Serie•Teil 18 / 53Lukas-Evangelium
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Einordnung des Predigtverlaufs
Wir stecken immer noch im Lukasevangelium. Und für den Fall, dass ihr am 1.11. entscheidet, dass ich noch ein bisschen länger kommen soll, dann werden wir noch ein bisschen länger darin stecken. Insgesamt sind das nämlich 43 Predigten, die durch das Lukasevangelium ziehen, zumindest nach einer ersten groben Einteilung, die ich irgendwann einmal gemacht habe, um zu überlegen, ob das überhaupt geht.
Wir stecken am Ende von Lukas 8. Und mir war es wichtig, euch in den letzten Sonntagen, in denen es um das Lukasevangelium ging, zu zeigen, dass wir in den Kapiteln 7 und 8 ein Schwerpunktthema haben, nämlich das Schwerpunktthema Rettung. Und am Ende von Kapitel 8 treffen wir auf eine ganze Reihe von Ereignissen, die sich mit der Frage beschäftigen: Wovor werden wir eigentlich errettet?
Wer bei der Bibelwoche über den Römerbrief aufgepasst hat, der kennt die Bibelschuleins plus Antwort auf die Frage, wovor werden wir eigentlich errettet. Die heißen ungefähr so: Wir werden vor der Schuld, Macht und Gegenwart der Sünde gerettet. Das wäre so Römerbrief 1 bis 8 im Schnelldurchlauf.
Dass das Thema Sündenvergebung tatsächlich ein Thema ist, das auch Lukas interessiert, aber nicht ganz so oberflächlich, wie wir uns das vielleicht wünschen würden, also nicht nur an der Oberfläche, das wissen wir aus Lukas 7. Dort treffen wir auf eine Sünderin, die Jesus salbt, im Haus eines Pharisäers. Und da heißt es in Vers 47: Deswegen sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt.
Also: Lukas redet davon, dass Errettung damit zu tun hat, dass Sündenvergebung stattfindet. Und wenn wir die verschiedenen Aussagen aus den verschiedenen Geschehnissen in Lukas 7 und 8 einfach einmal zusammenziehen, dann bildet sich vor uns folgendes grobe Schema: Sündenvergebung geschieht dadurch, dass Menschen auf Gottes Wort hören, glauben und Gottes Gnade empfangen. Und diejenigen, die Sündenvergebung erfahren haben, sollen Gott nachfolgen und in Gehorsam eine Liebesbeziehung zu ihm leben.
Das heißt: Sündenvergebung steckt tatsächlich im Herz, im Zentrum meiner Beziehung zu Gott. Wenn das nicht so wäre, wenn meine Sünden nicht vergeben worden wären, dann könnte ich mit Gott überhaupt keine Verbindung aufnehmen. Das ist die eine gute Nachricht.
Und meine Sorge, und deswegen auch diese Predigtreihe, ist die: dass wir denken, okay, das war es jetzt. Wir reduzieren Christsein auf Sündenvergebung. Irgendwie ist da Sünde geklärt, okay, ich komme in den Himmel, das ist gut. Aber so für mein alltägliches Leben, so für dieses morgens Aufstehen, vor seinem Müslitopf sitzen, dann vielleicht die Zeitung aufschlagen, ins Auto steigen, zur Arbeit fahren, hat das wenig zu tun.
Und die Gefahr ist, dass wir uns am Sonntag darüber freuen, in den Liedern: „Meine Sünden sind vergeben, ich habe dich ja so lieb“, und am Montagmorgen unser Leben leben, als wäre nichts passiert. Das ist die Gefahr, wenn wir nicht begreifen, was Sündenvergebung, was überhaupt Vergebung und Errettung mit unserem Alltag zu tun hat.
Ich glaube, dass Lukas sich dieser Gefahr bewusst war, als er am Ende dieser zwei Kapitel, 7 und 8, vier Ereignisse berichtet, die alle mit Rettung oder Befreiung zu tun haben, aber ganz unterschiedliche Aspekte der Befreiung beleuchten.
Die ersten beiden haben wir uns das letzte Mal angeschaut. Das war Lukas 8, ab Vers 22, die Stillung des Sturmes. Mir war es wichtig, euch zu zeigen, dass ein gläubiger Mensch, der Sündenvergebung empfangen hat, der mit Gott lebt, von diesem Denken befreit ist, ein hilfloser Spielball des blinden Schicksals zu sein. Das war diese erste Geschichte.
Die zweite Geschichte, die Heilung des besessenen Geraseners, Lukas 8, ab Vers 26: Worin besteht die Befreiung? Die Befreiung besteht darin, dass wir nicht mehr in diesen grausamen Fängen des Teufels stecken und auf seine Lügen nicht mehr hereinfallen müssen.
Das heißt: Befreit leben bedeutet, ich weiß zum einen, dass mein Leben, egal was kommt, sich in Gottes Hand befindet. Ich muss mir keine Sorgen machen. Ich muss mich nicht davor fürchten, dass ein dahergelaufener Sturm oder irgendein anderes Unglück Gott einen Strich durch die Rechnung macht, die er für mein Leben aufgestellt hat.
Das heißt noch lange nicht, dass mir alle Wechselfälle meines Lebens gefallen. Das heißt noch lange nicht, dass ich nie Angst haben werde oder nie Opfer sein werde. Aber es bedeutet, und jetzt greife ich auf diese Geschichte zurück: In meinem Lebensboot schläft Jesus. Er ist bei mir, und ich weiß, dass er mit mir geht. Und ich weiß, dass er weiß, wo die Reise hingehen soll. Und ich weiß, dass er mein Leben ans Ziel bringen wird. Das ist eine ganz wichtige Aussage, die uns sehr viel Angst aus dem Leben wegnehmen kann.
Und dann heißt befreites Leben als Quintessenz des Lebens dieses Geheilten oder von der Besessenheit befreiten Geraseners, ich lese mal Lukas 8, Vers 39, das ist der Auftrag, den Jesus ihm gibt: Kehre in dein Haus zurück und erzähle, wie viel Gott an dir getan hat. Und er ging hin und rief aus durch die ganze Stadt, wie viel Jesus an ihm getan hat.
Befreit leben heißt: Ich darf davon erzählen, wo Gott mich herausgeholt hat. Und jetzt ist Besessenheit sicherlich eine extreme Form. Bei der Besessenheit verliert ein Mensch die Kontrolle über seinen eigenen Körper. Ein anderer Geist übernimmt die Kontrolle.
Aber selbst wenn ich sage, das ist eine Extremposition, dürfen wir mal darüber nachdenken: Wo fängt Manipulation und Beeinflussung durch den Teufel eigentlich an? Und es ist natürlich nicht so, dass wir alle besessen sind. Aber wir leben in einer Welt, die geprägt ist von Lügen, von falschen Idealen, von falschen Zielen. Und an dieser Stelle, wenn wir diesen Lügen auf den Leim gehen, wenn wir uns darauf einlassen, wenn wir glauben, bestimmte Dinge zu haben oder zu denken oder zu leben würde uns glücklich machen, die in Wirklichkeit nicht glücklich machen, dann sind wir noch nicht leicht besessen. Aber wir sind doch irgendwie von dem Gott dieser Welt, von dem Teufel, beeinflusst, manipuliert. Und wenn wir Pech haben, werden wir in die Irre geleitet und langsam zugrunde gerichtet.
Und ich darf mich an dem Beispiel dieses befreiten Geraseners aufrichten. Ich darf mich hinstellen und sagen: Ich bin frei!
Ein schöner Vers: Johannes 8,36. Da heißt es: Wenn nun der Sohn euch freimachen wird, so werdet ihr wirklich frei sein.
Und das gehört so zu den Dingen in meinem Leben, wo ich sage: Bah, das ist einfach wunderschön! Ich freue mich, dass ich die Bibel habe als Gebrauchsanweisung Gottes für mein Leben. Ich freue mich, dass ich ein neues Herz habe, das Gott mir geschenkt hat, dass in mir drin dieses Wollen ist, ihm gefallen zu wollen. Und ich danke ihm dafür, dass ich Gottes Geist habe als einen Impulsgeber, als eine Kraftquelle, als einen Mitbeter, der mich durch diese Zeit hindurchtragen wird.
Und wisst ihr, was mich am Christsein maßlos begeistert? Ich habe euch das mal mitgebracht. Mich begeistert es maßlos. Und ich weiß wirklich, wenn ich manchmal so auf mein Leben zurückschaue, nicht, wie ich euch das rüberbringen soll, dass mich das wirklich maßlos begeistert. Ich kann natürlich hier vorne auf und ab springen und irgendwie laut in dieses Mikro blasen und so, aber eigentlich möchte ich sagen: Es gibt so Dinge am Christsein, wo ich sage: Boah, da bleibt einfach etwas.
Und ich habe euch das mal mitgebracht. Das ist so ein Zettel, der mich begeistert. Warum? Das ist eine Kopie, und ich werde euch das nicht zu nahe halten, weil ihr nicht lesen sollt, was hier draufsteht. Das ist eine Kopie eines Zettels aus meiner Gebetskladde. Ich habe eine Gebetskladde, das ist eine Vorlagemappe, wo alle Zettel drin sind mit den Gebetsanliegen.
Da gibt es eine Rubrik Christen, da stehen einige von euren Namen drauf. Noch ein paar hundert andere. Dann gibt es eine Rubrik Gemeinden, dann gibt es eine Rubrik Mission, dann gibt es eine Rubrik, die heißt bei mir VIPs. Das sind einfach Leute, die noch gar nicht gläubig sind, die ich aber schon kenne. Und dann gibt es auch eine Rubrik Jürgen, Bärbel und Familie. Und in dieser Rubrik Jürgen, Bärbel und Familie gibt es eine Rubrik Jürgens ganz persönliche Probleme. Deswegen dürft ihr da nicht draufschauen.
Und immer, wenn ich etwas habe, wo ich mir dann so denke: Ja, ich lese die Bibel und dann fällt mir etwas auf, oder jemand sagt mir freundlicherweise: Du, an der und der Stelle hast du ein Problem, dann schreibe ich das hier drauf. Und ich schreibe es mit Datum auf. Wann immer mir eine Sünde deutlich wird, schreibe ich sie hier drauf, und sie ist in meiner täglichen Gebetsliste oder in meiner Routinegebetsliste für mich.
Und jetzt kommt es: Wisst ihr, was mich begeistert? Mich begeistert, dass hier Dinge draufstehen, die waren mal ein Problem, sonst wären sie nie hier draufgekommen. Und sie sind kein Problem mehr. Es begeistert mich deshalb, weil im Grunde meines Lebens die Dinge, die sich hier ändern, das Eigentliche sind, was mein Christsein wertvoll macht, für mich ganz subjektiv persönlich.
Wenn hier draufsteht, aus dem Jahre 2003, August 2003: leicht reizbar, schnell zornig. Ja, ja, ihr lacht, ich kann heute nicht so lachen, aber das steht da. Das heißt, im Jahre 2003 ist mir klar geworden: Mann, Freund, du hast an der Stelle ein Problem. Im November 2004 ist mir deutlich geworden: zu wenig milde, zu wenig freundlich im Umgang mit der Familie, zu sehr schulmeisternd im Umgang mit Bärbel. Ihr könnt euch vorstellen, was für Ereignisse zu solchen Aussagen führen.
Wenn ein Mann bereit ist, in den Spiegel zu schauen und zu sagen: Ich habe ein Problem, ist das ja schon eine ganze Menge. Wenn du einen Mann dazu bringst, es so zu formulieren und aufzuschreiben und dafür zu beten, hast du schon fast gewonnen. Als Frau musst du dann nur noch zwei, drei Jahre durchhalten, bis Gottes Gebet, ja, ja, das braucht immer ein bisschen, aber zwei, drei Jahre später, Gebet, und ich sag dir, es fängt etwas an.
Und heute lese ich das und sage mir: Das ist nicht mehr mein Problem. Gott hat mich verändert. Also ich bin vielleicht immer noch nicht der liebste Charakter unter der Sonne, aber dieses leicht reizbar, schnell zornig, nee, das ist nicht mehr der Fall. Ja, ich habe fünf oder noch mehr Jahre dafür gebetet, das habe ich getan. Und Gott hat mich verändert.
Und das ist die Botschaft des Geraseners: Ich bin frei. Ich lebe in einer Welt mit bestimmten, na ja, negativen Dingen, die ich so mitbringe. Das sind nicht nur meine Senk- und Spreizfüße. Da ist im Charakter einiges schief. Und ich muss irgendwie frei werden. Und wie werde ich frei? Und Gott sagt: Ich gebe dir mein Wort, erst einmal für einen Standard, damit wir wissen, wo wir hinwollen. Und dann gebe ich dir meinen Geist, damit du genug Kraft und immer wieder so den Impuls hast, den du brauchst. Und dann gebe ich dir eine Beziehung, ich gebe dir Auferstehungsleben. Und ich gebe dir die Chance, dass du frei werden kannst, Stück für Stück. Nicht von heute auf morgen, ja, nicht dieses: Oh! Sondern du gehst jeden Tag ein Stück weiter in die Freiheit.
Und das finde ich am Christsein so schön. Ich schreibe das auf und ich weiß: Vielleicht muss ich fünf Jahre dafür beten, kann sein, dann bete ich fünf Jahre. Was sind fünf Jahre? Ich tue es einfach. Für mich ist das wahre Freiheit, wenn ich umdenken darf, wenn ich Lebenslügen durchschauen darf, wenn ich in meinem eigenen Verhalten nachhaltig Veränderung erfahre, wenn ich tatsächlich durch den Heiligen Geist Jesus immer ein Stückchen ähnlicher werden darf. Das ist für mich wahre Freiheit, das ist für mich wahres Christsein.
Und alles andere bedeutet für mich relativ wenig auf der ganz persönlichen Ebene, weil wenn sich da etwas ändert, wisst ihr, was sich dann ändert? Dann ändert sich meine Ehe, dann ändert sich die Einstellung zu meinen Kindern, zu meinem ganzen Leben letztlich. Und darauf kommt es an.
Heute möchte ich euch zwei weitere Aspekte der Befreiung zeigen, und wir lesen Lukas 8, die Verse 40 bis 42:
Es geschah aber, als Jesus zurückkehrte, er war jetzt wieder über den See zurückgefahren, nahm ihn das Volk auf; denn alle erwarteten ihn. Und siehe, es kam ein Mann mit Namen Jairus, und er war Vorsteher der Synagoge, und fiel Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen; denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zwölf Jahren, und diese lag im Sterben. Während er aber hinging, drängte ihn die Volksmenge.
Können wir uns das vorstellen, wie das ist für Jairus? Wenn deine Tochter schwerst krank ist, Jesus ist nicht da, und du denkst: Der Mann, hoffentlich kommt er bald. Und dann kommt er, und du stürmst auf ihn zu und sagst: Hey, komm mit! Und er geht mit. Es entsteht ein Riesengedränge von Leuten, schiebt sich so ein bisschen durch die Straße, und diese Gelegenheit nutzt jetzt eine Frau.
Und der dritte Aspekt von Errettung hat mit dieser Frau zu tun, dass es wirklich Errettung ist. Lesen wir in Vers 48, da heißt es: Er aber sprach zu ihr, das ist die Frau, die gleich geheilt wird: Tochter, dein Glaube hat dich geheilt. Und in der Fußnote heißt es dann: hat dich gerettet. Geh hin in Frieden.
Um was für eine Art von Heilung handelt es sich? Vers 43: Und eine Frau, die seit zwölf Jahren mit einem Blutfluss behaftet war und obgleich sie ihren ganzen Lebensunterhalt an die Ärzte verwandt hatte, von niemand geheilt werden konnte. Bis dahin eine chronisch kranke Frau.
Es ist keine Besessenheit, wie in dem Fall davor. Es ist eher so etwas wie eine Gebärmutterblutung. Kann nicht geheilt werden, wird behandelt, ist inzwischen, weil sie all ihr Geld aufgewandt hat, mittellos und immer noch krank. Aber sie hat etwas: Sie hat Glauben an Jesus, und dieser Glaube, der treibt sie zu ihm.
Vers 44: Sie kam von hinten heran und rührte die Quaste, das ist so ein Bommel, die Quaste seines Kleides an, und sogleich hörte ihr Blutfluss auf.
Und eigentlich könnte man sagen: Super, schöne Heilungsgeschichte, was ist Jesus doch für ein netter Kerl. Ja, du musst ihn nicht mal groß fragen, du musst ihn nur anfassen, alles ist gut. Aber natürlich ist das überhaupt nicht der Höhepunkt der Geschichte. Jetzt geht es eigentlich erst los.
Eine unreine Frau: Nach 3. Mose 15,19-27 ist eine Frau, wenn sie ihre Menstruation hat oder jede Form von Blutung hat, unrein. Eine Frau will heimlich Jesus berühren. Warum? Na ja, sie möchte einfach keinen Ärger mit den Pharisäern. So eine unreine Frau, die einen Menschen berührt, macht den auch unrein. Das heißt, sie ist seit zwölf Jahren eine Außenseiterin, mit der eigentlich keiner groß etwas zu tun haben will.
Und im Gedränge denkt sie sich so: Okay, offiziell, so öffentlich traue ich mich nicht, aber so heimlich mal um die Ecke herumgreifen und einfach mal so anfassen, das müsste eigentlich reichen, das könnte gehen. Sie nimmt sich ihren ganzen Mut zusammen, versteckt sich in der Menge, berührt das Gewand und wird gesund.
Und dann, Verse 45 bis 47: Und Jesus sprach: Wer ist es, der mich angerührt hat? Lustige Frage, ja, also du bist mitten im Gedränge, ja, so ein bisschen wie wenn so ein Rockstar sich einen Bart in der Menge nimmt: Wer hat mich angerührt?
Als aber alle abstritten, sprach Petrus: Meister, die Volksmengen drängen und drücken dich, und du sagst: Wer ist es, der mich angerührt hat? Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt. Denn ich habe gespürt, dass Kraft von mir ausgegangen ist.
Als aber die Frau sah, dass sie nicht verborgen blieb, kam sie zitternd und fiel vor ihm nieder und berichtete vor dem ganzen Volk, um welcher Ursache willen sie ihn angerührt habe und wie sie sogleich geheilt worden sei.
Ich weiß nicht, ob ihr euch vorstellen könnt, was das bedeutet, so ins Rampenlicht gezerrt zu werden. Du hast alles daran gesetzt, heimlich die Sache über die Bühne zu bringen, so dass keiner es mitbekommt. Du wolltest eigentlich nur gesund werden und kein großes Aufsehen. Und dann bleibt Jesus stehen und sagt: Wer hat mich angerührt? Du denkst: Nein, das kann nicht sein, dass er mich meint. Und keiner meldet sich. Du denkst: Na, vielleicht bin ich es ja doch gewesen. Ach nee, das geht überhaupt nicht.
Und Jesus wartet ab, schaut in die Menge, schaut sie wahrscheinlich auch direkt an, und irgendwann traut sie sich hervor und sagt: Okay, ich war’s. Und Jesus fragt sie: Sag mal, warum? Erzähl deine ganze Geschichte. Und sie erzählt ihre Geschichte.
Und die Frage, die sich an dieser Stelle für uns stellt, ist natürlich: Warum mutet Jesus ihr diese, in unseren Augen womöglich unnötige und auch ein Stückchen demütigende, Beichte zu? Warum zwingt Jesus sie dazu?
Die Antwort darauf hat mit der Frage zu tun: Warum ist meine Errettung eigentlich nicht vollständig, warum ist ihre Errettung nicht vollständig, wenn sie sich nicht outet, wenn sie nicht offen dazu steht? Und es hat mit der Frage zu tun, wovon Jesus uns befreit.
Es hat damit zu tun, dass ich nicht durch die Kraft Jesu gerettet werden kann, ohne in direkten Kontakt mit der Person zu kommen. Wenn ihr das lest: Jesus sagt, ich habe das gespürt, dass Kraft von mir ausgegangen ist. Wir können nicht zu Jesus kommen, auf ihn vertrauen, von ihm heil werden, ohne dass er das mitbekommt. Das hat immer eine sehr persönliche Note.
Das heißt, wir dürfen hilflos und ausgeblutet zu ihm kommen, und er will uns retten. Aber unsere Rettung ist niemals Selbstzweck. Es geht nicht darum, dass Jesus nur unsere Lebensumstände verbessert. Vorher war ich blutflüssig, jetzt bin ich gesund.
Sondern da, wo Jesus uns rettet, gibt er uns mehr als nur Heilung. Er schenkt uns mit sich selbst einen Lebenszweck. Das heißt: Befreit leben heißt, für das eine Ziel zu leben, für das zu leben, es sich lohnt, nämlich Jesus als den Retter zu bekennen.
Egal welche Not dich zu Jesus treibt: Die Behebung dieser Not ist nur der Anfang, der erste Schritt auf einem Leben, das anderen von diesem Arzt erzählen will, der dich geheilt hat. Es kann sein, dass irgendeine akute Not dich in die Gegenwart Jesu treibt, dass du irgendetwas in deinem Leben hast, wo du sagst: Das zerbricht mich, ich kann nicht mehr weiter. Ein Verlust, eine Angst, eine Niedergeschlagenheit. Und du sagst: Ich muss mit dieser Not zu Jesus kommen.
Und eigentlich möchtest du nur ganz heimlich, du willst eigentlich nur diese Not auf ihn abwälzen, du möchtest von Jesus eigentlich nur diesen Aspekt: Er macht mich gesund. Und dann möchtest du eigentlich wieder weiterziehen und möchtest dein altes Leben weiterleben.
Und Jesus sagt: Ich mache dich gerne gesund, das ist nicht das Thema. Ich bin da für dich. Ich will mir dein Leben anschauen, ich will in dein Leben hineinkommen als der, der dir Rettung gibt. Aber da, wo ich in dein Leben hineinkomme, wo du von mir Kraft absaugst, wo ich mitbekomme, dass du ehrlich mich meinst, an der Stelle entlasse ich dich nicht als geheilt, nicht alleine als geheilt. Sondern ich möchte, dass du das, was du erfahren hast in meinem Leben, ich möchte, dass du das weitergibst. Ich möchte, dass du von da an mich zum Ziel deines Lebens machst und mich bekennst.
Letztes Ereignis: Lukas 8, die Verse 49-56. Jairus wartet ja immer noch. Ihr könnt euch vorstellen, wie er da stand, ja, sein Töchterchen stirbt, und Jesus bleibt stehen und fragt in die Menge: Wer hat mich angerührt? Und Jairus denkt: Ey, komm, jetzt auf! Und tippelt so ein bisschen hin, ja, denkt sich: Komm, jetzt machen wir ein bisschen schneller, du gute blutflüssige Frau, ja, schön, zwölf Jahre krank, weiter, komm, komm, komm, auf, wir haben was vor.
Während er noch redete, kommt einer von dem Haus des Synagogenvorstehers und sagt zu ihm: Deine Tochter ist gestorben, bemühe den Lehrer nicht. Als aber Jesus es hörte, antwortete er ihm: Fürchte dich nicht, glaube nur, und sie wird gerettet werden.
Als er aber in das Haus kam, erlaubte er niemand hineinzugehen, außer Petrus und Johannes und Jakobus und dem Vater des Kindes und der Mutter. Alle aber weinten und beklagten sie. Er aber sprach: Weint nicht, denn sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft. Und sie lachten ihn aus, da sie wussten, dass sie gestorben war.
Als er aber alle hinausgetrieben hatte, ergriff er sie bei der Hand und rief und sprach: Kind, steh auf! Und ihr Geist kehrte zurück, und sogleich stand sie auf. Und er befahl, ihr zu essen zu geben. Und ihre Eltern gerieten außer sich, er aber gebot ihnen, niemand zu sagen, was geschehen war.
Wo liegt der Höhepunkt der Geschichte, was ist der Knackpunkt? Na ja, hat irgendwie damit zu tun, dass dieses Mädchen tot ist. Wir haben es mit einem toten Kind zu tun. Das wird so oft betont, dass es wirklich tot ist. Man muss nicht darüber nachdenken, ob sie vielleicht nur scheintot war, sie ist tot. Leute damals wissen, wie jemand aussieht, der tot ist. Leute kommen, sie ist gestorben, draußen fangen die Klageweiber an zu schreien, Jesus kommt, und was sagt er? Er sagt, sie ist nicht tot, und alle lachen ihn aus. Jesus sagt, sie schläft nur.
Und wir wissen: Wenige Ereignisse davor hat Jesus vorhin einen Jüngling auferweckt. Wir wissen, dass Jesus Tote auferwecken kann. Das heißt, wir wissen, dass der Tod für ihn nicht die letzte Grenze ist. Was wir hier erfahren, ist, wie er zum Tod steht. Und Jesus sagt: Tot? Für mich ist tot wie ein Schlaf. Ja, wenn du schläfst, ich kriege dich wach. Ja, ich brauche ein bisschen Rütteln und ein bisschen länger Rütteln, und irgendwann bist du wach. Und wenn das nicht reicht, nehme ich einen nassen Waschlappen, und dann bist du irgendwann wach.
Und Jesus sagt: Wenn ich einem Menschen begegne, der tot ist, dann ist es etwa so, wie wenn du versuchst, jemanden wach zu machen. Ich wecke den einfach auf. Ich kann jemanden jederzeit vom Tod auferwecken.
Nach der Auferstehung Jesu wird das ein zentraler Teil der christlichen Botschaft, dass die Errettung eines Menschen erst dann beendet ist, wenn er nach dem Tod von Jesus körperlich auferweckt wird. Deswegen kann Paulus in Römer 8 auch sagen: Wir erwarten die Erlösung des Leibes. Unsere Rettung hatte angefangen, aber sie kommt zu einem Endpunkt dann, wenn wir von Jesus gerufen werden, so ähnlich wie dieses Mädchen hier gerufen wird, wenn Auferstehungstag ist.
1. Thessalonicher 4,16-17. Und es ist interessanterweise eine geheime Auferstehung. Wenn ihr das Thema mal studiert, werdet ihr feststellen, dass die Auferstehung der Gläubigen ein Ereignis ist, das eher so ein bisschen undercover stattfindet, fast so ähnlich wie hier, wo bis auf drei Jünger und die Eltern alle hinausgehen, etwas, was nicht groß publik gemacht wird.
1. Thessalonicher 4,16-17: Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus, das sind die schon gestorbenen Christen, werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft.
Wir machen uns das zu selten deutlich, aber es könnte sein, dass du auf dem Weg nach Hause Auferstehung erlebst. Stell dir das vor: Du fährst mit deinem Auto, und plötzlich kriegst du mit: Oh, ich bin gar nicht mehr da. Ja, und du bist schon auf dem Weg nach oben, und du gehst in Richtung Jesus, und Jesus kommt dir entgegen. Ein Auto fährt irgendwo in den Acker, und es bleibt da auch liegen. Also das ist jetzt nicht so dramatisch, denke ich, dass sich da Gott schon darum kümmert.
Es könnte in jedem Moment passieren. Wir wissen nicht, wann es so weit ist. Wir wissen nur, dass es eine Hoffnung gibt, die wir haben: die Hoffnung auf Auferstehung. Ich glaube, dass Lukas uns dieses Ereignis ganz bewusst ans Ende gestellt hat, um uns auf diese Hoffnung auf Auferstehung hinzuweisen.
So wie die Tochter von Jairus tot war und wieder lebendig geworden ist, so hat über das Leben eines Gläubigen ganz grundsätzlich der Tod und vor allem natürlich die Angst vor dem, was danach kommt, seine Macht verloren. So heißt es in 1. Korinther 15,54-55. Paulus beschreibt dort das Thema Auferstehung: Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: Verschlungen ist der Tod in Sieg. Wo ist, o Tod, dein Sieg? Wo ist, o Tod, dein Stachel?
Der Tod verschlungen in Sieg! Leute stehen da und sagen: Hoffentlich kann ich ewig leben, ja, und dann gibt es noch eine Diät, die dich noch zwei Jahre länger am Leben erhält, und was weiß ich, noch ein Jahr länger rausholen. Warum? Weil wir Angst haben vor dem Tod. Wir haben Angst davor, dass es aus sein könnte. Wir wissen instinktiv: Der Tod ist der Chef im Ring, der Tod wird dich holen, die beste Gesundheit ist zum Tod. Du hast keine Chance, diesem Moment zu entrinnen.
Und Paulus sagt: Der Tod ist verschlungen im Sieg. Da, wo andere sagen: Oh, was wird bloß danach kommen, ich habe Angst vor dem Tod, ich habe Angst davor zu sterben, ich hoffe, dass viele hier sind, die sagen: Ich nicht. Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Warum nicht? Weil ich weiß, was danach kommt. Weil befreit leben heißt: Der Horizont meines Lebens ist nicht länger der Tag meines Todes.
Wir sind dazu bereit, befreit ein Leben zu führen, das heute schon über diesen Punkt hinaus in die Ewigkeit hineinblickt und letztlich sogar von der Ewigkeit aus wieder zurückschaut in das, was wir heute leben. Und deswegen brauchen wir auch keine Angst und dürfen keine Angst vor dem Tod haben, weil er für uns ja bestenfalls wie so ein Umsteigebahnhof ist.
Wenn du so mit der Bahn fährst, musst du manchmal umsteigen. Da kommst du irgendwo an, steigst aus, steigst in den nächsten Zug ein. Das ist der Tod für uns: Du steigst aus, und da steht schon der nächste Zug bereit, um einzusteigen und in die Ewigkeit, in die bessere, in die eigentliche Welt, in die Welt, die unser eigentliches Zuhause darstellt, unsere eigentliche Berufung, hinüberzugehen.
So, worum geht es Lukas? Ich wollte euch Errettung als ein umfassendes Konzept vorstellen. Ich wollte euch sagen: Gott vergibt nicht einfach nur Sünde und dann lässt er uns irgendwie durchs Leben dümpeln, lässt uns irgendwie allein, sondern obwohl Sündenvergebung im Zentrum der Errettung steht, resultiert daraus ein Lebensstil der Befreiung.
Ich möchte die vier Punkte einfach noch einmal sagen, damit ihr sie euch gut merken könnt:
Erstens: Wir brauchen keine Angst mehr davor zu haben, alleine durchs Leben zu gehen und irgendwann unbemerkt unterzugehen. Wir sind nicht den Launen eines unberechenbaren Schicksals unterworfen. Wir dürfen mutig nach vorne blicken und mitten im Sturm unseres Lebens glauben, weil wir wissen, wer unsere Sicherheit ist, nämlich Jesus.
Der zweite Punkt: Wir brauchen keine Angst mehr vor der Manipulation durch eine Welt des Bösen zu haben. Wir haben mit Jesus den, der die Welt überwunden hat und den Gott dieser Welt überwunden hat, den Teufel. Wir dürfen an seiner Seite leben. Wir dürfen Wahrheit erkennen, wir dürfen frei werden von der Sünde, wir dürfen echtes Leben finden, weil die Macht des Bösen wirklich zerbrochen ist durch Jesus.
Drittens: Wir brauchen keine Angst mehr vor einem Leben zu haben, das langsam ausblutet und sich sinnlos um sich selbst dreht. Da, wo wir Jesus als Retter erfahren, wenn er sich unserer Verlorenheit annimmt, dann beantwortet er die Frage nach dem Ziel des Lebens, dann beantwortet er die Frage, wofür soll ich eigentlich leben, wofür lohnt es sich zu leben? Und die Antwort heißt: ihn bekennen, nämlich Jesus.
Und viertens: Wir brauchen keine Angst mehr vor dem Tod zu haben. Alle Ungewissheit, wie es danach weitergeht, ob das reicht, was wir geleistet haben, wird von uns genommen, und wir wissen, was danach kommt, nämlich Auferstehung. Und das gibt uns Sicherheit. Das gibt uns Sicherheit, dass der Mann, der selbst gestorben und auferstanden ist, mit seinem Leben in uns lebt, dass sein Geist in uns lebt als Anzahlung auf die Ewigkeit.
Was ich mir für euch wünsche, ist folgendes: Ich wünsche euch ein bisschen Begeisterung für das Konzept der Rettung. In Johannes 10,10 sagt Jesus: Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es im Überfluss haben. Und irgendwie ging es mir darum heute. Wenn Jesus uns rettet, dann befreit er uns zu einem Überflussleben, in dem vier Dinge präsent sind: Auf der einen Seite Mut für das Heute, zweitens Weisheit für den Alltag, drittens ein klares Wissen um meine Berufung und viertens Hoffnung auf die Ewigkeit.
Und ich wünsche euch einfach, dass ihr das in eurem Leben in der kommenden Woche erfahren könnt, dankbar sein könnt, annehmen könnt, ausleben könnt. Amen!
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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