
Johannesevangelium 3,13-16 - Glaube rettet, und sonst nichts
Johannes 3,13-1606.06.2020
Serie•Teil 15 / 44Johannes-Evangelium
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Der rote Faden der Rettung
Hallo ihr Lieben, wir feiern Gottesdienst, und ich darf eine Predigt halten. Darüber freue ich mich sehr, und ich möchte da weitermachen, wo wir letzten Sonntag aufgehört haben.
Letzten Sonntag drehte sich alles um die Frage: Wie kann man das Reich Gottes sehen und in das Reich Gottes hineingehen? Und der Herr Jesus hat seinem Gast, dem Pharisäer Nikodemus, ganz deutlich gemacht, dass es nicht an unserer Bildung, unserer Herkunft, unserem Einfluss oder unserer Anständigkeit liegt. Es braucht etwas ganz anderes. Es braucht einen Neuanfang, den der Herr Jesus so bezeichnet: Man muss von Neuem geboren werden.
Und der, dem er das sagt, Nikodemus, versteht leider kein Stück, was Jesus meint. Deshalb legt Jesus nach: Man muss zuerst aus Wasser, also natürlich geboren werden, und dann ein zweites Mal aus Geist. Die Erfahrung der Wiedergeburt ist übernatürlich, und Nikodemus fragt deshalb: Wie kann das geschehen?
Und wir wollen uns heute mit genau dieser Frage beschäftigen: Was muss ein Mensch tun, um die Neugeburt durch den Heiligen Geist zu erleben und Teil von Gottes Reich zu werden beziehungsweise ewiges Leben zu bekommen? Weil Nikodemus die Antwort nicht weiß, bekommt er von Jesus einen Vorwurf. Jesus sagt zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt das nicht? Wir dürfen also davon ausgehen, dass Nikodemus die Antwort hätte wissen können, wenn Jesus das so sagt.
Und in der Tat ist die Antwort eigentlich ganz leicht. Genau genommen zieht sich die Antwort auf die Frage, was ein Mensch tun muss, um die Neugeburt durch den Heiligen Geist zu erleben, und was ein Mensch tun muss, um Teil von Gottes Reich zu werden und ewiges Leben zu bekommen, durch die ganze Bibel. Es gibt beim Thema Rettung nämlich in der Bibel immer nur eine, genau eine Antwort.
Die Errettung eines Menschen ist Sache des Glaubens. Es geht nicht darum, etwas zu tun, sondern es geht darum, auf Gott zu vertrauen, der uns beschenken will. Glaube, das ist unser Thema heute. Und ich möchte euch mitgeben: Wenn es um Rettung geht, geht es immer um Glauben. Das ist für die meisten von euch eine Selbstverständlichkeit. Und trotzdem denke ich, ist es immer wieder auch eine Predigt wert.
Also: Menschen vertrauen Gott. Und dieses Vertrauen, das sie in Gott setzen, die Freundschaft, die sie zu ihm aufbauen, und der Wunsch, diesem Gott zu gefallen und für ihn zu leben, diese Glaubensbeziehung, die ist es, die rettet.
Glauben als biblisches Grundmuster
Und wir sehen das schon im Alten Testament. Es gibt da so etwas wie einen Prototypen des Gläubigen, nämlich Abraham. Und in 1. Mose 15,6 heißt es: „Und Abraham glaubte dem Herrn, und er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“ Glaube macht gerecht. An dieser Stelle wird das ganz deutlich.
Oder eine andere Stelle, auf die im Neuen Testament dreimal zurückgegriffen wird, um zu zeigen, wie man ewiges Leben bekommt, ist Habakuk 2,4. Dort heißt es: „Siehe, der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.“ Durch seinen Glauben leben und eben nicht durch seine Gerechtigkeit.
Und ich glaube, man kann das nicht oft genug sagen: Ewiges Leben ist durch Glauben, nicht durch Rituale oder gute Werke, nicht durch Kirchenzugehörigkeit oder irgendetwas sonst, was ein Mensch anführen könnte. Es geht bei der Rettung tatsächlich immer um Glauben.
Und die Wichtigkeit des Glaubens, die war den Pharisäern komplett entgangen. Hört euch mal diesen Vorwurf an: Matthäus 23,23. Da sagte der Herr Jesus zu den Schriftgelehrten und zu den Pharisäern: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Dill und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseitegelassen.“
Was sind diese wichtigeren Dinge des Gesetzes? Und Jesus sagt: das Recht, oder man könnte auch übersetzen: das Gericht, und die Barmherzigkeit und, jetzt kommt’s, den Glauben. Diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen. Diese kleinen Dinge sind also nicht verkehrt, aber was nicht geht, ist, die wichtigeren Dinge des Gesetzes zu lassen. Und genau das haben die Pharisäer getan.
Glaube spielte für die Pharisäer nicht die Rolle. Dumm nur, dass Glauben für Gott tatsächlich alles entscheidend ist. Entweder sind wir gläubig und werden gerettet, oder wir sind ungläubig und gehen verloren. Ich muss mich als Mensch tatsächlich entscheiden.
Natürlich hat Glaube Konsequenzen und verändert mein Leben. Es geht im Kern beim Glauben ja um Beziehung. Aber die Tatsache, dass rettender Glaube immer auch dazu führt, dass man Gott lieben und ihm gefallen will, ändert überhaupt nichts daran, dass es um Glauben geht. Also darum, auf Gott zu vertrauen.
Der Blick auf den, der aus dem Himmel kam
Kommen wir jetzt zu unserem Text für heute. Wir sind ja im Johannesevangelium und machen weiter in Kapitel drei. Ich möchte die Verse dreizehn bis sechzehn betrachten.
Johannes 3,13:
Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen.
Wer spricht hier? Man könnte jetzt sagen: Na, Jesus. Und ich würde gerne sagen: vielleicht. Es könnte auch Johannes sein. Ich denke tatsächlich, dass die wörtliche Rede Jesu mit Vers zwölf endet. Im Griechischen gibt es nämlich keine Anführungs- und Schlusszeichen. Wir wissen also nicht genau, wo die wörtliche Rede von Jesus aufhört. Das können wir nicht sicher sagen.
Wenn ich diesen Vers hier lese, dann habe ich den Eindruck, dass ab Vers zwölf, oder genau genommen jetzt mit Vers dreizehn, Johannes übernimmt. Dafür sind stilistische Gründe ausschlaggebend. Aber es ist auch die Schreibabsicht von Johannes, die mich so denken lässt.
Johannes hat nämlich wenig Interesse daran, einfach nur die Fakten über Jesus zu berichten. Wisst ihr, das haben Matthäus, Markus und Lukas vor ihm zur Genüge getan. Er will die Geschichte Jesu tatsächlich nicht einfach noch ein viertes Mal erzählen. Er will sie an den für ihn entscheidenden Punkten ergänzen. Er will sie erklären, und er will sie interpretieren. Er will die größeren Zusammenhänge beleuchten.
Deshalb lesen wir bei ihm zum Beispiel auch nichts von der Geburt Jesu, sondern davon, wie Gott das Wort Fleisch wird. Und ihr merkt schon: Das ist eine ganz andere Dynamik, eine ganz andere Dimension, in der Johannes denkt. Johannes will nicht einfach nur nacherzählen, er will erklären. Er will ein Fundament für einen ganz stabilen Glauben an Jesus als den Christus legen. Wenn ihr das noch einmal nacharbeiten wollt: Johannes 20,31. Das hatten wir aber schon.
Und deshalb erklärt uns Johannes, nachdem Jesus gegenüber Nikodemus gesagt hat, dass es ganz schwer ist, ihm himmlische Zusammenhänge zu erklären, weil die Zuhörer irgendwie gar nicht hören wollen, dass solche himmlischen Zusammenhänge tatsächlich nur von einem stammen können, der aus dem Himmel gekommen ist.
Nochmal Johannes 3,13:
Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen.
Niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist. Jesus nimmt in der Weltgeschichte eine absolute Sonderrolle ein. Er ist der Einzige, der aus dem Himmel herabgestiegen ist. Und deswegen ist es vielleicht die größte Dummheit, die ein Mensch begehen kann, nicht auf das zu hören, was Jesus sagt.
Und ich sage das ganz offen: Vergesst meine Predigten, aber hört auf Jesus. Beschäftigt euch bitte wirklich mit dem, was Jesus gesagt hat. Ich meine das so ernst, wie ich es nur irgendwie sagen kann. Beschäftigt euch bitte viel mit dem, was Jesus gesagt hat. Jesus ist die Norm, und auf ihn müssen wir hören. Er ist mit dem, was er lebt, das Vorbild, und er ist der Einzige, der uns retten kann.
Das Bild der erhöhten Schlange
Johannes 3,14-15: Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe.
Ihr Lieben, das Alte Testament ist so geschrieben, dass es auf vielerlei Weise auf den Messias hinweist. Die Opfer weisen auf Golgatha hin, der Sabbat auf die Ruhe, die wir bei Jesus finden, die ganz ausgeklügelten Reinheitsgebote verweisen auf den einen, der kommt, um endgültig reinzumachen. Und die Erzählung aus 4. Mose 21, auf die Johannes hier Bezug nimmt, ist ein Bericht, der uns zeigt, wie der Messias, also der Sohn des Menschen, alle Menschen retten will.
Wie Mose, so muss es heißen im Text. Hier werden zwei Dinge miteinander verglichen: Auf der einen Seite eine Geschichte aus dem Alten Testament und auf der anderen Seite Golgatha. Auf der einen Seite eine Schlange auf einem Stab, auf der anderen Seite ein Mensch an einem Kreuz. Beide sind erhöht, so dass jeder sie sehen kann.
Und ich denke, wir schauen uns die Geschichte im Alten Testament einmal an: 4. Mose 21,4-9. Da heißt es:
Und sie brachen auf vom Berg Hor auf dem Weg zum Schilfmeer, um das Land Edom zu umgehen. Und die Seele des Volkes wurde ungeduldig auf dem Weg. Und das Volk redete gegen Gott und gegen Mose: Wozu habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Damit wir in der Wüste sterben? Denn es ist kein Brot und kein Wasser da, und unsere Seele ekelt es vor dieser elenden Nahrung.
Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk, und sie bissen das Volk, und es starb viel Volk aus Israel. Da kam das Volk zu Mose, und sie sagten: Wir haben gesündigt, dass wir gegen den Herrn und gegen dich geredet haben. Bete zu dem Herrn, dass er die Schlangen von uns wegnimmt.
Und Mose betete für das Volk. Und der Herr sprach zu Mose: Mach dir eine Schlange und tu sie auf eine Stange, und es wird geschehen: Jeder, der gebissen ist und sie ansieht, der wird am Leben bleiben. Und Mose machte eine Schlange von Bronze und tat sie auf die Stange. Und es geschah: Wenn eine Schlange jemanden gebissen hatte und er schaute auf die bronzene Schlange, so blieb er am Leben.
Ganz ehrlich, wieder eine dieser etwas schrägen Geschichten, oder? Aber wir wissen wenigstens, warum sie in der Bibel steht. Sie soll illustrieren, was auf Golgatha geschieht.
Kurz noch einmal die Zusammenfassung: Israel murrt, und Gott bestraft sein Volk. Feurige Schlangen, feurig wahrscheinlich, weil ihr Gift wie Feuer brannte. Also wurden Menschen gebissen, und es starb viel Volk. Jetzt kommt mit der Strafe die Einsicht und der Wunsch, Buße zu tun. Sie sagen dann: Wir haben gesündigt. Betet zu dem Herrn, dass er die Schlangen von uns wegnimmt. Und Mose betet.
Nur ist die Reaktion Gottes total erstaunlich. Man hätte ja jetzt erwartet: Okay, Gott gebietet den Schlangen, dass sie verschwinden, und die Gebissenen sind einfach plötzlich gesund. Das tut er aber nicht. Gott rettet nur die, die glauben. Und zwar folgendermaßen: Gott gebietet Mose, eine künstliche Schlange aus Bronze auf eine Stange zu stecken. Das war etwas, was es vorher so noch nie gab. Völlig neu und auf den ersten Blick ehrlicherweise auch ein bisschen abwegig. Denn am Leben bleibt jetzt, und gemeint ist natürlich logischerweise, nachdem er gebissen wurde, am Leben bleibt, wer die bronzene Schlange ansieht. Das heißt im Text: Und es wird geschehen, jeder, der gebissen ist und sie ansieht, der wird am Leben bleiben. Vers 8.
So dass das Anschauen einer Bronzeschlange Schlangengift neutralisiert, das geht nicht. Ey, das war auch den Israeliten bekannt. Aber Mose weiß, und da ist Mose wirklich schlau, wie wichtig es ist, dass man, wenn Gott etwas sagt, auch genau das tut. Das gilt immer. Gehorsam ist wichtig. Kein Gehorsam, keine Rettung. Leben ist manchmal so einfach.
Und deswegen heißt es in 4. Mose 21,9: Und Mose machte eine Schlange von Bronze und tat sie auf die Stange. Und es geschah: Wenn eine Schlange jemanden gebissen hatte und er schaute auf zu der ehernen Schlange, so blieb er am Leben.
Stellen wir uns die Situation kurz vor: Ich liege im Zelt und werde gebissen. Ja, ich merke das, und es tut höllisch weh. Und ich weiß: Jetzt werde ich sterben. Das Gift ist tatsächlich schon in meinem Körper, aber ich lebe noch. Ich kann noch denken, mich noch bewegen, ich kann noch Entscheidungen treffen. Ich weiß lediglich: Ich werde sterben. Und ich weiß, Mose hat mitten im Lager auf einer Stange eine Schlange aus Bronze aufgestellt. Und Mose behauptet, dass jeder, der sie anschaut, am Leben bleibt.
Was tue ich? Vertraue ich dem, was Gott sagt durch Mose, oder vertraue ich nicht? Es ist eine gute Geschichte, um zu zeigen, was Glauben ist. Glauben heißt tatsächlich Vertrauen. Und wenn ich Gott vertraue, dann schleppe ich mich aus dem Zelt und schaue die Schlange an.
Ihr merkt: Glauben hat immer Konsequenzen.
Das Kreuz als Ort von Gericht und Rettung
Jetzt noch einmal zurück zum Vergleich in Johannes 3, die Verse 14 und 15. Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte – das haben wir jetzt gelernt, was das war –, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe.
Auf Golgatha wird keine Schlange erhöht, sondern der Herr Jesus gekreuzigt. Und wie damals jeder, der auf die Schlange blickte, also zur Zeit von Mose, am Leben blieb, wenn er das tat, so auch jetzt: Jeder, und bitte, jetzt reden wir bildhaft, jeder, der im Bild gesprochen auf Jesus schaut, der an ihn glaubt, der bekommt ewiges Leben.
Jeder Mensch ist so verloren wie einer, der im Lager Israels von einer feurigen Schlange gebissen wurde. In unseren Adern fließt das Gift der Sünde. Ja, wir sind noch nicht gestorben, ja, wir können noch eine Entscheidung treffen, aber wir haben ehrlich gesagt nicht ewig Zeit, und wehe, wenn wir den Moment verpassen.
Rettung ist eine Sache des Glaubens. Die Idee, dass Gott Mensch wird und am Kreuz für unsere Sünden stirbt, ist auf den ersten Blick mindestens so schräg wie die Idee, dass das Anschauen einer Bronzeschlange dazu beiträgt, dass ich nicht sterbe, wenn ich von einer richtigen Giftschlange gebissen wurde. Das ist kein übliches Gegengift, das ist einfach nur schräg.
Und dass das auf den ersten Moment komisch klingt, wie wir gerettet werden, das müssen wir immer im Hinterkopf haben, wenn wir anderen Leuten das Evangelium erklären. Und trotzdem gilt: Es geht bei Rettung immer um Glauben. Und beim Glauben geht es immer um Jesus und um das, was Jesus am Kreuz für uns getan hat.
Er musste wortwörtlich erhöht werden, damit jeder, der in ihn glaubt, ewiges Leben bekommen kann. Ich kann mich nicht selbst retten, niemand kann das. Ich muss mein Vertrauen sogar gerade nicht auf meine Möglichkeiten setzen. Das ist wichtig. Solange ich das noch tue, kann ich nicht gerettet werden; dann stehe ich mir selbst im Weg. Ich muss mein ganzes Vertrauen auf das setzen, was Gott am Kreuz für mich getan hat.
Wie heißt es hier? Damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. Wie der Israelit aufstehen, aus dem Zelt gehen und auf die Schlange schauen muss, so muss jeder Mensch, der ewiges Leben haben will, sein Vertrauen auf Jesus setzen und an ihn glauben.
An dieser Stelle kommt dann gerne mal die Frage: Warum musste Mose eigentlich eine Schlange erhöhen? Ja, warum kein Lamm? Jesus ist doch das Lamm und nicht die Schlange. Schlange steht doch für den Teufel. In der Offenbarung wird er zweimal die alte Schlange genannt. Also warum eine Schlange auf der Stange?
Und es gibt zwei Möglichkeiten. Eine Möglichkeit ist die: Jesus hängt am Kreuz und steht tatsächlich bildlich für die Schlange. Und es sieht in dem Moment, wo er das tut, so aus, als hätte der Teufel gewonnen. Immerhin hat der Teufel Judas, einen ganz engen Vertrauten und Freund des Herrn Jesus, dazu gebracht, seinen Meister zu verraten. Und doch sieht es in dem Moment tatsächlich nur so aus.
Okay, es sieht nur so aus. Besiegt am Kreuz wird nicht der Herr Jesus, sondern der Teufel, so wie es im Hebräerbrief heißt, dass Jesus, ich zitiere, Hebräer 2,14, durch den Tod den zunichte gemacht hat, der die Macht des Todes hat, das ist der Teufel. Also ist das Kreuz der Moment, wo Gott über den Satan triumphiert. Und um das zu zeigen, wer da eigentlich umgebracht wird, deshalb die Schlange auf der Stange.
Es gibt eine zweite Antwort, die mir sogar noch ein bisschen besser gefällt. Paulus wird sehr deutlich, wenn er über Jesus am Kreuz spricht. Am Kreuz findet Erlösung statt. Aber damit wir Erlösung finden können, muss Jesus am Kreuz für uns zum Fluch werden, oder, wie Paulus an anderer Stelle sagt, er wird zur Sünde gemacht. 2. Korinther 5,21: Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.
Der Satz ist nicht ganz leicht, aber ich versuche es mal so zu erklären: Wir hätten sterben sollen. Wir waren die Schuldigen, wir verdienen den Fluch. Aber Jesus nagelt unsere Sünden mit seinem Leib ans Kreuz, und er stirbt für uns. Den, der Sünde nicht kannte, hat Gott für uns zur Sünde gemacht. Er stirbt für uns.
Jesaja beschreibt es im berühmten Kapitel 53 so. Jesaja 53,6 und dann die Verse 11 und 12: Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg, aber der Herr ließ ihn treffen unser aller Schuld. Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Verbrecher Fürbitte getan.
Also, da haben wir das: Gott lässt einen anderen treffen unsere Schuld, er lädt sich die Sünden der anderen auf, er trägt die Sünde. Wisst ihr, das ist unser Herr Jesus. Ich finde das großartig, das ist unser Herr. Der Reine stirbt für die Schmuddelkinder, lädt sich ihre Sünde auf, lässt sich von Gottes Zorn treffen und wird in den Augen des himmlischen Vaters zum schlimmsten Sünder. Verflucht.
Den, der Sünde nicht kannte, der wird zur Sünde gemacht. Oder anders ausgedrückt: Das Lamm wird zur Schlange. Und deshalb hängt dort oben auf der Stange kein Lamm, sondern auf der Stange hängt eine Schlange, weil dort tatsächlich die Sünde, meine Sünde, gerichtet wird.
Und warum macht Gott das? Ganz einfach, weil Gott jeden Menschen liebt.
Die Weite von Gottes Liebe
Johannes 3,16: Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen oder einzigartigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
Gott sieht diese Welt. Und hier geht es nicht um den Planeten oder um das System, das Menschen sich schaffen, um ohne Gott glücklich zu sein. Es geht um die Menschen in ihrer Gesamtheit. Gott sieht diese Welt. Und wisst ihr was? Gott liebt sie. Gott liebt sie auf seine unerklärliche, aber absolut fabelhafte Weise. Er liebt Menschen. Er liebt die Menschen, die sich kurz nach der Schöpfung von ihm abgewandt haben und bis heute grösstenteils nichts von ihm wissen wollen.
Er liebt sie nicht irgendwie, sondern auf eine radikal göttliche Weise, die bereit ist, alles zu wagen, um so viele wie möglich zu retten. Gott gibt seinen Sohn.
Wir können Gott in seiner Göttlichkeit nicht greifen. Es geht nicht. Ein unsichtbares, allmächtiges, die Zukunft überblickendes Wesen. Ja, wenn Gott spricht, dann entsteht das Universum mit Milliarden von Sternen. Wir können so jemanden nicht greifen, nicht verstehen.
Und wisst ihr, was das Grossartigste vielleicht ist? Noch vor Grundlegung der Welt entscheidet sich dieser unglaubliche Gott, dieser ewige Gott, für uns. Vor der Schöpfung weiss Gott um das, was ihm die Schöpfung kosten würde. Ich weiss nicht, ob ich die Schöpfung ins Dasein gesprochen hätte, wenn mir klar gewesen wäre, was es mich kostet. Für Gott scheint das kein Problem zu sein.
Über Jesus als das Opferlamm ohne Fehler und ohne Flecken schreibt Petrus in 1. Petrus 1,20-21: Er, Jesus, ist zwar im Voraus vor Grundlegung der Welt erkannt, aber am Ende der Zeiten offenbart worden, um euretwillen, die ihr durch ihn an Gott glaubt.
Also: Vor Grundlegung der Welt war klar, es braucht ein Opfer. Vor dem Sündenfall war klar, wer den Schlamassel wieder in Ordnung bringen würde. Und es ist nicht der Mensch, sondern es ist Gott selbst. Und innerhalb der göttlichen Dreieinigkeit, Gott der Vater, Gott das Wort und Gott der Heilige Geist, ist es Gott das Wort, das Fleisch wird und als der einzigartige Sohn zum Opfer wird für die Sünden der Menschen.
Johannes 3,16, denn so hat Gott die Welt geliebt, gehört wahrscheinlich zu den bekanntesten Versen in der Bibel. Manchmal, wenn man Übertragungen von Fussballspielen sieht, dann kann man in den Stadien Menschen sehen, die Schilder hochhalten. Da steht „Jo 3,16“ drauf. Das soll auf Johannes 3,16 anspielen. Menschen wollen da ihren Glauben bekennen. Und ich glaube, dass dieser Vers zu Recht eine solche Ausnahmestellung eingenommen hat, weil er einfach nur grossartig ist.
Gott gibt seinen Sohn, damit jeder die Chance bekommt, ewiges Leben zu haben. Jeder. Oder, um den Apostel Paulus zu zitieren: Unser Gott ist ein Rettergott. 1. Timotheus 2,3-4: Dies ist gut und angenehm vor unserem Rettergott, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Ihr Lieben, Gott ist nicht parteiisch. Gott hat keine Lieblingskinder, sondern seine Gnade gilt allen. Und jedem, der glaubt. Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Aber auch das gilt: Gott wird sich den Menschen nicht aufzwingen.
Der Rettergott ist ein Liebhaber. Er stirbt aus Liebe, denn so hat Gott die Welt geliebt. Er stirbt aus Liebe zu den Menschen. Er öffnet den Weg für jeden. Er akzeptiert ein Nein. Warum? Weil Gott Liebe sucht, weil ihm an Freundschaft und echter Beziehung gelegen ist. Und genau deshalb macht Gott sich verletzlich.
Gott geht, was diese Welt angeht, in Vorleistung, so wie unser Johannes es im ersten Johannesbrief auf den Punkt bringt. Da heisst es in 1. Johannes 2,1-2: „Wir haben einen Beistand bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.“
Merk dir: Jesus hat ein Sühneopfer gebracht, das nicht nur für die Sünden der Gläubigen ausreicht, sondern auch für die ganze Welt. Deswegen heisst es: Denn so hat Gott die Welt geliebt. Gott denkt gross. Wirklich gross. Und seine liebenden Arme, die sind tatsächlich zu allen Menschen ausgestreckt. Seine Einladung gilt jedem. Jeder, der an Jesus glaubt, sich auf diesen Retter einlässt, in ihm seinen Rettergott erkennt, jeder, der das tut, der bekommt ewiges Leben.
Die Entscheidung des Menschen
So, nochmal ganz zurück an den Anfang.
Ihr Lieben, wisst ihr noch, welche Frage wir gerade beantworten? Es ist die Frage von Nikodemus: Wie kann das geschehen? Johannes 3,9. Wie kann ein Mensch dahin kommen, dass er Wiedergeburt erlebt? Welche Voraussetzungen sind nötig, damit der Heilige Geist sein Werk der Wiedergeburt und Erneuerung startet?
Und hier haben wir jetzt die Antwort: Es braucht Glauben. Und jetzt redet Johannes nicht von Wiedergeburt oder dem Reich Gottes, sondern gebraucht die Worte: „nicht verloren geht, sondern ewiges Leben habe“.
Ihr Lieben, es gibt Dinge, die sind nicht ganz so wichtig fürs Leben. Ein Elektrobrot-Schneider, ein paar vernünftige Winterstiefel oder Fremdsprachenkenntnisse. Nützlich, ja, nice to have, aber es geht tatsächlich auch ohne. Das Thema Wiedergeburt spielt in einer ganz anderen Liga. Wiedergeburt ist nicht nice to have, sondern es geht um Leben und Tod, und zwar um ewiges Leben und ewigen Tod. Es geht tatsächlich um Himmel oder Hölle.
Bitte lasst uns in einer Zeit, die unter der Überschrift „Gott ist Liebe“ glaubt, dass irgendwie schon jeder am Ende bei Gott ankommt und die Hölle leer sein wird, bitte lasst uns ernst nehmen, was hier steht. Gott wird Mensch, damit Menschen nicht verloren gehen.
Ich würde gern mehr darüber wissen, was mit „verloren gehen“ genau gemeint ist. Der Begriff, der hier steht, „apollymi“, hat nämlich relativ viele Bedeutungen. Der kann bedeuten: töten oder verrotten oder sterben, unbrauchbar werden. Er kann sich auf geistliche Verirrung beziehen oder auf die Vernichtung von Seele und Leib in der Hölle. Oder auch einfach nur darauf, dass etwas verloren wird. Er kann sogar positiv benutzt werden. Der Begriff ist eher allgemein und wenig speziell.
Aber bitte, lasst uns festhalten, dass Gott seinen Plan der Errettung des Menschen startet, damit wir nicht verloren gehen. Verloren gehen ist schlimm. Wer verloren geht, der lebt an Gottes Liebe vorbei. Wer verloren geht, der verpasst den Kern des Menschseins. Wer verloren geht, der verpasst tatsächlich das Leben, das Gott jedem Menschen schenken möchte.
Das Leben, das wir heute leben, ist nicht das eigentliche Leben, das wir haben. Ihr Lieben, mir ist das immer wieder wichtig zu betonen. Dieses Leben, das wir heute leben, ist so eine Art Vorspiel, eine Art Qualifying, so etwas wie die Ouvertüre, der Trailer für das, was kommt. Dieses Leben ist nichts im Vergleich zu dem, was Gott für uns vorbereitet hat.
Ja, dieses Leben heute ist eine krude Mischung aus Leid und Freude, aus Mühe und von mir aus auch ein bisschen Erfolg, aus guten und bösen Tagen, Glück und Trauer. Lest, wenn ihr mir nicht glaubt, das Buch Prediger. Und wenn ihr noch mehr wissen wollt, hört euch meine Predigtreihe dazu an. Dieses Leben ist frustrierend. Es ist zu kurz, um auch nur einen Bruchteil meines Potenzials zu nutzen.
Wisst ihr, ich möchte noch so viel mehr tun, noch so viel mehr lernen, noch so viel mehr kennenlernen, schaffen, erreichen. Aber ich werde alt, und schneller, als mir lieb ist, ist tatsächlich alles vorbei. Und ich gehe noch einen Schritt weiter, damit wir das ganz klar begreifen: Mein eigentliches Leben, das Leben, wofür ich gemacht bin, kommt erst noch. Gott schenkt mir ewiges Leben.
Und ewiges Leben ist eine Lebensqualität. Es ist die Qualität von Leben, die mit dem Glauben kommt und die dann auch nicht mit dem Tod aufhört. Es ist die Qualität von Leben, die man braucht, um ewig mit Gott leben zu können und um das Leben zu finden, für das wir eigentlich gemacht sind.
Ich weiß nicht, ob du das glauben kannst, dass in wenigen Jahren dein Leben hier auf der Erde vorbei ist und dein eigentliches Leben anfängt. Und wenn du dann aus diesem eigentlichen Leben zurückblickst auf diese Zeit heute, dann wirst du nur schmunzeln. Du wirst die besten Momente im Licht echten Glücks sehen und merken, wie schwach das ist. Und du wirst das Leid sehen und mitbekommen, wie Gott dich für dieses Leid, das du für ihn erduldet hast, belohnt hat. Und du wirst nicht mehr an das Leid zurückdenken, sondern dich nur noch darüber freuen, dass du Gott treu geblieben bist.
Und deshalb, weil das eigentliche Leben noch kommt und weil wir verloren gehen können, an diesem Leben tatsächlich vorbeigehen können, muss sich jeder Mensch entscheiden. Jeder Mensch muss sich entscheiden, was er will: verloren gehen oder ewiges Leben finden.
Glaube ich dem Geschrei der Medien und der Selbstoptimierer, die mir einreden wollen, dass es nur ein Leben gibt, nämlich dieses hier? Also: Hol raus, was geht, mach dir keine Gedanken um Gott und Ewigkeit, jetzt wird gelebt? Ist es das? Oder glaube ich dem, der sein Leben investiert hat, um mich zu retten, dem, der am Kreuz starb und für mich zur Sünde wurde, damit ich nicht verloren gehe?
Entschuldigt, jeder Mensch muss sich entscheiden. Es gibt tatsächlich für jeden Menschen die Möglichkeit, in sich zu gehen und dem Wunsch nach wahrer Erfüllung zu folgen. Einem Wunsch, den diese Welt nicht erfüllen kann, aber einen Wunsch, den Gott uns erfüllen will, wenn wir anfangen, seiner Liebe zu vertrauen und wenn wir anfangen, an den Herrn Jesus zu glauben. Gott meint es gut.
Und deshalb ein letzter Gedanke für die, die sich die ganze Zeit gelangweilt haben, weil sie das alles schon wussten, die sich schon vor Jahren oder Jahrzehnten bekehrt haben, all die Bibelverse, die ich vorgelesen habe, schon auswendig gelernt haben und womöglich in ganz vielen evangelistischen Hauskreisen anderen Menschen erklärt haben, was ich heute euch noch mal gepredigt habe.
Ein Wort für euch zum Schluss, bitte: Ihr Lieben, bitte werft den Glauben, den ihr gefunden habt, nicht weg. Es gibt eine Zeit im Leben, um den Glauben zu finden, dann eine Zeit, um ihn zu verstehen, und letztendlich eine Zeit, um ihn zu beschützen. Und es ist jetzt leider nicht die Zeit, tiefer darauf einzugehen. Aber bewusste Sünde, also wenn uns ein schlechtes Gewissen nichts mehr ausmacht, oder wenn wir auf Irrlehre hereinfallen, egal ob aus dem liberalen oder aus dem gesetzlichen Lager, oder wenn wir unsere Zuversicht in Gott wegwerfen und ihn nicht mehr leidenschaftlich im Gebet suchen, weil wir über die Jahre angefangen haben, nichts mehr wirklich von ihm zu erwarten. Wenn das passiert, dann können wir im Alter verlieren, was wir in der Jugend gewonnen haben. Und ich sage das mit großer Traurigkeit. Meine Sorge ist, dass wir in einer Zeit leben, wo genau das Geschwistern gerade passiert, vielleicht ohne, dass sie es so richtig merken. Und deswegen, ihr Lieben, bitte passt auf und werft euren Glauben nicht weg.
Wir sind mit der Predigt am Ende. Der Herr Jesus ist gekommen, um uns zu retten. Lasst deshalb alles in unserer Macht Stehende passieren, damit wir nicht verloren gehen. Sei es, dass wir, wenn du das hörst und merkst: „Ey, ich bin doch gar nicht bekehrt. Ich habe vielleicht so eine religiöse Ader oder so ein Interesse an Gott, aber wirklich bekehrt bin ich noch nicht“, dann bekehr dich heute. Du kannst es heute tun. Du kannst heute auf die Knie gehen, deine Sünden Gott bekennen, ihn bitten, dass er dir vergibt, und mit ihm zusammen ein neues Leben anfangen. Du kannst heute den Herrn Jesus einladen, Herr in deinem Leben zu sein.
Und wenn du das schon getan hast, dann lass uns einen prüfenden Blick auf unseren Glauben werfen und uns einfach die Frage stellen, ob unser Glaube noch so frisch und so leidenschaftlich und so lebendig ist wie in den ersten Tagen. Gott ist ein Rettergott, und deshalb ist jeder Tag bei ihm ein Tag der Gnade, den wir zur Buße nutzen können.
Lasst es uns tun! Amen.
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