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Lukas 5,1-26

Lukas 5,1-5,2602.11.2008
SerieTeil 9 / 53Lukas-Evangelium
Jesus stellt alles auf den Kopf: Sünde wird nicht nur entlarvt, sondern geheilt und vergeben. Die Frage ist brutal einfach: Vertraust du seinem Wort so wie Petrus?

Rückblick auf die bisherige Linie

Wir machen weiter im Lukasevangelium. Das habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht.
Ich werfe noch einmal einen Blick zurück. Die letzten beiden Predigten haben sich mit einer Frage beschäftigt, nämlich mit der Frage: Wer ist Jesus? Wir haben damit angefangen, uns anzuschauen, wie die erste Geschichte in dieser Reihe von Geschichten, die sich von Lukas 3 bis ans Ende von Lukas 4 zu diesem einen Thema zusammenballen, schon auf dieses Thema vorbereitet. Johannes der Täufer sagt uns etwas über Jesus. Er sagt: Ich zwar taufe euch mit Wasser, es kommt aber ein Stärkerer als ich, und ich bin nicht würdig, ihm den Riemen seiner Sandalen zu lösen; er wird euch mit heiligem Geist und Feuer taufen.
Damit fängt diese Reihe von Geschichten in Lukas 3 an und geht dann bis ans Ende von Lukas 4. Wir erfahren etwas über diese ganz einzigartige Beziehung zwischen Gott im Himmel auf der einen Seite und Jesus von Nazaret auf der anderen Seite. Das fängt an mit der Taufe, wo eine Stimme aus dem Himmel kommt: Siehe, du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
Dann haben wir im Stammbaum gesehen, dass Jesus ganz Mensch ist. Wir haben uns mit seiner Versuchlichkeit oder Nichtversuchbarkeit in der Wüste beschäftigt und gesehen, dass dieser, der auf der einen Seite ganz Mensch ist, doch irgendwie eine neue, einzigartige Qualität von Menschsein in die Weltgeschichte hineingebracht hat.
Letztes Mal haben wir uns dann die Predigt in Nazaret angeschaut. Wir haben gesehen, worum es geht: Es geht darum, dass Armen gute Botschaft verkündigt wird, dass Gefangene der Sünde befreit werden, dass Menschen, die vom Teufel zerschlagen sind, in die Freiheit hinausgeschickt werden. Und ganz am Ende von Kapitel 4 haben wir einen Blick auf die geistliche Dimension dieses Machtkampfes geworfen und gesehen, wie Jesus mit seinem eigenen autoritativen Wort, mit diesem Wort, mit dem er den ganzen Kosmos ins Sein hineingerufen hat, in der Auseinandersetzung mit den finsteren Mächten, mit den Dämonen, mit den menschenversklavenden Mächten die Oberhand behält.
Das ist die Frage. Zumindest, wenn ich so lese, und ich hatte euch das ja mal im Blick auf Evangelien gesagt: Evangelien funktionieren wie Perlenketten. Ich habe einzelne Geschichten, die so aneinandergereiht sind, und manche Geschichten gehören ein Stückchen enger zusammen. Wenn ich also sage: Kapitel 3 und 4, da geht es um das Thema Wer ist eigentlich Jesus?, dann sage ich das natürlich so, weil jetzt ein neues Thema kommt.
Die nächsten Kapitel, Kapitel 5 und 6, haben also ein anderes Oberthema. Um so ein Oberthema herauszufinden, würde man jetzt die ganzen Geschichten lesen müssen und schauen, welches Thema immer wieder auftaucht. Ich möchte euch das ersparen. Ich möchte euch die Lösung geben.

Das neue Leitmotiv der nächsten Geschichten

Die Lösung lautet: Das, was wir in den nächsten Geschichten immer wieder als Thema haben, hat mit Sünde zu tun, mit Sündern zu tun, mit dem Umgang mit Sünde und auch mit dem Umgang mit Sündern. Das ist das grosse Thema der Geschichten in Lukas 5 und in Kapitel 6. Und das merkt man auch schon ein Stück weit am Anfang.
Die allererste Geschichte in Lukas 5, mit der wir heute dann auch anfangen wollen, dreht sich um den Fischzug des Petrus. Eigentlich so eine typische Kindergeschichte, so ein Ding, wo man sagt: Das gehört in den Kindergottesdienst, das brauchst du nie am Sonntag predigen. Interessanterweise ist genau diese eine Geschichte, der Fischzug des Petrus, ich lese es gleich, also Jesus sagt: Fahr raus, er macht es und fängt ganz viele Fische, und alle fragen: Ach, wo kommt denn das her? Diese Geschichte findet sich nur bei Lukas. Man nennt das Sondergut. Also sprich: Lukas hat vor, jetzt so eine Reihe von Geschichten zu einem Thema zusammenzufassen.
Er hat eine Riesenmenge an Geschichten, könnte sich x-beliebig aussuchen, könnte das, was seine Kollegen Matthäus und Markus schon geschrieben haben, ja auch verwenden, könnte quasi auf Bekanntes zurückgreifen und sucht sich eine Geschichte aus, die noch kein anderer gebracht hat. Warum macht man das? Na ja, weil diese eine Geschichte den Kerngedanken dessen, was jetzt kommt, die das Thema optimal einführt. Und was ist der Höhepunkt der ersten Geschichte? Ich nehme den mal vorne weg: In Vers 8 heisst es in Lukas 5,8: Als aber Simon Petrus es sah, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sprach: Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch.
Und so ist in der allerersten Geschichte, die Lukas handverlesen in sein Evangelium hineinsetzt, schon das Thema für die nächsten Geschichten vorgegeben. Es geht um Sünde. Es geht darum, wie hier Petrus Sünde erkennt, aber dann auch, wie Jesus mit Sündern, mit diesem ganzen Thema Sünde, umgeht.
Letzter Gedanke noch: Warum gerade die Geschichten bis Ende Lukas 6 zusammengehören? Zum einen, weil sie halt inhaltlich sehr ähnlich sind, und wir merken auch, dass ein Prinzip diese ganzen Geschichten zusammenhält. In der allerersten Geschichte geht es darum, dass Petrus als der Fischer einen Auftrag bekommt: fahre hinaus. Er tut es, und er hat Erfolg.
Wenn ihr jetzt ans Ende unserer Geschichten über Sünde und Umgang mit Sündern und Sünde springt, also ans Ende von Kapitel 6, dann werdet ihr feststellen, dass es da um das Haus auf dem Felsen geht. Und was ist die Kernidee bei dem Haus auf dem Felsen? Jeder, der die Geschichte kennt, weiss: Es ist das Gleiche wie am Anfang in der ersten Geschichte. Es geht auch darum: Tu das, was Jesus sagt. Und wenn du das tun wirst, so wie Petrus in der ersten Geschichte hinausgefahren ist und einen Riesenfischfang gemacht hat, wenn du das Stück für Stück tust, wenn du dein Haus auf den Felsen baust, wenn du dein Leben gründest auf das, was Jesus gesagt hat, dann wirst du Erfolg haben. Und wenn du das nicht tust, dann wird dein Leben im Desaster enden.
Und zwischen diesen beiden Geschichten, die wie so eine Klammer die Geschichten dazwischen zusammenhalten, da begegnen wir Jesus, wie er inmitten eines Volkes, das stolz ist auf eine lange Tradition, stolz ist auf seine, ich habe das jetzt mal so genannt, Experten in Sachen Heiligkeit, wie Jesus da auftritt und einfach in kein Schema hineinpassen möchte. In den Augen der Experten, und das sind natürlich Leute wie die Priester und die Pharisäer und die Gesetzesgelehrten, da wird dieser Jesus zu einem Gotteslästerer. Da wird sein Umgang mit Sündern, das ist viel zu lax, so kann man das überhaupt nicht machen. Und mal ehrlich gesagt: Ja, die Leute, die ihm hinterherrennen, seine sogenannten Jünger, das ist eigentlich in den Augen der Experten nur so eine Bande von Sündern und Ex-Schurken. Die taugen eigentlich gar nichts.
Und so dreht sich Kapitel 5 und Kapitel 6 um den Umgang mit Sünde und Sündern, und ich denke, ich kann jetzt schon sagen, was das Ergebnis, quasi die Quintessenz aus allen diesen Geschichten, sein wird, wo wir ganz am Ende, wenn wir einen Strich drunter ziehen und sagen: Ja, was will uns denn Lukas sagen mit diesen Geschichten? Dann werden wir feststellen, dass etwas ganz Unerhörtes passiert, weil Jesus sich hinstellt und er macht sich selber als Person zum Bezugspunkt, wenn es um das Thema Sünde geht.
Wenn du dich fragst, was richtig und falsch ist, wird Jesus sagen: Das kommt ganz auf mich an. Ich bin der Bezugspunkt in deinem ethischen System. Ich bin derjenige, an dem sich Heiligkeit, Frömmigkeit, richtiges und falsches Verhalten ausrichten muss. Und alles, was du vorher gelernt hast, alles, was du glaubst, dass richtig ist, muss vor mir als dem Hintergrund bestehen können.
Das sind Lukas 5 und 6, und wir werden insgesamt vier Predigten dafür brauchen. Wir starten heute mal mit den ersten drei Kindergeschichten, weil das sind ja diese ganz kleinen Sachen, die normalerweise immer in der Kinderstunde drankommen. Also schauen wir uns mal den Fischzug des Petrus an, Lukas 5,1-11, und ich lese das mal vor. Da heisst es:
Es geschah aber, als die Volksmenge auf ihn andrängte, um das Wort Gottes zu hören, dass er an dem See Genezareth stand. Und er sah zwei Schiffe am See liegen, die Fischer aber waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Er aber stieg in eins der Schiffe, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land hinauszufahren. Und er setzte sich und lehrte die Volksmengen vom Schiff aus.
Als er aber aufhörte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus auf die Tiefe und lasst eure Netze zu einem Fang hinab. Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben uns die ganze Nacht hindurch bemüht und nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich das Netz hinablassen. Und als sie dies getan hatten, umschlossen sie eine grosse Menge Fische, und ihr Netz riss. Und sie winkten ihren Gefährten in dem anderen Schiff, dass sie kämen und ihnen helfen. Und sie kamen, und sie füllten beide Schiffe, so dass sie zu sinken drohten.
Als aber Simon Petrus es sah, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sprach: Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr! Denn Entsetzen hatte ihn erfasst, und alle, die bei ihm waren, über den Fischfang, den sie getan hatten, ebenso aber auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedeus, die Gefährten oder Teilhaber von Simon waren. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fangen. Und da sie die Schiffe ans Land gebracht hatten, verliessen sie alles und folgten ihm nach.

Der Fischer und sein überraschendes Lernen

Die drei Geschichten kriegen von mir die Überschrift: Jesus und die Experten. Und hier ist der erste Experte: Petrus, richtig.
Worin ist Petrus ein Experte? Na ja, wenn es darum geht, Fische zu fangen.
Den Höhepunkt der Geschichte kennen wir schon. Das ist der Moment, in dem Jesus in Vers 8 erleben darf, wie Simon Petrus auf die Knie fällt und sagt: Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr. Denn Entsetzen hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über den Fischfang, den sie getan hatten.
Ganz interessant: Jesus benutzt das Boot von Petrus, um zu predigen, und die Predigt selbst bewirkt bei Petrus gar nichts. Der steht einfach daneben und wäscht halt einfach. Schön, kannst du mein Boot haben, brauche ich gerade nicht, bin ich dabei, gerade hier sauber zu machen, mach ruhig, predige ruhig. Aber da passiert bei ihm gar nichts.
Die Frage ist: Wo beginnt die Revolution im Denken eines Petrus? Und sie beginnt da, wo er die Entscheidung trifft, wo Jesus sagt: Fahre hinaus. Und Petrus lässt sich darauf ein.
Natürlich ist er der Experte. Er weiß, wie man Fische fängt. Und klar, er weiß auch: Am Tag fängt man nichts, und da, wo es tief ist, schon gar nicht, weil da sind die Fische ganz unten. So weit reicht sein Netz gar nicht runter, da kann man nichts fangen. Aber trotzdem, obwohl er nicht damit rechnet, etwas zu fangen, fährt er doch hinaus.
Die Frage ist: Warum? Die Antwort lautet: Na ja, nicht des Profits wegen, sondern weil er, ich sag mal so, ein bisschen Jesus einen Gefallen tun möchte. Es heißt da in Vers 5: Auf dein Wort hin.
Also einfach, weil Jesus es gesagt hat, lässt er sich darauf ein. Und es würde mich nicht wundern, so wie ich Petrus einschätze, dass er so insgeheim dachte: Na komm, das probieren wir mal. Und dann, wenn wir wieder mit leeren Booten nach Hause kommen, dann werde ich diesem Zimmermann Jesus mal was über Fischen beibringen. Also, der hat halt doch noch ein bisschen was zu lernen. Na ja, muss er halt lernen, machen wir es mal, sind wir lieb.
Und dann geschieht das Wunder. Und Petrus wusste ganz genau, dass es ein Wunder war. Warum? Na ja, Petrus ist Experte. Er und seine beiden Teilhaber Jakobus und Johannes packt angesichts der Menge an Fischen einfach das kalte Grausen.
Wir schauen quasi in ihre Boote rein. Da ist ja vorher ein Boot, da ist überall Fisch, und wir denken: Hoffentlich kommen wir damit überhaupt noch nach Hause. Einfach rammelvoll. So viel hatten die wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben gefangen.
Und Petrus ist nicht dumm. Er erfasst sofort, wer ihm in der Person von Jesus von Nazaret da gegenübersteht. Er merkt: Hier passiert etwas, was nicht mehr normal ist. Ich stehe dem Herrn der täglichen Arbeit gegenüber. Ich stehe dem Herrn der Natur gegenüber, dem Herrn aller Fische und dem Herrn aller Fischer.
Und mit einem Mal erfasst er den Kontrast. Und er sieht sich, diesen unbekannten kleinen Fischer aus diesem armseligen Kafarnaum irgendwo am Ende der Welt, vor seinem Herrn stehen. Und Gott, er sieht sich, der eben noch dachte: Gut, dass ich ihm noch mal gesagt habe, dass wir nichts gefangen haben. Ja, nicht, wenn es dann später nicht klappt, dass jemand denken könnte, ich hätte einen Fehler gemacht.
Und mit einem Mal begreift er, wer dieser Jesus ist. Und für mich bedeutet das etwas sehr Schönes. Es heißt, dass wir nicht die heiligen Momente brauchen in unserem Leben, Gottesdienste, eigentlich nicht mal Alphakurse, obwohl ich sehr für Alphakurse bin, um unser Verlorensein vor Gott zu erkennen.
Es reicht ein ganz normaler Arbeitstag, wo uns Jesus begegnet. Ein Tag, wo wir uns vielleicht ganz zögerlich einlassen auf das, was Jesus sagt, und dann mit einem Mal erfassen, dass hinter seinem Wort göttliche Allmacht steht.
Und wer das versteht, was Petrus hier verstanden hat, wer das wirklich verstanden hat, der wird von diesem Moment an nicht mehr einfach nur arbeiten, weil er seinen Lebenserwerb verdienen muss, sondern Sündenerkenntnis, sich selber zu verstehen, wie ich vor Gott dastehe, ist der Startpunkt dafür, mein ganzes Leben, inklusive meines Arbeitslebens, Gott zu geben.
Und es wird noch etwas anderes hier in dieser Geschichte deutlich: Der Gott, der uns segnet, der Gott, der einen Petrus gesegnet hat mit diesem Fischfang, das ist derselbe Gott, der unsere Fähigkeiten, das, was wir haben, was wir sind, in unserer Unterschiedlichkeit, ja, du bist anders als ich, aber der unsere Fähigkeiten nehmen möchte und in seinen Dienst stellen will.
Das heißt, Jesus möchte nicht einfach nur Petrus sagen: So, und von heute an bitte mal mit einer etwas anderen Motivation an Fischen herantreten. Bitte jetzt, wenn du jetzt fischen gehst, machst du das bitte für mich und denkst auch mal vielleicht beim Fischen, ein kurzes Stoßgebet wäre irgendwie ganz nett. Sondern Gott geht einen Schritt weiter.
Er möchte Petrus dazu befähigen, die Erfahrungen, die er im Beruf gemacht hat, zu nutzen für sein Reich. Du wirst jetzt Menschen fischen. Bestimmte Erfahrungen, die so ein Fischer da in seinem Boot mit den Netzen und den Fischen und dem Suchen und mal klappt es und mal klappt es nicht und dem Dranbleiben gemacht hat, sind anscheinend für Jesus so wertvoll, dass er sagt: Weißt du, das ist mit dem Fischen schon eine tolle Sache, das hast du auch gut gelernt. Aber wenn ich mal ganz ehrlich sein möchte, an dieser Stelle sind diese Begabungen und diese Fähigkeiten, die du hast, für mein Reich eigentlich noch viel, viel wertvoller.
Und wir merken hoffentlich an dieser Stelle, wie etwas, was wir gerne auseinanderreißen – hier ist mein Arbeitsleben und hier ist mein geistliches Leben, was auch immer das sein mag – wie das vor Gott zusammengehört. Wie es nicht ein Arbeitsleben und ein geistliches Leben gibt, sondern wie es eine Person gibt, die arbeitet und während sie arbeitet Erfahrungen sammelt, die dann auch wieder für Gott wertvoll sind. Und wie das eine Einheit bildet.
Weil der Messias gekommen ist, arbeiten wir auf sein Wort hin, und wir arbeiten für ihn. Und wir rechnen damit, dass das, was wir im Arbeitsalltag lernen, irgendwo brauchbar ist für sein Reich. Bis an den Punkt, und das kann jetzt hier natürlich ein Sonderpunkt sein, aber bis an den Punkt, wo der Ruf kommen kann, wie hier an Petrus, wo ein Ruf kommt und ein Schritt des Glaubens gefordert wird, aus dem Alltag heraus in einen besonderen Dienst, wo jemand merkt: Jetzt, in diesem Moment, sind meine Gaben und das, was jetzt hier gerade an Möglichkeiten zusammenkommen, das bildet eine Einheit. Jetzt muss ich diesen Schritt gehen, um ganz für Gott da zu sein.
Aber am Anfang steht nicht die theologische Ausbildung, sondern am Anfang steht mein ganz normales Alltagsleben.
Also der erste Experte ist Petrus, und was hat er gelernt? Er hat gelernt, dass Jesus Sünder beruft, die anerkennen, dass sie Sünder sind. Jesus beruft Sünder in seinen Dienst. Er adelt unser Alltagsleben, und er zeigt uns, dass dieses Alltagsleben nicht nur der Sonntag oder der Feiertag ist, sondern jeder einzelne Tag die Wirklichkeit, in der er uns begegnen möchte.
Ich denke immer an diesen Spruch aus den Sprüchen: Auf all deinen Wegen erkenne nur ihn. Das ist mir irgendwann ganz groß geworden, weil ein Freund mir erzählt hat, wie er eben mal nur schnell sein Auto vor dem Bahnhof parkt, um schnell mal eine Zeitung kaufen zu gehen. Blöderweise parkt er da, wo die Taxifahrer normalerweise stehen, und denen passte das gar nicht. Haben ihm dann in die Schlösser so Streichhölzer gesteckt und abgebrochen, bis auf ganz hinten.
Das heißt, er kommt schnell mal wieder raus, sieht alles quasi zu: Du kommst nirgendwo mehr rein, bis auf ganz hinten. Und hinten hatte er eine Riesenladung Bücher drin. Er macht also hinten auf, räumt das alles raus, klettert durch. Kannst dir vorstellen, da stehen dann ganz viele Leute dabei, und macht dann von innen auf.
Und er sagte: Jürgen, in dem Moment, wo ich rauskam, das war die Entscheidung: Auf all deinen Wegen erkenne nur ihn. Bin ich bereit, in diesem Moment, in dieser Situation Gott zu erkennen und aus dieser Situation eine Erfahrung für mich und Gott zu machen? Oder rege ich mich einfach nur auf, schreie, fluche, murre, irgendwas. Das ist die Entscheidung.
Unser Alltag, die einzelnen Minuten, da, wo wir aufstehen, wo wir gefordert sind, heute Morgen, ja, ich will natürlich schnell, oder na ja, die letzten drei Minuten sind immer die, die am schnellsten vorbeigehen, wenn man los will, ja, und ich wollte nur schnell noch was ausdrucken. Nur mein Drucker wollte nicht schnell noch mal was ausdrucken.
Ja, und wenn ich dann schon da stehe, so mit der Zahnbürste noch, und dann höre ich piep, piep, piep, piep, ja, für Papierstau oder sonst irgendwas, dann denke ich mir: Ah, klasse, ja, es ist viertel nach, ich muss los, ja.
Und das sind so die Momente, wo du dann entscheiden kannst, ob du sie als Chancen gebrauchst, um deinen Gott zu erleben, um dich einzulassen auf ihn und so zu reagieren, wie Gott es gesagt hat, und zu merken: Stimmt, Gott hat auch in der Situation Recht, wenn ich nicht murre, nicht anfange, meine Frau herumzuschimpfen oder sonst irgendwas.
Das sind die einzelnen Momente, wo wir Gott erleben können.

Die zweite Begegnung: Reinheit, Nähe und Heilung

Okay, also Petrus, schauen wir uns die nächste Geschichte an: die Heilung eines Aussätzigen.
Und es geschah, als er in einer der Städte war, siehe, da war ein Mann voll Aussatz. Und als er Jesus sah, fiel er auf sein Angesicht, bat ihn und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen. Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will, sei gereinigt. Und sogleich wich der Aussatz von ihm.
Und er gebot ihm, es niemand zu sagen, sondern: Geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. Aber die Rede über ihn verbreitete sich umso mehr. Und große Volksmengen versammelten sich, um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.
Im Gegensatz zu der Sündhaftigkeit eines Petrus musste die Unreinheit eines Aussätzigen nicht offenbar gemacht werden. Sie war schon, wir würden heute sagen, diagnostiziert. Und er war dazu verurteilt, wenn Leute auf ihn zuliefen, zu rufen: Unrein, unrein! Ihr könnt euch vorstellen, was das bedeutet. So jemand war, was soziale Kontakte angeht, ausgeschlossen. Er musste außerhalb der Städte wohnen, konnte unmöglich am Tempelgottesdienst teilnehmen, und es gab sehr strenge, genau festgelegte Regeln, wie jemand, der Aussatz hatte, wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden konnte. Da musste er zu einem Priester gehen, der musste die Heilung bestätigen, und es mussten Opfer geschehen.
Und so jemandem macht Jesus gesund. Und es sind zwei Dinge, die uns an der Stelle natürlich sofort ins Auge fallen. Das eine ist das Mitgefühl, und das andere ist die Macht Jesu, die sich in so einer Geschichte offenbart.
In Vers 13 heißt es: Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will. Das hört sich so simpel an. Na klar, man denkt so ein bisschen vielleicht an Doktor House, ja, da gehen die ja auch immer ständig an die Betten und sagen so: Ich will dich auch mal gesund machen. Aber das war natürlich nicht der Fall. Das war jemand, den man nicht anfasste, mit dem man keinen Kontakt hatte, wo man Angst hatte, sich anzustecken. Es ist nicht so, dass Jesus so mit weißem Kittel reinkommt und sagt: Das wollen wir mal den Kranken untersuchen. Den fasste man nicht an. Du konntest dich anstecken, wenn du ihn angefasst hast.
Und ich kann mir vorstellen, wie die Hand so langsam auf ihn zugeht, und alle halten die Luft an, denken: Jetzt muss er aufhören. Und er fasst ihn wirklich an. Und alle denken: Was macht er da eigentlich? Sei gereinigt. Er heilt ihn. Jesus ist jemand, der Mitgefühl und Macht hat.
Ich denke, wir können aus dieser Geschichte zwei Dinge, zwei ganz grundlegende Dinge über Unreinheit lernen. Und ich möchte etwas tun, was ich gerne an anderer Stelle mal ausführe, warum man das tun darf. Ich möchte sagen, dass Aussatz als eine Krankheit in der Bibel als ein Bild für Sünde im Allgemeinen verwendet wird. Aussatz und Unreinheit, das gehört zusammen. Im Alten Testament gibt es seitenweise Ausführungsvorschriften, wie man mit Aussatz umgehen muss. Und wenn ein Aussätziger ruft: Unrein, unrein!, dann merkt man ja, es stimmt. Hier wird eigentlich bildhaft beschrieben, wie es jedem Menschen mit der Sünde geht.
Deswegen möchte ich das, was hier über den Aussätzigen gesagt ist, auf zwei ganz grundlegende Dinge übertragen und damit auch auf alle Menschen. Das Erste, was ich sagen möchte, ist: Unreinheit oder Sünde braucht mehr als Mitgefühl. Unreinheit und Sünde brauchen Heilung, und zwar deshalb, weil Sünde ansteckend ist. Genau wie in diesem Fall. Meine Sünde, wenn sie nicht geheilt wird, wird andere anstecken. Ich werde mit meiner Sünde, wenn sie nicht geheilt wird, andere Menschen verletzen. Das ist das Problem mit der Sünde. Und deswegen, weil es so ähnlich ist wie beim Aussatz, ist diese enge Verbindung da. Der Aussätzige muss raus. Aber mehr kann an der Stelle nicht geschehen.
Das zweite Prinzip lautet: Jesus schickt den Geheilten wohin? Er schickt ihn zum Priester. Warum macht er das? Na ja, man könnte sagen, das gehört halt dazu. Steht aber nicht da. Lukas sagt extra, dass der Geheilte – ich lese mal Vers 14 – und er gebot ihm, es niemand zu sagen, sondern: Geh hin, zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. Ganz interessant. Jesus sagt: Geh nach Jerusalem, mach all das, was ansteht. Du musst dich dem Priester zeigen, musst da eine Weile noch untersucht werden, bring die Opfer. Aber er sagt auch: ihnen zum Zeugnis.
Das bedeutet, dieser Mann, der geheilt ist, macht sich auf den Weg nach Jerusalem. Was passiert denn da? Na ja, der geht in den Tempel und sagt: Ich bin rein. Und der Priester, der das vielleicht noch nie in seinem Leben erlebt hat, dass ein Aussätziger wieder rein geworden ist, sagt: Hä, noch nie. Was macht man jetzt? Man muss mal gleich nachlesen, Handbuch für Reinigung von Aussätzigen.
Die Botschaft, die Jesus durch diesen Mann nach Jerusalem schickt, ist: Hier ist einer, der die Unreinen rein macht. Und ihr könnt euch vorstellen, es gab viele Unreine, und Jesus hat viele Leute geheilt. Da kamen ab einem bestimmten Zeitpunkt wahrscheinlich täglich Leute in den Tempel und haben gesagt: Wir sind wieder hier, also gehören auch zu denen, die jetzt rein sind. Also wir können jetzt anfangen. Hier untersucht uns, schaut, ob ihr doch irgendwo Flecken findet. Ja, wir sind rein.
Und immer wieder stellen natürlich die Priester die Frage: Sag mal, wie bist du denn rein geworden? Und die Antwort lautet: Na ja, durch Jesus. Und damit passiert, was Paulus in Römer 8 so ausdrückt. Paulus schreibt: Was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch kraftlos war, das tat Gott. Und das tut er bis heute.
Das Gesetz kann Unreinheit und Sünde aufdecken. Ich kann dir die Gebote hinstellen und sagen, das ist falsch. Ich kann Regeln entwerfen, wie wir, weil wir Sünder sind, miteinander leben können. Ich kann so eine Art Quarantänemaßnahmen erstellen, wo ich weiß, wo ich dich hinstecke, wenn du so einer bist. Ich kann Gefängnisse bauen, damit die ganz üblen Burschen da irgendwie weggeschlossen werden. Aber das Gesetz kann nicht heilen. Das Gesetz kann Sünde aufdecken. Es kann mir zeigen, dass ich unrein bin. Es kann mich an den Punkt bringen, wo ich durchs Leben gehe und sage: Unrein, hab bloß nichts mit mir zu tun, ich werde dich mit meiner Sünde, ich werde dich mit meinem Charakter nur infizieren. Das Gesetz kann nicht heilen, dazu braucht es Gottes Sohn.
Deswegen ist der zweite Experte hier die Priesterschaft, und die Erfahrung, die sie mit diesem Jesus macht, ist die, dass Jesus eine Macht hat, die ihre eigene Macht übersteigt, dass Jesus ein Mittel hat, um Unreinheit und Sünde zu heilen.
Dann heißt es in Vers 16: Er aber zog sich zurück und war in einsamen Gegenden und betete. Das ist jetzt nicht unser Thema für heute, eigentlich nur eine Randbemerkung, aber es ist eine wichtige Randbemerkung. Möchtest du einen effektiven Dienst an sündigen Menschen tun? Möchtest du das tun? Dann vergiss bitte eines nicht: Es gibt wichtige Dinge. Wir sollen evangelisieren, wir sollen predigen, wir sollen Geld verdienen, wir sollen unsere Kinder vernünftig großziehen, das ist alles wichtig. Aber mittendrin, quasi als das Geheimnis eines echten, tiefen geistlichen Lebens, mittendrin brauchst du Momente der Einsamkeit.
Ich weiß nicht, ob diese Lektion bei euch in eurem Leben umgesetzt ist. Ich will es noch einmal sagen: Wir müssen arbeiten für Gott, egal ob wir Fische fangen oder Aussätzige gesund machen, egal ob wir an irgendeiner Stelle im Reich Gottes dienen, einen ABC-Club wieder aufbauen oder eine Bücherei oder einfach nur zur Arbeit gehen. Wir müssen arbeiten. Aber letztendlich liegt die Qualität unseres geistlichen Lebens, liegt das Geheimnis echten, tiefen geistlichen Lebens in den Stunden, die wir betend, nachdenkend, gerne singend – ja, ich bin jetzt nicht der Singer vor dem Herrn, ich gebe zu, das Singen ist in den Stunden bei mir eher wenig ausgeprägt – die wir alleine, ohne dass wir eine Agenda haben, ohne einen Gebetsplan, den wir durchbeten, auch das hat seinen Platz, aber die wir alleine mit Gott verbringen, wo wir still werden vor ihm, wo wir es zulassen, dass er uns zum Allerwichtigsten unseres Lebens wird, wo uns mal nichts ablenkt.
Und das ist faszinierend hier. Jesus hätte in der Zeit, wo er sich zurückgezogen hat, Menschen heilen können. Ist euch das klar? Er zieht sich zurück, und Menschen werden nicht gesund. Aussätzige bleiben unrein, weil Jesus sich zurückzieht und betet. Und die Botschaft, die Lukas nur einstreut, ist die, dass Jesus sich nicht vom Allerwichtigsten seines Lebens abbringen lässt, nämlich von seiner Kraftquelle.
Und die Kraftquelle im Leben Jesu wie auch in unserem Leben ist nicht die Begeisterung der Massen, ist nicht der Erfolg im Dienst an Kranken, ist auch nicht die Freude an einer gelungenen Predigt. Das sind alles schöne Dinge. Aber die Kraftquelle eines echten, tiefen geistlichen Lebens, das ist, glaube ich, die einzige Kraftquelle, die uns durchträgt: die Stille, das Alleinsein mit Gott im Gebet.
Und ich wünsche euch das, dass ihr das versteht. Es hat mich in meinem Christsein fast zwanzig Jahre gekostet, das wirklich zu verstehen und zu sagen: Es gibt wenig Momente in meiner Arbeitswoche, die für mich beglückender sind, als wenn ich eine Stunde Zeit habe und ich muss sie mir rausschneiden, die ergibt sich nie von alleine, wenn ich eine Stunde Zeit habe, im Wald mit Gott. Es sind die Momente, wo meine Seele zur Ruhe kommt, wo ich durchatmen kann, wo ich so innerlich durchgepustet werde, wo ich mich neu ausrichten kann, wo ich irgendwie merke, jetzt kriege ich wieder ein Stück Klarheit, wo meine Sorgen abgegeben sind und wo ich im eigentlichen Sinne Beziehung mit Gott lebe.
Wenn man so will, ist es das geistliche Gegenstück zum Eheabend. Ja, Eheabend heißt, ich habe nur Augen und Ohren und Gespräch mit meiner Frau, Kerzchen, Rotwein und guten Käse, ja, und das Gegenstück dazu ist, wenn ich alleine mit Gott im Wald bin.
Und nur das bereitet uns auf die Herausforderung des Lebens vor.

Die dritte Begegnung: Autorität, Vergebung und neues Leben

Schaut euch an, wie die nächste Geschichte weitergeht. Ich will sie gerade vorlesen, und wir werden dann nur zwei, drei kurze Sachen dazu sagen.
Ab Vers 17:
Und es geschah an einem Tag, dass er lehrte, und es saßen da Pharisäer und Gesetzeslehrer, die aus jedem Dorf von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren. Wir haben es hier mit einer Untersuchungskommission zu tun, ja, von überall her kamen die Leute. Diesen Jesus schauen wir uns mal ein bisschen genauer an. Dem fühlen wir mal so ein bisschen auf den Zahn. Da schauen wir mal, was an dem wirklich dran ist. Und des Herrn Kraft war da, um zu heilen.
Und siehe, Männer bringen auf einem Bett einen Menschen, der gelähmt war. Und sie suchten ihn hineinzubringen und vor ihn zu legen. Aber da saßen ja all diese Gesetzesgelehrten und die Pharisäer. Und da sie nicht fanden, auf welchem Weg sie ihn hineinbringen sollten wegen der Volksmenge, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn durch die Ziegel hinab mit dem Bett in die Mitte vor Jesus.
Und als er ihren Glauben sah, sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben.
Und die Schriftgelehrten und die Pharisäer fingen an zu überlegen und sagten: Wer ist dieser, der solche Lästerungen redet? Wer kann Sünden vergeben, außer Gott allein?
Als aber Jesus ihre Überlegungen erkannte, antwortete und sprach er zu ihnen: Was überlegt ihr in euren Herzen? Was ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Antwort: Na ja, jemandem einfach nur zu sagen: Dir werden deine Sünden vergeben, ist natürlich leicht. Da sieht man ja nichts, kostet dich ja nichts, kannst ja jedem sagen.
Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf und nimm dein Bett auf und geh nach Hause.
Und sogleich stand er vor ihnen auf, nahm auf, worauf er gelegen hatte, und ging hin in sein Haus und verherrlichte Gott. Und Staunen ergriff alle, und sie verherrlichten Gott und wurden mit Furcht erfüllt und sprachen: Wir haben heute außerordentliche Dinge gesehen.
Also die letzte Gruppe von Experten, das sind die Pharisäer und die Schriftgelehrten. Und die Frage ist: Was lernen sie hier von Jesus? Vielleicht erst mal: Was lernen sie nicht?
Sie lernen nicht, dass Gott ein vergebender Gott ist. Das ist nicht die Botschaft dieser Geschichte, dass Gott Sünde vergibt. Das ist, ich lese mal an einer Stelle im Alten Testament, wo in Psalm 32 David ganz begeistert genau das sagt: Gott ist ein vergebender Gott.
 Psalm 32,1: Glücklich der, dem Übertretung vergeben, dem Sünde zugedeckt ist. Glücklich der Mensch, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet.
Also das wussten sie, dass Gott ein vergebender Gott ist. Aber das, was sie lernen, hat direkt mit Jesus zu tun. Ich lese nochmal Vers 20 und 21:
Und als er ihren Glauben sah, sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben. Und die Schriftgelehrten und die Pharisäer fingen an zu überlegen und sagten: Wer ist dieser, der solche Lästerungen redet? Wer kann Sünden vergeben, außer Gott allein?
Die Gesetzesgelehrten hätten gar kein Problem damit, wenn Jesus gesagt hätte: Du, ich spreche dir im Namen Gottes Vergebung zu. Sowas, ja, also das wäre völlig okay gewesen. Das Problem taucht da auf, wo Jesus sagt: Ich vergebe dir, und sich damit auf eine Stufe mit Gott selbst stellt. Und dann noch einen Schritt weiter geht und durch das Wunder, das er tut, beweist, dass der Sohn des Menschen tatsächlich Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben.
Was bringt uns diese Geschichte zum Thema Sünde? Na ja, es ist relativ naheliegend, oder? Mit Jesus erleben wir eine neue Qualität von Vergebung, eine neue Qualität von Sündenvergebung, die jeden Rahmen sprengt. Wir haben das Alte Testament, wir haben Opfer, wir haben Tiere, die geschlachtet werden, und jetzt kommt Jesus, und er vergibt direkt durch sein Wort. Und es ist sogar noch mehr.
Im Hebräerbrief werden die beiden Arten der Vergebung gegenübergehalten oder gegenübergestellt. Da heißt es in Hebräer 10 am Anfang: „Denn da das Gesetz einen Schatten der zukünftigen Dinge, nicht der Dinge Ebenbild hat, so kann es niemals mit denselben Schlachtopfern, die sie alljährlich bringen, die Hinzunahenden für immer vollkommen machen.“
Die Opfer des Alten Testaments, die können vielleicht Sünde zudecken, die können dir ein gutes Gefühl geben, aber sie machen dich nicht wirklich für immer vollkommen. Und dann heißt es im gleichen Kapitel über das Opfer Jesu: „Denn mit einem Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht.“
Also die Opfer des Alten Testaments können dich nicht vollkommen machen. Sie können dir einen Sinn dafür geben, dass du Sünder bist. Sie können ein Hinweiszeichen auf Jesus sein. Aber das eigentliche vollkommene Opfer, das bringt Jesus. Eine Vergebung, die völlig ist oder die so vollkommen ist, dass Gott nie wieder an unsere Sünden und Gesetzlosigkeiten denken wird.
Und deswegen haben die Gesetzeslehrer aus ihrer Sicht auch Recht, wenn sie Jesus der Gotteslästerung bezichtigen. Das, was er hier tut, sprengt tatsächlich ihre Vorstellungskraft. Wie kann ein Mensch sich hinstellen und Sünden vergeben? Das geht doch gar nicht. Na, stimmt, das geht auch nicht. Wenn Jesus nur Mensch wäre, würde das nicht gehen. Aber Jesus ist mehr als Mensch, und sie machen als die Experten die Erfahrung, dass Jesus Sünden vergibt und seinen Anspruch durch ein Wunder unterstreicht.
Fassen wir das zusammen, die drei Geschichten:
Jesus ist der, der Menschen dazu bringt, erste Geschichte, ihre Sündhaftigkeit zu erkennen und den reuigen Sünder in seine Nachfolge beruft.
Jesus ist in der zweiten Geschichte der, der Unreinheit, der Sünde heilen kann und der geheilte Menschen als ein Zeugnis in eine Welt hineinschickt, wo in diesem Fall sogar das religiöse Establishment ungläubig war.
Dritte Geschichte: Jesus ist der, der, wenn er Glauben sieht, Sünde vollständig vergibt und einen Lahmen dazu bringt, dass er wieder laufen kann.
Und vielleicht stellt ihr euch, wenn ihr das so hört, die Frage: Woher weiß ich, dass mir meine Sünden vergeben sind? Und der Lahme ist die Antwort. So wie der Lahme wieder laufen kann, weil ihm die Sünden vergeben sind, so kann ein Mensch, dem die Sünden vergeben sind, so soll ein Mensch, dem die Sünden vergeben sind, in Neuheit des Lebens wandeln.
Du möchtest wissen, dass ein Mensch wirklich Sündenvergebung erfahren hat? Schau dir sein Leben an. Er wird nicht bleiben, wie er ist. Er wird anders werden. Er wird Dinge tun, die er vorher nicht tun konnte. Er wird eine andere Qualität von Leben leben.
Mit Jesus ist eine neue Ära angebrochen. Hier steht einer, der für alte Probleme eine neue Antwort hat. Hier ist einer, der für richtige Sünder eine richtig gute Botschaft hat. Hier ist einer, der dich berufen will, obwohl du ein Sünder bist, einer, der dich gesund machen will, obwohl du wie dieser Aussätzliche durch und durch verdorben bist, und hier ist einer, der dir die Kraft schenken möchte für einen Neuanfang, wenn er deinen Glauben sieht.
Das ist Jesus.
Und vielleicht sagst du: Aber wie sieht das praktisch aus? Das klingt so gut, aber wie kann das praktisch im Leben eines Menschen umgesetzt werden?
Und wenn dich die Frage interessiert, dann sehen wir uns in zwei Wochen wieder, weil die nächste Geschichte uns am Beispiel eines Matthäus zeigt, wie aus einem korrupten Zöllner ein berufener Apostel wird. Und das ist doch schon was! Und wir werden uns dann in zwei Wochen anschauen, wie Jesus durch Berufung, Heilung und Vergebung einen Menschen radikal verändert.
Amen!

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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