Jakobus 3,13-18: "Weisheit: Was charakterisiert gute Lebensentscheidungen?"
Jakobus 3,13-3,1815.12.2013
Serie•Teil 7 / 11Jakobus
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Ein praktischer Einstieg in die Frage nach klugen Lebenswegen
Also, wir werden uns heute um ein Thema drehen, das praktischer nicht sein könnte. Es gibt Themen, die sind nicht ganz so praktisch, wie wenn man zum Beispiel über die vier apokalyptischen Reiter spricht. Das ist dann manchmal ein bisschen schwierig, das so ins eigene Leben hineinzuziehen. Da tue ich mir auch immer ein bisschen schwer, das dann so eins zu eins zu übertragen.
Heute ganz, ganz simpel. Sowieso ist das bei Jakobus ganz simpel. Letztes Mal war es ja auch leicht. Wir reden heute über Weisheit. Wir reden eigentlich über die Frage: Wann sind Lebensentscheidungen, die ich treffe, von Weisheit geprägt?
In den Sprüchen heißt es an einer Stelle: Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint. Und wenn die Sprüche von geraden Wegen sprechen, dann sind das immer die guten, im Gegensatz zu den krummen Wegen. Wir haben das im Deutschen auch: gerade und krumm. Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber zuletzt sind es Wege des Todes.
Im Deutschen gibt es das Sprichwort: Irren ist menschlich. Und das sagt der Vers. Jemand meint, auf dem richtigen Weg zu sein, aber am Ende stellt er im Rückblick fest: Ich bin an bestimmten Stellen falsch abgebogen. Das stimmt einfach nicht. Ich habe mich geirrt. Ich komme am Ende nicht da raus, wo ich eigentlich in meinem Leben hin wollte.
Und das ist eine ganz gruselige Sache. Wir hatten das gestern auch in der Jugend, dass ich versucht habe zu zeigen: Wir stehen als Menschen vor ewig vielen Lebensentwürfen. Du kannst auf der einen Seite Selbstmordattentäter werden. Es gibt genug, die sagen, das ist der beste Lebensentwurf, den es gibt: mich in die Luft zu sprengen und ein paar andere mitzunehmen. Und du kannst am anderen Ende der Skala in ein Kloster gehen und dich zurückziehen und nur von morgens bis abends beten.
Dazwischen gibt es alle Arten von Lebensentscheidungen, Lebenswegen, die wir gehen können. Schritt für Schritt für Schritt.
Und das Verrückte ist: Weiter haben wir einen Teenie-Chill-Out gemacht mit dem Titel Casino Royale, und ich durfte den Teenies etwas sagen über Zeit, Leben als Spiel. Wo du die Chips hast, wie in einem Casino. Du musst dir überlegen: An welchen Tisch setze ich mich? Setze ich mich an den Roulettetisch, an den Blackjack-Tisch? Will ich woanders hin? Will ich beim Pokern mitmachen?
Und du hast immer diese Chips. Du hast die Zeit deines Lebens. Du musst diese Chips setzen, Minute für Minute. Mach mal so: Jedes Mal, wenn du schnippst, setzt du eine Sekunde Zeit. Du kannst nichts dagegen tun. Du setzt sie einfach. Und diese Sekunde wird gelebt, und sie ist vorbei.
Zeitsparen? Na ja, seit Momo wissen wir, dass das nicht funktioniert, wenn die grauen Herren kommen. Du sparst dir nie Zeit. Es geht einfach schnipp, schnipp, schnipp. Die Frage ist: Wie setze ich meine Zeit ein? Und hinter dieser Frage, wie setze ich meine Zeit ein, steht die Frage: Welche Lebensentscheidungen treffe ich?
Und hier sagen die Sprüche: Sei vorsichtig. Es kann sein, dass du die ganze Zeit deines Lebens denkst, richtig unterwegs zu sein, und an einem bestimmten Punkt merkst: Ich fahre mein ganzes Leben gegen die Wand.
Es kann sogar sein, an anderer Stelle heißt es in den Sprüchen: Ohne Erkenntnis ist selbst Eifer nicht gut. Es kann sein, dass du mit Vollgas unterwegs bist, dass du wirklich Eifer in deinem Leben hast, dass du wirklich Leistung bringst, einen absolut vollen Terminkalender hast, und trotzdem steckt da nicht das dahinter an Einsicht und Weisheit, was Gott sich wünscht.
Von daher heute mal dieses Thema: Weisheit. Was ist Weisheit eigentlich? Ich möchte das am Anfang definieren. Weisheit ist für mich, das richtige Lebensziel mit den richtigen Mitteln zu erreichen.
Woran sich Weisheit im Alltag erkennen lässt
Und im Jakobusbrief steigen wir jetzt ein, Kapitel drei. Wir werden uns heute die Verse dreizehn bis achtzehn anschauen. Da fragt Jakobus am Anfang: Wer ist weise und verständig unter euch?
Das sind diese typischen Fragen, auf die er jetzt keine Antwort will. Er will nicht, dass sich jetzt sein Auditorium meldet und sagt: Ich, ich, ich. Es ist einfach erst einmal nur so hingestellt. Ja, keiner soll etwas sagen. Denn er möchte gleich selber erklären, wie man das denn mitbekommt. Er möchte, dass die Leute darüber nachdenken: Wenn mich jetzt wirklich jemand gefragt hätte, nicht so öffentlich, sondern so bei einem Bier heute Abend irgendwo noch einmal im kleinen Rahmen, was hätte ich dem gesagt? Woran hätte ich das festgemacht, ob mein Leben jetzt gerade weise ist oder ob ich vielleicht eher nicht so weise unterwegs bin?
Und Jakobus, wie immer der Praktiker, sagt dann: Er zeige aus dem guten Wandel seine Werke in Sanftmut der Weisheit. Wir werden heute zwei, drei solche Sätze haben, wo du erst einmal davor stehst und sagst: Danke. Auch das Griechisch ist so, dass, wenn man versucht, es eins zu eins zu übersetzen, es euch so geht wie mir: Wir haben eine Gehirnwendung zu wenig, um es auf Anhieb zu verstehen. Ist einfach so. Manchmal lässt sich von einer Sprache in die andere nicht alles gleich transportieren. Lasst euch davon bloß nicht abschrecken. Jakobus ist so herrlich praktisch, dass es manchmal, oder meistens sogar, reicht, so ungefähr den Sinn zu verstehen, ohne jedes einzelne Wort begriffen zu haben.
Und hier auch: Wenn du sagst, ich bin weise, dann würde Jakobus sagen: Okay, dann zeig mir doch mal deine Weisheit. Den Gedanken hatten wir schon mal: Wenn du sagst, ich bin gläubig, zeig mir deinen Glauben. Wenn du sagst, ich bin weise, zeig mir deine Weisheit. Und zwar aus dem guten Wandel seine Werke. Also wenn du weise bist, dann muss das irgendwo so sein, dass man das in deinem Leben sieht.
Der gute Wandel: Man muss es in deinem Verhalten sehen. Und dieses Verhalten ist ja geprägt von einzelnen Lebensentscheidungen, von einzelnen Dingen, die du tust. Und wenn ich in dein Leben hineinschaue und mir anschaue, wie du bestimmte Dinge deines Lebens tust, dann habt immer diesen Blick: Die Bibel sieht Lebensentscheidungen wie Schritte auf einem Weg. Du triffst einfach eine Entscheidung nach der anderen. Wann du aufstehst, was du frühstückst und so weiter. Es sind Lebensentscheidungen.
Und sie kommen uns manchmal so banal daher, so nach dem Motto: Wir müssen das ja machen. Stimmt, du musst diese Entscheidungen treffen. Selbst wenn du keine Entscheidungen triffst, triffst du Entscheidungen. Das ist total irre. Dann trifft ein anderer sie für dich. Okay, ja.
Du lebst diese Sekunde, und du lebst die nächste und die übernächste. Und entweder lässt du sie vorbeiziehen und denkst: Wird schon irgendwie. Oder du sagst: Nee, ich möchte wirklich ein weises Leben. Ich möchte am Ende – und da gibt es wenige jetzt hier, die so weit sind, dass sie sagen: Ende, ja, also wirklich da hinten raus, wenn die Dinge getan sind, die zu einem Leben gehören – ich möchte dann zurückschauen und sagen: Es war gut. Oder ich möchte heute Entscheidungen treffen, die gut sind.
Jakobus wird sagen: Man kann das sehen, und zwar kann man das sehen in Sanftmut der Weisheit.
Die innere Haltung hinter klugen Entscheidungen
Wenn jemand weise ist, dann gibt es dort, wo Weisheit ist, auch Sanftmut. Die beiden Begriffe gehören zusammen.
Sanftmut ist in der Bibel ein ganz interessanter Begriff. Jesus sagt von sich selbst, dass er sanftmütig ist. Und wenn wir sanftmütig hören, dann denken wir manchmal: Na ja, der hat halt nicht so viel drauf, der ist irgendwie nicht so der Powertyp.
Aber wenn Jesus über sich sagt, dass er sanftmütig ist, dann merken wir: In Jesus steckt die Kraft der Schöpfung. Da steht der Schöpfer vor mir, da steht einer vor mir, der mit einem Wort eine Welt erschaffen kann. Und der sagt: Ich bin sanftmütig.
Und wir merken: Der Begriff sanftmütig bedeutet in der Bibel nicht schwach, sondern etwas anderes. Jemand hat das auf Englisch einmal so gesagt: Power put under control, also Kraft, Leistungsfähigkeit unter Kontrolle.
Wenn der Grieche von einer sanftmütigen Arznei spricht, dann meint er, dass jede Arznei dich umbringen kann. Du brauchst nur die entsprechende Dosis davon. Aber die sanftmütige Arznei ist die Dosis, die dir guttut.
Ein sanftmütiger Sturm wäre im Griechischen ein Sturm, mit dem du gut segeln kannst, der aber nicht so gewaltig ist, dass er dich mitreißt. Ein sanftmütiges Pferd wäre ein Pferd, das sich von einem guten Jockey zu Höchstleistungen bringen lässt, ohne einfach wild durchzugehen.
Sanftmut heißt: Ich habe eigentlich Kraft in mir. Ich habe die Kraft, jede Beziehung zu zerstören. Es ist ganz einfach. Ich habe das in mir. Ich weiß, was ich sagen muss, um eine Beziehung zu zerstören. Ich weiß, was ich tun muss, um eine Beziehung zu zerstören. Ich weiß, wie ich mit dem anderen umgehen muss, damit am Ende nur noch Scherben übrig bleiben.
Und jetzt kommt Gott und sagt: Diese Kraft, die du hast, dieses Zuviel, das musst du in den Griff kriegen, wenn du im Miteinander mit anderen Leuten weise sein willst.
Und ich muss das vornewegschicken: Wenn Jakobus hier von Weisheit spricht, dann hat er nicht Weisheit in allen Lebensentscheidungen vor Augen, sondern er spricht über die Weisheit des Miteinanders. Wenn wir miteinander leben, wie tun wir das auf eine gute Weise? Und da gibt es verschiedene Ansätze.
Falsche Motive und ihre Folgen
Vers 14 Wenn ihr aber bitteren Neid und Eigennutz in euren Herzen habt, so rühmt euch nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit.
Jakobus fragt: Was ist in dir drin? Du triffst irgendwo kluge Entscheidungen, zumindest sehen sie erst einmal nicht völlig bescheuert aus. Die Frage ist: Was motiviert dich?
Und was wir hier vor uns haben, ist der Unterschied zwischen göttlicher Weisheit auf der einen Seite und Bauernschleue auf der anderen Seite. Bauernschleue, dieses: Ich lebe so, wie einer, der durchkommt. Ich bringe mein Schärflein ins Trockene. Ich schaffe das. Ich sorge dafür, dass ich in dieser Welt gut dastehe. Bauernschleue, das ist nicht Weisheit.
Wenn man da genau hinschaut, stellt man fest: Die Motivation dahinter ist Neid. Da hat ein anderer etwas, was ich auch gerne hätte. Und ich jiebere und ich arbeite und ich investiere mich, bis ich das habe, weil der andere es hat. Eigennutz: Ich drehe mich um mich selber. Ich lebe mein Leben für mich, und ich bin bereit, jeden Preis zu bezahlen, damit es mir in meinem Leben gut geht.
Und ich strenge mich an, ich investiere meinen Intellekt, meine Kontakte, mein Know-how, meine Talente. Ich investiere das, damit ich es in diesem Leben zu etwas bringe. Und da würde Jakobus sagen: Wenn das in deinem Leben so da ist, wenn es dir eigentlich nicht um Weisheit geht, sondern um dich selber, wenn du das haben möchtest, was andere haben, dann sei vorsichtig. Das ist eigentlich keine Weisheit.
Wenn du dich dann hinstellst und sagst: Schaut mal, wie toll es mir geht, schaut euch mein Auto an, schaut euch mein Bankkonto an, schaut euch an, wie toll ich angezogen bin, schaut euch an, wo ich es beruflich zu etwas gebracht habe, schau dir an, wie gut ich dastehe! Dann würde Jakobus sagen: Vorsicht, Freund, da hörst du mal schön auf, damit anzugeben. In Wirklichkeit ist das überhaupt nichts wert. Das ist nur außen so Zuckerguss.
Wenn man ein bisschen durchbohrt unter dem Zuckerguss, dann ist da innen drin so eine pampige, klebrige, eklige Masse aus Neid und Eigennutz. Das ist alles nicht echt.
Der Ursprung echter Weisheit
Wo fängt wahre Weisheit an? Das ist eine ganz wichtige Frage.
Wir denken oft, Weisheit fängt bei mir an, damit, dass ich mir überlege, was ich brauche. Und wenn ich dann weiß, was ich brauche und was ich haben will, dann muss ich mich auf den Weg machen, um es zu bekommen. Doch Gott sagt: Nein, wahre Weisheit fängt an einer ganz anderen Stelle an. Wahre Weisheit, kluge Lebensentscheidungen, sind die Folge einer ganz anderen Sache.
Da heißt es in den Sprüchen, in Sprüche 9,10: Ich lese es euch nur vor: Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.
Und hinter diesem Begriff, Furcht des Herrn oder Furcht Gottes, steckt etwas, das für uns schwer zu fassen ist. Es ist eine Mischung. Einerseits steht der Begriff für den Standard, den Gott gibt. Andererseits steht er für die Beziehung, die wir zu Gott haben. Es steht also für die guten Gebote Gottes, die Gott uns mitgibt. Und es steht dafür, dass wir diese guten Gebote halten, weil wir Gott lieben.
Dieser Aspekt, dieses in Gott verwurzelt sein, dieses für ihn leben wollen, dieses wirklich auf ihn ausgerichtet sein wollen, neutestamentlich würden wir sagen: Jesus nachfolgen, das ist der Anfang von Weisheit.
Warum muss das der Anfang von Weisheit sein? Weil ich, wenn ich an dieser Stelle anfange, weiß, wofür ich lebe. Ich kann keine klugen Entscheidungen treffen, wenn ich nicht weiß, wofür ich lebe. Um noch einmal das Beispiel mit dem Casino zu nehmen: An welchen Tisch setze ich mich? Setze ich mich an den Tisch Karriere und gebe dort meine Zeit aus? Setze ich mich an den Tisch Familie und gebe dort meine Zeit aus? Setze ich mich an den Tisch Hobby, Sport und gebe dort meine Zeit aus? An welchen Tisch setze ich mich?
Ihr habt euch entschieden, diese Sekunde hier zu verbringen. Warum? Warum bist du hier? Ist das eine weise Entscheidung? Oder ist es eher so: Na ja, das wäre schon blöd, wenn man am Sonntag hier nicht aufschlägt. Was sollen die anderen denken? Ja, macht man halt so. So hat man sich irgendwann mal ein bisschen daran gewöhnt. Warum bist du hier? Was erwartest du dir von dieser Entscheidung, von dieser Sekunde?
Die Furcht des Herrn, diese Beziehung zu Gott, muss am Anfang stehen, weil jede Entscheidung, die ich treffe, davon abhängt, wofür ich eigentlich lebe. Und Christen leben dafür, dass sie sagen: Ich bin in dieser Welt, um Gott zu genießen und Gott zu verherrlichen. Ich weiß, dass ich dafür in dieser Welt bin, und ich möchte mein Leben und meine Lebensentscheidungen so einrichten, dass das gelingt.
Und der zweite Punkt ist: Wir brauchen diesen Startpunkt Gottesfurcht, weil er uns zeigt, wo wir wirklich brauchbare Tipps fürs Leben herbekommen. Wir bekommen nämlich alle möglichen Tipps. Aber wo sind denn die brauchbaren? Die, bei denen ich am Ende eines Lebens zurückblicke und sage: Das war wirklich gut.
Und dann, das ist vielleicht das Wichtigste, brauchen wir eine Perspektive auf das Leben. Eine Perspektive, in deren Zentrum ein himmlischer Vater steht, der es wirklich gut mit uns meint. Der mir auch sagt: Weißt du, Jürgen, das Eigentliche kommt noch. Denn wir sitzen ja nicht hier als die Winner, der eine mehr, aber die meisten eher weniger. Wir sitzen hier als Leute, die gezeichnet sind, die Dinge erlebt haben und Dinge getan haben, bei denen sie eigentlich sagen: Boah, das ist mir gar nicht so recht.
Und jetzt kommt Gott und schenkt uns eine Perspektive. Er sagt uns: Ich möchte dir Weisheit schenken für dieses Leben, aber ich möchte dir noch etwas viel Größeres geben. Selbst wenn du in diesem Leben Dinge falsch machst, weißt du was? Du kannst sogar die Begrenztheit deines Lebens akzeptieren, weil das Beste noch kommt. Ist das der Hammer!
Und deswegen muss Weisheit anfangen, nicht bei dem: Ich schaue mal und fühle mal in mich hinein, was hätte ich denn gern und was könnte ich mir denn vorstellen, was ich brauche. Und dann lese ich meine Lieblingstageszeitung und schaue, was ist denn heute gerade in. Sondern ich muss bei Gott anfangen und brauche seine Perspektive auf mein Leben. Und darf sagen: Ey, ich habe einen Vater im Himmel, Wahnsinn. Ich weiß, wofür ich lebe, und ich weiß, wo ich ein paar gute Tipps für mein Leben herkriege, nämlich aus der Bibel.
Und wenn ich anstelle davon Neid und Eigennutz in meinem Leben finde, wenn ich merke, eigentlich interessiert mich das gar nicht, Gott zu verherrlichen, Gott zu genießen, eigentlich interessiert mich die Bibel gar nicht, und eigentlich bin ich ziemlich fixiert auf dieses Leben, und das Leben danach, das ist so ein ferner Traum, aber der hat keine so große Relevanz für mein Leben, wenn solche Dinge da sind, dann darf man ein bisschen darüber nachdenken, ob womöglich in meiner Lebensausrichtung etwas nicht stimmt. Habe ich mich da vielleicht auf etwas eingelassen, auf eine Form von Weisheit eingelassen, die es gar nicht so gut mit mir meint?
Zwei Quellen von Weisheit
Es gibt nämlich verschiedene Quellen von Weisheit. Jakobus 3,15. Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt. Also: Die auf Neid und Eigennutz, auf Selbstsucht gegründete Weisheit ist nicht die, die von oben herabkommt.
Das ist die Weisheit, die wir schon in Jakobus 1 gelesen haben, in 1,16-17. Dort geht es um Gott, der in mein Leben hineinwirkt. Gott ist der, der oben ist. Er ist der Geber aller guten Gaben. Wir haben das am Anfang gelesen: Wenn dir Weisheit mangelt, was sollen wir tun? Beten. Logisch, was sonst? Ich finde die Weisheit nicht in mir. Ich brauche jemanden, der mich beschenkt. Und wenn Gott der Geber aller guten Gaben ist und ich Weisheit brauche, dann muss ich mich einfach beschenken lassen.
Und jetzt sagt Jakobus: Es gibt zwei Sorten von Weisheit, einmal die von oben und dann die von unten. Also: Ich treffe Entscheidungen. Noch mal, schnipp, die Sekunde ist vorbei, du triffst Entscheidungen. Wenn du hier sitzen bleibst und nicht schreiend rausrennst, ist das eine Entscheidung.
So, jetzt gibt es Weisheit, die ist von oben. Wie die aussieht, schauen wir uns gleich an. Und dann gibt es Weisheit, die ist irdisch, sinnlich, teuflisch. Also: Weisheit, irdisch, sinnlich, teuflisch. Ich lese noch mal den ganzen Vers: Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern eine irdische, sinnliche, teuflische.
Irdische Weisheit ist Weisheit, die sich speist von dem, was so an Ideen im Raum ist. Ich lebe ja in einer Gesellschaft, die durchdrungen ist von Ideen, die mir ständig sagt, was ich tun soll. Auf dem Weg von Spandau hierher, ich weiß nicht, wie viele Plakate ich gesehen habe. Die einen wollen, dass ich meinen Mund aufmache und so ein Stäbchen reinstecke, damit ich irgendwas zum Thema Blutkrebs mache. Der Nächste will mir irgendwelche Hosen verkaufen, wobei mein Schrank schon voll ist. Aber trotzdem hängt da ein Plakat: Kauf eine neue Hose. All diese Ideen. Und ihr habt das ja auch.
Weihnachten, hallo: Wer von euch hat sich nicht überlegt, was bräuchte ich denn noch? Da kommt dann diese Frage: Was hättest du denn gern zu Weihnachten? Und du weißt eigentlich: Nichts, Schatz, ich habe eh schon viel zu viel. Also mal ganz ehrlich: Ist wirklich jemand da, der ganz dringend noch was braucht, wo er sagt: Wenn ich das nicht kriege, dann sterbe ich in zwei Wochen? Ja, wahrscheinlich nicht, oder? Sondern es ist eher so: Man schaut dann mal selber bei Amazon ein bisschen nach, was könnte man sich denn noch für einen Film und für ein Buch und für ein Spiel oder für eine Handtasche oder für, was weiß ich, ein Autogadget oder sonst irgendwas. Was gibt es denn da draußen noch, was mir die Welt anbietet und mir vermittelt, dass ich das brauche, damit ich glücklich werde? Das ist irdische Weisheit.
Ich laufe dem Zeitgeist hinterher, dem Trend, der gerade in ist. Leben wie alle. Und weil ich lebe wie alle, bin ich richtig. Und jetzt kommt Gott und sagt: Falsch, das ist doch unsinnig. Das ist genau wie dieses Argument: Friss Scheiße, weil Milliarden von Fliegen können sich nicht irren. Versteht ihr ja, das ist doch bäh. Das kann man nicht bringen, dass die Masse immer recht hat. Das stimmt einfach nicht.
Entschuldigt das etwas grobe Beispiel, aber ich wollte es einfach mal auf den Punkt bringen, damit das klar ist. Wir müssen unseren Weg finden, und das kann nicht der breite Weg sein, wo alle entlang schlurfen und wir schlurfen so wie Lemminge hinterher, bis halt die Klippe kommt, dann fallen wir runter.
Gefährliche Formen von Selbstorientierung
Dann gibt es sinnliche Weisheit. Sie ist nicht vom Zeitgeist geprägt, sondern von dem, was in mir drinsteckt: von diesem Lustprinzip, von dem Gefühl, wie es mir heute geht. Ich horche dann mal in mich hinein. Da gehört auch diese Idee dazu, Dinge nur dann zu tun, wenn man sie von ganzem Herzen tut. Und so mache ich letztlich meine Lebensentscheidung abhängig. Na ja, von meinem Hormonspiegel, von meinem Blutdruck, davon, ob gerade ein Virus in meinem Bauch herumwirbelt oder nicht, davon, ob ich mich gerade mit meiner Frau gestritten habe oder nicht, ob mein Kind gerade, was weiß ich, in der Schule gut mitkommt oder nicht. Ja, also ich mache es davon abhängig, und das macht etwas mit mir.
Und Jakob sagt: Vorsicht! Wenn du auf diese Gefühle, wenn du darauf deine Lebensentscheidung aufsetzt, dann kann es nicht sein. Ob du dich freust oder ob du traurig bist, ob es dir gerade gut geht oder du gerade sagst: Boah, mir ist kotzübel, das spielt überhaupt keine Rolle für Weisheit. Bitte sei vorsichtig an der Stelle, weil du sonst so wie ein Spielball bist. Ja, geht es dir gut, geht es nach da; geht es nicht so gut, geht es nach da. Nein, lasst uns einen geraden Weg gehen.
Und dann geht es noch ein Stückchen weiter. Er sagt also: irdisch, dem Zeitgeist folgend, sinnlich, so etwas kommt aus mir heraus. Und dann kann das sogar dämonisch sein. Das ist dann ganz irre. Wir sehen das bei der Versuchung Jesu, dass der Teufel dem Sohn Gottes Gedankenangebote macht. Willst du nicht mal? Wäre das nicht mal schick, wenn du das so handhaben würdest, hier so ein Stein zu Brot? Und das wird uns auch passieren, dass der Teufel versucht, in unser Leben hineinzusprechen und uns dieselbe Weisheit, die die Dämonen haben, als Weisheit von oben zu verkaufen. Er setzt uns auf Lügen, damit wir Lügen folgen, bis wir unser Leben mit diesen Lügen ruiniert haben. Und dann stehen wir mittendrin in diesen Gefahren.
Weisheit ist nicht einfach. Wir müssen immer wieder aufpassen, dass das Dringliche nicht das Wichtige erschlägt, dass das Gefühl, dieser Eindruck, nicht den Willen erdrückt. Immer wieder müssen wir dafür sorgen, dass der Zeitgeist sich wirklich nicht so vor die ewigen Ziele schiebt, die Gott mit unserem Leben hat. Das ist wichtig, weil man, wenn ein Leben nicht weise gelebt wird, es meistens erst am Ende merkt. Dann merkt man es oft erst, wenn es schon einen Tick zu spät ist.
Deswegen rät Paulus an anderer Stelle in Römer 12: Seid nicht klug bei euch selbst. Lasst uns mit einem Gewissen, mit einem Humor über uns selber nachdenken. Das wäre mir so wichtig. Lasst uns ab und zu in den Spiegel schauen und herzlich lachen bei dem, was wir da sehen. Herzlich lachen über unsere eigene Dummheit, Begrenztheit und Hilfsbedürftigkeit, damit wir uns nicht irgendwann hinstellen und sagen: Boah, bin ich aber klug, ich bin der totale Checker, dann hast du den absoluten Durchblick. Nein, hast du nicht!
Also ganz ehrlich: Selbst wenn du viel in der Bibel gelesen hast, sei nüchtern. Und lach dich selber mal aus. Geh mit ein Stück Humor an dein Leben ran, bitte. Nimm das mal nicht so ernst, was alles in deinen Gedanken drin ist und in deinen Gefühlen. Versuche immer wieder, diesen Blick zu haben: Gott, ich brauche deine Hilfe. Menschliche Klugheit taugt tatsächlich nicht so viel.
Die Merkmale der Weisheit von oben
Vers 16, denn wo Neid und Eigennutz ist, also wo dieser falsche Startpunkt ist, der sich natürlich immer als der richtige darzustellen versucht, da ist Zerrüttung und jede schlechte Tat.
Das Wort Zerrüttung könnte man im Deutschen mit Instabilität übersetzen. Und Instabilität lässt euch, denke ich, an eine Geschichte aus der Bergpredigt erinnern. Da sagte der Herr Jesus etwas über ein Haus, das auf Sand gebaut wird.
Was muss der tun, der ein Haus auf den Sand baut, weißt du es? Eine Idee? Das Haus geht kaputt, richtig. Und warum geht es kaputt? Weil es auf Sand gebaut ist. Was hat er falsch gemacht?
Na ja, man muss sich jetzt umdrehen. Jesus sagt: Wenn du das Haus auf den Felsen baust, dann hörst du, was ich sage, und tust das. Und wenn jemand ein Haus auf dem Sand baut, und das war toll, wie du, ja, also sehr gut, ein Haus, das auf dem Sand gebaut ist, da hat jemand etwas von Jesus gehört und hat es nicht gemacht.
Und dann kommt so ein Lebenssturm daher und schüttelt so ein bisschen und unterspült so ein bisschen, und du machst plopp. Das ist das, was Jakobus meint: Zerrüttung, Instabilität.
Du baust dir ein Leben auf, und solange die Stürme des Lebens sich in Grenzen halten, kriegt das vielleicht keiner mit, dass das Fundament so ein bisschen wackelig ist. Aber in dem Moment, wo dann ein richtiger Sturm kommt, dann merkst du: kein brauchbares Fundament. Und außerdem merkst du es vorher schon an jeder schlechten Tat.
Du merkst, dass im Leben von Leuten, die diese falsche Grundlage haben, etwas nicht stimmt. Dass ihnen irgendwie nichts heilig ist. Dass ihnen Beziehungen nicht wirklich wichtig sind. Dass sie sich selbst der Nächste sind. Dass sie sich schwer damit tun, sich von jemand anderem etwas sagen zu lassen. Dass sie andere eher ausnutzen. Oder auch so Leute, die ihr Fähnchen immer in den Wind hängen. Kennt ihr so Leute, ja? Je nachdem, mit wem sie reden, haben sie eine andere Meinung. Oder Leute, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Das ist diese falsche Weisheit.
Und jetzt kommt Jakobus und sagt: Okay, ich möchte euch mal die richtige Seite vorstellen, die Weisheit von oben. Weil mich das interessiert, zu wissen: Weisheit von oben, Wahnsinn, ja, was würde das bedeuten für eine Gemeinde, wenn du über dich in Gemeinden nachdenkst und über deine Lebensentscheidungen im Umgang mit Geschwistern?
Hier, die Weisheit von oben aber ist, das ist der TÜV für diese, das sind die Kriterien für die Weisheit von oben: Die Weisheit von oben aber ist aufs Erste rein. Wenn du eine Lebensentscheidung triffst, dann sorge dafür, dass sie nichts Falsches, nichts Böses, keine Sünde enthält, dass sie sich wirklich nach Gottes Wort richtet.
Und für mich, das ist ein Begriff hier, tritt das jetzt fast ein Stück in den Hintergrund, weil er viel mehr Aspekte bringt, die für das Miteinander wichtig sind. Würde ich Weisheit von oben für das persönliche Leben definieren, würde ich auf diesem Punkt noch ein bisschen mehr herumhacken. Macht jetzt Jakobus nicht. Trotzdem ist das wichtig.
Wo sich Sünde und wo sich Böses in unsere Entscheidungen hineinschleicht, sind wir nie weise unterwegs. Niemand, der habsüchtig ist, ehebrecherisch ist, diebisch ist, kann von sich irgendwie sagen: Ich bin weise. Es ist nie weise.
Das Nächste: friedsam. Weisheit fördert das Miteinander und ist gegen Streit. Wenn ich eine Entscheidung treffe, die mich von Menschen trennt, wo ich merke, da belaste ich Beziehungen, kann ich dir von hier vorne sagen: Es ist nicht die Weisheit von oben.
Dann heißt es, sie ist gütig. Sie tut Gutes, sie überlegt sich: Wie geht es dem anderen? Wie kann ich dem anderen helfen? Das Gegenteil von sich um sich selbst drehen, das Gegenteil von Eigennutz.
Sie ist folgsam. Folgsam heißt, sie lässt sich etwas sagen. Also wenn du merkst, in deinem Leben zeigt sich so eine Mischung aus Dickköpfigkeit und Unbelehrbarkeit: Vorsicht, das, was auf diesem Weg erreicht wird, ist nie Weisheit von oben. Weisheit von oben ist immer bestrebt zuzuhören und denen ein Ohr zu leihen, die es vielleicht sogar wirklich besser wissen.
Dann ist sie voll Barmherzigkeit. Sie ist nicht gemein, nicht hinterhältig, sondern für den anderen da, gerade für den anderen, der schwächer ist. Sie ist voller guter Früchte, führt zu einem Leben voller Lebensqualität. Also ich schaue in das Leben hinein und ich merke: Irgendwie funktioniert das. Da sind gute Entscheidungen da, da ist Gottesfurcht da, da ist geistliches Wachstum da, da ist in einem Rahmen, der in dieser Welt möglich ist, auch etwas von innerer Stabilität da.
Wir ticken alle ein bisschen anders. Ich möchte jetzt auch nicht sagen: Sei gläubig, und dann hast du keine Probleme. Das ist weit davon entfernt. Aber da ist etwas, was doch funktioniert, so will ich das mal sagen: gute Früchte.
Da ist jemand unparteiisch. Weisheit von oben sagt nicht: Die Seite mag ich und die Seite mag ich nicht. Euch lade ich ein zu meinem Geburtstag, und euch, ihr könnt mir echt gestohlen bleiben. Das ist nicht Weisheit von oben. Warum? Weil Gott so nicht ist. Wir könnten das durchgehen. Weisheit von oben, Weisheit, die von Gott kommt, entspricht seinem Charakter, und sie ist ungeheuchelt.
Das heißt, sie führt zu einem ganz ehrlichen Leben ohne Masken. Wenn wir hier aufschlagen und sagen: Ich hätte gern ein tolles Miteinander, aber wir haben alle unsere Maske auf, dann wird da nichts passieren. Wie sollte ich jemandem begegnen, der eine Maske trägt? Und wenn ich ihn frage: Wie geht’s dir? Gut, na super, schön, das bringt uns jetzt wirklich nahe. Das wird nicht funktionieren.
Das heißt, wenn du dir die Frage stellst, wie lebe ich in Gemeinschaft, wie sind die Entscheidungen, die ich treffe, hier der Tipp: rein, friedsam, gütig, folgsam, voll Barmherzigkeit, voll guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt.
Wenn ihr den Bibelfers auswendig lernen wollt, lernt den auswendig. Und die gesamte Predigt, die ich heute gehalten habe, ist darin zusammengefasst. Nehmt ihn mit, denkt ihn durch, kaut auf diesen Begriffen herum, bis du dir selber die Frage beantwortet hast: Ja, bin ich? Ist das so bei mir? Weil sich Gott das wünscht für uns.
Frieden als Ziel und Frucht eines glaubenden Lebens
Und dann der letzte Vers, vielleicht sogar der schwierigste Vers. Kein wirklich leichter Satz:
Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird in Frieden denen gesät, die Frieden stiften.
Jetzt sagt jeder, der ein bisschen Deutsch kann: Eine Frucht wird doch nicht gesät, eine Frucht wird geerntet, und ein Same wird gesät. Ich erinnere mich ein bisschen an meine Frau. Meine Frau hatte in ihrer Jugend ein Problem mit Legasthenie, und Legastheniker sind oft Menschen, die bei solchen Begrifflichkeiten alles durcheinanderwerfen. Und so ähnlich kommt mir das hier vor. Das passt doch irgendwie nicht: Da wird eine Frucht der Gerechtigkeit gesät.
Wir nehmen den Satz einmal kurz auseinander, denn er ist dann doch verständlich. Ich glaube, wenn der gute Jakobus von Frucht spricht, die gesät wird, dann meint er den gesamten Prozess des Sähens und des Erntens. Und er spricht von Leuten, die Frieden stiften. Ganz am Ende heißt es: Sie wird denen gesät, die Frieden stiften.
Wenn wir diese Weisheit umsetzen, die Jakobus sich für seine Briefempfänger wünscht, dann kann man unter die Aussage, dass die Weisheit von oben kommt, einen Strich ziehen und sagen: Eigentlich geht es darum, dass wir in Frieden liebevoll miteinander umgehen. Und wenn du sagst: Ich lasse mich auf diese Form von Weisheit ein, ich will nicht angetrieben sein von Neid und Eigennutz, dann bist du einer, der Frieden stiftet. Und dann wird die Frucht der Gerechtigkeit gesät werden. Dann wird Gott es schaffen, dass in deinem Leben dieser Prozess von Saat, Wachstum und Ernte abläuft. Du investierst in den Frieden, du lässt dich darauf ein, dem Frieden einen ganz hohen Stellenwert zu geben. Und Gott wird in deinem Leben und im Leben deiner Familie und deiner Gemeinde Gerechtigkeit wachsen lassen.
Und jetzt merkt ihr schon: Gerechtigkeit, das kenne ich doch schon. Ist es nicht dasselbe Prinzip, das man bei Abraham und Rahab gesehen hat? Da tut einer die richtigen Werke, nämlich Werke des Glaubens, und er bekommt Gottes Gerechtigkeit dafür. Und hier ist es genau so. Weisheit von oben ist nichts anderes als ein Werk des Glaubens. Am Anfang steht der Glaube, und weil ich Gott glaube und Gott folge, werde ich weise Entscheidungen treffen. Und weil ich diese weisen Entscheidungen treffe, kann jeder sehen, dass mein Glaube echt ist. Und dieser echte Glaube wird von Gott wieder belohnt, indem er mir Gerechtigkeit schenkt, und ich erleben darf, wie in meiner Umgebung Frieden wächst.
Gnade als Rahmen für alle unweisen Entscheidungen
Zum Schluss noch Folgendes: Ich treffe regelmäßig unweise Entscheidungen, und das ärgert mich. Es ärgert mich. Ich wünsche, das wäre anders, aber es ist nicht so. Ich treffe regelmäßig unweise Entscheidungen.
Ich merke das, wenn sich irgendwo in meinem Leben Sünde breit macht oder wenn ich es nicht schaffe. Also wenn ich wieder mal jemanden provoziert habe und der sich dann mit mir streitet. Oder wenn ich weiß, da hätte ich etwas Gutes tun können, habe es aber nicht getan. Oder wenn ich weiß, ich habe jetzt hier meinen eigenen Kopf durchgesetzt und habe nicht das Miteinander gesucht. Oder ich bin vielleicht an dem Problem, an dem Leid von einem anderen, einfach vorbeigegangen. Oder auch nur so ein bisschen Schauspielerei.
Ich merke bei mir selber: Ich treffe unweise Entscheidungen, und ich ärgere mich jedes Mal darüber. Oder anders ausgedrückt: In mir drin steckt ein Mechanismus, blöde Entscheidungen zu treffen, und das ist absolut gruselig. Es erschreckt mich wirklich jedes Mal neu. Ich weiß nicht, ich kann manchmal nichts dagegen tun, blöde Entscheidungen zu treffen. Und ich stehe dann rückblickend vor dem, was ich da getan habe, und denke mir: Das wusstest du doch vorher, dass das Quatsch ist.
Ich habe den Vers schon vor zehn Jahren auswendig gelernt. Ich habe über den Text auch schon zweimal gepredigt. Also ist es jetzt nicht so, dass es völlig neu wäre. Und deswegen möchte ich diese Predigt nicht zu Ende gehen lassen, ohne auf etwas anderes hinzuweisen, was ganz, ganz wichtig ist.
Wenn Jakobus das hier schreibt, dann schreibt er das aus der Perspektive, dass Gott uns nie aufgibt. Dass wir immer diesen Anspruch, Weisheit von oben in einem klugen Leben zu leben, sehen müssen vor dem Hintergrund der Gnade. Wenn wir das aus dem Blick verlieren, wenn wir das jetzt nur sagen, dann werden wir unter diesem Anspruch zerbrechen.
Und deswegen sage ich euch das: Ich lebe aus der Gnade. Ich lebe daraus, dass ich, wann immer ich eine blöde Entscheidung treffe, zu Gott gehen kann und sagen kann: Vater im Himmel, tut mir leid, ich habe es nicht geschafft. Ich wollte, ich wollte wirklich, aber irgendwie hat da etwas ausgesetzt. Und irgendwie habe ich im Nachhinein, wo ich dann vor den Scherben stand oder vor dem schlechten Gewissen oder vor was weiß ich, da habe ich dann gemerkt: War mal wieder Quatsch. Tut mir leid.
Bitte habt das im Blick, damit ihr es nicht empfindet als ein: Jetzt legt er mir eine Last drauf, jetzt muss ich auch noch weise sein, sondern dass ihr begreift, es ist Gottes Geschenk an uns, dass er uns in diesem chaotischen Leben seinen Durchblick schenken möchte und uns helfen möchte, Entscheidungen zu treffen, weil er es gut mit uns meint. Und weil er ein Vater im Himmel ist, der sich auch dann über uns freut, wenn wir es mal nicht schaffen, und sagt: Ey komm, hast du verbockt, habe ich gesehen, steh wieder auf, nächstes Mal machen wir es besser. Und selbst wenn es das nächste Mal nicht gleich besser wird, dann beim übernächsten Mal.
Lasst uns das bitte bei so einem Text nie vergessen. Ich bete noch.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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