Serie•Teil 41 / 64Apostelgeschichte
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein ungewöhnlicher Einstieg mit einem klaren Ziel
Liebe Geschwister, einen schönen guten Morgen!
Zuerst möchte ich mich bei denen entschuldigen, die Anfang des Jahres bei der Predigtschulung dabei waren. Das, was ich jetzt tue, ist eigentlich nicht erlaubt. Das macht man wirklich nur in Ausnahmefällen aus Verlegenheit, und das sollte definitiv nicht zur Gewohnheit werden.
Worum geht es? Ich mache heute eine Sprungbrettpredigt. Was ist eine Sprungbrett-Predigt? Na ja, der Name ist Programm: anlaufen, kurz auf einer Stelle hopsen und dann thematisch dorthin springen, wo man hin will. Und bei einer Sprungbrett-Predigt startet man bei einem Text, tut kurz so, als würde man ihn auslegen, tut es aber gar nicht, weil man ihn nur ge-, besser sogar missbrauchen will, um zu seinem eigentlichen Thema zu gelangen.
Unser Text heute, ihr ahnt es schon, ist aus der Apostelgeschichte. Es geht weiter in Kapitel 17, Apostelgeschichte 17, die Verse 13 bis 15:
Als aber die Juden von Thessalonich erfuhren, dass auch in Beröa das Wort Gottes von Paulus verkündigt wurde, kamen sie auch dorthin und beunruhigten und erregten die Volksmengen. Da sandten aber die Brüder sogleich den Paulus fort, dass er nach dem Meer hingehe; aber sowohl Silas als auch Timotheus blieben dort. Die aber, die Paulus geleiteten, brachten ihn nach Athen; und als sie für Silas und Timotheus Befehl empfangen hatten, dass sie so bald wie möglich zu ihm kommen sollten, reisten sie ab.
Über die Ereignisse in Beröa habe ich vorletztes Mal bei euch gepredigt. Und das, was wir hier lesen, ist alles andere als neu. Eigentlich muss man sagen: Seitdem Paulus nach Mazedonien gekommen ist, egal ob in Philippi, in Thessalonich oder in Beröa, findet sich immer jemand, der gegen ihn einen Volksaufstand anzettelt und ihn dann aus der Stadt vertreibt. Es ist irgendwie immer dasselbe, immer gleich frustrierend, und immer muss Paulus weiterziehen, diesmal bis nach Athen.
Vielmehr möchte ich zu diesem Text auch gar nicht sagen. Merkt ihr? Sprungbrett: anlaufen, das eben war der Hüpfer auf der Stelle, und jetzt kommt der Sprung.
Bevor wir thematisch landen, möchte ich noch den Grund nennen, warum mich das Thema, um das es gleich gehen soll, persönlich so anspricht. Der Grund ist simpel: Ich werde älter. Und ich merke, dass es im geistlichen Leben nicht nur darum geht, sich zu bekehren und im Glauben zu wachsen, sondern auch darum, den Glauben zu bewahren.
Eigentlich ist diese dritte Phase des geistlichen Lebens die längste und die herausforderndste. Ich bekehre mich vielleicht in den Zwanzigern, bei mir war das so. Dann wächst man geistlich, liest die Bibel, gute geistliche Bücher, hört Predigten. Man wächst so richtig schön kontinuierlich, wenn man es darauf anlegt, für zehn, zwanzig Jahre. Und natürlich wächst man dann weiter, aber dann kommt so eine Phase, in der man sich daran gewöhnt hat, dass man bekehrt ist, dass man gerettet ist, dass ich geistlich auch irgendwie reif bin, dass ich Gott viel besser kenne als am Anfang. Und doch bin ich noch nicht am Ziel.
Wenn der Glaube nicht nur anfangen, sondern bleiben muss
Die Herausforderung dieser letzten Phase, die Herausforderung dieser letzten Phase des Glaubens – und die kann Jahrzehnte dauern. Ich bin jetzt über fünfzig, und ich habe vielleicht in dieser Phase, in der ich meinen Glauben bewahren, in der ich nicht träge und nicht müde werden soll, noch dreißig oder vierzig Jahre vor mir.
Die Herausforderung dieser letzten Phase des Glaubens liegt tatsächlich im Dranbleiben. Und es ist einfach die Länge der Zeit. Es sind die Mühen des Lebens, es sind die geplatzten Träume, es ist die Realität von Nichtigkeit, von Ungerechtigkeit, von Verlust. Das sind Freunde, die ihren Glauben verlieren, Ehen, die scheitern, Kinder, die auf Abwege geraten, Lebenssituationen, die sich scheinbar sinnlos verschlechtern. Und wir stecken da mittendrin, wir erleben das.
Und es ist einfach eine reale Gefahr, dass der alte Glaube müde wird, dass er Kompromisse eingeht, nicht mehr kämpfen will und vielleicht sogar auch nicht mehr glauben will. Und weil mich dieses Thema gerade beschäftigt, beende ich jetzt meinen Sprung und lande bei meinem heutigen Thema.
Ich will heute über Frust reden, so wie Paulus Frust erlebt: eine Stadt nach der anderen, er predigt, dann der Volksaufstand, und er muss wieder weiterziehen. Das ist schon ganz schön derbe. Also ich will über Frust reden und besonders darüber, wie man es schafft, dass der ganz normale Frust des Lebens einen Geistlichen nicht umhaut.
Titel der Predigt: Fünf Tipps gegen Frust.
Tipp Nummer eins: Intimität mit Gott.
Es ist ganz wichtig, dass wir verstehen: Geistliches Leben ist kein Abnicken von Wahrheiten. Geistliches Leben ist nicht das, was am Sonntagvormittag hier im Gottesdienst passiert. Geistliches Leben dreht sich um eine lebendige und persönliche Beziehung mit Gott.
Und dazu gehören feste Zeiten der Gemeinschaft. Als ich zum Glauben kam, hat man das stille Zeit genannt. Ich weiß nicht genau, wie man es heute nennt. Aber wir brauchen Zeiten mit Gott. Wir brauchen Raum für Spontaneität, wir brauchen Raum für Leidenschaft.
Nähe zu Gott als erste Quelle der Stärke
Und damit wir uns jetzt nicht falsch verstehen: Es gibt eine ganz moderne Bewegung in der evangelikalen Welt, die legt es darauf an, dass man vor Gott nicht nur zur Ruhe kommen soll, sondern dass man doch bitte auch in sich hineinhorchen und dort die Stimme Gottes hören soll.
Für mich, und ihr könnt das ganz anders sehen, ist das Schamanismus light, irgendwie Esoterik in christlichem Gewand. Es ist auch kein Weg zu mehr Innigkeit mit Gott, sondern eher ein Weg dahin, dass ich mich für fremde Geister öffne.
Ich kann persönlich vor diesem In-sich-Hineinhorchen nur warnen, und ich mache sehr bewusst einen großen Bogen um kontemplatives Gebet, um die Bücher von Sarah Young und anderen christlichen Medien, die behaupten, Jesus würde mit ihnen reden. Ich mache einen großen Bogen um geistliche Übungen, bei denen man auf Eindrücke hört und sie für das Reden Gottes hält, und um alles, was es noch an aktuellen mystischen Trends gibt.
Ich will einfach nicht, dass ein anderer Geist als der Heilige Geist mein Denken beeinflusst. Und ich nehme diese Warnung, die der Apostel Paulus ausspricht, sehr ernst. Er sagt in 2. Korinther 11,4, und das ist ein Vorwurf an die Korinther: Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder, und jetzt kommt es, ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht gut.
Ich habe ein bisschen Sorge davor, dass diese modernen mystischen Techniken dazu führen, dass ich einen anderen Geist empfangen könnte. Und wenn ich mir die Biografien der Leute anschaue, die diese Techniken propagieren, dann wird mir manchmal ganz anders.
Deswegen habe ich mich entschieden: Ich will nur vom Heiligen Geist beeinflusst werden.
Aber auch wenn ich super vorsichtig bin bei allem, wo man mir sagt: Hey, jetzt mach dich doch mal locker, schalte mal deinen Verstand aus, versuch mal mehr Gott zu erfahren, lebe ich trotzdem bewusst eine innige Beziehung mit Gott. Ich strecke mich nach tiefer Gemeinschaft aus, nach Lebendigkeit und Intimität.
Ich bin gehorsam, weil ich den Geist Gottes nicht dämpfen und seine Fürsorge genießen möchte. Ich denke viel über die Bibel nach, weil ich Gottes Stimme hören will. Ich erlebe, dass Gott mich leitet, und ich erfahre Gott als einen Vater und Tröster, der da ist, wenn der Frust mich überwältigen will.
Intimität mit Gott ist lebensnotwendig, wenn der Frust kommt, denn ich muss irgendwo mit meiner Angst und mit meinem Schmerz hin.
Ein alttestamentliches Vorbild für das Festhalten an Gott
Jemand, der das erlebt hat, ist David. In der Zeit, bevor David König wurde, war er Anführer einer Gruppe, wir würden heute sagen: einer Guerillatruppe.
Eines Tages kommt er mit seinen Männern nach Hause nach Ziklag, und alle müssen feststellen, dass in ihrer Abwesenheit die Amalekiter über die Stadt hergefallen waren. Die Stadt war verbrannt, alles, was laufen konnte, hatten die Eroberer mitgenommen: Frauen und Kinder.
Jetzt muss man sich vorstellen: Diese rauen Männer sind so erschüttert, dass es im Text heißt, sie erhoben David und das Volk, das bei ihm war, ihre Stimme, und sie weinten, bis sie nicht mehr weinen konnten. Wahnsinn, oder? Sie weinten, bis sie nicht mehr weinen konnten, bis sie keine Tränen mehr hatten.
Und für David ist die Situation sogar noch ein bisschen schlimmer, weil er nicht nur seine Frauen und Kinder verliert, sondern von seinen Männern für ihren Verlust verantwortlich gemacht wird. Da heißt es dann in 1. Samuel 30: Und David war in großer Bedrängnis, denn das Volk sprach davon, ihn zu steinigen. Denn die Seele des ganzen Volkes war erbittert, jeder war erbittert wegen seiner Söhne und wegen seiner Töchter. Aber, und jetzt kommt das entscheidende Aber: David stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott.
Und dieser letzte Satz ist entscheidend. Wenn du alles verlierst und alle gegen dich sind, dann hast du immer noch genau das: Du hast immer noch Gott. Er bleibt dir eine feste Burg, ein Rückzugsort, wo es nie an Stärkung fehlt.
Und jetzt reicht es natürlich nicht nur, in absoluten Krisenzeiten zu Gott zu gehen. Wir müssen das vorher üben. Wir müssen es uns zur Angewohnheit machen, dass wir regelmäßig solche Stärkungszeiten mit Gott einplanen, unseren inneren Menschen immer wieder in seiner Gegenwart aufrichten lassen und erleben, was das heißt, dass Gott uns tröstet und kräftigt.
Gott ist da, um uns aufzufangen, und wir müssen es lernen, uns in seine Arme fallen zu lassen. Und glaubt mir, das ist für viele Christen gar nicht so einfach. Ich kenne so viele Leute, die versuchen, erst einmal mit ihren eigenen Möglichkeiten Probleme zu lösen, daran scheitern und irgendwie erst viel, viel, viel zu spät auf den Gedanken kommen: Ich könnte ja mal mit Gott.
Und deshalb der wichtige Tipp für den Umgang mit Frust: Schaffe regelmäßige intime Zeit mit Gott, wo du Gott genießt und Gott erlebst und dein innerer Mensch bei Gott auftankt.
Dankbarkeit als Gegenmittel gegen Bitterkeit
Nummer zwei: Reife Christen danken.
Tipp Nummer zwei ist Dankbarkeit. Reifes Christsein und Dank gehen Hand in Hand. Aber im Danken steckt noch mehr. Danken gehört für mich zu den ganz großen Mysterien des Lebens.
Schaut euch mal diese drei Verse an. Ich kann gar nicht sagen, welcher mich mehr fasziniert. Ich lese euch mal drei Verse vor zum Thema Dank, und es gibt dutzende weitere gute Verse zum Thema Dank.
Drei Stück:
Hiob 1,21: Der Herr hat gegeben, und der Herr hat genommen; der Name des Herrn sei gepriesen.
Epheser 5,20 sagt: Allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
Psalm 50,23: Wer Dank opfert, verherrlicht mich und bahnt einen Weg; ihn werde ich das Heil Gottes sehen lassen.
Also drei Verse, drei Personen: Hiob dankt, sogar im Angesicht des größten Verlustes. Paulus sagt: allezeit für alles Dank. Und Asaf in Psalm 50: Ein Dankopfer bereitet den Weg, das Heil, das heißt die Rettung Gottes, zu sehen. Da sind wir wieder bei Hiob, der mit Dank in seine Leidenszeit hineingeht und daraus dann von Gott gerettet wird.
So, bitte merkt euch eine ganz wichtige Sache: Dank ist nicht eine Sache der Umstände, sondern des Vertrauens. Wir leben mit Gott immer im Glauben und nicht im Schauen.
Es geht mir ja heute um die Frage: Wie gehe ich mit Frust und anderen negativen Gefühlen um, die mich runterziehen? Wie gehe ich mit ihnen richtig um? Und jetzt der Tipp: Egal, was kommt, hör nicht auf zu danken. Und vor allem dann nicht, wenn du denkst, danken sei jetzt bitteschön wirklich total falsch.
Es gibt Momente, da fühlt sich Dank einfach nur falsch an. Aber jetzt kommt das: Wir dürfen, und ich sage bewusst dürfen, du kannst auch sollen einsetzen, wir dürfen allezeit für alles danken. Auch für den Verlust von Kindern, Wohlstand und Gesundheit, wie wir das von Hiob lernen.
Jetzt wird der eine oder andere sagen: Jürgen, das meinst du nicht ernst, oder? Doch, ich meine das ernst. Und zwar, weil Danken, ich hatte das gesagt, eines von den großen Mysterien des Lebens ist.
Wenn es stimmt, dass Gott keine Fehler macht, dann darf ich allezeit für alles danken. Selbst dann, wenn er mich straft, um mir den Weg zur Buße zu ebnen, oder wenn er mir Leid verordnet, weil es sein Wille ist. Wie bei dem Herrn Jesus in Gethsemane. Oder wenn er mich prüft, damit mein Vertrauen in Gott reiner und tiefer wird.
Wenn Gott keinen Fehler macht, dann ist es gut so, wie es ist. Und dann darf ich das anerkennen, von mir aus mit Tränen in den Augen und mit einer schluchzenden Stimme. Aber dann darf ich sagen: Danke. Danke, Vater!
Und ich kann dir nur, weil ich das immer und immer wieder erlebt habe, sagen: Tu es und staune! Ich kann fast nicht mehr sagen: Wer dankt, wird Gottes Rettung sehen. Probier das aus!
Du möchtest mit Frust richtig umgehen? Dann stemme dich mit Dank gegen das Gefühl der Sinnlosigkeit. Wo sich Entmutigung, Verbitterung, Resignation und Frust breitmachen, stemme dich mit Dank dagegen. Nimm eine neue Perspektive ein. Bekenne durch deinen Dank, dass Gott keinen Fehler macht, dass du einen Vater im Himmel hast, dem du völlig vertraust. Und ich verspreche dir eines: Der Frust hat keine Chance, deinen Glauben zu zerstören.
Freude als geistliche Disziplin im Alltag
Punkt Nummer drei. Der dritte Tipp lautet: Genuss.
Vielleicht bist du ein bisschen überrascht. Aber dann auch nur, weil du mich nicht kennst. Für mich ist Genuss ein besonderer Wert im Leben. Ich meine nicht sündigen Genuss, den ich mir gönne, weil die Lust in mir über den Glauben siegt. Ich meine heiligen Genuss, den ich als eine Form von Anbetung praktiziere und für den ich Gott von ganzem Herzen dankbar sein kann.
Schauen wir uns aus dem Buch Prediger zwei Stellen an: Prediger 8,15 und Prediger 2,24.
Und ich pries die Freude, weil es für den Menschen nichts Besseres unter der Sonne gibt, als zu essen und zu trinken und sich zu freuen; und dies wird ihn begleiten bei seinen Mühen, die Tage seines Lebens hindurch, die Gott ihm unter der Sonne gegeben hat.
Prediger 2,24:
Es gibt nichts Besseres für den Menschen, als dass er isst und trinkt und seine Seele Gutes sehen lässt bei seinen Mühen. Auch das sage ich, dass dies alles aus der Hand Gottes kommt.
Der Buddhist sagt: Alles ist Leid. Und jetzt sage ich: falsch. Ja, es gibt Mühen, also Leid. Aber es gibt auch Freude. Und es ist nichts Falsches daran, wenn ich meine Seele Gutes sehen lasse, solange das Gute nicht zum Götzen wird. Also solange das Gute nicht zum Ziel meines Lebens wird und ich nicht vergesse, dass alles Gute aus der Hand Gottes kommt.
Nochmal: Der Prediger sagt, es gibt nichts Besseres für den Menschen, als dass er isst und trinkt und seine Seele Gutes sehen lässt bei seinen Mühen. Und Prediger 8,15: Ich pries die Freude, weil es für den Menschen nichts Besseres gibt, als zu essen und zu trinken und sich zu freuen; und dies wird ihn begleiten bei seinen Mühen.
Das ist biblische Weisheit, wenn mich die Freude an den guten Dingen des Lebens bei meinen Mühen begleitet. Und auch wenn der Frust zum Leben dazugehört, so kann ich dafür sorgen, dass es eben auch diese schönen, genussvollen Momente gibt: ein gutes Essen, eine Zeit mit Freunden, ein schöner Film, Schwimmen gehen, Ausschlafen. Momente, die ich bewusst einsetze, um einen Gegenpol zu setzen.
Wisst ihr, Frust und Mühen werden im Leben genug da sein. Die Frage ist: Haben wir auch genug Ruhe und Genuss? Sorgen wir dafür, dass unsere Seele genug Freude abbekommt.
Und noch einmal: Ich meine die Art von Freude, die komplett ohne Sünde auskommt. Ich meine Essen ohne Völlerei, Trinken ohne Rausch, Ausschlafen ohne Faulheit usw. Und die Frage ist: Kultiviere ich bewusst diese Art von Freude? Freude, die mir einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit schenkt.
Mein Tipp: Tu es, denn du brauchst, wenn der Frust kommt, diese Glücksmomente, um deine Seele im Gleichgewicht zu halten.
Nüchtern bleiben, wenn das Leben nicht planbar ist
So, jetzt kommt mein vorletzter Tipp: Nüchternheit. Der erste war Intimität mit Gott, der zweite Dank, der dritte Genuss, und jetzt Nüchternheit.
Man kann dafür sorgen, dass der Frust des Lebens einen nicht umhaut, indem man sich vor Augen hält, dass Frust normal ist. Wir sind einfach noch nicht am Ziel. Und bis dahin gilt es, ganz nüchtern festzustellen, dass Frust zum Leben dazugehört. Gerade wenn ich Christ bin, natürlich nicht nur als Christ, aber er gehört einfach dazu. Ich könnte euch viele Verse zeigen, wo wir lesen, wie wichtig es ist, nüchtern das Leben zu betrachten. Zwei Verse, einfach nur zwei Verse, die mir jetzt in diesem Zusammenhang besonders wichtig sind.
Prediger 9,11: Ferner sah ich unter der Sonne, dass nicht die Schnellen den Lauf gewinnen und nicht die Helden den Krieg und auch nicht die Weisen das Brot und auch nicht die Verständigen den Reichtum und auch nicht die Kenntnisreichen die Beliebtheit, sondern Zeit und Geschick trifft sie alle.
Autsch! Autsch! Der Prediger schaut sich das Leben an und sagt: Ich sehe den Schnellen, aber der gewinnt gar nicht den Lauf. Ich sehe den Helden, aber er gewinnt nicht den Krieg.
Was heißt das für uns? Das heißt, du gehst gut vorbereitet in eine Prüfung rein und fällst doch durch. Zeit und Geschick trifft sie alle. Kann dir passieren, du hast dich voll reingehängt und bist doch nicht befördert worden. Zeit und Geschick trifft sie alle. Kann passieren, du machst eine geniale Erfindung, veränderst ein Stück weit damit die Weltgeschichte und stirbst arm. Ja, Gutenberg lässt grüßen. Das ist das Leben.
Und wenn man sich hinstellt und sagt: „Haha, ist nicht jeder seines Glückes Schmied?“ Na ja, manchmal. Und manchmal trifft dich einfach Zeit und Geschick. Und dann ist da nichts mit Glücksschmieden. Und deswegen sei nüchtern, lebe Realität. Das heißt auf der einen Seite: bete, häng dich rein, schau, was geht, hab Freude an dem, was du tust, aber pass bloß auf, dass du dich nicht darüber definierst.
Zweiter Vers. Paulus redet auf der ersten Missionsreise zu jungen Christen. Apostelgeschichte 14,22. Auf der Rückreise der ersten Missionsreise, auf der Hinreise Gründung der Gemeinden, auf der Rückreise befestigt er sie mit folgenden Worten:
Apostelgeschichte 14,22: Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen.
Wow! Also, Zeit und Geschick ist das mal so die Nichtigkeit und Unplanbarkeit des Lebens, das eine. Das andere ist eine Feindseligkeit, die diese Welt gegen alles Christliche hat. Zum normalen Frust gibt es für die Christen noch eine Extraportion Trübsale obendrauf. Und wenn du denkst, das kann doch nicht sein, lass mich dich kurz fragen: Warum denkst du wohl, dass wir für ein ruhiges und stilles Leben beten sollen? Mal drüber nachgedacht?
Ich glaube, es ist ganz einfach. Wir sollen für ein ruhiges und stilles Leben beten, weil das Leben für viele Christen genau das Gegenteil war. Sie wurden verfolgt und ausgegrenzt. Und deswegen sei nüchtern.
Das sind meine ersten vier Punkte: Intimität – stärke dich in Gott. Dank – danke allezeit für alles. Genuss – kultiviere Freude. Nüchternheit – erwarte jetzt nicht zu viel!
Und jetzt kommt mein letzter Punkt. Mein letzter Punkt: Das Leben Jesu als Vorbild. Wir dürfen uns immer wieder im Frust den anschauen, der ein vollkommen perfektes und absolut sündloses Leben geführt hat. Und wenn wir ihn betrachten und wenn wir sehen, was er durchgemacht hat, dann wird es auch für uns erträglicher.
Der Blick auf Christus, wenn nichts mehr trägt
Hebräer 12,3, da heißt es: Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet.
Ich bin jetzt wieder ganz am Anfang. Ich bin bei dem, was ich gesagt habe: Es gibt diese dritte Phase im Glauben, in der es darum geht, dranzubleiben. Es geht darum, nicht zu ermüden und in meiner Seele zu ermatten.
Die Hebräer jedenfalls, wenn ich den Hebräerbrief richtig verstehe, das waren Christen, die schon einige Jahrzehnte des Glaubens und auch der Verfolgung hinter sich hatten. Und jetzt standen sie in der Gefahr, irgendwann müde zu werden. Zu sagen: Ich kann nicht mehr. Vielleicht auch zu sagen: Ich will nicht mehr. Vielleicht auch, das mit dem Glauben nicht mehr einfach so ernst zu nehmen.
Und jetzt kommt der Schreiber des Hebräerbriefes und sagt: Betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet. Das ist eine Gefahr, und damit ihr nicht in euren Seelen ermattet.
Die Beschäftigung mit dem Herrn Jesus kann unseren eigenen Frust relativieren. Es ist immer wieder gut, sich das vor Augen zu führen, was der Herr Jesus sagt. Er sagt in Matthäus 10,25: Wenn sie den Hausherrn Beelzebul nennen, und das ist ein ganz übler Name, das ist der oberste Dämon, also wenn sie den Hausherrn als den Superschurken hinstellen, wenn sie Jesus gekreuzigt haben, dann werden sie dich nicht toll finden.
Wenn der Frust kommt und es dir vielleicht nicht mehr gelingt, und das, was ich jetzt sage, ist wichtig, weil die Tipps davor wirklich gut sind, dann kann es Momente geben, in denen ich von Angst, Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht oder Wut wie von einem Tsunami überrollt werde. Und vielleicht gelingt es mir in so einem Moment, in dem mir einfach alles zu viel wird, nicht mehr, dass ich mich in Gott stärke, dass ich anfange zu danken, dass ich mich freue oder nüchtern über das Leben nachdenke.
Diese ersten vier Punkte brauchen zumindest nach meiner Erfahrung noch so eine Restportion Kraft. Ich weiß, es klingt komisch. Es kann diesen Moment geben, in dem nichts mehr geht. So ein Psalm-88-Moment, der dunkel anfängt, ein ganzer Psalm Dunkelheit und Dunkel endet, in dem ich wirklich nicht mehr mich erheben kann, um noch irgendetwas Positives zu empfinden oder zu sagen.
Und wenn du an dieser Stelle angekommen bist, dann hebe deinen Blick auf zum Kreuz. Warum? Weil dort einer hängt, der ganz genau weiß, wie es dir geht. Wenn du in deinen absolut dunkelsten Stunden angekommen bist, dann darf ich dir das Geheimnis des Christseins zeigen: Wenn es ganz dunkel wird, wenn jeder Ausweg versperrt zu sein scheint, wo die Hoffnungslosigkeit uns in ihre Gefangenschaft nimmt, dann ist Gott in diesen dunkelsten Stunden nicht weit weg, sondern ganz nah.
Wenn du denkst: Jetzt ist es aus, jetzt ist sogar Gott weit weg, ich kann nicht mehr, dann wirf einen Blick ans Kreuz und fühle dich hinein in das, was Jesus empfand, als er dort für dich, für deine Sünde gestorben ist und seine dunkelste Stunde, seinen Moment der wahren Gottesferne erlebt hat.
Wenn du ganz, ganz am Ende bist, dann weiß Gott, wie es dir geht. Dann weiß unser Herr Jesus, wie du in diesem Moment empfindest, weil er das selber durchgemacht hat. Und dann wird er, wenn du deine Augen aufhebst zum Kreuz, dir begegnen, und er wird dir neu groß.
Und du darfst dich ein Stück weit mitten in dieser Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht und Wut und Angst hineingenommen wissen in seine Kreuzesliebe, die für diese Momente, in denen wir nicht mehr können, gemacht ist.
Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet.
Ein Schluss mit einem letzten, wichtigen Hinweis
Kommen wir zum Schluss. Keine Ahnung, wo du stehst und wie weit der Frust über dein persönliches Leben dich in den letzten Wochen und Monaten von Gott entfernt hat oder auch nicht. Wenn es nicht so ist, freu dich doppelt.
Und wenn du merkst, Corona war eine Riesenherausforderung, und ich habe das bei manchen Geschwistern gesehen, dass auch negative Entwicklungen beschleunigt wurden, und wenn dir der Frust vielleicht gerade die Lust am Glauben nehmen will, dann fang doch einfach an, in den kommenden Wochen über Verse nachzudenken, die dir helfen, mitten im Frust zu bestehen.
Das kann 1. Samuel 30,6 sein, wo du dir anschaust, wie David sich stärkt. Das kann Epheser 5,20 sein, wo Paulus dir den Rat gibt, allezeit für alles zu danken. Prediger 2,24 spricht vom Wert der Freude, von etwas, das aus Gottes Hand kommt. Apostelgeschichte 14,22 erinnert daran, dass Trübsale normal sind. Hebräer 12,3 sagt: Schau dir den Herrn an.
Und ich behaupte einfach: Wenn diese Dinge für uns normal werden, werden wir den Frust nicht los. Aber wenn wir es lernen, mit dem Frust richtig umzugehen, dann werden wir auch diese dritte Phase des Glaubens, diese lange Phase, in der es darum geht, dranzubleiben, durchstehen.
Und jetzt ist die Predigt rum. Ich habe am Anfang gesagt, was man nicht tun darf, ist, eine Sprungbrett-Predigt zu machen. Es gibt noch etwas, was man nicht tun darf: Man darf am Ende einer Predigt nicht einen ganz neuen Gedanken bringen, der eigentlich nicht zur Predigt gehört, in den man sich aber vielleicht ein Stück verliebt hat, während man die Predigt vorbereitet.
Das passiert. Prediger schreiben eine Predigt, dann kommt ein schöner Gedanke, und man denkt: Boah, das würde ich auch noch gerne sagen. Dann stellt man fest, dass es aber gar nicht zum Thema passt. Der Gedanke bleibt trotzdem schön. Dann schreibt man seine Predigt, und irgendwo mogelt man diesen schönen Gedanken mit rein, manchmal ganz am Schluss, als einen abschließenden, irgendwie doch nicht passenden letzten Gedanken. Und das mache ich jetzt auch.
Zum Thema Frust: Bitte vergiss mitten im Frust eines nicht: Du bist nicht allein. Gemeinde ist Familie. Andere wollen dir helfen. Wir stehen und wir fallen gemeinsam. Sei Teil dieser Familie. Gott weiß, warum er uns zur Gemeinschaft der Gemeinde berufen und in diese Gemeinschaft hineingetauft hat. Amen.
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