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Das Leben war das Licht

Jesu Leben und Lehre, Teil 4/696
13.01.2021Johannes 1,4
SERIE - Teil 4 / 696Jesu Leben und Lehre

Einführung in das Wesen des Wortes und des Lebens

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, sowie Weg, Wahrheit und Leben. Er war das Licht.

Der Apostel Johannes macht ganz am Anfang seines Evangeliums deutlich, dass dieser Mensch, der in Bethlehem geboren wird, aus der Ewigkeit kommt. Er ist da, wenn alles seinen Anfang nimmt. Auf eine für uns merkwürdige Weise ist er als Gott das Wort bei Gott und gehört nicht zu dieser Schöpfung. Er gehört nicht dazu, weil er es ist, durch den alles erschaffen wird.

Er ist es, der alles erhält und für den alles erschaffen wurde. Johannes beginnt sein Evangelium mit einem weiten Blick zurück, an den Anfang. Doch er bleibt dabei nicht stehen. Er will uns Jesus nicht nur als den Schöpfer vorstellen, so sehr uns dieses Wissen auch faszinieren mag.

Vielmehr möchte er uns eine theologische Interpretation des Lebens Jesu geben. Die Frage lautet: Was bedeutet es für einen Menschen, dem Herrn Jesus zu begegnen? Die Antwort darauf findet sich in Johannes 1,4: „In ihm, also im Wort, war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“

Die Bedeutung von Leben und Licht im Evangelium

Bis heute wissen wir nicht genau, was Leben eigentlich ist. Wir können uns der Frage nur nähern, indem wir die Merkmale des Lebens definieren. Wer in der Schule aufgepasst hat, weiß, dass diese Merkmale Stoffwechsel, Bewegung, Reizbarkeit, Entwicklung und Fortpflanzung sind. Doch damit haben wir noch lange nicht verstanden, was Leben wirklich ist.

Woher kommt Lebendigkeit? Woher kommt unser Sinn für Schönheit, für Wissen, für Kreativität, für Anbetung oder der Wunsch, erkannt zu werden? Wer hat die Materie genommen und ihr Leben in all seinen Facetten eingehaucht?

Johannes gibt uns die Antwort: Es war Gott, das Wort. Leben in seiner absoluten göttlichen Fülle war in ihm. Alles, was wir in dieser Schöpfung an Leben erfahren – angefangen von Einzellern, die nicht viel mehr können als sich zu teilen, bis hin zur Genialität von Komponisten, Quantenphysikern oder Downhill-Mountainbikern – ist Ausdruck von Leben, das im Wort war.

Leben ist nicht das Produkt eines evolutionären Prozesses, sondern ein Hinweis auf den Schöpfer.

Schauen wir uns kurz den Begriff Licht an: Das Leben war das Licht der Menschen. Licht ist ein Bild für Verstehen, für Klarheit, für Durchblick. Und genau das brauchen wir als Menschen. Wir brauchen Licht, wir brauchen Durchblick, wenn es um die wichtigen Fragen des Lebens geht. Fragen wie: Wem verdanke ich mein Leben? Oder: Wer darf mir sagen, wie ich leben soll?

Dieses Licht, das wir brauchen, finden wir im Wort. Genauer gesagt, finden wir es in dem Leben, das im Wort ist.

Die Offenbarung Gottes in der Schöpfung

Und an dieser Stelle möchte ich nun in zwei Richtungen denken. Die erste Richtung ist: Im Wort ist das Leben, und das Leben, das im Wort ist, findet sich in der Schöpfung wieder. Damit wird die Schöpfung und vor allem das Leben in ihr zu einer Quelle der Erleuchtung.

Paulus bringt diesen Aspekt am Anfang des Römerbriefs auf den Punkt. Die Schöpfung offenbart den Schöpfer. Gott offenbart sich in der Schöpfung. In Römer 1,20-21 heißt es: „Denn sein Unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien, weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten.“

Wenn ich mir die Schöpfung anschaue, bekomme ich einen Eindruck vom Schöpfer. Paulus hält Atheisten und Agnostiker für nicht sonderlich klug. Wenn jedes Haus einen Architekten hat, wie viel mehr gilt das für den Kosmos?

Das Mindeste, was Gott von jedem Menschen an Erkenntnis erwartet, ist dies: Gott erwartet, dass der Mensch sich die Schöpfung anschaut. Vor allem wohl die Aspekte, die mit Größe und Genialität zu tun haben. Zum Beispiel kann man die Strandstellen und die Weite des Ozeans betrachten oder mal darüber nachdenken, wie unterschiedlich die Sprachen der Menschen sind.

Die Ehrfurcht vor Größe und Genialität ist allen Menschen eigen. Wir können staunen. Und warum können wir staunen beziehungsweise Ehrfurcht empfinden? Weil es ein kleiner Schritt vom Staunen zur Anbetung ist. So wie ein Kunstwerk nicht einfach so entsteht, sondern einen Künstler braucht, und so wie der Künstler immer über dem Kunstwerk steht – das Bild ist ein Produkt der Phantasie und der Fertigkeiten des Malers, nicht umgekehrt.

Genauso verhält sich der Schöpfer zur Schöpfung. Alles, was ich in der Schöpfung an Größe und Genialität wahrnehme, ist ein Hinweis auf – Zitat Paulus – „seine ewige Kraft und Göttlichkeit“.

Der Mensch als Spiegel des Schöpfers

Vor allem der Mensch selbst trägt das Leben in sich, das er als Ebenbild Gottes empfangen hat. Dieses Leben zeigt sich in einem absoluten Übermaß an Begabungen, die sich in alle Richtungen entfalten – vom Springreiten über die Konstruktion von Fusionsreaktoren bis hin zur Erfindung phantastischer Welten voller Elfen, Orks und Hobbits.

Der Mensch selbst ist geprägt von seiner Sehnsucht nach Bedeutung, nach Sinnhaftigkeit und nach Selbstverwirklichung. Er strebt nach Fortschritt und empfindet zugleich Abneigung, ja sogar Furcht vor dem Unvermeidlichen – dem Tod.

Der Mensch ist ein Hinweis auf seinen Schöpfer. Das Leben in uns offenbart den Schöpfer und lässt uns erkennen, wozu wir leben: um Gott zu verherrlichen und ihm Dank darzubringen.

 Johannes 1,4: In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Die theologische Bedeutung des Lebens Jesu

Ich möchte die Idee vom Licht, das im Leben war, in zwei Richtungen betrachten. Denn ich glaube, Johannes geht es hier auch um eine theologische Interpretation des Lebens Jesu – also die zweite Richtung.

Das, was mit der Erleuchtung durch die Schöpfung und der Selbstoffenbarung Gottes in der Schöpfung beginnt, wird dadurch auf die Spitze getrieben, dass Gott als Wort Mensch wird. Leben in göttlicher Fülle zeigt sich nicht mehr abstrakt in der Schöpfung, sondern unmissverständlich im Leben einer realen Person.

Statt die Schöpfung kann ich mir das Leben des Herrn Jesus anschauen. Sein irdisches Leben wird mir zum Licht. Ich will wissen, worauf es im Leben ankommt. Ich will wissen, wie sich mein Schöpfer einen Menschen vorstellt.

Ich kann mir Jesus anschauen: seine Worte, seine Prioritäten, sein Gebetsleben, seinen Umgang mit Menschen, seinen Umgang mit Geld, seinen Umgang mit Feinden und so weiter. Mit seinem Leben will Jesus Licht in mein Leben bringen. Nicht weniger ist sein Anspruch.

Hören wir ihn selbst:

 Johannes 8,12: Jesus redete nun wieder zu ihnen und sprach: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

 Johannes 9,5: „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“

Zusammenfassung und Ausblick auf die Menschwerdung

Und so werfen wir ein letztes Mal einen Blick auf unseren Leitvers von heute: Johannes 1,4.

In ihm, im Wort, war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Gott, das Wort, erschafft alles. Im Schöpfungsakt fließt etwas von seinem Leben in die Schöpfung ein.

Man erkennt das vor allem an der Andersartigkeit des Menschen. Sein Leben wächst über das mechanisch-biologische hinaus, überragt das Tierreich und erfüllt diese Welt mit Musik, Kunst, Sprache, Literatur, Bauwerken, Technik, Mode und Anbetung.

Selbst im Leben des gefallenen und von der Sünde geprägten Menschen steckt offensichtlich das Gottesebenbildliche. Erste Mose 1,27: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie.“

Wir sind keine Götter, aber etwas von Gottes Einzigartigkeit wird in jedem Menschen sichtbar und weist in ihm auf Gott hin. Das Leben war das Licht der Menschen.

Aber Gott bleibt dabei nicht stehen. Johannes ist noch nicht an dem Punkt der Menschwerdung angekommen; sein Schwerpunkt liegt auf der Schöpfung. Doch wir wissen, dass Gott noch einen Schritt weitergehen wird, wenn Gott das Wort Mensch wird.

Wenn das Leben Gottes in Gestalt eines jüdischen Zimmermanns den staubigen Erdboden betritt, setzt es dem Licht, das in der Schöpfung ist, die Krone auf. Gott, das Wort, verlässt das unzugängliche Licht Gottes, lässt seine Göttlichkeit hinter sich und lebt das eine vollkommene Leben.

Dieses Leben enthält alles Licht, das wir brauchen, um Gott zu erkennen und aus der Finsternis herausgerettet zu werden – so wie der Herr Jesus es über sich selbst sagt: Johannes 12,44-46:

„Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat. Und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“

Amen.

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