Einleitende Gedanken
Heute beginnen wir mit einer neuen 5teiligen Predigtreihe. Wir betrachten
in den nächsten Wochen einen einschneidenden Abschnitt im Leben des
Volkes Israels.
Was hier geschah, führte dazu, dass Israel 40 Jahre in der Wüste bleiben
musste. Wäre es nach Gottes Vorstellungen gegangen, hätte Israel bereits
15 Monate nach dem Auszug aus Ägypten mit der Eroberung von Kanaan
beginnen können. Aber eben, Israel schaute nicht auf Gott und auf das,
was ihm möglich ist. Israel schaute auf sich selbst. Das wurde ihnen zum
Verhängnis, wie wir sehen werden.
Israel wurde in spektakulärer Weise von der Unterdrückung in Ägypten
befreit. Nach der zehnten Plage liess der Pharao die Israeliten endlich
ziehen.
Nun musste Israel durch die Wüste in das Land ziehen, das Gott ihnen
versprochen hatte. Gott führte sie aber nicht den direkten Weg. Er wollte
vermeiden, dass sie gegen die Philister kämpfen mussten.
Als der Pharao das Volk endlich ziehen liess, führte Gott sie nicht am
Mittelmeer entlang und durch das Land der Philister, obwohl das der
kürzeste Weg gewesen wäre. Gott dachte: Wenn das Volk dort auf
Widerstand stösst und kämpfen muss, ändert es seine Meinung und kehrt
wieder nach Ägypten zurück." 2. Mose 13, 17Gott wollte sein Volk nicht überfordern. So ist Gott. Er nimmt sogar
Rücksicht auf uns. Er gibt uns nur Aufgaben, die wir bewältigen können.
Umwege in unserem Leben dienen oft dazu, dass wir ans Ziel kommen. Der
kürzeste Weg ist offensichtlich nicht immer der beste Weg.
Also, Israel zog durch die Wüste. Hier am Berg Sinai gab Gott ihnen die 10
Gebot. Hier geschah auch die abscheuliche Gotteslästerung mit dem
goldenen Kalb.
Sie zogen dann weiter nach Kadesch und lagerten dort. Hier beginnt das, was
wir miteinander betrachten werden.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 2. Mose 13, 17-18; Psalm 68, 20; 1.
Korinther 10, 13; 2. Petrus 2, 9
I. Gottes Plan ist eindeutig
Seit ca. 14 Monaten war Israel unterwegs.
Zeitpunkt:
Aufbruch vom Sinai Richtung Kadesch: Amos zwanzigsten Tage im zweiten
Monat des zweiten Jahres erhob sich die Wolke von der Wohnung des
Gesetzes. Num.10, 11.; Vom Sinai nach Kadesch sind es 11 Tagesreisen
(Dt.1, 2). Somit ist es seit dem Auszug ca. 14 Monate her und das
ereignete sich im ca. im Jahr 1444 v.Chr.
In diesen Monaten erlebten sie grossartige Wunder. Sie wurden durch die
zehn Plagen aus ihrer Unterdrückung befreit. Durchs Schilfmeer konnten
sie der Armee des Pharaos entkommen. Gott versorgte sie mit Essen und
Wasser. Das immerhin für ein Volk in der Grösse von schätzungsweise 1, 5
– 3 Mio Menschen. Die Bibel berichtet uns, dass beim Auszug aus Ägypten
600'000 Männer dabei waren, die Frauen und Kinder nicht mitgezählt. Es
wurden also nur die wehrfähigen Männer gezählt. Müsste man 3 Mio.
Menschen mit Flugzeugen transportieren, bräuchten wir bei Flugzeugen mit
300 Sitzen (und das sind keine kleinen Flugzeuge, etwa ein A340) 10'000
Maschinen. Für diesen Transport könnte man die Swiss nicht einsetzen,
denn die Flotte besteht aus ungefähr 70 Flugzeugen, sie müsste ihre
Flotte um 9'930 Flugzeuge aufstocken.
Das waren also unvorstellbar viele Menschen, die jeden Tag ernährt werden
mussten und das erst noch in der Wüste.
Sie erlebten aber nicht nur Wunder in dieser Zeit. Die Israeliten waren
störrisch und lehnten sich gegen Gott auf, obwohl er sie versorgte. Sie
bastelten sich sogar einen Götzen und beteten ihn an, so dass Gott sein
Volk richten musste.
Also, diese gut 14 Monate waren sehr intensive Monate. Sie erlebten Gott in
vielfältiger Weise. Jetzt hatten sie aber das Ziel bald erreicht. Endlich
werden sie das Land betreten können, das Gott hunderte Jahre zuvor dem
Abraham versprochen hatte. Damals sagte Gott dem Abraham:
Du sollst jetzt erfahren, wie es deinen Nachkommen ergehen wird. Sie
werden als Fremde in einem Land leben, das ihnen nicht gehört. Man wird
sie unterdrücken und zu Sklavendiensten zwingen. Das dauert vierhundert
Jahre." 1. Mose 15, 13 Dann werde ich über das Volk, dem sie dienen müssen, ein Strafgericht
halten, und sie werden von dort mit reichem Besitz wegziehen." 1. Mose
15, 14
Das hatte sich nun alles in eindrücklicher Weise erfüllt. Weiter sagte
Gott:
Die vierte Generation wird hierher zurückkehren (in das Land Kanaan);
denn die Schuld der Amoriter, die jetzt dieses Land bewohnen, hat ihr
volles Mass noch nicht erreicht." 1. Mose 15, 16Sie waren diese Generation, die Gott dazu bestimmt hatte, das Land zu
erobern. Das grosse Ereignis stand also kurz bevor.
Selbstverständlich wusste die Israeliten von diesem Plan Gottes. Gott
bereitete sie auf diese Eroberung vor. Durch Mose orientierte er, wie er
das machen wird.
Angst und Schrecken werde ich vor euch hersenden. Ich werde die
Völker, zu denen ihr kommt, in Verwirrung stürzen; alle eure Feinde
werden vor euch die Flucht ergreifen." 2. Mose 23, 27 Panik werde ich vor euch her verbreiten und so die Hiwiter, Kanaaniter
und Hetiter vertreiben." 2. Mose 23, 28Also, alles kein Problem. Gott wird dafür sorgen, dass sein Plan umgesetzt
werden kann. Israel war nicht auf sich allein gestellt. Gott wird
weiterhin mit ihnen unterwegs sein und wenn es schwierig wird, hilft er
ihnen, wie sie das bereits täglich in der Wüste erlebten. Die ganze
Eroberung plante Gott in verschiedenen Stufen, so liess er dem Volk
mitteilen:
Allerdings werde ich die Bewohner nicht schon im ersten Jahr
vollständig vertreiben, sonst bleiben weite Landstriche unbestellt und
verwildern, und das Wild vermehrt sich so stark, dass ihr nicht mehr
Herr darüber werdet." 2. Mose 23, 29 Deshalb werde ich sie nur nach und nach vor euch vertreiben, in dem
Mass, in dem ihr euch vermehrt und das Land in Besitz nehmen könnt." 2.
Mose 23, 30.
Mit anderen Worten: Ich werde Euch nicht überfordern. Alles wird Schritt um
Schritt vorwärtsgehen. Ich passe mich Eurem Rhythmus an. Also – es kann
nichts schiefgehen.
Das ist übrigens typisch für Gott. Es ist typisch, dass er sagt, was er
vorhat. Deshalb konnte der Prophet Amos auch sagen:
Der Herr, der mächtige Gott, tut nichts, ohne dass er es zuvor seine
Diener, die Propheten, wissen lässt." Amos 3, 7Gott überraschte die Israeliten mit seinem Vorhaben nicht. Er forderte von
ihnen keine blinde Nachfolge. Sie mussten nicht Ägypten verlanssen ohne
zu wissen, wohin er sie führen wird. Nein, er orientierte sein Volk über
sein Vorhaben.
So ist Gott. Seine Pläne sind bekannt. Sogar der Plan Gottes für die
Menschheit liegt offen vor der ganzen Welt. Der Plan Gottes für Dein
Leben ist bekannt. Gott hat uns mitgeteilt, was wir wissen müssen. Wir
können den Plan Gottes in der Bibel nachlesen.
Zusammenfassend kann man den Plan Gottes mit dem bekannten Wort von Jesus
erklären:
Denn Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen
einzigen Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige
Leben hat und nicht verloren geht." (Johannes 3, 16)Ob wir den Plan Gottes ernst nehmen oder nicht, das ist unsere Sache. Aber
wenn wir das tun, was hier steht, dann wird das eintreffen, was Gott hier
versprochen hat.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 1. Mose 15, 13-16; 1. Mose 50, 25; 2.
Mose 12, 37; 2. Mose 23, 27-31; Amos 3, 7; Lukas 24, 27; Johannes 3, 16
II. Wir möchten gerne genauer wissen, auf was wir uns einlassen
Jetzt mussten sie eigentlich nur noch das Land erobern, Gott hatte ihnen ja
seine volle Unterstützung zugesagt. Er wird die Leute vor ihnen
erschrecken und einschüchtern. Mose forderte sie auf:
Gott hat das Land in eure Gewalt gegeben. Zieht also hinauf und nehmt
es in Besitz! Der Herr, der Gott eurer Vorfahren, hat es euch
zugesprochen. Habt keine Angst, lasst euch nicht abschrecken!" 5. Mose
1, 21
Doch sie wollten nicht gleich losziehen, das war ihnen dann doch etwas
unheimlich. Ein so grosser Feldzug muss gut geplant sein. Die Risiken
müssen bekannt sein, damit die nötigen Massnahmen ergriffen werden
konnten. Nein, einfach losziehen, wollten sie nicht. So machten sie Mose
einen Vorschlag:
Wir wollen ein paar Männer vorausschicken, die das Land erkunden. Sie
sollen uns sagen, welchen Weg wir am besten einschlagen und was für
Städte wir dort antreffen." 5. Mose 1, 22 Mose fand das eigentlich eine gute Idee.
Ich fand den Vorschlag gut und wählte zwölf Männer aus, von jedem
Stamm einen." 5. Mose 1, 23Vermutlich hatte Mose diesen Vorschlag mit Gott besprochen und Gott gab
Mose daraufhin die Anweisungen, wie diese Erkundung des Landen
durchgeführt werden sollte.
Eigentlich wäre die Erkundung des Landes gar nicht nötig gewesen. Klar,
normalerweise erkundete man ein Land, das man erobern wollte, das machte
eigentlich auch Sinn. Das können wir sehr gut nachvollziehen. Man will
schliesslich wissen, auf was man sich einlässt.
Erstaunlich ist, dass Gott auf diese Anregung des Volkes einging.
Wenn sie möchten, sollen sie Kundschafter senden. Hauptsache, sie ziehen in
das Land, einen oder zwei Monate früher oder später, war Gott
offensichtlich nicht so wichtig.
Hier haben wir ein wunderbares Beispiel, wie Gott auf unsere Anliegen
eingeht. Er nahm das Volk Israel als Partner ernst. Er regierte nicht
über die Köpfe hinweg und verlangte keinen blinden Gehorsam. Wenn sie das
Land zuerst erkunden wollten, dann sollen sie das tun. Es wäre zwar nicht
nötig, aber es schien ihnen wichtig zu sein, also sollen sie es machen.
Das finde ich sehr faszinierend. Es zeigt uns, wie Gott auf unsere Anliegen
eingeht. Wie offen er auch für Vorschläge von uns ist.
z.B. wenn wir unseren Auftrag als Gemeinde im Bereich der Evangelisation
ernst nehmen. Da gibt es nicht nur einen Weg, wie man den Auftrag richtig
erfüllt. Da gibt es verschiedene Varianten, für die wir uns entscheiden
können – Hauptsache, wir erfüllen unseren Auftrag. Gott geht auch da auf
unsere Vorschläge ein und wird uns auf diesem Weg genauere Anweisungen
geben.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 5. Mose 1, 19-46; Josua 2, 9-10
III. Tut uns leid, wir schaffen das nicht!
Von jedem Stamm wurden die einflussreichsten Männer, die Vorbildfunktion
hatten, beauftragt, das Land zu erkunden. 40 Tage dauerte diese Reise.
Zurück im Lager berichteten sie über ihre Entdeckungen. Das Land war
wirklich so, wie es Gott vorausgesagt hatte – ein wunderbares Land! Ein
Land in dem Milch und Honig fliesst. Sie zeigten den Leuten die Früchte,
die sie mitbrachten. Eine Rebe mit einer Weintraube war so schwer, dass
sie sie zu zweit an einer Stange tragen mussten.
Doch es gab grosse Schwierigkeiten. Die Risiken waren ihn ihren Augen
gigantisch.
Die Leute, die dort wohnen, sind stark und ihre Städte sind gross und
gut befestigt. Und dann haben wir auch noch die Anakssöhne gesehen! 4.
Mose 13, 28
Riesen waren das! Noch weitere Probleme schilderten sie, so dass das Volk
sich gegen Mose wandte.
Kaleb, einer der Kundschafter, versuchte die aufgebrachte Menge
umzustimmen. Er war überzeugt:
Wir können das Land sehr wohl erobern! Wir sind stark genug!"4. Mose
13, 30
Kaleb vertaute dem Herrn. Er wusste, dass sie mit seiner Hilfe das Land
erobern werden, denn er hatte es ihnen ja versprochen. Doch die anderen
Kundschafter widersprachen Kaleb. Nochmals erwähnen sie die Söhne Anaks,
das war für sie ein einschüchterndes Erlebnis:
Wir kamen uns ihnen gegenüber wie Heuschrecken vor und genauso winzig
müssen wir ihnen vorgekommen sein!"4. Mose 13, 33Damit übertrieben sie masslos.
Ein Riese war zwischen 2.50 m und 3, 20 m. Goliath war ca. 2.70m. Dieses
Verhältnis ist also nicht wie eine Heuschrecke zu einem Menschen.
Eine Begebenheit in Griechenland:
Der Schmied bemerkte sein Staunen, unterbrach seine Arbeit und sagte:
"Führwahr, Gastfreund aus Sparte, du würdest erst staunen, wenn du
gesehen hättest, was ich gesehen habe, wo du dich jetzt schon über die
Bearbeitung des Eisens wunderst. Als ich hier in diesem Hof einen
Brunnen graben wollte, stiess ich beim Graben auf einen Sarg, der
sieben Ellen lang war. Weil ich nicht glaubte, die Menschen seien
jemals grösser gewesen als heute, öffnete ich ihn und sah, dass der
Leichnam wirklich so lang war wie der Sarg. Ich mass ihn und schüttete
die Grube wieder zu." Hdt. I, hist. 68, 3.
Eine Elle ist ca. 45 cm. Somit war dieser Mann ca. 3.15 m. Goliath war
6 Ellen und eine Handbreit gross (1.Sam.17, 4), so war er ca. 2.70 m.
Wie schnell verlieren wir den Blick für die Realität, wenn wir uns
überfordert fühlen! Hätten die Leute nur ein bisschen nachgedacht, hätten
sie merken müssen, dass diese Schilderungen nicht stimmen können.
Wie leicht, lassen wir uns durch solche Schilderungen von dem Abhalten, was
Gott uns eigentlich vorbereitet hat?
Die Kundschafter schauten auf sich und das Volk und sie mussten sagen, das
schaffen wir leider nicht, das ist eine Zumutung!
Wenn wir auf uns schauen, schaffen wir es auch heute nicht. Kaleb schaute
nicht auf sich und das Volk Israel. Kaleb schaute auf Gott und das, was
er versprochen hatte.
Gott hat gar nichts dagegen, wenn wir die Risiken einschätzen. Doch wenn
das dazu führt, dass wir uns zurückziehen, dann ist das ganz schlecht.
Meistens ist es doch so, wenn wir im Reich Gottes etwas unternehmen und wir
alles genau analysieren, die Schlussfolgerung gezogen werden muss, dass
wir es nicht schaffen. Die Hindernisse sind zu gross.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 1. Mose 18, 14; Matthäus 19, 26; Markus
14, 38
Schlussgedanke
Wenn wir auf uns schauen, wollen wir die Risiken kennen. Leider ist es dann
oft der Fall, dass wir – kennen wir die Risiken – zum Schluss kommen,
dass wir es nicht schaffen werden. Also, dann lassen wir es lieber!
Wie viele Projekte sind wohl in der Planung stecken geblieben, weil wir auf
uns geschaut haben? Halten wir es mit David, der in einem Psalm schrieb:
Mit dir schlage ich feindliche Horden zurück, mit dir, meinem Gott,
überspringe ich Mauern." 2. Samuel 22, 30Oder Paulus, der sich wieder aufrappeln musste, um den Auftrag Gottes
weiter auszuführen. Wie hatte er das wohl gemacht? Hatte er auf sich
geschaut? Nein – natürlich nicht!
Kurz zuvor, in Philippi, hatten wir noch viel zu leiden gehabt; ihr
wisst, dass wir beschimpft und misshandelt worden waren. Aber unser
Gott schenkte uns neuen Mut, und obwohl wir ´auch in Thessalonich` auf
heftigen Widerstand stiessen, konnten wir euch sein Evangelium frei und
offen verkünden. (1. Thessalonicher 2, 2) Bibelstellen zum Nachschlagen: 2. Samuel 22, 30; 1. Thessalonicher 2, 2
Amen
