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DARUM BRAUCHEN WIR BEKENNTNISSE

MIT PAUL KOCH
22.08.2025

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Einführung in das Thema christliche Bekenntnisse und Katechismen

Heute beschäftigen wir uns mit einem Thema, mit dem sich heutzutage vermutlich eher wenige Christen, vor allem Evangelikale, auseinandersetzen. Die Rede ist von christlichen Bekenntnissen und Katechismen.

Das klingt zunächst vielleicht langweilig, ist aber genau das Gegenteil. Christliche Bekenntnisse und Katechismen sind auch heute noch ein wichtiger Bestandteil, um als Christ gesund zu wachsen.

Um das deutlich zu machen, habe ich einen tollen Gast eingeladen: Paul Koch. Paul ist Theologe und Pastor der bekannten evangelisch-reformierten Gemeinde Kurzberg im niedersächsischen Nordhorn, die sich noch in ihrer Gründungsphase befindet. Er ist Familienvater und war einige Jahre als Jugendreferent in der Sankt-Martini-Gemeinde Brehm sowie als Jugendevangelist beim Evangelisationsteam tätig.

Paul ist gelernter Maurer und hat im Anschluss an seine Lehre evangelische Theologie am Seminar für biblische Theologie Beatenberg in der Schweiz sowie am Martin-Butzer-Seminar studiert. Außerdem ist er Mitglied des Leitungskreises der Plattform Josiah Truth for Youth, einem Arbeitszweig von Evangelium 21, der sich für die Verbreitung des Evangeliums und für junge Menschen einsetzt.

Zudem verbreitet Paul theologische und evangelistische Inhalte auf seinem YouTube-Kanal, den wir euch unter diesem Video verlinken.

Paul brennt wirklich für den Herrn und sein Wort. Deshalb lasst uns hören, was er uns zum Thema Bekenntnis und Katechismus zu sagen hat.

Herausforderungen der heutigen Christenheit und die Bedeutung von Glaubenswissen

Ja, herzlich willkommen, lieber Paul. Ich freue mich, dass du heute hier mein Gast bist. Wir haben ein wirklich spannendes Thema, und du hast da viel zu sagen. Ich starte gleich mit der ersten Frage.

Wir sind ja beide jetzt nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht ganz alt. Wenn du auf unsere Generation schaust oder auf die jüngere Generation – oder wir fassen es ganz allgemein auf die aktuelle Christenheit – was würdest du sagen, was ist ein Schwachpunkt in unserer Christenheit heute?

Du hast das ja eigentlich schon ganz gut zusammengefasst. Wir sind so die Trennlinie zwischen der ganz jungen und vielleicht der ganz alten Generation. Ich komme viel herum, und was ich ganz stark erlebe, ist, dass heute kaum noch bekannt ist, was geglaubt wird, was wir als Christen, als Kinder Gottes, als Gemeinde glauben, und warum wir etwas glauben.

Ich fand den Einstieg überraschend spannend, diese Trennung zu ziehen. Denn ich glaube, dass wir häufig dazu tendieren zu sagen: Da ist die junge Generation, die Jugendlichen, und die haben ihre großen Kämpfe und Herausforderungen. Ja, das ist irgendwo der Fall, garantiert. Aber ich glaube, dass sie eigentlich nur ein Spiegelbild dessen sind, was in der Generation oder in den Generationen vorher ungünstig oder sogar schiefgelaufen ist.

Das, was vorher in den Generationen nicht beachtet wurde, wo die Herausforderungen da waren in der Gemeinde, das überträgt sich natürlich auf die nächste Generation. Am Ende ist das nur das Ergebnis, das jedoch die gesamte Kultur und das gesamte Gemeindeleben betrifft.

Genau. Aber es ist eben dieser Punkt: Was glauben wir eigentlich und warum glauben wir etwas? Ganz pauschal sagen wir: Wir glauben an Jesus, er ist am Kreuz gestorben und auferstanden. Die Basics kann man benennen, klar. Aber warum sind diese Dinge notwendig? Was bedeuten sie ganz praktisch für mein Glaubensleben?

Wo gibt es Dinge, bei denen ich Abstriche machen kann – also im Sinne von: Das ist vielleicht jetzt nicht ganz relevant für das Gemeindeleben oder nicht heilsnotwendig – und auch Dinge, an denen ich auf keinen Fall rütteln darf?

Ich habe heute Morgen, als ich mit meiner Tochter gefrühstückt habe, ihr noch einmal ein gutes Buch zur Hand genommen: Gavin Orland, „Wofür es sich zu kämpfen lohnt“. Dort greift er genau diese Frage im Grunde noch einmal auf.

Er sagt, dass viele Fehler gemacht werden – im Gemeindeleben und im persönlichen Leben – und dass wir oft dazu tendieren, wenn wir auf der einen Seite Fehler, Schwierigkeiten und Herausforderungen im Glaubensleben sehen, auf der anderen Seite Fehler zu machen.

Er zitiert Richard Baxter und spricht in diesem Zusammenhang von einem theologischen Minimalismus, der heute besonders bei der jungen Generation zu beobachten ist. Er vergleicht das mit der Situation vor 400 Jahren, als Leute teils ertränkt wurden, wenn sie zum Beispiel in der Taufrage eine andere Meinung hatten.

Heute hingegen schaudern wir darüber und fragen uns, wie das möglich war. Gleichzeitig tendieren wir heute zum anderen Extrem und haben oft die Meinung: Wenn jemand sagt, er glaubt an Jesus und nennt seinen Namen, dann ist alles wunderbar, und alles andere stellen wir gar nicht infrage.

Natürlich wissen wir pauschal, was der Glaube ist und worauf er gründet. Aber die Details, das Glauben auch verteidigen und begründen zu können, das ist meiner Meinung nach nicht nur in den letzten zehn oder zwanzig Jahren, sondern schon in den letzten hundertfünfzig Jahren zunehmend verloren gegangen.

Heute sehen wir eine große Auswirkung davon.

Spannend! Liest du das Buch dann auch deiner Tochter vor oder hast du es für dich selbst gelesen?

Für eine zweieinhalbjährige ist das, glaube ich, noch nichts. Manchmal murmle ich es vor mir hin. Aber auf jeden Fall ist es ein wertvolles Buch.

Historische Entwicklung von Bekenntnissen in der Gemeinde

Sehr gut, vielen Dank. Nun kennen wir das Problem. Die Frage ist: War das schon immer so in der Christenheit? Was können wir heute, die Christenheit von heute, von den Christen aus vergangenen Jahrhunderten lernen, insbesondere aus der Kirchengeschichte?

Wenn wir in die Bibel schauen, sehen wir bereits die Herausforderungen, die in der Gemeinde vorhanden waren. Ich glaube, diese Herausforderungen haben sich in den letzten zweitausend Jahren nicht groß verändert. Interessant ist nur die Reaktion auf solche Herausforderungen. Wenn eine Gemeinde vor Schwierigkeiten stand – sei es von außen oder innerhalb der Gemeinde –, gab es Kämpfe, unglaubenstechnische Herausforderungen, Streitigkeiten und Konflikte.

Die Reaktion der Gemeinde darauf war immer wieder ähnlich: Es wurden Bekenntnisse geschrieben. Das sind schriftlich verfasste Dokumente, in denen klar und heruntergebrochen festgehalten wird, was genau geglaubt wird.

Heute ist es in der Gemeindelandschaft nicht so, dass das Bekenntnis des Glaubens grundsätzlich in Frage gestellt wird. Es wird nicht bestritten, dass man seinen Glauben bekennen soll. Allerdings wird kritisch betrachtet, ob es nötig ist, solche schriftlich verfassten Dokumente zu haben, die den Glauben systematisch zusammenfassen. Dokumente, in denen klar steht: Das glauben wir, und das glauben wir nicht.

Genau das haben wir immer wieder beobachtet – in der Bibel, in der frühen Kirche und ganz stark in der Reformationszeit. Auch darüber hinaus hat sich die Gemeinde immer wieder hingesetzt und den Glauben systematisch zusammengefasst.

Bekenntnisse und das Prinzip „Sola Scriptura“

Du hast gerade die Reformationszeit benannt, und ein Eckpfeiler der Reformation war ja Sola Scriptura, das Motto „allein die Schrift“.

Nun nehme ich heutzutage wahr – ich weiß nicht, wie du das wahrnimmst, das wäre jetzt meine Frage an dich –, dass gerade auch in evangelikalen Kreisen, in freikirchlichen Kreisen, wo wir uns ja auch viel aufhalten, Bekenntnisse doch auch kritisch beäugt werden.

Wie nimmst du das wahr? Schließen sich Sola Scriptura und Bekenntnisse einander aus, weil ja immer gesagt wird: allein die Schrift, allein die Schrift? Was denkst du dazu?

Ja, also Sola Scriptura steht natürlich darüber, dass das, wozu wir uns bekennen, allein die Schrift ist. Sie ist allgenügsam, sie ist ausreichend, das ist das Fundament, auf dem wir stehen.

Interessant ist ja, dass zu keiner Zeit so viele Bekenntnisse geschrieben wurden wie in der Reformationszeit und vor allem in der Generation danach. Das sind die Zeiten gewesen in den letzten 2000 Jahren, in denen die meisten Bekenntnisse verfasst wurden.

Bei den Reformatoren war es so: Bei all dem, wovon sie sich ganz klar distanziert haben, zum Thema katholische Kirche, war es ja so, dass die katholische Kirche ganz stark die Tradition und die Bibel auf eine eigene Stufe gestellt hat. Das war die große Herausforderung. Die Reformatoren sagten: So funktioniert es jetzt nicht, wir müssen zurück zu den Wurzeln, zurück eben zur Schrift.

Sie haben ganz viel abgelehnt, was die Kirche gemacht hat, haben vieles in Frage gestellt und kritisiert. Was sie allerdings nicht abgelehnt haben, waren die Bekenntnisse. Die Bekenntnisse haben sie im Grunde genommen einfach nur ins richtige Licht gerückt.

Die Begründung war am Schluss: Bekenntnisse sind wahr, gut, richtig und notwendig für die Gemeinde, weil und insofern sie dem Wort Gottes entsprechen.

Bekenntnisse sind also nicht irgendwelche theologischen Überzeugungen neben der Bibel, sondern systematische Zusammenfassungen des Wortes Gottes. Das hat einen ganz einfachen Grund, den ich gerade schon angedeutet habe: Wir wissen nicht mehr genau, was wir glauben und warum wir etwas glauben.

Die Bibel ist nicht so aufgebaut, dass ich dir sagen kann: „Hier, schlag Psalm 17 auf, und da liest du alles über Gott, wer Gott in seiner Person und seinem Wesen ist, was er macht, sein ganzes Heilshandeln.“ Oder: „Schlag 3. Mose 34 auf, und da liest du alles über den Menschen in seiner ganzen Sündhaftigkeit und Verlorenheit.“

So ist die Bibel nicht aufgebaut. Gott hat sein Wort in die Geschichte, in Raum und Zeit hineingeschrieben, vor allem in Form von Geschichten. Wir haben verschiedene literarische Formen, sei es das Poetische oder das Prophetische, aber keine systematischen Zusammenfassungen.

Von der ersten bis zur letzten Seite lesen wir vom Heilshandeln Gottes. Ebenso lesen wir von der ersten bis zur letzten Seite, wie Gott ist, was Gemeinde ausmacht und wie es mit dem Thema Heiligung aussieht.

Und genau das tun Bekenntnisse: Sie fassen diese ganzen Themen systematisch zusammen. Das ist das, was die Reformatoren gemacht haben, und das ist auch das, was die Kirchenväter gemacht haben.

Dort, wo Irrlehren auftraten, haben sie reagiert. Ganz am Anfang entstanden die altkirchlichen Bekenntnisse: das apostolische Glaubensbekenntnis, das nicäische, das athanasische, das chalcedonische. Das sind die ganz zentralen Bekenntnisse, die entstanden, als falsche Lehren in die Gemeinde kamen.

Dann wurde geprüft, was das Wort Gottes als Ganzes zum Thema sagt: „Ist Jesus Mensch? Ist Jesus Gott?“ Daraufhin wurde sich positioniert, um falschen Lehren entgegenzutreten.

Das Spannende ist, dass wir genau das auch in der Bibel finden. In Apostelgeschichte 15 zum Beispiel gab es eine Situation in der Gemeinde in Antiochia, wo es Schwierigkeiten gab. Paulus und Barnabas wurden mit einigen anderen Männern dorthin geschickt. Sie bekamen einen Brief mit, der Bekenntnischarakter hatte, also eine Art Bekenntnis, das der Gemeinde mitgegeben wurde. Dort wurde zu einem bestimmten Thema Stellung genommen, weil es Konflikte in der Gemeinde gab.

Oder im Römerbrief Kapitel 16 finden wir die sogenannte Lehre der Apostel in einem ähnlichen Kontext. Dort sind Irrlehren aufgetreten, und der Apostel mahnt, an der Lehre, die ihr gelernt habt – also an der Lehre der Apostel – festzuhalten.

Offensichtlich gab es auch zur Zeit des Neuen Testaments, als das Ganze verfasst wurde, eine anerkannte und bekannte Lehre der Apostel.

Ähnlich sehen wir es im Timotheusbrief. Dort sagt Paulus an einer Stelle, dass Timotheus, der junge Pastor, am Muster der gesunden Worte festhalten soll.

Was ist das? Natürlich erst einmal das Evangelium als solches, aber darüber hinaus die gesamte biblische Lehre. Es gab offensichtlich ein bekanntes „Okay, das glauben wir“. Und daran soll Timotheus, so ermahnt Paulus, festhalten.

„Halte daran fest, das ist wichtig für deinen Glauben und deinen Gemeindedienst.“

Offensichtlich haben wir in der Bibel nicht einen Satz, der sagt: „Das ist jetzt folgendes Bekenntnis, und das glauben wir jetzt alle gemeinsam noch mal“, weil die Bibel als Ganzes so aufgebaut ist, dass wir auf jeder Seite etwas von Gott, von der Sünde und von Menschen lesen.

Aber es gibt zwischendrin Hinweise darauf, dass es bekannte Bekenntnisse gab. Und es gibt einige Stellen, die eine Art Bekenntniskarakter haben.

Ganz bekannt ist zum Beispiel Philipper 2, dieser Christus-Hymnus, Verse 5 bis 11. Anhand des Sprachgebrauchs des Apostels sieht man, dass das nicht sein eigener Stil ist. Was dort geschrieben steht, ist vielleicht ein Gedicht oder Lied aus der damaligen Zeit, das die Gemeinde gesungen hat. Es ist aber zumindest ein Bekenntnis, das in seinen Brief hineingelegt wurde.

Es gibt noch ein, zwei andere Stellen, wie den zweiten Timotheusbrief 3,16, wo sich zur Autorität des Wortes positioniert wird.

Wir finden also einige Stellen in der Bibel, die deutlich aufzeigen, dass Bekenntnisse nicht einfach tiefgründige theologische Überzeugungen sind, sondern tief im Wort Gottes verankert sind.

Gründe für die heutige Skepsis gegenüber Bekenntnissen

Ja, vielen Dank, Paul, dass du uns auch schon sozusagen mit in die Bibel hineingenommen hast und gezeigt hast, was die Bibel zu diesem Thema sagt. Dennoch werden Bekenntnisse heutzutage, obwohl manche Leute sie vielleicht kennen, oft skeptisch betrachtet. Sie sind nicht mehr so populär wie in den Jahrhunderten zuvor. Was denkst du, woran das liegt?

Ich stimme dir da voll zu. Diese gesamte Thematik widerspricht vollkommen der Kultur, in der wir heute leben. Wir haben heute dieses „Wir wollen frei sein, wir wollen selbst bestimmen“. Das steht grundsätzlich konträr zu dem, was den biblischen Glauben ausmacht und beinhaltet.

Ein einfaches Beispiel: Wir haben heute einen sehr gefühlsbetonten Glauben. Wahr ist eben nicht das, was das Wort Gottes sagt, nicht die Wahrheiten der Bibel, die ich morgens beim Aufschlagen lesen kann oder die ich in Predigten höre. Wahr ist, was mein Gefühl mir sagt.

Wir haben natürlich alle irgendwo mit der Sünde zu kämpfen, und wir sind in der Heiligung herausgefordert. Wenn wir dann aber feststellen, dass unser Leben nicht dem Wort Gottes entspricht, stellen wir plötzlich die Liebe Gottes in Frage. Nach dem Motto: „Gott kann mich gar nicht lieben, so wie ich lebe.“ Da kommt auch ein werksgerechtes Denken hinzu.

Aber vor allem ist es das gefühlsbetonte Denken: Ich habe eine gewisse Vorstellung von Glaubensleben. Wenn mein Leben nicht zu meinem Verständnis vom Wesen Gottes passt, also wenn ich mich aufgrund meines Lebens nicht von Gott geliebt fühle, dann kann Gott mich auch nicht lieben. Ich schaue nicht in die Bibel und schlage Johannes 3,16 auf: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eigenen Sohn gab.“ Gott hat seine Liebe bereits bewiesen, er hat sie verschriftlicht. Ich kann das nachlesen und sagen, das ist die Wahrheit in meinem Leben, das nehme ich an.

Stattdessen frage ich: Fühle ich mich geliebt? Wenn nicht, dann liebt mich Gott auch nicht.

Ein weiteres großes Thema ist die Vergebung. Vergebung ist heute etwas ganz Zentrales. Wir sollen einander vergeben. Jesus lehrt uns das, sogar im Vaterunser. Trotzdem vergeben wir oft nicht wirklich. Wir können zwar vom Kopf her vergeben haben, Gott um Kraft gebeten haben, aber das Gefühl der Vergebung kommt oft erst viel später. Der Schmerz bleibt manchmal über Monate oder Jahre real.

Wir haben eben einen gefühlsüberbetonten Glauben. Wir schauen nicht darauf, was Gott in seinem Wort sagt. Jesus selbst sagt: „Ich bin die Wahrheit, mein Wort ist Wahrheit.“ Das ist die letztgültige Autorität in meinem Leben. Ich schaue einfach hinein.

Das ist, glaube ich, eine Skepsis, die heute da ist: Ich und mein Gefühl bestimmen meinen Glauben.

Nicht nur das, wir haben auch große Schwierigkeiten mit Autoritäten. Bekenntnisse verlangen eine gewisse Autorität – genauso wie das Wort Gottes selbst, das die höchste Autorität ist. Bekenntnisse fassen diese Autorität zusammen.

Kulturell haben wir das in unserem Land, gerade seit der 68er-Revolution, erlebt. Autoritäten sind nicht nur überflüssig geworden, sondern etwas Schlechtes. Das gilt nicht nur für die Bibel, sondern auch für die Gesellschaft: Politiker, Polizisten, alles, was mit Autorität zu tun hat. Selbst Eltern – obwohl die Bibel klare Autorität in der Familie festlegt – und Älteste in der Gemeinde werden oft negativ gesehen.

Warum sollte also eine Art Bekenntnis oder die Bibel als solche Autorität über mein Leben sein und festlegen, was in meinem Leben gilt und was ich glaube? Ich will mich selbst verwirklichen. Darum geht es heute. Und hier sind wir wieder bei dem Thema: Ich sage selbst, ich bin der, der im Glauben ist. Und das darf heute nicht mehr kritisiert werden.

Politisch sehen wir: Wenn du dich zu einer Sache positionierst, die nicht dem Mainstream entspricht, dann bist du schnell der Böse.

Das ist auch bei Bekenntnissen so. Wenn ich sage: „Das glaube ich“, zum Beispiel dass Gott dreieinig ist oder dass Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist, dann positioniere ich mich. Ich lege mich fest und sage damit auch, dass ich anderes nicht glaube.

Wenn jetzt jemand sagt: „Ich glaube nicht an die Dreieinigkeit Gottes“, dann grenze ich mich ab.

Ich glaube, das ist ein großer Punkt, der heute eine Herausforderung in unserer Gesellschaft darstellt: sich bewusst zu distanzieren. Nicht aus Überheblichkeit, sondern weil die Autorität, die über unserem Leben steht, das Wort Gottes ist. Das Wort Gottes macht deutlich, was wir zu glauben haben, und daran binden wir uns auch ein Stück weit.

Diese Grenzsetzung sehen wir auch in der Bibel. Gott selbst setzt Grenzen: zwischen Land und Wasser, zwischen den Geschlechtern, zwischen den Tierarten. Gott hat Grenzen gesetzt, auch im Besitz.

Du hast ein eigenes Haus, ich habe meines. Deshalb sind wir aufgefordert, gastfreundlich zu sein. Gott hat uns ein gewisses Budget, Finanzen, anvertraut. Deshalb sind wir aufgefordert, zu spenden.

Es ist eine Grenze: Nicht jeder kann einfach in fremde Häuser gehen oder über unsere Konten verfügen. Wir sind aufgefordert, aus Liebe zu spenden, weil eine Grenze da ist.

Diese Grenzen sind etwas Positives. Grenzen schützen unsere Ehen, weil klar ist, wo die Grenze ist – zum Beispiel beim Thema Ehebruch oder bei allem, was Gerechtigkeit betrifft. Dort gibt es klare Grenzen.

Wunderbar ist: Hätten wir keine Grenzen, gäbe es keinen Schutz, weil es keinen Maßstab gäbe.

Und genau das erleben wir heute: eine totale Entgrenzung aller Dinge. Es darf keine Grenzen mehr geben.

Wenn eine Gemeinde nun sagt: „Wir haben Bekenntnisse, wir setzen Grenzen“, dann wird das oft als „sehr traditionell“ oder „die ganz besonders Frommen“ abgetan.

Dabei war es auch in der Bibel so, dass klar bekannt war, wer zur Gemeinde gehört und wer nicht. Das ist ein anderes Thema, aber gehört zum Thema Bekenntnis dazu: Gemeindemitgliedschaft.

Wer gehört zur Gemeinde und wer nicht? 1. Johannes 4,2-3 sagt: Wer an Jesus Christus glaubt und sich zu ihm bekennt, ist aus Gott; wer es nicht tut, ist nicht aus Gott. Das ist eine klare Grenze: Wer ist drinnen, wer ist draußen?

Das klingt radikal, und das ist es auch. Aber es muss so sein, wenn man sich anschaut, wer Gott in seinem Wesen ist und was das Evangelium ausmacht. Gott ist ein gnädiger Gott, und alle sind gerufen. Aber es ist keine billige Gnade.

Daraus ergeben sich viele praktische Themen, aber Grenzen sind auch eine Herausforderung.

Eine andere Sache, die mir einfällt, ist das Thema Verbindlichkeit. Wenn wir uns zu einer Sache bekennen und sagen: „Daran glaube ich“ oder wenn ich in eine Gemeinde gehe, die Bekenntnisse hat, dann binde ich mich auch ein Stück weit.

Ich binde mich an die Gemeinde – was etwas ganz Positives ist. Aber Verbindlichkeit ist auch ein Punkt, der gerade für junge Generationen schwierig ist.

Sie wollen flexibel bleiben. Fobo – die Angst, eine bessere Option für den Freitagabend oder Sonntagvormittag zu verpassen. Warum sich in der Gemeinde festlegen?

Bei Bekenntnissen ist es so, dass sie auch eine gewisse Festlegung bedeuten. Sie sagen, was Gemeinde ausmacht, was Gemeindeleben bedeutet.

Wenn ich alles offenlasse, klingt das auf den ersten Blick nach einer wunderbaren Willkommenskultur. Ich glaube, das ist auch der Hintergedanke vieler Gemeinden, die keine klaren Bekenntnisse haben oder nur ganz pauschale. Sie wollen eine große Willkommenskultur schaffen, in der jeder willkommen ist.

Gleichzeitig ist es so: Wenn wir Bekenntnisse in der Gemeinde haben, dann legen wir unseren Glauben transparent offen. Wir zeigen: Das ist das, was wir glauben, das sind die zentralen Themen.

Der, der auf Gemeindesuche ist, kann schauen, ob das mit seiner Bibelauslegung und seinem Verständnis übereinstimmt. Das hilft, viele Missverständnisse später zu vermeiden und schützt die Gemeinde.

Ich glaube, die Skepsis gegenüber Bekenntnissen ist unterschiedlich begründet. Vor allem aber kommt sie vom heutigen individualistischen Denken: Ich und mein Jesus, ich bestimme, was ich glaube und wie ich es glaube.

Wenn wir in die Bibel schauen, sehen wir, dass dieses Denken auch mit Kultur zu tun hat. Früher war das kollektive Denken viel stärker, das gemeinschaftliche. Mein Glaube entsprang der Gemeinde, alles fokussierte sich auf die Gemeinde.

Das ist in den letzten Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten stark verloren gegangen. Daraus ergibt sich die begründete Skepsis gegenüber Bekenntnissen heute.

Die Notwendigkeit von Bekenntnissen für Gemeinde und Glauben

Stellen wir uns vor, du sitzt mit einem Skeptiker, vielleicht sogar einem Pastor, bei einem Kaltgetränk. Er fragt dich: Warum brauche ich ein Bekenntnis für meine Gemeinde? Oder warum brauchen wir Bekenntnisse überhaupt?

Ich würde kurz und knapp antworten: Bekenntnisse sind notwendig, weil sie den Glauben zusammenfassen. Wenn jemand neu zum Glauben kommt, möchte er wissen, was wir eigentlich glauben und was uns ausmacht. Nach einer Bekehrung und einer Umkehr zu Jesus Christus stellt sich die Frage: Was macht mein Glaube jetzt aus?

Die Bibel ist umfangreich, das Alte und Neue Testament enthalten viele Texte. Dabei ist nicht immer klar, was für uns heute relevant ist. Hier helfen Bekenntnisse, denn sie fassen den Glauben systematisch zusammen. So weiß ich genau, was ich über Gott und den Glauben wissen muss. Verschiedene Punkte werden klar benannt und strukturiert dargestellt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Bekenntnisse den Glauben verteidigen. Gerade gegenüber falschen Lehren ist das entscheidend. Wenn wir nicht wissen, was wir glauben und warum, mag das eine Zeit lang gut gehen. Doch sobald jemand mit biblischen Argumenten und passenden Bibelversen kommt, können wir schnell ins Wanken geraten. Das ist eine große Herausforderung, besonders im medialen Zeitalter.

Wir werden mit vielen unterschiedlichen Lehren konfrontiert, die oft überzeugend, fromm und nett klingen. Bekenntnisse helfen uns, unseren Glauben zu schützen, weil sie klare Grenzen setzen: Das glaube ich, und das nicht. So sind sie ein wichtiges Verteidigungsmittel für den Glauben.

Ein dritter Punkt, der betont werden muss, ist: Bekenntnisse sind auch Anbetung. Was ist Anbetung? Anbetung bedeutet, die Wahrheiten Gottes auszusprechen – sei es in einem Lied oder in einem Glaubensbekenntnis, das die Gemeinde gemeinsam am Sonntag bekennt.

Wenn ich sage: „Ich bekenne, Gott ist heilig, gerecht und der Erlöser“, dann bekenne ich mich zu den biblischen Wahrheiten. Das ist Anbetung. Es ist wunderbar, dies zu sehen: Wir können Bekenntnisse nehmen und damit direkt Gott anbeten.

Man kann ein Bekenntnis morgens oder abends lesen, die entsprechenden Bibelstellen dazu aufschlagen – viele Bekenntnisse enthalten Fußnoten mit den biblischen Grundlagen. Dann staunt man: Das ist der lebendige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der geboren wurde von der Jungfrau Maria. Das erfreut und stärkt den Glauben.

Darüber hinaus verbinden uns Bekenntnisse auch mit der Kirche aller Zeiten. Sie helfen, uns vom individualistischen Denken zu lösen und uns bewusst zu machen: Vor zweitausend, vor dreitausend Jahren gab es schon Christen, die sich zu bestimmten Kernthemen klar positioniert haben – basierend auf den Wahrheiten des Wortes Gottes.

So verbinde ich mich mit dieser historischen Kirche. Ich sage nicht: Ich bestimme allein über mein Glaubensleben und was mich ausmacht. Sondern: Diese Wahrheiten haben Christen vor 2000 oder 3000 Jahren geglaubt. Und wenn wir in der Ewigkeit sind, werden wir uns an genau diesen Dingen freuen, die wir hier schon gemeinsam bekennen konnten.

Ich stimme dir voll zu, besonders was das Thema Anbetung angeht. Es gibt nichts Schöneres, als sich mit Theologie und Wahrheit zu beschäftigen, darüber nachzudenken und Gott damit die Ehre zu geben. Bekenntnisse sind für mich ein großer Schatz geworden. Besonders die Bibelstellen zur Hand zu haben und nachzulesen, ist eine große Bereicherung.

Danke dir dafür!

Bekenntnisse als Einheitsschaffende und kulturelle Herausforderung

Ich glaube, mein Empfinden ist zumindest, dass es tatsächlich noch eine gewisse Skepsis gegenüber Bekenntnissen gibt. Das liegt möglicherweise daran, dass manche Pastoren, Gemeindeleiter oder Älteste befürchten, dass Bekenntnisse zu einer Trennung führen könnten. Du hast vorhin auch von Grenzen gesprochen und so weiter.

Was denkst du: Sind Bekenntnisse eher etwas Trennendes oder eher etwas Einheitsschaffendes?

Absolut etwas Einheitsschaffendes. Das hat ja schon Römer 16 erwähnt. Dort geht es um Lehren, die von außerhalb der Gemeinde kamen oder zum Teil auch aus den eigenen Reihen. Was wir in der Bibel sehen, ist, dass Einheit in der Lehre immer zur Einheit in der Gemeinde führt. Wenn eine Gemeinde ganz klar weiß, was sie gemeinsam glaubt, dann führt das immer, immer, immer zur Einheit und zur Stärkung der Gemeinde.

Ich denke, was wir bei diesem ganzen Thema vor Augen haben müssen, ist noch ein weiterer Punkt: Jeder hat seine Bekenntnisse. Selbst die Ungläubigen, also Menschen, die sich nicht zu Christus bekennen, haben ihre Bekenntnisse. In der Welt werden diese eher als Glaubenssätze bezeichnet. Zum Beispiel: Ich habe meine Glaubenssätze über mein Leben, meine Ziele und das, was ich erreichen möchte. Selbst ein Atheist hat Glaubenssätze über Gott – nämlich den Glauben, dass es Gott nicht gibt.

Jeder hat also Glaubenssätze, und auch jede Gemeinde hat ihre eigenen Bekenntnisse. Darauf weise ich immer wieder hin. Der Unterschied ist am Ende nur, ob eine Gemeinde schriftlich verfasste Bekenntnisse hat oder ob die Bekenntnisse einfach nur in den Köpfen sind – im schlimmsten Fall nur in den Köpfen der Gemeindeleitung.

Das kann man ganz einfach ausprobieren: Man geht zur Gemeindeleitung und sagt zum Beispiel: „Jesus ist nicht Gott“ oder „Gott ist kein dreieiniger Gott“. Dann sieht man dankbarerweise ganz schnell, dass es Bekenntnisse gibt, Glaubenssätze, Dinge, bei denen wir sagen: Das ist das, was wir glauben.

Also: Jeder hat Glaubenssätze, jeder hat Bekenntnisse, und auch jede Gemeinde hat Bekenntnisse. Es hilft der Gemeinde als Ganzes, diese ganz transparent aufzuzeigen. Das ist besonders wichtig, wenn Irrlehren oder Schwierigkeiten in die Gemeinde hineinkommen. Dann braucht man genau das, um ganz klar zu wissen: Das ist das, was wir glauben, und so begründen wir es. Es ist wichtig, ein festes Fundament als Gemeinde zu haben. Jeder hat ein Bekenntnis, jeder hat eins.

Ich glaube, es hängt auch ein bisschen mit Demut zusammen, wenn wir noch einmal das Thema Skepsis betrachten. Heute gibt es eine gewisse Skepsis gegenüber dem Vergangenen. Wir halten uns für besonders groß, wir glauben, es besser zu wissen, weil wir im wissenschaftlichen Zeitalter leben. Aber es wäre gut, eine gewisse Demut zu haben und zu sagen: Nein, die Menschen, die Männer und Frauen, die uns vorangegangen sind, waren nicht dümmer als wir. Sie waren auch nicht kleinlicher als wir – ganz im Gegenteil.

Bekenntnisse sind aus einer gewissen Not heraus entstanden. Sie haben Begründungen. Sich jetzt gemeinsam darauf zu stellen und zu sagen: „Nur wir denken, das Vergangene, was sollen mir so alte Bekenntnisse von vor 500 Jahren heute noch sagen? Wir wissen doch jetzt besser, was Gott wirklich von uns will“ – das ist ein bisschen der Hochmut unserer Generation.

Ich glaube, wir tun gut daran, wenn wir alle sagen: Ein bisschen mehr Demut ist gut. Warum haben die Leute sich positioniert? Was ist gut daran? Und wo sollten wir es eben auch wieder neu tun?

Die Praxis von Bekenntnissen in Gemeinden heute

Ein wichtiger und tiefer Punkt von Paul: Hilf gern mit, dass mehr Menschen diesen Beitrag sehen. Wir haben dafür alles schon vorbereitet, damit du jetzt gern diese Glocke hier unten rechts unter diesem Video drücken kannst. Der Algorithmus erledigt dann den Rest. Vielen Dank an alle, die das machen.

Das ist auch eine schöne Wertschätzung für die Klarheit von Paul. Vielen Dank! Du bist ja auch Pastor und Gemeindegründer bei einer bekennenden evangelisch-reformierten Gemeinde. Ihr habt ja quasi das Bekennen schon in eurem Namen drin.

Als du das jetzt so erzählt hast, habe ich mir die Frage gestellt: Ist es eigentlich notwendig, dass jede Gemeinde ein eigenes ausgeschriebenes Bekenntnis hat, oder nimmt man einfach die von früher? Was sind da deine Gedanken?

Ich glaube, was gesund und gut ist – also genau, wir haben es bei uns im Namen drin, weil wir uns einmal damit zur Souveränität Gottes bekennen. Das heißt, zu dem, dass er sein Wort als völlig irrtumslos und unfehlbar geschrieben hat. Gleichzeitig betonen wir eben die Bekenntnisse.

Alles, was wir für unser Glaubensleben brauchen, was wir wissen müssen und warum wir es glauben müssen, haben wir im Wort Gottes drin. Ich sagte das bereits vorhin: Bekenntnisse wurden immer aus bestimmten Situationen herausgeschrieben. Das heißt natürlich am Ende auch, dass die Bekenntnisse, die wir schriftlich haben, als einzelne nie alles umfassen und nie alle Themen beinhalten.

Deswegen haben wir als Gemeinde natürlich die drei Formeln der Einheit als reformierte Gemeinde. Das heißt Heidelberger Katechismus, die Dortdter Synode und das niederländische beziehungsweise belgische Glaubensbekenntnis. Außerdem legen wir auch den Fokus auf die altkirchlichen Bekenntnisse.

Aus diesem Fundament heraus haben wir dann noch einmal ein Gemeindebekenntnis, in dem alles im Grunde zusammengefasst wird. Dort bekennen wir uns auch in der Ausdrucksweise dazu und distanzieren uns von bestimmten Dingen. Das soll es für die Gemeinde noch greifbarer machen, weil die Bekenntnisse, die wir haben, ganz unterschiedlich aufgebaut sind.

Dazu kommt eben noch einmal die Betonung: Die Heilige Schrift, das Wort Gottes, ist die höchste Autorität. Bekenntnisse gehen natürlich niemals darüber hinaus, sondern fassen nur das zusammen. Sie müssen aber zum Teil an kulturelle Geschehnisse angepasst werden.

Wir haben das kürzlich noch einmal gemacht, um uns auch zu positionieren: Autorität, Staat, Gemeinde – wie ist der Umgang dort? Oder wie ist das mit der ganzen Frage der Sexualität? Das sind jetzt keine Fragen, die vor 200 oder 300 Jahren eine große Rolle gespielt haben. Deshalb tauchen sie in diesen älteren Bekenntnissen in der Regel nicht auf.

In meinen Augen gibt es da eine gewisse Flexibilität. Wichtig ist nur, dass die Gemeinde weiß: Das glauben wir als Gemeinde. Und deswegen auch noch einmal die Erinnerung: Jede Gemeinde hat ihr Bekenntnis. Es zählt einfach die Gemeinde als Ganzes und alle, die interessiert sind.

Nur einfach zu sagen: Ich höre mir da drei Predigten an, werde nett begrüßt und die Musik gefällt mir auch – das reicht, glaube ich, nicht aus, um wirklich eine fundierte Gemeinde zu haben, in der man dauerhaft lebt und in die man investiert.

Ich meine, die Not ist groß. Das bekommt ihr ja viel mit – wie viele Anschriften habt ihr von Leuten, die sagen, sie haben keine Gemeinde, die wirklich bibeltreu unterwegs ist? Der Hintergrund ist oft, dass es gar keine Bekenntnisse gibt. Oder wenn wir in die Landeskirchen hineinschauen: Die haben zwar in der Regel, zumindest die deutschen Landeskirchen, ihre Bekenntnisse auf dem Papier stehen. Aber für das praktische Glaubensleben haben sie das längst verlassen.

Die evangelische Kirche beruft sich zwar darauf, aber es würde ganz, ganz anders aussehen, wenn man das auch tatsächlich lebt.

Gesunder Umgang mit Bekenntnissen im Glaubensleben

Das ist ein spannendes Stichwort: danach leben. Wir haben jetzt viel über Bekenntnisse geredet, und du hast gerade gesagt, ja, es können Bekenntnisse vorhanden sein, aber eigentlich interessieren sie einen nicht. Was würdest du sagen, was ist der richtige, was ist der gesunde Umgang mit Bekenntnissen, auch für mein eigenes Glaubensleben?

Ich glaube, einmal ist es wichtig, vor Augen zu haben, wie ich an das Ganze herangehe – also eine richtige Herangehensweise, eine richtige Perspektive. In den Bekenntnissen steht natürlich das, was die Wahrheiten des Wortes Gottes sind. Aber nicht jede Aussage in einem Bekenntnis ist gleich wichtig. Es gibt unterschiedliche Gewichtungen.

Da ist ganz spannend noch einmal dieses Buch, das ich hier gerade zur Hand habe: Gavin Ortlund versucht, das so ein bisschen zu systematisieren, was wie zentral für meine Rettung innerhalb einer Gemeinde ist und wo ich jemand anderem zwar nicht den Glauben abspreche, aber sage, übergemeindlich hinaus können wir nicht zusammenarbeiten, weil die Vorstellungen eben zu weit auseinandergehen. Also da zu wissen, was wir glauben, aber nicht alles, was in einem Bekenntnis drinsteht, steht auf derselben Stufe. Da ist es wichtig, die richtige Perspektive zu haben und das auch ein bisschen einordnen zu können.

Nur, dass ich dich kurz unterbreche: Kannst du vielleicht mal ein, zwei Beispiele nennen, wo man sagt, da trennt man sich jetzt, und da ...?

Da gibt es keine Diskussion darüber, genau. Wo man sich natürlich ganz klar trennen muss, sind natürlich all die Dinge, die wir im apostolischen Glaubensbekenntnis haben. Das sind die ganz zentralen Punkte. Wenn da, sage ich mal, die eine Hälfte der Gemeinde sagt, da glauben wir nicht dran, wir glauben eben nicht daran, dass Jesus wirklich durch die Jungfrau Maria geboren wurde, durch den Heiligen Geist ihm das geschenkt wurde – dass das funktioniert innerhalb einer Gemeinde nicht.

Ich glaube, das ist jetzt keine ganz einfache Frage. Klar, Taufe ist wichtig, Abendmahl ist wichtig, und auch dort noch mal – ich meine, das habe ich jetzt nicht vorbereitend auf das Interview hier mitgenommen, tatsächlich – und trotzdem versuche ich eben, Orden ja genau das zu machen, das so ein bisschen zu systematisieren. Nicht, dass ich ihm da überall zustimme, wie er das macht in den verschiedenen Kategorien. Ich meine, auch dort legt er sich ein Stück weit fest, begründet das alles sehr, sehr intensiv mit ganz, ganz vielen Bibelstellen, aber ob ich das jetzt auch in dieselbe Kategorie legen würde, da habe ich an zwei, drei Stellen schon meine Anfragen, ob das jetzt dort hineingehört, wie er das macht.

Aber klar, gerade die Taufrage, gerade Fragen nach dem Abendmahl, das sind Dinge, wenn wir da unterschiedliche Verständnisse haben, ob sich Brot und Wein wirklich verwandeln – das funktioniert natürlich innerhalb einer Gemeinde jetzt nicht. Aber umso mehr hilft es ja, wenn Gemeinde im Vorhinein etwas zum Lesen hat. Das ist ja nicht alles, gerade in der Ausführlichkeit nicht, etwas, was man jetzt jeden Tag neu durchgeht. Aber gerade wenn man neu in eine Gemeinde hineingeht oder wenn man eben Fragen hat, wenn ein Thema Erwählung auftaucht, wenn ein Thema Tausendjähriges Reich ja auch heute das große Ding in vielen Gemeinden ist, wenn das zur Sprache kommt, muss Gemeinde sich positionieren: Wie zentral sind welche Dinge? Kann ich da mitgehen oder nicht? Und wo lässt Gemeinde auch einen gewissen Spielraum? Das hilft auch selbst zu sehen, wie wichtig was für eine Gemeinde ist.

Auch dort hat ja Gemeinde ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Die einen halten das eine ganz, ganz hoch, wo dann Gavin Ortlund sagt, na ja gut, das ist jetzt eher ein untergeordnetes Thema, wie ziehen wir uns an oder wie ist das mit dem musikalischen Stil, den wir in der Gemeinde haben? Wie zentral ist das? Und genau, das einfach transparent der Gemeinde vorzulegen, hilft in jedem Fall.

Okay, danke dir. Willst du noch – ich habe dich bloß unterbrochen – willst du noch irgendwas ergänzen zu der Frage mit dem Umgang mit Bekenntnissen?

Genau, also ich sagte, die Herangehensweise, also die Perspektive, die wir haben. Dann ist es natürlich aber auch wichtig, ein bisschen auf das eigene Herz zu gucken, also mit dem richtigen Herzen dort heranzugehen. Auch da ein einfaches Beispiel: Wenn ich mich zum Beispiel zur Gnade Gottes bekenne und sage, die Gnade Gottes ist das, was uns rettet, die Gnade Gottes ist das, was mich bei Jesus hält, was mich bewahrt, was mich trägt – wunderbar.

Aber selbst dann, in meinem praktischen Alltagsleben, als der Ungnädige bekannt bin, dann bringt mir ein Bekenntnis natürlich auch nichts. Also die Wahrheit des Wortes Gottes, die in Bekenntnissen zusammengefasst sind, soll natürlich auch immer zu einem entsprechenden Lebensstil führen. Es muss praktische Auswirkungen haben auf mein eigenes Leben.

Und das hilft eben auch, ein Stück weit zu sagen: Ich orientiere mich eben an Bekenntnissen und nun gucke ich, was ist zentral, was ist wichtig für mein Glaubensleben, und aus dem heraus nehme ich das für mein eigenes Leben mit. Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt – nicht nur die richtige Herzenshaltung, sondern auch der Umgang, den wir in den Gemeinden damit pflegen.

Ich nannte gerade bereits das eher negative Beispiel der evangelischen Kirche in Deutschland, die zwar auf dem Papier noch auf dem Bekenntnis draufsteht, aber das keine Relevanz mehr hat für die Wortverkündigung, für das Gemeindeleben. Also es bringt nichts zu sagen, ja, wir haben da zwar siebzehn Bekenntnisse als Gemeinde, also ganz, ganz bekennende, treue Gemeinde. Nein, es muss natürlich auch praktisch gelebt werden in der Gemeinde.

Und heißt, wir zum Beispiel als Gemeinde haben einen sogenannten Bekenntnisunterricht. Da gehen wir zum Beispiel in der Regel durch den Heidelberger Katechismus durch. Der Heidelberger Katechismus – auch das ist ja ganz spannend eigentlich – der ist ja damals von Kurfürst Friedrich III. veranlasst worden. Warum? Um den ganz persönlichen Glauben eben aufzuzeigen, sich auch dort abzugrenzen natürlich von anderen, aber eben deutlich zu machen, was glaube ich? Und das ist geschrieben worden für Gemeinde, für junge Leute und eben so, dass man für jede Woche des Jahres wirklich die eine zentrale Frage hat und sich Gedanken darüber macht.

So haben wir dann meistens auch eine Frage, wie wir dann durchgehen, oder ein, zwei, drei Fragen, je nachdem, welchen Umfang das mit sich bringt. Dann setzen wir uns oft nach dem Gottesdienst nochmal zusammen, um eben über diese zentralen Wahrheiten nachzudenken.

Übrigens: Heidelberger Katechismus – das ist ja das Interessante, wie der aufgebaut ist. Er startet ja mit der ersten Frage: Was ist mein Trost im Leben und im Sterben? Also: Was ist der Trost, den ich in allen Lebenslagen habe? Was ist mein Fundament, mein Halt im Leben, über mein ganzes Leben, egal was kommt? Bis in den Tod hinein und darüber hinaus? Was ist der Trost? Die Antwort ist ja ganz kurz: Jesus.

Jesus, also er schaut von sich selbst weg in der Antwort auf Jesus, dass ich ganz ihm gehöre, dass mir vergeben ist, dass er sich mir zu eigen macht, dass er mich bewahrt. Also die ganze Antwort ist Jesus.

Dann haben wir diese Dreiteilung im Heidelberger Katechismus: das Elend des Menschen, die Erlösung des Menschen und die Dankbarkeit des Menschen. Das deckt ja den gesamten Heilsweg Gottes ab.

Also: Was ist das Problem des Menschen? Der ist in seiner Sünde, der Zorn Gottes steht über ihm. Okay, das muss ich begreifen als Mensch, ich lebe in dieser Distanz, das muss ich vor Augen halten. Und wenn ich das sehe, dann verstehe ich auf einmal die Gnade Gottes, die Erlösung des Menschen, also so rettet Gott uns: Gerechtigkeit Christi, die uns angerechnet wird, das, was Christus getan hat, das stellvertretende Opfer – wunderbar. Also die ganz zentralen Punkte.

Und dann auch die Reaktion des Menschen, seine Dankbarkeit, wie er das äußert, wie er Gott anbetet, ganz, ganz praktisch eben – super.

Also das ist eine Sache. Du hast gefragt, wie nutzen wir das? Super Möglichkeit. Nicht nur in Form eines Bekenntnisunterrichts, man kann es im Kindergottesdienst machen, in den Jugendgruppen, im Bibelunterricht, wie ja auch Gemeinde da die einzelnen Dinge nennt, also sich daran zu orientieren. Nicht zu sagen, wir erfinden jetzt die Wahrheiten immer neu und schauen immer neu, was nehmen wir heute, was nehmen wir morgen, sondern das, wo wir es hineinsprechen in Situationen, in Kultur – das ändert sich. Aber es sind immer wieder die zentralen Weiden des Wortes Gottes. Und sich davon so ein bisschen entlangzuhängen, ist ganz, ganz wertvoll.

Das ist ja auch etwas, was den Glauben liebt und stärkt. Glaube kommt ja nicht irgendwie hoch bis Fokus und über Nacht: super, jetzt fühle ich mich ganz stark. Sondern starker, wahrhaftiger Glaube ist ja immer gegründet auf das Wort Gottes. Es steht dort, wo ich die zentralen Weiden mir vor Augen halte.

Nur das ist ja so ein Punkt: Ich meine, ihr macht ja eine wunderbare Arbeit, ihr versucht das alles runterzubrechen für den Laien, im Grunde genommen für die ganze Gemeinde. Eigentlich ist das Thema, das wir heute hier haben, das, was ihr euch auf die Fahne geschrieben habt: Die Menschen wissen eben nicht, was sie glauben. Okay, und jetzt wollen wir es ihnen aufzeigen.

Ihr macht das jetzt nicht in Form von Bekenntnissen, sondern in Form von Videos, wo ihr ja zu verschiedenen Themen Stellung bezieht und sagt, das ist eine Meinung darüber – wunderbar. Jetzt kann man sich nicht immer 50 großartige Videos von Hashtag Bibelfit angucken, sondern manchmal ist es eben hilfreich zu sagen, okay, ich habe da eben eine Frage, und einen Heidelberger Katechismus, meine fünf Bibelstellen, darin vertiefe ich mich jetzt mal – ganz, ganz wertvoll.

Ja, super. Ja, vielleicht nur um das noch ganz kurz zu ergänzen: Ich glaube, so meinst du das auch nicht, dass uns hier vorgeworfen wird, wir würden die Landeskirche über einen Kamm scheren. Es gibt sicherlich auch Gemeinden, die die Bekenntnisse hochhalten.

Genau, aber das wirst du sicherlich genauso sehen, dass das nicht die komplette Landeskirche ist, weil das ist ja ein großer Bereich sozusagen.

So ist es. Absolut, es ist gut, gut dazu zu betonen. Es ist klar, wenn wir so Aussagen treffen, dann ist hier natürlich nie die Pauschalität gemeint. Ich meine, ich habe das in Bremen in der Martini-Gemeinde selbst erlebt, Olaf selbst, der den Heidelberger schätzt, die auch ihre Bekenntnisse eben ganz klar haben, reformierte Tradition, die auch dort dahintersteht. Also das ist ein ganz, ganz großer Segen, den man dann auch in Gemeinden erlebt.

Und gerade, wo wir bei der Kirche sind, sehen wir diese ganz starke Trennung eben, wenn man sich positioniert, weil man sich auch ein Stück weit abgrenzt. Und dann eckt man auch irgendwo an, im Vergleich eben zum Großteil der evangelischen Kirche, die das nicht macht. Da gibt es keine Anecken mehr, aber da gibt es auch keinen fundierten Glauben. Nicht pauschal, nicht was den einzelnen Gläubigen betrifft, sondern die Gemeinde als Ganzes genau.

Sehr gut, genau.

Ja, und vielleicht um das noch mal zu klären: Du hast jetzt schon einen neuen Begriff reingebracht, nämlich den Katechismus, den Heidelberger Katechismus ganz explizit. Und vielleicht kannst du noch mal ganz kurz zusammenfassen, was ist denn ein Katechismus, und inwiefern unterscheidet sich ein Katechismus von einem Bekenntnis, worüber wir am Anfang geredet haben?

Also ganz kurz: Der Katechismus ist ja eigentlich vom Aufbau her in Frage und Antwort, also aus dem Witz in der Frage gestellt. Zum Beispiel: Was ist mein Trost im Leben und im Sterben? Antwort: Jesus. Was ist das Problem des Menschen? Antwort: Sünde. Was rettet uns? Antwort: Gnade.

Also eine Frage und eine Antwort. Die anderen Bekenntnisse sind eher schriftliche Zusammenfassungen. Das ist der große Unterschied. Sie sind mehr lehrtechnisch ausgelegt und besonders für das Unterrichten gedacht, um der Gemeinde immer so einen Punkt mitzugeben. Wenn wir das apostolische Glaubensbekenntnis nehmen, da haben wir ganz viel komprimiert. Aber das jetzt der Gemeinde als Ganzes mitzunehmen, das muss man ja auch aufteilen, wenn man sich da mal vertiefen will. Also für den Unterricht gerade ist der Heidelberger ideal.

Ja, und ich meine, ich habe zumindest schon die Vorstellung, dass es sich auch lohnt, Bekenntnisse und Katechismen – ich kenne das noch von früher auswendig zu lernen – dass das eine gute Sache ist. Ich weiß nicht, wie du das machst, ob du auswendig lernst, und falls ja, ob du vielleicht Empfehlungen hast, wie man Dinge gut behalten kann.

Das ist natürlich eine Herausforderung und eine Überwindung, damit anzufangen, und was da vielleicht auch für ein Segen mit einhergeht.

Absolut. Ich bin tatsächlich leider nicht so groß geworden, von meinem Gemeindekontext, wie ich groß geworden bin, ohne Bekenntnisse – leider, leider, leider.

Wie kann man das gut machen? Ich sagte ja bereits: Bekenntnisunterricht in der Gemeinde, das ist das eine. Aber natürlich auch das Thema Familienandachten. Klar kann man ein Andachtsbuch lesen, aber auch da kann man sagen, dass man sich in der Gemeinde sehr interessiert fühlt, wenn man sich in der Gemeinde mit den Bekenntnissen beschäftigt hat.

Man geht eben eine Frage aus einem Katechismus durch, geht einen Gedanken von einem Bekenntnis durch, liest das vor der Familie, erklärt das nochmal mit einfachen Sätzen – auch das hilft total.

Also überall in der Gemeinde sollte es verankert sein: Jugendgruppe, Kinderstunde, Gemeinde, in den Predigten immer wieder darauf hinzuweisen. Weil man ja dadurch den Blick immer wieder – ich wiederhole mich an diesen Punkt, aber weil das so zentral ist – von sich selbst weg auf das, was die Gemeinde aller Zeiten geglaubt hat, auf das Wort Gottes lenkt.

Und genau, überall bestehen Persönlichkeiten. Und das Auswendiglernen, ja, das ist natürlich super, ist wichtig. Ich glaube, wir leben da in einer Kultur, wir sind so zugebombt mit Informationen, dass uns das zunehmend schwerfällt, mir leider auch.

Ich habe mich persönlich immer wieder gerade, natürlich entsprechend des Unterrichts in der Gemeinde, an den Fragen entlang orientiert. Also ich habe da nochmal einen anderen Vorteil vielleicht: Sich da jeden Tag eine Sache rauszunehmen, jeden Tag eine Frage und darüber nachzudenken, nach der eigenen stillen Zeit zu sagen, ich nehme deine Frage – das ist schon mal ein großer Wert.

Ja, und ich finde es auch gut, dass du das immer wieder unterstreichst. Das Bekenntnisse helfen, wegzuschauen von uns, hinzuschauen auf unseren wunderbaren Gott und sich eben auch eins zu machen mit den Gläubigen, die uns vorausgegangen sind.

Ich glaube, das bringt ja auch extreme Sicherheit für den eigenen Glauben mit, wenn man weiß, man ist hier wirklich fest gegründet in Wahrheit, in biblischer Wahrheit, und ist in einer Einheit mit vielen, vielen Christen, die tausende Jahre auch davor schon gelebt haben.

Deswegen finde ich es gut, dass du das so betonst.

Persönliche Lieblingsbekenntnisse und Katechismen

Und vielleicht noch eine persönliche Frage: Du hast schon ein paar Bekenntnisse genannt. Du kannst vielleicht noch mal kurz an dieser Stelle erwähnen, ob du persönlich einen Favoriten hast – also ein Katechismus oder ein Bekenntnis.

Oh, das ist eine schwierige Frage, einfach weil alle ihre Schwerpunkte haben. Von den altkirchlichen Bekenntnissen finde ich das Nizänische besonders gut. In unserer Gemeinde bekennen wir zum Beispiel jeden Sonntag das apostolische Glaubensbekenntnis als Gemeinde als Ganzes. An besonderen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern nehmen wir dann das Nizänische. Dort ist der Fokus noch stärker auf die Person Jesu gerichtet – als wahrer Gott, Licht von Licht. Das sind ganz wunderbare Formulierungen, die ich sehr stark finde.

Das niederländische Glaubensbekenntnis finde ich auch wunderbar. Es ist in einer Zeit großer Verfolgung entstanden, als die katholische Kirche den reformierten Glauben verfolgte. Die Gemeinde befand sich in großer Not. Dieses Bekenntnis hat einen sehr seelsorgerlichen Charakter. Bei jedem Satz, den man liest, spürt man, wie es einem wirklich ins Herz geht. Der Katechismus ist anders aufgebaut, eher persönlich, mit Frage und Antwort. Das niederländische Glaubensbekenntnis ist ganz, ganz trostreich.

Man merkt, dass sich viele Gedanken gemacht wurden und dass die Verfasser durch große Not gegangen sind. Ähnlich ist es bei Liedern. Ich will Bekenntnisse und Lieder nicht trennen – beides sind Wahrheiten über Gott, die Anbetung ausdrücken. Wenn eine Gemeinde herausgefordert war und so etwas entworfen hat, ist das natürlich ganz wunderbar.

Die deuterechten Lehrregeln sind ebenfalls ganz kostbar. Ich habe sie in den letzten Jahren viel studiert und großen Segen daraus gezogen. Wir haben schon oft betont, wie wichtig es ist, von sich selbst wegzuschauen und den Erlöser in den Mittelpunkt zu stellen. Die Gnade Gottes steht im Zentrum. Das ist ein sehr komprimiertes Bekenntnis mit fünf Antworten auf fünf Irrlehren, auf die Calvin Bezug nimmt. Es ist wunderbar, wie die Gnadenlehre in jedem Bereich der Erlösung hochgehalten wird. Man erkennt überall: Es ist allein Gott, der mich rettet. Es ist überall Gnade.

Je mehr wir darüber staunen, desto mehr können wir gar nicht anders, als in Anbetung zu verfallen. Wir sehen, wie es sein kann, dass dieser Gott, dem ich nichts bringe, mich annimmt, rettet und durchträgt – obwohl ich oft rebellisch bin, mein Glaube schwach ist und ich eigentlich nichts hinbekomme. Diese Gnade so hochzuhalten, hat mich ganz stark positiv geprägt in meinem Glaubensleben.

Deshalb tue ich mich schwer, einen einzigen Favoriten zu benennen. Der Heidelberger Katechismus ist vielleicht mein Favorit im biblischen Unterricht und in der Gnadenlehre, was die gesamte Theologie betrifft und den Inhalt der Predigten. Die altkirchlichen Bekenntnisse sind die Basics.

Es hilft auch immer, wenn wir die Bekenntnisse nicht nur lesen, sondern uns mit ihrer Geschichte beschäftigen. Was ist der Hintergrund? Denn wir dürfen nicht einfach denken: Ich weiß es ja schon, ich lege das nur mal zur Seite und schaue, ob es mit meinem Verständnis übereinstimmt – sondern wir müssen fragen, ob es mit der Bibel übereinstimmt. Und wir sehen, dass es aus der jeweiligen Situation heraus geschrieben wurde. Das ist das biblische Fundament, und daraus können wir lernen.

Sehr gut. Du hast Paul gehört, welche Bekenntnisse er schätzt. Für alle, die es auch interessiert: Hier haben wir vom Bibelverdienst für dich zusammengetragen, welche großen Hauptströmungen der deutschsprachigen Christenheit es gibt, was sie glauben und leben und was ihre großen Stärken und Schwächen sind.

Dafür haben wir dir diese beliebte Konfessionsübersicht zusammengestellt, die schon Tausenden Menschen in Deutschland geholfen hat. Nimm dir die Übersicht gern mit – klicke dafür auf den ersten Link unter dem Video. Auch denen, die schon lange im Glauben dabei sind, hat sie geholfen, den Wald vor lauter Bäumen wiederzusehen.

Erster Link unter dem Video. Und jetzt weiter mit Paul.

Anpassung von Bekenntnissen an kulturelle Gegebenheiten

Du hast vorhin angedeutet, dass sich die Inhalte eines Bekenntnisses nicht verändern, wohl aber die Art und Weise, wie man sie in einer bestimmten Kultur kommuniziert. Ich weiß nicht, ob du den Katechismus von Timothy Keller kennst, den New City Catechism. Was sind deine Gedanken dazu? Ich glaube, das ist gerade für unsere Zeit ein guter Einstieg in dieses Thema. Vielleicht hast du dazu noch einen Gedanken.

Ich muss sagen, ich kenne ihn vom Hören her, aber nicht im Detail. Timothy Keller ist ein sehr guter Prediger, aber ich habe mich nicht intensiv mit dem Katechismus beschäftigt, sodass ich genau sagen könnte, was ihn ausmacht.

Kein Problem. Ich kann ihn auf jeden Fall empfehlen, besonders wenn man mit Kindern lernt. Es gibt auch Versionen, die speziell auf Kinder zugeschnitten sind. Dort ist die Antwort erst einmal nur ein Wort. Wenn die Kinder älter werden, wird daraus ein Satz, und später wird die Antwort immer ausführlicher.

Genau, das finde ich sehr gut, gerade in der heutigen Zeit. Es ist wichtig, Inhalte kindgerecht aufzubereiten, damit Kinder den Glauben besser verstehen können.

Vielen Dank, Paul. Vielleicht kannst du zum Abschluss noch einmal betonen, wo die Grenze von Bekenntnissen liegt. Wir haben viel über Bekenntnisse gesprochen, aber ich glaube, du hast es schon erwähnt. Es ist wichtig, keine falsche Vorstellung zu wecken, dass Bekenntnisse sozusagen unsere heilige Schrift sind oder etwas Ähnliches. Kannst du das noch einmal klarstellen?

Die Grenze ist ganz klar: Bekenntnisse dürfen niemals über das Wort Gottes hinausgehen. Sie fassen die verbindliche Wahrheit, an die wir glauben, in richtiger Weise zusammen. Das ist wunderbar, und wir können uns daran orientieren und sie mitnehmen. Aber das ist der Maßstab – nichts anderes.

Amen.

Amen, sehr gut.

Ermutigung zum Umgang mit Bekenntnissen in Gemeinden

Und vielleicht haben wir jetzt noch nicht alles besprochen? Wir haben, glaube ich, schon sehr viele Themen angesprochen. Aber was wäre dir zum Abschluss noch einmal ganz wichtig, den Christen und den Gemeinden in Deutschland mit auf den Weg zu geben?

Ich möchte einfach ermutigen, sich bewusst Zeit zu nehmen und sich mit zwei, drei oder vier Bekenntnissen auseinanderzusetzen. Diese einmal durchzugehen, zu schauen, was darin steht und warum sie aufgeschrieben wurden. Aus dieser Beschäftigung heraus kann man dann Impulse mit in die Gemeinde nehmen.

Das ist mir eine große Ermutigung, damit wir wieder Klarheit darüber gewinnen, was wir glauben. So sind wir weniger anfällig für falsche Lehren, die im Internet überall kursieren. Außerdem werden wir dadurch sprachfähig, Gott wirklich von Herzen anzubeten.

Denn oft singen wir nur in einem Lied kurze Verse, die knapp erklären, wer Gott ist. Aber was bedeutet es wirklich, Gott als heiligen Gott und als meinen Erlöser anzubeten? Wenn man darin geschult ist, wird das viel deutlicher.

Besonders für Menschen, die frisch im Glauben sind, stellt sich oft die Frage: Wo fange ich an? Wo höre ich auf? Womit beschäftige ich mich überhaupt? Bekenntnisse sind da ein ganz wunderbarer Startpunkt.