
Johannesevangelium 1,43-51 Jesus folgen- Segen im Doppelpack
Johannes 1,43-5119.01.2020
Serie•Teil 9 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
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Rückblick auf die ersten Schritte der Nachfolge
Johannes-Evangelium: Jesus folgen, Segen im Doppelpack, Teil 2
Ein kurzer Blick zurück: Die ersten Jünger, haben wir gesehen, folgen Jesus nach. Alles beginnt mit Andreas und Johannes. Es sind zwei Jünger, die vorher Johannes dem Täufer folgen. Dann verlassen sie ihren alten Rabbi, Johannes den Täufer, und fangen an, Jesus nachzufolgen: Andreas und Johannes.
Andreas hat dann noch einen Bruder, Simon Petrus, und auch er wird ein Jünger Jesu. Das wissen wir schon.
Mich persönlich motiviert diese Idee, dass es beim Christsein eigentlich nur darum geht, den Messias zu finden. Jetzt wird einer schmunzeln und sich denken: nur? Aber eigentlich geht es nur darum, den Messias zu finden und dann nicht mehr zu tun, als anderen Menschen davon zu erzählen und sie, bildhaft gesprochen, zu Jesus zu bringen.
Also: Ich finde den Messias, ich folge dem Messias, und ich sage anderen: Hey, ich habe den Messias gefunden, und ich lade dich ein, ihn auch zu finden. Das ist das Zentrum des Christseins.
Ich bin Zeuge. Ein Zeuge redet von dem, was er erlebt hat, nicht mehr. Wenn ich Zeuge eines Autounfalls geworden bin, dann muss ich nicht wissen, ob der ältere Herr, der vielleicht dieser jungen Frau hinten reingefahren ist, gerade einen Schlaganfall hatte oder ob die Bremsen nicht in Ordnung waren oder ob die junge Frau vielleicht für ein Eichhörnchen gebremst hat. Völlig egal. Wenn ich Zeuge bin, dann muss ich nur wahrheitsgemäss erzählen, was ich gesehen habe.
Und genau so ist das mit Jesus. Das ist das Schöne. Das war übrigens die Strategie der Christen im ersten Jahrhundert. Wenn man sich Bücher anschaut über die Frage, wie die Christenheit im ersten Jahrhundert evangelisiert hat, haben die dann Freiversammlungen mit grossen Zelten gemacht? Haben die sich auf den Marktplatz gestellt und gesungen? Was haben die eigentlich gemacht?
Die Antwort ist: Sie haben einfach mit anderen Leuten über Jesus geredet. Sie sind einfach zu anderen Leuten gegangen, so wie Andreas zu seinem Simon, und haben gesagt: Wir haben den Messias gefunden. So einfach ist Evangelisation.
Und deswegen mal kurz die Frage hier in den Raum, weil die meisten von uns Christen sind: Was hast du bei Jesus gefunden? Also, was begeistert dich an ihm? Was begeistert dich an dem Leben mit ihm? Ist das der Friede, den du gefunden hast? Oder die Freude? Oder vielleicht ein Sinn im Leben? Sicherheit? Die Gewissheit, angekommen zu sein? Keine Angst mehr vor dem Tod zu haben?
Was ist das, was dich, wenn du darüber nachdenkst, über du und Jesus, am meisten begeistert? Ich glaube, es lohnt sich, immer wieder über diesen Aspekt im Leben nachzudenken. Wer ist Jesus ganz wirklich für mich?
Denn wovon du am meisten begeistert bist, das ist der Aspekt, über den du am leichtesten reden kannst. Wenn du dir die Frage stellst: Wie komme ich mit irgendeinem Menschen ins Gespräch über Jesus? Soll ich dir was sagen? Das, was dich am meisten an Jesus fasziniert, das kommt dir am leichtesten über die Lippen.
Ich glaube, dass Evangelisation und Bewunderung zwei Seiten derselben Medaille sind. Was ich toll finde, davon rede ich. Oder um mal mit Jesus zu reden: Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund.
Ja, was ich toll finde, davon rede ich. Wenn mein kleiner Enkel, das ist der mit dem gelben T-Shirt vorhin, andächtig vor einem Dino-Plakat steht und dann mit piepsiger Stimme sagt: Triceratops, was denkst du, was in diesem Moment in seinem Herzen ist? Genau, du hast das genau erfasst, es ist nicht kompliziert. Und bei uns Erwachsenen ist das nicht anders.
Deswegen: Was fasziniert dich an Jesus? Und jetzt bitte keine Christen-Standard-Antwort für die Sonntagsschule, sondern mal so: Was fasziniert dich wirklich? Es hat ein bisschen mit dieser Erinnerungskultur zu tun, von der ich letzte Woche gesprochen habe. Was fasziniert dich? Wir haben den Messias gefunden. Was hast du gefunden?
Einen, der es wirklich gut meint mit dir, der dir Weisheit schenkt und Trost, für den es sich zu leben lohnt und auch zu sterben? Hör dir selber mal zu, wenn du im Gespräch mit Menschen bist, von denen du weisst, dass sie keine Jesusjünger sind. Die gibt es ja auch noch, so gefühlte 3,4 Millionen in der Stadt. Hör dir mal selber zu, wenn du mit denen redest: Worüber redest du dann?
Und ich meine nicht: Ja, ich bin nicht so ein Kaltakquise-Evangelist, der immer gleich mit der Tür ins Haus fällt. Das bin ich nicht. Aber trotzdem: Worüber reden wir? Achte mal auf deine Worte.
Was ist das, was dich an Jesus begeistert? So wie, ich weiss nicht, ja, wenn du italienische Restaurants magst, okay, ich mag, wie meine Frau in italienische Restaurants geht. Wir probieren immer mal eins aus. Und wenn ich ein neues gefunden habe, dann wirst du das entdecken, das, ja, vielleicht sag ich es dir dann, aber hey, ich war da und da. Warum? Weil mich das einfach fasziniert. Das ist einfach schön, das ist etwas, was mich begeistert.
Und genauso müsste es eigentlich bei Jesus sein. Wenn ich sage: Jesus ist Herr in meinem Leben, er ist das Beste, was mir jemals passiert ist, das Grösste, von dem ich überhaupt nur träumen kann, ich hätte nie erwartet, dass so etwas Gutes mir in meinem Leben mal begegnet, und ich dann aber nie darüber rede, er mir gar nicht so über die Lippen kommt, da so eine Ladehemmung ist, so nach dem Motto: Irgendwie schäme ich mich fast dafür, Christ zu sein, da stimmt was nicht.
Und vielleicht haben wir einfach Angst davor, mehr sein zu müssen als einfach nur Zeugen. Verstehst du das? Wenn ich dir von einem italienischen Restaurant erzähle, dann muss dir das Essen da nicht schmecken. Vielleicht schaust du auf die Speisekarte und denkst: Ja, okay, ich bin Zeuge. Hm, mehr nicht. Der andere muss sich nicht gleich bekehren, der andere muss meinen Glauben nicht gleich teilen. Ich muss ihm einfach nur sagen: Hey, da ist mir was im Leben passiert, und das ist einfach genial.
Und wenn wir nicht darüber reden, lasst mich die Frage stellen: Liegt das daran, dass wir vielleicht doch noch mehr mit unserem Herzen in dieser Welt festhängen, als uns gut tut? Und wenn das so ist, lasst uns vorsichtig sein. Weil an der Stelle passiert Folgendes: dass Gott, wenn er das mitbekommt, manchmal durch eine Portion Leid unser Herz von dieser Welt wieder wegreisst.
Und deswegen: Lasst uns trauen, das zu tun, was hier völlig normal ist. Völlig normal anderen von Jesus weiterzuerzählen, völlig normal Jesus nachzufolgen und anderen von diesem Jesus dann auch begeistert zu berichten.
Der erste neue Jünger und die einfache Einladung
Johannes 1,43
Am folgenden Tag wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen, und er findet Philippus. Und Jesus spricht zu ihm: Folge mir nach.
Jesus folgen, Segen im Doppelpack. Jetzt merkt ihr, wo diese Formulierung herkommt: Folge mir nach. Auf der einen Seite sind da Leute, die andere auf Jesus aufmerksam machen. Hier findet Jesus den Philippus. Er ist eigentlich auf dem Heimweg, er wohnt ja in Galiläa, ist aber jetzt irgendwie am Jordan gewesen, bei dieser ganzen Tauferei. Und wie er sich so fertig macht, findet er Philippus und fordert ihn auf: Folge mir nach.
Eigentlich, wenn man sagt, ich finde etwas, dann geht dem etwas voraus. Ich finde etwas, wenn ich etwas suche. Ich habe jetzt keine Ahnung, und der Text hilft uns da auch nicht weiter, was zwischen Philippus und Jesus vorher an Bekanntschaft war. Vielleicht hatten auch Andreas und Petrus dem Philippus einfach von Jesus erzählt, und da ist schon vorher etwas gelaufen.
In Vers 44 heißt es: Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus. Seht ihr Bethsaida hier oben? Das ist also der See Genezareth hier, und da oben am Nordrand liegt Bethsaida. Da kamen sie alle her: Petrus, Philippus, Andreas.
Und wisst ihr was? Philippus, gerade noch nicht lange dabei, was macht der jetzt? Was machst du, wenn du Jesus gefunden hast? Du überlegst: Wen habe ich alles in meiner WhatsApp-Gruppe? Wen kenne ich, und von wem weiß ich, das wäre was für den, weil der auch gerade so eine spirituelle Suche am Laufen hat und der mir eigentlich ganz ähnlich ist? Wenn ich dem das erzähle, das wird was.
Genau. Jetzt geht es weiter zu Nathanael. Philippus findet den Nathanael. Super, ihr merkt: ganz simpel, ich gehe zum Nächsten. Du hast irgendjemanden auf dem Schirm? Geh hin. Er findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz geschrieben hat und die Propheten, Jesus, den Sohn des Joseph, von Nazareth.
Ganz simpel: Du bist Zeuge. Zeuge heißt: Ich habe ihn. Ich habe es, denn wir haben ihn gefunden. Was jetzt passiert, ist das, wovor wir alle Angst haben. Wovor haben wir Angst? Warum sind wir doch manchmal nicht so bereit zu schwärmen? Wir haben Angst davor, dass wir irgendwie voll begeistert von Jesus schwärmen und dann gibt es eben nicht Zustimmung im Sinne von: Haha, erzähl mehr, sondern dann gibt es Kritik. Das ist wie so eine kalte Dusche, das mag man nicht. Am besten noch so fiese, unsachliche Kritik: Du und deine Sekte! Denkt doch mal an die Kreuzzüge! Christen sind doch eh alles Heuchler, und denen geht es doch eh nur ums Geld!
Das ist das, was wir nicht hören wollen. Das haben wir aber irgendwo alle, wenn wir von Jesus mal geschwärmt haben, glaube ich, erlebt. Ich möchte trotzdem eine Lanze für Schwärmen brechen, okay? Trau dich da, wo du mit Leuten im Gespräch bist, Jesus ganz natürlich als das Beste deines Lebens einfließen zu lassen, es sei denn, er ist es nicht, dann hast du ein anderes Problem. Aber wenn das so ist, trau dich zu reden.
Ja, aber was ist, wenn die dann sowas sagen? Na ja, hier, der gute Nathanael ist so ein Typ. Und Nathanael sprach zu ihm: Aus Nazaret kann etwas Gutes kommen? Du schwärmst gerade: Wir haben ihn gefunden, ja, Jesus, den Sohn des Josef von Nazaret. Und Nathanael: Nazareth, das ist nicht dein Ernst!
Also, man muss dazu wissen: Die Juden lebten rund um die Stadt Jerusalem im Süden. Das waren die klassischen, ich sage mal so, Juden der orthodoxeren Form. Und dann gibt es weiter nördlich, da wo wir den See Genezareth hatten, eben hier oben einen Landstrich, der heißt Galiläa. Hier unten ist Judäa, und hier oben Galiläa. In der Küste liegt Samarien. Und hier unten leben so die Orthodoxen, die Reinblütigen, die Guten. Und hier oben leben aber auch Juden, aber die leben so ein bisschen an einer Stelle, wo auch ganz viele Heiden leben. Und deswegen hatte Galiläa einfach so einen schlechten Ruf bei diesen rechtschaffenden Israeliten aus dem Süden.
Nathanael macht einfach das, was alle machen. Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen? Also ganz ehrlich, Philippus, wir glauben beide an den Messias, aber von da oben, da weiß ja nicht mal, ob die Leute so richtige Juden sind. Da kommt er doch bestimmt nicht her. Also dieser Sohn des Joseph von Nazaret, ey, eher nicht. Eher nicht.
Was mache ich, wenn jemand, ich komme mit meiner Begeisterung für Jesus, sagt: Na, eher nicht? Was macht Philippus? Das finde ich jetzt ganz großartig, und das ist die Antwort, die ich euch geben kann, wenn ihr fragt: Was mache ich, wenn jemand nicht gleich darauf anspringt? Was kann ich dann sagen? Vielleicht hast du auf all die Fragen, die da kommen können, auf all die Einwände gegen das Christsein, vielleicht hast du nicht die Antworten. Das schadet nicht, da Antworten zu haben. Man nennt diesen Zweig in der Theologie Apologie, die Fähigkeit, auch den Glauben verteidigen zu können. Aber das hast du vielleicht am Anfang gar nicht, und auch später nicht in dem Maß, wie du es brauchst.
Oder ich habe manchmal die Antwort: Ich habe keinen Bock drauf. Und wisst ihr warum? Weil ich argumentativ irgendwie keinen so richtig überführt kriege. Und ich glaube, es geht gar nicht darum, dass wir den Leuten alle ihre Fragen beantworten. Können wir machen, können wir probieren, für manch einen ist es gut. Aber besser, besser in einer evangelistischen Strategie ist, zu tun, was der gute Philippus hier tut.
Also, da sagt der Nathanael: Aus Nazaret kann etwas Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh. Und das ist großartig, eine ganz tolle Idee. Nicht argumentieren, warum Nazareth vielleicht doch besser ist als sein Ruf. Komm und sieh. Mach dir ein eigenes Bild, Nathanael. Und Nathanael lässt sich darauf ein.
Also statt zu sagen: Ich beantworte dir all deine Fragen, lieber sagen: Hey, können wir gemeinsam in der Bibel lesen? Und soll ich mal für dich beten? Wollen wir das mal ausprobieren, wie das ist, diesem Jesus zu begegnen? Ich zeige dir ein bisschen was in der Bibel, wie dieser Jesus ist. Und dann schauen wir einfach, was passiert.
Wisst ihr, wir sind keine Staubsaugervertreter, die ihr Produkt anpreisen müssen. Das ist nicht unser Job. Wir sind Jünger, Jünger, die einem Rabbi folgen, von ihm lernen und uns daran freuen, dass wir Frieden mit Gott gefunden haben, dass wir eine Berufung gefunden haben, das haben wir letztes Mal betrachtet, dass der Tod uns keine Angst mehr machen braucht. Wir leben in der Realität von Nachfolge wie Philippus.
Und noch mal: Es schadet nicht, ein paar gute Argumente für den Glauben zu haben. Aber viel schöner ist, weil diese Argumente Glauben nicht produzieren können. Du kannst jemanden nicht zum Glauben überzeugen. Das ist ein Glaubensschritt, das heißt, er setzt eine Begegnung voraus. Das ist eine Bindung, eine persönliche Bindung an Jesus.
Und deswegen würde ich eigentlich immer sagen: Nö, weißt du was, du musst Jesus erleben. Also ich lese gern mit dir in der Bibel, ich bete gerne mit dir, ich nehme dich mit rein in mein geistliches Leben und lasse dich da ein bisschen erleben, was ich erlebe. Und dann schauen wir weiter. Das ist der Punkt, um den es geht. Und das ist das, was wir tun müssen. Wir müssen schwärmen und Leuten die Chance geben, an unserem Leben zu entdecken, was es heißt, mit Jesus zu leben.
Komm und du kannst ihnen dein Leben aufschließen, mit ihnen in der Bibel lesen, zeigen, wie Jesus dein Leben geprägt hat, und dann die Vorbereitung dafür schaffen, dass sie einem Auferstandenen begegnen. Übrigens unterscheidet das die Auferstehung Jesu von allen anderen Religionsstiftern. Alle anderen sind tot und sind tot geblieben, nur Jesus ist auferstanden, er lebt. Er will, dass Menschen gerettet werden.
Und Jesus kennt die, die es irgendwie ehrlich meinen mit Gott. Jesus kennt die. Nathanael war so einer. Da heißt es dann in den Versen 47 und 48: Jesus sah den Nathanael zu sich kommen und spricht zu ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in dem kein Trug ist, kein Betrug. Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.
Und jetzt bitte nicht falsch verstehen. Wenn Jesus zu Nathanael sagt: Siehe, ein Israelit, in dem kein Trug ist, also keine bösen Absichten, dann geht es ihm nicht darum, dem Nathanael so Honig um den Bart zu schmieren. Er beschreibt einen Charakter. Er beschreibt einen Aspekt, so müsste man das sagen, er beschreibt einen Aspekt im Charakter von Nathanael, der einerseits wahr ist, andererseits aber auch für Nathanael selber extrem wichtig ist, ihn quasi definiert.
Wenn jemand zu mir käme, den ich nicht kenne und wo ich nicht weiß, ob wir uns je gesehen haben, und er würde mir sagen: Jürgen, du bist jemand, der es total abscheulich findet, wenn man ihm zu Unrecht unterstellt, dass er etwas Böses getan hat. Das stimmt. Ich hasse das wie die Pest. Da gehe ich die Wände hoch. Da bin ich total empfindlich. Wenn jetzt jemand zu mir kommt und sagt: So ein Typ bist du, dann würde ich sofort fragen: Woher kennst du mich? Sind wir uns schon mal begegnet?
Und so geht es hier Nathanael. Jesus begegnet dem Nathanael, sagt ihm etwas, und dann fragt er Nathanael: Woher kennst du mich? Und die Antwort jetzt ist eines echten Propheten würdig, ja, Jesus ist Prophet: Ehe Philippus dich rief, ehe du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.
Ehrlich, ich weiß nicht, warum das mit dem Feigenbaum für den Nathanael so eine Rolle spielt. Aber für Nathanael ist das der Punkt, wo ihm alles klar wird. Hier ist jemand, der seine innersten Geheimnisse kennt. Woher kennst du mich? Und Jesus sagt einfach nur: Ich kenne dich.
Und was Nathanael dann sagt, geht weit über das hinaus, was man in meinen Augen von ihm hätte erwarten können. Das ist jetzt großartig. Jetzt merkt man so ein bisschen, was für eine Bibelkoryphäe dieser Nathanael ist, warum zu sagen: Hey, du bist ein Typ, der mag das einfach nicht, böse Absichten zu haben. Du bist echt eine richtig zutiefst gute Seele.
Hier, hört euch das an, Vers 49: Nathanael antwortete und sprach: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels.
Wach, ja, also eben noch: Was kann Gutes aus Nazaret kommen? Ganz ehrlich, ja, lass stecken, das kann er nicht sein. Und dann mit einem Mal der große Schwenk, tiefer Griff ins Alte Testament, mal eben das Wichtigste herausgeholt, was das AT über den Messias zu sagen hat: Du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels.
Jesus ist der Sohn Gottes, der König Israels. Frage: Warum Sohn Gottes? Johannes erläutert uns das nicht. Lukas interessanterweise schon. Genau genommen der Engel Gabriel, wenn der nämlich zu Maria kommt und ihr erklärt, das ist Lukas 1,35: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Sohn Gottes genannt werden.
Wenn du wissen willst, warum heißt Jesus Sohn Gottes, ganz einfach: Weil Gott sein Vater ist. Im Alten Testament wird verheißt, dass Gott selber die Erde besuchen und auf der Erde Rettung schaffen wird. Das Neue Testament beschreibt, wie das passiert. Gott wird nämlich wirklich Mensch. Und damit wir das sprachlich zusammenkriegen, heißt Jesus der Sohn Gottes, ausgehend davon, dass bei der Zeugung im Mutterleib der Maria es keinen Mann gab, sondern das, was da passiert, und wir können das naturwissenschaftlich irgendwie jetzt mit befruchteten Eizellen und so erklären, da spielt der Part, den normalerweise ein Mann übernimmt, das ist der Part, den der Heilige Geist übernimmt, den er schafft im Mutterleib der Maria. Gott wird Mensch, und völlig zu Recht wird der Mensch, dessen Vater Gott ist, Sohn Gottes genannt.
Und er ist der König Israels. Auch das hatte Gabriel vorher der Maria noch mal gesagt, jetzt mal Lukas 1,32-33: Dieser Jesus wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden, und der Herrgott wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und seines Königtums wird kein Ende sein.
Jesus ist der Nachfahre Davids, und am Kreuz besiegt er den Teufel, und er besteigt bildhaft den Thron Davids, herrscht seitdem und das ist jetzt O-Ton Offenbarung, ich mag das, als der Herr der Herren und als der König der Könige. Das ist der Jesus, dem wir folgen.
Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels. Wow, Nathanael bringt das wunderschön auf den Punkt, aber er hat noch nicht alles erfasst. Das ist noch viel zu wenig, wenn du das begriffen hast. Und Jesus muss jetzt nachlegen.
Verse 50, 51: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Weil ich dir sagte, ich sah dich unter dem Feigenbaum, glaubst du? Das ist ein bisschen Vorwurf, ja? Du glaubst, weil ich dir diese eine Sache gesagt habe? Du wirst Größeres als dies sehen. Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, und mit diesem Wahrlich, wahrlich fangen immer Aussagen an, die von größter Bedeutung sind, Amen, Amen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes auf und niedersteigen auf den Sohn des Menschen.
Das Grössere, das Jesus verheisst
Unsere Predigt heißt: Jesus folgen, Segen im Doppelpack. Jetzt kommen wir zum Segen: grösseres Sehen. Du wirst Grösseres sehen.
Wenn wir Jesus begegnen, dann sind wir ihm nicht fremd. Er hat uns längst durchschaut. Er weiss genau, wer wir sind. Wir können ihm nichts vormachen. Er kennt unsere Hoffnungen, er kennt unsere Träume, er kennt die Momente unter dem Feigenbaum, wenn wir alleine mit uns sind.
Und es ist grossartig, wenn Menschen sich bekehren und nach ihrer Bekehrung feststellen, dass Jesus irgendwie schon die ganze Zeit in ihr Leben hineingewirkt und ihre Wege gelenkt hat, genau so, dass sie ihn finden konnten. Dass Gott uns kennt und sich uns offenbart. Und sogar unsere Zweifel, dieses „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“, dass er diese Zweifel einfach mal überwindet, das ist grossartig. Aber es gibt Grösseres.
Amen, Amen. Was jetzt kommt, klingt ein bisschen komisch, das weiss ich. Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes auf und niedersteigen auf den Sohn des Menschen. Das klingt komisch, und wir werden es nur verstehen, wenn wir begreifen, zu wem hier Jesus spricht. Er spricht zu einem Israeliten, der seine Bibel sehr gut kennt. Die Bibel der Israeliten der damaligen Zeit ist unser heutiges Altes Testament.
Es gibt im Alten Testament eine Geschichte von Jakob, der von seinem Bruder Esau flieht. Und während dieser Flucht muss er wo übernachten? Im Freien. Er hat einen Traum, und ich habe euch diese Geschichte verkürzt mitgebracht aus 1. Mose 28, nur die Verse 12, 13 und 17, wo Jakob in der Wüste übernachtet, einschläft, träumt. Und ihr werdet merken: Diese Idee von irgendwelchen Engeln Gottes, die auf und niedersteigen, stammt aus diesem Traum.
Ich lese mal vor: Und Jakob träumte. Und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, und ihre Spitze berührte den Himmel. Und siehe, Engel Gottes stiegen darauf auf und nieder. Und siehe, der Herr stand vor ihm, nämlich vor Jakob, und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks.
Ein bisschen später dann erwachte Jakob aus seinem Schlaf und sagte: Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte, und ich habe es nicht erkannt. Und er fürchtete sich und sagte: Wie furchtbar ist diese Stätte! Dies ist nichts anderes als das Haus Gottes und dies die Pforte des Himmels.
Das ist die Geschichte, auf die Jesus anspielt. Ich sage deshalb anspielt, weil wenn Jesus davon spricht, ihr werdet die Engel Gottes auf und niedersteigen sehen, dann meint er das nicht wörtlich. Es gibt keine Geschichte in den Evangelien, wo jemand sagt: „Das sind die Engel, haha, das gibt es nicht.“ Er hat diese Geschichte aus dem Alten Testament.
Und wenn Jakob von den Engeln träumt, dann zeigt ihm dieser Traum, dass der Ort, an dem er sich befindet, ein ganz besonderer Ort ist. Dass der Ort ein Ort ist, an dem Gott gegenwärtig ist. „Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte“ – das ist das Fazit von Jakob. Das wird ihm im Traum selber klar, und deswegen ist der Ort selbst das Haus Gottes, eine Pforte zum Himmel.
Und jetzt merkt ihr, was das für eine irre Bedeutung hat. Jesus möchte im Gespräch mit Nathanael zum Ausdruck bringen: Ihr werdet Grösseres sehen. Und er verwendet aus dem Alten Testament eine Illustration, wo Jakob entdeckt, durch einen Traum, dass er sich an dem Ort befindet, wo das Haus Gottes ist, wo eine Pforte zum Himmel ist. Und genau das will Jesus zum Ausdruck bringen. Ihr werdet Grösseres sehen.
Ich bin als Person Haus Gottes, ich bin als Person die Pforte zum Himmel. Jesus begegnen heisst, Gott begegnen. So wie Jakob in seinem Traum Gott vor sich stehen sah, so sehen die Jünger Jesus vor sich stehen. Aber, und das ist jetzt das Entscheidende: Indem sie Jesus anblicken, wen blicken sie da an? Es ist Gott selbst.
Gott wird Mensch. Und wo sich dieser Mensch, Jesus, der Sohn des Josef aus Nazaret, wo der ist, da ist Haus Gottes, da ist Pforte zum Himmel. Da findet was statt? Da findet Begegnung mit dem lebendigen Gott statt. Das ist das, was hier zum Ausdruck kommt. Der Sohn des Menschen, dieser Mensch Jesus, ist der Punkt, wo sich Himmel und Erde berühren.
Und wenn wir uns die tiefste Sehnsucht des Menschen anschauen, dann stellen wir fest, dass kulturgeschichtlich im Menschen ein unglaublicher Drang steckt, dem Göttlichen zu begegnen. Wir brauchen als Menschen förmlich etwas, was wir anbeten können, etwas, dem wir unser Leben weihen können. Etwas, das uns Sinn und Hoffnung schenkt. Glauben wollen steckt im Menschen.
Wisst ihr, die meisten Menschen wollen einfach mehr sein als ein Tier, das schläft, frisst, nachkommt, zeugt und irgendwann verreckt. Damit kommen wir nicht klar. Der gute Satz von Augustinus, den viele schon gehört haben: Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, o Gott. Da ist was Wahres dran.
Der Mensch merkt: Da muss es mehr geben. Der Mensch sehnt sich nach Gott, und er spürt eine Unruhe in sich. Eine Unruhe, die er mit irgendwelchen Götzen füllen muss. Und da spielt es keine Rolle, ob dieser Götze eine Religion ist, eine Ideologie oder vielleicht einfach so Dinge wie Karriere, Gesundheit oder Spass. Ich will für etwas leben, ich will mehr sein als so eine Fress- und Sexmaschine, das reicht mir einfach nicht.
Die Frage lautet nur: Wie kann ich Gott begegnen? Also wenn es da zu dieser inneren Sehnsucht eine Entsprechung gibt, wenn ich Durst habe, dann weiss ich, es gibt was zu trinken. Wenn ich Hunger habe, gibt es was zu essen. Wenn ich eine Sehnsucht habe nach dem Übernatürlichen, nach der Begegnung mit wirklichem Sinn, gibt es da auch eine Entsprechung? Wie kann ich dann Gott, wie kann ich dieser Entsprechung begegnen? Wie kann ich die Distanz überbrücken? Wie kann ein Mensch, gefangen in Zeit und Raum, überhaupt etwas von Gott wissen?
Und die Antwort auf diese, in meinen Augen vielleicht tiefste Sehnsucht unseres Herzens, ist Jesus. Ihm begegnen heisst Gott begegnen, ihm folgen heisst Gott folgen, ihn erleben und von ihm lernen heisst Gott erleben und von Gott lernen. Das ist das Grössere, was Jesus dem Nathanael zeigt.
Es ist eine Sache, von Gott gekannt zu sein. Es ist eine ganz andere Sache, Gott begegnen zu dürfen, wirklich ins Haus Gottes eintreten und die Pforte zum Himmel finden zu dürfen. Das ist eine ganz andere Sache.
Und wir müssen, glaube ich, alle miteinander, ich komme zum Schluss, wir müssen alle wie der Nathanael ein bisschen vorsichtig sein, wenn wir Jesus begegnen. Wie leicht suchen wir einen Rabbi? Aber nicht Gott. Vielleicht reicht es uns einfach nur, dazuzulernen, ein paar kluge Antworten mehr zu haben als die anderen. Aber diese Idee einer realen Begegnung mit Gott, einer echten Beziehung, die uns prägt und verändert, diese Idee bleibt uns ganz schnell merkwürdig fremd.
Jakob in seinem Traum hat sich gefürchtet, gefürchtet, als ihm klar wurde, wo er da gelandet ist. Diese Furcht, so ein gruseliger Schauer, der darf uns gerne ab und an über den Rücken laufen, wenn wir begreifen, wer Jesus ist und was er uns und für uns, was er für uns im Angebot hat.
Segen ist so eine Sache. Der Segen, den Jesus für uns hat, ist eben maximal. Ich weiss nicht, ob wir ihn noch begreifen, weil er für viele wahrscheinlich von uns selbstverständlich geworden ist. Aber das, was Jesus für dich hat, ist wirkliche Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott.
Oder um es zum Schluss mit einem Satz zu sagen: Gott finden ist das Vorrecht von Jesusjüngern. Und wenn wir Jesus nicht nachfolgen, jetzt drehe ich das einfach mal um, wenn wir Jesus nicht nachfolgen, dann bedeutet das auch, dass wir Gott nicht finden können. Und damit wird Jesus für uns entweder die Pforte zum Himmel, oder er wird für uns, ich will nicht sagen die Pforte zur Hölle, aber er wird für uns der Punkt, an dem sich unser Schicksal endgültig entscheidet.
Und das ist grandios, und dafür wollte ich euch so ein Stückchen begeistern. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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