Im 1. Petrus Brief - wir hatten am letzten Sonntag aus dem ersten Kapitel
einen Abschnitt - das ist in ihren Bibeln Seite 259, im neuen Testament.
Jetzt im zweiten Kapitel des 1. Petrusbriefes:
2. Kapitel Vers 18-25
Überschrieben - im alten Luthertext hat man die Spannungen nicht richtig
aufrecht erhalten können, da hieß es: Mahnungen an die Knechte, und jetzt
hat man es richtig übersetzt: Mahnungen an die Sklaven.
Dass sie wissen, was das für eine Sprengkraft hat, schon dieses unheimlich
schreckliche, grausame Wort.
Es geht um christliche Sklaven, Leute, die als Sklaven Christen geworden
sind.
Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter. Ich glaube, den
Satz muss ich nochmal lesen. Dass die Bibel nicht in unser Denken hinein
passt, das merkt man an vielen Stellen, zum Beispiel auch an dieser Stelle.
Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter, nicht allein den
gütigen und freundlichen, sondern auch den wunderlichen oder, ich würde
übersetzen, den launischen. Denn das ist Gnade, wenn jemand vor Gott um des
Gewissens willen das Übel erträgt und leidet das Unrecht, denn was ist das
für ein Ruhm, wenn ihr um schlechter Taten willen geschlagen werdet, und es
geduldig ertragt. Da hat man es ja verdient, sehen Sie, wenn ich um meine
eigenen bösen Sachen willen geschlagen werde. Wenn ihr um guter Taten
willen leidet, und das ertragt, das ist Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr
berufen. Da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild
hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen. Er, der keine
Sünde getan hat, und in dessen Munde sich kein Betrug fand, der nicht
wieder schmähte, als er geschmäht wurde, der nicht drohte, als er litt. Er
stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet. Der unsere Sünde selbst
hinaufgetragen hat an seinem Leib auf das - jetzt ist gemeint das Fluchholz
- das ist für Petrus, der ja Jude, Hebräer war, ein ganz wichtiges Wort aus seinem Gottesdienst gewesen, das Fluchholz - damit wir der Sünde abgestorben der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden, denn ihr wart wie die irrenden Schafe. Aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten - jetzt ist es nicht sehr glücklich übersetzt mit dem Bischof, was sollen wir uns darunter vorstellen in unserer modernen Welt - ihr seid bekehrt zu dem Hirten, der eure Seelen beschützt und behütet, oder zum Hüter eurer Seelen, der, der über euch wacht, und der, der euch umgibt.
Jetzt, bei der Vorbereitung ist mir das richtig klar geworden, dass ich
einen schlimmen Fehler gemacht habe mit der Ankündigung dieses Themas zu
diesem Gottesdienst. Wenn uns Menschen auf die Nerven fallen, ja das gibt
es natürlich, weil wir oft auch überspannte Nerven haben, und gereizt sind,
es geht ja um etwas viel, viel Schwierigeres. Es geht um das Unrecht
leiden. Wirklich, wenn unerklärlich uns andere Menschen grundlos
misshandeln. Und uns schikanieren nach Strich und Faden. Deshalb nochmal
kurz zurückgeblickt. Paulus schreibt an Sklaven, es gab damals in den
ersten Christengemeinden viele zum Glauben an Jesus gekommene Sklaven. Und
wir wissen es aus dem Philemonbrief, wie das eine große Not war, diese
Sklaven: Wann kriegen wir denn endlich Freiheit. Dass wir in Christus
befreit sind, ist schon erfreulich, aber wir wollen doch auch die äußere
Freiheit, wir können doch nicht einfach das Unrecht einstecken. Und Paulus
schreibt diesen Sklaven, die so misshandelt wurden. Das Wort Sklave hat
nicht nur eine schlimme Wortbedeutung, sondern ist so eine grausame Sache.
Eine Geschwulst, eine stinkende Wunder an den Gesellschaften der
Jahrhunderte, man kann das gar nicht sagen, wenn Menschen nicht wie Tiere,
sondern wie eine Ware behandelt wurden. Wenn man mit ihnen machen durfte,
was man wollte. Das schlimme ist, dass das auch in unserem europäischen
Humanismus so lange so furchtbar hat sein können. Das versteht man heute
nicht mehr. Aber ich denke oft, wir haben zwar die Sklaverei abgeschafft,
aber wir haben zwar die Menschenrechte hoch heraus gestellt, ich denke
jetzt an eine ganze Reihe Menschen unter uns, die ganz furchtbar leiden an
den Misshandlungen in der Ehe oder bei der Trennung von der Ehe. Menschen,
die keinen Mut mehr haben zum Leben, die sagen, ich werde entehrt, und ich
bin gar nichts mehr wert. Und was die anderen da spielen, und was da noch
im Namen des Rechts mit mir geschieht, ich kenne andere, die sich so
misshandelt fühlen, vielleicht in einem Arbeitsverhältnis. Ich war schon
schockiert, nachdem einer unserer jungen Leute plötzlich feststellt,
nachdem er einige Wochen gearbeitet hat, dass er überhaupt keinen Lohn
bekommt. Weil das auf einmal nicht eingehalten wird. Wenn man so lebt, wie
soll man sich denn als Christ verhalten, was soll ich denn machen? Mir
klingt es im Ohr, ich habe das oft gehört von kritischen jungen Leuten, die
natürlich gesagt haben, ja, ja, das wissen wir. Das sind Leute, die aus
einem marxistischen Denkkreis kommen, die gesagt haben, die Christen haben
ja die Sklaverei abgedeckt und gesegnet. Und die sind schuld dass sie nicht
überwunden wurde. Man hätte damals ganz anders kämpfen müssen. Ja, ja, es
ist merkwürdig, es sind oft Leute, die für den Frieden eintreten, oder für
Gewaltlosigkeit, und Pazifismus, die an dieser Stelle plötzlich sagen, da
muss man zur Revolution greifen, da muss man Umstürze machen, da muss man
die Faust ballen, Waffen in die Hand nehmen und kämpfen. Warum tut das
Petrus nicht? Warum sagt er, solche Ratschläge? Weil er diese Sklaven
anspricht, und ihnen zeigt, und sagt, ihr seid ganz verwirrt. Ihr wisst
nicht mehr, was richtig ist, der eine redet so, der andere gibt euch den
Rat, wie ihr euch verhalten sollt in dieser schwierigen Lage. Brummt ihnen
auch oft der Kopf, und sie wissen gar nicht, was man sagen soll? je mehr
man Leute fragt, umso mehr Meinungen hat man plötzlich, man weiß plötzlich
nicht, wie man sich entscheiden soll. In solchen schwierigen kniffligen
Lebensfragen, wie verhält man sich, in so komplizierten Situationen, wenn
uns Unrecht geschieht? Zum Glück leben wir ja in einem Rechtsstaat. Aber
wie viel Christen leben in einem Unrechtsstaat? Und Petrus erinnert zuerst
daran, und sagt, ihr wart wie irrende Schafe. Die Schafe sind ein
besonderes Symbol für die Hilflosigkeit. Die wissen nicht, wo man hin
laufen soll. Und dann stehen sie ganz verwaist dar, wenn sie keinen Hirten
haben. Aber jetzt seid ihr bekehrt zum Hirten. Ihr seid hingeführt worden
zu dem einen, der euch in allen Lebenslagen den richtigen Kurs zeigt. Und
wenn wir so ein schönes Lied gerade gesungen haben, der Herr ist mein
Hirte, und er führt mich auf rechter Straße, dann gilt das erst recht in
diesen schweren Stunden, wo wir uns verlassen fühlen von Menschen,
missbraucht, misshandelt, und unterdrückt. Auch dann ist Jesus mein guter
Hirte, der mich richtig führt, und dann will ich auf ihn hören. Was hat er
mir denn zu sagen? Was ist denn der Weg, den ich gehen soll? Also Blick auf
Jesus. Das ist Petrus' erster Rat.
Blick auf Jesus!
Wenn man diesem Brief noch einmal liest, ist ganz auffallend, auch an
dieser Stelle, wie Petrus immer und immer wieder zurückkehrt zu jenem
Geschehen der Kreuzigung Jesu und seines Todes. Das ist für Christen in der
Tat die Mitte ihres Denkens, nicht ein Randpunkt. Für ihn war es ja ganz
wichtig. Er hat lange gemeint, er sei einer, der Jesus beschützen könnte,
und einer, der vielleicht Jesus helfen könnte. Und dann hat er erst ganz
langsam gemerkt, ich lebe von der großen Gunst, er sagt dafür Gnade. Von
der großen Gnade, die mir Jesus in meinem Leben gibt. Das ist das
Geheimnis. Dann erzählt er noch einmal die Geschichte, und sagt, wie war
denn das. Das bleibt ihm unauslöschlich in Erinnerung. In dem Augenblick,
als Jesus verhaftet wurde, und sie Jesus gegriffen haben, da hat sich in
dem Petrus alles aufgebäumt, sein ganzes Rechtsbewusstsein. Seine ganze
Manneskraft, seine Würde. Und dann nahm er das, das war so ein richtig
spontaner Griff, dann nahm er sein Schwert und zog es und schlug es los auf
diesen Malchus, und hieb ihm das Ohr ab. Und wenige Stunden später schlich
er durch die Nacht. Zu dem Palast des Hohenpriesters. Kaifas war gerade der
Amtsinhaber. Hannas der Schwiegervater. Und dort kann er durch ein offenes
Fenster alles beobachten, was da abläuft. Und in ihnen krallt sich alles
zusammen, wie er das sieht. Wie Jesus da steht, und der Hohepriester fragt
ihn, und sagt zuerst, was ist mit deinen Jüngern, und Jesus gibt keine
Antwort. Jesus hat noch nie einen verraten, noch nie einen preisgegeben von
den Seinen, er schweigt. Und dann fragt der Hohepriester nach der Lehre
Jesu, und Jesus gibt ihm klare Auskunft: du sagst es. Wenn es um die klare
Botschaft geht. Er redet frei und unbekümmert und ohne Angst. Das ist für
den Petrus ein ganz wichtiges Vorbild, darum gehört der Petrus auch zu den
ersten Märtyrern der Urchristenheit. Ein freimütiger Mann, der das bei
Jesus gesehen hat. Aber der schon gleich gesehen hat, wie diese klare
Antwort Jesu das nach sich zieht, dass da plötzlich einer dieser Diener
herkommet und Jesus ins Gesicht schlägt. Und Petrus kann das von außen kaum
mit ansehen, was da abläuft. Am meisten wundert ihnen, dieses schweigende,
dieses schweigende Verhalten Jesu, der nicht redet. Der nicht wieder
schalt, da er gescholten wurde. Was ist das für ein mächtiges Schweigen
gewesen? Das Unrecht, das er auf sich sitzen lässt. Und das einfach
erträgt, wie sie ihn da ins Gesicht schlagen. Und dann sieht er die
gebundenen Hände Jesu, der nicht zurückschlägt. Er kann es auch gar nicht.
Und jetzt ist Petrus ein alter Mann, und versteht es, damals hatte er auch
gedacht, das ist ein Zeichen der Schwachheit, wenn das Böse und das Gemeine
so triumphieren kann, man muss sich doch wehren. Und jetzt als alter Mann
schreibt er den Gemeinden: das ist Gnade bei Gott. Was heißt denn das? Das
ist ein ganz großes Wunder, wenn einer soweit kommt, dass er schweigen
kann, auch wenn ihm maßloses Unrecht widerfährt. Gnade bei Gott. Es ist
ganz große Gnade, wenn einer nicht das verspürt, was Petrus so spontan
dachte, da muss ich mein Schwert nehmen und dreinschlagen, sondern wenn er
das tragen kann. Ich weiß nicht, was jetzt an Schwerem alles auf ihm liegt.
Es geht ja nicht bloß auf das Erdulden des Unrechts. Sondern sagen Sie ja
zu diesen schweren Weg, wie heißt es, zum Leiden Ja sagen. Wisst, dass es
ein Vorrecht ist, wenn ihr leiden sollt. So schreibt es Petrus. Wenn euch
der Herr diesen Weg führt, Krankheit, Missachtung, Unrecht, was auch kommt,
sagt ja. Sagt ja zu deiner Einsamkeit, sagt ja zu deiner schwierigen Ehe,
sagte Ja zu den Lasten, die der Herr auf dich legt du kannst das lernen von
deinem Hirten Jesu der dich führt, der nicht den gleichen Weg führt, sagt
ja dazu.
Jetzt sind wir beim zweiten: sagt ja zu diesen Weg!
Den Petrus sagt, dass was Jesus damals für uns erlitten hat, das ist nicht
bloß der Grund der Vergebung, dass das Blut Jesu meine Schuld sühnt,
sondern das ist auch gleichzeitig ein Muster, nach dem ich mich richten
kann. Und jetzt gebraucht er ein griechisches Wort, das ist so herrlich.
Zwei Bilder nimmt er, und die kann man einfach so stehen lassen. Er redet
von den Fußstapfen. Zweifellos dachte der Petrus an eine Wüstenlandschaft,
so war's ja in einem heißen Land, und irgendwo ist man, und weiß nicht
mehr, wo gehe ich hin. Und dann sieht man plötzlich Spuren im Sand. Da ist
einer gegangen, und wenn ich diesen Spuren nach, dann komme ich wohin. Da
ist ein Ziel, und ich muss bloß in die Fußstapfen treten. In dieser Wüste,
da ist ein Weg, den ich gehen kann. Aber für uns ist das Bild eigentlich
noch viel schöner, wenn wir es in die Alpen verlegen mit den Fußstapfen,
und da ist ein großes Schneefeld. Und da steht man davor, und sagt wie soll
ich denn das überqueren, ich muss hinüber, wenn ich heimkommen will. Aber
der Abhang ist so steil, und wenn ich da auf diesem Schneefeld ausrutsche,
dann fliege ich viele hundert Meter tief da unten in die Geröllhalde
hinein. Wie gut, wenn da Fußtritte sind, wo man seine eigenen Schritte
hinein setzen kann, und dann hat man einen festen Halt, dass meint der
Petrus. Wir haben doch in der schwierigen Wegstrecke unseres Lebens, die so
rutschig ist, da haben wir die Tritte, da ist Jesus gegangen, und er zeigt
mir: ich komme nicht um, auch wenn sie dir das Leben nehmen. Sie können gar
nichts tun, wo du in der Hut und in der Bewahrung des guten Hirten bist.
Das ist doch das Wichtigste, wo er dich führt, niemand kann dich aus seiner
Hand reißen. Du musst dich doch gar nicht wehren, du musst doch gar nicht
nach deinem Recht suchen. Jetzt ist einfach die Frage, sind die vielen
Dinge, die uns zu erregen, unsere drei Punkte, streiten wir für unsere
Ehre, oder können wir sagen, Herr Jesus das ist jetzt deine Sache. Du bist
der Herr meines Lebens. Ich lege dir meine Berufskrise hin, und meine
Ehekrise, meine Lebenskrise, aber ich will nur deinen Schritten nachgehen,
in deiner Fußstapfen treten, anders komme ich nicht durch. Da wird es auf
einmal wahr, ob wir das glauben mit dem guten Hirten, und er gebraucht das
andere Bild, das genauso schön ist. Pädagogik hat sich noch wenig
gewandelt. Früher haben die Kinder, die ABC-Schützen das Schreiben gelernt
an einer Schreibvorlage: so wie der Lehrer es an der Tafel formt, so wie
das A geht oder das B, und dann sagt er, jetzt probiert es nur einmal, dein
Bogen ist noch nicht richtig schön, fahr es noch einmal nach, und mach es
mit ganz geraden Strich, sonst wird es nicht schön, Probier es noch einmal.
Probiert es doch einmal, das, was Jesus getan hat, als Schreibvorlage zu
nehmen, fahr noch einmal den Bogen nach. Wie hat denn das Jesus gemacht?
Und da kann man richtig sehen, wie der Petrus Jahr um Jahr in seinem Leben
auch unter den ganzen schlimmen Anfeindungen, und unter denen er gelitten
hat, je älter er wurde, gemerkt hat, das ist eine Einübung, damit ich den
Bogen richtig herauskriege, und den Strich richtig gerade ziehen kann. Ich
will immer mehr lernen, immer mehr studieren. Und immer besser das
begreifen. Nachfolgend seinen Fußstapfen, und dann wie Jesus keine Sünde
getan, und kein Betrug in seinem Munde, Herr ich will nur deinen Weg gehen.
Ich bin überzeugt, gerade da, wo Sie meinen, Sie seien verlassen, der gute
Hirte Sie überreich segnen, er will Sie seine Wunder erfahren lassen. Und
das hat noch eine ganz wichtige Bedeutung, wie kann man denn das machen?
Das hat noch eine ganze Zeit interessiert, auch jetzt nach diesen
Ostertagen, ich kann mir so etwas in meiner menschlichen Arten nie
vollbringen. Wir alle sind ganz anders gepolt. wir sind ganz anders
veranlagt. Wir reagieren sofort, wir wehren uns gegen Unrecht, wir sind
verletzlich, wir werden bitter. Ich kann mal den Versuch machen, wie gut
sie noch aus ihrem Leben noch alle Verletzungen aufzählen können. Wir
behalten das Ja am allermeisten tief in uns. Aber wenn Jesus auferstanden
ist, dann will er unser Herr sein. Und dann will er wirken bei uns, dass
wir jetzt auch das schaffen. Und das interessiert uns, wie hatte Jesus das
selber fertig gebracht? Das Unrecht zu ertragen? Wenn da irgend so einen
hergelaufener Wachsoldat Jesus ins Gesicht schlägt, wer bin ich denn? Der
Sohn Gottes! Da heißt es: er stellte es aber dem anheim, der da Recht
richtet. Jesus hat es einfach im Gebet dem himmlischen Vater überlassen. Er
hat gesagt: Herr, das ist nicht meine Sache, sondern deine Sache. Sie
wissen doch noch, wie lange Jesus in Gethsemane gebetet hat, sich gerüstet
hat, bevor dann diese Groben kamen und diese Misshandlungen. Wenn wir am
Morgen des Tages Stille brauchen, da brauchen wir es, damit wir dieser
Spannungen, dieses Unrecht, diese Misshandlungen, diese Ehrverletzung
schweigend ertragen können, kein Betrug in unserem Munde gefunden wird, und
wir sagen können, Herr, es ist deine Sache. Und dann wissen sie: dass hier
die größere Weltrevolution geschieht. Mit dieser Art, des Leidens haben die
ersten Christen das ganze Römerreich aus den Angeln gehoben. Das war nicht
Schwäche, wenn sie in die Arenen gingen, und den Löwen vorgeworfen wurden,
und ihre Lieder sangen. So wenig es später bei den Goten war, die ja durch
die christlichen Kriegsgefangenen überführt wurden. Durch die Liebe dieser
Gefangenen, die nicht hassten, sondern vergaben. Und das hat die
Wachsoldaten überzeugt, dass da etwas ganz Neues sichtbar wird, was sie gar
nicht kannten. Das war nicht anders bei den war denn sein, dass war bei den
Hugenotten so. Ja, wenn wir fragen, wo ist die Kraft der Christenheit
heute? Sie kann nur gelebt werden von jedem einzelnen Christen. Nur so, in
ganz schwierigen Bezügen. Aber das ist doch wahr, dass Christus
auferstanden ist und lebt, und dass er der Herr ist, mitten unter uns.
Petrus sagt: erinnere dich immer daran, Christus hat deine Sünde für dich
getragen. Und ich habe vorhin gesagt: um die Mitte kreist sein Denken
immer. Wir brauchen gar nicht etwas demonstrieren, wir können es jedem
sagen, ich bin jeden Tag abhängig von dieser herrlichen Vergebung. Ich bin
ein fehlsamen Mensch mit allen Mängeln, aber ich darf aus Dankbarkeit das
Jesus zurückerstatten, liebend vergeben, so wie er mich geliebt hat. Ich
darf das erwidern, was mir dauernd widerfährt. Warum ist denn Jesus am
Kreuz für mich gestorben? Damit ich mich nicht mehr verliere in dem Kampf
der bösen Worte, in dem Kleinkrieg der Spannungen um mich her. Dass ich
nicht mehr für meine Ehre kämpfe und für meinen verletzliches Ich. Wie hat
der Chor vorhin gesungen? Ich fange noch einmal von vorne an, jedes Wort,
das ich jetzt sage für mich selber: Herr, ich will nur von deiner Liebe
lernen, und sehen, du bist am Kreuz gestorben, damit ich jetzt deine
wunderbare Gerechtigkeit lebe. Diese Güte, ich bin doch ein Kind des
himmlischen Vaters. Ich bin doch ein Eigentum Gottes. Die Ehre kann mir
niemand mehr wegnehmen. Die menschliche Ehre, die ist gar nicht mehr
wichtig, wenn Gott für mich eintritt, und mich rechtfertigt, was brauche
ich mich vor Menschen noch verteidigen? Ihr seid durch seine Wunden heil
geworden. Noch einmal: ihr wart wie die irrenden Schafe, ihr wart hin und
her geworfen. Da wird man ganz verrückt, man weiß nicht mehr was man tun
soll. Aber seid ihr den Hirten Jesus gefunden hat, wisst ihr genau was ihr
tut. Und was dein Weg ist. Und so wird er dich führen. In diesen Ostertagen
haben wir ja oft auch gehört, dass kritische Menschen uns gefragt haben,
ja, wie wollt Ihr denn das glauben, wir kennen doch durch Zeitungsartikel
und aus irgendwelchen Vorträgen, die im Radio übertragen werden, wo ist
denn das irgendwo nachweisbar, dass Christus wirklich auferstanden ist? Da
kann man den Auferstandenen entdecken. Ich lese immer wieder die alten
Geschichten, weil ich es nicht verstehen kann mit meinem Kopf. Wie da
damals die alten Sklaven in Römerreich, die die Fußtritte abbekommen haben,
für ihre launischen Herren jeden Morgen gebetet haben, dass sie doch
möchten gerettet werden von der Liebe Gottes. Das war die Revolution. Das
haben Marxisten nie begriffen. Und jetzt soll die Revolution durch Sie
weitergehen, die Revolution der gelebten Liebe. Dazu ist Christus
auferstanden, dass sie diese Gerechtigkeit praktizieren in den Spannungen
ihres Lebens gegenüber Menschen, die ihnen Unrecht tun. Amen.
