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Planänderung. Danken, wenn Gott "Nein" sagt?

Kein Tempel zu Davids Zeiten (2. Samuel 7)
2. Samuel 709.08.2026
SerieTeil 2 / 3David - Von der Herde zur Herrschaft
Du hast einen Plan gemacht, Zeit investiert, gebetet und andere begeistert – und dann kommt alles anders. Nicht unbedingt, weil dein Plan falsch war, sondern weil Gott „Nein“ sagt. Was tun wir, wenn unsere guten Pläne nicht Gottes Pläne sind?

Wenn Pläne zerbrechen und Gott anders führt

Wir alle miteinander haben schon einmal Pläne gemacht. Und wenn es bedeutende Dinge sind, die uns da vor Augen stehen, dann haben wir dafür Zeit investiert. Wir haben gebetet, vielleicht auch andere dafür begeistert. Aber wir haben vielleicht auch die Erfahrung gemacht, dass am Ende doch alles anders wird, dass dieser Plan nicht vollzogen wird. Das ist gar nicht unbedingt dann der Fall, wenn das verkehrt gewesen ist oder vielleicht ein dummer Plan gewesen wäre, sondern Gott hat ganz einfach Nein gesagt. Was tun wir dann?
Nun, in der Corona-Zeit war das so: Von den damals 33 geplanten Einsätzen mit dem mobilen Treffpunkt sind 21 ausgefallen. Und das ist schon ein bisschen frustrierend, wenn man vorher geplant hat und eben für Menschen in einer Stadt einen Ort gebetet hat, die einem am Herzen lag, und man eine Möglichkeit gesehen hat, ihnen das Evangelium zu sagen, und dann wird nichts draus. Die Mitarbeiter der Amazelb Mission mussten damals zum Teil in Kurzarbeit gehen und waren so zu einer Pause gezwungen, zum Teil zu einer kreativen Pause gezwungen.
Dem einen oder anderen von uns mag es so wie David ergangen sein oder vielleicht auch in der Gegenwart ergehen, wie wir lesen in 2. Samuel 7. Da lese ich uns mal so die ersten anderthalb Verse vor. Da lesen wir: Und es geschah, als der König in seinem Haus wohnte und der Herr ihm ringsumher Ruhe verschafft hatte vor allen seinen Feinden, da sagte der König ...
Wir wissen ja von David, dass er in eine Menge unterschiedlicher Kriege verwickelt war. Die letzte Schlacht hier war in Kapitel fünf, die nächste wird in Kapitel acht sein. Aber hier gibt es so etwas wie ein Zwischenspiel, ruhig und friedlich. So wie die Bridge in einem Lied. Das kennt ihr aus Musikstücken: So eine Bridge verbindet das Thema einer Strophe mit der nächsten, also eine Pause in der Mitte eines Musikstückes, um dann zu einem eindrucksvollen Finale anzusetzen.
Und so sehe ich König David in dieser Phase. Und vielleicht hast du Ähnliches in den jetzt abgelaufenen Ferien erlebt oder in der Urlaubszeit, wo ja auch wir einmal eine hoffentlich etwas ruhigere Phase erlebt haben, ein wenig Erholung gesucht und gefunden haben, eine Zeit, in der es nicht so stressig war wie im Alltag sonst. Ruhige Zeiten sind geeignet, einmal durchzuatmen, auch nachzudenken und vorzuplanen.
Wenn ich Urlaub hinter mir habe – mein letzter Urlaubstag war jetzt am Freitag, gestern habe ich dann wieder eine Trauung gehabt, was sehr schön war, heute ist es schön, hier zu sein – aber vorher hatten wir wunderbare Familienzeiten, haben eine Reise gemacht nach Holland. Und wenn ich so einen Urlaub hinter mir habe, dann überkommt mich oft am Ende so die Kreativität. Ich könnte glatt wieder mal ein Buch schreiben. Manchmal tue ich das sogar. Manchmal lese ich auch nur eins, aber immerhin.
In den Zwischenspielen des Lebens werden manche Träume geweckt und werden Ziele neu gesteckt. Und viele haben in einer ruhigen Lebensphase festgestellt, welche Berufung Gott für sie vorgesehen hat. Das geschieht ganz häufig auf einer Freizeit. Da sind ja auch andere Bundesländer, haben ja noch Ferien, immer noch einige in Gange, und wir sollten darum beten, dass Gott zu jungen Leuten, aber nicht nur zu ihnen, auch zu Familien, zu Älteren redet während einer Freizeit und sie neu beruft, zu einem Dienst herausfordert.
Oder bei anderen mag es während der Bibelschulzeit so gewesen sein. Und vielleicht ist es auch innerhalb deiner eigenen vier Wände passiert, dass du beim Blättern in der Bibel, in seinem Wort, wenn du deine stille Zeit gemacht hast, bei einem Gedanken gelandet bist, der dir plötzlich wichtig erschienen ist, wo Gott in dein Leben hineingeredet hat und du hast gesagt: Dafür will ich mich einsetzen. Das ist das, was Gott jetzt von mir erwartet, da möchte ich mit seiner Hilfe hin.
In den Zwischenspielen des Lebens ereignet sich so etwas. Und manchmal ist der Traum von Gott, und manchmal ist er es nicht. Und oft ist es schwer, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ein guter Gedanke, der noch nicht Gottes letzter Wille ist

Ich lese mal weiter: 2. Samuel, Kapitel 7.
Da sagte der König zum Propheten Nathan: Siehe doch, ich wohne in einem Haus von Zedern, während die Lade Gottes in einem Zelt wohnt. Und Nathan sagte zu dem König: Geh hin, tu alles, was du im Herzen hast, denn der Herr ist mit dir.
David sitzt in seinem mit Zedernholz getäfelten Oval Office, und er denkt nach. Er fängt an zu träumen. Dann redet er mit einem Freund, einem prophetischen Ratgeber. Er redet mit Nathan über diese Ideen, diese Träume, die er hat.
Am zwanzigsten September zweitausendsechs habe ich einen Freund zum Essen eingeladen, ins Hotel Schwan in Dillenburg. Boris Paschke und ich haben zusammen an der Freien Theologischen Akademie studiert und waren jetzt beide im Dienst. Ich erzählte ihm von der Idee eines wöchentlichen Jugendgottesdienstes bei uns in Dillenburg. Als Boris zu verstehen gab: „Gefällt mir“, wie man das bei Facebook immer noch sagt, da war das quasi die Geburtsstunde des Sonntagabendtreffs in Dillenburg. Und auch Nathan klickt sozusagen „Gefällt mir“ an. Wir würden sagen: Das ist doch ein guter Freund, einer, der den anderen ermutigt. Gute Freunde bauen einander auf. Und so sagt Nathan: Tu alles, was du im Herzen hast. Ich bestätige, dass das ein guter Gedanke ist. Und das hört man doch gerne von einem Vertrauten.
Nun, was genau hat denn David in seinem Herzen? Nun, ich würde sagen: aufrichtige Liebe zum Herrn. Gerade in der ersten Phase seines Königtums oder überhaupt in seiner ersten Lebensphase, die uns im ersten Buch Samuel und jetzt zu Beginn des zweiten Buches geschildert wird. Da kommt seine Treue, seine Hingabe gegenüber Gott so stark zum Ausdruck. Auch in den späteren Jahren, auch wenn es da immer turbulenter wurde. David war ein Mann Gottes, und er liebte seinen Herrn. Er ist zu vollem Einsatz für ihn bereit.
Das hat sich auch schon gezeigt, als er die Bundeslade mit den Gesetzestafeln von Vater Mose, mit allem Drum und Dran, nach Jerusalem geholt hat. Das wird uns im vorherigen Kapitel, in Kapitel 6, geschildert. Somit war Jerusalem zunächst einmal die politische Hauptstadt geworden, und jetzt sollte es eben auch die geistliche Hauptstadt werden. Also die Stadt, in der der Tempel gebaut werden sollte, in der Gott angebetet werden sollte in der Welt.
Ja, David beunruhigte es, dass Gott sozusagen immer noch bei Sturm und Regen zeltet, während er, der König, oben im Turm seiner Residenz sitzt. Nun hatte Gott zwar nie in einem festen Haus gewohnt, David aber ist entschlossen, das zu ändern.
Ist das ein etwas menschlicher Gedanke, vielleicht sogar primitiv, Gott ein Haus, eine Immobilie anzubieten? Also ein Gemäuer für einen Gott, der doch eigentlich außerhalb der Schöpfung existiert, in seiner ewigen Herrlichkeit? Ist ja nicht so, dass Gott wohnungslos wäre.
In Jesaja, Kapitel 66, Vers 1, lesen wir: So spricht der Herr: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße. Wo wäre denn das Haus, das ihr mir bauen könntet, und wo denn der Ort meines Ruhesitzes? Also was könnt ihr mir, Gott, der ich den Himmel und die Erde bewohne, was könnt ihr mir schon anbieten?
Ja, der Himmel ist Gottes Hauptregierungssitz. Aber so wie Ludwig der Zweite, König von Bayern, gleich drei Schlösser baute und auch nach und nach bewohnte, könnte Gott doch auch zumindest eine Residenz hier auf Erden haben. Eine Wohnung bei den Menschen, das ist ein guter Gedanke, ein geistlicher Gedanke, ein Gedanke, der mit Leidenschaft ausgebrütet worden war: eine Wohnung bei den Menschen.
Wenn zwei in eine Bude ziehen, also beieinander wohnen wollen, und hoffentlich haben sie vorher geheiratet – das war denen, die ich gestern trauen durfte, durchaus wichtig: erst nach der Ehe zusammen zu leben –, dann heißt es, dass sie eins geworden sind und ihr Leben teilen. Und wenn David überlegt, wenn Jahwe zu uns ziehen würde, dann wünscht er sich diese intensive Gemeinschaft mit Gott. Er hat den Wunsch, Gott nahe zu sein.

Gottes Antwort: größer, weiter, tiefer

Nun sehen wir uns die Reaktion Gottes an, die er noch in derselben Nacht dem Nathan mitteilt, und zwar immer noch aus 2. Samuel 7. Da lesen wir jetzt den weiteren Abschnitt ab Vers 4:
 2. Samuel 7,4
Und es geschah in jener Nacht, da geschah das Wort des Herrn zu Nathan: Geh hin und sage zu meinem Knecht, zu David: So spricht der Herr: Du willst mir ein Haus bauen als Wohnung für mich? Wahrhaftig, nie habe ich in einem Haus gewohnt, von dem Tag an, da ich die Söhne Israel aus Ägypten herausgeführt habe, bis zum heutigen Tag, sondern ich bin umhergezogen in Zelt und Wohnung. In der ganzen Zeit, in der ich unter allen Söhnen Israels umhergezogen bin, habe ich da jemals zu einem der Stämme Israels, dem ich gebot, mein Volk Israel zu weiden, ein Wort geredet und gesagt: Warum habt ihr mir nicht ein Haus aus Zedern gebaut?
Und nun sollst du zu meinem Knecht David sagen: So spricht der Herr der Heerscharen: Ich selbst habe dich von der Weide genommen, hinter der Schafherde weg, dass du Fürst sein solltest über mein Volk, über Israel. Und ich bin mit dir gewesen überall, wohin du gegangen bist, und ich habe alle deine Feinde vor dir ausgerottet. Und ich mache dir einen großen Namen, gleich dem Namen der Großen, die auf Erden sind.
In Vers 11 am Ende heißt es: So verkündigt dir nun der Herr, dass der Herr dir ein Haus machen wird. Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern gelegt hast, dann werde ich deinen Nachwuchs, der aus deinem Leib kommt, nach dir aufstehen lassen und werde sein Königtum festigen. Der wird meinem Namen ein Haus bauen.
Und in Vers 16 heißt es: Das Haus aber und dein Königtum sollen vor dir Bestand haben, für ewig dein Thron soll feststehen, für ewig.
Das ist eine umfangreiche Nachricht, die ich gar nicht komplett vorgelesen habe, und eine Nachricht, die David erst einmal verdauen muss. Am Tag vorher sagte Nathan: Der Herr ist mit dir, David, setz deine Pläne um. Und jetzt, Stunden später, hört Nathan Gott sagen: Kommt nicht in Frage.
Da müssen wir die Frage stellen: Was ist das für ein Prophet Nathan? Ist er ein falscher Prophet? Ist das vielleicht einer, der so einen Beratervertrag mit eingebauter Zustimmungsgarantie beim König hat? Will er David vielleicht schmeicheln, indem er bestätigt: Das war aber eine gute Idee? Ist er ein Wendehals?
Nein. So kennen wir Nathan nicht. An anderer Stelle hat er sehr wohl, als es um den Ehebruch mit Bathseba geht, sehr deutliche Worte von Gott an David gerichtet. Ich würde sagen, Nathan hatte es zuvor ganz einfach versäumt, Gott zu fragen. Er war zu vorschnell mit seiner Antwort.
Und wenn wir um Rat gefragt werden, dann sind das oft die, die schon ein bisschen angegraute Haare haben. Da kommen manchmal junge Leute, und ich freue mich darüber, wenn junge Leute sagen: Ich habe mal eine Frage, kannst du mir einen Rat geben? Wenn wir gefragt werden, dann sollten wir nicht verzweifelt nach einer Antwort suchen, bevor wir Gott gesucht haben. Und in manchem Fall sollten wir uns vielleicht noch einmal einen Tag oder sogar mehrere Tage erbitten, damit wir darüber beten können, wenn es um bedeutende Entscheidungen geht. Dass wir zunächst einmal aus der Nähe Gottes uns die Weisheit und Sicht für die Situation schenken lassen, bevor wir gedankenlos auf Gefällt mir klicken.
Die Idee Davids war ein wunderbarer Plan, aber es war nicht Gottes Plan. Welch eine Enttäuschung! David wollte Gott ehren, er wollte Großes für Gott tun. Und fragen wir uns: Sind denn die Überlegungen falsch gewesen, die David hatte? Oder sind manche unserer Pläne verkehrt, wenn nichts daraus wird? Nicht unbedingt. In Davids Fall bestätigt Gott, dass die Idee gut ist und dass sie auch umgesetzt werden wird, Vers 12. Wenn du dich zu deinen Vätern gelegt hast, dann werde ich deine Nachkommen nach dir aufstehen lassen, werde sein Königtum festigen, und der wird meinem Namen ein Haus bauen.
Also, David, dein Tempel wird gebaut durch deine Nachkommen, dein Nachfolger auf dem Thron, nicht durch deine Anstrengungen, sondern durch die deines Sohnes wird der Traum Wirklichkeit werden.
Wenn Gott Nein sagt oder auch Noch nicht, das ist ja eigentlich hier eher ein Noch nicht, dann muss das nicht Ablehnung bedeuten. Von Heiko Hagemann weiß ich, der Leiter von Ethnos 360, früher New Tribes Mission, das macht er seit vielen, vielen Jahren. In jungen Jahren hatten wir einiges miteinander zu tun und haben viele gute Gespräche geführt. Und ich weiß von Heiko, dass er Anfang der 90er Jahre nach Russland in die Mission gehen wollte. Er und seine Frau haben angefangen, Russisch zu lernen und sich eben auf eine Aussendung vorzubereiten. Aber Gott hatte andere Pläne.
Von Benedikt Peters, dem Schweizer Bibellehrer, den sicherlich viele von euch kennen, weiß ich, dass er nach Pakistan wollte. Aber Gott hatte andere Pläne.
Von Paulus weiß ich, dass er nach Asien reisen wollte, Apostelgeschichte 16. Aber Gott hatte andere Pläne. Er lenkt ihn um, bis er dann am Zipfel von Asien nach Europa hinüberschauen konnte und Gott ihn dann nach Philippi und andere Städte sandte, um das Evangelium auf unserem Kontinent auszubreiten.
Von Christen in Birkenfeld weiß ich, dass sie 2020 eine Zeltevangelisation durchführen wollten. Wir waren weit in den Planungen, noch im Jahr davor. Aber Gott hatte andere Pläne, und es waren gute Pläne.
 Jesaja 55,8: Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr.
Das ist ein Vers, der uns bewusst ist, der uns aber dann schwerfällt einzusehen, wenn es konkret um eine Entscheidung geht oder eine Absicht, die wir verfolgen. Aber seine Wege sind höher als unsere Wege, das wollen wir immer anerkennen. Und immer auch diese Flexibilität haben, zu sagen: Herr, nicht mein Wille, sondern dein Wille soll geschehen. Darin ist der Herr Jesus uns ein großes Vorbild gewesen.

Dankbarkeit statt Trotz

Wie reagiert David? Er hat also Gottes Nein vernommen. Ist er jetzt beleidigt? Ist er gekränkt? Sagt er trotzig: Trotzdem, wie so ein kleines Kind, komm, mach schon, oder so, sei kein Spielverderber?
Keineswegs. Da ging der König hinein und setzte sich vor dem Herrn nieder, so lesen wir dann in Vers 18. Er ging hinein. Er tat das, was Jesus sagt: Geh in deine Kammer, schließ die Tür hinter dir zu. Ja, er nimmt sich die Zeit. Wenn ich mich hinsetze, ja, wir reden hinterher vielleicht noch etwas. Und wenn wir dann irgendwann sagen: Komm, lass uns mal setzen, dann heißt es: Komm, lass uns mal ein bisschen Zeit nehmen. Und so möchte David mit Gott reden und seine Gemeinschaft wieder aufsuchen.
Wir lesen mal die Verse 18 und 19: Da ging der König David hinein, er setzte sich vor dem Herrn nieder und sagte: Wer bin ich, Herr, Herr, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher gebracht hast? Und das war noch zu gering in deinen Augen, Herr, Herr, und du hast sogar über das Haus deines Knechtes auf ferne Zukunft geredet und dies als Weisung für Menschen, Herr, Herr, oder Herr Jahwe.
Wer bin ich?, fragt David. Von einem einfachen Hirtenjungen war er zum König gekrönt worden. Welch eine Gnade! Weißt du, statt die Brocken hinzuwerfen, lass uns doch einmal einen Blick auf unser eigenes Leben, auf unsere Umstände werfen. Wer bin ich, was ist mein Haus, dass wir weitestgehend gesund sein dürfen? Wer bin ich, dass ich mein finanzielles Auskommen habe? Und vor allem: Wer bin ich, dass ich den Herrn Jesus Christus kennen darf? Als meinen persönlichen Herrn und Heiland, dass ich errettet bin für Zeit und Ewigkeit, wie wir uns heute Morgen daran erinnert haben. Wer bin ich?
Traum hin, Traum her, sagt David, ich bin ein gesegneter Mann. Er ist dankbar, betet Gott an, trotz dieses frustrierenden Dämpfers.
Wofür danken wir? Jetzt rede ich nicht von dem Dank, den wir unseren Kindern beibringen und der auch uns beigebracht worden ist. Ich weiß ja nicht, ob deine Mutter war wie meine: Sobald uns jemand ein Stück Schokolade gab, haben wir ihren Ellbogen gespürt. Sag Danke! Was sagt man so? Selbst wenn es zerbittert war. Als wir fünf Jahre alt waren, haben wir als Kinder bereits etwa hunderttausendmal Danke gesagt. Aber Dank bleibt eine Formsache, wenn er nicht aufrichtig aus unserem Herzen kommt. Das kann einfach nur eine Gewohnheit sein, so eine anerzogene Floskel, zu danken.
Viele unserer Gebete beginnen mit: Danke, Herr Jesus. Ist das dann immer wirklich dieser Dank aus dem Herzen, wo wir uns hinsetzen, wie David vor Gott kommen und uns bewusst machen, wie reich beschenkt wir eigentlich sind?
Ich lege im Dienst für Gott monatlich oft zwischen ein- und zweitausend Kilometer auf bundesdeutschen Autobahnen zurück. Was ich nicht haben kann, sind Ampeln und Baustellen, also rote Ampeln. Ich glaube, wenn es im alten Ägypten schon Autos gegeben hätte, hätten Staus zu den zehn Plagen gehört. Wenn ich mal die Fassung verliere, dann hinterm Steuer. Ich habe mal an einem Winterwochenende 22 Stunden in meinem Auto verbracht. Die Autobahn war vereist, und auch über Land ging nichts mehr. 22 Stunden! Da steigt der Blutdruck, und die Segnungen Gottes fallen dann ganz schnell hinten runter. Da ist von Dankbarkeit wenig zu spüren.
Aber sollten wir nicht von David lernen und von heute an mal generell unsere Dankbarkeit ein wenig weiterentwickeln? Als junger Christ hat man uns beigebracht: Sag Danke. Ich würde sagen, das ist so eine Art Grundschuldankbarkeit. Aber so in der Grundschule, da wird einem das zunächst mal beigebracht als theoretisches Wissen, das man behalten soll: Sag Danke. Und das bedeutet: Gut, Gott, ich bin heil nach Hause gekommen, super, danke schön, nach einer Autofahrt oder so.
Die Oberstufendankbarkeit orientiert sich an Paulus. In 1. Thessalonicher 5,18 sagt er: „In allem Dank, denn dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“ In jeder Situation kannst du etwas finden, wofür du danken kannst. Sagt Dank alle Zeit für alles, egal was es ist. Wende deinen Blick doch einmal von den geplatzten Träumen ab und konzentriere dich auf das, wo Gott dich segnet, wo du seine Großtaten, seine Zuwendung, seine Barmherzigkeit in deinem Leben erfährst.
Robinson Crusoe, das ist ja ein weltberühmter Roman, wer kennt ihn nicht? Der Mann, der Schiffbruch erlitten hat, verbrachte 28 Jahre auf einer einsamen Insel. Und seine Geschichte zeigt, dass Dankbarkeit eine Entscheidung ist. Ich lese euch mal einen Tagebucheintrag von Robinson vor, wo es heißt: Jetzt, wo ich meine Niedergeschlagenheit durch logisches Denken langsam in den Griff bekomme, tröste ich mich so gut ich kann und stelle dem Schlechten Gutes gegenüber. Mich hat es auf eine schrecklich einsame Insel verschlagen, ohne Hoffnung auf Rettung. Aber ich lebe und bin nicht ertrunken wie alle meine Schiffskameraden. Ich habe nichts, womit ich mich gegen Menschen oder wilde Tiere schützen oder verteidigen könnte, aber auf dieser Insel sehe ich keine wilden Tiere, so wie an der Küste Afrikas, was, wenn ich dort Schiffbruch erlitten hätte. Ich habe keine Kleidung zum Anziehen, aber das Klima hier ist so heiß, dass ich sie auch gar nicht anziehen könnte, wenn ich welche hätte.
Und ich füge hinzu: Ich stehe zwar im Stau, aber ich habe ihn nicht verursacht, weil ich keinen schlimmen Unfall hatte. Oder draußen ist zwar eine Affenhitze, aber der Tank ist noch voll und die Klimaanlage funktioniert. Oder ich verliere zwar Zeit, aber ich gewinne auch welche, die ich zum Beten und zum Danken nutzen will.
Ich war in Lützeln, also im Altenheim, und ich bin so weit, die haben mich jetzt schon zweimal zum Predigtdienst eingeladen. Bei der Einladung dachte ich: Ja, okay, Markus, siehst ein, es ist so weit. Und da hat mir, als ich das letzte Mal da war, jemand da im Foyer von Onkel Hermann erzählt. Ich glaube, irgendwo hier so vom Westerwald stammte der. Und das war wohl einer, der immer für alles Danke sagen konnte. Er war ein solcher David, der Dankbarkeit in Worte fasste bei jeder Gelegenheit.
Und dann hat er erzählt von einem Tag, wo es in Strömen geregnet hat und Onkel Hermann, als er dann zur Gemeinde kam, zum Gottesdienst kam, pitschnass war, und zwar einen Schirm gehabt hat. Nichts genützt. Von unten, oben, überall hat es gespritzt und so. Und dann haben die jungen Leute gedacht: Mal sehen, was Onkel Hermann jetzt sagt. Da hat er seinen Schirm ausgeschlagen und hat gesagt: Brüder, jetzt können wir dankbar sein, dass wir nicht jeden Sonntag so ein Wetter haben.
Sagt alle Zeit für alles – das ist so die Oberstufendankbarkeit. Dann würde ich sagen, gibt es sogar noch eine Universitätsdankbarkeit. Die findet nicht nur in allem Schlechten etwas Gutes, so wie Oklerman das zum Ausdruck bringt, sondern ist im Vertrauen sogar für die schlechten Dinge dankbar. Selbst dankbar, wenn eine schlimme Diagnose gestellt wird, eine Arbeitslosigkeit eingetreten ist. Das ist wirklich eine Dankbarkeit, die wir zumindest anstreben sollten: für alles Danke zu sagen, weil Gott ja nichts aus dem Blick gerät und für alles, weil er uns lieb hat, gute Pläne hat. Und wenn wir in seiner Nähe sind, dann dürfen wir damit rechnen, dass er uns selbst in schwierigen Situationen segnen will.
Du und ich, wir sollten dem Glauben vielleicht sagen: Lieber Herr, ich verstehe zwar nicht alles, was du zulässt, aber ich vertraue dir, dass du auch durch Dunkelheit hindurch wirkst und segnest. Wenn wir dankbar und demütig vor Gott leben, wird uns diese Haltung in eine Freude führen, die wir kaum für möglich gehalten hätten. Das wünschen wir uns doch: diese Zufriedenheit und Freude. Das tut auch unserer Gesundheit gut, und sie ist ein starkes Zeugnis für die Menschen um uns herum draußen, die Jesus noch nicht kennen.
Ich jedenfalls will von Davids Haltung lernen, die einfach nur sich entschieden hat, Gott zu ehren. Also lassen wir uns nicht wegen geplatzter Träume deprimieren. Manchmal sagt Gott Nein, weil der Zeitpunkt falsch ist, oder weil unsere Motivation falsch ist, oder weil wir die falsche Person sind, wie in Davids Fall. Manchmal sagt er auch Nein, weil er als Gott Größeres vorhat. Denn die besten Pläne und Ideen hat immer Gott.

Gottes Haus für Menschen

Vers 11 am Ende: „Nicht du mir, ich werde dir ein Haus machen.“ Das ist Gottes Plan. Ich werde dir ein Haus machen, und wenn ich dir ein Haus mache, dann wird es ein Vaterhaus sein. Die Bewohner, die dort aus und eingehen werden, die werden Söhne und Töchter heißen. Das ist mein Traum von einem Zuhause.
Religion sagt: Ich baue Gott etwas. Das Evangelium sagt: Gott baut mir etwas. Hier scheint das Evangelium durch. Er tut etwas für uns. Wir meinen, Gott etwas Großartiges herstellen, errichten zu können. Bis hierher hast du mich gebracht, wird David andächtig. Und dann fügt er hinzu: „Und das war noch zu wenig in deinen Augen, Herr Jahwe; du hast sogar über das Haus deines Knechtes auf ferne Zukunft hin geredet.“ Das ist die Prophetie auf Jesus hin, und dies als Weisung für Menschen, Herr Jahwe.
Verstehen: David dachte architektonisch, Gott denkt heilsgeschichtlich. Das eine ist vordergründig, aber das andere ist viel, viel weitreichender. David dachte an Zedernholz, Gott an das Fluchholz, an dem Jesus hängen würde und unsere Erlösung erkaufen würde.
Wer hat den Plan schließlich vollendet? Der Sohn Davids, wie wir gelesen haben. Und wer ist der Sohn Davids? Jesus Christus, Sohn Davids. So haben ihn die Leute angesprochen. Er ist der, der David verheißt war. In ihm würde Gott auf der Erde wohnen. Mit Jesus zog Gott in unsere Welt ein, kam uns nah.
Jesus wurde in Bethlehem geboren, genauso wie David. In Jesus erfüllen sich alle Hoffnungen, alle Träume. Gott will nicht dauerhaft in Häusern aus Stein wohnen, sondern in der Gemeinde. Hier, wo es Älteste und Diakone gibt und jeder seine Aufgabe wahrnimmt, wo wir Stein an Stein, Schulter an Schulter einander ermutigen, kräftigen, wie ihr auch als Gemeinde vorangehen wollt. Wir sollen eine solche Gemeinde sein. Er möchte unter uns wohnen, in der Gemeinde und ganz persönlich auch mir nah sein, in meinem Herzen Wohnung nehmen.
Die Geschichte des Neuen Testamentes vollendet die Geschichte Davids: „Lasst euch selbst als lebendige Steine aufbauen als ein geistliches Haus!“ Oder: 1. Petrus 2 und 1. Korinther 3,16. „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes unter euch wohnt?“ Das ist das Haus, das Gott macht für uns.
Nicht unbedingt ein Haus, das man über Google Maps anvisieren kann. Das ist jetzt eben auch nicht ein Gebäude, das eine feste Adresse hätte. „Wo soll ich denn ruhen?“, so hatte Gott sich in Jesaja 66 gefragt. Es ist kein Haus, das schon vollendet wäre. Aber wenn Jesus Christus in unseren Herzen wohnt, dann fängt er etwas an. Und dann ist das ein unglaubliches Geschenk. Eine große, große Gnade und ein großes Glück. Und wir sollten nie aufhören, Gott dafür zu danken, dass wir ihm nah sein dürfen, dass wir seine Kinder sein dürfen, dass er unter uns wohnt.