Generierte Mitschrift
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Herzlich willkommen zum Podcast der EFH Stuttgart mit Jörg Lackmann und Thomas Powileit. Unser Podcast will zum praktischen Christsein herausfordern und zum theologischen Denken anregen.
Der Film „Goodbye Lenin“ erzählt von einer Frau, die 1989 ins Koma fällt und damit die Wende verschläft. Nach ihrem Wiedererwachen versucht ihr Sohn, sie in dem Glauben zu halten, sie lebe noch in der alten DDR.
Ähnlich geht es auch manchen Christen. Auch sie denken, sie lebten noch in der alten Zeit, in der es ein Grundwissen über den christlichen Glauben gibt und in der man Christen mit Wohlwollen begegnet.
Karl Truman, den wir im letzten Podcast schon kennengelernt haben, zeigt in seinem Buch „Fremde neue Welt“, dass Christen mittlerweile verstanden haben sollten: Wir sind in einer fremden neuen Welt aufgewacht. Daher auch der Titel.
Heute müssen wir von ganz anderen Glaubensgrundsätzen ausgehen als vor dreißig Jahren. Im letzten Podcast zu „Fremde neue Welt“ haben wir gesehen, wie die moralischen Leitplanken der Gesellschaft schrittweise demontiert worden sind. Heute glaubt man, dass Moral einengt und Freiheit nimmt.
Es war nicht immer so. Der schützende Aspekt wird nicht mehr gesehen, schon gar nicht die Tatsache, dass manche Gebote von Gott kommen und uns zur Hilfe und nicht zur Einengung gegeben sind.
Der Wandel der moralischen Orientierung
Thomas, knüpfen wir doch mal da an, wo wir aufgehört haben. Wir hatten die Philosophen Descartes, Rousseau, Marx, Nietzsche und Oskar Wald als Schriftsteller, und alle hatten gemein, dass sie die moralischen Leitplanken Stück für Stück eingerissen haben. Und dann gab es irgendwann am Ende keine mehr.
Leitplanken sind unnötig, Moral ist nach ein paar Jahrhunderten negativ gesehen. Heißt es jetzt in unserer Gesellschaft, dass wir keine moralischen Vorgaben mehr haben? Ganz so kann es nicht sein. Oder wie wirkt sich diese Denkrichtung, die ja wirklich tief innen drin angekommen ist inzwischen, aus? Wir denken ganz anders als Menschen vor 200 Jahren. Wie wirkt sich das jetzt aus?
Weil das ja unser Ziel von den beiden Podcasts ist: dass wir sagen, wie ist die Welt um uns herum, und wie können wir da mit dem Evangelium, wie können wir das sagen, dass es verstanden wird?
Ja, das ist eine gute Frage. Haben wir keine Moral mehr? Stimmt, dass sie das Stück für Stück eingerissen haben. Wer das noch nicht so mitverfolgt hat, sollte unbedingt den ersten Podcast hören.
Also, ich würde sagen, es ist genau das Gegenteil der Fall. Christliche Werte sind eben niedergerissen worden, aber man hat dafür andere Werte installiert. Also, es ist nicht trendy, Fleisch zu essen. Also, ich hole ab und zu Lebensmittel ab, die abgegeben werden. Da merke ich: Hey, da geht es viel um vegetarische Sachen oder vegane Sachen, die Leute dann eben da entsprechend auch mitnehmen. Das ist voll trendy.
Man muss sich dann überlegen, welchen CO2-Abdruck man durch sein Handeln hinterlässt. Und wer beim Klima dann nicht hysterisch wird, der ist verdächtig. Also, es sind so Vorgaben, die wir heute haben. Es sind eine Menge neuer Vorgaben, aber die haben ganz wenig zu tun mit biblischen Vorgaben. Man will Gottes Wort nicht, deswegen verwirft man Gottes Gedanken und seine Vorgaben.
Aber jemand, der beim Thema Moral ganz kräftig mit abgerissen hat, das ist Sigmund Freud. Und ich glaube, ihn sollten wir noch mal eingehen.
Freud und die Verschiebung des Glücksbegriffs
Psychologie und Sexualität sind wir jetzt im neunzehnten Jahrhundert, Anfang zwanzigstes Jahrhundert. Also, er bringt diesen neuen Glaubensgrundsatz: Dein Lebensziel ist das Glück. Also, wenn du es noch nicht gehört hast: Dein Lebensziel ist das Glück, und die Grundlage dieses Glücks ist dein sexuelles Erleben. Also schade für jeden Single, müsste man ein bisschen sarkastisch sagen. Das ist heute kein Widerspruch mehr, Thomas.
Genau. Ja, oder für jeden, der eben sagt: Ich kann das nicht leben, weil ich eben keinen Partner habe, genau. Also erfülltes Leben ist für Freud sexuelle Erfüllung. Und als Psychiater sagt er, Glück bestehe eigentlich daraus, zu versuchen, Schmerz zu vermeiden und starke Lustgefühle zu erleben. Das ist für ihn die Definition: also keinen Schmerz und Empfinden starker Lust.
Man hat eben den Eindruck, Freud ahnt doch, dass sein zügelloses Sexglück für die Gesellschaft nicht immer die große Befreiung ist, weil er sagt, dass Konventionen, also Einschränkungen, der Schaffung und der Erhaltung der Zivilisation dann doch irgendwie dienen. Also, wenn jeder machen könnte, was er wollte, dann wäre die Welt nur von starken Männern beherrscht, und die Frauen wären nur Sexobjekte, und die starken Männer würden sich nehmen, was sie wollen. Ja, schon konsequent gedacht. Und er sagt, um das zu vermeiden, geht die Gesellschaft einen Kompromiss ein: Sie weist das sexuelle Begehren in bestimmte Schranken, und es wird also gezügelt, damit die Menschen in einem gewissen Maße in Sicherheit zusammenleben können. Das ist so seine Meinung.
Und hier kommt nochmal der Marx, den hatten wir im ersten Podcast kurz zu Wort. Der schlägt dann die gleiche Kerbe. Er sagt also, der Urmensch hatte keine Triebeinschränkungen, und der Kulturmensch hat eben für ein Stück Glücksmöglichkeit ein Stück Sicherheit eingetauscht. Das sind eigentlich genau die gleichen Gedanken. Wir waren ja auch in derselben Zeit unterwegs, beide. Und es ist natürlich ein gesellschaftliches Umfeld, wo dann bestimmte Themen auch geprägt werden, über verschiedene Kanäle. Das ist damals auch so wie heute gewesen. Und im Blick auf Religion, mein Freund Freud – das war ein Freud’scher Versprecher jetzt, nebenbei – Religion ist kindischer Unsinn. Aber wenn die Leute daran glauben, dann liefert die Religion eine Berechtigung dafür, dass Menschen zivilisiert miteinander umgehen. Also ist es eine nützliche Leitplanke, mehr aber auch nicht. Das hat mir schon mal Marx gesehen.
Es ist nicht die Tatsache, wie Paulus in 1. Korinther 15 sagt, sondern na ja, du kannst dran glauben, hilft dir vielleicht etwas. Und da ist mir nochmal wichtig zu betonen: Glaube an Jesus ist was völlig anderes. Es geht darum, eine persönliche Beziehung zu Jesus zu bekommen. Es geht nicht nur darum, bestimmte moralische Standards einzuhalten. Natürlich hat Gottes Wort eine bewahrende Funktion, aber Glaube an Jesus ist viel mehr.
Die Bibel widerspricht ganz vehement im Blick auf die Aussage, Glück ist das höchste Lebensziel. Das stimmt nicht. Das Leben selbst ist nicht mal das Letzte. Das Glück ist auch nicht auf dieser Erde letztendlich zu finden, sondern es geht darum, dass ich zu Gottes Ehre lebe, dass ich auf den Himmel zulebe. Und die Bibel redet ganz oft auch vom Leiden. Das kann ich sogar haben, weil ich Christ bin. Aber auch ein Leben, das geprägt ist vom Leiden, kann von Gott gesegnet werden. Und auch Sex ist nicht die größte Erfüllung.
Also all die Themen, die hier Freud aufbringt: Wie gesagt, da müssten Menschen, die keinen Partner haben, ganz arme Gestalten sein. Sind sie aber nicht, also schon gar nicht an Gottes Hand. Ich kann auch ein von Gott erfülltes Leben führen, wenn ich keinen Partner habe. Psalm 16 sagt zum Beispiel: Du, Herr, bist mein ganzes Glück. Und die Erfüllung, die ich bei Jesus finde, die kann mir kein Partner geben und auch kein Sexabenteuer. Das sind eben falsche Fährten, die Freud legt, auch wenn es natürlich sehr hilfreich ist, verheiratet zu sein. Ja, und das darf auch mein Ziel sein. Aber wenn das dann nicht eintritt, dann ist mein Leben nicht nur noch eine Katastrophe. Also so, wie Freud es hier titulieren würde.
Und auch mit seiner These: „Moral beruht auf Vorstellungen von Ekel, die in den jeweiligen Kulturen kultiviert sind“, das sagt Freud. Er sagt, das Empfinden von Ekel ist nicht rational, das ist nur gesellschaftliche Übereinkunft, Moral ist kein objektiver Maßstab. Also, du siehst auch da, die reißen noch mal ein. Sein Beispiel fand ich ganz nett. Dazu er sagt: Also, ein Mann küsst gerne eine schöne Frau, aber wenn der gleiche Mann sich die Zähne putzen soll mit der Zahnbürste der gleichen Frau, hat er damit vielleicht Schwierigkeiten. Und dann versucht er zu begründen: Das ist nicht rational, deswegen ist Moral nur eine kulturelle Geschmacksfrage. Da merkt man also, welche Beispiele ich dann verwende und welche Schlussfolgerungen ich ziehe, das passt logischerweise auch nicht bei Freud hier.
Also setzt voraus, Moral ist eine menschliche Erfindung, und das ist eben falsch, weil bestimmte Maßstäbe von Gott gegeben sind, und die Bergpredigt zum Beispiel zeigt uns, wie wir leben sollten. Und wir merken, wir können das nicht, und deswegen muss ich zu Jesus kommen. Aber deswegen reiße ich nicht die Moral ab. Du hast eben gesagt, gibt es keine Moral. Es gibt bei uns eine Menge Moral, wo man im Mittelalter gedacht hätte: Was ist denn das? Was man an die Stelle der christlichen Leitplanken gesetzt hat. Und ich glaube, man müsste eigentlich sagen, das, was sie wollten, ist, dass sie das christliche Fundament, auf dem man steht, einfach zerstören wollten. Das ist ihnen ehrlicherweise auch gelungen, daran haben sie immer wieder gearbeitet.
Wir sind jetzt dabei, dass die Glücksmaximierung auf einmal ein Thema ist. Das hatte ich davor noch nicht so gehört, das eigene Glück, dass es wichtig ist. Es muss ja nicht zwangsläufig so sein im Denken. Es gibt ja auch Kulturen, wo das Volk wichtiger ist als der eigene Mensch oder andere Ziele oder Religion oder Gott oder was auch immer. Wir sind jetzt bei Trumans Buch, ich vermute mal, ich ahne, wir kommen ja langsam in unsere Zeit, wie es jetzt ein bisschen weitergeht. Was ist jetzt beim Bereich der Moral, kommt da noch was, wo es noch weiter weggeht? Er ist ja jetzt von diesem Inneren, du musst auf dich selber hören, schlussendlich Glück ist deine größte Erfüllung, Sexualität ist deine größte Erfüllung.
Das kam neu dazu, das hatten wir davor noch nicht, die Sexualität.
Genau, und das verstärkt sich.
Von der sexuellen Befreiung zur Identitätspolitik
Also, es gibt da noch Wilhelm Reich. Er hat ein Buch geschrieben, Die sexuelle Revolution. Das war dann tatsächlich in den neunzehnhundertsechziger Jahren eine gewisse Grundlage. Das war damals sehr populär. Er geht in seiner Zeit aber schon relativ weit und sagt eben, die sexuellen Normen müssen zerschlagen werden, wenn Menschen wirklich frei sein sollen.
Also setzt er das, was Freud sagt, gedanklich um. Er sagt, die Gesellschaft muss sexuelle Freizügigkeit oder Freiheit auf jeden Fall fördern. Und das fand ich spannend: Die Gesellschaft muss mit denen hart umspringen, die das nicht wollen. Er sagt, und deswegen muss Sex auch dringend zu einem politischen Thema gemacht werden. Also da geht es um eine sexuelle Revolution, die ich fordern will, also muss ich Leute bekämpfen, die das nicht unterstützen.
Er war ja auch Marxist, also verbindet er Marx mit Freud. Da sind jetzt beide bei ihm zusammengeflossen. Für ihn ist dann, also bei Freud auch schon, und das finde ich noch einmal einen wichtigen Schritt, Sex nicht nur eine Frage des Tuns, sondern auch eine Frage des Seins. Bei ihm entsteht schon so etwas wie eine sexuelle Identität. Da sind wir bei der heutigen Identitätspolitik, und das schon vor über sechzig Jahren.
Richtig. Und wenn ich dann die sexuelle Ausrichtung angreife, dann greife ich nicht nur das Tun einer Person an, sondern ich greife das Sein an. Und das wollen wir jetzt hier nicht vertiefen. Truman geht dann darauf ein und sagt: Das wird grosse Konsequenzen für die Redefreiheit haben. Also wenn ich Dinge anders sehe und aber gewisse Dinge unterstützen muss, dann wird man mir den Mund verbieten. Man wird sagen, das ist Hassrede, weil ich mich eben nicht nur über die Sexualität einer Person äussere, sondern über die Person selber.
Also da geht es noch entsprechend weiter. Aber wenn es Teil seiner Identität ist, hat es auch eine gewisse Logik. Das heisst, wir kommen aber hier mit den Unterdrückungen ganz klar vom Kommunismus her, der ja auch in der Praxis nicht umsonst immer unterdrückende Regimes hervorgebracht hat. Das liegt, denke ich, in der Philosophie mit drin. Weil du das, was du durchsetzen willst, quasi durchsetzt. Mit Gewalt, ja. Mit Revolution, das ist ja der Gedanke dahinter.
Das heisst, wir haben jetzt nicht nur eine Innerlichkeit, wo man sich von Gott wegbewegt, sondern jetzt kippt es. Und das war in den Sechzigerjahren, die bekanntlich nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Welt umwälzend waren, was die Werte anging. Also Sexualität, Musik, Drogen, alles kam da auf. Auflehnung gegen die Autoritäten. Und in Deutschland hatten wir immer gesagt: Na ja, das waren die Nazi-Eltern. Aber das ist in Amerika genauso passiert, wo die Eltern nicht da waren. Also es war eine breitere Front.
Also da sind wir jetzt, wo einige ja auch ansetzen würden. Also ich kenne Bücher, die fangen in den Sechzigerjahren an. Truman hat jetzt die ganze Entwicklung davor Schritt für Schritt gezeigt, wie man immer weiter eigentlich wegkommt. Das ist so die philosophische Entwicklung gewesen, das fand ich sehr hilfreich. Und in den Sechzigern hast du dann im Grunde genommen, dass tatsächlich Dinge in deinem Leben wegbrechen. Und damit ist es quasi, als wenn du so einen Zaun aufreisst und diese philosophischen Gedanken wie so eine Welle da durchkommen und dann ja auch wie Reich oder so, weisst du, die Bücher wurden aufgenommen, die wurden gelesen. Die wurden dann praktiziert. Genau, die wurden umgesetzt.
Das heisst, wir haben hier, wenn ich das mal aufs Leben übertragen will, bevor in der Praxis die Umwälzungen kamen, waren hier sogar jahrhundertelang im Denken die Schritte. Und so ist es im Leben. Also ich habe gerade die Woche über ein paar Menschen nachgedacht, die ich seit Jahrzehnten kenne und wo ich die Entwicklung gesehen habe. Vor ein paar Jahrzehnten habe ich im Denken Entwicklungen gesehen, und jetzt sehe ich die Auswirkungen in der Praxis. Die haben sich einfach aufgebaut zu einem Mass, das jetzt fast nicht mehr beherrschbar ist, wo man vor 20 Jahren noch etwas hätte machen können, so rein menschlich gesprochen, und jetzt ist es so tief.
Ich glaube, das ist der Wert des Podcasts, falls manch einer für dieses Philosophische nicht so da ist, dass man sieht, wie hier Schritt für Schritt Sachen zusammenkommen. Und wir stehen jetzt einer Gesellschaft gegenüber, wo man sagt: Ja, warum denkt die so? Ja, wenn man jetzt mal guckt, wie viele Leute die beeinflusst haben, auf wie vielen verschiedenen Gebieten, wie das ineinanderfliesst und die Zusammenhänge, dann ist das Ganze komplexer. Wobei Jesus interessanterweise oft reingeht und sehr viel befreien kann. Aber wir müssen uns schon bewusst sein, dass das sehr komplex ist. Aber ich übernehme hier nicht deinen Part hier. Waren wir uns mal die Gedanken jetzt filmen lassen. Nee, das ist richtig.
Und gerade dieses Komplexe: Du hast dieses Gedankengut, und dann hast du, und das ist, glaube ich, sehr entscheidend, das betont Truman auch, dass dann so in den Sechzigern entscheidende Autoritäten wegbrechen. Also die Kirche zum Beispiel als Autorität bricht weg, an der man sich festhalten konnte. Auch die Nation, ich meine, die Deutschen haben ihre eigene Geschichte, aber er redet als Amerikaner. Also er sagt, es ist zunehmend etwas, was wegbricht. Und auch die Familie.
Das heisst, du hast dann nichts mehr, wo du deinen moralischen Anker so wirklich festmachen kannst. Natürlich ist in den Sechzigern durch die Pille relativ viel gekommen, dass man das, was hier Reich sagt, was Wild sagt, was Freud sagt, dass du das dann wirklich leben konntest, ohne eben Konsequenzen zu fürchten. Und damit gewinnt parallel auch die Pornografie am Boden, das ist ja Sex ohne Kopf. Da geht es mir dann gar nicht um die Bindung, es geht mir um den Spass. Das war ja das, was sie geprägt hat, was sie auch gepredigt hat.
Letztendlich ist das, muss man jetzt nicht vertiefen, eine starke Herabwürdigung der Frau. Das kommt da ganz stark in der Gesellschaft. Und wenn ich keine starken Autoritäten mehr habe, die mich halten, dann suche ich mir Communities, also so kleine Sachen, zu denen ich gehöre, und die sind viel leichter lenkbar als irgendwelche anderen nationalen Gefühle oder so. Man sieht, die haben einen erheblichen Einfluss gehabt, diese Denker.
Und Truman, wenn ich das so sagen darf, macht das von der amerikanischen Seite her fest. Er sagt, die haben uns immer verbunden gefühlt, die Leute aus Kalifornien und die aus Florida, wir sind Amerikaner. Und heute problematisiert man diese Geschichte und sagt: Na ja, wo beginnt denn Amerika? Ist das dann wirklich so diese Erklärung von Jefferson oder so? Waren nicht die Indianer zuerst da? Und ist das gut, auf den Schultern der Indianer zu sagen: Hey, wir sind Amerikaner? Also wo er sagt, da wird eine Grundsache, ich bin Nation, wird versucht, auseinanderzureissen. Und selbst da kann ich mich nicht mehr festbaden. Also fand ich auch noch einmal Interessantes aus amerikanischer Seite dann zu hören.
Kommt übrigens auch bei Marx schon vor. Der wollte ja die Internationale, also die Nationen überwinden und auch die Familie ganz stark bekämpfen als Keim dieser Autoritäten, weil er wusste: Autorität fängt in der Familie an. Also das floss halt alles zusammen. Jo, es wird immer komplizierter, das Ganze. Ich hoffe, du kriegst die Kurve doch hier. Weil ja, vom Durchdenken. Aber ich finde es gut, wenn man Entwicklungen ansieht, dann wird man sensibler für manche Dinge, die man sieht. Und ich glaube, dass man dann auch beim Lesen des Wortes Gottes eher Lösungen sieht, wenn man das ein bisschen aufdröselt für sich. Also mir persönlich vom Typus her kommt sowas entgegen, wenn ich einfach mehr sehe, weil ich mehr weiss.
Jetzt haben wir ja die Entwicklung wird, ja, wir werden mal sehen, wie es noch weitergeht, aber diese Identität, diese Nation ist weg. Heute gibt es ja keine Grenzen mehr. Früher gab es mal den Spruch: Er weiss nicht, ob er Männlein oder Weiblein ist. Wenn einer gar keine Ahnung von nichts mehr hat. Heute sagt man: Wie, ist doch normal, das kann man doch nicht wissen. Also diesen Spruch gibt es heute nicht mehr. Das wäre diskriminierend, wenn man sowas sagen würde.
Also auch nicht nur, dass die Familie aufgelöst wurde, sondern inzwischen auch die Identität, in dem Fall die sexuelle des Einzelnen. Es hat angefangen mit der sexuellen Ausrichtung, mit der Homosexualität, und inzwischen geht es um die eigene Geschlechtlichkeit. Also transgender: bin ich nun Mann, Frau oder definiere ich mich als was dazwischen oder auf dem Weg? Es gibt ja eigentlich alle Möglichkeiten heute auf diesem Gebiet.
Also wir sind inzwischen nicht nur dabei, Autoritäten von aussen abzuschaffen und Familie, sondern inzwischen auch eigentlich das biologisch definierte Selbst. So weit ist die Biologie definiert. Und ich glaube, um den Bogen dann doch zu kriegen, man könnte da noch weitergehen, also Truman geht auch noch ein Stück weiter, oder es gibt andere Autoren, die das auch noch einmal aufgreifen. Ich glaube, es ist wichtig: Was machen wir jetzt damit?
Also wir haben die philosophische Entwicklung gezeigt, wir haben gezeigt, dass es gesellschaftliche Voraussetzungen gab, damit dieses Denken durchdringen konnte. Ich denke, dass wir als Christen zunächst mal wahrnehmen müssen, so wie Truman das sagt: fremde neue Welt, wir sind in einer fremden neuen Welt. Wir dürfen uns in dieser fremden neuen Welt aber nicht in ein Schneckenhaus zurückziehen, wir müssen uns bemühen, sie zu verstehen. Also wie denken denn die Leute, warum denken sie so, warum denken sie, es gibt ein soziales Geschlecht, warum denken sie, Christen sind homophob, zum Beispiel ist ja auch so ein Standardsatz. Die Frage ist auch: Haben sie damit Recht? Ja, also das müssen wir uns ja auch selbstkritisch fragen.
Und wo ist es in der Tat so, dass Christen sich gar nicht die Mühe machen, genau hinzuhören, wie die Leute denken, und sich schon gar nicht bemühen, eine Antwort aus dem Wort Gottes zu geben? Und ich glaube, dass ich Antworten aus dem Wort Gottes geben kann. Als Christen fehlen uns nicht selten biblische Grundlagen. Die waren früher in der Gesellschaft gesetzt.
Wo fehlt die, in der Gesellschaft, im Umfeld oder bei uns selber? Bei uns, bei uns. Also die Gesellschaft hatte gewisse Normen. Und das haben wir als Gesetz gesehen, ohne darüber nachzudenken. Ohne darüber nachzudenken, wir haben es gar nicht begründet. Und deswegen fehlen uns als Christen auch oft Grundlagen, wo wir gar nicht gründlich darüber nachgedacht haben.
Und diese Entwicklungen, die wir erleben, ich will es nicht nur negativ sehen, das fordert uns Christen enorm heraus, wirklich zu überlegen: Und was sagt jetzt die Schrift dazu? Und dass wir eben Antworten aus dem Wort Gottes geben und nicht nur bei irgendwelchen plakativen Dingen bleiben, das ist sehr wichtig.
Ich glaube, die Zeiten sind auch vorbei. Bestimmte Diskussionen vor zwanzig Jahren habe ich stark als abgrenzend empfunden, als dagegen sein. Da kommt heute kein Mensch mehr durch. Also ich glaube, so langsam ist es eine Zeit, wo man sich eher um Lösungen bemüht und wie man das macht.
Übrigens, ich dachte gerade an die Apostelgeschichte. So neu ist ja unsere Situation nicht. Als Paulus dann in Europa ankam, hat er auch Götzendiener auf einmal gehabt, raus aus seiner jüdischen Kultur, diese ganzen Normen hatten wir. Und wir predigen ja gerade durch den Korintherbrief in der Gemeinde. Da sind viele Normen nicht wie im Judentum, und genau auf diese Problematik muss er ganz stark eingehen, weil das Denken da völlig anders ist. Und er hat es gemacht. Er erkannte die Denker der damaligen Zeit, er hat sie zitiert und ist darauf eingegangen, hat auch mit den Philosophen, zum Beispiel mit den Epikureern oder den Stoikern in der Apostelgeschichte, das haben wir gerade in der Predigt gehabt, diskutiert und kannte deren Denkweise.
Also das ist nichts, was uns jetzt so gross trifft, aber dieses Christentum, dieses Verwurzelte, das ist halt nicht mehr da, richtig. Wir sind jetzt eigentlich im Heidentum der damaligen Zeit wieder angekommen, würde ich sagen. Und das ist ein Ansatz. Ich habe gesagt, Truman bringt da nicht so viele Lösungen, sondern einfach mehr die Analyse, aber den Ansatz bringt er schon, dass er sagt, wir müssen nicht zurückdenken bis in die sechziger Jahre, sondern wir müssen zurückdenken bis in die Anfangszeit des Christentums, weil die Situation, wie du sagst, sehr ähnlich war, um dann zu schauen, wie sind sie damit umgegangen.
Und sie haben versucht, ihr Umfeld zu verstehen. Und es ist mir auch noch einmal klar geworden, es gibt manche Dinge, über die haben wir gar nicht so gründlich nachgedacht, zum Beispiel eine Theologie des Körpers, wie sieht Gott unseren Körper. Da gibt es auf dem Evangelikal kaum etwas. Katholisch gibt es was, aber ja.
Richtig, also das beste Buch ist: Johannes Paul der Zweite hat etwas dazu geschrieben, und allein das macht ja schon deutlich. Ey! Andere Leute haben sich da kaum Gedanken drüber gemacht, und gerade jetzt geht es ja stark um den Körper, die Themen, die heute aktuell sind. Und da ist es wichtig, von der Bibel her zu denken: Was hat denn Gott sich dabei gedacht, und wo finden wir hier entsprechende Referenzstellen?
Also von daher fordert es uns Christen heraus, auch im Blick auf unsere jungen Leute, wo wir einfach nicht sagen sollten, das ist einfach so und das hast du zu glauben, sondern ihnen einfach zu zeigen anhand des Wortes Gottes: Das sind Gottes Gedanken. Und ihnen auch dagegen zu halten: Hey, das sind die Gedanken dieser Welt. Und deswegen, also es war für mich sehr hilfreich, das Buch zu lesen und auch herausfordernd zu sagen, vielleicht sollte ich mich mit dem einen oder anderen noch einmal intensiver beschäftigen, um einfach zu zeigen: Guck mal, das ist die Denke, ein Rousseau, ja auch sein Leben, wie geht er einfach um mit Familie und Ähnlichem.
Waren ja oft tragische Gestalten, wenn ich das vom letzten Podcast mir durchdenke, was du erzählt hast von den Leuten. Genau, wem folge ich da eigentlich überhaupt? Ich glaube, wir müssen verstehen, was passiert mit unserem gesellschaftlichen Denken zurzeit. Da kann Fremde neue Welt eine ganz grosse Hilfe sein, ich habe es ja auch in den Shownotes da verlinkt, und ich bin dankbar für schlaue Bücher von schlauen Christen oder für Bücher von schlauen Christen. Es gibt wirklich einige Leute, wo ich denke: Hey, da lohnt es sich, das zu lesen. Und ja, das ist kein Roman, über den ich mal ganz schnell weglese.
Manche Bücher lese ich, da muss ich immer wieder mal im Internet gucken, was heisst denn dieses Wort, oder wie ist denn der Zusammenhang, oder okay, da wird darauf hingewiesen, das muss ich mir auch noch einmal angucken. Aber ich glaube, dass das Vertrauen in Gottes Wort stärkt. Und wir müssen lernen, auch umzugehen mit Leuten, die einfach aus diesem Umfeld dann zu uns kommen, und das wird sein. Ja, wie gehe ich als Gemeinde dann mit Leuten um, die selber denken, also meine Identität hängt nur an meiner Sexualität. Da muss ich ja etwas entgegensetzen können.
Also letztendlich eine Rückbesinnung auf Gottes Wort, wie in der Reformation damals, 1500 und, dass ich da eben zurückkomme und dass ich glaube, ja, es gibt Argumente und dass ich nicht nur das erkläre, sondern vor allen Dingen auch das Warum. Und dass ich zeige: Es lohnt sich so viel mehr, dem Wort Gottes zu vertrauen, als eben der neuesten gesellschaftlichen Denkrichtung hinterherzuhecheln. Und ich bin davon überzeugt, wir werden den gesellschaftlichen Zug nicht mehr aufhalten. Ja, also das haben wir jetzt hier gesehen, aber wir haben eben eine Verantwortung dafür, unsere eigenen jungen Leute zu prägen, und die haben wir, und die sollten wir auch wahrnehmen.
Jetzt ist die Frage, wenn ich mich jetzt reinversetze, also ich habe ja noch Kontakt zur Schule, gerade so noch, das letzte Kind noch, wo er noch in der Schule ist, da kriege ich natürlich einiges mit. Wie kriegen wir jetzt so dieses neue Denken mit? Also ein Paulus, nicht jeder kann so ein Philosoph oder so ein Denker sein, das ist auch klar. Paulus hat sich damit auseinandergesetzt, er kannte die Philosophen. Der hat auch so Diskussionen garantiert geführt, weil er kannte sie einfach zu gut, das hat man gemerkt.
In der jüdischen Gemeinde hat er von Jesus als Messias geredet. Sobald er ein paar Kilometer weiter war, wo es Griechen waren oder in Lykaonien, also in Lystra, hat er auf einmal von dem Gott, der den Himmel und die Erde gemacht hat, kein Wort mehr vom Messias, dem verheissenen jüdischen Erlöser, sondern da ging er dann auf diese Denkwelt ein. Und hat die besprochen. Also er hat diese Denkarbeit vorher gemacht, sonst hätte er, lest euch mal die Predigten durch, so Apostelgeschichte 13 bis 19 etwa in dem Rahmen, wie unterschiedlich die sind, je nachdem, ob er zu Juden oder zu Heiden redet. Also er hat diesen Transfer gemacht, jetzt musst du das aber ja verstehen und machen. Hat Rummen da auch schon Gedanken oder?
Eine Gedanken beim Nachdenken, weil du sagst, er analysiert eher. Es waren eher eigene Gedanken, auch wie gehe ich damit um, wenn ich Leuten begegne, die von diesem Denken total eingenommen sind, beziehungsweise wo dieses Denken zum Lebensstil geworden ist. Und da glaube ich, dass wir Christen wirklich einen ziemlich blinden Fleck an dem Punkt haben. Wir halten so Leute dann möglichst weit eben draussen, und ich glaube, es ist wichtig, dass wir als Christen verstehen: Jawohl, die Bibel sagt, dass Gott keine gleichgeschlechtliche Beziehung unterstützt. Ja, das ist die eine Seite. Aber die andere Seite ist, deswegen hat jemand doch keinen Aussatz. Und ich denke, dass ich mich als Gemeinde darauf einstellen muss, dass ich Leute, die da einen ganz anderen Lebensstil haben, zunächst auch einmal willkommen heisse, wie ich andere Menschen auch willkommen heisse, die nicht mit Jesus unterwegs sind.
Wir sollten als Gemeinde eben Rettungsstation sein, in der man Jesus kennenlernen kann. Und das haben wir uns ja auch auf die Fahne geschrieben als Gemeinde, dass wir gesagt haben: Jesus ist unser Thema. Also noch einmal ist es wichtig, zur Sünde Nein zu sagen, aber den Sünder selber zu lieben, alter Spruch. Wird heute schwierig, weil teilweise Sünde zu meiner Identität gemacht wird und zum höchsten Lebensglück. Aber wenn Gott sagt, das passt nicht, wie du lebst, dann betrifft es x Lebensbereiche, und dann ist das für mich ein anderer Lebensbereich als für dich oder für jemanden, der zu uns kommt. Und doch sagt dann 1. Korinther 6: Ihr seid abgewaschen, ihr seid gerechtfertigt, ihr seid gerechtgemacht.
Also das will Gott machen, und ich glaube, dass wir als Gemeinde hier auch eine ganz grosse Hoffnung Leuten machen sollten. Und wir tun als Gemeinde dann oft so, wenn jemand eben zum Beispiel heterosexuell lebt, dann ist er auf der richtigen Spur, dann ist alles gut in seinem Leben. Und das ist Quatsch. Ich bin genau so verloren wie jemand, der irgendeinen anderen Lebensstil hat, und ich habe den Eindruck, dass wir das verdrängen. Also das ist manchmal so mein Eindruck, und ich denke, wir sollten uns da selber mal beim Beten zuhören, und vielleicht erwischen wir uns bei den Worten, die wir aus Lukas 18 kennen: Herr, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie diese.
Und dann bin ich genauso wie die Pharisäer eben unterwegs. Und ich denke, wir müssen das verstehen: Je stärker sich unsere Gesellschaft verändert, desto mehr muss deutlich werden: Wir sind eine Gegenkultur. Weil wir mit Jesus unterwegs sind, passen wir nicht in die Zeit, aber wir können diese Zeit in unserem kleinen Rahmen auch prägen. Wir können sie prägen mit tiefer Gemeinschaft, die offen ist für andere, die inklusiv ist, die nicht exklusiv ist, die bedingungslose Liebe hat, wo die Orientierung aus dem Wort Gottes kommt, also von aussen, nicht nur mein Gefühl.
Und ja, wir leben in einer fremden neuen Welt, aber ich sehe das, habe ich vorhin schon gesagt, als riesige Chance. Eine Welt, die Christus nicht kennt, im Gegensatz zu einer Welt, die immer dachte, dass sie ihn kennt, also vor dreissig Jahren noch oder so. Sie kennt Christus nicht, und ja, ich kann dort Evangelium hineinbringen. Ich habe letzte Woche einer Apologetin zugehört, die gesagt hat: Ich habe heute viel mehr Chancen als früher, einfach vom Evangelium zu reden. Denn je mehr Dinge zusammenbrechen, je verwirrender die Lage wird, desto eher kann ich vom Wort Gottes sagen, wie Gott es sich gedacht hat. Und früher hat man gedacht, ich weiss schon alles, jetzt hört man einander zu.
Also wie gesagt, ich würde es als Chance sehen, aber auch als Verantwortung, die wir haben in der Gemeinde, vom Wort Gottes herzukommen und diese Fremde Neue Welt wirklich als eine solche wahrzunehmen und zu wissen: Es gibt eine grössere neue Welt, die auf uns wartet. Dahin sind wir unterwegs, wir sind Himmelsbürger. Und deswegen verlassen wir diese Erde nicht einfach, sondern wir wollen uns von Gott gebrauchen lassen, in diese Welt hinein Gottes Wort zu reden, das früher und heute Menschen verändern kann.
Schlussgedanken und Auftrag für die Gemeinde
Das waren jetzt zwei Podcasts über die Entwicklung der Zeitgeschichte, eher analytisch. Am Ende ging es ein wenig darum, was wir dem entgegensetzen können. Das kommt aber in den anderen Podcasts, in denen wir von Christus reden, vom Himmel reden, von unserer christlichen Identität reden oder von anderen Dingen, also von dem Positiven, das wir dagegen setzen können.
Die zwei Podcasts waren jetzt erst einmal gedacht, um den Blick zu öffnen. Und ich denke, jeder weiß, wen er in seinem Leben kennt. Es gibt immer Probleme. Die Kraft, die innere Kraft, ist ja nicht da. Die Leute wollen teilweise anders werden, aber womit denn? Das Ganze ist auf Sand gebaut.
Christus, die Beziehung mit ihm, die Sündenvergebung, das sind immer noch aktuelle Themen und sprechen uns an. Aber das war jetzt nicht so sehr das Thema. Das Buch von Truman haben wir in den Shownotes verlinkt. Es geht natürlich noch weit über den Podcast hinaus. Das war nur ein Ausschnitt, sollte aber dazu dienen, einfach mal mit offenen Augen durch diese Welt zu gehen, die Veränderungen zu merken und nicht in Schockstarre zu verfallen, sondern zu merken: Oh, da kann Christus hineinwirken.
Wie immer: Wenn ihr Fragen habt oder Vorschläge, mit welchen Themen wir uns beschäftigen können, dann schreibt uns doch unter podcast at eva-stuttgart.de. Und wir wünschen euch Gottes Segen und freuen uns auf den nächsten Mittwoch.

