Serie•Teil 35 / 37Matthäus-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Zwei sehr unterschiedliche Lebensentwürfe
Wenn man ihr Persönlichkeitsprofil beschreiben müsste, dann würde man sagen: Sie ist ein Vermittlertyp. Sie ist geduldig, voraussagbar und stabil. Sie liebt Gemeinschaft, unterstützt gern andere Menschen, kümmert sich um andere und sorgt für andere. Sie fühlt sich dann wohl, wenn sie weiß, was man von ihr erwartet.
Wenn sie sich in einer Gemeinschaft mit anderen einbringen kann, wenn man gemeinsam an einem Ziel arbeitet, wie bei einer typischen Sommerlagerarbeit, dann fühlt sie sich total wohl. Sie mag Anerkennung eher auf eine ruhige und unauffällige Weise. Sie schätzt bewährte Arbeitsabläufe, liebt ähnliche Arbeiten und konzentriert sich gern auf eine Sache. Ihr Ziel, wenn man das so beschreiben darf, ist es, akzeptiert zu werden, und ihre größte Angst sind Konflikte und Meinungsverschiedenheiten.
Er, das ist er, ist anders, und zwar ganz anders. Sein Persönlichkeitsprofil trägt die Überschrift Vollblutentwickler. Komplett anders. Er ist direkt, fordernd und dominierend. Er ist eher der Einzelkämpfer als der Teamplayer. Er trifft schnell Entscheidungen, ist irgendwie immer unterwegs und hat eine wirklich eingebaute Abneigung gegen regelmäßige Abläufe und Verfahrensweisen. Aufgaben müssen neu sein, Aufgaben müssen abwechslungsreich sein, damit sie ihn reizen. Je höher die Verantwortung, umso besser. Riecht etwas nach total verrückt, dann riecht es auch total gut. Seine Angst, oder sein Ziel: neue Gelegenheiten. Seine Angst im Wesentlichen vor zwei Dingen: einmal vor dem Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, und vor Langeweile.
Zwei ganz unterschiedliche, real existierende Typen. Und es ist natürlich schon die Frage: Ist es sinnvoll, dass zwei so grundverschiedene Typen miteinander eine Beziehung eingehen oder zum Beispiel heiraten? Das ist mit Sicherheit keine ganz leichte Frage. Soll man solchen unterschiedlichen Typen dazu raten? Aber im Fall der beiden ist das keine Frage, denn sie sind schon verheiratet.
Und heute Morgen möchte ich mir mit euch Gedanken machen über das, was nach Aussage der beiden, und wie ihr seht, es geht um Bärbel und mich, also ich kann da wirklich auch inhaltlich etwas dazu sagen, diese Ehe, die unter eher, na sagen wir mal, turbulenten Vorzeichen gestartet ist, über die letzten Jahre, die letzten fünfzehn Jahre, zu einer sehr schönen und befriedigenden Erfahrung gemacht hat.
Und das, worüber wir uns heute Morgen unterhalten wollen, das, was die beiden verbindet, ist Gebet. Unser Thema heute Morgen lautet: Gebet.
Was eine Ehe zusammenhält
Ich kann das an dieser Stelle einfach nur mal ganz exemplarisch sagen, für uns beide: Wenn wir nicht füreinander und miteinander beten würden, wären Bärbel und ich nicht mehr zusammen.
Wenn ich einen subjektiven Gottesbeweis bräuchte, also irgendetwas, das mir klar macht: Gott ist wirklich real, dann wäre es für mich die Macht des Gebets. Ich meine nicht irgendein Gebet, sondern die Macht von anhaltendem, beharrlichem Gebet.
Ich erinnere mich gern – also gerne nicht, aber ich erinnere mich an unsere ersten Ehewochen. Man startet ja immer so in eine Ehe hinein und sagt: Du bist Christ, ich bin Christ, ja, jetzt schaffen wir das. Ich weiß noch: Fünf oder sechs Tage nach unserer Hochzeitsfeier waren wir gerade dabei, die Sachen für unsere Flitterwochen zu packen, und haben uns so sehr gestritten, dass meine Frau sagte: Wenn du jetzt nicht aufhörst, fährst du allein.
Leider war dieser Streit, oder waren diese Streitereien, in den ersten Wochen und Monaten unserer Ehe eher ein täglicher Begleiter. Das hat uns schon ziemlich frustriert.
Irgendwann, am Ende unserer Kräfte, haben wir das getan, was wir natürlich von Anfang an hätten tun sollen: Wir haben aufgehört mit all unseren Psychotricks und dem Gedanken: Wir schaffen das schon, Ärmel hochkrempeln, ja, es wird schon irgendwie. Und wir haben angefangen, morgens, bevor ich ins Labor gegangen bin, einfach miteinander zu beten.
Und wir durften diese Erfahrung machen: Wir beten morgens, und wir streiten uns abends nicht. Wir beten morgens nicht, und der Streit ist wieder da. Das hat etwa ein halbes Jahr gedauert. Dann haben wir zurückgeschaut und konnten sagen: Der Streit ist weg. Ich weiß bis heute nicht, wie das ging. Es war kein Do-it-yourself, es war kein Konfliktbewältigungstraining oder sonst irgendetwas. Es war einfach weg.
Das hat uns gezeigt: Menschen können extrem unterschiedlich sein, so wie wir beide, und wir sind wirklich unterschiedlich. Und jetzt fangt nicht an mit: Na ja, Unterschiede ziehen sich an und ergänzen sich so herrlich. Ja, ja, ich weiß von Ergänzung Bescheid. Aber ich weiß auch von Tausenden einer Streitfrage, die da ganz locker hochkommt, weil man einfach keine Parallele findet.
Aber ich weiß eines auch: Gebet schafft diese Verbindung, die da nötig ist. Anhaltendes Gebet.
Ein anderes Beispiel: Wir haben uns gewünscht, dass unsere Kinder selbst in der Bibel lesen und mit uns dann auch so etwas wie stille Zeit machen. Wir haben über zwei Jahre hinweg regelmäßig als Ehepaar dafür gebetet. Und nach zwei Jahren, im Anschluss an eine Schwesternrüste, sind unsere Kinder auf uns zugekommen und haben gesagt: Hier, wir wollen jetzt morgens mit euch in der Bibel lesen. Können wir das machen?
Das hat uns damals gemeinsame Gebetszeit als Ehepaar gekostet, aber wir haben natürlich gesagt: Super, klar. Wer würde auf so eine Frage nicht sofort mitgehen? Wir werden es irgendwie einrichten, gar keine Frage.
Oder ich denke an unsere letzte größere, ich nenne es mal Ehekrise, die ich schon auch als Krise empfunden habe. Wir haben zweieinhalb Jahre dafür gebetet, dass wir einen Ansatz finden, um dieses Problem irgendwie in den Griff zu kriegen. Denn es war ein Problem an der Kontaktfläche dieser beiden Typen, wo jeder von seiner Warte aus einen Blick darauf hat. Und es dauert ein Weilchen, da wirklich zu finden, wie man das löst.
Es ist eine Sache, die sich tief drin bei jemandem lösen muss, wo es eher um Herzensveränderungen geht. Wir sind ja nicht auf den Kopf gefallen, also wenn es eine Banalität ist, kriegen wir die immer relativ schnell geklärt.
Wir haben zweieinhalb Jahre dafür gebetet, und dann, ich kann es nicht anders sagen, hat Gott ein Wunder getan. Innerhalb eines Nachmittages war ein Problem, das wirklich groß war, gelöst. Ich stand davor und wusste nicht mehr, was ich noch tun soll. Mir waren die Ideen ausgegangen. Wer mich kennt, weiß: Das dauert eine ganze Weile, bis mir die Ideen ausgehen.
Ich wusste nicht mehr weiter. Ich wusste nur: Es muss ein Wunder her. Und wir haben dafür gebetet. Und Gott hat im wahrsten Sinne des Wortes an einer Stelle im Herzen etwas bewegt, wo vorher nichts bewegt war. Es machte klack. Und mit einem Mal, innerhalb von drei Stunden, war alles erklärt, alles ausgesprochen, alles geklärt. Aber vorher: zweieinhalb Jahre gemeinsames, anhaltendes, beharrliches Gebet.
Gebet als Lebensstil
Und darum soll es heute gehen: um das Gebet.
Unser Wunsch an frisch Vermählte ist meistens nur einer: Lernt miteinander beten! Wisst ihr, die Probleme in einer Ehe kommen ja früh genug. Es ist ja nicht so, dass christliche Ehen problemfreie Zonen werden. Probleme kommen früh genug. Und jede unserer Ehen steht in der Gefahr, dass sie sich entwickelt, aber auch, dass sie sich zum Schlechten entwickelt. Dass ungelöste Reibereien des Alltags diesen positiven Entwicklungsprozess, den man so aufeinander zugehen soll, bremsen und am Ende zu einem Stillstand führen. Und dass unsere Ehen in eine Zweitklassigkeit abdriften, wo wir eigentlich sagen: Früher haben wir uns das ganz anders gedacht. Wir sind mit anderen Vorzeichen, mit anderen Hoffnungen und mit anderen Erwartungen gestartet.
Die Gefahr ist einfach bei uns allen da. Und die gute Nachricht, die ich heute Morgen predigen möchte, ist: Du wirst Probleme haben, aber Gott hat dir ein Werkzeug, ein Handwerkszeug gegeben, um jedem Problem zu begegnen.
Und jetzt etwas allgemeiner, mal einen Schritt zurück, nicht nur auf die Ehesituation. Ganz allgemein: Erfolg und Misserfolg in deinem Leben. Egal in welchem Bereich. Das kann die Ehe sein, aber das kann auch die Kindererziehung sein. Das kann die Mitarbeit in der Gemeinde sein, wo wir ja auch Hoffnungen haben, Dinge zu erreichen, wo auch zum Teil Anfeindungen da sind, Versuchungen und Herausforderungen. Das kann der Bereich Evangelisation sein, wo du an jemandem dranhängst. Das kann der Bereich Zeitplanung sein, den du vielleicht überhaupt nicht unter die Füße kriegst. Mir ist jetzt mal egal, welchen Bereich des Lebens wir anschauen.
Erfolg und Misserfolg hängen, wenn wir die Bibel betrachten, ganz wesentlich davon ab, ob Gott dir die guten Gaben gibt, die er für dich vorbereitet hat. Das ist einfach mal der Punkt. Wir sind abhängig. Und Gott gibt seine guten Gaben dem, der darum bittet, der danach sucht und der an seine Tür anklopft.
Deswegen heißt der Titel der Predigt heute Morgen: „Online mit Gott“.
Und wir springen hinein wieder in unsere Reihe über die Bergpredigt und gehen zum Kapitel 7, Matthäus Kapitel 7, bevor wir die Verse 7 bis 11 anschauen. Für die, die schon ein Weilchen dabei sind – das muss irgendwann im letzten Jahr gewesen sein – da haben wir uns in Kapitel 6 schon einmal über das Thema Gebet unterhalten. Schauen wir uns an, worum es in Kapitel 6 ging.
In Kapitel 6 gab es zum Thema Gebet zwei Schwerpunkte. Der erste Schwerpunkt war: Wie soll man beten? Und der Herr Jesus sagt: Wenn du betest, dann bitte nicht heuchlerisch. Du und dein Gott, das reicht. Du musst nicht beten, damit andere dich sehen. Gebet ist eine persönliche Angelegenheit. Das schließt nicht aus, dass man in einer Gruppe zusammenbetet, aber erst einmal ist Gebet: du und dein Vater im Himmel.
Der zweite Schwerpunkt in Kapitel 6 ist das: Was soll man beten? Und an der Stelle des Was haben wir uns über das Vaterunser unterhalten. In unserem Gebet kommen Dinge vor wie Anbetung, Fürbitte, die Bitte für meine Anliegen, Sündenbekenntnis und Vergebung. Das sind Dinge, die der Herr Jesus uns inhaltlich gibt.
Kapitel 7, wo wir jetzt in unserer Reihe sind, ergänzt diese Gedanken zum Gebet, und zwar erstens um ein wichtiges Prinzip und zweitens um eine Begründung.
Das beharrliche Bitten
Ich lese uns mal die Verse vor, um die es heute geht: Matthäus 7,7-11.
Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch aufgetan werden. Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden. Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bittet, ihm einen Stein geben wird? Und wenn er um einen Fisch bittet, wird er ihm eine Schlange geben? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten?
Das Bitten, Suchen und Anklopfen im Text sind Beschreibungen für das Gebet. Im Gebet bitten wir um Dinge, wir suchen nach Antworten, wir klopfen an Gottes Tür an, um ihm persönlich zu begegnen.
Und wie wir das schon in Matthäus 7,1-6 ausgeführt haben, geht es auch hier um eine Gewohnheit. Wenn es heißt: bittet, sucht, klopft an, dann geht es darum, dass wir einen bestimmten Lebensstil entwickeln.
In den ersten sechs Versen dieses Kapitels ging es darum, einen falschen Lebensstil abzulegen. Richtet nicht, erinnert euch vielleicht. Ein falscher Lebensstil, eine falsche Gewohnheit muss raus aus unserem Leben. Und jetzt kommt quasi eine richtige Gewohnheit hinein.
Zu sagen: Du sollst nicht richten. Dieser falsche, überzogene Kritikgeist, wo ich mich ein Stückchen aufspule an den Fehlern des Anderen und ihm nicht helfe, sondern ihn nur heruntermache, das muss raus. Aber was muss denn rein in unser Leben? Rein muss ein Lebensstil des Gebets, des anhaltenden, kontinuierlichen Gebets.
Das heißt, bittet, sucht und klopft an, könnte man übersetzen mit: bittet immer wieder. Macht es euch zur Gewohnheit zu bitten. Sucht immer weiter. Macht es euch zur Gewohnheit, nicht mit dem Suchen aufzuhören, bis ihr gefunden habt. Klopft an die Tür an, klopft an, immer wieder, bis die Tür offen ist. Solange klopft an.
Das ist das Lebensprinzip, das der Herr Jesus uns an dieser Stelle vorstellt. Und ich möchte ein Gleichnis lesen aus Lukas 18, das diesen Lebensstil noch einmal unterstreicht.
Ausdauer im Gebet
Lukas 18,1-8
Lukas 18,1: Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis dafür, dass sie allezeit beten und nicht ermatten sollten, und sprach:
Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und vor keinem Menschen sich scheute. Es war aber eine Witwe in jener Stadt, und sie kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher.
Und eine Zeit lang wollte er nicht. Danach aber sprach er bei sich selbst: „Wenn ich auch Gott nicht fürchte und vor keinem Menschen mich scheue, so will ich doch, weil diese Witwe mir Mühe macht, ihr Recht verschaffen, damit sie nicht am Ende komme und mir ins Gesicht fahre.“
Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt. Gott aber sollte er das Recht seiner Auserwählten nicht ausführen, die Tag und Nacht zu ihm schreien? Und sollte er es bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch, dass er ihr Recht ohne Verzug ausführen wird.
Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?
Das Gleichnis hat einen Zielgedanken oder einen Kontaktpunkt mit der Realität. Es will uns eine Sache deutlich machen, und diese eine Sache ist, dass wir allezeit beten und nicht ermatten sollen.
Anscheinend besteht die Gefahr im geistlichen Leben darin, dass man am Anfang voller Begeisterung losrennt und sagt: Beten ist gar kein Thema. Und dann stellt man irgendwann fest, wie wenn man nach dem Winterschlaf wieder mit dem Joggen anfängt. Vielleicht kennt ihr das. Mir geht es regelmäßig so. Ich denke: Boah, jetzt wieder raus und joggen, und die Luft, ah, schön. Man hat aber drei Monate nichts gemacht. Das vergisst man in dem Moment, in dem man losläuft. Die ersten hundert Meter sind einfach super, ja, alles wieder weich und geschmeidig. Und so ungefähr nach einem Kilometer stellst du fest, dass deine Kondition doch noch nicht ganz da ist. Und wenn du dir dann fünf Kilometer vorgenommen hast oder zehn, weil du in dem Bereich warst, und an einem Kilometer kommt dann die innere Frage: Puh, noch vier?
Das passiert im geistlichen Leben auch. Wir rennen nach der Bekehrung begeistert los. Aber die Frage ist nicht, wie du losrennst. Die Frage im geistlichen Leben ist überhaupt nicht, mit wie viel Elan und Geschrei du dein geistliches Leben beginnst. Die Frage ist, wie du nach zehn, fünfzehn, zwanzig, fünfundzwanzig Jahren drauf bist. Wenn du dein geistliches Leben angepasst hast an deine natürliche Entwicklung. Wenn du gemerkt hast: Es ist nicht alles easy, es ist nicht alles rosa-rote-Brille, es ist nicht alles superleicht. Was ist denn dann? Was bleibt denn dann von deiner, die Bibel nennt das Gottesfurcht, der moderne Begriff wäre vielleicht Frömmigkeit, von deiner Lebenspraxis mit Gott? Bibellese, Gebet, Gemeinschaft mit anderen Geschwistern, Dienst in der Gemeinde, solche Dinge, ganz praktisch. Was bleibt denn danach noch übrig?
Und die Gefahr ist die: Man startet voller Elan, und dann kommt der Punkt, wo man feststellt, man war zu schnell unterwegs. Und es kommt zu so einer Art geistlicher Muskelübersäuerung, und du möchtest am liebsten stehenbleiben. Das ist die Gefahr. Vielleicht bist du zu schnell losgelaufen, vielleicht ist dein Fundament nicht stark genug. Ich will jetzt nicht über die Ursachen reden. Ich will darüber reden, dass der Herr Jesus hier die Frage stellt, ob, wenn er wiederkommt, er Glauben finden wird, der sich ausdrückt in anhaltendem, dauerndem Gebet. Denn deswegen steht hier dieses Gleichnis.
Anhaltendes Gebet ist ein sichtbarer Ausdruck von Glauben. Wenn du sagst: Ich glaube Gott, dann kann dir dieses Gleichnis zeigen, was das für dein Leben bedeutet. Diese Aussage ist nur dann wahr, wenn du auch anhaltend und dauernd betest.
Gott sucht Anbeter
Gott sucht Beter. Eine andere Stelle zu diesem Thema ist sehr bekannt, und ich möchte sie doch lesen aus dem Johannesevangelium, Johannes Kapitel 4, die Geschichte mit der Frau am Jakobsbrunnen.
Heute Morgen habe ich mich schon einmal völlig verlesen, also ihr müsst mich immer gleich korrigieren. Also Johannes Kapitel 4. Vielleicht ist das der Grund, warum ich immer dazu erzähle, wie die Geschichte heißt.
Johannes 4,23:
Es kommt aber die Stunde, sagte der Herr Jesus, und ist jetzt da, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter.
Gott sucht wahre Anbeter, und wahre Anbeter zeichnen sich dadurch aus, dass sie Gott in Geist und Wahrheit anbeten.
Wenn ich Gott in Geist anbete, dann heißt das: Gebet ist eine zutiefst geistliche Angelegenheit. Es hat also nichts zu tun mit Ritualen in irgendeiner Form. Du und dein Gott begegnen sich auf einer persönlichen, geistlichen Ebene.
Das Zweite ist die Wahrheit. Gebet ist immer ehrlich. Gebet ist nie fromme Show. Gebet ist: Ich schütte mein Herz und mein Leben so vor Gott aus, wie es wirklich ist. Ich benutze Gebet nicht, um andere zu beeindrucken oder Gott irgendetwas vorzumachen.
Die geistliche Seite und die ehrliche Seite: Wenn die zusammenkommen, dann sagt Gott, solche Leute, die dazu bereit sind, mir so zu begegnen, auf so einer Ebene mir in die Augen zu schauen und den Mund aufzumachen.
Denn wenn du den Mund nicht aufmachst und etwas sagst, dann betest du nicht. Du kannst von mir aus still beten, darüber rede ich jetzt nicht, aber wir müssen schon Gott etwas sagen. Es muss da irgendwo von uns etwas kommen.
Und Gott sagt: Das, was ich hören möchte von dir, ist, dass du mich anbetest.
Könnt ihr euch das vorstellen? Also ich zucke immer ein bisschen bei dem Vers. Gott sucht etwas. Gott sagt: Ich habe da auch meine Liste, meine Wunschliste.
Vor kurzem ging ich ins Arbeitszimmer, und da lag eine zusammengefaltete Liste. Es war eine Geburtstagswunschliste, die einfach liegen geblieben war. Dann habe ich sie aufgemacht, um einfach zu schauen, wem sie gehört, und habe dann so gelesen: Aha, ja, interessant. Und dann wusste ich wieder, was sich meine Töchter denn so wünschen würden, wenn sie meine finanziellen Möglichkeiten hätten.
Ich habe sie wieder zusammengeklappt und dann ins Kinderzimmer gebracht und dort auf den Schreibtisch gelegt.
Wenn wir diesen Text lesen, dann machen wir quasi Gottes Wunschliste mal auf. Was würde ich mir wünschen, wenn alle so wären, wie sie eigentlich sein sollten? Was suche ich?
Und Gott sagt: Das, was ich suche, sind Leute, die mich anbeten, und nicht irgendwie, sondern in Geist und Wahrheit.
Der Vater, der gute Gaben gibt
Und in unserem Matthäustext erklärt der Herr Jesus, warum es so logisch ist, dass wir das tun. Wir springen wieder zurück zu Matthäus 7. Ich lese noch einmal alle Verse vor: Matthäus 7,7-11.
Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch aufgetan. Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden.
Jetzt die Begründung: Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bittet, ihm einen Stein geben wird? Und wenn er um einen Fisch bittet, wird er ihm eine Schlange geben? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten?
Jeder Vater weiß, was seine Kinder brauchen. Vielleicht schaut ihr nicht so viel Fernsehen oder Filme wie ich, das kann sein. Aber es gibt einen Film, der heißt, oder eigentlich eine Trilogie, „Der Pate“. Es ist ein sehr intimer Einblick in das amerikanische Mafiosi-Wesen. Und das, was dieser Film in meinen Augen zeigt, ist, mit welcher Herzensgüte dieselben Leute, die einen Killer losschicken, um einen anderen oder ganze Familien kaltzumachen, sich auf der anderen Seite einen Kopf darüber machen, wie die Geburtstagsfeier von Klein Sowieso einfach zu einem Traumerlebnis wird.
Das heißt: Jeder Mafiosi ist, wenn er mit seiner kleinen Tochter am Rummel spazieren geht, und die Kleine steht da vor der Bude und weint: „Ich hätte gerne eine Zuckerwatte“, dann weiß jeder Mafiosi, was zu tun ist.
Und jetzt sagt Jesus: Wenn das schon für die Mafiosis dieser Welt gilt, dass sie, obwohl sie böse sind, ihren Kindern gute Gaben zu geben verstehen, wenn wir das schon irgendwie für selbstverständlich halten und es uns gar nicht so überrascht, wie viel mehr muss das dann für unseren Vater im Himmel gelten?
Und die Frage, die ich dir heute Morgen stellen möchte, ist die: Welche Erwartung hast du an Gott? Welche Vorstellung hast du von Gott? Wenn du über Gott nachdenkst: Ist er für dich der alte Griesgram, der da oben sitzt, der sowieso meistens nicht das gibt, was man braucht, der immer so ein bisschen mürrisch ist und dem man am besten nur in kurzen Sätzen begegnet, und ansonsten muss man sein eigenes Ding durchziehen? Ist das dein Denken?
Andere Frage: Vielleicht wirst du sagen, so kann ja kein Christ denken. Wie ist dein Leben? Wenn du das schon nicht denkst, lebst du dann entsprechend?
Also immer dann, wenn wir unsere Hände falten und anhaltend für eine Sache beten, so wie der Herr Jesus es hier sagt, wenn wir diese Lebensgewohnheit, diese Gebetsgewohnheit entwickeln, dann unterstreichen wir unseren Glauben an einen Vater im Himmel, der sich wirklich um uns kümmert.
Und immer dann, wenn wir das nicht tun, wenn wir wenig beten oder nicht beten, wenn wir sagen: „Anliegen, mir fällt eigentlich nichts ein“, was ich persönlich für eine ausgesprochen merkwürdige Sache halte, weil ich könnte jetzt anfangen, Anliegen zu formulieren, und die nächste Stunde würde ich wahrscheinlich problemlos füllen, ohne mich zu wiederholen. Ich muss nur mal meine Lebensbereiche wirklich durchgehen. Jeder von uns hat doch Anliegen.
Wie ist unsere Haltung, wenn wir sagen: „Ach, ich weiß gar nicht, wofür ich beten soll“? Dann magst du noch behaupten: Ich glaube an einen guten Gott, an einen Vater im Himmel. Aber deine Lebenspraxis streicht das durch, wenn du deine Gebete nicht vor Gott ausschüttest, der gute Gaben zu geben versteht und ein guter Vater ist, der es liebt, seine Kinder zu beschenken.
Ich liebe es, meine Kinder zu beschenken. Und wenn du Vater bist, liebst du es, oder wenn du Mutter bist, dann liebst du auch deine Kinder zu beschenken. Und wenn du nur einen Hauch Verständnis von Gott hast, dann weißt du, dass der, der seinen Sohn geschickt hat, damit du ewiges Leben hast, gut ist und im Himmel darauf wartet, dass du ihn bittest.
Und wenn du es nicht tust, und mir ist egal, wie gut deine Ausrede ist: Wenn du es nicht tust, bringst du durch dein Leben zum Ausdruck, dass du Gott misstraust, dass du ihn nicht für den hältst, der er zu sein vorgibt. Das muss dir einfach klar sein, auf der ganz praktischen Ebene.
Du kannst immer noch sagen: Ich bin nicht so abgedreht, dass ich das auch glaube. Aber praktisch lebst du so. Gott will, ich sage es mal so, dich beschenken. Das ist die Realität.
Was Gebet verhindert und was es fördert
Drei Dinge können den Segen Gottes aus unserem Leben fernhalten. Und, wenn ich die Bibel durchschaue, sind es nur diese drei Dinge. Alle drei Dinge sind irgendwie weg. Es sind Dinge, die so banal sind, dass ich sage: Das ist alles, was den Segen Gottes aus meinem Leben fernhalten kann.
Ja, vielleicht findest du einen vierten Punkt. Ich würde ihn gerne wissen. Ich habe ihn in meiner Bibel nicht gefunden, aber ich kann ja auch Dinge übersehen. Ich habe drei Dinge gefunden, die den Segen Gottes von dir fernhalten.
Stell dir vor, Gott hat eine Scheune voller eingepackter Geschenke. Herr Wehr hat mir mal eine Geschichte vorgelesen, in der jemand in den Himmel gebeamt wurde und dort diese ganzen Scheunen voller Geschenke sah. Er fragte: Was ist denn das? Da sagte dann derjenige, ich denke, es war irgendein Engel, der ihn herumgeführt hat: Naja, das sind all die guten Gaben, die Gott schon vorbereitet und eingepackt hat, aber die wurden nie abgeholt, weil nie jemand dafür gebetet hat. Oder nicht bis zu dem Punkt, wo die Tür aufging, wo man den Schatz gefunden hat, wo die Bitte erhört worden ist.
Und meine Sorge ist tatsächlich die, dass wir es hier mit einer ganz einfachen, simplen Sache zu tun haben, die ein Stückchen untergeht in unserem Bewusstsein.
Jetzt zu den drei Punkten. Was kann also den Segen aus meinem Leben fernhalten?
Erstens: Sünde.
Ich lese euch den Vers dazu mal vor, der mir einfällt. Das ist so ein alttestamentlicher Prophet, der hat das, das ist ja auch so ein bisschen typisch für alttestamentliche Propheten, knackig auf den Punkt gebracht. Der sagt: Eure Missetaten haben diese guten Gaben abgewendet, und eure Sünden haben das Gute von euch ferngehalten.
Eure Missetaten, eure Sünden sind dafür verantwortlich, dass du nicht das bekommst, was Gott sich eigentlich für dich gedacht hatte. Brauchst du einen Grund, dein Leben von Sünde zu reinigen? Hier ist einer. Du denkst, Sünde hätte keine Konsequenzen oder nur die, die du siehst? Vergiss es.
Ich habe eine Karteikarte, da stehen zwölf Dinge drauf, die Sünde in deinem Leben kaputt machen. Das ist eine davon. Sünde verhindert, dass Gott die guten Gaben ausliefert. Sünde ist, wie wenn du deinem Postboten eine Kugel zwischen die Augen gibst, und er kann dann nicht mehr weiterlaufen. Du kriegst den Brief nicht.
Sünde ist eine ganz radikale Erfahrung. Und Gott sagt: Eure Missetaten haben diese Gaben von euch abgewendet. Punkt. Ich hatte da was, ich wollte euch segnen. Im Zusammenhang sehr, sehr materiell. Und ich tue es nicht. Ist das eine Beschreibung deines Lebens? Gibt es das auch bei dir? Hat sich Sünde eingenistet in deinem Leben?
Wir haben gestern als Ältestenschaft zusammengesessen, wir haben drei Tage zusammengesessen, fast, und wir haben uns über viele Punkte unterhalten. Ein Punkt war der, dass wir denken, es gibt eine ganze Reihe Geschwister, die, wie hieß das Wort, in renitentem Ungehorsam gegenüber Gottes Wort leben. Wir waren bis an unsere Grenze gekommen, weil wir gesagt haben: Wir haben jetzt drei Jahre versucht, Leute mit Freundlichkeit darauf hinzuweisen, dass in der Bibel steht zum Thema Brotbrechen: Dies tut zu meinem Gedächtnis. Das ist ein Befehl.
Und wir haben ermahnt, wir haben gesprochen, wir haben Postkarten geschrieben, wir haben durch unser Vorbild hoffentlich auch noch dazu beigetragen. Und heute Morgen waren hier keine dreißig Gemeindeglieder von hundertzehn. Wir sind ein bisschen an unsere Grenze gestoßen, als Älteste, euch noch länger an der Stelle zu treten. Und je nach persönlicher Konstitution würde der eine am liebsten Leute ausschließen, und der andere würde sagen: Komm, sehen wir drüber hinweg. Das ist so ein bisschen Mentalitätsunterschied.
Aber der Punkt bleibt. Such Sünde in deinem Leben. Gibt es Gebote, von denen du genau weißt: Ich müsste eigentlich mal ran? Die sind nicht, na ja, so oder so auslegbar, die sind eigentlich klar. Und du weißt, es ist falsch, wie ich lebe an der Stelle. Es ist falsch, wie ich meine Zeit einteile. Es ist falsch, wie ich mein Gebetsleben organisiere. Es ist falsch in verschiedensten Bereichen.
Und wenn ich dich bitten würde, nimmst du einen Zettel, schreibst du mir sofort die Sachen auf? Ist das so? Hier ist ein Punkt, der dich motivieren soll. Die guten Gaben Gottes warten darauf, ausgeliefert zu werden, und Sünde ist das, was dazu beiträgt, dass Gott es nicht tun kann.
Zwei weitere Punkte aus dem Jakobusbrief.
Der zweite und dritte Grund dafür, dass unsere Gebete nicht erhört werden, findet sich in Jakobus 4. Und dort Jakobus 4,2, und zwar am Ende von dem Satz. Da heißt es: Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet.
Ganz simpel: Du bittest nicht, du hast nicht. So eine simple Gleichung. Also manchmal denke ich, die Bibel ist so herrlich einfach. Du hast nicht? Okay, lass uns die drei Punkte durchgehen. Ich wünsche mir das. Ja gut, lass uns die drei Punkte durchgehen. Hast du dafür gebetet, anhaltend gebetet? Ja, ja, ja. Ist das der nächste Punkt denn überhaupt ein gutes Gebet, ein guter Wunsch, den du hast?
Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet, ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden.
Drei simple Fragen: Ist das, was du haben willst, eigentlich überhaupt gut? Ist das, was du haben willst, etwas, wofür du auch anhaltend betest? Und drittens: Wie sieht es mit deinem Leben aus? Kommt der Postbote da eigentlich näher ran, oder wird er immer schon ab hundert Metern erschossen? Geht es überhaupt, dass er ausgeliefert bekommt?
Drei ganz simple Fragen. Du möchtest den Segen Gottes in deinem Leben, oder? Davon gehe ich einfach mal aus. Und hier stehen drei so simple Wahrheiten. Ich finde es fast banal, hier vorne zu stehen und eine Predigt darüber zu halten. Ich denke, es ist so offensichtlich billig.
Ich fasse das nochmal zusammen: Gott will uns beschenken. Gott ist ein guter Vater. Er sucht Anbeter, das ist irgendwie das Prinzip. Und er fordert uns auf, einen entsprechenden Lebensstil zu praktizieren. Ein Lebensstil, in dem anhaltendes, bittendes Gebet drin vorkommt und keine Sünde. Das alles. Mehr habe ich heute nicht zu sagen.
Ist gut, oder? Also wahrscheinlich wird Frank sagen, das ist das Gleiche, was wir auch im Kindergottesdienst machen. Ja, natürlich, es hat ein bisschen heute das Niveau Kindergottesdienst, das ist mir völlig klar. Aber der Punkt ist nicht, auf welchem Niveau ich euch begegne, sondern die Frage ist, ob jetzt die Herzen aufgehen und jemand sich wirklich an die Brust schlägt und sagt: Jürgen, du hast Recht. Es gibt tausendeinen Grund, warum ich nicht bete.
Warum Gebet oft schwerfällt
Und deswegen jetzt die Frage: Warum tun wir uns im Allgemeinen, es gibt sicherlich die Heroen und die Ausnahmen, aber im Allgemeinen so schwer mit Gebet? Und ich meine jetzt nicht fünf Minuten, sondern wenn ich dir sage: Bete doch mal eine halbe, dreiviertel Stunde. Warum tun wir uns damit so schwer?
Der Grund könnte sein, dass wir in einem geistlichen Kampf stehen. Du als Christ trägst in dir einen unerlösten alten Teil, der überhaupt keine Lust auf Gebet hat. Das ist das Letzte, was ihm einfällt. Und deswegen ist der erste Schritt zum Gebet immer eine Überwindung.
Das ist dieses: Na gut, ein bisschen so. Mir geht das oft so. Ihr habt ja meinen Typ kennengelernt. Ja, alles, was wiederkehrend ist, ist für mich eine Last. Einen Lohnsteuerjahresausgleich schiebe ich bis zur letzten Woche auf. Wenn da draufsteht: Sie müssen das jetzt bis da und da abgegeben haben, weil ich das Ding für irgendwas brauche, werde ich am Vorabend anfangen. Ich brauche die maximale Schmerzgrenze, um mich wirklich hinzusetzen. Ich bin so ein Typ.
Und ich kenne das Gefühl, wenn man sagt: Ich habe überhaupt keinen Drive und ich habe tausend andere Sachen zu tun. Und doch gilt das beim Gebet nicht. Spurgeon hat es einmal so formuliert: Wir sollen beten, wenn wir in Gebetsstimmung sind, denn es wäre Sünde, eine solche Gelegenheit zu versäumen. Finde ich einen guten Ansatz. Und wir sollen beten, wenn wir nicht in rechter Stimmung sind, wenn es gefährlich wäre, in einem solchen ungesunden Zustand zu verharren.
Spannend, ja? Beten! Wenn du Lust darauf hast, spring rein, ja? Das musst du festhalten, so eine Gelegenheit. Du triffst einen Freund, der schaut euch an und sagt: Jetzt hätten wir Lust zu beten, mach es, mach es bloß! Und du sitzt da und sagst: Ich habe schon überhaupt keinen Bock zu beten. Dann müssen die Alarmglocken hochgehen und sagen: Das ist ja fast so, als wenn ich keine Lust mehr habe zu atmen. Er sollte es mal wieder einen kräftigen Lungenzug tun. Wenn du Lust hast, tust du es. Wenn du keine Lust hast, erschrickst du.
Dr. Baxter, von dem habe ich euch auf den Predigtnotizen hinten drauf einen Auszug aus seinem Tagebuch kopiert, auch so ein Typ, der, ich sage mal, typisch ist, typisch für uns, die wir zu viel zu tun haben. Das, was er schreibt, gilt für jede Mama, für jeden Studi, für jeden Azubi, für jeden Vollzeitangestellten. Und Mr. Baxter hat einmal folgende Erfahrung gemacht: Als ich die gelesen habe in einem Buch, dachte ich: Ja, das ist wirklich nett.
An diesem Morgen blickte Sidlow Baxter tief in sein Herz hinein und bemerkte, dass sich in ihm ein Teil befand, der beten wollte, ein anderer hingegen nicht. Es war der Tag, an dem er merkte: Ich bin so mit Arbeit zu, ich habe eigentlich gar keine Zeit zum Beten. Und es war ein Pastor, also pastorale Arbeit. Der unwillige Teil waren seine Gefühle, der willige sein Verstand und sein Wille. Diese Erkenntnis ebnete den Weg zum Sieg.
Lernen, wie man betet
Doktor Baxter beschreibt dies auf seine eigene unnachahmliche Weise. Und nun ein Auszug aus seinem Tagebuch:
Wie nie zuvor standen sich mein Wille und ich selbst einander gegenüber, Auge in Auge. Ohne Umschweife stellte ich meinem Willen die Frage: Willst du bereit, bist du bereit zu einer Stunde Gebet?
Wille antwortete: Hier bin ich, und ich bin durchaus bereit, wenn du es bist.
Wille und ich reichten uns die Hände und drehten uns um, um eine Zeit des Gebets zu halten. Mit einem Mal begannen all meine Gefühle, in die andere Richtung zu ziehen und zu protestieren: Wir kommen nicht mit!
Ich sah Wille ein wenig zögernd an. So fragte ich Wille: Schaffst du es trotzdem?
Und Wille erwiderte: Ja, wenn du es schaffst.
So wandte sich Wille von nun an dem Gebet zu, wobei wir die sich windenden und aufsässigen Gefühle in uns mitzogen. Von Anfang bis Ende war es ein Kampf.
Einmal, als Wille und ich uns inmitten einer ernsthaften Fürbitte befanden, entdeckte ich plötzlich, dass eines dieser treulosen Gefühle meine Phantasie mit sich genommen und zum Golfplatz entführt hatte. Nur mit Mühe konnte ich den ungehorsamen Bösewicht wieder einfangen.
Wenig später stahl sich ein anderes Gefühl mit einigen unbewachten Gedanken auf die Kanzel, zwei Tage vor der Predigt, um eine Predigt zu halten, deren Vorbereitung ich noch nicht abgeschlossen hatte.
Hätte mich jemand am Ende dieser Stunde gefragt: Hattest du eine gute Zeit?, dann hätte ich antworten müssen: Nein, es war vom ersten bis zum letzten Augenblick ein ermüdender Kampf mit widerstrebenden Gefühlen und einer umherschweifenden Phantasie.
Kennt ihr das? Ich kenne es.
Aber es kam noch schlimmer, denn der Kampf mit den Gefühlen tobte noch zwei oder drei weitere Wochen. Hätte man mich nach dieser Phase gefragt: Hattest du eine gute Zeit? In deinen täglichen Gebeten?, so hätte ich bekennen müssen: Nein, manchmal war der Himmel wie Erz, Gott wirkte zu weit entfernt, um mich zu hören, der Herr Jesus schien auf seltsame Weise unnahbar, und meine Gebete bewirkten anscheinend nichts.
Und dennoch war etwas geschehen. Einerseits konnten Wille und ich den Gefühlen beweisen, wie völlig unabhängig wir von ihnen waren. Und eines Morgens, etwa zwei Wochen, nachdem der Wettstreit begonnen hatte, hatten Wille und ich uns gerade wieder zum Gebet vereinigt, als ich zufällig mitbekam, wie eines meiner Gefühle den anderen zuflüsterte: Kommt schon, Leute, es hat keinen Sinn, weiteren Widerstand zu leisten, sie gehen ja trotzdem.
An diesem Morgen waren die Gefühle zwar weiterhin völlig unkooperativ, aber sie verhielten sich zum ersten Mal ruhig, weshalb Wille und ich ohne Ablenkung beten konnten.
Und was glaubst du geschah ein paar Wochen später, während einer unserer Gebetszeiten, als Wille und ich ungefähr so intensiv an meine Gefühle dachten wie an den Mann im Mond? Da sprang einer der feurigsten Burschen unerwartet auf und rief: Halleluja!, worauf alle anderen einstimmten: Amen.
Und zum ersten Mal war mein ganzes Wesen, Verstand, Wille und Gefühl, vereint zu wohl koordinierter Gebetsarbeit.
Das ist die Realität. Du möchtest beten lernen? Du musst damit anfangen, und du musst es tun, und du musst ein Stückchen ausharren. Die Gefühle laufen eigentlich in allen Dingen unseres Lebens dem Tun hinterher und nie umgekehrt. Der Clou beim Beten: Du musst es tun.
Praktische Wege in ein regelmäßiges Gebetsleben
Lerne beten. Die Jünger kommen zu dem Herrn Jesus und sagen: Lehre uns beten. Sie wissen nicht, wie das geht. Du musst es auch lernen. Wir müssen es unseren Kindern beibringen. Wir brauchen Übung. Wir brauchen ein Nachdenken darüber, was es heißt, gute Beter zu sein.
Wie lernt man beten? Die erste Lektion haben wir hier. Die erste Lektion heißt: Wir lernen beten dadurch, dass wir beten. Nimm dir regelmäßig Zeit, nicht gleich drei Stunden. Fang mit einer kürzeren Zeit an, jeden Tag, aber bete. Nicht einmal die Woche, nicht einen halben Tag, nein, regelmäßig beten.
Und das Nächste, was du brauchst, der zweite Punkt, ist: Du musst irgendwie die Anliegen, die du hast, in eine Art von Ordnung bringen. Du brauchst Anliegen. Du musst lernen, wie und wofür man betet.
Für 2005 habe ich mir vorgenommen, meinen Kindern das Beten beizubringen. Als Vater denke ich, ist das mein Job. Und dazu habe ich ihnen eine Gebetskladde geschenkt. Das ist jetzt Tabeas Gebetskladde. Das ist einfach, das ist so ein Billigding, wo man verschiedene Fächer hat. Und wir haben einfach mal gemeinsam überlegt: Wofür können wir eigentlich beten?
Na ja, und da steht dann hier oben zum Beispiel „VIPs“. Das sind unsere Freunde, die noch nicht gläubig sind. Christen, wir sollen ja füreinander beten. Bei Tabea steht natürlich die Jugend noch mal speziell drauf, logisch. Dann steht hier „Mission und fremde Länder“, darunter Deutschland und Politik, und da stehen dann ich und meine Probleme.
Warum mache ich sowas? Na ja, Papier hat auch eine Gebetsliste, die sieht ein bisschen größer aus, das ist dieses Ding hier. Und der Vorteil an dieser Form der Organisation, ihr könnt es machen, wie ihr wollt, ist: Ihr müsst es nur irgendwie organisieren. Ich habe hier auch meine Rubriken drin, und wenn ich draußen sehe, da ist ein neuer Rundbrief von Open Doors, dann kommt das bei Mission rein. Und ich bete durch diese Kladde durch. Das ist jetzt die Beers-Kladde, wo ich das rausgenommen habe, und wir beten das durch. Und irgendwann kommen wir zum Thema Mission. Nun nehmen wir uns das Ding und beten dafür.
Und wenn ich einen neuen Gebetsbrief von irgendeinem Missionar kriege, was weiß ich, aus Kasachstan zum Beispiel, dann drucke ich mir den aus und packe ihn unter Mission oder unter Christen, wenn ich den ein bisschen besser kenne. Und so sammle ich die Sachen und habe immer meine Kladde und kann dann einfach durchbeten. Und wenn ich sage: Jetzt will ich beten, jetzt ist meine Gebetszeit, nehme ich mir meine Kladde und sage: Wo bin ich denn gerade? Und fange an zu beten.
Wenn ich euch jetzt das hier zeigen würde, dann ist da natürlich zum Beispiel eine Gemeindeliste drin. Warum? Na, weil ich für jeden von euch beten will. Die ist hier natürlich nicht drin, logisch. Aber wir können uns hinsetzen und wir können überlegen: Welche großen Rubriken haben wir denn zum Beten? Und dann können wir, so wie ich es jetzt mit den Kindern mache, am Freitag haben wir uns unterhalten über das Thema Politik.
Schauen wir mal, was aufgeschrieben wurde. Dann steht hier, und ich hoffe, ihr habt recht, dass ich das vorlese: gerechte Gesetzgebung, Weisheit für die Politiker, gläubige Christen im Umfeld von Politikern, Gelingen für die Arbeitsmarktpolitik. Vier kleine Anliegen, die wir aufgeschrieben haben. Es gibt mehr, keine Frage. Aber wir setzen uns zusammen und überlegen: Was könnten wir beten?
Und du wirst, wenn du dich hinsetzt und sagst: Ich möchte mal für die Politik in diesem Land beten, sicherlich zwanzig Mal so viel finden. Du liest ja Zeitung. Aber du kannst das beten. Du kannst deinen Kindern beibringen, dass sie für dieses Land beten und dass diese Kladde sich füllt, Stück für Stück. Wenn da jeden Tag ein Anliegen reinkommt, hey, super! Das macht man ein Jahr lang, und es entsteht ein Gefühl dafür, wofür ich beten kann.
Und ich denke, dass viele von euch noch nicht auf diesem Niveau sind, sich darüber schon Gedanken zu machen. Deswegen der Wunsch: Überlegt euch doch bitte mal, wofür sollen wir beten, und was kann ich konkret beten, und schreibt es auf.
Ich habe euch mal eine Liste von 80 Gebetsanliegen beigefügt, was ihr beten könnt, wenn euch nichts einfällt, einfach nur für andere Geschwister, jetzt nicht lesen, sondern einfach nur wissen. Das ist mal eine Liste gewesen aus einer Jugendandacht. Über Gebet. Du weißt nicht genau, was du beten kannst für Geschwister in der Gemeinde? Hier hast du mal 80 Anliegen, einfach als Einstieg, damit du siehst: Wenn diese Bibel deine Gebetsgrundlage ist, hier hast du ein paar Anliegen.
Vielleicht denkst du: Da habe ich noch nie für gebetet, dass das im Leben eines anderen Realität wird. Fang an, dafür zu beten. Wir sind dafür da, uns im Gebet zu unterstützen. Gebet macht die Türen auf für die Evangelisation. Gebet ist die Schützenhilfe, die wir uns gegenseitig geben können im geistlichen Kampf. Gebet hat etwas mit Heilung zu tun. Und wenn wir nicht beten, werden wir diese ganzen guten Gaben Gottes nicht kriegen.
Gemeinsam beten als Gemeinde
Ein dritter und letzter Punkt: Das erste war, regelmäßig zu beten. Das zweite war, ein bisschen Ordnung hineinzubringen, ein wenig nachzudenken und es zu lernen. Und der dritte Punkt ist: Nutzt die Gelegenheiten, die ihr habt, um mit anderen zu beten.
Wenn du verheiratet bist, bete mit deiner Ehefrau. Wenn du Single bist und du machst einen gemütlichen Videoabend mit jemandem, nutzt die Zeit zum Gebet. Schaut euch das Video an, aber nutzt die Zeit zum Gebet. Wenn dieser Impuls kommt, wie gut wäre es, wenn wir jetzt noch gemeinsam beten würden. Kennt ihr diesen Impuls? Wie gut wäre es, wenn wir jetzt noch gemeinsam beten würden? Und dann schluckt man ihn manchmal runter. Nein, spuckt ihn aus! Sagt: Hey, lasst uns jetzt erst beten. Lasst uns erst etwas Sinnvolleres tun.
Nutzt die Zeit, wenn ihr euch mit euren Freunden trefft. Nutzt die Zeit, wenn ihr im Hauskreis zusammen seid. Seht es als Vorrecht an, aber betet! Kommt in die Gebetstunde, kommt zum Brotbrechen, beteiligt euch hier, wenn wir vor der Predigt zusammenbeten. Beteiligt euch! Einfach deshalb, weil es dazugehört, weil es im eigentlichen Sinn das ist, was Gott haben möchte. Gott sucht Beter.
Ich weiss nicht, wie du dich in die Gemeinde einbringst und ob du glaubst, dass Gott mit dir zufrieden ist. Aber wenn du auf der Seite stehen willst, wo du sagst: Ja, ich tue das, was Gott will, dann kannst du dort nur stehen, wenn du betest.
Zum Schluss: mein Traum. Mein Traum ist eine betende Gemeinde. Mein Traum ist eine Gemeinde, und ich bete dafür auch schon über zwei Jahre, und ich werde auch weiter dafür beten, dass wir dahin kommen: eine Gemeinde, die wirklich verstanden hat, wie klein und wie abhängig sie ist, und die gerne betet. Mein Traum sind Ehepaare, die miteinander beten. Mein Traum sind Jugendgruppen, die miteinander beten. Mein Traum besteht darin, dass man sich trifft und sagt: Du, ich habe das Problem. Und man geht nicht auseinander, bevor man die Hände gefaltet und einander gesegnet hat. Das ist mein Traum.
Ich wünsche mir, dass das kommt. Ich will heute Morgen auch nicht die grossen Appelle starten, weil ich mir denke, die Realität ist ja eh die: Jeder erntet das, was er sät. Ihr seid eigenverantwortlich, ihr müsst euer Leben leben. Wenn ihr das tun wollt, was Gott sich wünscht, werdet ihr diesen Punkt des beharrlichen Gebets in euer Leben integrieren. Wenn ihr Erfolg in eurem Leben haben wollt, in eurer Kindererziehung, in eurer Evangelisation, ich denke auch im Beruf: betet.
Gibt es da irgendeine Ausrede? Entlarvt sie als das, was sie ist: eine Ausrede. Schaut auf den Herrn Jesus.
Ich möchte zum Abschluss noch beten.
Herr Jesus, wir danken dir dafür, dass wir in dir das haben, was wir zum Leben brauchen. Und ich danke dir dafür, dass wir beten dürfen, dass wir einen Vater im Himmel haben, der uns wirklich liebt. Du siehst diesen Wunsch, den ich habe, dass wir eine betende Gemeinde werden, die irgendwo online mit Gott lebt, permanent dran ist, wie so eine geistliche Flatrate, die nie gekappt wird. Und ich bitte dich darum, Herr, dass das tatsächlich auch so wird.
Ich möchte dich darum bitten, dass jeder Einzelne sich prüft, dass du es jedem schenkst, nüchtern über sein Leben nachzudenken und die Schritte zu tun, sei es, Sünde zu lassen, sei es, mit dem Gebet zu beginnen, vielleicht auch seine Motivation und seine Gebetsziele zu hinterfragen, wenn das nötig ist. Herr, ich flehe dich an, dass du dazu Gnade gibst. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.
Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.

