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Prediger 9, 1-18

Prediger 9,1-1801.01.2005
SerieTeil 10 / 12Prediger
Der Tod trifft alle. Doch genau jetzt entscheidet sich, ob du nur mitläufst oder auf Weisheit, Freude und Gottes Nähe setzt – solange noch Zeit bleibt.

Einleitung und Deutung des Kapitels

Und zwar Prediger Kapitel 9. Ich habe dieses Kapitel mit einer Überschrift versehen, und mir ist nichts Besseres eingefallen als: Tod, Freude und Weisheit. Das sind die drei Hauptthemen: Tod, Freude und Weisheit. Die Unterthemen habe ich dann entsprechend so aufgeschrieben.
Lassen wir einmal die ersten zwei Verse am Anfang, die extrem schwer zu verstehen sind. Wenn man das nur so liest, denkt man sich eigentlich: Das gehört nicht in die Bibel.
 Prediger 9,1: Denn das alles habe ich mir zu Herzen genommen, um dies alles zu prüfen, dass die Gerechten und die Weisen und ihre Taten in der Hand Gottes sind. Sei es Liebe, sei es Hass, nichts davon erkennt der Mensch. Alles beides liegt vor ihrer Zeit.
Alles beides ist wie bei allen Menschen ein Geschick. Es ist für den Gerechten und für den Ungerechten bestimmt, für den Guten und für den Reinen und den Unreinen, für den, der opfert, und den, der nicht opfert. Wie der Gute, so der Sünder; der, der schwört, wie der, der den Eid scheut.
Das ist ein Übel in allem, was unter der Sonne geschieht, dass einerlei Geschick allen zuteil wird.
Wenn man das so liest, denkt man sich: Also das widerspricht eigentlich alles, was die Bibel sagt. Der Ungerechte, der Gerechte, sie sterben alle, das gleiche Geschick geschieht jedem. Heinrich Heine hat es einmal salopp gesagt: Und der gleiche Anubis führt uns in den Tartarus. Alle gehen wir in die Hölle, letztlich.
Darum gibt es auch Theologen, die sagen, das kann nicht Wort Gottes sein, das passt nicht hinein. Aber man muss immer, und das hat mir ein Bibellehrer gelernt, Dinge im Zusammenhang sehen.
Da gibt es eine Geschichte, eine ganz nette. Ob sie stimmt, weiß ich nicht, aber egal. Ein Mann, sein Esel und sein Hund gehen spazieren. Sie gehen um eine Kurve, und als sie um die Kurve gingen, kam der Lkw. Er bremste nicht, fuhr alle drei an, und alle drei flogen um. Sie waren verletzt, draußen war graues Wetter. Man überlebte es aber.
Was zusammengeführt wird, klagt den Lkw-Fahrer natürlich an, dass er sie da zusammengestoßen hat. Dann sind sie vor Gericht, und der Lkw-Fahrer hat einen Rechtsanwalt. Der will beweisen, dass der Lkw-Fahrer nicht schuld ist, dass eigentlich nichts passiert ist.
Dann hat er zu dem, der zusammengestoßen worden ist, gesagt: Haben Sie nicht zu meinen Mandanten gleich nach dem Unfall gesagt, dass es Ihnen bestens geht? Und jetzt klagen Sie uns an, dass Sie verletzt waren. Sie haben gesagt, es geht Ihnen sehr gut nach dem Unfall.
Da sagt der Pferdehändler: Lassen Sie mich erklären. Ich, mein Esel und mein Hund sind spazieren gegangen. Da hat der Rechtsanwalt gesagt: Tja, das will ich nicht wissen. Ich will nur fragen: Haben Sie gesagt, dass es Ihnen gut geht, oder nicht?
Da wird er gesagt haben: Ich, mein Esel und mein Hund sind spazieren gegangen. Der Richter war jetzt schon ganz neugierig. Da hat er zum Richter gesagt: Sagen Sie ihm doch, er soll meine Frage beantworten, ob er das gesagt hat oder nicht.
Aber der Richter ist auch neugierig geworden und hat gesagt: Erzählen Sie die Geschichte.
Dann hat der Kläger gesagt: Ja, das war so. Ich, mein Esel und der Hund, wir sind spazieren gegangen. Dann ist der Lkw-Fahrer um die Kurve gekommen, hat uns nicht gesehen, hat uns alle drei zusammengeführt und hat uns umgeworfen.
Dann hat der Lkw-Fahrer gesehen, dass es uns nicht gut geht. Er hatte ein Gewehr im Lkw und ist zuerst einmal zum Hund gegangen. Der hat gewinselt und gebellt, und den Hund hat er auf der Wiese erschossen. Dann ist er zum Esel gegangen, hat gesehen, wie der Esel geschrien hat, weil er sich die Haxen gebrochen hat, und hat ihn auch erschossen. Und dann ist er zu mir gekommen und hat gesagt: Wie geht es dir? Und dann habe ich gesagt: Mir geht es blendend.
Das heißt: Die Geschichte ist deshalb gut, weil man das, was einer sagt, immer im Zusammenhang interpretieren muss. Und wenn der Prediger da sagt, es geht uns allen gleich, den Gerechten und Ungerechten, dem Lügner und dem, der nicht lügt, und so weiter, dann darf man nicht vergessen: Er beschreibt das Leben unter der Sonne.
Vers 3: Das ist ein Übel in allem, was unter der Sonne geschieht. Vers 6: unter der Sonne. Vers 9: unter der Sonne. Das heißt, der Prediger beschreibt nicht das Komplette, sondern nur einen beschränkten Ausschnitt. Und tatsächlich gilt das für uns hier unten, wenn wir mit Gott nicht rechnen.
Dann ist mit jedem das Gleiche. Entweder gehen wir in den Himmel oder in die Hölle, irgendwohin werden wir kommen, oder es gibt gar nichts mehr. Aber jetzt werden wir uns das im Detail ein bisschen anschauen.

Die Grenzen menschlicher Verfügung

A die Ungewissheit unserer Zukunft. Wir haben gelesen, im Vers 1 übrigens: Wenn B dabei steht, dann heißt das der zweite Teil vom Vers, A heißt der erste Teil vom Vers, B der zweite. Das würden die gescheiten Theologen auch so machen, und jetzt tue so die auch so, gell.
Da steht: Sei es Liebe, sei es Hass, nichts davon erkennt der Mensch; alles beides liegt vor seiner Zeit. Bekanntlich entzieht sich das, was in Zukunft geschieht, unserer Verfügungsgewalt. Wir können uns oft Dinge vornehmen, und dann kommt es ganz anders. Es ist ja oft so, da sagt man: Auch den sollte ich besuchen, und wieder dürfen wir es nicht. Den soll ich um Vergebung bitten, und man schiebt es vor sich her. Wir wollen lieben, und doch endet es oft in Hass. Alles beides, sagt er, sei es Liebe, sei es Hass, nichts davon erkennt der Mensch; alles beides liegt vor ihrer Zeit. So vieles nehmen wir uns vor, und so vieles geschieht nicht.
Und dann beschreibt er in B den Tod als den großen Gleichmacher, Vers 2 und 3a: alles beides, wie bei allen Menschen, ein Geschick für den Gerechten, für den Ungerechten bestimmt, für den Guten, den Reinen und den Unreinen, für den, der opfert, und den, der nicht opfert, für den, der Gutes tut, und den, der sündigt, usw. Vers 3: Das ist ein Übel in allem, was unter der Sonne geschieht, dass einerlei Geschick allen zuteil wird. In anderen Worten sagt er: So ungewiss die Zukunft ist, so gewiss ist der Tod. Die Zukunft? Keine Ahnung. Aber der Tod ist uns sicher.
Und aus der Perspektive für sterbliche Menschen, für uns sterbliche Menschen, wo man mit Gott nicht rechnet, macht der Tod keinen Unterschied zwischen gerecht und ungerecht. Der Gute und der Böse, jeder stirbt, jeder wird krank. Ein Virus unterscheidet nicht zwischen Christen und Nichtchristen. Äußerlich gesehen gilt es dem einen genau wie dem anderen. Er sagt im Vers 3: Einerlei Geschick wird allen zuteil.
Nur nebenbei erwähnt: Im Alten Testament, ich weiß nicht, wer von euch die Bibel liest, aber im Alten Testament ist die Sicht über den Tod eher negativ. Das heißt, die Gläubigen im Alten Testament haben sich nicht aufs Sterben gefreut, sondern auf ein langes Leben. Ich glaube, das hat auch damit zu tun, dass das Kreuz erst später gekommen ist. Im Alten Testament nämlich: Wenn du gestorben bist, vor dem Kreuz, vor Christus, dann sind beide, ob gläubig oder ungläubig, in das Totenreich gegangen, in den Scheol im Hebräischen oder Hades im Griechischen. Das heißt einfach Totenreich, das Reich der Toten.
Bis zum Kreuz, und dies ist vielleicht die Erklärung, wurden die Sünden nicht vergeben. Bis zum Kreuz waren Sünden nur zugedeckt. Darum hat es im Alten Testament diese Opferrituale gegeben, wo man ein Lamm geopfert hat oder einen Stier. Und da erscheint, ich weiß nicht mehr, ob in der Offenbarung oder irgendwo, wird das besprochen: Das ist so gegangen, da hat der Jude seine Hand auf das Lamm aufgelegt und seine Sünden bekannt, und symbolisch sind seine Sünden über die Hand auf das Lamm, auf das reine Lamm, übergegangen. Damit war der Jude frei von Sünde, das unschuldige Lamm war jetzt sündenbeladen, und der Sünder sollte sterben, denn für Sünde muss man sterben, und das unschuldige Lamm wurde dann geschlachtet. Das waren die Opferrituale im Alten Testament.
Das hat natürlich Christus erfüllt. Johannes der Täufer hat gesagt: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt wegnimmt. Aber im Alten Testament wurden die Sünden nur zugedeckt durch das Lamm, als eine Vorschau auf das, was kommen wird. Diese Lämmer waren nur eine Vorschau auf die Realität, nicht die Realität selbst. Und in Hebräer 10,4 steht: Denn unmöglich kann das Blut von Stieren und Böcken Sünden wegnehmen. Wegnehmen kann es nur der Sohn Gottes, der Unschuldige. Und als Jesus am Kreuz gerufen hat: Es ist vollbracht, da wurden alle Sünden weggenommen, der Mensch war rein. Und erst ab dem Kreuz hat der Mensch damit direkten Zugang zu Gott, weil die Sünde weg ist. Bis zum Kreuz war die Sünde nicht weg.
Und ich glaube, das ist auch der Grund, warum man im Alten Testament in den Scheol ging, ins Totenreich. Im Neuen Testament hingegen sagt Paulus einerseits, er möchte noch weiterleben, damit er helfen kann, andererseits möchte er bei Christus sein, das ist viel besser. Er möchte bei ihm sein; er geht direkt zu Christus. Und wir sagen ja im Glaubensbekenntnis, ich weiß nicht, ob wir damit etwas anfangen können, da sagen wir: gekreuzigt, gestorben und begraben, usw., hinabgestiegen in das Reich des Todes, auferstanden von den Toten, am dritten Tag, usw. Hinabgestiegen in das Reich des Todes – was heißt das? Was hat Jesus getan zwischen Kreuzigung und Auferstehung? Eine ehrliche Antwort: Wir wissen es nicht. Aber es gibt ein paar Indizien, die uns vielleicht helfen zu verstehen, was Jesus in der Zeit getan hat, hinabgestiegen in das Reich des Todes, in den Scheol.
Und wir lesen: Es gibt eine Stelle im Epheserbrief, Epheser 4,8. Da sagt Paulus: Darum heißt es: Hinaufgestiegen in die Höhe hat er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben. Dass er aber hinaufgestiegen ist, was besagt es anderes, als dass er auch hinabgestiegen ist in die unteren Teile der Erde? Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfüllt. Das heißt, aus dieser Stelle und aus einer weiteren im Petrusbrief nimmt man an, dass Jesus Christus nach der Kreuzigung, als er sagte: Es ist vollbracht, hinabgestiegen ist in den Scheol und die Gläubigen mit sich geführt hat in den Himmel. Die Ungläubigen wurden dem Gericht überlassen, die Gläubigen wurden mit sich geführt.
Einer hat es einmal so gesagt: Bis zum Kreuz, wenn du vor dem Kreuz als Gläubiger gestorben bist, dann hast du einen Scheck bekommen: Leben, ewiges Leben. Aber den Scheck konntest du erst am Kreuz in Bargeld einlösen. Erst dort hast du das Geschenk der Erlösung voll erhalten. Jetzt nach dem Kreuz erhalten wir Bargeld, das heißt, wir nehmen das Geschenk direkt an und sind somit in der Gegenwart Gottes.
Ich sage das nur deshalb, weil im Alten Testament der Tod auch für Gläubige nie etwas war, worauf sie sich gefreut haben. Im Neuen Testament hat Paulus gesagt, in 1. Korinther 15,54: Wenn dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden: Wo ist, o Tod, dein Sieg? Wo ist, o Tod, dein Stachel? Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus. Das heißt, der Tod hat keine Macht mehr. Und darum kann man als Christ, oder braucht man sich als Christ nicht vor dem Tod zu fürchten, sondern man kann sagen, wie man oft auf Trauerzetteln liest: Er ist nach Hause gegangen.
In der Ramsau haben wir jetzt ganz, das gefällt mir gut, das haben Sie bei jedem Trauerzettel rund um den Dumm, steht das, wie steht da oben? Ich bin nicht mehr unterwegs, ich bin zuhause. Das gefällt mir gut, das steht auf den Trauerzetteln rund um den Dumm. Das ist nämlich das, weil der Tod keine Macht mehr hat. Wir? Ah, danke, super, du hast es geschrieben. Ich bin daheim, ihr seid noch unterwegs. Und das kann man sagen, weil ich weiß: Ich bin bei Christus.
Nur damit man dies, nur so nebenbei, wenn man über den Tod im Alten Testament liest, hat das einen ganz anderen Geschmack als im Neuen.

Der Tod als Grenze und Scheidung

Dann C: Der Tod ist ein Übel und offenbart unsere Torheit.
Gehen wir zurück zum Prediger. In Prediger 9 und Vers 3a sagt er: Das ist ein Übel in allem, was unter der Sonne geschieht, dass einerlei Geschick allen zuteil wird. Es ist also ein Übel. Und der Tod ist ja schon irgendwie etwas Komisches für uns lebendige Menschen. Wisst ihr, was ich meine? Einerseits wenden wir Milliarden Euro auf, um unser Gesundheitssystem aufrechtzuerhalten, damit wir ja lange leben. Andererseits wendet man Milliarden auf, um Waffen und Granaten zu erzeugen, damit man Menschen umbringt. Irgendwie ist das schon schizophren. Der Tod ist in diesem Sinn ein Übel, und er offenbart auch unsere Torheit.
Einerseits versuchen wir in Pakistan, und ich glaube, das ist unsere Verantwortung als Christen, mit Medizin, mit Lebensmitteln, mit Schlafsäcken zu helfen, damit es nicht so kalt ist. Andererseits verkaufen auch wir Österreicher Waffen, Minen und Granaten, mit denen sie sich dann gegenseitig umbringen können. Das Ganze ist schon verrückt. Auch Peter Lieger hat das gesagt. Es ist schon ein Wahnsinn, wenn man oft denkt: Da ist ein Landestreifen, und zwei Flugzeuge landen. Ein Flugzeug ist voll mit Medizin und Hilfsmitteln, und das Flugzeug nebenbei ist voll mit Waffen. Und vom gleichen Land kommt das Flugzeug. Normal ist das nicht, aber das offenbart auch die Torheit der Menschen.
Dann D: Der Tod als der große Scheider.
Gehen wir zurück zum Kapitel 9, Vers 3b bis 6. Prediger 9,3b: Auch ist das Herz der Menschenkinder voll Bosheit, und Irrsinn ist in ihrem Herzen während ihres Lebens. Eine andere Übersetzung sagt: Aber danach geht es zu den Toten. Ja, wer noch all den Lebenden zugesellt ist, für den gibt es Hoffnung, denn selbst ein lebendiger Hund ist besser dran als ein toter Löwe. Denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen gar nichts, und sie haben keinen Lohn mehr, denn ihr Andenken ist vergessen. Auch ihr Lieben, auch ihr Hassen, auch ihr Eifern ist längst verloren gegangen, und sie haben ewig keinen Anteil mehr an allem, was unter der Sonne geschieht.
Was sagt er jetzt? In Vers 3b: Das Herz der Menschenkinder ist voll Bosheit, Irrsinn ist in ihren Herzen während ihres Lebens. Aber, und das Wort aber ist wichtig, danach geht es zu den Toten. Der Tod ist nicht nur der große Gleichmacher, der Tod ist auch der große Scheider. Das heißt: Die einen sterben und schlagen ihre Augen auf im Totenreich, die anderen sterben und gehen ein in die Freude des Herrn.
Im Glaubensbekenntnis sagen wir: hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, und von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Jesus wird wiederkommen, um zu richten. Das heißt: Der Tod ist nicht nur der große Gleichmacher, er scheidet auch.
 Matthäus 25, schlagt einmal auf, Matthäus 25, Vers 31. Da spricht Jesus Christus selbst. Matthäus 25,31: Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen. Und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Der Tod ist der große Scheider. Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken.
Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an. Denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf; ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir.
Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich, oder durstig und gaben dir zu trinken? Wann aber sahen wir dich als Fremdling und nahmen dich auf, oder nackt und bekleideten dich? Wann aber sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir? Und der König antwortete und sagte zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Denn das sind meine Kinder.
Vers 41: Dann wird er auch zu denen zur Linken sagen: Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Übrigens: Die Hölle ist nicht für Menschen bestimmt. Hier steht, die Hölle ist bestimmt für den Teufel und seine Engel. Jeder Mensch, der in der Hölle ist, ist freiwillig dort. Er will dort sein, weil er nicht bei Gott sein will. Und er sagt: Wer mich nicht will, der kommt dorthin.
Vers 42: Denn mich hungerte, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben; mich dürstete, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht. Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan. Und diese werden hingehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.
Das heißt: Jesus ist ganz klar. Er sagt, der Tod ist zwar der große Gleichmacher, aber er ist auch der große Scheider. Und wenn ein Mensch einmal gestorben ist, und das sagt der Prediger, gibt es keine Möglichkeit mehr, dieses Geschick zu ändern. Geht bitte zurück zum Prediger.
In Prediger 11, Vers 3 ist ein interessanter Vers. Da sagt er: Prediger 11,3: Wenn die Wolken voll werden, gießen sie Regen auf die Erde, und wenn ein Baum nach Süden oder nach Norden fällt, an der Stelle, wo der Baum fällt, da muss er liegen bleiben. Da, wo ein Baum hinfällt, da bleibt er liegen. Wenn du als Ungerechter, als Ungeretteter stirbst, bleibst du ungerettet. Und wenn du als Geretteter stirbst, dann bleibst du gerettet.
Darum sagt er in Kapitel 9, in Vers 4: Ja, wer noch all den Lebenden zugesellt ist, für den gibt es Hoffnung, denn selbst ein lebendiger Hund ist besser dran als ein toter Löwe. Er sagt: Wenn du noch lebst, gibt es noch Hoffnung für dich. Du kannst dich Christus zuwenden. Ein räudiger, lebender Hund ist auch noch besser dran als ein toter Löwe. Denn wenn du tot bist, sagt er im Vers 5: Denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden. Das heißt, uns ist es bewusst. Und ich kann Entscheidungen treffen. Aber die Toten wissen nichts mehr, sie haben keinen Lohn. Für einen Toten gibt es keine Hoffnung mehr.
Darum, wenn man oft sagt, man kann sich auch nachher noch entscheiden, tut mir leid, die Bibel bietet uns das nicht an. Gott hat das nie gesagt. Aber das Schöne ist, dass man sich als Lebender an Gott wenden kann. Und Jesus hat gesagt in Johannes 5,24, das könnt ihr auch unterstreichen: Johannes 5,24: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben hinübergegangen.
Wer sich an Christus wendet, kommt nicht ins Gericht. Die Gottlosen hingegen, sagt er, haben keinen Lohn nach ihrem Tod. Und darum sagt die Heilige Schrift in Hebräer 4,7: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verstockt eure Herzen nicht.
Und ich möchte euch persönlich bitten: Wenn jemand hier drinnen ist, der Jesus noch nicht kennt, dann möchte ich dich bitten, heute, wenn du seine Stimme hörst, verstocke dein Herz nicht. Du gehörst zu den Lebendigen, du hast Hoffnung, du hast alle Hoffnung, die es gibt. Aber verstocke dein Herz nicht, denn für die Toten gibt es keine Hoffnung. Das sagt der Prediger.

Freude im Alltag und in der Ehe

Und dann der zweite Teil: Das Leben annehmen und geniessen. Verse 7 bis 10. Da wird er wieder ganz fröhlich, das ist auch nicht schlecht, gell?
 Prediger 9,7: Geh hin, iss dein Brot mit Freude und trink deinen Wein mit frohem Herzen, denn längst hat Gott Gefallen an deinem Tun. Deine Kleider seien weiss zu jeder Zeit, und das Salböl fehle nicht auf deinem Haupt.
Dies heisst: Wir sollten Freude finden an den schönen Dingen des Lebens. Übrigens Freude, nicht Erfüllung. Die Erfüllung findest du im Leben nicht, das ist der Unterschied. Aber Freude findest du, und gar nicht so wenig. Und das Geheimnis eines gelungenen Lebens ist, dankbar das anzunehmen, was wir bereits haben.
Es ist ein Trugschluss zu denken: Ja, ich habe eine Freiheit, wohnen. Dieses Aufschubsyndrom, nennen sie es, raubt uns aller Zufriedenheit. Er sagt: Zieh ein weisses Kleid an. Gott hat überhaupt kein Problem, wenn man sich ein schönes Kleid kauft und damit ausgeht. Er sagt das: Freude daran, nicht falsch. Eine Party, eine Feier, irgendein Zeug, das ist von Gott. Überhaupt kein Fehler. Salböl nicht fehlen lassen, tu dir ein bisschen Schminke auf, das hilft. Das meint er.
In 1. Timotheus 6,17 sagte Paulus den Reichen, sie sollten in den gegenwärtigen Zeitläufen nicht hochmütig sein, auch nicht auf Reichtum hoffen, sondern auf Gott, der uns alles reichlich gibt zum Genuss. Gott möchte, dass wir Dinge geniessen. Unser Gott ist kein kleinlicher Gott, er ist ein grosszügiger Gott.
Im Talmud, das ist die jüdische Weisheitsliteratur, steht: In der kommenden Welt muss jeder von uns Rechenschaft ablegen für all die guten Dinge, die Gott dir in dieser Welt gegeben hat und die wir abgelehnt und nicht genossen haben. Gott will, dass wir alles geniessen, was er uns geschenkt hat. Das steht jetzt nicht in der Bibel, der Spruch meine ich, aber er ist in der Bibel eigentlich enthalten.
Und das Zweite: Freude finden am Ehepartner.
 Prediger 9,9: Geniesse das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines nichtigen Lebens, das dir unter der Sonne gegeben ist, all deine nichtigen Tage hindurch; denn das ist dein Anteil am Leben und an deinen Mühen, womit du dich abmühst unter der Sonne.
Geniesse das Leben mit der Frau oder mit dem Mann, den du lieb hast. Es ist interessant: Ehe, entweder ist es etwas Schönes oder es ist etwas ganz Furchtbares. Hans-Joachim Eckstein hat geschrieben: Eine glückliche Partnerschaft kann der Himmel auf Erden sein, eine unglückliche aber die Hölle. In Anbetracht dessen beurteilen die meisten Alleinstehenden ihre Situation als vergleichsweise irdisch.
Es kann etwas Schönes sein, es kann etwas ganz Schlimmes sein. Aber wenn die Ehe glücklich sein soll, dann ist es natürlich die Voraussetzung, dass ich mit der einen Frau lebe, die ich geheiratet habe, dem einen Mann, den ich geheiratet habe. Monogamie.
Ich möchte da etwas einflechten, das kommt jetzt nicht unbedingt aus dem Text heraus, aber immerhin sage ich das noch dazu. Ich weiss gar nicht, ob wir das Buch da haben, aber das ist von John Eldredge. Das heisst auf Englisch Wild at Heart, ich kenne den deutschen Titel gar nicht, im Herzen wild oder wie das heisst. Aber es passt gut in unsere Zeit, dieses Buch.
Der hat nämlich geschrieben: Die Sehnsüchte eines Mannes. Von jedem Mann hat er drei Sehnsüchte beschrieben. Ein Mann hat die Sehnsucht, einen Kampf zu bestehen, ein Abenteuer zu erleben und eine Prinzessin zu retten. Das sind die drei tiefsten Sehnsüchte eines Mannes. Und was er sagt: Diese drei Sehnsüchte, die jeder Mann eigentlich hat, sind speziell in der christlichen Welt in den letzten Jahrzehnten hinabgespielt worden. Abenteuerlustig sein, einen Kampf bestehen, Prinzessinnen retten, das klingt ja so egoistisch und machomässig und primitiv. Und der Mann wurde aufgefordert, das Weibliche in sich zu entdecken. Wenn es kriselt, muss er schon ein bisschen daheim aufwaschen. Ihr wisst, was ich meine, ich tue auch eben aufwaschen.
Interessant ist auch: Die Emanzipationswelle der Frau in den Achtzigerjahren hat für die Frau eigentlich nicht viel gebracht, aber den Männern hat es unheimlich geschadet. Der Mann weiss nicht mehr, was ein Mann ist, speziell was ein christlicher Mann sein soll. Und man muss ehrlich fragen: Was hat die christliche oder auch die Gesellschaft, was hat sie für einen Mann geprägt? Liebe, nette, harmlose Kerle. Ist dies der Mann deines Traumes? Wisst ihr, was die Definition ist von einem braven, netten, lieben Christen? Langweilig. Das sind langweilige Typen.
Ein Christ hat es in einem Treffen formuliert: Ich habe mich die letzten zwanzig Jahre bemüht, ein guter Mann zu sein, so wie die Kirche einen Mann definiert: pflichtbewusst und sich selbst und seinem Herzen fremd. Und Albert Schweitzer hat gesagt: Die Tragödie des Lebens besteht in dem, was in einem Mann stirbt, während er lebt.
Aber wisst ihr: Gott hat sich tatsächlich etwas gedacht, als er Mann und Frau geschaffen hat. Das war interessant: Den Mann hat er in der Wildnis geschaffen, die Frau im Garten Eden, im geschützten Rahmen. Und im Herzen eines Mannes, sagt auch John Eldredge, ist etwas Verwegenes. Warum wollen Männer vor allem die höchsten Berge erklimmen, an Bären oder an Leopardenjagden und Höhlen entdecken? Was hat sich der Lukas, mein Bub, gewünscht, als er klein war? Revolver, Tarnanzug, Handschellen und ein Gewehr. Ja, nur weil das die Sehnsucht in einem Bub ist, das will er.
Was haben die Kinder in Dirndl gewünscht? Puppen, Puppenhäuser, nette Kleider und Stoffviecher. Nicht bei allen, aber bei den meisten stimmt das generell. Wo ich in die Filme schaue, gehe ich nach Abenteuerfilmen, da wo es wild hergeht, Western. Wo schaut Hannelore an? Pilcher oder wie das heisst, das weiss ich.
Aber es ist interessant, er beschreibt auch die drei tiefsten Sehnsüchte einer Frau. Er sagt: Eine Frau will nicht einen Kampf führen, aber die Frau wünscht sich, dass man um und für sie kämpft. Zweitens sagt er: Die Frau will nicht unbedingt das Abenteuer machen, aber sie will am Abenteuer teilhaben. Übrigens: Die Frau ist nicht das Abenteuer an sich, sondern die Frau wünscht sich, am Abenteuer teilzuhaben. Und das Dritte sagt er: Jede Frau möchte auch, dass in ihr eine Prinzessin offenbar wird, ihre Schönheit offenbar wird. Darum geht es nicht um die modernen Models, unsere Definition von Schönheit, sondern um die Schönheit, die sie in sich entdeckt. Wenn Lisa zum Beispiel so ein Kleid anhat, sie wartet nur, dass ich sage: Na, bist du überlebt. Das gefällt ihr.
Und es ist interessant: Das sind die tiefsten Sehnsüchte. Und ich muss ihm gratulieren zu dem Buch, weil es ein sehr zeitgemässes Buch ist, weil unsere christliche Gesellschaft sowohl dem Mann als auch zum Teil der Frau nicht sehr gut getan hat.
Die Ideen, die uns übergeben werden, dann sagt er: Erfreue dich. In Sprüchen schlägst du auf Sprüche, du musst ein bisschen nach links gehen, 5, Vers 15.
 Sprüche 5,15-23: Trinke Wasser aus deiner eigenen Zisterne, und was aus deinem Brunnen quillt. Das heisst: Erfreue dich an deiner Frau, nicht an einer anderen. Sollen nach draussen verströmen deine Quellen, auf die Plätze der Wasserbäche. Dir allein sollen sie gehören, doch keinen Fremden neben dir. Deine Quelle sei gesegnet, erfreue dich an der Frau deiner Jugend. Deshalb diese Einfrau, die Liebliche, das ist natürlich poetisch: Hirschkuh, anmutige Gämse. Ihre Brüste sollen dich berauschen jederzeit, in ihrer Liebe sollst du taumeln immerdar. Warum solltest du, mein Sohn, an einer Fremden taumeln und den Busen einer anderen umarmen? Denn vor den Augen des Herrn liegen eines jeden Wege, und auf alle seine Bahnen gibt er Acht. Seine eigenen Sünden fangen ihn, den Gottlosen, und in den Stricken seiner Sünde wird er festgehalten. Ein solcher wird sterben aus Mangel an Zucht, und in der Grösse seiner Narrheit taumelt er dahin.
Das heisst: Fremdgehen ist kein Abenteuer, sondern Mangel an Zucht und Dummheit, sagt der Schreiber der Sprüche. Erfreue dich an der Frau deiner Jugend.

Unvorhersehbarkeit von Erfolg und Scheitern

Dann das Dritte: Es gibt keine Garantie für Erfolg. Gehen wir bitte zu Prediger 9, Verse 11 und 12.
 Prediger 9,11 Ferner sah ich unter der Sonne, dass nicht die Schnellen den Lauf gewinnen und nicht die Helden den Krieg und auch nicht die Weisen das Brot und auch nicht die Verständigen den Reichtum und auch nicht die Kenntnisreichen die Beliebtheit, sondern Zeit und Geschick trifft sie alle. Denn auch kennt der Mensch seine Zeit nicht. Wie die Fische, die in einem verderblichen Netz gefangen werden, und wie die Vögel, die in der Falle gefangen werden, so werden die Menschenkinder verstrickt zur Zeit des Unglücks, wenn es plötzlich über sie fällt.
Er sagt hier zwei Dinge. Erstens: Zeit und Geschick bestimmen Erfolg und Misserfolg. Er sagt, nicht immer gewinnt der Schnelle den Lauf, nicht immer behält der Stärkere den Sieg, nicht immer wird der Gelehrte reich. Zeit und Geschick trifft sie alle. Das heißt, wir dürfen nicht immer erwarten, dass alles so läuft, wie wir es wollen. Es kommt manchmal ganz anders.
Richard Foster hat gesagt: Unsere Besessenheit, dass alles so laufen soll, wie wir es gerne hätten, ist eine der größten Knechtschaften der menschlichen Gesellschaft heute.
Ich kenne einen Tag, und ich denke mir: Das erwarte ich von diesem Tag. Und von mir aus verläuft dann alles ganz anders. Dann muss man sich auf eines entscheiden. Man tut sich schwer, man ist angefressen, enttäuscht, weil es nicht so geht, wie man es sich vorgestellt hat. Bei Heuselbaum, bei Arthur, was immer: Wenn es nicht so geht, wie es gehen sollte, wird man ganz nervös. Das ist eine Knechtschaft, sagt er. Es geht nicht immer so, wie wir es planen.
In Sprüche 16 lesen wir: Das Herz des Menschen plant seinen Weg, aber der Herr lenkt seine Schritte. Darum hat der kleine David gegen den großen Goliath gewonnen, weil Gott es geführt hat. Nicht immer gewinnt der Goliath, manchmal gewinnt der David. Darum wurde ein Zimmermannssohn in Schwachheit gekreuzigt und hat damit die Macht des Bösen gebrochen. Jesus war nicht beeindruckend als Mensch, nicht im Sinne dessen, was wir als beeindruckend verstehen. Darum lesen wir im 1. Korinther 1: Die Schwäche Gottes ist stärker als die Menschen.
Nicht immer gewinnt der Starke. Oft gewinnt der Schwache, vor dem Menschen Schwache.
Und das Zweite: Das Leben kann man nicht versichern. Ich stelle fest in Vers 12, wie die Fische gefangen werden, wie die Vögel in die Falle gehen, so werden auch die Menschenkinder verstrickt zur Zeit des Unglücks, wenn es plötzlich über sie fällt.
Manchmal wird unser Leben durch Tragödien beschnitten, beeinflusst, völlig unerwartet. Man verliert die Anstellung. Ich bin jetzt öfter in Deutschland unterwegs, und du wirst sehen, wie viele Arbeitslose es gibt. Das ist echt erschreckend. In manchen Teilen hört man das so laut, die sagen: Ja, ich habe mich jetzt schon 50 Mal beworben. Hoffnungslos. Jahrelang auf Arbeitssuche. Ich glaube, es ist eines der schlimmsten Dinge, die uns passieren können. Wir sind da noch sehr gesegnet, was das anbelangt.
Man verliert auf einmal die Gesundheit. Man geht zum Doktor, und er sagt: Krebs oder was auch immer. Man verliert ein Kind. Und der Schock trifft uns alle gleich. Er erinnert uns daran: Das Unglück kann plötzlich kommen.
Es gibt eine Zeit zum Lachen, er erinnert sich an Prediger 3, und es gibt eine Zeit zum Weinen. Beide Zeiten dürfen wir aus Gottes Hand nehmen, und diese Erkenntnis soll uns zu Gott treiben.

Die Kraft der Weisheit im Verborgenen

Und dann noch das Vierte und Letzte, dann sind wir fertig: Hab Acht auf die Weisheit. Da lesen wir Vers 13 bis 18:
Auch dieses sah ich als Weisheit unter der Sonne, und es kam mir groß vor. Es war eine kleine Stadt, und wenig Männer waren darin. Dazu eine kleine Geschichte: Gegen sie kam ein großer König, umzingelte sie und baute große Belagerungswerke gegen sie. Aber es fand sich darin ein armer, weiser Mann, der die Stadt durch seine Weisheit hätte retten können. Aber kein Mensch dachte an diesen armen Mann.
Da sagte ich mir: Weisheit ist besser als Stärke, aber die Weisheit des Armen wird verachtet, und seine Worte werden nicht gehört. Worte der Weisen, in Ruhe gehört, sind mehr wert als das Geschrei des Herrschers unter Toren. Weisheit ist besser als Kriegsgerät, aber ein Sünder verdirbt viel Gutes.
Da ist wieder eine kleine Geschichte: Eine kleine Stadt, gegen die ein großer Feind kommt, ein großer König, und er umzingelt die kleine Stadt und nimmt die Stadt ein. Aber in der Stadt ist ein armer Mann, und er ist sehr weise. Und die Weisheit dieses kleinen, armen Menschen hätte die Stadt retten können. Aber ein Problem: Niemand hat auf den weisen Mann gehört, weil er arm war. Und damit ist die Stadt eingenommen worden.
Dies ist ein wunderschönes Bild für dein und mein Leben als Christ. Du und ich, wir sind die kleine Stadt, die Menschenseele. Gegen uns kam der große, mächtige König, Satan. Und was Satan möchte, ist unsere Seele zerstören. Aber in der Stadt wohnt ein armer, weiser Mann, sein Name ist Jesus Christus, und er kann uns retten. Aber nur ein Problem: Wir hören oft nicht auf ihn, und darum gewinnt der Feind.
In 2. Korinther 8,9 lesen wir: Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, da er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet. Armer Mann, Christus in uns!
Und im Alltag geht es mir oft so: Ich bin Christ, ich weiß, dass ich Christ bin, ich weiß, dass Christus in mir lebt. Aber sehr oft vergesse ich das oder ignoriere es. Ich lebe aus eigener Kraft, statt dass ich Christus einbeziehe. Probleme werden größer, weil ich nicht mit Christus rechne, obwohl er in mir lebt. Ich frage ihn nicht, ich lebe, als wäre ich allein. Ich höre nicht auf seine Worte, sondern ich höre blöderweise auf das Schreien dieser Welt.
Und das ist in unserer Welt ein Wahnsinn, wie laut die Welt schreit. Es ist einfach so viel los. Heute Mittag habe ich mir gedacht, was man heute oder gestern an Postwurf bekommen hat, das ist ja nicht mehr normal. So dick! Wenn du dir das anschaust, denkst du dir: Du hast letztendlich nichts mehr dabei. Es schreit alles so laut in der Welt. Und die Worte des armen, weisen Mannes, Christus in uns, hören wir oft nicht. Und darum tun wir uns oft schwer.
Ich sage: Der arme, weise Mann repräsentiert auch den Charakter eines wahren Dieners und Führers, weil er weise und trotzdem arm war. Aber das hat ihn nicht verdrossen. Es hat ihn nicht verdrossen, dass andere mehr haben als er. Dann bist du weise. Wenn du es verdrossen findest, dass andere mehr haben als du, dann bist du ein Tor.
Das Zweite ist: Dieser weise Mann hat seiner Stadt gedient, obwohl sie ihn nicht gefragt haben. Er war nicht in Gunst geraten. Sie haben ihn komplett übersehen, und trotzdem hat er seiner Stadt gedient. Das heißt, nur weil sie ihn übersehen haben, hat ihn das nicht daran gehindert, Gutes zu tun.
Und das Dritte: Sein Rat wurde total verachtet, obwohl er die Lösung gehabt hätte, aber das hat ihn nicht verbittert. Das ist das Zeichen eines wahren Dieners und Führers, und Jesus Christus ist das größte Beispiel dafür. Er war ein armer Mensch, obwohl er der Schöpfer von Himmel und Erde ist. Er wurde ignoriert und übersehen, obwohl er kam, uns zu retten. Er wurde von Menschen gekreuzigt, obwohl er diese Menschen gemacht hat, aber er wurde nie bitter. Er hat sogar noch für die Menschen gebetet: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Das ist der weise Mann in der Stadt.
Und dann noch der letzte Satz, Vers 18: Weisheit ist besser als Kriegsgerät, aber ein Sünder verdirbt viel Gutes. Das kann man zweifach verstehen. Adam, der erste Sünder, hat eigentlich die ganze Welt verdorben. Ein Sünder verdirbt viel Gutes. Aber es stimmt auch für heute: Eine ganz dumme Entscheidung, die wir treffen, kann oft viel Gutes zerstören. Das wissen wir alle, und das sei uns eine Warnung.
Gerade letzte Woche hat mir eine erzählt, ihr Sohn ist homosexuell, aber er ist eigentlich offen fürs Evangelium. Er ist immer in die Jugendstunde gegangen, und als ihr Sohn dann 15 oder 16 war, hat der Jugendpfarrer zu ihm gesagt: Gott hasst Homosexuelle. Das ist sehr dumm, sehr unweise, weil es falsch ist. Aber durch eine kleine Torheit geht er nie mehr in die Kirche. Gottes Gnade kann wieder Barmherzigkeit geschehen. Aber wir können viel kaputt machen durch Unweisheit, und durch eine Sünde verdirbt viel Gutes. Eine Sünde verdirbt auch oft viel Gutes.
Gut, ich lese noch mein Gebet, dann gehen wir heim:
Vater, Hauptdank für das achte und neunte Kapitel in deinem Buch, der Bibel, vom Prediger. Danke, Herr, für die Weisheit, die wir vom Prediger haben und was wir daraus lernen dürfen. Danke, dass dein Wort lebensnah ist, dass es real ist, dass es in den Alltag unseres Lebens gehört, nicht irgendwo abgekapselt für ein paar Gläubige. Danke, dass jeder Mensch dein Wort braucht, dass jeder Mensch eigentlich angewiesen ist auf dein Leben, auf deine Weisheit.
Und ich bete, Vater, einfach auch um den Mut und um die Liebe zu anderen Menschen, dein Wort zu bekennen, für dich einzustehen, mit dir zu stehen, gemeinsam mit dir, Herr. Danke, dass wir das nie alleine tun müssen. Herr, vergib uns, wo wir manchmal glauben, dass wir die Welt retten müssen. Wir müssen es nicht, wir müssen nur mit dir leben, und du rettest die Welt.
Ich bete auch für unsere Verwandten, vielleicht Ehemänner, Ehefrauen, die dich noch nicht kennen, unsere Kinder. Herr, mach sie sensibel für dich, schenk, dass ihr Herz empfänglich wird für deine Gnade, für dein Leben, damit sie den entdecken, der Leben ist. Denn dieses Leben hat nicht viel zu bieten, Herr. Die Alten unter uns wissen das: Was dieses Leben zu bieten hat, ist sehr beschränkt. Freuden, ja, unbedingt, aber keine Erfüllung. Die Erfüllung, Herr Jesus, findet man nur in dir, denn du hast die Ewigkeit in unser Herz gelegt, und nur der ewige Gott kann diese Ewigkeit füllen. Diese Welt kann es nie.
Und so bete, Herr, dass wir weise sind im Umgang mit anderen, dass wir sie lieben, die Menschen, gerade unsere Familie. Und wir brauchen dich dazu, wir sind auf dich angewiesen, Herr Jesus. Aber gemeinsam mit dir dürfen wir in diese Woche gehen und uns freuen auf das, was du vorbereitet hast. Amen.