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Bekehrung in 19 Minuten

Hilf Nichtchristen dabei
28.04.2023

Einführung in die Herausforderung der Evangeliumsvermittlung

Willkommen beim Bibelfit-Dienst. Hier versuchen wir, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und schwierige Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten.

Zu jedem Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. All das gibt es kostenlos auf dieser Website – dank der freiwilligen monatlichen Unterstützung von Menschen wie dir und mir.

Stell dir vor, du bist mal wieder in dieser tollen und gesegneten Situation: Du redest mit Menschen über Sünde, das jüngste Gericht und dass Jesus sie davor retten kann. Du erzählst ihnen, dass Jesus sie heilen kann und sie zu neuen Menschen macht. In diesem Moment schenkt Gott deinen Zuhörern ein offenes Herz, und sie hören dir aufmerksam zu. Dann fragen sie dich: „Wie mache ich das jetzt mit Jesus klar? Wie bekehre ich mich konkret? Wie werde ich Christ?“ Halleluja!

Aber genau hier stolpern viele von uns. Warum? Weil wir vor drei Hürden stehen.

Hürde Nummer eins: Wir haben zu wenig Übung darin, das zu erklären. Die Lösung ist einfach: Du musst es häufiger machen.

Hürde Nummer zwei: Wir wissen manchmal nicht genau, welche inhaltlichen Schritte nötig sind. Diese gehen wir gleich noch einmal durch. Du kannst dir gern schon etwas zum Mitschreiben bereitlegen.

Hürde Nummer drei ist die, an der die meisten von uns scheitern – ich auch. Ich erzähle gleich eine kurze Geschichte dazu.

Es geht darum, dass wir vielleicht wissen, was wir inhaltlich meinen, aber es nicht so ausdrücken können, dass jemand anderes es sofort versteht.

Die Schwierigkeit, biblische Sprache verständlich zu machen

Zum Beispiel, als ich damals noch kein Christ war, gab es wohlmeinende Christen, die es gut mit mir meinten und mir so etwas sagten wie: „Das Blut Jesu Christi wäscht dich rein.“

Das ist ja nicht falsch, im Gegenteil, das ist sogar goldrichtig. Aber solange du vorher nicht weißt, was damit gemeint ist, ist es schwer, das einzuordnen. Du denkst dann zum Beispiel an Blut, das rote oder braune Flecken hinterlässt. Wie soll das in der Lage sein, etwas rein oder sogar weiß zu waschen?

Da musst du erst mal darauf kommen, dass das eine Metapher ist, dass das eine sprachliche Brücke ist. Das ist nicht automatisch intuitiv, solange du das nicht weißt.

Oder jemand anderes sagt mir mal: „Es ist ein Werk des Heilandes, das dich zur Buße treibt.“ Glaub mir, ich sage dir aus Erfahrung: Solange jemand nicht vorher schon weiß, was du damit meinst, ist es tatsächlich so, dass viele Nichtchristen diese Worte nicht verstehen.

Hand aufs Herz, jetzt mal ganz im Ernst: Dann passiert es doch genau in diesen Momenten, dass wir irgendwie stammeln und herumrucksen. Der andere versteht im schlimmsten Fall nur Bahnhof. Wenige Minuten später ist alles versandet und du hast diesen goldenen Moment verpasst. Dann war alles umsonst, und im schlimmsten Fall haben wir eine Seele verloren.

Warum? Weil wir uns weigern, mal für zwei Minuten mit unseren kanadischen Luther- und Schlachter-Vokabeln aufzuhören und statt in Kirchenjargon und Weihnachtsliedgrammatik einfach mal in normaler deutscher Alltagssprache zu sprechen.

Natürlich kann Gott es schenken, dass ein Mensch sich trotzdem bekehrt. Bekehrung kann ja sowieso nur Gott wirken, das ist klar. Aber mal ganz ehrlich: Warum wollen wir es Gott so schwer machen? Warum wollen wir es unserem Zuhörer durch eine umständliche Sprache unnötig schwer machen? Warum wollen wir da zusätzliche Hürden aufbauen?

Ich sehe da keinen logischen Grund für.

Führ es dir einfach mal vor Augen: Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wahrscheinlich werden die meisten von uns nicht beim Bäcker stehen und so etwas sagen wie: „Ich begehre jenen Leib Brotes, du aber, der du des Faches der Backkunst kundig bist, mögest du willens sein, auf dass dein Knecht ihn bei dir erwerben könne.“

Ich weiß nicht, ob wir so sprechen.

Und damit wir uns richtig verstehen: Ich sage das in Selbstkritik.

Vor Kurzem hatte ich ein Gespräch mit einem interessierten jungen Nichtchristen, der wissen wollte, worum es geht. Wir waren voll dabei, und im Eifer des Gefechts habe ich mit Worten um mich geworfen wie „Buße“ und „Umkehr“.

Da hat er mich ganz freundlich, aber verwirrt angeguckt und gefragt: „Hm, was meinst du damit? Ich verstehe diese Wörter nicht.“

Oh, das ist passiert. Meine Frau saß daneben. Ich war so drin, dass ich in dem Moment gar nicht auf meine Formulierungen geachtet habe.

Und das Ding ist: Er hatte sogar Recht. Sprachwissenschaftlich ist es nun mal so, dass das Wort „Buße“ tatsächlich nicht mehr Teil des heutigen Sprachgebrauchs in den 2020er Jahren ist.

Da können du und ich uns jetzt darüber aufregen oder auch nicht, aber der Fakt ist: Du kannst einfach nicht mehr automatisch voraussetzen, dass Menschen bestimmte Vokabeln kennen.

Und noch mal: Natürlich bleiben wir inhaltlich zu tausend Prozent beim biblischen Evangelium – allein aus Gnade, dem stellvertretenden Sühneopfer Jesu Christi, das uns freimacht von Sünde und Verdammnis für Zeit und Ewigkeit. Das ist ganz klar. Da wird keinen einzigen Millimeter abgewichen, nicht einen.

Und genau deshalb stehst du ja vor dieser Herausforderung, das zu vermitteln.

Evangelium verständlich erklären: Die sieben Schritte der Bekehrung

Man kann sich das vorstellen wie das Gesellschaftsspiel Tabu, bei dem man etwas erklären muss, ohne bestimmte Wörter zu benutzen. So ähnlich ist es hier, nur dass viel, viel mehr auf dem Spiel steht.

Ganz konkret: Du hast jemandem das Evangelium bereits erklärt. Dabei ist es wichtig, mit dem Thema Sünde zu beginnen. Wie du das machen kannst, habe ich unter diesem Video verlinkt. Dort kannst du gern einmal reinschauen.

Du hast also jemandem das Evangelium erklärt, und diese Person fragt dich nun: „Wie genau läuft das mit der Bekehrung ab? Was sind die exakten Schritte?“ Wie antwortest du in einer Sprache, die jeder versteht? Zum Beispiel junge Menschen an einer heutigen Supermarktkasse, die keine komplizierten Wörter oder besondere Vorkenntnisse brauchen?

Hier sind sieben konkrete Schritte. Du kannst natürlich noch mehr Aspekte ansprechen, aber bei diesen sieben wird zumindest nichts Heilsrelevantes fehlen. Einige dieser Schritte beziehen sich auf die Vergangenheit des Zuhörers vor seiner Bekehrung, andere auf seine Gegenwart, also das Hier und Jetzt, wieder andere auf seine Zukunft, also das, was noch kommen wird. Manche betreffen sogar alle drei Bereiche.

Schritt eins von sieben:

Schritt 1: Jesus als Herrn anerkennen

Das ist das, was wir im Kirchenjargon meinen, wenn wir sagen, Jesus seinen Herrn nennen. Was bedeutet das nun in verständlichem Deutsch?

Es bedeutet nicht nur, dass wir einmal in unserem Leben sagen: „Herr Jesus“, und das war es dann. Inhaltlich heißt es vielmehr Folgendes: Ich gebe Jesus die Autorität über mein Leben. Noch einmal: Ich gebe Jesus freiwillig die Autorität über mein Leben.

Manche Glaubensrichtungen machen das durch eine Übergabezeremonie, andere durch einen sogenannten Altarhof. Das wäre jedoch ein anderes Thema. Wichtig ist, dass du eine bewusste Entscheidung triffst: Ja, Jesus soll der Herr über mein Leben sein – und zwar über mein ganzes Leben.

Das bedeutet, dass Jesus über alle Bereiche meines Lebens herrschen soll. Nicht nur über die Lieblingsbereiche, in denen es mir leichtfällt, sondern auch über die schwierigen Themen. Typische Knackpunkte sind zum Beispiel Beziehungen, Zwischenmenschliches, Sexualität oder Geldangelegenheiten.

Jesus die Autorität über mein Leben zu geben, ist etwas anderes, als ihm nur die Bereiche zu überlassen, die ich ihm gerade noch erlaube. Warum? Weil ich sonst am Ende selbst das Sagen habe, indem ich Jesus in seine Schranken weise – und nicht umgekehrt.

Das wäre Selbsttäuschung, und ehrlich gesagt auch eine Täuschung gegenüber Jesus. Jesus als Herrn über mein Leben anzuerkennen bedeutet, dass, wenn die Gesellschaft „Hüh“ sagt, Jesus aber „Hot“ sagt, es dann „Hot“ ist. Und wenn meine Gefühle „Hüh“ sagen, Jesus aber „Hot“, dann bleibt es trotzdem „Hot“.

Das heißt, Jesus soll der Chef sein. Ich gestehe mir auch ein, dass Jesus schon immer der Herr über alles war – selbst dort, wo ich ihn durch mein Verhalten früher entehrt habe. Auch dort war er schon der Chef, ich habe ihn nur nicht als solchen anerkannt.

Ab jetzt bejahe ich von mir aus, dass ich will, dass Jesus ganz aktiv die Chefrolle in meinem Leben übernimmt. Jesus soll das letzte Wort haben.

Schritt 2: Sündenbekenntnis im biblischen Sinn

Und damit sind wir beim nächsten Punkt, Nummer zwei von sieben. Im Kirchenjargon nennt man das Sündenbekenntnis.

Was bedeutet das jetzt? Fangen wir mit dem an, was es nicht bedeutet. Es heißt nicht unbedingt, dass du dein geistliches Vorstrafenregister auf dem Marktplatz herumposaunen sollst. Es bedeutet auch nicht, dass du den Gemeindeältesten deine Lebensgeschichte erzählen musst oder dass du zu einem Seelsorger in der Kirche gehen sollst – auch wenn das nicht die schlechteste Idee ist. Es meint etwas anderes.

Der Schlüssel liegt wieder im griechischen Grundtext. Warum? Weil in unseren Bibeln steht „Sündenbekenntnis“. Im griechischen Grundtext findet sich jedoch eine ganz eigentümliche, besondere Vokabel: homo logeo oder homo logein.

Was bedeutet das? Homo logeo heißt „das Gleiche sagen“. Homo bedeutet „gleich“, logeo heißt „sagen“ oder „denken“. Homo logeo heißt also „das Gleiche sagen“ oder „das Gleiche denken“.

Das bedeutet, wo in unseren deutschen Bibeln zum Beispiel steht: „Bekenne Gott deine Sünden“, steht im Grundtext wörtlich: „Sag über deine Taten das Gleiche, was Gott über deine Taten sagt“ und „denke über deine Taten das Gleiche, was Gott über deine Taten denkt“.

Das ist eine ganz praktische und logische Folge davon, dass Jesus die Autorität über mein Leben hat. Er darf das letzte Wort haben, und was er über meine Taten sagt, dem stimme ich zu.

Deshalb ist es so zentral, dass du vor dem Evangelium mit anderen Menschen über Sünde, Gebote und Gericht sprichst. Sonst macht das aus meiner eigenen Erfahrung wenig Sinn. Das kann ein starker Grund sein, warum sich Menschen in Gesprächen mit dir vielleicht weniger bekehren als du hoffst.

Mehr dazu mit einer praktischen Anleitung findest du im Link unter diesem Video.

Ganz konkret heißt das: Ich höre auf, meine Vergangenheit schönzureden und Ausrede über Ausrede zu stapeln, warum ich damals etwas so machen musste und dass ich eigentlich ein toller Typ bin.

Nein, es heißt, ich sehe meine Taten im Spiegel von Gottes Geboten. Diesen Spiegel halte ich mir vor. Das ist in Ordnung. Ich stimme Gott zu, ich stimme Gott zu, wo ich gefehlt habe.

Das bedeutet ganz konkret: Bei meinen Entscheidungen orientiere ich mich ab jetzt bewusst an dem, was Gott in seinen Geboten und in seinen Worten in der Bibel sagt. Die Bibel ist ja nicht zum Spaß da.

Schritt 3: Buße und Umkehr als tägliche Entscheidung

Punkt drei von sieben

Dieser Punkt ist besonders wichtig. Warum? Weil er häufig unbiblisch dargestellt wird oder heute leider sogar totgeschwiegen wird: Buße und Umkehr, Buße und Umkehr.

Beginnen wir mit dem, was Buße und Umkehr nicht bedeuten. Buße und Umkehr heißt nicht, dass jeder sofort ins Kloster gehen muss oder dass du ab jetzt drei Fastentage pro Woche einlegen musst. Es bedeutet auch nicht, dass du dich selbst bestrafen sollst oder Ähnliches. Das ist nicht biblisch und macht auch keinen Sinn.

Jesus selbst sagt dazu: „Was kann denn ein Mensch geben, um seine Seele zu erlösen?“ Die Antwort lautet: nichts. Wir brauchen also nicht versuchen, Gott mit billigen Bestechungsgeschenken zu beruhigen. Gottes Wort sagt, dass wir alle von Unrecht befleckt sind. Selbst unsere gerechten Taten sind besudelt wie ein schmutziges Gewand. Diese „Bestechungsgeschenke“ sind völlig umsonst und schlagen sogar nach hinten los. Damit entehren wir Gott nur noch mehr.

Im Klartext heißt das: Du kannst dir Gottes Vergebung nicht kaufen, nicht erarbeiten und nicht verdienen. Vergebung ist ein freiwilliges Geschenk, das Gott dir und mir macht.

Das war die eine Seite der Medaille. Wichtig ist aber auch die andere Seite, über die wir als Christen in unserer liberalen Gesellschaft oft kaum sprechen, weil wir niemandem zu nahe treten wollen. Nämlich, dass wir uns von unseren Sünden abkehren und einen neuen Weg einschlagen. Noch einmal: Wir kehren uns von unseren Sünden ab und schlagen einen neuen Weg ein. Das ist der Kern von Buße und Umkehr im heutigen Verständnis.

Jesus selbst sagt dazu: „Solange ihr euch nicht von euren Sünden abkehrt, werdet ihr alle verdammt werden.“ Das ist eine klare Ansage. Wer nicht vorhat, sein Leben zu ändern, und sich nicht ehrlich von Gott verändern lassen möchte, kann das Christsein vergessen. Das macht Jesus Christus glasklar. Buße und Umkehr sind tatsächlich heilsrelevant.

Buße und Umkehr heißt in klarem Deutsch: A) Wir kehren uns von unseren schlechten Taten ab. Was sind schlechte Taten? Das sind die, die Jesus schlecht nennt, zum Beispiel der Verstoß gegen die zehn Gebote. Kennst du die zehn Gebote? Du solltest sie auswendig kennen – großer Tipp!

B) Wir schlagen den neuen Weg ein. Beides zusammen – weg von den schlechten Taten und hin zum neuen Weg – ist eine Doppelbewegung. Dieser Punkt ist sehr wichtig und muss genauso klar gemacht werden.

Denk an die Beispielgeschichte, die Jesus vom verlorenen Sohn erzählt. Wann kommt der Wendepunkt in dieser Erzählung? Er kommt, als der verlorene Sohn sich von den Schweinetrögen abwendet, sich von ihnen abkehrt und stattdessen den Weg zum Vater einschlägt.

Dieses „stattdessen“ ist entscheidend: weg von den Schweinetrögen, weg von allem geistlichen Dreck und moralischer Unreinheit, in der ich mich wälze und die mich runterzieht. Weg von allem, was einem Königskind nicht angemessen ist. Gleichzeitig heißt es auch: hin zu dem neuen Weg, zurück ins Haus meines himmlischen Vaters. Dort empfängt er mich mit offenen Armen und läuft mir sogar entgegen, um mich aufzunehmen. Es sind also zwei Bewegungen gleichzeitig: weg von und hin zu.

Eine dritte Sache ist bei Buße und Umkehr besonders wichtig. Sie fehlt in manchen Gemeinden, die anfällig für geistlichen Missbrauch sind. Diese Umkehr, das Abkehren von den Sünden und das Einschlagen eines neuen Wegs, kann eine Entscheidung sein, die du einmal im Leben triffst. Du kannst Tag und Stunde genau benennen, wann das passiert ist. Das ist schön und wunderbar.

Das Entscheidende aber ist: Diese Gnade bekommst du jeden Tag geschenkt. Umkehr ist etwas, das du jeden Tag tust.

Wir könnten viele weise Dinge betrachten, die kluge Männer und Frauen aus zweitausend Jahren Kirchengeschichte dazu gesagt haben. Doch das Beste kommt, wie immer, von Jesus selbst. Die frühesten Worte, die wir historisch von Jesus aufgezeichnet haben, stehen in Markus 1. Dort sagt er „Metanoiete“, was korrekt auf Deutsch übersetzt heißt: „Bereut eure Sünden, schlagt einen neuen Weg ein.“

Das Besondere daran ist, dass das im altgriechischen Grundtext in einer kuriosen Grammatikform steht – im sogenannten durativen Präsens-Aspekt. Im Aramäischen, der Sprache, die Jesus gesprochen hat, war es übrigens dasselbe.

In der deutschen Grammatik gibt es so etwas nur zwischen den Zeilen oder gar nicht. Du musst dir diesen Begriff nicht merken, aber was dahinter steht, solltest du dir merken. Warum? Weil jedem Hörer von Jesu Worten damals klar gewesen wäre, dass diese Umkehr, dieses Abkehren von den Sünden und das Einschlagen des neuen Wegs, etwas ist, das jeden Tag geschehen soll.

Jesus meint damit eine dauerhafte, grundlegende Haltung der Umkehr, mit der wir durchs Leben gehen sollen. Kehr dich jeden Tag von deinen Sünden ab und schlag den neuen Weg ein.

Kurzer Einschub: Das ist tatsächlich wichtig und geht in vielen deutschen Bibelübersetzungen leider verloren. Das liegt nicht daran, dass es im Grundtext nicht vorhanden wäre – sprachwissenschaftlich ist das ganz eindeutig. Es liegt daran, dass unsere deutsche Sprache in manchen Punkten nicht dafür ausgelegt ist, diese Unterschiede gut einzufangen.

Das ist schade, denn solche Informationen zeigen dir viel darüber, wie Gott die Realität geschaffen hat und was Jesus tatsächlich meint. Sobald du das verstehst, kannst du viel tiefer in die Bibel eintauchen und entdeckst Zusammenhänge, die dir vorher nie klar waren.

Deshalb habe ich dir hier eine kurze Einführung ins biblische Zeitverständnis zusammengestellt, wie ich es mehrere Jahre an der Universität unterrichtet habe. Das zu verstehen birgt einen großen Reichtum an Erkenntnis. Für einen ersten Überblick – mehr ist es nicht, aber ein erster Überblick.

Nimm dir das gern kostenlos mit. Den Link dazu findest du in der Videobeschreibung.

Schritt 4: Glaube und das Sühneopfer Jesu Christi

Nummer vier von sieben – das ist das, was wir im Kirchenjargon den Glauben und das Sühneopfer nennen.

Wichtig: Glaube bedeutet in der Bibel nicht, blind irgendetwas für bare Münze zu nehmen, das keinen Ursprung oder Nachweis hat oder das man nicht irgendwo festmachen kann. Nein, das ist ein heutiger Sprachgebrauch dieses Wortes, der mit dem biblischen Hebräisch kaum etwas zu tun hat.

Glaube heißt auch nicht einfach, an Gott zu glauben, dass es ihn gibt, und das sei gut so. Manchmal könnte ich verzweifeln, wenn ich Christen sehe, die denken, das Wichtigste sei, dass die Gesellschaft oder andere Menschen nur daran glauben, dass es Gott gibt und dass das gut ist.

Mal ganz provokativ zurückgefragt – und ich will hier niemandem zu nahe treten oder böse sein: Was soll mir das denn beim Jüngsten Gericht bringen? Stell dir bildlich vor, du stehst dann beim Jüngsten Gericht und sagst so etwas wie: „Herr Richter, ich möchte zu meiner Verteidigung anführen, dass ich daran glaube, dass Sie existieren.“ Ja super, davon kann ich mir auch nichts kaufen. Also nein, nein, nein!

Sobald in deiner deutschen Bibelübersetzung das Wort „Glauben“ steht, meint das Neue Testament damit etwas komplett anderes. Dazu habe ich ein eigenes Video hier auf diesem Kanal, in dem wir das Schritt für Schritt ganz einfach erklären. Du kannst gerne die Glocke unter diesem Video drücken, dann wird dir das mit dem Glauben auch angezeigt, und du kannst dich da ganz einfach einarbeiten.

Für unseren Zusammenhang geht es darum: Jesus ist tot, er ist für mich gestorben. Dieser Tod begnadigt mich beim Jüngsten Gericht. Noch einmal: Jesus’ Tod, den er für mich gestorben ist, dieser Tod begnadigt mich beim Jüngsten Gericht.

Und daran will ich mich jetzt festklammern. Dieses Festklammern ist das, was Glauben meint. Um dir ein paar heutige Vergleiche zu geben: Das ist ungefähr so, als würdest du in einem Bus sitzen, der mit Affentempo um die Ecke fährt, als ob er dich aus dem Fenster schleudern würde. Und so wie du dich dann an der Halteschlaufe festklammerst – dieses Festklammern ist das, was im Neuen Testament mit Glauben gemeint ist.

Oder wie ein Ertrinkender auf hoher See, der plötzlich eine Holzplanke vor sich sieht und sich mit seinem ganzen Körper daraufwirft, damit sie ihn trägt. Oder ein Hubschrauber, der abstürzt, und wer abspringen muss, hält sich mit aller Kraft an seinem Fallschirm fest – als hinge sein Leben davon ab, weil das Leben davon abhängt.

Dieses Festklammern an der Halteschlaufe, an der Holzplanke oder am Fallschirm – dieses Festklammern und das, was damit verbunden ist, ist ungefähr das, was Glaube im Neuen Testament meint.

Jesus hat diesen jämmerlichen Tod durchlitten – einen jämmerlichen Tod, den er für mich gestorben ist. Das allein schon anzuerkennen und Gott darin zuzustimmen: Jawohl, ich hätte die Strafe für meine Sünden verdient. Wo kämen wir denn hin, wenn jemand anderes für meine Sünden bestraft wird? Ich hätte die Strafe für meine Sünden verdient. Ich habe zu Recht die Hölle verdient.

Zweitens: Dieser stellvertretende Tod hat die Kraft, er kann mich beim Jüngsten Gericht begnadigen.

Und drittens: Daran, dass das funktionieren kann, daran klammere ich mich jetzt schon fest. Ich sehe schon, dass der Bus in die Kurve fährt, und da halte ich jetzt schon die Schlaufe fest.

Das ist wichtig: jetzt festklammern, nicht irgendwann, sondern heute und hier und jetzt.

Schritt 5: Rechtfertigung durch Glauben

Und dadurch geschieht etwas ganz Kurioses, nämlich Punkt fünf von sieben. Das ist das, was man im Kirchenjargon als Rechtfertigung oder Rechtfertigung aus Glauben bezeichnet.

Rechtfertigung bedeutet nicht, dass ich, wenn meine liebe Frau und ich zum Beispiel einen Streit haben, eine Ausrede nach der anderen hervorhole, um zu zeigen, dass ich nicht schuld bin. So wird das heutige Wort „rechtfertigen“ im Deutschen oft verstanden.

In der Bibel hat das Wort jedoch eine ganz andere Bedeutung. Es meint, dass durch den vorhergehenden Schritt, durch den ich im neutestamentlichen Sinn glaube und mich festklammere, etwas geschieht. Ich klammere mich daran fest, dass Jesus für mich gestorben ist und dass mich das beim Jüngsten Gericht begnadigt. Ich bin schuldig, aber ich werde begnadigt – genau dadurch, dass ich mich daran festhalte.

Genau darin passiert Folgendes: Jesus nimmt mir jetzt schon meine Sünden weg und rechnet sie mir dauerhaft nicht mehr an. Das ist etwas, das vielen Menschen unbiblisch vermittelt wurde. Deshalb hier noch einmal ganz klar: Sündenvergebung ist etwas, das heute und jetzt geschieht.

Sobald du die ersten vier Schritte durchlaufen hast – du hast Jesus die Autorität über dein Leben gegeben, du siehst deine Taten so, wie Jesus sie sieht, du willst dich jeden Tag von deiner Sünde abkehren und den neuen Weg einschlagen, und du klammerst dich ab jetzt daran fest, dass Jesus für dich gestorben ist und dich beim Jüngsten Gericht begnadigt – solange diese vier Punkte auf dich zutreffen, du es wirklich von Herzen willst und dauerhaft so lebst, dann darf ich dir im Namen des heiligen Gottes und mit der Autorität Jesu Christi zusprechen: Damit sind dir deine Sünden vergeben.

Dadurch, dass du das für dich persönlich annimmst, nimmt dir Jesus jetzt schon deine Sünden weg – nicht erst später beim Jüngsten Gericht, sondern jetzt schon.

Gott geht sogar noch einen Schritt weiter. Warum? Weil er ein Gott der Gnade und des Überflusses ist. Biblisch gesprochen macht Gott dich zu seinem Kind und zu seinem Erben. Er gibt dir gewissermaßen einen neuen Personalausweis, mit dem du jetzt schon die Staatsbürgerschaft im Paradies hast.

Solange du wirklich und ehrlich aus dieser Gnade lebst und nicht aufhören möchtest, dich nach Gott auszurichten, also solange das eine echte Bekehrung ist, rechnet Gott dir ab jetzt dauerhaft deine Sünden nicht mehr an.

Und das, das sage ich jetzt dir, liebe Zuschauerinnen und liebe Zuschauer, das darfst du dann auch den Menschen sagen, die du bei ihrer Bekehrung begleitest. Du darfst ihnen das genauso sagen – wirklich jetzt. Denn eine echte Bekehrung ist sichtbar.

Das bringt uns zu Punkt sechs von sieben.

Schritt 6: Wiedergeburt und neue Kreatur

Nämlich Wiedergeburt. Was bedeutet Wiedergeburt und neue Kreatur?

Es meint nicht Reinkarnation. Noch einmal: Das gibt es in der Bibel nicht. Es gibt keine Reinkarnation, kein ewiges Rad der Wiedergeburt, bei dem man stirbt und dann als ein anderer Mensch oder sogar als ein Tier wiederkommt.

Die Vorstellung, dass man als Tier wiedergeboren wird oder dass die Taten im Leben bestimmen, als welches Lebewesen man wiederkommt, ist komplett unbiblisch.

Im Neuen Testament ist mit Wiedergeburt, neuer Kreatur oder neuer Schöpfung gemeint, dass Gott dich in deiner Bekehrung zu einem neuen Menschen macht.

Mit anderen Worten: Gott hat die Kraft, dir ein neues Leben zu schenken. Er gibt dir eine neue Autorität und eine neue Identität. Du gehörst jetzt zu ihm.

Das verändert alles, weil es dich verändert. Du wirst ein Adoptivkind des Schöpfers des Universums.

Schritt 7: Nachfolge als Lebensstil

Und Punkt sieben von sieben: Nachfolge. Was Nachfolge nicht bedeutet, ist, dass du Jesus in allen äußeren Umständen genau nachahmen musst. Es heißt also nicht, dass du immer ledig bleiben musst, keinen festen Wohnsitz haben darfst, dir einen Bart wachsen lässt oder mit einem Umhang herumläufst.

Nachfolge bedeutet vielmehr, dass du wirklich, ehrlich und in der Tiefe versprichst, dem Jesus des Neuen Testaments zu gehorchen. Du richtest dein Leben ab jetzt nach dem aus, was dieser Jesus des Neuen Testaments sagt. Er darf ab sofort ganz praktisch dein Herr und Meister sein.

Dafür musst du dich mit ihm beschäftigen – das geht gar nicht anders. Du solltest diesen Jesus des Neuen Testaments immer besser kennenlernen, auch die Seiten, die wir noch nicht kennen, und auch die Seiten, die wir häufig nicht sehen wollen.

Das ist ein sehr guter Grund, dich bibelfit zu machen.

Abschluss und Dank

Spul diesen Beitrag gern zurück und hör dir die wichtigsten Stellen noch einmal direkt an.

Ansonsten möchte ich dir im Namen des ganzen Teams danken. Danke für deine Unterstützung bei einhundertfünfzig Videos und danke für zehntausend Abonnenten – krass!

Als kleines Dankeschön haben viele Leute in den letzten Wochen und Monaten danach gefragt. Hier kommt der schlechte Witz der Woche: Wer war der beste Leiter der Bibel? Das war Noah, er hielt das Projekt über Wasser.

Das ist echt schlecht. Also, Leute, vielen Dank für alles.