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Lukas 1,26-56: "Glauben: Gott benutzt den echten Glauben eines Teenagers"

Lukas 1,26-1,5616.03.2008
SerieTeil 2 / 53Lukas-Evangelium
Warum ausgerechnet ein Teenager? Echter Glaube heißt: Gott mehr zutrauen als der eigenen Zukunft. Maria sagt Ja – und entdeckt, dass Vertrauen auch Angst und Unsicherheit aushält.

Einleitung und Rückblick auf die erste Begegnung mit Gottes Treue

Wir wollen heute Morgen fortsetzen mit unserer Betrachtung des Lukas-Evangeliums. Wir sind dort, wenn ihr euch erinnert, wo wir vor zwei Wochen aufgehört haben, nämlich noch ganz am Anfang.
Mir war es wichtig, in den Vorträgen, die wir am Mittwochabend hören, darauf hinzuweisen, wie Evangelien funktionieren. Evangelien funktionieren wie Perlenketten. Jede einzelne Geschichte ist eine Perle mit ihrem eigenen Schwerpunkt, mit ihrer eigenen Schönheit, und doch ist so eine Perlenkette mehr als nur die einzelne Perle. Die einzelnen Perlen gehören irgendwie zusammen und ergeben ein Ganzes.
Und so geht es mir darum, dass wir, wenn wir heute weiterfahren in Lukas 1, ab Vers 26, uns kurz noch einmal daran erinnern, was wir das letzte Mal gesagt haben. Diese erste Geschichte, in der wir mit der Treue Gottes konfrontiert worden sind, die auf die Untreue des Menschen stößt, und dass sich die Treue Gottes von der Untreue eines ungläubigen Priesters einfach nicht aufhalten lässt.
Wenn wir jetzt in die zweite Geschichte hineingehen, Lukas 1, Verse 26 bis 56, dann merken wir schon beim oberflächlichen Durchlesen, dass diese ersten beiden Geschichten irgendwie zusammengehören. Aber es geht jetzt darum, eine ganz andere Lektion zu lernen.
In der ersten Geschichte haben wir es mit einem alten Mann am Ende seiner Ehe zu tun, und in der Geschichte heute mit einem jungen Mädchen am Anfang ihrer Ehe. Hier ist der Priester der theologische Profi, und auf dieser Seite ist die Laie. Die erste Geschichte spielt, wir würden sagen, im Zentrum der jüdischen Kultur, im Tempel in der Hauptstadt Jerusalem. Die zweite Geschichte spielt irgendwo in der Provinz, in Nazaret, wir würden sagen, am Ende der Welt. Die erste Geschichte endet mit Schweigen, und die Geschichte, die wir uns heute anschauen wollen, endet mit Lobpreis. Die erste Geschichte ist eine Geschichte vom Unglauben, und heute ist es eine Geschichte vom Glauben. Die erste Geschichte erzählt von einer übernatürlichen Geburt trotz Unfruchtbarkeit, heute ebenfalls von einer übernatürlichen Geburt, aber trotz Fruchtbarkeit.
Es ist derselbe Engel, der die beiden Geschichten miteinander verknüpft. Es geht beides Mal um ein Kind, dessen Name genannt wird und das der Träger langer, alter Verheißungen ist. Wenn uns Zacharias in der ersten Geschichte das Dilemma offenbart, in das Gott hinein sein Evangelium spricht, nämlich dass Gott retten möchte, dass Gott seine ewigen Verheißungen erfüllen möchte, und kaum trifft er auf diese Welt, kommt er mit seinen Verheißungen, mit der Erfüllung seiner Verheißungen, hinein und findet bis hinauf in die höchsten Kreise der Kirche nur Unglauben, dann zeigt uns die zweite Geschichte heute Gottes Antwort auf dieses Dilemma.

Gottes Antwort auf menschlichen Unglauben

Denn das, was Gott braucht, sind keine Priester oder Theologen. Das Wort, das Gott braucht, um mit den Menschen zum Ziel zu kommen, ist etwas ganz anderes. Es ist ein gläubiges Herz.
Was Gott wirklich sucht, sind nicht Menschen eines bestimmten Alters, einer bestimmten Stellung in der Gesellschaft oder eines bestimmten Wissens. Was Gott wirklich sucht, um sein Licht in die Finsternis hineinzubringen, ist ein Mensch, der es mit ihm ehrlich meint.
Wenn Gott Geschichte schreiben will, dann reicht ihm ein Teenager, ein junges Mädchen, das bereit ist, sich mit ganzem Herzen auf den Glauben als ein Abenteuer einzulassen. Und das ist die Geschichte, die wir heute betrachten wollen.
Wir werden heute eine Lektion lernen über Glauben, über echten Glauben, über einen Glauben, der mehr ist als nur ein Lippenbekenntnis, über echten, kostbaren Glauben, über die Art von Glauben, der mich mein selbstbestimmtes Leben kostet. Und zwar deshalb, weil ich bereit bin, Gott ganz zu vertrauen.
Deswegen möchte ich den Predigtitel heute so nennen: Gott benutzt den echten Glauben eines Teenagers.
Wir lesen im Lukasevangelium, genau in Kapitel 1, ab Vers 26. Und ich lese mal die Verse 26 bis 30:
Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt von Galiläa mit Namen Nazareth gesandt, zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Joseph aus dem Hause Davids verlobt war; und der Name der Jungfrau war Maria. Und er kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, Begnadigte, der Herr ist mit dir! Sie aber wurde bestürzt über das Wort und überlegte, was für ein Gruß dies sei. Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade bei Gott gefunden.

Die junge Frau aus der Provinz und ihr ungewöhnlicher Auftrag

Wie gesagt, von der Hauptstadt Jerusalem hinein in die Provinz. Ich glaube, wir würden von der Stadt, wir würden heute eher sagen: dem Dorf Nazareth, überhaupt nichts wissen, wenn dort nicht Maria gewohnt hätte.
Maria, ein junges Mädchen, etwa, damit wir das einordnen können, 13, 14 Jahre alt. In der Regel hat man Mädchen mit 13 Jahren verlobt, und dann wurden sie mit 14 Jahren vom Bräutigam heimgeholt.
Ich muss das erklären: Die Verlobung ist das, was wir heute mit dem Standesamt verbinden. Das ist der formale Akt der Hochzeit. Da wurden zwischen den Familien der Brautleute ein Vertrag aufgesetzt und unterschrieben. Vom Moment der Verlobung an ist Maria rechtlich die Ehefrau von Joseph, aber sie wohnt immer noch zu Hause.
Etwa ein Jahr später, also etwa mit 14, beginnt das, was wir dann unter Ehe verstehen. Das heißt: zusammen wohnen, Sexualität. Und der Übergang von diesem Vorher, wo man verlobt ist, aber noch bei den Eltern wohnt, zu diesem zweiten Stadium, wo man anfängt, mit dem Ehemann zusammenzuleben, ist ein Riesenfest.
Man nennt das die Heimholung. Also der Bräutigam macht sich mit all seinen Freunden auf, geht in das Dorf der Braut und holt sie da ab. Dann gibt es einen Riesenumzug, und dann wird sieben Tage lang gefeiert. Und dann weiß jeder: Jetzt sind die wirklich verheiratet.
Maria befindet sich also im Moment in dem Stadium, wo sie zwar schon verheiratet ist, aber noch nicht mit Joseph zusammen wohnt. Und ich glaube, wenn wir uns das vor Augen halten, dann fällt es uns leicht zu verstehen, warum sie hier Angst vor dem Engel hat.
Wir haben es bei Maria noch nicht mit einer gestandenen Frau zu tun, die auf 30 Jahre, 40 Jahre Lebenserfahrung zurückblicken kann, die schon fünf Kinder großgezogen hat und durch die Unbilden des Lebens gegangen ist. Das ist ein Teenager, das ist ein halbes Mädchen auf der Schwelle zur Frau.
Und es ist auch gleichzeitig die erste Lektion, die ich uns mitgeben möchte, wenn wir uns über echten Glauben Gedanken machen: Echter Glaube hat nichts mit dem Alter zu tun. In der ersten Geschichte wird ein alter Mann zum Inbegriff des Unglaubens, in der zweiten Geschichte wird ein junges Mädchen zu dem Vorbild im Glauben, das bis in die heutige Zeit vielen, vielen Christen ein Riesenvorbild ist.
Also: Echter Glaube hat nichts mit Lebenserfahrung zu tun oder mit Reife, sondern echter Glaube hat damit zu tun, dass du glaubst. Und das kannst du tatsächlich schon als junger Mensch. Und ich möchte euch junge Leute einfach anreizen, das wirklich in Anspruch zu nehmen, nicht darauf zu warten: Ja, später mal, da werde ich dann irgendwie besonders glauben, sondern Glaube kann heute, kann jetzt, kann in diesem Moment Realität werden.

Der Preis des Vertrauens und die Zumutung der Gnade

Und dann möchte ich sagen: Vorsicht! Dieser Glaube, von dem wir hier lesen, dieser Glaube, bei dem Maria ein Vorbild ist, ist ein ganz gefährlicher Glaube. Das ist ein Glaube, der eng mit Gottes Gnade verbunden ist. Und diese Gnade, das, was Gott Gnade nennt, ist immer so eine Sache, bei der man ein bisschen vorsichtig sein muss.
Wir lesen einmal die nächsten Verse ab Vers 31. In Vers 30 beendet der Engel das ja mit: Denn du hast Gnade bei Gott gefunden. Wunderbar, Gnade, das ist ja toll. Schauen wir mal, was das ist.
Vers 31: Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden, und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Und er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und seines Königtums wird kein Ende sein.
Die Gnade, die Maria empfängt, besteht darin, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen darf. Und das Kind soll einen Namen bekommen: Jesus. Jesus bedeutet: Gott rettet. Jesus also: Gott rettet. Und wie wir das schon bei Johannes kennen, ist dieses Kind der Träger, die Erfüllung alttestamentlicher Verheißungen. In diesem Fall geht es darum, dass er die Dynastie Davids fortsetzen wird, dass er eine ewige Herrschaft aufrichten wird, Dinge, die wir in 2. Samuel 7 und in Daniel 7 beschrieben bekommen.
Und das klingt ja schon toll, ey: Du wirst den Sohn Gottes zur Welt bringen. Nur ergibt sich daraus für Maria ein ganz praktisches Problem. Vers 34: Maria aber sprach zu dem Engel: Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß? Sie wohnt ja noch zuhause, da ist noch nichts gelaufen. Und sie denkt sich: Hm, das ist ja eine wunderschöne Verheißung, aber wie soll das gehen? Wie kann das funktionieren?
Und der Engel erklärte es ihr. Vers 35: Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, auch sie erwartet einen Sohn in ihrem Alter, und dies ist der sechste Monat bei ihr, die unfruchtbar genannt war.
Und jetzt weiß ich nicht, wie es euch geht, wenn ihr das lest. Es ist einer der Texte, der mich persönlich immer ein bisschen erschrickt. Kannst du dir im Ansatz vorstellen, was das bedeutet, für Maria vom Heiligen Geist schwanger zu werden? Also mich erschreckt das. Ich denke mir: Vater im Himmel, was mutest du der Maria an der Stelle eigentlich zu?
Das klingt so heilig, ja, ich bin vom Heiligen Geist schwanger geworden. Aber hast du dir mal überlegt, was Maria in diesem Moment durch den Kopf geht? Was sie da im Kopf hat? Was da für Ideen sind? Wie soll ich das meinem Mann erklären? Stell dir mal vor, du trägst so dein Bäuchlein und gehst zu deinem Ehemann und sagst: Ja, es war der Heilige Geist. Ja, ist gut. Wie will ich das meinen Eltern erklären? Was für ein Licht wirft das auf den Josef, wenn der bei mir bleibt? Ich meine, was denken die Leute denn, wo das Kind herkommt? Mit welcher Last startet eigentlich diese Ehe?
Also ich bin von meiner Art her so: Wenn man mir etwas erzählt, dann sehe ich immer, was daraus wird. Ich weiß nicht warum. Es ist so ein bisschen strategisches Denken einfach. Und ich lese das und denke mir: Boah, Wahnsinn!
Ja, was hat der Engel gesagt? Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade bei Gott gefunden. Und ich denke mir: Das ist ja tolle Gnade, super, vielen herzlichen Dank.
Und ich denke, so wie uns das durch den Kopf geht, lernen wir eine ganz, ganz wichtige Lektion über Gott. Eine Lektion, die uns in der Bibel immer und immer und immer und immer wieder begegnet. Es ist eine ganz einfache Lektion, und ich glaube, wir müssen sie immer wieder ein Leben lang lernen. Diese Lektion lautet: Gott ist Gott.

Gott handelt nach seiner eigenen Weisheit

Gott ist Gott. Damit meine ich Folgendes: Wenn Gott anfängt, mein oder dein Leben zu gebrauchen, wirklich anfängt, dein Leben zu gebrauchen, dann tut er das einfach auf seine Weise. Und bitte sei nicht überrascht, wenn Gott dann auf gesellschaftliche Konventionen irgendwie keine Rücksicht nimmt. Sei bitte nicht überrascht, wenn du sagst: Herr, gebrauche mich, und Gott sagt: Hey, super, das werde ich tun, vielen herzlichen Dank. Und wenn er es tut, dann tut er es auf eine Weise, bei der du sagst: Boah, das habe ich mir irgendwie ein bisschen anders vorgestellt.
Denn wenn Gott anfängt, sein Reich zu bauen und dich als sein Werkzeug in seiner Hand zu benutzen, und du sagst dazu Ja, dann wird er mit dir seinen Weg gehen und nicht deinen.
Ich möchte euch ein Beispiel bringen. Ich bin kein Handwerker, also ladet mich nie ein für irgendeine praktische Arbeit. Aber ich bin einer, der mit den unmöglichsten Werkzeugen Löcher in Wände macht. Ich habe mir manchmal gedacht: Was denkt sich eigentlich so ein Bohrer? Habt ihr euch das mal überlegt? So ein Bohrer wird wieder eingespannt und in die Wand reingedrückt. Es ist mir noch nie passiert, dass so ein Bohrer in dem Moment, wo ich ansetze, sagt: Nein, nein, ich will da nicht rein. Es ist immer so eng, und so dunkel, und es wird so heiß. Das ist noch nie passiert und es wird noch nie passieren. Warum? Weil der Bohrer dazu da ist, immer wieder in dieses enge, dunkle Loch reinzugehen. Das ist seine Bestimmung. Er ist das Werkzeug dafür, dieses Loch zu bohren.
Und wenn der Bohrer nicht mehr bereit ist, in das enge Loch reinzugehen, nicht mehr heiß zu werden und nicht mehr da, wo es dunkel ist, sich reinzubohren, dann kann ich ihn nicht gebrauchen. Und wenn du sagst: Herr, gebrauche mich, dann sagst du: Herr, mach mich zu so einem Bohrer. Setz mich da an, wo du mich gebrauchen möchtest. Und wenn es dann ein bisschen eng wird, ein bisschen heiß wird und ein bisschen dunkel wird, und um mich herum ist irgendwie alles nur noch dreckig, und ich irgendwie gar kein Licht mehr sehen kann, dann: Halleluja!
Und merkt ihr, wie gefährlich es ist, zu sagen: Herr, gebrauche mich? Aber genau das ist es, was hier passiert. Hier ist ein kleines Mädchen, ein Teenager. Und Gott sagt: Ich habe dich berufen, eine alttestamentliche Prophezeiung zu erfüllen, von einer Jungfrau, die schwanger wird, um den Messias zur Welt zu bringen. Und das geht nicht, ohne dass dich das etwas kostet.

Marias Ja und der Weg in die Ungewissheit

Und was sagt Maria? Vers 38: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; es geschehe mir nach deinem Wort.
Wisst ihr, das ist die zweite Lektion zum Thema echter Glaube. Echter Glaube ist ein Glaube, der nicht an Gottes Wegen zweifelt. Der sagt nicht: Wenn Gott sagt: Ich möchte dich gebrauchen, ich will dich mit deinem Leben, dann sage ich: Hier stehe ich. Ich habe einmal gesagt, bekannt und bezeugt, dass ich dir nachfolgen will, wohin es auch geht. Ich bin die Magd des Herrn.
Und das ist etwas, wo ich dastehe und sage: Wahnsinn. Für mich ist dieser Satz wirklich der absolute Wahnsinn. Das ist so der Moment, wo ich denke: Ich kann Josef verstehen, dass er die Frau haben will. Eine Frau, die so drauf ist, die kann man echt unbesehen heiraten.
Hier steht ein Teenager, der nicht weiß, wie er diese Situation, die vor ihm liegt, meistern kann. Das ist ja nicht jemand, der sagt: Ach ja, wenn alles schiefgeht, dann habe ich noch einen Plan B. Nein, Maria muss mit dem Allerschlimmsten rechnen. Sie muss damit rechnen, dass es zur Scheidung kommt. Sie muss damit rechnen, dass sie sozial ausgegrenzt wird. Sie muss damit rechnen, dass sie einsam wird. Und dann fällt sie nicht zurück in ein Sozialsystem, wo jeder Alleinerziehende sowieso noch irgendwie durchkommt. Das gibt es ja alles nicht.
Und trotzdem sagt sie Ja. Ein Ja, das im schlimmsten Fall für sie ein Ja zur totalen Unsicherheit ist. Und das Einzige, was sie weiß, was sie wirklich fest weiß, ist: Hinter diesem Ganzen, ohne dass ich genau verstehe wie, steht Gott. Und wenn ich möchte, dann kann ich das, was der Engel gesagt hat, überprüfen. Dann kann ich Elisabeth besuchen gehen und schauen, ob das stimmt, was der Engel gesagt hat. Und das tut sie auch.
Vers 39: Maria aber machte sich in diesen Tagen auf und ging mit Eile, wir können uns vorstellen warum mit Eile, in das Gebirge, in eine Stadt Judas.
Und wieder denke ich mir: Das ist so nüchtern. Sie ist da, nehmen wir an, drei, vier Tage unterwegs, und du hast diese Erfahrung gemacht. Bah, ist das jetzt richtig? Ist das nicht richtig? Die ganze Zeit wirst du doch darüber nachdenken: Was ist, wenn Elisabeth wirklich, wirklich schwanger ist? Was ist, wenn der Engel die Wahrheit gesagt hat? Was wird dann aus mir?
Und ich muss in meine eigene Geschichte zurückdenken. Ich habe eine ähnliche Situation ganz, ganz im Ansatz mal mitgemacht, mit meiner jetzigen Frau, damaligen Freundin. Das war noch in der Zeit, wo wir von Gott keine Ahnung hatten und nichts wissen wollten, direkt nach der Schule. Da stand für eine Weile im Raum, ob Bärbel schwanger ist. Also, es war direkt nach der Schule, Studium lag vor uns, Ausbildung lag vor uns. Und dann dieser Punkt: Du, ich bin hier über der Zeit, ich kriege meine Tage nicht.
Und mit einem Mal denkst du dir: Das kann doch nicht wahr sein, das geht doch nicht. Also jetzt ein Kind? Und Abtreibung kam für uns nie in Frage. Das heißt, es war immer klar: Ja, wenn Kind, dann stehen wir auch jetzt. Aber jetzt ein Kind? Und ich weiß, es waren drei, vier, fünf Tage, wo ich wirklich Blut und Wasser geschwitzt habe, wo ich Angst hatte, wo ich dachte: Wenn das wahr ist, zerbricht meine ganze Zukunft. Alles, was ich geplant, alles, was ich mir überlegt und ausgedacht habe, alles weg.
Und das ist der Zustand, in dem Maria von Nazaret in Galiläa zu Elisabeth geht und immer wieder überlegt: Wenn das stimmt, wenn das stimmt, dann ist ja nichts mehr so, wie ich es mir erträumt habe. Dann ist alles das, was ich in meinem Kopf hatte, wie es weitergeht, alles weg. Das wird irgendwie ganz anders, und ich weiß nicht, wie es wird. Und ich habe Angst.

Die Bestätigung durch Elisabeth und der Blick auf den Glauben Abrahams

Und dann kommt dieser Moment, in dem sie auf Elisabeth trifft, Vers 40. Und sie kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Und es geschah, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Und Elisabeth wurde mit Heiligem Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Und woher geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als die Stimme deines Grußes in meine Ohren drang, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und glückselig ist die, die geglaubt hat; denn es wird zur Erfüllung kommen, was von dem Herrn zu dir geredet ist.
Und mit einem Mal ist alles klar. Mit einem Mal weiß Maria, dass der Engel die Wahrheit gesagt hat. Mit einem Mal weiß sie, dass der größtmögliche anzunehmende Unfall, der GAU ihres Lebens, eingetreten ist. Sie ist wirklich schwanger vom Heiligen Geist, und sie weiß, dass ihr diese Geschichte niemand abnehmen wird.
Und ich kann mir vorstellen, wie sie so nach unten blickt, ihren Bauch anfasst, da ist noch nichts zu sehen, und sich dann überlegt: Was wird jetzt kommen? Und wisst ihr, es ist für mich eine Sache, wenn ich, weil da ein Engel steht, in einem Moment vielleicht auch unüberlegt voller Stärke mich hinstelle und sage: Klar, ich bin die Magd des Herrn! Es ist für mich eine ganz andere Sache, wenn ich drei, vier, fünf Tage Zeit hatte, darüber nachzudenken. Wenn ich weiß, was kommt. Wenn ich alle Kosten überschlagen habe. Und dann das ganze Ausmaß der Katastrophe tatsächlich vor mir liegt.
Und es ist spannend zu sehen, wie Maria in diesem Moment reagiert. Und in dem, was sie tut, werfen wir einen ganz tiefen Blick in das Geheimnis echten Glaubens. In Römer 5 heißt es über den Prototypen des Glaubens, über Abraham, Römer 5,19-20. Der hatte ja ein anderes Problem, da ging es auch darum, dass er keine Kinder bekommen hat. Mir geht es jetzt nur um den Punkt, wie Abraham geglaubt hat. Und nicht schwach im Glauben sah er seinen eigenen, schon erstorbenen Leib an, da er fast hundert Jahre alt war, und das Absterben des Mutterleibes der Sara. Und zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde gestärkt im Glauben, weil er Gott die Ehre gab. Und er war der vollen Gewissheit, dass er, was er verheissen hatte, auch zu tun vermöge.
Es sind zwei Dinge, die mich bei Abraham hier begeistern. Er zweifelt nicht, sondern er ist voller Gewissheit. Und sein Leben ist davon geprägt, dass er Gott die Ehre gibt. Also zwei Seiten derselben Medaille: Auf der einen Seite Anbetung, und dann drehe ich die Medaille um und ich finde Glauben. Ja, also wo sich echter Glaube im Leben eines Menschen findet, da findet sich auch Anbetung und Lob Gottes.
Und das meine ich mit diesem tiefen Blick in das Geheimnis des Glaubens, weil Glauben nicht ein naiver Sprung ins Ungewisse ist. Sondern Glaube weiß, was er tut. Glaube weiß, wem er vertraut. Wenn ich glaube, dann vertraue ich einhundert Prozent darauf, dass Gott keinen Fehler macht. Und ich gebe diesem tiefen inneren Vertrauen dadurch Ausdruck, dass ich Gott lobe und danke. Am Ende ist es das, was der Zweifler nicht kann: danken. Aber der Gläubige schon.

Lobpreis als Frucht echten Glaubens

Und deshalb, weil das zum echten Glauben dazugehört, kann Maria im Angesicht aller Fakten wirklich Folgendes sagen: Lukas 1,47
Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist hat frohlockt in Gott, meinem Heiland; denn er hat hingeblickt auf die Niedrigkeit seiner Magd. Denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter. Denn Großes hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name. Und seine Barmherzigkeit ist von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten. Er hat Macht geübt mit seinem Arm, er hat zerstreut, die in der Gesinnung ihres Herzens hochmütig sind. Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht. Hungrige hat er mit Gütern erfüllt und Reiche leer fortgeschickt. Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, damit er der Barmherzigkeit gedenke, wie er zu unseren Vätern geredet hat, gegenüber Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.
Faszinierend! Auf der einen Seite kein bisschen Selbstüberschätzung. Maria ist sich ihrer eigenen Niedrigkeit bewusst. Er hat hingeblickt, sagt sie, auf die Niedrigkeit seiner Magd. Gott ist ihr Heiland, Gott ist ihr Retter.
Und dann freut sie sich in der, wir würden heute sagen, in der Sprache der Psalmen über Gottes Barmherzigkeit, die an ganz vielen einflussreichen Familien einfach vorbeigegangen ist und die wie die Hinterwäldlerin aus Nazareth ausgewählt hat, Großes für Israel zu tun.
Und das ist die dritte und letzte Lektion, die ich uns heute vorstellen möchte über echten Glauben: Echter Glaube freut sich an Gott. Echter Glaube verliert sich nicht in Zweifeln oder im Murren, sondern er ist begeistert von dem, was Gott tut.
Es gibt Umstände, die schwierig sind. Es gibt eine ungewisse Zukunft, wie hier bei Maria. Es gibt vielleicht Probleme und noch nicht eingetroffene Verheißungen, und denen muss sich der Glaube stellen. Aber echter Glaube wird an diesen Dingen einfach nicht irre.
Maria sagt hier im Glauben Ja zu ihrer Berufung.

Zusammenfassung: Woran sich wahrer Glaube zeigt

Ich möchte zum Schluss einfach nochmals diese drei Punkte zusammenfassen, die mir wichtig sind:
Was macht echten Glauben aus?
Erstens: Echter Glaube hat nichts mit Alter, Lebenserfahrung oder persönlicher Reife zu tun. Glaube ist eine Entscheidung. Es ist die Entscheidung, die Antwort auf die Frage: Wem möchtest du vertrauen? Wem willst du vertrauen? Und deshalb ist Glaube eine innere Größe. Es ist eine persönliche Entscheidung, ein persönliches Überzeugtsein von Gott.
Der zweite Punkt: Glaube zweifelt nicht an Gottes Wegen. Ich kann nicht mir selbst vertrauen und Gott zugleich. Entweder glaube ich mir, meinen Möglichkeiten, meiner Weitsicht, meinem Intellekt, vielleicht auch meinem Girokonto oder was auch immer es geben mag, oder ich glaube Gott. Es kann im letzten Ende nur einen Gott in meinem Leben geben. Und wo echter Glaube da ist, da ist die Entscheidung gefallen, Gott ganz zu vertrauen und ihm mein Leben ganz anzuvertrauen. Und ihm dahin zu folgen, wo er mich hinführt, egal wie meine Berufung aussieht.
Und der dritte und letzte Punkt: Echter Glaube freut sich an Gott, freut sich an dem, was Gott tut. So wie Abraham, der jahrelang, jahrzehntelang darauf warten muss, den verheißenen Sohn zu bekommen, und trotzdem, wenn man das im Alten Testament liest, einen Altar nach dem anderen baut und immer anbetet. Damit hört er nicht auf. Oder wie Maria, die allen Grund gehabt hätte, über ihre Zukunft irgendwie zu jammern und sich bei Gott zu beklagen, dass das jetzt alles so schwierig werden wird und was Gott ihr da zumutet. Sie hätte ganz trübsinnig werden können über ihre Zukunft. Sie hätte dem Leben nachheulen können, das sie sich ausgemalt hat, und das nicht tut. Stattdessen ist sie begeistert, dankbar und lobt Gott.
So zeigt sich echter Glaube eben genau darin. Und warum? Ich glaube, es liegt daran, dass der echte Glaube begriffen hat, dass das Beste, was uns passieren kann, darin besteht, dass Gott unser Leben für seine ewigen Ziele benutzt. Und das ist im eigentlichen Sinn des Wortes Gnade. Dafür gebührt ihm Lob und Ehre.

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