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Committed trotz Hindernissen?

Glauben heißt: Mutig losgehen
01.11.2026
EventTeil 24 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2026
Ich bin ein äußerst erfolgreicher Influencer mit einem privaten Account, auf dem ich 500 Follower habe. Das sind all meine Freunde und Leute, die ich irgendwo mal getroffen habe. Ihr könnt mir trotzdem folgen, aber im Moment passiert gerade nichts mehr. Wenn doch mal etwas passiert, dann trinke ich meistens Kaffee.
Letztes Jahr im Mai habe ich für etwa eine Woche ein bisschen anderes gepostet. Ich war auf dem Weser-Radweg unterwegs und bin ihn mit dem Fahrrad gefahren. Der Weser-Radweg ist eine wunderschöne Strecke entlang des Flusses Weser. Er führt durch weite Teile wirklich schöner Natur, vorbei an schmucken kleinen Dörfern oder Städtchen. Bei gutem Wetter – und das hatte ich – ist es wirklich eine Wonne, den Weser-Radweg entlangzufahren.
Der Weser-Radweg ist 520 Kilometer lang. Ich habe mir dafür sechs bis acht Tage Zeit eingeplant. Natürlich kann man sagen: „Klasse Typ, herzlichen Glückwunsch, dass du Fahrrad gefahren bist, das finden wir ja toll.“ Zur Wahrheit gehört allerdings auch eine andere Seite.
Vor der Tour, bei der ich eine Woche lang am Stück nichts anderes vorhatte, als den ganzen Tag im Sattel zu sitzen, war die längste Strecke, die ich jemals mit dem Fahrrad gefahren bin, 50 Kilometer. Nach diesen 50 Kilometern war ich schon ziemlich fertig. Und das bin ich auch nur einmal gefahren. Normalerweise fahre ich so 20 bis 30 Kilometer – und das auch nicht jeden Tag, nicht jede Woche und nicht jeden Monat. Eigentlich bin ich davor also eher selten Fahrrad gefahren, nicht wirklich viel mehr.
Man kann sagen, ich hatte ordentlich Glauben und bin ganz mutig einfach mal losgefahren. Insofern passt das hervorragend zum Thema „mutig drauflos“. Die etwas weniger schöne Lesart wäre, dass ich entweder ziemlich naiv oder dumm war – das könnt ihr entscheiden. Auf jeden Fall war ich mutig, einfach mal loszufahren, einfach zu machen, mutig zu starten.
Das war letztes Jahr im Mai, irgendwo zwischen Kassel und Cuxhaven an der Nordsee.

Von der Weser zum Jordan: Ein Blick in die Vergangenheit und Gegenwart

Jetzt reisen wir ein wenig in der Zeit zurück, ungefähr zweitausend Jahre, vielleicht etwas weniger. Wir sind nicht in der Nähe der Weser, sondern in der Nähe des Jordans. Es ist der Ostermorgen, beziehungsweise eigentlich nur ein ganz durchschnittlicher Morgen.
Noch ist alles ruhig und still, die Sonne geht gerade auf, und alles beginnt ganz unspektakulär. Drei Frauen sind zusammen unterwegs zu einem Grab: Maria, Salome und Maria. Keine Posaunen, kein Chor, kein Triumph. Das Einzige, was die drei dabei haben, ist ein bisschen Salböl, viele Fragen und vor allem eine große Frage: Wer wälzt uns den Stein weg?
Wobei, vielleicht ist der Morgen doch nicht so durchschnittlich, wie ich ihn gerade beschrieben habe. Vielleicht ist er gar nicht so normal, denn alle sind in Trauer, alle sind im Schock. Was war das vorgestern? Was ist da passiert auf Golgatha? Die drei sind in Trauer. Maria, Salome und Maria sitzen der Schock noch in den Knochen.
Und trotzdem gehen sie los. Sie sind entschlossen, trotz aller Hindernisse. Ich denke, von diesen drei Frauen können wir einiges für unser Leben mitnehmen. Wir schauen jetzt gemeinsam auf das, was die drei erlebt haben, und meine Hoffnung ist, dass wir das eine oder andere davon auf unser Leben übertragen können. Dass wir das eine oder andere davon für uns und unseren Alltag mitnehmen können – von Maria, Salome und Maria und übrigens auch von den Hirten auf dem Feld.
Weihnachten ist ja noch nicht so lange her, und was die Frauen ganz am Ende dieser irdischen Jesusgeschichte erlebt haben, erfahren die Hirten auf ihre Weise ganz zu Beginn der irdischen Jesusgeschichte. Dazu aber später noch mehr.

Glauben als mutiger Aufbruch trotz Hindernissen

Committed trotz Hindernissen
Glauben heißt, mutig loszugehen. Das ist unser Thema. Heute Nachmittag schauen wir uns den letzten Teil im Markus-Evangelium an, nämlich Markus 16, Verse 1-8. Dort begegnen uns drei Hindernisse: das Erwartbare, das Unerwartete und das Gewöhnliche.
Wir betrachten Markus 16, das in drei Teile unterteilt ist. Erstens: Der Stein ist weg – das erste Hindernis, das Erwartbare. Zweitens: Das Grab ist leer – das zweite Hindernis, das Unerwartete. Und drittens: Jesus im Gewöhnlichen – das dritte Hindernis, das Gewöhnliche.

Das erste Hindernis: Der erwartbare Stein

Der Stein ist weg – oder auch das erste Hindernis, das erwartbare (Markus 16).
Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome wohlriechende Öle. Sie wollten die Totensalbung vornehmen. Ganz früh am ersten Wochentag kamen sie zum Grab. Die Sonne ging gerade auf. Unterwegs fragten sie sich: Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?
Die Frauen rechneten mit einem Hindernis, mit einem schweren Stein, den sie nicht würden wegrollen können. Trotzdem machten sie sich auf den Weg, ohne zu wissen, wie das Problem gelöst werden sollte.
Ich finde das super erstaunlich. Darin steckt für uns schon eine Glaubenslektion: Glauben, Glaubensmut heißt, trotzdem loszugehen. Die Frauen waren dabei nicht unüberlegt unterwegs, im Gegenteil, sie haben mitgedacht.
Das heißt hier: Als der Sabbat vergangen war, kauften die Frauen das Salböl. Damit ist wahrscheinlich der Samstagabend gemeint, als der Sabbat vorbei war und das Leben wieder begann. Sie haben also rechtzeitig geplant und frühzeitig genug eingekauft, um am nächsten Morgen, schon sehr früh, als die Sonne gerade aufging, aufzubrechen.
Die Frauen waren Sonntagmorgen also erkennbar besser auf ihre Tour vorbereitet als ich damals auf meiner Tour entlang der Weser. Sie haben sich überlegt, was sie machen. Und vielleicht überrascht mich gerade deshalb, warum sie überhaupt losgegangen sind. Da ist doch der Stein vor dem Grab, und die Frage, die sie sich wirklich gestellt haben, ist deswegen auch überliefert: Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?
Wenn wir das lesen oder hören, kann uns das vielleicht verwirren oder irritieren. Es kann uns aber auch eine Glaubenslektion sein: Glauben heißt mutig losgehen. Glaubensmut heißt manchmal, trotzdem loszugehen. Denn wie oft bleiben wir stehen, weil wir ein Problem vorher schon lösen wollen? Beziehungskonflikte, Glaubenszweifel, Schulden, Krankheit, Schuld – das sind alles Steine in unserem Leben, riesige Steine, die uns manchmal daran hindern, überhaupt erst loszugehen.
Der Stein war für die Frauen ein reales, ein großes und ein absolut erwartbares Problem. Der Stein war für sie keine Überraschung. Sie wussten, dieses Hindernis wird noch auf uns zukommen. Unsere Steine kennen wir höchstwahrscheinlich schon.
Es gibt Dinge im Leben und im Glauben, von denen wir wissen, dass sie unsere Steine sind. Dinge, die uns den Glauben oder das Leben schwer machen. Dinge, die uns daran hindern oder hindern wollen, mutig loszugehen.
Was ist es bei uns? Was ist es bei dir? Vielleicht die Angst, was andere Menschen denken? Die Sorge, jemandem auf den Schlips zu treten? Das Unbehagen, vielleicht irgendwie zu forsch unterwegs zu sein? Die Angst davor, dass das eigene Bild bei anderen Kratzer bekommt?
Vielleicht ist es die Unsicherheit: Was glaube ich eigentlich? Und kann ich wirklich glauben, was ich glaube? Dieser leise Zweifel: Stimmt die ganze Sache mit Jesus und mit Gott überhaupt? Diese inneren Stimmen, die mich fragen: Willst du wirklich einer Macht, einer Sphäre dein Leben anvertrauen, die man nicht sehen kann?
Oder ist es ganz schlicht die eine Sache, die dir unmittelbar und spontan schon in den Kopf gekommen ist, als das Stichwort „Stein“ gefallen ist? Denn manchmal ist unser Wunderpunkt gar nicht so sehr verborgen, wie wir meinen. Er ist eigentlich recht präsent, wir drängen ihn nur immer weg.
Welcher Stein ist dein erwartbares Hindernis? Wie oft bleiben wir stehen, weil wir ein Problem schon vorher lösen wollen? Beziehungskonflikte, Glaubenszweifel, Krankheit, Schuld – riesige Steine, die uns manchmal daran hindern, überhaupt erst loszugehen. Doch Glauben heißt manchmal trotzdem loszugehen.

Das zweite Hindernis: Die überraschende Leere des Grabes

Und dann? Kommt die Überraschung, Vers vier: Als sie zum Grab aufblickten, sahen die Frauen, dass der große, schwere Stein schon weggerollt war.
Als sie ankommen, ist der Stein bereits weggerollt. Gott hat vorbereitet, was die Frauen noch für kaum lösbar gehalten haben – und das ist Ostern. Gott rollt den Stein des Todes zur Seite.
Ja, er zerschmettert den Stein der Schuld, den Stein der Hoffnungslosigkeit, der Niedergeschlagenheit. Dieser Stein ist weg – das ist Ostern.
Was sind unsere Steine? Ich habe gerade schon eine kleine Liste genannt: Beziehungskonflikte, Glaubenszweifel, Krankheit, Schuld. Du darfst deinen eigenen Stein gerne ergänzen.
Als die Frauen an ihrem Stein am Grab ankommen, da hat Gott bereits vorbereitet und beseitigt, was sie noch für unlösbar gehalten haben.
Lass dich von Ostern ermutigen: Gott ist dir einen Schritt voraus. Wo du heute noch einen riesigen Stein siehst, sieht Gott schon das leere Grab.
Glauben heißt, mutig losgehen. Losgehen, obwohl wir nicht alles verstehen. Losgehen, obwohl wir noch nicht wissen, wie der Stein zur Seite gerollt werden kann.
Losgehen, aber vielleicht auch in der zarten Hoffnung dieses frühen Morgens – wie bei den Frauen. Vielleicht, vielleicht tut Gott heute ein Wunder, ein großes oder ein kleines.
Losgehen in der zarten Hoffnung des frühen Morgens: Vielleicht ist Gott mir einen Schritt voraus.

Das dritte Hindernis: Das gewöhnliche Leben als Begegnungsort

Das Grab ist leer – oder auch: das zweite Hindernis, das Unerwartete
Die Frauen gingen in die Grabkammer hinein. Dort sahen sie einen jungen Mann, der auf der rechten Seite saß und ein weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken sehr, doch er sagte zu ihnen: „Ihr braucht nicht zu erschrecken. Ihr sucht Jesus aus Nazaret, der gekreuzigt wurde. Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Er ist nicht hier. Seht, hier ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt hatten.“
Das Grab ist leer.
Was wir am Ostermorgen, wenn wir Ostern zusammen feiern, laut ausrufen und worüber wir uns so sehr freuen, ist für die Frauen ein Schock. Das leere Grab ist für die ersten Zeuginnen keine schöne Überraschung, sondern ein entsetzlicher Schock. Sie suchen den Leichnam, doch sie finden nichts.
Zunächst einmal finden die Frauen nichts. Sie finden Jesus nicht, sie finden Gott nicht dort, wo sie ihn erwartet hätten. Das trifft sie unerwartet. Das ist das zweite Hindernis: das Unerwartete.
Solange wir auf dieser Welt leben, werden uns immer wieder Dinge ganz unerwartet treffen. Dinge, die uns das Leben schwer machen und Dinge, die uns den Glauben erschweren. Gescheiterte Beziehungen, verlorene Träume, Zweifel an uns selbst, erschütternde Diagnosen, der Verlust eines lieben Menschen.
Und manchmal, manchmal wird es uns auch so gehen wie den Frauen: Wir finden Gott nicht dort, wo wir ihn erwartet hätten.
Gott, ich öffne die Bibel, doch so oft kommt nichts. Ich spüre nichts, ich lese nichts, was mich berührt. Wir finden Gott nicht dort, wo wir ihn erwartet hätten.
Gott, ich bete doch jeden Tag, und jeden Tag kommt nichts. Ich spüre nichts, ich höre nichts, was mich berührt. Wir finden Gott nicht dort, wo wir ihn erwartet hätten.
„Ich gehe doch in die Gemeinde, ich gehe in den Gottesdienst, ich gehe in die Jugendgruppe, und jedes Mal kommt nichts. Ich spüre nichts, erlebe nichts.“ Wir finden Gott nicht dort, wo wir ihn erwartet hätten.
Das leere Grab ist im ersten Moment keine schöne Überraschung, sondern ein entsetzlicher Schock. Was die Frauen suchen, ist der Leichnam – und was sie finden, ist nichts. Die Frauen finden nichts.
Beginnt hier alles? Denn manchmal – und der nächste Satz fällt mir ehrlich gesagt nicht leicht über die Lippen, denn in manchen Situationen unseres Lebens wirkt dieser Satz wie die reinste Zumutung – manchmal ist das Nichts nicht die Abwesenheit Gottes, sondern der Beginn von etwas Neuem.
„Er ist auferstanden“, sagt der Engel, und das ändert alles. „Er ist nicht hier. Ihr braucht nicht zu erschrecken, ihr braucht euch nicht zu sorgen. Macht aus dem Salböl für einen Toten lieber Parfüm für den Auferstandenen. Er ist auferstanden, Jesus lebt.“
Der Tod hat nicht das letzte Wort. Der Tod, das vermeintlich größte, überhaupt nur vorstellbare Ende, hat nicht das letzte Wort. Denn das Ende ist erst der Anfang.
Als alle dachten, jetzt sei das Ende erreicht, wirft uns das Markus-Evangelium zurück an den Anfang – auch in der Art, wie es geschrieben ist.
Die Kreuzigungsszene, das ist Markus 15. Dort heißt es in Vers 34: „Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verschied.“ Er stirbt. Das Ende.
In Markus 15,39 heißt es: „Als aber der Hauptmann, der ihm dabei gegenüberstand, das sah, dass er so verschied, sprach er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“
Das Ende.
„Dieser Mensch war Gottes Sohn“, so heißt es in einer der letzten Szenen im Markus-Evangelium. Und das Markus-Evangelium beginnt aber mit dem Satz: „Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“ (Markus 1,1)
Die Beobachtung des römischen Hauptmanns unter dem Kreuz am scheinbaren Ende – „Dieser Mann war Gottes Sohn“ – wirft uns wieder ganz an den Anfang des Markus-Evangeliums: „Dies ist das Evangelium von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“
Was der römische Hauptmann bekennt, ganz am Ende, bringt uns zurück an den Anfang. Denn das Ende ist erst der Anfang.
Das Grab wird zum leeren Grab, der Tod stirbt selbst, und das Leben fängt jetzt erst so richtig an. Die zarte Hoffnung des frühen Morgens wird zur Realität.
Und bei uns?
Mein Beispiel mag nicht perfekt sein, aber ich bringe es trotzdem noch einmal: Meine Radtour an der Weser entlang. Tag drei – ich war wirklich völlig am Ende. Meine Beine waren leer, die Kraft war ausgebraucht, und ich hatte unsagbare Schmerzen, um mich auf den dünnen Fahrradsattel zu setzen.
Phasenweise fuhr ich so langsam, dass ich Angst hatte, umzukippen. Das ist keine Übertreibung – ich war wirklich brutal langsam. Ich dachte, alles wäre vorbei an Tag drei.
Und wisst ihr was? An Tag vier, am nächsten Tag, bin ich die längste Fahrradtour meines ganzen Lebens gefahren. Aus heiterem Himmel konnte ich fahren, fahren, fahren.
Tag drei war mein gefühltes Ende – und ich hatte schon geschaut, welche Züge zurückfahren. Eigentlich ging es danach erst so richtig los.
Wieder zurück zu unserem Thema: Das Grab wird zum leeren Grab.
Und wie oft stehen wir an Gräbern? Bildhaft oder tatsächlich. Gescheiterte Beziehungen, verlorene Träume, Zweifel an uns selbst, erschütternde Diagnosen, der Verlust eines lieben Menschen.
Ostern zeigt uns: Auch hier ist nicht das Ende. Jesus lebt, und weil er lebt, lebt die Hoffnung.
„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ heißt es deshalb auch zu Recht im Auferstehungsbericht im Markus-Evangelium.
Als Christen folgen wir einer lebendigen Hoffnung – einer Hoffnung, die in dieser Welt die Kraft hat, Totes wieder lebendig zu machen, Krankes zu heilen, Zerbrochenes wiederherzustellen und Verlorenes zu finden.
Als Christen leben wir im Vertrauen auf eine lebendige Hoffnung, die ihre ersten Spuren bereits hier und jetzt auf dieser Welt sichtbar zeigt. Aber trotzdem ist sie noch nicht in Fülle, noch nicht immer und noch nicht überall.
Mancher Schmerz in dieser Welt bleibt.
„In der Welt habt ihr Angst“, sagt Jesus deshalb auch, „doch seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.“ Das sagt Jesus.
In der Welt habt ihr Angst, aber „habt Hoffnung, ich habe die Welt überwunden“, das sagt Jesus vor seinem Tod.
Und als Beleg dafür, dass wir uns daran klammern dürfen, dass wir uns daran festhalten können und dass diese Hoffnung uns tatsächlich durchtragen wird, macht er wahr, was er gesagt hat.
Er überwindet die Welt, er überwindet den Tod, damit wir Hoffnung haben. Hoffnung, die in dieser Welt beginnt, die hier schon aufkeimt, die trotzdem manchmal angefochten und hart umkämpft ist, die dann aber andauert, ewig andauert – eine Hoffnung, die lebt, die ewig lebt.

Jesus begegnet im Alltag: Das dritte Hindernis

Und dann Jesus im Gewöhnlichen – oder auch das dritte Hindernis: das Gewöhnliche.
Vers 7: „Macht euch auf“, spricht der Engel, „sagt seinen Jüngern, besonders Petrus: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.“
Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich.
Dass die Frauen erschrocken sind und nach dieser Begegnung zittern, finde ich sehr verständlich. Darauf sind wir ja am Anfang schon kurz eingegangen – auf diesen Schock.
Ich möchte mit euch zum Schluss noch auf die Zusage schauen, die der Engel den drei Frauen mitgibt: „Jesus geht euch voraus nach Galiläa.“
Dieser Satz klingt unscheinbar, aber in ihm steckt Großes, Schönes und Ermutigendes.
Jesus geht euch voraus nach Galiläa. Galiläa ist der Ort des Alltags. Nichts Außergewöhnliches. Galiläa ist dort, wo die Frauen und Männer, die Jüngerinnen und Jünger, schon immer waren.
Der Engel sagt nicht: Jesus wartet auf euch im Paradies, Jesus wartet auf euch im Tempel, Jesus wartet auf euch in der Kirche oder im Hauskreis, wenn ihr die Bibel lest. Sondern da, wo euer Leben spielt.
Gott begegnet uns im Alltag, im Gewöhnlichen.
Manchmal denken wir, dass dieses Gewöhnliche, dieser Alltag, ein Hindernis sei. Wir hoffen oder warten auf etwas Besonderes, auf etwas Mirakulöses, auf ein Wunder. Wir fokussieren uns so sehr auf das Außergewöhnliche, dass dieser Fokus für uns zum Hindernis wird.
Denn Jesus begegnet uns im Gewöhnlichen: am Arbeitsplatz, in Gesprächen, beim Rasenmähen oder Brotschneiden, beim Nachdenken, beim Reden, beim Zweifeln, beim Beten.
Wo begegnet Jesus seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern? Maria auf dem Friedhof, und sie erkennt ihn zuerst gar nicht. Petrus später beim Fischen. Den Emmaus-Jüngern im öffentlichen Nahverkehr – damals waren das vor allem die eigenen Füße. Er begegnet ihnen also beim Laufen.
Paulus begegnet er irgendwie bei einem Esel und irgendetwas mit Tieren.
Wo begegnet Jesus seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern vielleicht? In der Küche, im Pflegeheim, im Klassenzimmer, im ganz normalen Alltag, im Ausland, am Grab, beim Einkaufen, beim Wäschewaschen, am Krankenhausbett, im Lieblingscafé, in der Fertigungshalle, im Großraumbüro oder allein auf dem Berg.
Jesus geht euch voraus nach Galiläa. Galiläa ist der Ort des Alltags.
Was ist dein Galiläa? Wenn die Jumiko vorüber ist, was ist dein Ort des Alltags? Wohin kommst du zurück?
Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass Gott genau dort bei dir ist? Dass dein vielleicht unfassbar langweiliger und super monotoner Alltag für Gott gar kein Hindernis ist, sondern dass Jesus genau dort schon auf dich wartet?

Die Botschaft der Hirten: Zurück in den Alltag mit verändertem Herzen

Ganz am Anfang habe ich gesagt, dass wir noch kurz auf die Hirten aus der Weihnachtsgeschichte zu sprechen kommen. Die Hirten haben tatsächlich etwas absolut Außergewöhnliches erlebt. Sie haben den Messias gesehen, den Heiland der Welt getroffen, sie sind Jesus begegnet.
Im Lukasevangelium heißt es dann: "Und die Hirten kehrten wieder um." Die Hirten kehren also zurück zu ihren Herden, sie gehen zurück in den Alltag. Die Begegnung mit dem Messias reißt uns nicht unbedingt aus allem heraus. Auch danach werden wir noch einen Alltag haben. Vielleicht bleibt unser Alltag sogar genau der gleiche – so wie bei den Hirten, deren Alltag danach noch genauso hart, genauso anstrengend und genauso sozial geächtet war wie zuvor.
Ihr Alltag hat sich nicht geändert, die Hindernisse waren nicht weg. Was sich aber geändert hat, war ihr Herz. Obwohl sie gesellschaftlich immer noch am Rand standen, erzählen sie von dem, was sie erlebt haben. Die Begegnung an der Krippe hat nicht ihren Alltag, wohl aber ihr Herz verändert.
Jesus geht euch voraus nach Galiläa – Galiläa, der Ort des Alltags. Was ist dein Galiläa? "Macht euch auf", spricht der Engel zu den Frauen. "Macht euch auf" – das sagt Gott auch zu uns.
Mach dich auf – das war auch mein Motto letztes Jahr im Mai. Wäre ich nicht losgegangen, einigermaßen mutig, vielleicht ein klein wenig naiv, hätte ich so vieles nicht erlebt. So viel Schönes wäre einfach an mir vorübergezogen.
Mach dich auf, den Glauben an den lebendigen Gott zu entdecken, neu zu entdecken, vielleicht zum ersten Mal, neu oder zum zehnten Mal wieder ganz neu. Glauben heißt mutig losgehen.
Mach dich auf mit allem, was zu deinem Leben dazugehört: jede Krankheit, jeder Schmerz, jeder Erfolg, jeder Stolz, jede Freude, jede Träne, jeder Stein. Mach dich auf zu Jesus mit allem, was dir so unendlich wichtig erscheint und vielleicht auch wichtig ist, vielleicht aber auch nicht ganz so wichtig.
Mach dich auf, mach dich auf trotz der Steine. Denn Glauben heißt mutig losgehen, manchmal auch trotzdem losgehen. Mach dich auf in deinen Alltag und lass dich überraschen. Aber sei nicht überrascht: Gott ist dir einen Schritt voraus, Jesus ist bereits da. Amen.

Gebet zum Abschluss: Mut zum Glauben und Vertrauen auf Gottes Führung

Ich bete noch: Jesus, wir danken dir, dass du uns einen Schritt voraus bist. Danke, dass du schon einen Schritt vorausgegangen bist, als die Frauen damals zum Grab kamen und geschockt waren. Aus diesem Schock, aus dieser Lehre ist etwas Neues entstanden, das schöner, besser und herrlicher war als alles, was die Frauen sich zuvor auch nur vorstellen konnten.
Ich bitte dich für uns alle hier, für jede und jeden, die heute hier sind, dass wir das auch erleben dürfen: dass du uns einen Schritt voraus bist, Gott. Dass du uns überraschst in unserem Alltag, wo auch immer dieser sein mag – in der Schule, in der Ausbildung, im Studium, bei der Arbeit, zuhause in der Familie, beim Sport, in der Autowerkstatt, wenn wir draußen Schnee schippen müssen oder beim Einkaufen beim Bäcker.
Danke, dass du schon dort bist, mitten in unserem Alltag. Ich möchte dich bitten, Jesus, dass du uns Mut ins Herz pflanzt, loszugehen, unseren Glauben zu leben, von dir weiterzuerzählen und an deinem Reich zu bauen. Trotz allem, was wir schon sehen und was noch vor uns liegt, trotz der Steine in unserem Leben, die wir erkennen, und trotz all der Hindernisse, die ganz spontan und unerwartet kommen werden und uns aus der Bahn werfen wollen.
Danke, dass du mit dabei bist. Hilf uns, auf dich zu schauen, uns zu dir zu committen und dann ganz mutig einfach loszugehen. Amen.