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Wahre Jüngerschaft – Teil 2

Jesu Leben und Lehre, Teil 564/696
28.04.2025Lukas 14,26-27
SERIE - Teil 564 / 696Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, Weg, Wahrheit und Leben.

Episode 563: Wahre Jüngerschaft, Teil 2.

Die radikale Forderung der Jüngerschaft

Wer ein Jünger Jesu sein will, muss Jesus mehr lieben als alles andere auf der Welt.

In Lukas 14,26 heißt es: „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.“

Dieser Vers ist in Bezug auf die Jüngerschaft wirklich wichtig. Jesus kennt keine verschiedenen Stufen der Jüngerschaft – nicht die einen, die mit voller Kraft dabei sind, und die anderen, die nur halbherzig folgen. Für ihn ist Nachfolge eine Frage der Prioritäten.

Jesus will die Nummer eins im Leben eines Menschen sein. Er soll mehr geliebt werden als die Familie und das eigene Leben. Dazu gehören auch Dinge wie Besitz, Karriere, Gesundheit oder Ansehen. Darum geht es bei der Nachfolge.

Allerdings ist das noch nicht alles, aber es ist definitiv genug, um uns mehr als nur ein bisschen zum Nachdenken zu bringen.

Unerreichbare Ansprüche und die Wahrheit der Nachfolge

Aber Jürgen, jetzt mal Hand aufs Herz: Das schafft doch niemand. Stimmt, wenn Jesus den Anspruch formuliert, der hinter Jüngerschaft steckt, dann setzt er ein für uns unerreichbares Ziel. Das wird übrigens an anderer Stelle noch viel deutlicher.

In der Bergpredigt haben wir schon gelesen, Matthäus 5,48: „Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ Spätestens bei diesem Vers müssen wir kapitulieren, oder?

Aber warum formuliert der Herr Jesus dann so radikal? Auf diese Frage gibt es zwei Antworten. Erstens, weil es die Wahrheit ist. Auch wenn es noch eine zweite Antwort gibt, sollten wir niemals vergessen, was der Herr Jesus hier sagt: Das ist die Wahrheit.

Ich kann kein Jesusjünger sein, wenn es andere Dinge im Leben gibt, die mir wichtiger sind als er. Und ich soll tatsächlich vollkommen sein, wie mein himmlischer Vater vollkommen ist. Das sind keine Sätze, die Jesus einfach so dahinsagt, weil er mal etwas sagen will, das sich wichtig anhört. Er meint das wirklich so. Und wir tun gut daran, das nie zu vergessen.

Leben aus Gnade als Antwort auf den Anspruch

Zweitens: Wir leben aus Gnade. Gott liebt uns nicht, weil wir perfekt sind. Das waren wir nie und werden es ohne ihn auch nie sein. Er wird uns in sein Bild verwandeln und vollenden, was er angefangen hat. Bis dahin dürfen wir lernen, aus Gnade zu leben.

Natürlich darf Gnade keine Ausrede für Eigenwilligkeit, Desinteresse oder Faulheit sein – das ist logisch. Gleichzeitig darf sich bei mir nicht der Gedanke einschleichen, mein Vater im Himmel hätte nur dann Freude an mir, wenn ich keine Fehler mache. Fast möchte ich sagen: Darum geht es ihm nicht.

Er kennt mich, er weiß um meine Fehler. Er kennt sogar die Sünde, von der ich denke, dass ich sie nie begehen werde – so wie bei Petrus. Gott kennt mein Versagen und auch meine Zukunft. Mit beidem hat er kein Problem.

Er weiß, dass ich Zeit brauche, um seine Gedanken zu verstehen. Zeit brauche ich, um neue gute Gewohnheiten einzuüben. Zeit brauche ich, um im geistlichen Kampf stärker zu werden. Zeit brauche ich, um Ausharren, Frömmigkeit und Liebe zu lernen.

Was er sehen will, sind meine Bemühungen. Es geht ihm um mein Herz. Und was er sehen will, ist Ehrlichkeit – eine Ehrlichkeit, die Versagen zugibt, um Vergebung bittet und trotzdem auf dem Weg der Nachfolge fröhlich den nächsten Schritt geht.

Gnade als erziehende und herrschende Kraft

Wir leben aus Gnade, ja, aus Gnade, die uns erzieht. Gnade hat nichts mit einem „Schwamm drüber“ zu tun. Im Neuen Testament ist Gnade eine Macht, die in mein Leben tritt, um mich zu verändern.

In Römer 5,21 heißt es: „Damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“

 Titus 2,11-12 sagt: „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnen und besonnen, gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf.“

Gnade herrscht und Gnade erzieht. Gleichzeitig ist Gnade eben auch Gnade – also eine Erzieherin und Herrscherin, die unsere Grenzen akzeptiert.

Deshalb kann der Herr Jesus ganz ehrlich sagen, worauf es bei Jüngerschaft ankommt: nichts mehr zu lieben als ihn. Und trotzdem müssen wir unter diesem Anspruch nicht zerbrechen.

Wir zerbrechen nicht, weil wir aus Gnade leben. Wir dürfen Fehler machen, sie bekennen und uns Schritt für Schritt verwandeln lassen in das Bild Christi.

Die zweite Voraussetzung: Das Kreuz tragen

Aber kommen wir zurück zu Lukas 14, Vers 27: "Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein."

Das ist also die zweite Voraussetzung für Jüngerschaft: Jesus folgen, aber nicht einfach so, sondern als jemand, der sein Kreuz trägt.

Die Frage ist, was damit gemeint ist. Beim Kreuz handelt es sich um den Querbalken, den der Verurteilte zur Richtstätte tragen musste. Sein Kreuz zu tragen, ist also kein Bild dafür, Schwierigkeiten auf sich zu nehmen – so verstehen wir es heute. Aber die Zuhörer Jesu hätten es nicht so verstanden.

Wenn Jesus zu ihnen von jemandem sprach, der sein Kreuz trägt, dann hatten sie das ganz praktisch vor Augen. Sie hatten Menschen gesehen, die mit einem Kreuz, also einem Querbalken, auf dem Rücken zur Hinrichtung geführt wurden.

Die Haltung des Kreuzträgers und Selbstverleugnung

Wofür steht also das Bild vom Kreuztragen, wenn es nicht dafür steht, dass wir bereit sind, Schwierigkeiten auf uns zu nehmen? Es steht für die Einstellung, die wir zum Leben haben.

Wer sein Kreuz trägt, hat mit diesem Leben abgeschlossen. Er ist bereit, seine eigenen Pläne und Ideen hinter sich zu lassen, um Jesus zu folgen. Irgendwie gehören die beiden Ideen – Kreuztragen und Nachfolge – zusammen.

Wirklich nachfolgen kann nur derjenige, der die Haltung eines Kreuzträgers hat und bereit ist, dorthin zu gehen, wo Jesus ihn hinführt. Einmal mehr verlangt Jesus nicht mehr von seinen Jüngern, als er selbst zu tun bereit war. Als er sein Kreuz trug, war er auch bereit, dorthin zu gehen, wo sein Vater ihn hinführte – mitten hinein in die Gottverlassenheit, um die Welt zu retten.

Es geht also eigentlich um Selbstverleugnung, so wie Jesus es an anderer Stelle bereits formuliert hat: Lukas 9,23: „Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach.“

Zusammenfassung der Merkmale eines Jüngers

Halten wir kurz fest, was wir jetzt wissen: Jünger sind Personen, die Jesus über alles lieben. Sie lassen sich von seinem Anspruch nicht entmutigen, weil sie aus Gnade leben.

In diesem Leben gehen sie dorthin, wo ihr Herr sie hinführt – egal, welche Entbehrungen, Schicksalsschläge oder Herausforderungen das mit sich bringt.

Praktische Anregungen zum Abschluss

Was könntest du jetzt tun? Falls du es noch nicht getan hast, lerne unbedingt Lukas 14,26, 27 und 33 auswendig.

Das war es für heute.

Schreibe deine Bekehrungsgeschichte auf. Du kannst sie gut in einem evangelistischen Gespräch verwenden.

Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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