Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 442: Ein wahres Zeugnis
Jesus als Licht in der Dunkelheit
Jesus ist in Jerusalem und hat sich gerade als das Licht der Welt vorgestellt. Er ist es, der seinen Nachfolgern erlaubt, nicht in der Finsternis zu wandeln. Wenn der Herr Jesus so spricht, bedeutet das natürlich auch, dass er die ungläubigen Menschen als solche betrachtet, die genau das tun: in der Finsternis wandeln.
Das Menschenbild der Bibel ist durchaus ein wenig deprimierend, aber leider überaus realistisch. Der Mensch ohne Gott stolpert durch die Dunkelheit und weiß nicht, wie er in einer nichtigen Schöpfung als Sklave der Sünde unter der Macht des Satans seinen Weg finden soll. Zweitausend Jahre Kulturgeschichte bestätigen diese Einschätzung. Der Mensch ohne Gott ist völlig verloren.
Was er braucht, ist ein Retter. Er braucht jemanden, der ihn erleuchtet und dem er folgen kann. Genau das will Jesus sein. Damit erinnert Jesus ein wenig an die Feuersäule, die das Volk Israel durch die Wüste führte.
In 2. Mose 13,21 heißt es: Der Herr aber zog vor ihnen her, bei Tag in einer Wolkensäule, um sie auf dem Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten.
In der Nacht, also in der Dunkelheit, war der Herr in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. Dasselbe tut der Herr Jesus für diejenigen, die ihm folgen. Er ist da und führt uns durch die Finsternis, durch die Nacht des Lebens.
Die Herausforderung des Anspruchs Jesu
So ein Anspruch wie „Ich bin das Licht der Welt“ muss natürlich anderen sauer aufstoßen.
In Johannes 8,13-14 sprechen die Pharisäer zu Jesus: „Du zeugst von dir selbst, dein Zeugnis ist nicht wahr.“ Jesus antwortet ihnen: „Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr, weil ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe.“
Die Pharisäer werfen Jesus hier zunächst vor, dass er für seinen Anspruch, Licht der Welt zu sein, nur sich selbst als Zeugen anführt. Sie sagen: „Du zeugst von dir selbst.“ Daraus schließen sie, dass sein Zeugnis nicht wahr sei.
Wie antwortet Jesus? Er verweist auf einen ganz einfachen Sachverhalt: Aussagen haben je nach dem, wer sie macht, ein unterschiedliches Gewicht. Jesus sagt: „Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr, weil ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe.“
Versteht man die Argumentation? Grundsätzlich ist es natürlich richtig, dass nicht jeder Rabbi sich einfach hinstellen und sich als das Licht der Welt bezeichnen darf. Aber genauso falsch ist es, das zu tun, was die Pharisäer tun, nämlich einen solchen Anspruch einfach pauschal abzulehnen.
Ein Beispiel zur Verdeutlichung
Dazu ein Beispiel: Wenn ich behaupte, dass meine Wohnung voller Dekofrösche ist, die mir fremde Leute geschenkt haben, dann klingt das für jemanden, der mich nicht kennt, erst einmal befremdlich. Man bekommt normalerweise nämlich nicht einfach so Dekofrösche geschenkt.
Die Pharisäer unter meinen Kritikern würden jetzt sagen, mein Zeugnis sei nicht wahr. Aber was, wenn ich es bin, der in der Wohnung mit den Dekofröschen lebt? Wenn ich die Frösche ausgepackt habe, sie aufgestellt habe und jede Woche sehe, wie meine Frau sie abstaubt? Dann hat mein Zeugnis – egal, wie befremdlich es zunächst klingt – mehr Gewicht als der Zweifel der Kritiker.
Genau das ist es, was Jesus zum Ausdruck bringen will. Natürlich ist der Anspruch „Ich bin das Licht der Welt“ ein sehr starker. Aber was, wenn derjenige, der das behauptet, seine Vergangenheit und seine Zukunft kennt? Was, wenn der Rabbi, der sich als neue Feuersäule für ein neues Israel präsentiert, weiß, dass er von Gott, dem Vater, kommt und dass er wieder in den Himmel zum Vater zurückkehren wird?
Mit so viel Wissen im Rücken wird der Anspruch „Ich bin das Licht der Welt“ plötzlich viel gewichtiger. Und auch das Gegenteil ist wahr: So wie Jesus mit seinem Wissen und seiner Biografie seinen Worten Gewicht verleiht, gilt auch „Ihr aber wisst nicht, woher ich komme und wohin ich gehe“.
Den Pharisäern fehlt genau das Wissen, das es braucht, um Jesu Worte richtig beurteilen zu können. Und weil ihnen dieses Wissen fehlt, können sie nur eins tun.
Das oberflächliche Urteil der Pharisäer
Johannes 8,15: Ihr richtet nach dem Fleisch. Die Pharisäer richten nach dem Fleisch. Sie richten nach dem äußeren Schein, nach dem, was man mit einem flüchtigen Blick wahrnimmt. Ihr Urteil über Jesus ist von Oberflächlichkeit geprägt.
Dieser Rabbi kommt aus Galiläa. Mehr müssen wir nicht wissen. Er kann kein Prophet und noch weniger der Messias sein. Wenn sich so jemand als Lichtbringer bezeichnet, dann lehnen wir ihn einfach ab – einfach nur so.
Wir haben keine wirklichen Argumente gegen ihn in der Hand. Vielleicht sind wir angesichts mancher Wunder, die er getan hat, und mancher Berichte, die wir über ihn gehört haben, ein klein wenig verunsichert. Aber all das führt natürlich nicht dazu, dass wir uns mehr mit ihm beschäftigen.
Das ist die übliche Vorgehensweise von ungläubigen Menschen im Umgang mit Gott. Sie lehnen ihn ab, aber ihr Urteil ist oberflächlich. Das ist natürlich eine Gefahr, in der auch wir als Nachfolger Jesu stehen: dass auch wir vorschnell und auf Vorurteilen basierend ein Urteil über andere Menschen fällen. Lasst uns da bitte ganz vorsichtig sein.
Es sind nicht nur die Pharisäer, die diesen Fehler machen. Jesus wiederholt hier ja nur das, was er schon der Volksmenge vorgeworfen hatte: Johannes 7,24: Richtet nicht nach dem äußeren Anschein, sondern richtet das gerechte Gericht. Aber...
Jesu andersartiges Gericht
Schauen wir uns den zweiten Teil seiner Aussage an, Johannes 8,15: „Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand.“
Wenn Jesus sagt, dass er niemand richtet, dann ist zu beachten, dass Johannes manchmal sehr knapp wiedergibt, was der Herr Jesus gesagt hat. Hier scheint mir wieder so ein Fall vorzuliegen. Wenn es heißt „Ich richte niemand“, legt der Kontext nahe, dass er entweder jetzt niemand richtet oder dass er niemand auf diese fleischliche Weise richtet.
Auf jeden Fall ist sein Gericht anders als das der Pharisäer, die nach dem Fleisch richten – er nicht. Er wird richten, aber nicht jetzt. Wenn Jesus einmal alle Menschen richten wird, dann wird das in Wahrheit geschehen.
Dieses Motiv ist so eng mit dem Messias verbunden, dass es bereits im Alten Testament erwähnt wird. Jesaja 11,1-4 sagt:
„Und ein Spross wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und Furcht des Herrn. Er wird sein Wohlgefallen haben an der Furcht des Herrn. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, und nicht zurechtweisen nach dem, was seine Ohren hören, sondern er wird die Geringen richten in Gerechtigkeit und die Elenden des Landes zurechtweisen in Geradheit.“
Merkt euch: Das ist das Markenzeichen des Messias, dass er nicht nach dem richtet, was seine Augen sehen, sondern in Gerechtigkeit und Geradheit.
Einladung zur Reflexion
Denke darüber nach, wie es dir mit dem Gedanken geht, dass Jesu Urteil über dich ein absolut wahrhaftiges Urteil sein wird.
War das alles für heute? Falls du durch diese Episode auf die Idee gekommen bist, mir einen Dekofrosch zu schenken, lass es bitte bleiben. Ich habe genug davon.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
