Einleitung
Wir haben heute als Predigttext den Philipperbrief dieser fröhliche Brief
aus der Gefängniszelle, an diese erste europäische Gemeinde im damaligen
Mazedonien, genannt nach dem Vater des Alexander, des Herrschers von
Griechenland Philipp.
Philipper drei Vers 7-14: Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi
willen für Schaden erachtet; ja, ich erachte es noch alles für Schaden
gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um
seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für
Dreck, damit ich Christus gewinne, und in ihm erfunden werde, dass ich
nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch
den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem
Glauben zugerechnet wird. Ihn, Christus möchte ich erkennen, und die Kraft
seiner Auferstehung, ja, das Geheimnis, dass Jesus das kann, Tote lebendig
machen, und die Gemeinschaft seiner Leiden, und so seinem Tode gleich
gestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Nicht,
dass ich sie schon ergriffen habe, oder vollkommen sei, ich jage ihm aber
nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen
bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, das ich es
ergriffen habe, eins aber sage ich: ich vergesse, was da hinten ist, und
strecke mich aus nach dem, was da vorne ist. Und jage nach dem
vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in
Christus Jesus.
Ich muss es immer und immer wieder sagen, wie ich diesen Sommer genieße,
obwohl ich weiß, dass manche von Ihnen mit Kreislauf- und Herzproblemen zu
kämpfen haben. Das ist ja ein solch schöner Sommer, wie man ihn
wahrscheinlich nur einmal in einer ganzen Lebenszeit erlebt. Wie ich das im
Juni in der Freude an der Sonne damals sagte, da war unter uns ein
Statistiker vom Wetteramt, der sagte, stimmt noch gar nicht, die Statistik
ist noch nicht so, inzwischen hat die Statistik auch noch aufgeholt es ist
ein wunderbarer Sommer! Man kann sich freuen. Und wenn sie durch die Wälder
gehen, und durch die Gärten, und wenn sie das alles genießen,... Ich denke
auch ihr Urlaub hoffentlich, der zurückliegt, oder der noch vor ihnen
liegt, eine Freude ohnegleichen. Und an so einem Sonntagmorgen wollen wir
ein Thema behandeln, Leben, wozu eigentlich? Wozu eigentlich? Spaß an der
Freud wollen wir haben, wir wollen genießen. Und jetzt wieder, wenn Sie
eintauchen in Ihre Berufsaufgaben... Vor Ihnen liegen ja viele wichtige
Termine, Besprechungen, Geschäfte, die Sie zu erledigen haben, auch wenn
das ein Druck ist, der auf Ihnen lastet, aber es ist auch schön, wenn man
wirken kann. Gut ist, dass so viele mithören auch bei unseren
Gottesdiensten, die sich daran nicht mehr freuen können. Die Krankheit
stellt alle unsere Lebensziele in Frage. Leben, wozu eigentlich? Und dann,
wenn ich krank bin? Wenn keine Besserung kommt, wozu eigentlich lebe ich
noch? Die alten Fragen zum Pflegeheim, die seelisch Kranken fragen so, und
die, die gescheitert sind im Beruf, ohne Schuld, die Misserfolg hatten, die
ihre Prüfung nicht bestanden haben, was ist denn meines Lebens Sinn? Es ist
gut, wenn das alles einmal überdacht wird, das kann doch nicht meines
Lebens Sinn sein, die Arbeit, so sehr wir sie gerne tun, den Urlaub, so
sehr wir darin Freude finden. Im Jahre 1954, also schon fast 40 Jahre her,
da fand in Leipzig ein Kirchentag statt. Das war die damalige DDR, die
wenige Wochen vorher von der Sowjetunion die Souveränität bekommen hat, und
die waren natürlich damals, diese Betonköpfe an der Spitze des Staates,
wahnsinnig stolz auf ihrem neuen Staat. Und da fand von der damaligen
Staatsleitung ein Empfang für die Vertreter der Kirchen statt. Und Heinrich
Gießen, manche kennen ihn noch diesen originellen und fröhlichen späteren
Leiter der Berliner Stadtmission, Heinrich Gießen war die Aufgabe
zugefallen, die Vertreter der Kirche vorzustellen, und der Walter Ulbricht,
hat noch so ein wenig spöttisch in seinem großen Stolz des Vertreters des
materialistischen Sozialismus dann gesagt, nun, was sind denn das für
Leute, die da kommen. Und Heinrich Gießen sagte nur einen Satz: er sagte:
Herr, Vorsitzender, man kann es vielleicht am besten mit einem Satz sagen:
das sind alles Leute, die gerne in den Himmel kommen. Und das auf dem Boden
der DDR. Wenn man heute bei einem kirchlichen Empfang so einen Satz sagen
würde, ich glaube, da würden die Theologen aufspringend sagen, Nein, nein,
nicht aufs Jenseits schielen, wir wollen Staatsbürger sein, wir wollen die
politische Probleme lösen, wir wollen Frieden schaffen, vielleicht würden
sogar manche aussagen, wie wollen den Sozialismus auf der Welt aufrichten.
Es gibt auch solche. Aber der Heinrich Gießen hat die biblische Linie
getroffen! Bei allen Aufgaben, die wir in dieser Welt haben, ist das die
Bestimmung, die Gott mir gegeben hat, dass ich einmal in der himmlischen
Herrlichkeit vor seinem Throne bin. Und hoffentlich fehlt dann keiner von
uns, hoffentlich ist dann keiner irgendwo auf der Strecke geblieben. Ob wir
dieses Ziel erreichen, Paulus sagt, ich jage nach dem vor gesteckten Ziel,
nach der himmlischen Berufung, die will ich erreichen, die ist mir so
wichtig, und darüber will ich heute predigen als das Ziel meines Lebens,
wozu lebe ich. Und die gilt für alle. Für die Kranken, und für die
Gesunden, für die Starken und für die Schwachen, und für die Alten und für
die Jungen.
Ich habe es noch nicht ergriffen
Zuerst möchte ich stehen bleiben bei dem Satz vom Paulus: Ich habe es noch
nicht ergriffen. Sie haben sicher schon viel über den großen Apostel
nachgedacht und viel von ihm gehört. Und Sie kennen ihn. Paulus ist uns ein
Vorbild mit seinem großen missionarischen Eifer, mit all dem, was er wirken
konnte! Gab es je noch einmal so einen Menschen wie er? Unermüdlich, lesen
Sie mal seine Briefe, was steckt da drin an Glaubens-Erkenntnis, an
theologischer Tiefe. Was war das für ein Mann, den Gott gefüllt hat mit dem
Heiligen Geist. Der Paulus steht vor uns als ein ganz großer Mann, zu dem
wir aufblicken. Der ist mit ein Vorbild. Und wenn wir nur daran denken, wie
er mit den Niederlagen in seinem Lebens fertig wurde, mit Misserfolg, mit
Feindschaft, mit Hass, mit Unrecht. Als sie ihn eingesperrt haben ins
Gefängnis, er hat das weggesteckt im Glauben. Er sagte: denen, die Gott
lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen. So wollte ich mal sein wie
Paulus. Das ist mir ein Vorbild! Und dieser große Mann sagt: ich habe es
noch nicht ergriffen! Ja, jetzt habe ich gemeint, der wäre wenigstens ein
richtiger Christ, der hätte es wenigstens, so ganz ergriffen. Paulus sagt,
ich hab es auch noch nicht ergriffen. Ich bin noch nicht vollkommen. Das
sagt er wörtlich: Ich bin noch nicht vollkommen. Da steckt ja immer wieder
uns eine Versuchung drin, dass wir ein wenig mogeln, und so vor anderen
Menschen so tun, als ob wir jetzt doch schon so ein Stück weit
Himmelsgestalten wären. Ist ja eine Versuchung, dass wir so nach außen tun,
und sagen: Wir wollen den Leuten doch mal zeigen, wie schön wir sind, und
wie gut und wie lieb. Der Paulus sagt ganz offen: ich spüre auf Schritt und
Tritt meine alte Menschenart! Tröstet Sie das nicht? Es muss Sie trösten!
Er hatte also auch kämpfen und ringen müssen. Dann fiel ihm das auch nicht
einfach in den Schoß, und gerade dann... Er war doch so krank, da beim das
auch so hart und er hat gezittert: Herr, ob ich die Schmerzen durchhalten
kann! Es fiel ihm nicht leicht. Und wenn die Menschen ihm so gemein
zusetzten, da musste er auch schlucken. Er war nicht vollkommen, das hat
ihn sehr tief berührt, und sehr hart angefochten. Und das ist gut, dass wir
hier so ins Herz von diesem Paulus hinein gucken dürfen und er sagt jetzt
noch nicht ergriffen. Aber ich will! ich will ich will weiter, ich will
vorwärts. Ich möchte in meinem Leben nur viel mehr von Christus erleben,
erfahren, das kann man von Paulus lernen. Er war ein dynamischer Christ. Er
hat sich nie ausgeruht auf dem, was er bisher erreicht hat. – Bei uns gibt
es so viele Leute, die sagen, ist doch gut, ich bin doch kirchlich, ich bin
getauft, oder, ich bin doch jetzt in meinem Leben auch schon ganz weit
gekommen, ich habe schon zweimal die Bibel gekommen, uns so... Wir ruhen
immer so gern aus, auf dem was wir erreicht haben. Ich kann es Ihnen
vielleicht am besten mit einem kleinen Bild sagen, was man nicht so schnell
vergisst: Als echter Stuttgarter war ich mein Leben lang immer stolz auf
den Stuttgarter Hauptbahnhof. Er hat mir schon als Kind Rieseneindruck
gemacht. Damals waren noch die großen Dampfloks da, die Schnellzugloks.
Wenn die ihren Dampf abgelassen haben, war immer ein Fest. Und dann wusste
man noch: Dieser Bau von Paul Bonatz ist noch ein Architekturkleinod. Und
meine ganze Freude und mein Stolz, Stuttgarter Stolz am Hauptbahnhof, die
hat ein Onkel von mir völlig zerstört. Das war ein Preuße, natürlich ein
Preuße. Und der kam eines Tages, und hat uns Kindern gesagt: das ist der
größte Wahnsinn, den man sich denken kann. Ein Kopfbahnhof, ein
Kopfbahnhof, da fährt die Lok rein, und dann muss alles aussteigen, und
dann muss die Lok umgekoppelt werden. Da verliert man Zeit, und das ist ein
Milliardengrab, und so ein Unding, hat der geschimpft. Und so ein Unding,
das ist so eine Dummheit, wie kann man nur einen Kopfbahnhof bauen, gesagt,
ihr müsst mal nach Köln oder ihr müsst mal nach Hannover, da fährt der D-
Zug rein, hält drei Minuten, und dann fährt er wieder weiter. Weiter! Ihr
da in Stuttgart, ihr seid da beschränk! Da hört es bei euch auf. Weiter,
weiter müsst Ihr! Hat er nicht recht gehabt? Vom Christenstand, wenn ich
das Bild auf den Christenstand nehme, da gibt es nicht einen Sackbahnhof.
Da sind Sie nie am Ende, solange Sie leben, und sagen: ich will weiter, ich
will weiter. Ich will mehr von Christus entdecken, mehr von seiner Macht.
Ich möchte mehr von seiner Liebe erfüllt sein, ich möchte treuer beten,
zielsicherer hoffen, mehr mich einsetzen, mehr wagen, Ich habe es doch noch
nicht ergriffen, ich bin doch noch nicht vollkommen, ich will immer mehr
von ihm entdecken, und immer mehr von ihm bekommen. Aber jetzt sagt Paulus
auch noch ein zweites:
Er hat mich ganz fest ergriffen
Er hat mich ganz fest ergriffen. Er hat mich ganz fest ergriffen.
Also heute ist das fast kennzeichnend für eine christlichen Gemeinde, dass
man unheimlich jammert, und klagt. Und dann redet man über die Zweifel, und
sagt, ich bin eben in meinem Christenstand auch in Problemen behaftet. Das
ist ein beliebtes Ding, dass man über Probleme spricht und Zweifel, und
über Anfechtungen, und über Nöte. Dabei können Sie sich nie auf den Paulus
berufen. Er sieht das sehr klar und realistisch, wie er in seinem
Christenleben nicht vollkommen ist. Und auch den himmlischen Christenstand
noch gar nicht erreicht hat. Aber dann sagt er ganz fröhlich, mit einer
Stimme, die an Siegesjubel erinnert: Aber mich hat Christus ergriffen und
darum die wankt bei ihm nichts. Das war nicht eine Stunde in seinem Leben
auch irgendwo wacklig. Seit seiner Bekehrungsstunde war ihm klar: Nichts
kann ich mir aus der Hand Jesu reißen. Ich bin geborgen in Zeit und
Ewigkeit. – Doch nicht, weil ich vollkommen bin! Sondern, weil Christus
mich ergriffen hat! Was ist denn eigentlich die Bekehrungsstunde? Jetzt ist
gar nicht wichtig, sie bis auf die Minute festlegen zu können; oder ob Sie
sagen, das ist mir erst im Verlauf einer gewissen Zeit so nach und nach
aufgegangen. Aber das ist doch entscheidend wichtig, da sie einmal merken
müssen: Ich kann mit einem Leben der Anstrengung, und der guten Tat, und
des Wohltuns, und der Liebeswerke, kann ich nicht vor Gott recht werden.
Gerecht sein. Ich bleibe vor Gott immer im Manko, wie ein Kaufmann, der
seine Bilanz macht, und der merkt, ich kann meine Schulden nicht abdecken.
Und die Bekehrungsstunde, wo sie auch liegen mag, die war bei Paulus so,
dass er plötzlich entdeckte: Damals, als der Seelsorger Ananias mit ihm
redete in Damaskus: Jesus hat alles, alles, bezahlt. Für dich. Die ganze
Schuld hat er durchgestrichen. All das alte ist weg. Alles ist weg. Ich bin
bei Gott angenommen, und adoptiert als sein Sohn und gehöre ganz Gott. Und
da ist nicht ein Hauch mehr zwischen. Es ist alles unverdiente Gnade.
Dieses, was er da erkannt hat, diese Erkenntnis Christi, die Vergebung Jesu
am Kreuz, ihm zugesprochen, die war für ihn der Angelpunkt seines ganzen
Denkens, und an dem hält er so fest. Und das war ihm so groß, er hat
gesagt, darum ist doch in meinem Leben jetzt gar nicht mehr wichtig, ob ich
da recht oder falsch gehandelt habe, ich will doch nicht ach mein
wohlanständiges Leben ordnen, den Menschen will ich sagen, ich bin besser
als du... Ich vergesse, was da hinten liegt. Ich will doch nicht mehr nach
den Gesetzesordnungen meine eigene Rechtschaffenheit demonstrieren, ich
lass das alles hinten liegen. Ich freue mich der großen Gnade, die ich
bekomme, der wunderbaren Vergebung, die mir zugesprochen ist. Und das ist
so groß, und so verlässlich, dass ich daran mich halten darf. – Nehmen Sie
noch mal das Bild der Bilanz, diesen Kaufmann, Wo er Soll und Haben
gegenüberstellt. Und Paulus sagt: Es gibt bloß ein Stück auf der
Habenseite: Christus tritt für mich ein. So wird es sein am jüngsten Tag,
dass Christus für mich eintritt und sagt: Für den bin ich gestorben. Der
gehört mir. Den darf niemand verdammen, den darf niemand anklagen. Ich hab
die ganze Rechnung bezahlt. Da brauchen Sie nichts mehr daneben stellen. Da
brauchen Sie nicht mehr ihre eigenen Verdienste aufzählen. Und Paulus sagt:
Es ist mir sogar in meinem Leben ein Hindernis geworden! Ich merke immer
wieder, wie das in meinem Leben, dieses Rechnen, bin ich gut, oder schlecht
wo habe ich Fortschritte gemacht,... Das hält mich auf, ich will immer mehr
bloß bei der Gnade bleiben, und will nicht daran freuen. Jetzt erleben sie
ja auch in ihrem Leben, dass immer wieder der Teufel, Sie müssen wissen,
dass es der Teufel ist, der Ihnen Unruhe schafft, und sagt, du, besonders
in den Krisenzeiten der seelischen Erkrankung, der körperlichen Erkrankung
sagt er, du darfst dich gar nicht auf Jesus berufen, und dann kommt das
plötzlich in der Nacht, Versäumnisse und Schuld wacht auf. Und dann sind
Sie ganz gerädert, und sagen, stimmt ja, ich habe so eine schlimme
Fantasie, und in meinem Leben sind so grausige Dinge passiert. Ob das
wirklich mir gilt mit der Vergebung? Dann dürfen Sie dem Teufel die Maske
vom Gesicht reißen und sagen: Geh weg, du hast doch nichts mehr zu sagen!
Christus ist hier! Nichts, nichts kann mich verdammen, nichts nimmt mir
meinen Mut, die Hölle und ihre Flammen löscht meines Heilands Blut. Kein
Unheil mich erschrecken kann, kein Unheil mich betrügen, weil mich mit
Flügeln decket mein Heiland, der mich liebt. Der hat mich ergriffen, dem
gehöre ich, und ich bin sein Eigentum, und auch in den dunklen Stunden ist
das mein einziger Trost. Lassen Sie doch den Unsinn, dass Sie sagen, ach,
meine Mitmenschen, die loben mich oft auch, dass Sie ganz unsicher ihre
Kinder fragen: Bin ich nicht doch recht? Nein, wir sind alle schuldige
Leute. Aber wir freuen uns des großen Trostes, dass er mir vergeben hat.
Und so dürfen Sie mutig, fröhlich, siegesgewiss in allen Anfechtungsstunden
sagen: Geh weg Satan, du hast nichts mehr zu melden, du hast gar nichts
mehr zu sagen. Das Christenleben ist ganz einfach. Festo Kivengere, der
Bischof von Uganda hat dieses schöne Bild gesagt, dass ich immer und immer
wieder in meinen Predigten gebrauchen will: Ich darf meine schwache,
kleine, zitternde Hand in die starke, mächtige Hand Jesu legen. Selbst mein
Glaube mag schwach sein, aber darum bin ich fest, weil er mich hält! Und
weil er mich an der Hand hat. Da mag in unserem Leben so viel nach außen
hin wüst und elend und schmutzig sein, und wir sagen, aber von mir gilt
etwas ganz anderes, und das habe ich einmal ergriffen, und das steht fest.
In meines Herzens Grunde / sein Kreuz und Nam' allein, funkelt allzeit und
Stunde, des kann ich fröhlich sein. Das ist das, was in meinem Leben wie
ein Eigentumsstempel eingebrannt ist: Ich gehöre ihm ganz. Das war der
Grund, warum der Paulus so fröhlich war. Nicht weil er vollkommen war, das
gibt es nicht. 20,19. Und nicht weil er gesagt hat so, jetzt bin ich in
einem Stand, das habe ich erreicht, sondern weil er weiß, Christus hat mich
ergriffen. Nun erst recht, mit dem will ich schließen.
Ich jage ihm aber nach
Nun erst recht. Jetzt sagt er: ich jage ihm aber nach, ich jage ihm aber
nach. Ich weiß nicht wie oft das gehört habe. Das höre ich dauernd, dass
Leute sagen, man dürfe das nicht so sagen, weil das einen sicher mache und
ruhe. Und da schlafe einer aus und benützt es als Ruhekissen. Das ist ein
Unsinn, das stimmt ja gar nicht. Ein Christ braucht nicht die Mahnungen des
Gesetzes. Manchmal kann man auch in der Christenheit nicht mehr ertragen,
wie viel auch immer wieder: Jetzt musst du das tun, jetzt musst du das tun,
und nochmal was. Dann musst du hier aktiv sein, und dort und hier und neue
Pflichten und neue Verordnungen. Das ist ein ganz gequälter
Christenstandpunkt. Paulus war ein dynamischer aktiver Christ, warum denn?
Weil er Christus erlebt hat, und das macht einen Menschen aktiv, viel
aktiver, als alles andere. Wri haben ja gerade die Olympiade hinter uns,
wenn man da den Sportlern zugesehen hat, wie die ihre Runden gedreht haben,
wie die Hindernisläufer über die Hindernisse hinweg sind, wie leichtfüßig,
wenn die Stabhochspringer über den Stab sind, nicht, dass es so toll wie
das gemacht haben. Wegen was denn? Wegen der Ehre, wegen ein bisschen
Blech! Das war alles, um des Zieles willen. Und bei Paulus? War es in jeder
Stunde seines Lebens: Ich möchte doch den Himmel gewinnen. Ich möchte doch
meine Himmelsberufung nicht verlieren, wer auch läuft und läuft so
schlecht, der verliert seinen Kronen-Recht, ich will doch mein Kronen-Recht
nicht verlieren. Denken Sie mal darüber nach. Wenn die Versuchung der Sünde
Sie betört. Und sagen, ach sieht doch niemand! Und ach, kann ich doch
machen! Wollen Sie denn das vor den Augen Gottes tun und ihr Kronen-Recht
verlieren? Und wollen Sie untreu sein? Ich jage ihm aber nach, und dann
läuft und läuft er und er hat eine Leidenschaft und eine Liebe, um der
Berufung Jesu willen, das hat sein Leben erfüllt. Ich will die
Gerechtigkeit Jesu gewinnen, ich will das jetzt umsetzen, heute schon,
natürlich. Und das will uns Mut machen, für die Aufgaben, in die Sie hinein
gehen. Ich will immer mehr dort drin mitten in dieser Welt die Kraft der
Auferstehung Jesu gewinnen. Und ich bin gespannt, was Jesus noch aus
unserem müden Leib heraus wirken kann. Ahnen Sie, dass da die größten
Erfahrungen noch bevorstehen? Sie können staunen, was er noch macht. Darum
bin ich gespannt und Paulus war interessiert, vorwärts gewandt: Ich
vergesse, was da hinten liegt, ich red nicht mehr von gestern, ich bin voll
auf fröhlicher Erwartung auf die neuen Eindrücke, die neuen Erfahrungen,
die ich mit ihm finden darf. Ich hab in den Urlaubstagen meiner Frau
abends, während sie etwas gehäkelt oder gestrickt hat, gerne was vorgelesen
von alten Biografien. Und da kam ich an einen Missionspionier, den ich
überhaupt nicht kannte. Allen Gardiner. Der war zuerst nach Neuguinea
gegangen im letzten Jahrhundert, dann war er ins Zulu-Land gegangen, und da
hat er gemerkt, da ruft mich Gott nicht. Und dann hat er von einem
Menschenstamm gehört, von dem Darwin sagte, das sei eine tierische Rasse,
nicht der Veredelung fähig, das sind die Pesheräs, die in Feuerland leben.
Einen Monat ist Frühling-Sommer-Herbst, von Dezember bis Januar, und dann
bricht die Kälte wieder ein, und der Winter ist da. Und dann ist er dorthin
gegangen und der war nur ein Jahr im Wirken, und dann ist er gestorben an
Skorbut. Das Nachschubschiff kam nicht mehr hin. Und er hat Aufzeichnungen
hinterlassen und da schrieb dieser Mann und sagt: Ich möchte es allen
meinen Freunden sagen, wie fröhlich ich bin, seit fünf Tagen warte ich auf
die Ankunft des Schiffes, wir haben nichts mehr zu essen und zu trinken,
aber wir wissen, dass es der himmlischen Herrlichkeit entgegen geht, und
mein Leben ist nicht vergeblich gewesen. Und nun sind Sie nicht berufen,
nach Feuerland zu gehen, oder an den Südpol. Sie sind wahrscheinlich nur in
sehr schwierige Lebensabschnitte berufen. Unsere Kranken, denen wird bang
vor jedem Tag. Ihnen wird Angst wenn sie nur das Gesicht der Kollegen
wieder sehen. Paulus sagt, ich habe eine Bitte, ich will den Leiden Christi
gleich gestaltet werden. Da müssen Sie viel darüber nachdenken. Paulus
bittet nicht, und sagt: Herr, ich möchte so mächtig sein wie du. Ich will
überall Siege erleben. Du musst mir alle Hindernisse aus dem Weg räumen.
Sondern er sagt: Herr ich will auch deine Leiden mittragen, Schwierigkeiten
erdulden, den Hass der Menschen, dass mir die Kraft genommen wird, dass ich
gehöhnt und verlacht werde, ich Niederlagen erlebe. Aber gerade da will ich
dich, den Auferstandenen erfahren. Ich will deinen Leiden gleich gestaltet
werden. Ich bin bereit, auch die Jahre, die vor mir liegen, auch mit
Schwerem noch zu füllen, aber da soll das Loben und das Danken nicht
aufhören. Und ich will fröhlich meine Straße gehen, weil ich es tue dir zu
Ehren und zu deinem Lob, und weil ich deine Kraft der Auferstehung dann
erfahren darf. Amen.

