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Josefs Brüder werden hart geängstigt

25.06.1996
Wenn dein Leben plötzlich „überführt“ wird: Schuld lässt sich nicht wegreden. Erst echte Einsicht öffnet den Weg zu Versöhnung, Freiheit und neuem Anfang.
Josephs Brüder werden hart geängstigt, 1. Mose 44.

Josephs Brüder werden hart geängstigt, 1. Mose 44.

Rückblick und die größere Perspektive

Für die, die letztes Mal nicht da waren: Wir haben beim letzten Mal gelesen, wie Joseph die Brüder herzlich aufnimmt, sie bewirtet und sie darüber überrascht sind. Auch wie Joseph innerlich bewegt ist, ganz tief im Herzen, und sich noch nicht zu erkennen geben kann, ist sehr interessant. Ebenso, wie die ganze Dramatik weiter vorangetrieben wird, bei den Brüdern und bei Joseph. Das ist so toll an den biblischen Geschichten, dass da so viel drinsteckt.
Und wenn ich es einmal aus der Perspektive Gottes ansehe, dann ist ja ungeheuer viel hinter unserem Leben. Wir sehen unser Leben immer nur ganz kurz: Was war heute drin? Was hat sich heute gedreht? Wenn wir uns aber einmal aus der Dimension Gottes sehen, wie wir unser Leben aus der Ewigkeit sicher erkennen können, dann sehen wir diese vielen Bemühungen Gottes und was dort alles weiter war.
Joseph befahl seinem Haushalter und sprach: Fülle den Männern ihre Säcke mit Getreide, so viel sie fortbringen können, und lege jedem sein Geld oben in seinen Sack. Und meinen silbernen Becher lege oben in den Sack des Jüngsten mit dem Geld für das Getreide, wie ihm Joseph gesagt hatte.
Am Morgen, als es hell war, ließen sie die Männer ziehen mit ihren Eseln. Als sie aber zur Stadt hinaus waren und noch nicht weit gekommen, sprach Joseph zu seinem Haushalter: Auf, jage den Männern nach! Und wenn du sie einholst, so sprich zu ihnen: Warum habt ihr Gutes mit Bösem vergolten?
Also, ich muss Ihnen jetzt einmal sagen: Es ist die schmutzigste Geschichte, die in der Bibel drinsteht. Nein, das ist nicht zum Lachen. Das, was die Töchter Lots mit ihrem Vater gemacht haben, ist minimal. Sie sind Peanuts gegenüber dem, was Josef mit seinen Brüdern macht.
Trotzdem werden wir sehen, und es ist ja interessant: Wenn Jesus seine Wiederkunft vergleicht mit einem ganz raffinierten Einbruch von einem Gangster, der die Wohnung einsteckt, dann ist das Bibelwort ganz gewaltig. Und das müssen wir kapieren, worum es geht.
Es geht jetzt nicht um unser Urteil, sondern darum, wie Gott an Menschen handelt. Das ist ganz wichtig. Da wird nichts abgebrochen. Es geht um die Rettung von Menschen, es geht um die Bekehrung von Menschen, und da ist Gott sogar das schwierigste Mittel recht, denn das, was die machen, ist nicht recht.

Der Verdacht und die erste Bestürzung

Keiner soll sich darauf berufen: So etwas steht in der Bibel, jetzt mache ich das auch.
Das Schlimmste, was man tun kann, ist, jemanden zu verdächtigen, obwohl er es nicht war. Wenn Sie jemanden eines Diebstahls verdächtigen, und er ist es nicht, dann stellen Sie sich das einmal vor. Jetzt kommt er und sagt: Warum habt ihr Gutes mit Bösem vergolten? Warum habt ihr den silbernen Becher gestohlen? Ist das nicht der, aus dem mein Herr trinkt und aus dem er wahr sagt?
Was ist denn das? Das haben die Ägypter natürlich so verstanden. Joseph hat nicht wahr gesagt, aber er hat sie mit diesem Becher in diesem Glauben gelassen. Joseph hat nicht wahr gesagt, das gibt es nirgendwo im biblischen Hinweis, aber er lässt sie in diesem Glauben der ägyptischen Kultur. Ihr habt übel getan.
Und als er sie ereilte, redete er mit ihnen diese Worte. Sie antworteten ihm: Warum redet mein Herr solche Worte? Man kann sich vorstellen, wie bestürzt sie da sind. Und wir sind doch ehrliche Leute, was sagte, es sei ferne von deinen Nächten, solches zu tun.
Und das macht ja die Geschichte erst so furchtbar. Sie sagen: Ich habe in meinem Leben noch nie etwas Unrechtes getan. Kennen Sie solche Situationen? Und dann landen wir rein, und dann plötzlich ist das doch in meiner Tasche drin. Siehe das Geld, das wir fanden, oben in unseren Säcken, haben wir wiedergebracht zu dir aus dem Land der Kana. Da ist kein Pfennig entwendet. Wir sind absolut treu, wahrhaftig, gewissenhaft. Wir sind die Obermoralisten der Weltgeschichte. Und du kannst uns ja verlassen. Wie sollten wir da aus unseres Herrn Hauses Silber oder Gold gestohlen haben?
Bei wem er gefunden wird, der sei ein Knecht des Todes. Den würden wir he... machen, wenn einer von uns das macht. Das hätte mir gerade gefehlt. Leidenschaft dazu wollen wir meines Herrn Sklaven sagen. Wir alle stellen uns unter die Schuld, wenn nur einer unserer Brüder gesündigt hat, stellen wir uns darunter.
Sie merken schon: Man kann manches ganz toll sagen, und plötzlich denkt man, aber so laut kann ich gar nicht reden. Das sind ganz andere Dinge. Er sprach: Ja, es sei, wie ihr geredet habt. Bei wem er gefunden wird, der sei mein Sklave. Ja, er soll frei sein. Er nimmt es gar nicht an, dieses Angebot.
Und sie legten eilend, also eilfertig, die haben nur aufgeschnürt. Komm, man kann alles ausgeben, es ist ganz gewiss nichts drin. Bitte, das alles durchsuchen, keine Angst, die Hälfte noch. Sie legten eilends an jeder seinen Sack ab auf die Erde, und an jeder tat seinen Sack auf. Und er suchte und fing an beim Ältesten bis hin zum Jüngsten. Da fand sich der Becher in Benjamins Sack.
Da zerrissen sie ihre Kleider. Das ist ja der Ausdruck der absoluten Hilflosigkeit. Zerrissen hilft ja nichts, wenn sie nur ihren Umhang zerreißen. Ich möchte mich selber aufgeben. Und dann belud jeder seinen Esel, und sie zogen wieder in die Stadt. Der will ja gar nichts von den Trauern gehen. Jetzt lassen sie sich nicht mehr auseinanderbringen. Da sieht man, was unter den Brüdern schon vorgegangen ist. Das ist eine ganz ungeheure Wende.

Schuld, Einsicht und die Not der Christenheit

Ich habe es letztes Mal gesagt, für die, die nicht dabei waren: Wir sind alle schwierig und tun uns schwer, uns belehren zu lassen.
Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber wahrscheinlich sind Sie nicht anders als ich. Wenn ein anderer mir sagt: Du machst das falsch, sage ich: Ich mache alles richtig. Wir sind gar nicht bereit, einmal wirklich unser Verhalten kritisch zu prüfen.
Achten Sie einmal darauf: Wo haben Sie irgendwelche Gewohnheiten Ihres Lebens geändert aufgrund von gut gemeintem Rat? Also, meine Mutter hat immer noch versucht, mir noch etwas beizubringen, aber immer hat meine Frau dann darunter gelitten, dass das dann immer gleich so heftig wurde bei mir.
Wir lassen uns nichts mehr sagen. Spätestens ab dem 14. Lebensjahr ist es aus, dann lassen wir uns nichts mehr sagen. Aber schon früher ist es schwierig. Und Gott hat es fertiggebracht, bei diesen Menschen etwas zu ändern. Hoffentlich kann Gott bei Ihnen auch etwas ändern.
Und es geht nur, wenn man es sich gefallen lässt. Um das geht es in Josephs Geschichte: eine Geschichte des Evangeliums, wie Menschen neu werden, wie Menschen verändert werden, wie Gott das machen kann. Und darum ist es keine unmoralische Geschichte, sondern eine ganz gewaltige Sache.
Und Gott kann in Ihrem Leben oft Mittel einsetzen, da können Sie Gott darüber verfluchen, weil Sie nicht merken, dass Gott Ihnen Heil schenken will, durch diese Dinge.
So zogen sie wieder in die Stadt, und Judah ging mit seinen Brüdern zu Joseph hinein. Was ist plötzlich in den Judah gefahren? Das ist gewaltig, was aus einem Menschen werden kann. Denn er war noch dort, und sie fielen vor ihm nieder auf die Erde.
Joseph aber sprach zu ihnen: Wie habt ihr das tun können? Wusstet ihr nicht, dass ein solcher Mann wie ich bin, wahr sagen kann? Das hat er natürlich nicht können. Das mit dem Becher hat er ja gewusst, das war ja ein Trick, nichts weiter als ein fauler Trick. Es kann nicht wahr sein, bloß dass es klar ist.
Wahrsagerei ist in der Bibel etwas, woran wir nie mitmachen sollen und was nie Gottesmänner gemacht haben. Es gibt kein einziges Beispiel, wo Wahrsagerei von Gott ist, außer der vom Geist Gottes gewirkten Prophetie. Aber das war hier nicht der Fall.

Das Schuldbekenntnis und die Tiefe der Buße

Judas sprach: „Was sollen wir meinem Herrn sagen, oder wie sollen wir reden, und womit können wir uns rechtfertigen?“
Schon das im Grund hätte er doch sagen müssen. Wie würden Sie reagieren? Sie würden mit Recht bei jedem Polizeivorhör sagen: Ich kann es nicht erklären, aber es kann nicht stimmen. Ich muss so ehrlich sagen: Es kann nicht stimmen. Der Benjamin glaubt nicht, wir kennen den schon lange.
Aber das Tolle ist, dass sie sich plötzlich eingeholt fühlen vom Geflecht ihres ganzen Lügenlebens. Und da war unheimlich viel drin, nicht bloß die Dinge, die wir aus der Bibel kennen. Da war sicher noch ein ganz großer Berg von Schmutz dazu.
Gott hat die Missetat deiner Knechte gefunden.
Ein Schuldbekenntnis in einer Tiefe, und das wird uns heute Abend beschäftigen. Die Not unserer Christenheit heute ist nicht die, dass uns die modernen Formen fehlen, die moderne Musik oder die moderne Redeweise, oder dass wir den modernen Menschen nicht ansprechen können. Sondern was unserer modernen Zeit heute fehlt, ist eine Bußbewegung innerhalb der Christen, die wahrscheinlich die Welt anstecken würde: das Wissen um unsere große Schuld.
Und wo Erweckung war, kam sie immer daher, dass Christen erschrocken sind über die Schuld, Bibelleute. Und wo nur ein paar angefangen haben, da denke ich mir, was das war. Wie Luther seine Bußbewegung hatte, hat er seine ganze These nur über die Buße geschrieben, über die Erkenntnis der Schuld, über das, was es ist, wenn man vor dem heiligen Gott seine Schuld sieht.
Wie er schon darunter gelitten hat, als sein Freund tot zusammenbrach, und aus dem Nachdenken des einen Menschen, der über der Bibel gesucht hat, wie kriegt man Frieden mit Gott, hat ganz Europa, ja die ganze Welt, ein Beben erlebt. Und ein Wort hat nie etwas anderes gehabt als das Wort des Evangeliums. Und die Kanzel zu Wittenberg, und das Wort lief durch die Welt.
Das hat gar nichts gesagt. Wenn Sie es lesen, sagen Sie, das ist nur holprig zu lesen. Das war die Stimme des Evangeliums. Und was unsere Welt braucht durch alle Zeiten, ist dieses Wort.
Was ich nie verstehen kann, ist, dass heute so viele meinen und sagen: Aber in unserer Zeit brauchen wir andere Dinge, um die Kirche zu erleben. Die Erkenntnis der Schuld, das ist der Punkt. Erst in ihrem Leben kann eine Heilung passieren, wenn sie dort vor dem lebendigen Gott stehen.
Gott braucht nicht unsere Gelder, braucht nicht unsere Dienste. Er will uns erneuern, und er braucht zuerst das Bekenntnis von bankrotten Leuten, die bleiben erlebnislang.

Die Seelsorge Gottes und die Umkehr der Brüder

Und wenn Sie fragen, was Hofhacker gepredigt hat, dann können Sie lesen und sagen: Das sind eigentlich Bibelpredigten. Aber dieses Wissen, dass wir vor Gott Bankrotteure sind, ich bin wie der Galkenschwängel, hat er da reden können. Ich bin wie der, der draußen hängt auf dem Prag, den man hingerichtet hat. Ich bin vor Gott keinen Deut besser, und ich werde nur aus seiner Gnade gerecht.
Und die Stuttgarter sind gelaufen, sie haben gesagt: Das müssen wir hören. Und die gottlosesten Männer waren erschüttert. Weil es die wirkliche Sache war. Bei den Brüdern Josephs hat es auch so lange gedauert, und sie haben sich gesperrt vor dieser Erkenntnis. Wir sind ehrliche Leute, haben sie noch groß getrompetet, und plötzlich bricht es zusammen. Schon Gottesstunde, wenn das passiert.
Vielleicht zu rein, vielleicht ist es dann leichter, wenn wir gerade so einen großen Abschnitt haben. Gott hat die Missetat einer Knechte gewonnen, und dass er das zu Joseph sagt, zu dem ägyptischen Herrn, er sagt nicht: Isis und Osiris oder was die Ägypter angebetet haben. Er spricht von dem lebendigen Gott.
Man hat sicher schon gemerkt, der Herr hat ja da etwas. Die Ägypter hatten ja auch die Fremdherrschaft von anderen Völkern. Deshalb ist immer wieder die Frage: Wo hat das reingepasst? Ob das da in dieser Zeit war, wo diese Seevölker geherrscht haben und so. Auf jeden Fall war es für sie völlig klar: Das müssen wir ihm sagen, Gott tut etwas an uns im Augenblick.
Siehe, wir und der, bei dem der Becher gefunden ist, sind meines Herrn Sklaven. Wir alle wollen uns ausliefern in dieses schreckliche Geschehen hinein. Er aber, Joseph, sprach: Da sei ferne von mir, solches zu tun. Nur der, bei dem der Becher gefunden ist, soll mein Sklave sein. Ihr aber zieht hinauf mit Frieden zu eurem Vater.
Warum? Es geht doch dem Joseph gar nicht um einen Sklaven. Er will doch testen. Kein Mensch hat das Recht, so einen anderen zu testen. Machen Sie es nie bei Ihren Enkelkindern oder bei Ihren Kindern. Machen Sie es bitte nie bei Ihrer Ehefrau. Test, Lügendetektor oder was. Machen Sie es bitte nie.
Gott allein hat das Recht, und der Joseph handelt hier als einer, der unter Gott steht. Es steht nicht in der Bibel drin als unsere Erziehungsmaßnahme, sondern Sie wissen: So handelt Gott in ihrem Leben. Und heute Abend wünsche ich mir nur, dass viele sagen: Jetzt verstehe ich mein Leben neu.
Denn Gott will nicht demütigen, Gott will erhöhen, wie er nachher diese Brüder ins Land geführt hat, wo Milch und Honig fließt. Wie setzt er sie zu Ehren, wie kommt alles zur Versöhnung? Gott hat es gut hinausgeführt. Gott will ihr Leben nicht zerbrechen. Gott ist kein Kaputtmacher. Aber Gott kann uns nicht beschenken, wenn nicht unser Leben vor ihm gerichtet und geläutert ist.

Judahs Bitte und die wachsende Bruderliebe

Da trat Judah noch einmal zu ihm und sprach: Mein Herr, lass deinen Knecht ein Wort reden vor den Ohren meines Herrn. Er sagt es. Er weiß: Das ist schon etwas ganz Großes, wenn der mich überhaupt noch anhört. Er wird so klein, mit Hut so klein, gar nichts mehr drin ist, von der Größe des Menschen.
Was waren das für große Leute vorher! Der Menschenstolz, der Menschenhochmut, das war interessant. Wir haben im Wetter gesprochen, in der Vorbereitung unserer Ägyptenreise, dass man sagt: Was ist eigentlich der geistliche Ertrag, wenn man das Ganze noch einmal sieht in diesem ägyptischen Tempel? Dass ich sage: Wie das erste Mal, das einzige Mal, als ich nach Ägypten kam, ist auf mich hingefallen.
Wir haben auch nur diese Leitschaus an den Abenden angeguckt, wo sie noch einmal das mit Scheinwerfern alles beleuchten und die alten Texte von Isis und Osiris lesen. Das hält man kaum mehr aus. Du, Pharao, bist der Größte von Generationen und Generationen. Du bist der einzig auserwählte Mensch, der Freund der Götter und vermählt mit den Göttern und gezeugt von den Göttern. Und sie errichten ihm eine Pyramide, ein Grab mit hundertvierzig Meter und Trosch.
Im Museum, gucken Sie, da unten ist er, da liegt der Pharao. Da liegt auch der Leib wie alle anderen. Was ist der Mensch in seiner Größe, und was ist die Anmaßung? Was war das nachher beim Augustus, der von Rom her die ganze Welt beherrschen wollte? Es ist doch bis allem geblieben, wenn wir heute Abend wieder den Nachrichten lauschen. Was passiert ist, ist doch alles so egal. In kurzer Zeit ist die Weltgeschichte wieder vergangen.
Das Einzige, was einem Leben Bedeutung gibt, ist, wo Jesus in ein Leben einkehrt. Wo Jesus in aller Bescheidenheit in Bethlehem geboren wird, mit seinen Jüngern über den See Genezareth rudert. Jesus braucht nicht den irdischen Pump. Und diese Boten haben die Welt erschüttert mit ihrem Evangelium. Und da ist der Gegensatz so gewaltig, wie man ihn gewaltiger nimmer zeigen kann.
Gott hat sein Volk aus Ägypten herausgeholt, und in der Wüste sind sie im Sinn gestanden: Ich bin der lebendige Gott, ich bin der Herr, dein Gott. Und der Mose, der seine Schuhe auszieht und vor dem Dornbusch steht, da sagt der Herr: Und ich, ich bin es.
Man muss einmal erkennen: Das ist das Größte in ihrem Leben, wenn sie eine Gottesbegegnung haben. Ja, aber das liegt so in Zünde an einem Feuer. Machen Sie bitte keine Chance in Ihrem Leben, wenn Sie bloß dieses ganze Erbärmliche, Schwache Ihres Lebens Gott ausliefern, sagen: Herr, aber Dir traue ich Deiner Verheißung.

Zeugnisse von Gottes Kraft und die Bedeutung der Seelsorge

Ich habe ja letztes Jahr mit meiner Frau zusammen noch einmal Gestalten der Missionsgeschichte zusammengestellt, weil mich das immer ein bisschen interessiert hat. Heute haben wir also etwa Liedverse von Gosner gehabt, dass er ein katholischer Priester war, der in Petersburg gewirkt hat und eine Mission in Indien begonnen hat. Eine gewaltige Sache.
Und ich habe das eigentlich noch einmal ein bisschen auch für Sie gemacht, damit es ein wenig lebendig wird. Ich hoffe, dass es Sie auch interessiert: sechzig Missionspersönlichkeiten. Da hat meine Frau beim Korrekturlesen noch einmal gesagt: Man ist eigentlich bloß beschämt. Man ist eigentlich bloß beschämt.
So ein Lars Olsen Krefsruth saß Jahre seines Jugendlebens im Gefängnis, und dann hat er Gott beim Wort genommen. Und was hat er gewirkt? Ein Mensch. Ein kaputtes Leben, keine Mission hat ihn akzeptiert. So ein Mann kann man nicht mehr brauchen, alles kaputt, das Schrott, das Leben. Und er hat Gott vertraut.
Ein Nommensen, bei dem der Arzt sagt, der kann nie mehr laufen, und dann hat er Gott gewagt. Und was war das? Es sind solche Menschen gewesen. Die englische, ich habe so ein schönes Buch gehabt, und das habe ich irgendjemandem geliehen, finde es nicht mehr. Da war das Hotel beschrieben, die englischen Gouverneure in Singapur, wo der Nommensen durchkam, haben ihm plötzlich gesagt: Da sitzt im Gefängnis ein ganz schwerer Mörder oder was weiß ich was. Nommensen sprach zwei Stunden mit ihm, und eine Lebensmitte war da.
Das waren Leute von großer Vollmacht. Das war der Sohn des Schleusenwärters von Nordstrandischmoor, der nie vernünftige Schulen besucht hat. Das war nicht Begabung, der war nie auf ein theologisches Seminar gegangen, sondern es waren Menschen, die Gottes Kraft vertraut haben. Wie hat er selber gesagt: Wir brauchen Leute, die mit Gott rechnen wie mit Zahlen. Mit Gott rechnen wie mit Zahlen, einfach unabdingbar Gott vertrauen und nichts machen.
Und ich will es jetzt nicht heute Abend weiter erzählen, sondern wir müssen immer wieder merken, was die Bibel uns erzählen will. Und die Geschichte von Josephs Brüdern ist nicht eben das, dass man sagt, die hat man ganz schön Angst gemacht. Das macht Gott nie Angst. Gott lässt bloß einmal aufblitzen, was mein Leben wirklich ist, und das mit ganz einfachen Mitteln.
Es kann bei Ihnen mal plötzlich sein, dass Sie eine Woche warten müssen, bis ein Befund vom Labor wieder zurückkommt, und dass Sie wissen: Wenn es so ausfällt, dann erleben wir immer Weihnachten. Und wenn es andersherum ist, dann steht vielleicht noch ein großes weites Leben. Es gibt so viele Dinge in unserem Leben, wie Gott uns das zeigen kann, was wir wirklich sind, und dass das alles nur unverdiente Gnade ist.
Vielleicht sind Sie gerade noch einmal beim Mauterunfall gewesen, das wäre um ein Haar noch alles aus gewesen. Und es war ein Wunder seiner Güte.

Die Rede des Judah und die Verantwortung für den Vater

Und so rät Judah: Lass mich ein Wort reden. Er wird ganz klein vor dem Ohr meines Herrn, und ein Zorn brennt nicht über deinen Knecht, denn du bist wie der Pharao.
Mein Herr fragte seine Knechte und sprach: Habt ihr noch einen Vater oder Bruder? Also, du, Joseph, hast uns ja gefragt. Da antworten wir: Wir haben einen Vater, der alt ist, und einen jungen Knaben in seinem Alter geboren. Sein Bruder ist tot, und er ist allein übrig geblieben von seiner Mutter, und sein Vater hat ihn lieb.
Zum ersten Mal regt sich in den Brüdern auch ein Mitgefühl mit dem Vater. Woher haben sie sogar ihm die blutige Kleidung bringen können? Und er hat gesagt: Es tut dem Vater mal ganz recht, dass er weint um seinen Sohn. Da war er ganz brutal, und jetzt geht es nicht mehr. Jetzt hält ihr Herz nicht mehr aus.
Es ist ja merkwürdig. Man kann ja in unserem Leben nicht immer sagen, dass die Sünde unseres Lebens gen Himmel schreit. Jetzt weiß es jeder von Ihnen. Wir haben ganz oft Dinge, und da kann man jahrelang sagen: Es ist eigentlich gar nichts dabei. Und plötzlich brennt es. Das ist ja die Halsnimmer aus mit der Schuld. Und dann sehen sie es in den Augen, wie es ist.
Da sprachst du zu deinem Knecht: Bringt ihn herab zu mir, ich will ihm Gnade erweisen. Wir aber antworten meinem Herrn: Der Knabe kann seinen Vater nicht verlassen. Wenn er ihn verließe, würde er sterben.
Da sprachst du zu deinen Knechten: Wenn euer jüngster Bruder nicht mit euch herkommt, sollt ihr mein Angesicht nicht mehr sehen. Da zogen wir hinauf zu deinem Knecht, meinem Vater, und sagten ihm meines Herrn Rede. Da sprach unser Vater: Zieht wieder hin und kauft uns ein wenig Getreide.
Wir aber sprachen: Wir können nicht hinabziehen. Nur wenn unser jüngster Bruder mit uns ist, wollen wir hinabziehen. Und das ist jetzt so ausführlich noch einmal erzählt, das ist notwendig, weil es war wirklich so. Sie haben auch gemeint, es gibt irgendeinen Trick, wir kommen aus dieser Sache raus. Sie müssen sich selber beim Vater verpfänden. Und da sagen sie: Wir können es dem Vater nicht zumuten. Du kannst mit uns machen, was du willst, aber unserem Vater darf nichts mehr kommen. Den können wir nicht mit Leid in die Grube bringen.
Denn wir dürfen des Mannes Angesicht nicht sehen, wenn unser jüngster Bruder nicht mit uns ist. Da sprach dein Knecht, mein Vater, zu uns: Ihr wisst, dass mir meine Frau Rachel zwei Söhne geboren hat. Einer ging von mir, und ich musste mir sagen: Er ist zerrissen. Und ich habe ihn bisher nicht gesehen. Werdet ihr diesen auch von mir nehmen, und widerfährt ihm ein Unfall, so werdet ihr meine grauen Haare mit Jammer hinunter zu den Toten bringen.
Nun, wenn ich heimkäme zu deinem Knecht, meinem Vater, und der Knabe wäre nicht mit uns, an dem er mit ganzer Seele hängt, so wird es geschehen, dass er stirbt, wenn er sieht, dass der Knabe nicht da ist. So würden wir, deine Knechte, die grauen Haare deines Knechtes, unseres Vaters, mit Herzeleid hinunter zu den Toten bringen.
Denn ich, dein Knecht, bin Bürge geworden für den Knaben vor meinem Vater und sprach: Bring ich ihn dir nicht wieder, so will ich mein Leben lang die Schuld tragen. Darum lass einen Knecht hierbleiben an des Knaben statt als Sklaven meines Herrn, und den Knaben mit seinen Brüdern hinaufziehen.
Denn wie soll ich hinaufziehen zu meinem Vater, wenn der Knabe nicht mit mir ist? Ich könnte den Jammer nicht sehen, der über meinen Vater kommen würde. Ich könnte es nicht mehr sehen.

Die Mitte der Schrift und die Seelsorge an uns

Also bitte machen Sie aus der Bibelgeschichte keinen Ratgeber für Erziehungsfragen, sondern fragen Sie: Was ist das Wort der Bibel? Es ist eine real geschehene Geschichte, aber alles Geschehen deutet sich von der Mitte der Schrift her. Und in der Mitte der Schrift ist das Geschehen Jesu.
Wir können die Schöpfung der Welt und die Sünde nur von Jesus her neu deuten. Seine Gestalt weist uns auf das Kommen Jesu hin. Und das, was Josef mit seinen Brüdern macht, ist nur einem überhaupt erlaubt: dem ewigen Herrn und Richter über unser Leben. Niemand, kein Mensch, darf so mit uns umgehen. Aber der ewige Gott, der seine Geschichte führt, und wir haben letztes Mal einen Begriff eingeführt, sagt: Die ganze Sache, die Josef hier tut, ist Seelsorge an den Brüdern. So darf kein irdischer Seelsorger umgehen. Aber auch in der Seelsorge von Menschen müssen wir an dieser Stelle aushalten.
Und ich bitte Sie immer wieder, dass Sie nichts von der Wirklichkeit abbrechen, von der grausigen Wirklichkeit der Schuld. Es gehört zu den ganz schlimmen Dingen in der heutigen Christenheit, dass man so tut, als ob Schuld bagatellisiert werden könnte. Da hilft man niemandem. Damit ist nichts gelöst. Sie selber wissen, dass Schuld ganz furchtbar ist, und Sie erkennen es ja auch selbst.
Wir erkennen es ja immer ganz toll. Ich finde es heute so, dass wir alle wie in einem Tribunal sind. Wenn man den Bürgerkrieg im Balkan gesehen hat, das gibt es jetzt fünf Jahre, da gibt es ja gar nicht, was das für eine Gemeinheit war. Aber sehen Sie eigentlich das Ganze als Bild dessen, was in unserem Herzen oft abläuft, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen?
Mir war das eine schwere Erkenntnis, als ich nach Tuttlingen kam. Da habe ich das erste Mal ein Kinderfest miterlebt, im Sommer mit den Umzugswagen und so. Und da war so ein Wagen dabei: Der Lehrer mit seiner Schulklasse füttert die hungernden Vögel im Winter. Er war so schön dekoriert mit den Vögeln, wie die Kinder da ihr Futter gestreut haben.
Drei Tage später stand im Stern ein großes Bild: Kinderumzug in Tuttlingen, vorne drauf der Lehrer. Ich sage den Namen jetzt nicht. Dieser Mann ist ein Mörder, Kampfkommandant von Hanau gewesen. In den letzten Kriegstagen rückte die Front näher, und dann haben solche Kampfkommandanten, das war ja ein junger Mann, natürlich Angst bekommen und waren nervös. Jetzt muss ich für den Führer noch Hanau, das ist ja schon bei Frankfurt, verteidigen. Auf der Straße war er mit dem Jeep unterwegs, und da sieht er einen Mann. Der hat eine Uniformjacke, aber eine Zivilhose. Du bist ein Deserteur. Der arme Mann sagt: Nein, ich bin Bauer in der Umgebung. Und das hat nichts vom Tod oder was. Die Uniformjacke, wo hast du dein Soldbuch? Ich habe kein Soldbuch. Na dann, hinter dem nächsten Baum erschossen.
Und das ist halt später auch mal wieder ausgegraben worden. Dieser arme Lehrer da oben in der Volksschule Tuttlingen, ein rührender Mann im Tierschutzverein, Ehrenvorsitzender und alles gewesen, und plötzlich fällt die ganze Welt über ihn her. Im Stern war das so eine ganz tolle, vielseitige Geschichte, und alle Nachbarn haben nur ihre Reports abgegeben. Man kann ja immer in unserer Welt durch die Presse alle durchjagen: Der hat da Geld genommen. Das ist alles natürlich viel diffizierter, als es die Zeitungen darstellen.
Wir sind alle so ganz gewiefte Staatsanwälte, wenn es um die Fehler unserer Mitmenschen geht, und niemand hilft uns zur Bereinigung unserer Nöte. Und nichts wäre in unserer Welt heute wichtiger, als den Menschen herauszuhelfen aus unheimlich viel Bedrückung.
Es gibt keinen unter uns, der sich nicht an seinen Eltern versündigt hat. Die sind schon tot, das kann man nicht mehr in Ordnung bringen. Es gibt keinen Menschen, der sich in der Ehe nicht fortwährend an seinem Ehegatten versündigt. Wir haben uns an unseren Kindern versündigt, obwohl wir ihnen große Opfer taten. Aber wir haben ihnen auch sicher viel Ungerechtes getan. Und wir haben unsere Mitmenschen viel versäumt.
Es gibt so viele Dinge. Und wenn es uns einmal aufbricht, vielleicht bricht es uns einmal auf in einer schweren Stunde, dann sehen wir Dinge, die man nur betäuben kann. Davon redet das Wort Gottes, und Gott macht Seelsorge an uns. Und ich weiß nicht, wo es bei Ihnen aufbricht, aber hoffentlich haben Sie dann, wenn es bei Ihnen aufbricht, die Möglichkeit, dass Sie mit jemandem reden können.

Beichte, Erneuerung und das Gericht Gottes

Ich habe Ihnen schon ein paar Mal gesagt, dass ich erstaunt bin, wie oft ich bei ganz gottlosen Leuten im Krankenhaus erlebe, was passiert, wenn man das Thema anspricht. Wie werden Sie damit fertig, dass Sie die Krankheit haben? Dann kommt es schnell: Ja, ich frage mich oft, womit habe ich das verdient?
Das ist ein ganz tolles Ding: Was ist überhaupt verdient? Ist der, der einen amputierten Fuß hat, böser als wir? Ist das ein Verrechner? Aber die Leute denken immer in der Schuldverrechnung, und sie haben immer den Eindruck, Gott ist hinter mir her als der große Rächer. Das ist ein gottloser Gedanke, das ist ja nicht so in der Bibel. Aber den Gedanken werden sie nicht los.
Und wir sollten immer nur von der wunderbaren Sache reden, dass Gott jetzt und heute eine ganze Vergebung machen will, einen reinen Tisch, und Menschen freisprechen will. Also die Sache der Schuld ist entscheidend. Und was mich am meisten ängstet, ist, dass wir heute viel auch biblische Verkündigung haben, wo nicht in der Mitte die Überführung der Schuld ist. Das geht nicht anders. Gott kann nur sein Heil geben, wo er auch wieder Menschen in Unruhe versetzt.
Und das ist auch wichtig für Ihre Gespräche. Es ist sicher für jeden sehr schwierig. Hätten Sie den Mut, auch dem heute Abend neben sich zu sagen, wo Sie Probleme hatten? Wir waren ja bei der Lausanner Konferenz in Manila bei der zweiten, und da haben die Charismatiker so einen Abend gemacht. Das war richtig ungut. Da hat man also plötzlich gesagt: Und jetzt sagst du deinem Nebenmenschen, der neben dir sitzt, alle deine Sünde, die dich gerade belasten.
Also ich habe das natürlich nicht gemacht, und ich würde es auch nie für gut finden. Das ist ja in der Bibel anders geordnet. Wenn wir Beichte suchen, dann gehört das in die Verschwiegenheit, wo niemand mehr darüber reden kann. Da kann nicht irgendjemand auf Kommando meinem Nebenmann etwas sagen. Und das ist auch überhaupt nicht gut, dann haben wir wieder einen Beichtzwang.
Luther war ja nicht gegen Beichte, sondern war gegen einen Zwang zur Beichte, dass ich genötigt werde, etwas zu sagen und da nicht ehrlich bin, weil ich es unter Druck tue. Das kann man nicht auf Zwang und Kommando tun. Aber irgendwo hat der andere Mensch ja nicht den Mut zu sagen: Ich glaube, viele Menschen würden gerne mal heute wieder das suchen und sagen: Wo kann ich abladen?
Theosorg hat hier in Stuttgart immer wieder gewollt, dass man Beichte einführt. Ich habe ihm auch geholfen. Ich bin dann, ich weiß nicht wie viel, Samstagmittag in der Leonhardskirche gewesen, so niemand kam, und die haben gesagt, es schade eigentlich um die Zeit.
Aber was ich bedaure, ist, dass wir nicht häufiger einfach zusammenkommen und sagen: Ich möchte eigentlich heute Abend einmal wieder einen reinen Tisch machen. Viele benutzen es beim Abendmahl, aber das ist sicher nicht immer ideal, weil man manches auch noch im seelsorgerlichen Gespräch bereden müsste. Und das ist oft in dieser pauschalen Form einfach schwierig.
Und ich will es Ihnen wieder als Angebot sagen: Viele, nicht alle, aber viele seelische Erkrankungen haben auch heute hier ihre Ursache. Und auch viele Ängste unseres Lebens, viel Schlaflosigkeit, viele Spannungen und viel Bitterkeit, weil wir nicht wirklich den Rücken frei haben.

Heiligung, Christus und die bleibende Ernsthaftigkeit

Der Vater Zeller von der gesegneten Arbeit Menedow war als junger Mann bei dieser Strudelte, oder wie hieß die, die einfach gesehen hat: Der junge Mann ist nicht fröhlich. Und er hat an ihm Seelsorge als Frau in dem jungen Mann, und sie war ein Zeuge später, weil es einmal rauskam aus seinem Leben, weil er so blöde Sachen gehabt hat mit dem Waldbrand. Und er konnte mit niemandem darüber reden, bis da endlich jemand war, der sagte: Komm, ich nehme mal eine Stunde Zeit, jetzt reden wir mal.
Und ich glaube, dass das, was hier läuft, so ist, dass Gott in seiner Seelsorge bei uns allen ansetzt. Viele sind untereinander blockiert, und man jagt immer so: Nein, nein, die ganze Aktivität, wir wollen für Gott viel tun. Ich bin neulich bei meiner Bibellese draufgekommen, wenn der Paulus immer wieder sagt, es geht nicht um Werke, sondern um Glauben. Wir meinen immer, es geht eben doch um Werke, und Gott sagt: Na, lass mal alles. Ich möchte, ja, was hat er gesagt? Ich will nicht einmal Opfer haben, er will nicht einmal einen gemästeten Stier auf den Altar gelegt haben, sondern das geängstete Herz.
Hat Gott Freude an meinem geängsteten Herz? Nein, der Mensch muss einmal vor Gott dort stehen bleiben, wo wir sind. Wir sind Staub und Asche und haben sehr viel verkehrt gemacht. Und es so befreien, dann die Gnade Gottes zu ergreifen und zu wissen: Er ist auferstanden und lebt und will aus unserem Leben viel Neues und Großes tun. Darum geht es.
Und das tut Gott in ihrem Leben genau so, dass er als der ewige Weltenrichter das sagt und tut. Und jetzt verstehen Sie es: Es ist nicht bloß eine Erfindung, sondern es steht in der Schrift immer wieder, dass es ein Gericht gibt. Es ist ganz arg schwierig, wenn man das heute immer wieder sagt. Auch bei Beerdigungen darf man es oft gar nicht mehr sagen. Wir wollen es immer wieder hören: Gericht und Gnade, beide Seiten.
Jesus, und ich sage ja noch mal, es sind alle Gleichnisse Jesu abends drin, fast alle. Beim Abendmahl, wo da einer rausgeschmissen wird, beim Festmahl, der kein hochzeitliches Kleid anhat, und bei den Fischen, die im Netz gefangen werden, wo die Faulen ausgelesen werden, aber ganz eindrücklich im großen Weltgericht, die Schafe und die Böcke, die geschieden werden, Matthäus 25, das ist ein ganz großer Ernst.
Und für uns ist es ja heute immer wieder schwierig, dass mir auch, es beschäftigt mich in letzter Zeit sehr stark, wir lesen die Bibel immer wieder und müssen doch irgendwo sagen: Aber es hat doch gar keinen Wert, wenn unser Leben nicht ganz von diesem geprägt ist. Das soll mein Eigen sein, es soll ganz Eigentum Gottes sein, eine neue Heiligung meines Lebens, dem Herrn gehören, durch und durch.
Das braucht unsere Zeit heute, dass die Christen wieder Christusmenschen sind. Und dann sorge ich mich nicht um die evangelistische Ausstrahlung, das wird der Herr selber tun, wo Christus selber gegenwärtig ist. Aber sind wir wirklich noch die geheiligten Menschen? Wir haben heute einen Tourismus mit Veranstaltungen, und Jesus ist der Sponsor, und alles happening und so.
Und wo es Menschen sind, die geheiligt werden in der Buße, da fangen wir heute Abend bei uns an. Und das ist die Geschichte Josephs. Und irgendwo ist nicht bloß ja, im Wort der Schrift werden wir am meisten gerichtet. Und es ist immer wieder unheimlich, wie einem Dinge bewusst werden, gerade bei der Bibellesung.
Und das ist so herrlich: Gott will nichts zerdrücken, sondern, wie nachher, das werden wir dann am nächsten Dienstag lesen, gibt es so etwas, wie der Joseph weint und seinen Brüdern um den Hals fällt. Wissen Sie, dass Jesus weint vor Bewegung, wenn sie kommen? Auch in einem langen christlichen Leben sagt er: Herr, ich habe so viel vor dir versteckt, aber ich will wieder deine Liebe haben. Er sucht nichts anderes als ihr Herz.
Er wird sie in der Ewigkeit nie fragen. Der Schecher, der neben ihm am Kreuz gestorben ist, hat auch keinerlei Taten mehr tun können. Es war gar nicht wichtig, sondern nur, dass er einen Verlorenen gefunden hat und heimbringt zum Vater.
Und das ist bei den Brüdern so wunderbar. Und ich denke auch, darüber wird uns dann deutlich, was die Bibel mit Bruderliebe meint, dass man für andere Menschen wirklich Verantwortung trägt, wie ein Judah, der sagt: Aber ich kann meinen Bruder nicht lassen, und ich kann meinen Vater nicht lassen. Da kommt ein ganz neues Bewusstsein.

Schlussgedanken und Ausblick

Ja, es ist natürlich schön, wenn man sich einmal vorstellt, wie wir unser Leben überhaupt im Licht der Ewigkeit sehen.
Es gibt es doch nicht, dass wir uns dafür interessiert haben, ob bleifreies Benzin 1,53,9 kostet. Das war so toll, ich habe mich so begeistert können: Heidenheim hat es 1,41 gekostet. Denken Sie mir das, das glauben Sie gar nicht. Was uns alles wahnsinnig wichtig ist. Ich habe gesagt: Da fahre ich jetzt jedes Mal zum Tanken nach Heidenheim rüber.
Und so gibt es aber so viel, worüber wir uns oft verstreiten. Dass die Leute unten nicht Kehrwoche machen und so weiter, oder dass sie auf meinem Parkplatz stehen. Irgendwas Käse momentan, es gibt es nicht. Und im Licht der Ewigkeit ist da eigentlich nur wichtig, dass das Wesen Jesu uns durchdränge.
Da schämt man sich und sagt: Ich will auch gar keine Beichte ablegen. Das dürfte sich an die Davorrenner bis an die Enden der Welt, das alles einzuhören. Wir alle bedürfen dieser Erneuerung und Heiligung. Und es ist gewaltig, wie diese Brüder hier erneuert werden vor dem richtenden Gott.
Wir erinnern uns daran: Die harte Seelsorge ist nötig, bitte nie weich. Sie können nicht die Wirklichkeit Gottes umdeuten. Ich bin auch entsetzt, wie viele Zeitschriften heute herumlaufen im evangelikalen Raum, wo Dinge bagatellisiert werden, die im Licht der Schrift so nichts zu sagen sind, gerade wo es um die Richtlinie des Lebens geht. Damit hilft man niemandem, man wird nur an der Verführung mitschuldig.
Und ich will jetzt gar nicht weiter ins Detail gehen, aber das betrifft unsere Familienproblematik und unsere Eheproblematik und alles. Die Schrift ist so klar, und sie ist befreiend klar. Weil Gott unser Leben schön macht, er lässt es nicht dem Teufel.
Johannes Gosner, von dem heute das Vers im Losungsbüchle steht, hat, wie die ersten Kohls sich bekehrt haben, gesagt: Der Teufel darf keine Kräte behalten. von dem Fisch. Und so möchte ich auch sagen: Wenn Jesus wirklich der Herr ist, dann muss unser Leben schön werden, dann muss es neu werden. Er darf nicht ein Stück mehr der Dunkelheit in unserem Leben sein. Dann will Gott uns durch und durch erneuern.
Jetzt verstehen Sie diese Geschichte neu. Es ist nur ein knapper Eindruck. Wenn Sie es behalten, ist es einfach die Seelsorge Gottes, die immer in die Angst führt.
Wo habe ich denn den letzten Tag irgendwo in einer Publikation den Satz gelesen, dass es gut sei, wenn man vor Gott keine Angst mehr haben braucht? Doch, es gibt immer ein heiliges Erschrecken und ein neues Entdecken, welch ein Wunder, dass Gott nicht zürnt, sondern unendlich meine Last trägt.
Da ist man dann oft so bewegt, ich bin natürlich ein emotionaler Mensch, dass man heulen muss, was es ist, was Gott an mir tut, unwürdiger Mensch. Erst in der Tiefe wird er erfahren: Die Josefs Geschichte ist eine Geschichte des Evangeliums und zeigt uns, wie der Herr Erneuerung und Heilung will, wie er Menschenherzen verändern kann. Und für Gott ist kein Ding unmöglich.
Setzen Sie sich der Seelsorge Gottes aus, durchleuchten Sie Ihr Leben. Regen Sie sich nicht auf und klagen Sie nicht gegen Gott. Gott kann Sie unheimlich hart unter Druck setzen. Und manchmal sind dann so Dinge, und es ist eigentlich schön, wenn man bei alten Leuten oft hört und sagt: Ich kann gar nichts mehr sagen.
Dass irgende Menschen leidet Unrecht, weil irgende Menschen ihm etwas Böses tun, er sagt oft: Ich will gar nicht mehr, ich habe in meinem Leben selber so viel. Und es sind die reifen Prozesse, wo sie über dem Ganzen schwer gesehen haben, erkannt haben, was Gott ihnen sagen will. Und sie sind erneuert worden.
Man kann nicht sagen, dass alte Menschen grundsätzlich anders sind, aber es war schön, wenn eine geistlich reif ist und im Alter wirklich durch Gott zurechtgebracht wird. Gott kann auch härteste Herzen zerbrechen, und die Brüder Josephs waren schon harte Herzen. Und Joseph ist hier wirklich eine Prophetengestalt von Gott geführt.
Warum ich das noch einmal sage: Lesen Sie die Stephanuspredigt, dann wissen Sie, dass er sagt: Israel, ihr wisst, was der Josef schon gesehen hat, und ihr habt selbst, ihr habt gehandelt wie Josef, und genauso habt ihr bei Jesus noch einmal gehandelt. Es ist das Allerschwerste, wenn man sich an Jesus versündigt, das ist die schlimmste Sünde.
Und da haben wir alle viel, viel Schuld auf uns geladen, dass wir Jesus haben abblitzen lassen in unserem Leben, und wir hielten uns selbstsüchtig. Dabei können wir ohne ihn gar nichts mehr tun. Wir sind abhängig von ihm und wollen uns vor ihm beugen. Und das ist gar nicht ein Fimmel von irgendwelchen Spinnern, sondern das ist das Evangelium, dass ohne Christus nichts läuft.
Und da wird die Josefsgestalt noch einmal wunderbar zur Heilsgestalt des Heilands vor uns. So, jetzt ist es aber lang geworden, ich glaube, es ist gar geworden, auch wenn noch viel übrig bleibt. Die schönste Auslegung ist immer Helmut Frei in dem Calver Verlag, wenn einer sich da noch einmal damit beschäftigen will oder das wo ausleiten will. Das haben viele in der Bibliothek stehen, die gelbe Kommentarreihe, vor dem Zweiten Weltkrieg geschrieben, wo ich meine Auslegungen schöpfe, bis sie es wissen.