, nicht eine Institution. Wir sind die Kirche, so ist ein Leitwort immer wieder zu hören. Wir sind die Gemeinde Jesu. Ist das so? Ja und nein, würde ich sagen. Natürlich hat Gemeinde viel mehr mit Menschen zu tun als mit Gebäuden. Gemeinde Jesu dreht sich um Menschen, auch um Menschen.
Aber so wichtig das alles ist: Es geht in der Gemeinde um mehr. Es geht dort zum Beispiel darum, dass das Evangelium in der Gemeinde verkündigt wird. Gemeinde ist dort, wo Gemeinschaft erlebt wird unter dem Haupt von Jesus Christus und dort, wo Taufe und Abendmahl gefeiert werden.
Aber besonders wichtig ist, dass Gemeinde in der Verbindung mit dem wahren Weinstock lebt. Jesus betont diese Notwendigkeit einer ganz festen Beziehung zu ihm: Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Nicht die Kirche ist der Weinstock, sondern Christus.
Ihr Lieben, die Gemeinde braucht eine ganz feste Beziehung zum Stock, um Frucht zu tragen. Das Bleiben in Christus ist notwendig. Es kann durch nichts eingetauscht werden, auch nicht durch ein Theologiestudium, auch nicht durch ein Jüngerschaftsprogramm. Diese Jesusbeziehung ist notwendig. Das mit Christus Verbundensein, jenes Bleiben in ihm, ist die Basis für das, was zur Jüngerschaft gehört. Nur durch die Verbindung mit Christus erreicht unser Leben geistliche Kraft.
Der Ökonom und Gesellschaftskritiker Karl Marx hat im Jahre 1835 über Johannes 15, also über dieses Gleichnis, seinen Abituraufsatz geschrieben. Ich muss jetzt etwas klarstellen, um hier Missverständnissen vorzubeugen. Ich zitiere Marx sehr selten, und außerordentlich selten in einer Predigt. Aber ich will einmal einen Satz lesen, den ich in diesem Abituraufsatz gefunden habe, der mir gefällt. Also, ganz ausnahmsweise gefällt mir mal etwas von Marx.
Er schreibt dort: So besteht die Vereinigung mit Christo aus der innigsten lebendigen Gemeinschaft mit ihm darin, dass wir so von Christi Liebe durchdrungen sind, dass wir unser Herz zugleich den Brüdern zuwenden, die er inniger mit uns verbunden und für die er sich geopfert hat.
Ein schöner Satz. Und ihr hört, worauf er hinaus will. Er sagt, dass die Gemeinschaft untereinander, die Gemeinschaft auf der Horizontalen in der Gemeinde, geschenkt wird durch die Christusgemeinschaft, durch die Liebe, die Christus uns schenkt. Wer in der Verbindung mit Jesus lebt, der lebt nicht mehr für sich. Er gewinnt einen weiteren Blick, einen Blick für den Bruder und für die Schwester und auch einen Blick für die Menschen, die ohne Jesus Christus verloren sind.

Wort, Gebet und die Frage nach echter Frucht

Da kommen wir zu der Frage: Ja, wie bleiben wir denn in Christus? Wir bleiben in Christus, indem sein Wort in uns bleibt: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben.
Das Geheimnis der Christusverbundenheit besteht darin, dass wir sein Wort reichlich in uns aufnehmen, dass wir uns von diesem Wort erfüllen lassen. Das deckt sich sehr gut mit Johannes 7,38, wo Jesus davon spricht, dass vom Leib dessen lebendiges Wasser fließen wird, der an ihn glaubt, wie die Schrift sagt.
Ihr Lieben, wir brauchen Gottes Wort. Und wenn du dem Wort Gottes in deinem Leben keinen Raum schenkst, dann kennst du auch die Kraft Jesu nicht.
Ich höre gerne und immer wieder zwei Einwände. Der erste Einwand, den ich schon allein in den letzten Jahren mehrfach gehört habe: Ja, Ron, alles nett, was du sagst. Aber ich habe keine Zeit, noch Bibel zu lesen. Ich habe so viel zu tun, ich kann nicht auch noch die Bibel studieren.
Wisst ihr, was ich dann gerne zurückfrage? Eine ganz einfache Frage, die könnt ihr euch merken, die kommt heutzutage gut an: Wie viel Zeit verbringst du eigentlich mit Filmen? Wie viel Zeit verbringst du mit Filmen?
Also, ich muss dazu sagen: Ich mag selbst auch Filme. Ich schreibe sogar ab und zu meine Filmkritik. Aber ich weiß auch, dass Filme uns vom echten Leben wegführen können. Und ich kenne Leute, die ziehen sich jede Woche eine Netflix-Serie rein. Mal davon abgesehen, dass es irgendwann langweilig wird, weil man das Drehbuch irgendwie schon erahnt, geschieht noch etwas ganz anderes. Und das ist wirklich gefährlich.
Was passiert, wenn du ein Serienjunkie bist und keine Zeit mehr für das Wort Gottes hast? Ich kann dir sagen, was dann passiert: Dein Denken, dein Fühlen, das wird durch das geprägt, was in diesen Filmen vermittelt wird. Dein Denken und Fühlen wird durch das geprägt, was in diesen Filmen, in diesen Serien vermittelt wird. Es gewinnt Macht über dich. Es bestimmt dein Leben.
Und jetzt passiert noch etwas: Du fängst an, die Bibel mit dem Geist der Leute zu lesen, die du aus diesen Filmen kennst. Ihr Lieben, das ist mir jetzt schon oft begegnet, dass Leute mir irgendetwas über Jesus erzählen. Das haben die nicht aus der Bibel, das haben die in irgendeinem Film gesehen.
Das Weltbild der Filme, das ist wie ein Filter. Uns wird der Zugang zur Botschaft der Schrift versperrt. Und es soll genau umgekehrt sein: Gottes Wort will dich bevollmächtigen, das, was dir in deiner Alltagskultur begegnet, zu durchleuchten. Und dafür musst du das Wort Christi kennen. Es soll reichlich in deinem Herzen wohnen.
Ein zweiter Einwand, den ich gerne höre: Ja, alles nett, Ron, aber die Bibel ist so ein altes Buch. Ich komme damit einfach nicht klar. Es ist so schwer zu verstehen. Ich habe es immer wieder versucht, aber es ist mir alles zu schwer, es ist mir zu langweilig.
Und ich gebe dir Recht: Die Bibel ist kein einfaches Buch. Wer die Bibel gründlich verstehen will, für den ist das wirklich nicht ganz so einfach. Und es reicht nicht aus, irgendwie jeden Tag mal zwei Minuten einen Vers zu lesen oder in den Gottesdienst zu gehen und eine Predigt zu hören und zu meinen, dass ich dann irgendwie mit der Bibel klarkomme.
Es ist so ähnlich wie mit dem Lernen einer Fremdsprache. Ich bin gestern mit meiner Frau und der Lilly da oben vom Westerwald hier runter nach München gekommen. Wo ist die Lilly, ist sie da, ist sie hier irgendwo? Ja, da hinten? Die Lilly ist Missionarin in Peru, hat ein ganz interessantes Leben und hat sich wirklich Gott zur Verfügung gestellt, um in Peru zu arbeiten. Ihr könnt sie gerne mal ansprechen, wenn ihr mehr über diese Arbeit wissen wollt.
Um diesem Ruf nach Peru treu zu sein, musste sie eine neue Sprache lernen, nämlich Spanisch. Wer von euch mal eine neue Sprache gelernt hat, der weiß: Es bringt nichts, so jede Woche mal fünf Minuten irgendwie zu versuchen, eine neue Sprache zu lernen. Da brauchst du einen Intensivkurs, da musst du richtig einsteigen, und da musst du auch selber anfangen zu sprechen, um irgendwann richtig Freude daran zu gewinnen. Denn irgendwann funktioniert es, und es macht Spaß, diese neue Sprache zu sprechen.
Und die Bibel: Wenn sie langweilig für dich ist, dann liegt es daran, dass du die Sprache der Bibel nicht verstehst. Du musst da tiefer einsteigen. Du musst dir einfach die Zeit nehmen und dir Mühe machen. Du musst auch Hilfsmittel zur Verfügung nehmen, vielleicht auch wirklich mal einen intensiven Kurs besuchen, um da richtig tiefer einzusteigen.
Ihr Lieben, das macht dann so viel Spaß! Die Bibel ist so ein spannendes Buch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendein interessanteres Buch gibt als die Bibel. Aber du musst eben wirklich graben.
Jesus bevollmächtigt uns durch sein Wort, und du brauchst sein Wort. Und die Gemeinde braucht das Wort. Die Gemeinde braucht die Verkündigung, die aus dem Wort herauskommt. Und dieses Wort, das lehrt uns beten.
Das Gebet ist unsere Antwort auf die Anrede Gottes durch das Wort. Das Gebet ist die Antwort auf Gottes Anrede. Und das Gebet ist verknüpft mit einem ganz großen Versprechen: Ihr werdet bitten, was ihr wollt, und es wird euch auch zuteil werden. Aber genau hinhören: Ihr werdet bitten, was ihr wollt, und es wird euch auch zuteil werden.
Erhörtes Gebet ist uns nicht verheißt jenseits der Worte Jesu. Einige von euch, ich selber auch, wir beten immer wieder in der Gebetsgemeinschaft, und dann kommt so am Schluss: im Namen Jesu. Das erbitten wir im Namen Jesu. Und manche denken, das ist eine Zauberformel. Wenn wir die benutzen, dann kommt auch das, was wir erbeten haben. Gemeint ist etwas ganz anderes.
Es geht darum, dass wir das erbeten, was Jesus gefällt, was Jesus sich wünscht, was unter der Verheißung des Wortes Gottes steht. Dietrich Bonhoeffer hat das einmal vortrefflich formuliert. Er hat gesagt: Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott.

Liebe, Gebot und die Freude der Nachfolge

Jesus spricht in Vers 10 dann noch einen weiteren Punkt an, der zum Bleiben in Christus gehört, nämlich: Wenn wir seine Gebote halten, dann bleiben wir in seiner Liebe. Nachfolge suspendiert nicht vom Gebot.
Oft wird heute ein Zitat von Augustinus, einem alten Kirchenvater aus dem dritten und vierten Jahrhundert, angeführt. Da heißt es: Liebe, und tue, was du willst. Davon wird dann abgeleitet: Ja, wenn ich nur mit einem guten Gefühl, mit der richtigen Einstellung irgendetwas mache, dann ist das schon in Ordnung. Dann wird es Gott gefallen. Wir nennen das auch Gesinnungsethik, aber darum geht es gar nicht.
Was Augustinus hier meint, das ist aus einem Kommentar zum ersten Johannesbrief etwas anderes. Er fokussiert auf die Liebe, die Menschen dazu freisetzt, mit Freude das zu tun, was Gott gefällt, ganz im Sinne von Johannes 14,15, wo Jesus sagt: Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr meine Gebote halten. Gemeint ist also die Liebe, die dem Glaubenden durch den Heiligen Geist gegeben ist und die den Willen des Vaters im Himmel sucht, Römer 5,5.
Wer den Heiligen Geist empfangen hat, der folgt Jesus nach, und er freut sich an dem, was Gott will. Er tut gern das, was Gott sich wünscht. Das, was Gott will, macht er zu seinem eigenen Wunsch. Wer aus Gott heraus lebt, der betet, wie Jesus gebetet hat: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.
Damit kommen wir zu Vers 12. Da gibt es eine weitere Überraschung. Da steht: auf das die Freude vollkommen werde. Das ist also ein ganz interessanter Text. Gott beschneidet uns, er schneidet Dinge aus unserem Leben heraus. Aber das führt nicht in Verlust oder Schaden, sondern das führt in die Freude. Reben, die in der Verbindung mit dem Weinstock leben, die leben erfüllt. Sie tragen Frucht, und in ihnen wohnt die Freude Jesu. Das habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde.
Als ich vor ungefähr 35 Jahren Christ geworden bin, führte das zunächst einmal in einen Verlust der Lebensfreude. Also, wir hören ja oft, dass mit der Bekehrung das Leben einfacher wird, und manchmal ist das so, aber manchmal ist es auch anders. Jüngerschaft bringt ganz neue Herausforderungen mit sich. Auf einmal spüre ich, da gibt es einen Kampf in mir, den Kampf zwischen dem Fleisch und dem Geist, und ich bin gefordert, diesen Kampf auch anzunehmen.
Ein befreundeter Pastor erzählte mir einmal, dass für ihn das Leben vor seiner Bekehrung viel einfacher war als jetzt, als er von Gott gefunden wurde. Früher in der Schule war er sehr beliebt. Fast alles lief wunderbar. Er hatte gute Noten, die Mädchen mochten ihn, er mochte die Mädchen. Und jetzt ist er Christ geworden, und auf einmal ist er in eine Entscheidung hineingerufen. Er muss sich jeden Tag fragen: Ja, wem folge ich eigentlich nach? Dem, was die anderen wollen, meinen eigenen Begierden oder dem, was Gott will?
Eines der erfolgreichsten Sachbücher des letzten Jahres ist ein Buch mit einem ganz interessanten Titel. Ich muss mal gucken, dass ich den jetzt richtig ausspreche: Die Gesellschaft der Singularitäten, von Andreas Reckwitz, einem Soziologen geschrieben, hoch gelobt im Feuilleton 2017. Und ich habe gestern jetzt noch einmal extra nachgeschaut im Amazon-Ranking, also in zwei Bereichen, unter anderem im Bereich Soziologie auf Platz eins. Also ein Bestseller, verkauft sich ganz hervorragend.
Und der Autor beschreibt in diesem Buch die spätmoderne Gesellschaft. Er spricht davon, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der wir ständig uns selbst performen und versuchen, uns selbst vor anderen Menschen attraktiv zu machen. Wir wollen in den Augen der Menschen reizvoll erscheinen, wir wollen etwas Besonderes sein. Jeder von uns möchte etwas Besonderes sein. Die Gesellschaft der Singularitäten: Jeder ist einzigartig.
Er beschreibt dann aber auch am Ende des Buches, ganz interessant, ich könnte jetzt viel mehr zu dem Buch sagen, dass das in eine Krise führt. Was für eine Krise? Eine Krise ist, dass wir gar nicht mehr bei uns selber sind, dass es, wie er sagt, keine Selbstverwirklichung mehr gibt. Wir werden nicht glücklich, wenn wir uns immer nur an den Erwartungen anderer Menschen oder eben an den eigenen Bedürfnissen ausrichten.
Da muss ich einfach staunen, wie klug Gott ist und wie wunderbar er das in seinem Wort auch beschrieben hat. Diese Zusammenhänge, die werden in seinem Wort aufgedeckt. Also wenn ihr euch das mal gründlich anschauen wollt, dann lest mal das erste Kapitel oder das erste Kapitel im ersten Buch der Institutio von dem Reformator Johannes Calvin. Der beschreibt dort die Selbsterkenntnis und die Gotteserkenntnis, und er sagt, dass wir uns nur in der Gegenwart Gottes richtig verstehen können. Das heißt, nur in der Gegenwart Gottes finden wir uns selbst.
Wir sind also nicht verloren, indem wir immer nur das tun, was andere wollen. Wir richten uns auch nicht nur an dem aus, was wir wollen, sondern wir finden uns in der Begegnung mit Gott. Warum? Weil allein in Gott die tiefste Erfüllung aller menschlichen Sehnsüchte zu finden ist.

Freude, Verlust und die tiefere Wirklichkeit in Christus

Also wieder zurück: Ich bin Christ geworden, 34 Jahre alt, und jetzt ungefähr ein Jahr mit Jesus unterwegs. Auf einmal bin ich so müde geworden, und vor allen Dingen habe ich meine Freude verloren.
Die Zusammenhänge kann ich jetzt nur andeuten. Zum Beispiel war ein wichtiger Punkt für mich, dass ich ganz viele Freunde verloren habe, die mich einfach nicht mehr verstanden haben. Die haben gedacht: Mit dem Ron stimmt irgendetwas nicht. Der nimmt auf einmal Gott wichtiger als uns. Irgendwie ist der neben der Kappe.
Der zweite Punkt war, dass ich unheimlich traurig darüber war. Ich wusste ja: Die Menschen, die Jesus nicht kennen, die gehen verloren. Wie kann ich mich danach freuen?
Dann habe ich eines Tages eine Diakonisse aufgesucht, die mir schon einmal weitergeholfen hatte. Ich habe ihr bekannt, dass ich als Christ zwar gerne Christ bin und glaube, dass das wahr ist, was in der Bibel steht, dass ich aber eigentlich zutiefst traurig bin. Heute würde man vielleicht sagen: Der Ron ist in eine mittelschwere Depression hineingeraten. Mein Leben war freudlos.
Und weißt du, was diese Frau zu mir gesagt hat? Sie sagte: Das, worüber du dich freuen kannst, das steckt gar nicht in dir. Jesus ist deine Freude. Er selbst will deine Freude sein. Er selbst hat seine Freude in dein Leben hineingelegt.
Das schlug bei mir ein. Und ich denke regelmäßig darüber nach, besonders dann, wenn die äußeren Anlässe für Freude, sagen wir mal, überschaubar sind. Der Erste Johannesbrief bringt das wunderbar zum Ausdruck. Da geht es um die Gemeinschaft mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus, und dann heißt es: Das schreiben wir euch, damit unsere Freude vollkommen sei.
Wer mit dem Weinstock lebt, der kennt diese Freude. Selbst dann, wenn er schwere Zeiten durchmacht oder Phasen der Niedergeschlagenheit erlebt, weiß er: Da ist etwas, das sitzt noch tiefer. Das kann mir niemand nehmen. Das ist Jesus.
Und er kann dann vielleicht in das Lied einstimmen, das Johann Sebastian Bach anlässlich einer Beerdigung geschrieben hat: Jesus, meine Freude.

Die Grenze menschlicher Kraft und die Vollmacht Christi

Ich komme langsam zum Schluss. Es heißt dann noch: Ohne mich könnt ihr nichts tun.
Ich möchte unsere Aufmerksamkeit noch kurz auf den fünften Vers lenken: Ohne mich könnt ihr nichts tun, außerhalb von mir könnt ihr nichts tun, getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Ihr braucht die Beziehung zu mir.
Ich weiß, diese Worte kann man missverstehen. Ich bin schon mehrmals von Leuten darauf angesprochen worden. Sie haben mir dann gesagt: Ja, wird hier nicht ein passives Christsein verkündigt? Wird hier nicht davon gesprochen, dass ein Christ nichts tun darf, es sei denn, Gott schiebt ihn irgendwie an?
Das ist nicht so. Der Vers begründet keine geistliche Passivität. Gott schaltet die Persönlichkeit nicht aus, er übergeht uns nicht. Gemeint ist etwas anderes. Und vielleicht hilft uns hier ein Blick auf Jesus selbst, der nämlich auch davon gesprochen hat, dass er ohne den Vater nichts tun kann.
 Johannes 5
Ich kann von mir aus nichts tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist gerecht, weil ich nicht meinen Willen suche, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.
So wie Jesus aus der Verbindung mit dem Vater lebt, so sollst du aus der Verbindung mit Jesus Christus leben, mit dem Vater verbunden sein und den Willen Gottes in Gottes Kraft tun.
Und das Bild vom Weinstock zeigt uns, dass wir eben ohne Jesus nichts tun können, was Ewigkeitswert hat. Ohne Jesus kein geistliches Leben, keine Jüngerschaft, keine Mission. Geistliche Frucht wächst dort, wo wir fest mit der Rebe und dem Weinstock verbunden sind.
Ich fasse zusammen: Das Gleiche zeigt uns, dass wir nicht aus uns heraus geistliches Leben produzieren können. Wir sind eigentlich ausgetrocknet, wir sind arme Seelen. Wir sind angelegt auf die Gemeinschaft mit Gott, dem Vater, und die haben wir nur durch Jesus Christus.
Wir brauchen Jesus, der uns die Kraft schenkt, die Liebe Gottes, in der geistliches Leben in uns reifen kann.
Und wie ist das mit dir? Bist du eine gereinigte Rebe, die Frucht trägt? Bist du verbunden mit dem Weinstock? Wohnt die Freude Jesu in dir?
Wenn du diese Freude nicht kennst – ich will damit nicht sagen, dass sie immer da ist –, aber wenn du diese Freude grundsätzlich nicht kennst, wenn du nie die Erfahrung der Reinigung gemacht hast, dann lade ich dich ein, darüber nachzudenken, ob du wirklich durch Jesus Christus versöhnt mit dem Vater lebst. Hast du dein Leben Christus anvertraut? Ist er wirklich dein Retter und dein Herr?
Und dir, der du mit Jesus lebst, wünsche ich eine feste Verbindung mit dem Weinstock. Bleibe in Jesus Christus, indem du sein Wort aufnimmst, indem du unter seinem Wort betest.
Wenn du dir keine Zeit nimmst, Gottes Wort zu studieren, dann kann das Wort auch nicht in dir leben. Und wenn das Wort dich nicht in das Gebet und in die Tat treibt, dann bist du nur ein Hörer des Wortes, dann vertraust du dem Wort nicht. Und wenn du dem Wort nicht erlaubst, Dinge aus deinem Leben herauszuschneiden, dann wird die Frucht vielleicht mager ausfallen.
Halte es aus, wenn Gott dein Leben reinigt. Er will, dass sich die Kraft konzentriert auf die tragfähigen Reben, auf das, was Frucht bringt, dreißigfach, sechzigfach, hundertfach.
So wird der Vater im Himmel verherrlicht, so wird deine Freude vollkommen.

Schlusswort und Ermutigung zur Schwachheit in Christus

Und du, der du dich klein und schwach fühlst, der du den Eindruck hast, dass du als Jünger überfordert bist: Das ist ein guter Anfang, ein guter Start.
Weißt du, dem Apostel Paulus, diesem großen Heidenapostel, ging es ganz genauso. Im zweiten Korintherbrief beschreibt er diese Erfahrung der Schwachheit unvorstellbar intensiv. Er schreibt davon, dass wir als Christen den Herausforderungen im Reich Gottes auf der einen Seite nicht gewachsen sind. Und dann lesen wir doch, und ich sage es mit meinen eigenen Worten: In der Verbindung mit Christus erweisen wir uns als lebendig in der Kraft Gottes. 2. Korinther 13,4
Bleib am Weinstock. Christus ist alle Gewalt gegeben. Von ihm her kommt die Vollmacht, die Autorität. Unmögliches wird möglich, Freude ist vollkommen, Frucht wächst, und der Vater im Himmel wird verherrlicht. Amen.