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Arbeitnehmer: arbeitet wie es für Gott wäre

Epheser 6,5-804.11.2018
SerieTeil 6 / 7Göttliche Anweisungen für gelingende Beziehungen
Dein Job ist mehr als Broterwerb: Auch mit schwierigem Chef kannst du fair, ehrlich und ohne Show arbeiten. Paulus stellt die Frage: Für wen arbeitest du eigentlich?

Einleitung: Arbeit, Macht und Verantwortung

Also, ein Firmeninhaber versammelt noch einmal seine Mitarbeiter und sagt bei einer kleinen Ansprache: Meine Damen und Herren, ich habe absolut nichts dagegen, wenn Sie anderer Meinung sind als ich. Nur werden wir es so halten, dass Sie sich, was meine Firma betrifft, stets meiner Meinung anschliessen.
Ja, er ist der Chef. Er bezahlt seine Mitarbeiter. So kann er erwarten, dass sie genau das tun, was er will.
Wenn wir in einem Anstellungsverhältnis sind, dann sind wir gegenüber unserem Vorgesetzten meist am kürzeren Hebel. Das kann für uns eine schwierige Situation sein, ganz besonders dann, wenn wir einen schwierigen Vorgesetzten haben. Und natürlich könnte man kündigen, wenn der Vorgesetzte schwierig ist, wenn man gemobbt wird. Doch je nach Beruf ist es gar nicht so einfach, wieder eine Arbeit zu finden, mit demselben Lohn, mit denselben Möglichkeiten.
Hinzu kommt, dass man dann auch noch gar nicht weiss, wie der neue Vorgesetzte oder der neue Firmeninhaber sein wird, wenn ich dann bei ihm arbeite. Immerhin hätten wir die Möglichkeit, eine neue Arbeit zu suchen. Das war in der antiken Welt, in der Paulus lebte, für einen Sklaven überhaupt nicht möglich.
Ein Sklave war Eigentum seines Herrn. Er konnte ihn sogar verkaufen, man musste ihn nicht fragen. Wenn er Geld brauchte und einige Sklaven hatte, dachte er: Komm, jetzt verkaufe ich halt zwei Sklaven. Schauen wir mal, wo ich den besten Preis bekomme. Sklaven waren Handelsware.
Natürlich gab es gewisse Regeln, wie man sich gegenüber Sklaven verhalten sollte. Auch im Alten Testament finden wir solche Regeln. Es ist jedenfalls nicht überraschend, dass Paulus auch den Sklaven und den Herren, die Christen geworden sind, nun etwas sagt. Vorher war er ja zu den Frauen, zu den Männern und zu den Kindern gekommen, und jetzt kommen eben noch die Sklaven.
Heute werden wir uns mit den Anweisungen an die Sklaven beschäftigen, nächsten Sonntag noch mit den Anweisungen an die Herren. Und das wird dann der Schluss dieser siebenteiligen Predigtserie sein.

Paulus und die bestehende Ordnung

Auffällig ist, dass Paulus die damalige Gesellschaftsordnung nicht in Frage stellt. Er sah es nicht als seine Aufgabe, eine Reformbewegung ins Leben zu rufen, obwohl wir davon ausgehen können, dass er kein Freund dieser Sklavenhaltung war.
Den Christen in Korinth schreibt er einmal: Warst du ein Sklave, als Gott dich rief, also als du Christ geworden bist? Lass dich davon nicht niederdrücken. Wenn sich dir allerdings eine Gelegenheit bietet, die Freiheit zu erlangen, dann mach dankbar davon Gebrauch.
Paulus hat also nicht an dieser Ordnung festgehalten. Ich denke, er hat sie auch nicht für gut gehalten. Wer frei werden konnte, soll diese Gelegenheit nutzen. Es war für ihn also nicht Gottes Schicksal, dass jemand, der als Sklave berufen wird, Sklave bleiben muss, auch wenn er die Möglichkeit hätte, frei zu werden.
Dann sagt er, gewissermaßen als Trost für die Sklaven: Denn wer im Herrn als Sklave berufen ist, der ist ein Freigelassener des Herrn. Und desgleichen: Wer als Freier berufen ist, der ist ein Sklave Christi.
Also: Die Sklaven werden durch Christus befreit, die Mächtigen, die Herren, werden versklavt. Sie müssen lernen, sich unterzuordnen. Eine interessante Bemerkung, die Paulus hier macht. Aber darüber müssen wir uns ein anderes Mal vertieft Gedanken machen.

Übertragung in die heutige Arbeitswelt

Vielleicht denken einige, dass das, was Paulus den Sklaven sagt, mit uns heute eigentlich gar nichts mehr zu tun hat, weil unsere Gesellschaft ja ganz anders funktioniert. Und das ist richtig.
Wir sind nicht Eigentum unseres Arbeitgebers, auch wenn es Arbeitgeber gibt, die von ihren Angestellten erwarten, dass sie ihr ganzes Leben vollständig auf die Firma ausrichten. Grundsätzlich stellen wir unsere Arbeitskraft aber dem Arbeitgeber zur Verfügung. Wir haben uns bereit erklärt, während einer vereinbarten Arbeitszeit in seinem Interesse zu handeln und unsere Fähigkeiten, unsere Kraft und unsere Begabungen ihm zur Verfügung zu stellen.
In dieser Arbeitszeit kann mein Arbeitgeber darüber bestimmen, was ich zu tun habe. Er kann sagen, dass ich fünf Stunden am Tag keine privaten Mails anschauen darf. Das kann er erwarten, das kann er sagen. Er kann mir sagen, was ich zu tun habe und wofür er mir das Geld geben will.
Würde Paulus heute leben und uns einen Brief nach Zürich schreiben, würde er nicht von Sklaven, sondern von Arbeitnehmern und Vorgesetzten sprechen. Jedenfalls ist das, was er hier in diesem Abschnitt als Grundprinzip sagt und zur Sprache bringt, meines Erachtens auch heute noch topaktuell. Und so wollen wir uns anschauen, was er den Arbeitnehmern, den Sklaven, schreibt.

Der Maßstab des Gehorsams

Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren, dient ihnen mit ehrerbietigem Respekt und aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus selbst, dem ihr gehorcht. Arbeitet nicht nur, wenn man euch dabei beobachtet. Es ging dabei nicht darum, Menschen zu gefallen. Macht euch vielmehr bewusst, dass ihr Sklaven von Christus seid, und tut mit ganzer Hingabe das, was Gott von euch möchte. Erfüllt eure Aufgaben bereitwillig und mit Freude, denn letztlich dient ihr nicht Menschen, sondern dem Herrn. Ihr könnt sicher sein, dass jeder, der Gutes tut, vom Herrn dafür belohnt wird, ob es sich nun um einen Sklaven oder um einen freien Menschen handelt.
Nun, gehorchen ist für uns ein etwas schwieriges Wort, weil wir sehr freiheitsorientiert sind und sehr selbstbestimmt leben. Und dann, wenn es so heißt: Ihr Sklaven, da sind wir dann noch froh, dass es von Sklaven heißt. Dann muss ich mich nicht gleich mit dem identifizieren, was da steht, weil ich mich selbst ja nicht als Sklave verstehe.
Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren, dient ihnen mit ehrerbietigem Respekt und aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus selbst, dem ihr gehorcht. Radikaler könnte man diese Forderung nicht formulieren. Es gibt keine einzige Einschränkung, keine einzige Ausnahme.
Es würde uns doch sehr gefallen, wenn Paulus sagen würde, dass wir den guten Vorgesetzten mit Ehrerbietung und Respekt begegnen sollten. Dann würden wir Paulus sofort zustimmen und sagen: Ja klar, das macht sogar Freude, einem tollen Chef so zu begegnen. Doch Paulus meinte ganz bestimmt alle Vorgesetzten, die Guten und Freundlichen ebenso wie die Schlechten, Unanständigen und Mürrischen. Egal, wie unser Vorgesetzter ist, wir sollen ihm so dienen, als wäre es Christus selbst.

Respekt statt Vergötterung

Das heißt jedoch nicht, dass wir unsere Vorgesetzten wie Götter ansehen müssen. Sie sind keine Götter. Das wurde später oft falsch verstanden.
Es gibt Schriften von Leuten, die damals lebten, als die Apostel noch lebten, als Paulus lebte, Johannes und andere. Diese Leute haben die Apostel noch gekannt. Man nennt sie die apostolischen Väter. Dort gibt es verschiedene Schriften, zum Beispiel den Brief an die Gemeinde in Ephesus und andere. Dort finden sich auch Äußerungen. Man sieht dabei ein wenig, wie sich das entwickelt hat.
Da schreibt nun einer: „Ihr Sklaven aber sollt euren Herren als einem Abbild Gottes mit Respekt und Ehrfurcht gehorchen.“ Ich glaube nicht, dass Paulus das so verstanden haben wollte. Ich glaube, das ist einen Tick zu weit gegangen. Die Vorgesetzten sind keine Abbilder Gottes. Wir sollen ihnen lediglich in der Weise begegnen, wie wir Christus begegnen. Und das ist wirklich ein großer Unterschied.
Es macht ja eigentlich auch Sinn, dass wir unseren Vorgesetzten Respekt entgegenbringen. Das kann ich an einem einfachen Beispiel eines Malermeisters sagen, der dermaßen viel Arbeit hatte, dass er schließlich einen Mitarbeiter anstellte. Dieser Mitarbeiter sollte dann in einer Wohnung ein Wohnzimmer streichen. Er geht hin und schaut sich die Wohnung an. Dabei sieht er, dass das Kinderzimmer in einem katastrophalen Zustand ist. Dann denkt er: Nein, ich streiche jetzt das Kinderzimmer, das hat es viel nötiger.
Dann kann man vielleicht denken: Ja, das ist ja ein innovativer Mitarbeiter, der ist motiviert, der denkt mit. Er schaut zuerst, bevor er arbeitet, das ist super, er hat noch gute Ideen. Aber ich glaube, der Malermeister war nicht zufrieden, weil er dadurch mehr Arbeit hatte. Und er hatte sogar noch einen verärgerten Kunden. Denn warum sein Kunde das Wohnzimmer streichen wollte und nicht das Kinderzimmer, weiß niemand. Das ist die Sache des Kunden.
Also von daher macht es ganz Sinn, dass wir das tun, was unsere Vorgesetzten sagen. Sie tragen schließlich auch die Verantwortung.

Arbeit ohne Blick auf Kontrolle

Und dann sagt Paulus: Arbeitet nicht nur, wenn man euch dabei beobachtet, als ginge es darum, Menschen zu gefallen.
Offensichtlich ist das ein Verhalten, das es schon lange gibt. Der Mensch neigt dazu, erst dann möglichst fleißig zu sein, wenn jemand zusieht oder wenn das jemand überprüfen kann. Ein Journalist erkundigte sich bei einem Firmenbesuch, wie viele Leute in dieser Firma arbeiten würden. Da sagte einer: Mit dem Chef sind es fünfundzwanzig. Dann wollte der Journalist das präzisieren und sagte: Dann habe ich das richtig verstanden, dann arbeiten eigentlich vierundzwanzig Leute in dieser Firma. Darauf antwortete er: Nein, das stimmt nicht. Wenn der Chef nicht da ist, arbeitet keiner.
Wer im Militär war, kennt das: Ohne kontrollierenden Offizier geht gar nichts. Diese Arbeitshaltung ist für einen Christen nicht akzeptabel. Christen sollten sich durch Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit auszeichnen. Das werden die Vorgesetzten früher oder später merken. Und die meisten werden das auch schätzen.
Und dann sagt Paulus auch noch, was uns hilft, damit wir mit dieser Einstellung arbeiten können: Macht euch vielmehr bewusst, dass ihr Sklaven von Christus seid, und tut mit ganzer Hingabe das, was Gott von euch möchte. Mit anderen Worten: Wir arbeiten eigentlich für Gott. Also: Macht euch vielmehr bewusst, dass ihr Sklaven von Christus seid, und tut mit ganzer Hingabe das, was Gott von euch möchte. Wir arbeiten also eigentlich für Gott.
Das ist nun wirklich ein überraschender Gedanke, finde ich. Wir arbeiten nicht in erster Linie für unseren Vorgesetzten, sondern für Gott. Denn Gott freut sich darüber, wenn wir unsere Vorgesetzten respektieren. Das ist schon eine ganz andere Grundhaltung in der Arbeit, wenn wir das, was wir tun, und vor allem wie wir es tun, für Gott tun.
Wer mit dieser Einstellung arbeitet, wird nicht ständig seinen persönlichen Vorteil suchen. Er wird sich nicht mit Ellbogen hocharbeiten, denn ein Christ weiß sich gegenüber Gott verantwortlich und wird deshalb nicht über Leichen gehen. Deshalb ist er ein zuverlässiger und vertrauenswürdiger Mitarbeiter. Er muss nicht der beste Mitarbeiter sein, das ist ein Unterschied. Da muss man aufpassen: Es gibt immer Christen, die meinen, sie müssten die Besten sein, weil sie Christen sind. Man kann nicht immer der Beste sein, auch wenn man Christ ist. Aber jeder Christ kann ehrlich, aufrichtig und zuverlässig sein.
Die Idee des Paulus dabei ist nicht, dass ein solcher Mitarbeiter durch sein Verhalten den Erfolg einer Firma fördert. Das war gar nicht in seinem Denken drin, das ist unser Denken von heute. Das kann zwar ein Nebeneffekt sein, ist aber nicht das Anliegen des Paulus. Paulus geht es darum, dass die Christen durch ihr Verhalten ein gutes Beispiel für das Evangelium geben. Ihr Verhalten soll zeigen, dass der christliche Glaube zuverlässige, freundliche und vertrauenswürdige Menschen hervorbringt.

Das Zeugnis des Glaubens im Alltag

So sagt Paulus einmal dem Timotheus: Wer Sklave ist, soll trotz des schweren Jochs, da sehen wir wieder, wie Paulus über die Sklaverei gedacht hat, trotz des schweren Jochs, das er zu tragen hat, seinem Herrn uneingeschränkte Achtung entgegenbringen.
Und warum er das tun soll, begründet Paulus so: damit der Name Gottes und die Lehre des Evangeliums nicht in Verruf geraten. Nicht, dass sie sagen: Ich habe da einen Christen, und der schlimmste von meinen Sklaven ist der Christ, der meckert immer. Auf den kann ich mich nicht verlassen. Was ist denn das für eine Religion?
Nein, er soll ein gutes Zeugnis geben, damit das Evangelium nicht in Verruf kommt. Dass er denkt: Was, dieser Glaube bringt so tolle Menschen hervor, mit solch einer Haltung? Man muss vielleicht doch mal schauen, was das für ein Glaube ist. Darum geht es Paulus.
Wir sollen uns dessen bewusst sein, dass selbst ein unangenehmer Chef ein Mensch ist, auch wenn du ihn vielleicht als Unmensch siehst. Und als Mensch benötigt er dringend die Vergebung seiner Schuld durch Jesus Christus. Wie soll er aber auf Jesus aufmerksam werden, wenn die Christen unzuverlässig, griesgrämig, frech und arrogant sind?
Und so macht Paulus deutlich, dass die Freude an der Arbeit nicht durch meinen Chef kommt und auch nicht primär durch das, was ich tue, obwohl das für uns wichtig ist. Die Freude kommt dadurch, dass wir bei der Arbeit gleichzeitig Jesus dienen können. Paulus meint: Erfüllt eure Aufgabe bereitwillig mit Freude, denn letztlich dient ihr nicht Menschen, sondern dem Herrn.
Egal, wo und was wir arbeiten, wir arbeiten für Jesus. Paulus macht keinen Unterschied zwischen der Arbeitswelt und dem persönlichen Leben, wie wir das oft unbewusst tun. Es gibt für Paulus keinen Unterschied, ob wir an der Arbeit sind oder ob wir in der Kirche sind. Egal, wo wir sind und wo wir wirken, soll uns bewusst sein, dass wir Jesus, unserem Herrn, dienen. Und mit dieser Aussage macht Paulus im Grunde genommen unsere Arbeit zum Gottesdienst. Somit ist Arbeit auch Gottesdienst. Das finde ich wirklich sehr, sehr bemerkenswert.
Wo immer du arbeitest, sei es auf einer Bank, in einer Schule, im Krankenhaus, zu Hause oder wo auch immer: Du dienst damit Jesus. Im Vordergrund steht also nicht meine Karriere, sondern meine Hingabe an Jesus. Das heißt nicht, dass ein Christ nicht Karriere machen kann, aber ein Christ wird nicht um jeden Preis Karriere machen. Er wird nicht bereit sein, über Leichen zu gehen, und er wird nicht bereit sein, verleumderisch zu handeln.
Die Leitfrage, die uns in unserem Beruf begleiten und bestimmen sollte, lautet: Wie kann ich mich verhalten, damit das Evangelium nicht in Verruf kommt, so dass ich ein gutes Vorbild für den christlichen Glauben sein kann? Egal, was wir tun, unser Hauptjob ist, ein gutes Beispiel für den christlichen Glauben zu sein. So viel an uns liegt, sollen wir einen guten Eindruck für das Evangelium hinterlassen.

Der doppelte Lohn

Zum Schluss macht Paulus noch eine sehr interessante Bemerkung. Ihr könnt sicher sein, dass jeder, der Gutes tut, vom Herrn dafür belohnt wird, ob es sich nun um einen Sklaven handelt oder um einen freien Menschen. Das ist eine allgemeine Bemerkung, die sowohl für Sklaven als auch für die Herren gilt. Sie gilt für jeden, der irgendetwas Gutes für Gott tut.
Betrachten wir diese Bemerkung im Zusammenhang mit der Arbeit, wird deutlich, dass Christen eigentlich Doppelverdiener sind. Einerseits bekommen sie einen Lohn von ihrem Arbeitgeber. Mit diesem Lohn kann ich meine Krankenkasse bezahlen, ich kann meine Miete bezahlen, ich kann Benzin bezahlen, Essen, alles. Und wenn der Lohn hoch genug ist, kann ich sparen. Dann kann ich mir vielleicht auch ein schönes Auto kaufen, vielleicht reicht es sogar für ein Haus. Das ist der Lohn, den jeder Arbeitnehmer bekommt.
Aber jetzt gibt es noch einen zweiten Lohn. Diesen Lohn bekommen wir von Gott nicht für unsere Arbeit, sondern für unser Verhalten, dafür, dass wir ihm treu sind, auch an unserer Arbeitsstelle. Das ist ein Weg, wie wir uns Schätze im Himmel sammeln können, denn Jesus fordert uns ja dazu auf: Sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen.
So sind Christen die cleveren Doppelverdiener. Zweimal bekommen wir Lohn, und Paulus ist felsenfest davon überzeugt, dass wir, wenn wir unsere Arbeit als Gottesdienst verstehen und uns dementsprechend verhalten, im Himmel Schätze sammeln. Den Kolossern schreibt er im gleichen Zusammenhang: Ihr könnt sicher sein, dass ihr von Jesus einen Lohn bekommt, das Erbe, das er im Himmel für euch bereithält.
Dieser Gotteslohn, der immer etwas abschätzig belächelt wird – ihr macht so viel Gotteslohn, der wird immer ein bisschen belächelt –, ist viel wichtiger als dieser Lohn hier. Denn alles, was ich mir mit diesem Lohn kaufen kann, werde ich verlieren, spätestens wenn ich sterbe. Dann kann ich das schönste Haus bauen, das beste Auto der Welt haben, das grösste Konto ansammeln. Es wird für mich nicht mehr relevant sein, wenn ich sterbe.
Deshalb ist der Gotteslohn ein viel wichtigerer Lohn. Auf den habe ich jetzt zwar keinen Zugriff, aber das kommt dann schon noch. Das ist ein bisschen wie die Pensionskasse: Auf die habe ich jetzt auch noch keinen Zugriff, aber in zwei Jahren, in zweieinhalb Jahren, da muss ich auch warten. Aber hier habe ich keinen Zugriff, noch nicht!
Für diesen Gotteslohn lohnt es sich allemal, einen schwierigen Chef zu ertragen und ihm trotzdem freundlich zu begegnen.

Ermutigung zum Durchhalten

Lassen wir uns also nicht davon abbringen und achten wir darauf, dass unser ganzes Leben ein Gottesdienst ist. Paulus ermutigt die Korinther folgendermaßen: Lasst euch durch nichts vom richtigen Weg abbringen, setzt euch unaufhörlich und mit ganzer Kraft für die Sache des Herrn ein. Ihr wisst ja, dass das, was ihr für den Herrn tut, nicht vergeblich ist. Ihr wisst, dass ihr einen Lohn bekommt, den ihr jetzt noch nicht abheben könnt, aber für den es sich lohnt, sich zu investieren.
Die meisten von uns konnten ihren Beruf selbst wählen. Vielleicht gibt es noch einige ältere Geschwister unter uns, die diese Möglichkeit noch nicht hatten. Da hat man einfach gelernt, was gerade möglich war, oder konnte nicht einmal etwas lernen. Doch die meisten von uns sind in einer Gesellschaft aufgewachsen, die es uns ermöglicht, eine Ausbildung entsprechend unseren Interessen und Begabungen zu machen. Dafür sollten wir eigentlich wirklich dankbar sein.
Doch weil das für uns selbstverständlich geworden ist und wir uns das gar nicht mehr anders vorstellen können, stehen wir in der Gefahr, dass wir die Einstellung haben, dass sich das Leben immer um mein persönliches Wohlergehen drehen muss. Das gilt auch an der Arbeitsstelle. Wenn ich eine unangenehme Situation habe, einen unangenehmen Chef, dann ist das nicht in Ordnung. Dann habe ich den Eindruck, ich muss mich sofort wehren, ich muss sofort für Gerechtigkeit mir gegenüber eintreten, weil das nicht in Ordnung ist. Das darf man mir nicht antun.
Nun, ich kann mir gut vorstellen, dass uns Paulus deshalb genau das sagen würde, was er schon den Ephesern sagte: Erfüllt eure Aufgabe bereitwillig mit Freude, denn letztlich dient ihr nicht Menschen, sondern dem Herrn. Lasst euch nicht so schnell runterdrücken, seid nicht so empfindlich, arbeitet für den Herrn und konzentriert euch darauf, gute Vorbilder für die Botschaft des Evangeliums zu sein. Ertragt es auch einmal, wenn euer Chef schlecht gelaunt ist. Vergesst nie, dass euer Chef auch ein Mensch ist und er, wenn er nicht schon Christ ist, die Erlösung durch Jesus Christus dringend braucht. Und er soll auf das Evangelium aufmerksam werden, wenn nicht durch euch.
Vergesst nie, dass dein ganzes Leben, also auch dein Berufsleben, ein Gottesdienst ist. Und freue dich darüber, dass du zu den cleveren Doppelverdienern gehörst, nämlich dem Lohn eines Arbeitgebers, je höher, desto besser. Aber der beste Lohn ist der von Gott. Und den kann dir niemand wegnehmen.
Paulus war bereit, in seinem Leben viele Unannehmlichkeiten zu ertragen. Das konnte er, weil er sein Ziel nie aus den Augen verloren hatte. Er wusste genau: Um diesen Lohn geht es schlussendlich. Den Christen in Philippi schreibt er: Ich laufe mit ganzer Kraft dem Ziel entgegen, um den Siegespreis zu bekommen, den Preis, der in der Teilhabe an der himmlischen Welt besteht, zu der uns Gott durch Jesus Christus berufen hat. Den Preis, der in der Teilhabe an der himmlischen Welt besteht.

Schlussgebet

Ich bete mit uns. Ich möchte dir danken, Vater, für diesen großen Reichtum, den du in unser Leben hineingelegt hast. Einerseits dadurch, dass wir erlöst sind und ewiges Leben bekommen haben. Und andererseits dadurch, dass du uns sogar jetzt, während wir leben, einen Lohn in der Ewigkeit anhäufst. Du ermutigst uns so, auch wirklich darauf zu achten, was wichtiger ist und was mehr zählt.
Wir stehen oft in der Gefahr, uns von unserem Wohlstand irritieren zu lassen. Und wir meinen oft, dass das, was wir hier alles bekommen, viel wichtiger sei. Aber das Wichtigste ist das, was du gibst: das, was unvergänglich ist und ewigen Bestand hat. Dafür möchte ich dir danken. Amen.