Serie•Teil 4 / 21Jesus
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein persönlicher Einstieg und die eigentliche Fragestellung
Manche Gesichter kenne ich jetzt schon, aber noch nicht alle. Deswegen sage ich gerade noch einmal meinen Namen: Jürgen Fischer aus Berlin. Ich freue mich, bei euch zu sein. Und ja, es geht tatsächlich noch einmal um das Thema Gebet. Wir hatten gestern schon mit den Mitarbeitern zusammen dieses Thema Gebet, und ich möchte gerne heute Morgen eine Predigt halten, die ganz simpel heißt: Jesus und das Gebet.
Aber bevor ich mit euch anschaue, was wir von Jesus beim Thema Gebet lernen können, muss ich eine längere Vorbemerkung machen, damit wir nicht aneinander vorbeireden. Ich habe den Eindruck, diese Vorbemerkung ist umso wichtiger, je mehr man sich vor Augen hält, was ihr für eine Gemeinde seid.
Wie soll ich das sagen? Es gibt Gemeinden, die beschäftigen sich relativ gerne mit so Nachfolgethemen wie Gebet, Evangelisation und Bibelstudium, und das ist total gut. Ich mag diese Themen auch. Aber die Gefahr von solchen, ich sage es mal eher konservativen Gemeinden, die die Bibel auch ernst nehmen, ist aus meiner Sicht folgende: Es besteht die Gefahr, dass wir ein Stück dazu neigen, aus dem Christentum eine Religion zu machen. Eine Religion, die sich zuallererst um das Thema effektives Sündenmanagement dreht.
Wie gesagt, das ist etwas, was ich vermeiden möchte. Ein guter Christ, das ist dann einer, der wenig sündigt. Und wenn man das schafft, wenn man wenigstens aufrichtig bekennt und in seinem Kampf gegen Sünde nicht nachlässt, dann ist alles gut. Ihr merkt: Das ist hoffentlich für die meisten, die das jetzt hören, zu kurz gegriffen.
Für diese Art von Christentum, die sagt, es geht eigentlich darum, möglichst wenig zu sündigen, sind die Gebote und Verbote in der Bibel von zentraler Bedeutung. Damit jetzt keiner erschrickt: Ich bin sehr dafür, dass wir heilig leben. Ich bin sehr dafür, dass wir Sünde hassen und dass wir Sünde lassen. Es geht mir erst einmal nur darum, wie wir Christsein verstehen.
Ich habe vor kurzem eine Internetseite über den Islam aufgemacht, und da wurden dann 32 Gebote aufgeführt, die ein guter Moslem halten soll. Dann las ich am Ende: Denn jeder, der diese Pflichten einhält, ist ein guter Muslim. Meine Sorge ist, dass wir im Blick auf Christsein dasselbe denken. Wenn ich bestimmte Dinge einhalte, die stammen dann nicht aus dem Koran oder sind nicht aus den Worten eines Buddha abgeleitet, sondern das, was wir da so vorschreiben, stammt aus der Bibel. Aber letztlich heißt das Thema dann: Wenn ich diese Dinge tue, dann bin ich ein guter Christ.
Und deswegen lautet die Vorbemerkung: Das Halten von Geboten macht noch keinen guten Christen. Ich finde es total wichtig, dass wir an der Stelle auch aufpassen, dass wir unseren Kindern nicht den Eindruck vermitteln, dass es beim Christentum vor allem darum geht, anständig zu sein und die christlichen Gebote zu halten.
Und noch einmal, damit keiner erschrickt: Ihr habt keinen Irrlehrer auf die Kanzel gelassen. Ich bin wirklich dafür, dass wir die Gebote halten, ich bin sogar sehr dafür. Aber ich bin dagegen, dass wir Christentum zu einer Religion machen wie all die anderen Religionen, nur dass wir halt die sind, die ihre Regeln aus der Bibel ziehen. Ich hoffe, ihr versteht mich ein bisschen.
Christus im Zentrum statt bloßer Religionsform
Im Zentrum unseres Glaubens steht kein Buch. Ich sage das noch einmal: Im Zentrum unseres Glaubens steht kein Buch, sondern eine Person.
Das mag uns völlig klar sein. Aber haben wir wirklich auch begriffen, was das bedeutet? Benutzen wir Jesus wie einen toten Religionsstifter, der uns irgendwie seine Regeln hinterlassen hat, und ist unser Job jetzt, uns möglichst treu an das zu halten, was hier aufgeschrieben ist? Oder sehen wir in Jesus den Lebendigen, der durch seinen Geist in uns lebt? Ja, vielleicht sogar noch ein Stück radikaler möchte ich das heute Morgen formulieren: der sein Leben durch uns hindurch leben will.
Ich bin noch bei der Vorbemerkung. Wie denkst du über Christsein?
Seit Pfingsten gilt, was in 1. Johannes 14,20 steht. Da sagte der Herr Jesus: An jenem Tag, an diesem Pfingsttag, werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.
Merkt ihr, was da steht? Da kommt der Moment, wo wir etwas erkennen werden. Wir werden erkennen, dass es da plötzlich etwas ganz Neues gibt, was vorher noch nie da war. Ich, sagte der Herr Jesus, bin in meinem Vater. Aber da bleiben wir nicht stehen, da würden wir immer noch sagen: Amen, stimmt, ja, logisch. Dann geht es aber weiter: Ihr in mir und ich in euch.
Ich habe das gestern schon versucht, ein wenig anklingen zu lassen. Jesus lebt durch seinen Geist in uns. Paulus kann so weit gehen, dass er diese quasi symbiotische Beziehung zwischen dem Christus und dem Gläubigen mit folgenden Worten beschreibt. Da heißt es in Galater 2,19-20: Ich bin mit Christus gekreuzigt. Und dann geht es weiter: Und nicht mehr lebe ich. Das ist irre, oder? Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, und zwar im Glauben an den Sohn Gottes.
Christus lebt in mir, nicht mehr lebe ich. Natürlich lebe ich irgendwie noch, geht ja nicht anders. Ich muss atmen. Ich habe heute Morgen meine Zähne geputzt. Das ist nicht einfach so durch den Heiligen Geist passiert. Ich gehe zur Arbeit, ich bespaße meinen Enkel, ich setze mich an den Laptop und schreibe eine Predigt. Ich lebe. Und gleichzeitig sagt dieser Vers: Nicht mehr lebe ich. Das ist irre. Christsein macht so viel Spaß, weil es einfach ein bisschen überraschend ist: Ich lebe nicht, sondern Christus lebt in mir.
Ich führe also kein Leben, das sich zuerst an Prinzipien, Regeln oder Geboten orientiert. Sondern woran? Wenn das stimmt, dass Christus in mir lebt, woran orientiert sich dann mein Leben? An Christus. Also an der Frage, und ich will die Frage mal aufgreifen. Ich habe sie in dem Buch so gelesen, und ich fand das sehr schön: Mein Leben orientiert sich an der Frage, wenn Jesus gerade mein Leben leben würde und täte, was ich gerade tue, würde ihm gefallen, was ich tue? Oder täte er etwas anderes? Also: Was würde er durch mich jetzt tun, da er ja in mir lebt?
Ich weiß nicht, ob ihr das jemals gedacht habt. Ich finde den Gedanken total spannend. Mich verfolgt er schon seit einigen Jahren. Und man merkt sofort: Wenn ich diesen Gedanken denke, dann sind die Gebote immer gleich mit eingeschlossen. Natürlich, wenn ich mir überlege, was würde jemand tun, der sündlos ist und in mir lebt? Sündigen würde er nicht. Aber das geht viel weiter. Und dieser Gedanke, was würde Jesus jetzt durch mich hier tun, das ist Christsein.
Wenn wir ein Leben führen, in dem sich der lebendige Christus nicht nur als einer wiederfindet, der Regeln gibt, sondern als der, der selbst in uns lebt.
Deswegen möchte ich euch am Ende der Vorbemerkung noch mit einer Frage konfrontieren: Wer sitzt eigentlich vor mir? Wenn ich dich jetzt anschaue, wen sehe ich da eigentlich? Bist du das? Oder ist das Jesus in dir?
Warum bist du heute Morgen hier, mit welcher Haltung bist du hergekommen? Was ist deine Haltung zu dieser Predigt und der Zeit nachher beim Kaffeetrinken? Hast du verstanden, dass du, ja, dass du gestorben bist, und zwar mit Jesus am Kreuz, und dass es nicht mehr um dich geht? Dass Jesus in deiner Person hier ist und sein Leben durch dich hindurch leben will? Dass du heute hier bist, weil Jesus hier sein möchte? Dass du ein Vehikel seiner Liebe, seiner Gnade und seiner Wahrheit bist? Hast du das wirklich verstanden?
Warum bist du hier? Um ein artiger Christ zu sein, der Gebote erfüllt? Weil man das halt als Christ so macht, morgens hier aufzutauchen, ob man will oder nicht? Oder weil du möchtest, dass Menschen in dir dem Christus begegnen?
Das ist meine Vorbemerkung.
Der Übergang zum Gebet Jesu
Und ich mache diese Vorbemerkung, weil ich jetzt mit euch darüber nachdenken möchte, wie Jesus mit dem Thema Gebet umgegangen ist.
Die Frage ist: Was wirst du hören, wenn ich dir das jetzt zeige? Wirst du Ansprüche hören, neue Regeln, Gebote, vielleicht noch mehr Druck als den, den du sowieso schon in deinem Leben empfindest? Oder darf ich dir ganz einfach zeigen, wie Jesus gelebt hat, weil er dieses Leben durch dich hindurch leben will? Und zwar nicht als eine kalte Theorie, die er vor uns hinstellt, so wie im Alten Testament die Gebote auf Steintafeln geschrieben waren, sondern so, dass Jesus uns zeigen möchte, wie er gelebt hat, als eine echte Herzensangelegenheit.
Was wir jetzt machen, ist, dass wir uns sein Herz anschauen, seine Leidenschaft und seine Prioritäten. Denn er hat in uns ein neues Herz eingepflanzt, und er möchte sein Leben durch uns hindurch leben. Christsein heißt, sich nicht mehr die Frage zu stellen: Was muss ich tun? Sondern diese Frage zu ersetzen durch: Was würde Jesus jetzt in mir tun wollen? Und wie kann ich das Leben leben, das er in mich eingepflanzt hat und in der Kraft seines Geistes durch mich hindurch leben will? Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.
So, das war die Vorbemerkung. Schauen wir uns jetzt mal das Gebetsleben Jesu an. Ich habe vier Punkte mitgebracht. Es ist relativ simpel: vier einfache Punkte, die ich sofort sehe, wenn ich die Evangelien lese und mir denke, was kann ich bei Jesus zum Thema Gebet lernen? Wie macht er das eigentlich?
Ein geordnetes Gebetsleben
Punkt Nummer eins: Das Gebetsleben des Herrn Jesus hat Struktur. Relativ simpel, es hat Struktur. Das könnt ihr euch merken.
Übrigens: Am Ende kommt ein Wort heraus, wenn man die vier Punkte zusammennimmt. Vier Punkte, vier Buchstaben. Am Ende kommt Salz dabei raus. Könnt ihr euch das merken? Salz. Also immer, wenn ihr morgen frühstückt und dann Salz auf euer Frühstücksei macht, dann denkt ihr an diese Predigt, okay? Und S, der erste Buchstabe von Salz, steht für Struktur.
Wo habe ich das her? Na ja, Lukas Kapitel 11. Ich lese das mal vor, die ersten vier Verse:
Und es geschah, als er an einem Ort war und betete, da sprach, als er aufhörte, einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. Er sprach aber zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:
Und jetzt kommt das Vaterunser.
Vielleicht habt ihr das schon gesehen oder selbst erlebt: Einige der Jünger waren ja Jünger des Johannes, bevor sie dann Jünger des Herrn Jesus wurden. Und jetzt, als Jesus vom Beten zurückkommt, sagen sie ihm: Hey, bring uns doch Beten bei. Und der Herr Jesus lehrt sie das Vaterunser. Nicht als ein Gebet zum Runterrattern, aber als eine gute Orientierung, um dem persönlichen Gebet Struktur zu geben.
Und diese Struktur, das waren diese fünf Punkte, die wir gestern miteinander betrachtet haben: Anbetung, Fürbitte, Bitte, dann dreht sich einiges um das Thema „meine Sünden bekennen und anderen vergeben“, also das Thema Sünde, und am Ende eine Bitte um Führung und Bewahrung.
So, Struktur. Der Herr Jesus lehrt die Jünger, was er selber für richtig hält. Übrigens: So machen das Lehrer. Lehrer bringen ihren Schülern bei, was sich bei ihnen im Leben bewährt hat. Das heißt, wenn Jesus hier seinen Jüngern etwas zeigt, nach dem Motto: Macht es so, dann dürfen wir einfach davon ausgehen, dass er das genau so gemacht hat.
Achtung, eine Ausnahme bei dem Thema: „Und vergib uns unsere Schuld.“ Da war bei dem Herrn Jesus nichts. Er weiß aber, dass wir das brauchen, deswegen hat er es mit eingefügt. Wahrscheinlich war da auch eine Menge dabei, dass er anderen Leuten vergeben durfte, weil er ja doch relativ oft angefeindet worden ist. Aber er selber musste natürlich nie eine Sünde bekennen.
Warum sage ich euch das? Erster Punkt: Struktur. Wir dürfen davon ausgehen, dass der Herr Jesus, genau wie wir, er war ja kein Halbgott, sondern ganz normaler Mensch, sich Gedanken machen musste: Wie bete ich, ohne dass ich wichtige Gebetsanliegen vergesse? Und ohne dass ich irgendwann in so ein Plappern verfalle, wo ich noch rede und noch bete, aber mein Kopf eigentlich schon ausgeschaltet ist?
Und das ist das Angebot, das er seinen Jüngern macht. Er sagt: Wenn ihr betet, hey, hier ist eine Struktur, die könnt ihr einfach übernehmen. Die bewährt sich. Da kann man schnell mal eine Viertelstunde morgens beten, wenn man auf dem Weg zur Arbeit ist. Da kann man aber auch mal den ganzen Tag mitfüllen. Das funktioniert einfach.
Und für mich war das wichtig zu sehen: Der erste Punkt, was ich lernen kann: Jesus hat in seinem Gebetsleben Struktur. Das Vaterunser.
Gebet als ständige Lebenshaltung
Ein zweiter Punkt: Jesus betet alle Zeit.
Ihr kennt dieses Gebot aus 1. Thessalonicher 5,17: „Betet unablässig“, sagt der Apostel Paulus. Von dem Hauptmann Cornelius wird gesagt, dass er alle Zeit betete, in Lukas 18. Dort gibt Jesus ein ganzes Gleichnis dafür, dass wir alle Zeit beten und nicht aufhören sollen.
Ich habe mich gefragt: Wie findet sich diese Haltung, alle Zeit zu beten, bei dem Herrn Jesus wieder? Ich habe mir dazu das Lukasevangelium angeschaut. Man sagt nicht zu Unrecht, dass im Lukasevangelium der Herr Jesus als Mensch vorgestellt wird. Das stimmt. Der menschliche, der emotionale Charakter steht dort stärker im Vordergrund. Und wenn man durch das Lukasevangelium geht, merkt man: Jesus ist tatsächlich einer, der immer betet.
Gehen wir einfach einmal kurz durch, wo wir davon im Lukasevangelium lesen, dass Jesus betet.
Das fängt an in Lukas 3,21 bei seiner Taufe. Er wird getauft, er betet, und prompt geht der Himmel auf.
In Lukas 5,16 nimmt seine Popularität zu, und er zieht sich zurück in die Einsamkeit des Gebets. Wir merken: Er braucht das. Er braucht das mitten im Dienst. Gebet befähigt ihn zum Dienst.
In Lukas 6,12 verbringt er eine ganze Nacht im Gebet, bevor er dann am Tag danach die Apostel beruft. Wichtige Entscheidungen scheint der Herr Jesus immer durch Gebet vorbereitet zu haben.
In Lukas 9,18 stellen die Jünger ihm eine wichtige Frage. Und wir merken: Er kommt dahin, indem er vorher betet. Das heißt, er bereitet Lehrgespräche vor, indem er betet.
In Lukas 9,28-29, unmittelbar vor der Verklärung, führt Gebet zu einer Begegnung mit Gott.
Lukas 11,1 hatten wir angeschaut: Gebet hat eine Vorbildfunktion. Bevor er seinen Jüngern das Vaterunser beibringt, hat er selbst gebetet. Wir denken wahrscheinlich an das bekannteste Gebet des Herrn Jesus oder an das zweitbekannteste, ich weiß nicht, welches das bekannteste ist.
In Lukas 22,32 sagt er zu Petrus: Ich habe für dich gebetet. Jesus ist einer, der dafür sorgt, dass sein Jünger an der Versuchung nicht zerbricht.
In Lukas 22,40-44, in Gethsemane, schafft es Jesus, den Willen Gottes für sein Leben zu akzeptieren.
Und dann das letzte Gebet in Lukas 23,34: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Da vergibt Jesus am Kreuz den Soldaten, bittet für sie und für ihre Sünde.
Wir könnten uns die einzelnen Stellen anschauen. Ich bin jetzt nur darüber geflogen. Das wäre mal eine Predigt wert, einfach einmal zu sagen: Komm, wir schauen uns die Stellen genauer an, da ist noch viel mehr Stoff drin.
Mir geht es darum, dass ihr versteht: Für den Herrn Jesus war Gebet mehr als ein Ritual am Morgen. Das war eine Gewohnheit, ein fester Bestandteil seines Lebens. Er sucht beständig und immer wieder, egal ob ihm jemand zuschaut oder nicht, egal ob viel los ist, auch schon mal nachts das Angesicht Gottes.
Gebet ist für ihn ein ganz natürlicher und gleichzeitig existenzieller Bestandteil seines Lebens. Er kann nicht anders mit Gott leben, als ständig zu beten. Den ganzen Tag, wenn irgendetwas Neues passiert, wenn er in eine neue Situation hineinkommt, die das verlangt, treffen wir auf Gebet.
Wir merken: Bei dem Herrn Jesus ist das tatsächlich so. Erst Gebet, und dann kommt der Rest. Erst die Begegnung mit Gott, dann die Begegnung mit den Menschen.
Und egal, ob er gerade auf einer Welle der Popularität schwimmt oder ob er kurz vor der Kreuzigung erleben muss, dass nicht einmal mehr seine Jünger so richtig zu ihm halten: Jesus betet. Sein Leben ist tatsächlich alle Zeit ein Leben des Gebets.
Das ist der zweite Punkt.
Leidenschaft und Hingabe im Gebet
Also, der erste Punkt war, dass das Gebetsleben Jesu Struktur hat. Der zweite Punkt war, dass Jesus alle Zeit betet. Der dritte Punkt war: Salz, ihr erinnert euch, ja?
Leidenschaftlich. Man kann beten und beten. Man kann beten mit der Leidenschaft, mit der man Winterräder aufzieht oder nachts bei Minusgraden mit dem Hund noch einmal Gassi geht. Man kann aber auch beten mit dem Eifer und der Hingabe eines Liebenden, weil man verstanden hat, dass nichts im Leben mehr Erfolg und mehr Veränderung verspricht als Gebet.
Die Verheißungen, die auf Gebet liegen, sind meines Erachtens nicht mehr zu toppen. Ihr könnt euch das Skript im Netz anschauen auf Frogwords. Da habe ich jetzt noch an der Stelle eine Klammer aufgemacht, und da stehen dahinter dann: Wo steht überall, oder wo sind die wichtigsten Stellen im Neuen Testament, die immer wieder drinstehen, wenn ihr aus einer geheiligten Beziehung mit Gott heraus im Namen Jesu betet? Wann wird Gott unser Gebet erhören? Das steht öfter in der Bibel, als uns das vielleicht lieb ist. Und die Frage ist, ob wir es glauben.
Solange unser Leben nicht von Sünde geprägt ist und unsere Bitten nicht Unsinn sind, solange dürfen wir wissen, dass Gott unser Gebet erhört. Ist das wunderbar?
Ich habe es gestern kurz gesagt, ich muss es noch einmal kurz wiederholen, kleiner Einschub: Beten heißt, dass wir uns verstehen als Leute, die in einen geistlichen Krieg ziehen. Jedes Gebet ist wie ein Pfeil, den wir abschießen, und Gott verheißt, dass unser Pfeil trifft. Er verheißt nicht, dass unser Pfeil die Schlacht entscheidet. Es mag sein, dass es viel mehr Gebet braucht, um an irgendeiner Stelle einen geistlichen Durchbruch zu erzielen, aber er verheißt dir, dass, wenn du geheiligte Hände aufhebst und im Namen Jesu bittest, also an seiner Statt das, was er gebetet hätte, dass an dieser Stelle Gott dich erhört und dass dein Pfeil trifft und dass du beten darfst, bis die Sache durchgestanden ist.
Aber wie gesagt, es gibt beten und beten. Es gibt Gebet mit Durchschlagskraft und ohne. Als Mensch kann ich auf einige Weise zeigen, dass mir ein Anliegen wirklich wichtig ist. Wir haben uns das gestern schon so ein bisschen angeschaut. Ich frage die Leute, die gestern da waren, ich fasse es noch einmal zusammen: Was sind die Möglichkeiten, die wir haben, um Gebet zu intensivieren?
Da ist einmal: Ich kann flehen, Gebet plus Gefühle. Ich kann wachen, das heißt Gebet und Verzicht auf Schlaf. Ich kann fasten, Gebet und Verzicht auf Essen. Ich kann Gelübde sprechen: Ich bete und verspreche Gott etwas, wenn er mein Gebet erhört. Ich kann ausharren, das heißt, eine Sache so lange vor Gott bringen, bis er hört. Das sollen wir übrigens tun: Betet, und das wird euch gegeben werden. Das heißt, Beten ist eigentlich ein: Betet immer wieder, bleibt dran im Gebet.
Und die Frage ist: War Jesus einer, der so leidenschaftlich, so intensiv gebetet hat? Und wir können sagen: Ja, genau das war er. Jesus ist einer. Hebräer 5,7 – so einer dieser Verse, der mich immer tief berührt. Hebräer 5,7. Da heißt es über den Herrn Jesus: Der hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dargebracht.
Ist das eure Jesusvorstellung? Bitten, Flehen, starkes Geschrei! Da liegt jemand auf dem Boden und sagt: Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Da ist jemand richtig tief drin. Wann hast du das letzte Mal stark geschrien? Wann hast du das letzte Mal überhaupt so gebetet? Mit starkem Geschrei und Tränen, Tränen in den Augen, das ist Leidenschaft.
Leidenschaft ist nicht, wenn wir in der Gebetsgemeinschaft sitzen, mehr schweigen als beten und dann dröge irgendwelche Gebete formulieren, die wir schon hundertmal formuliert haben, weil das halt unser Ritus ist. Versteht ihr? Leidenschaft, Bitten, Flehen, starkes Geschrei, Tränen – das ist Jesus.
Jesus kennt Flehen. Hebräer 5,7 noch einmal: Der hat in den Tagen seines Fleisches, also als Mensch, sowohl Bitten als Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten kann, und ist um seiner Gottesfurcht willen erhört worden.
In Markus 1,35 sehen wir, dass Jesus Wachen kennt. Da heißt es: Und früh morgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und ging fort an einen einsamen Ort und betete dort. Ja, die anderen schlafen, er betet. Und er hat den Abend vorher viel Arbeit gehabt. Es ist nicht so, dass er früh ins Bett gegangen wäre und dann früher aufwacht. Es ist viel zu tun, und er betet.
Ich glaube auch, dass Jesus gefastet hat. Man kann das leider nicht ganz so schön in der Bibel sehen, aber wir sehen, dass Jesus Anweisungen gibt, wie man fasten soll. Und es wäre komisch, wenn er sie gäbe, ohne es selber zu tun. Wir sehen das daran, dass die Jünger des Johannes kommen und sie fragen: Warum fasten wir und die Pharisäer oft, deine Jünger aber fasten nicht? Wenn Jesus auch nicht gefastet hätte, dann hätten sie sich bestimmt nicht nur nach den Jüngern erkundigt, sondern hätten ihn direkt gefragt: Warum fastest du nicht?
Und dann gibt es in Matthäus 17 eine Geschichte, da wird ein Besessener geheilt, den die Jünger nicht heilen konnten. Und auf die Nachfrage: Warum konnten wir das eigentlich nicht? sagt der Herr Jesus dann: Diese Art aber fährt nicht aus, außer durch Gebet und Fasten. Und nachdem der Herr Jesus diesen Dämon austreiben konnte, gehe ich davon aus, dass er gefastet hat, dass er dann sagt: Ich erfülle die Voraussetzungen, und ihr nicht.
Leider ist der Vers vielleicht bedingt, wir wissen nicht genau, ob er ursprünglich ist, das ist das Problem. Also, es lässt sich da ein bisschen darüber verhandeln. Aber ich glaube, dass Jesus gefastet hat. Und er hat definitiv im Gebet ausgeharrt, in Gethsemane. Er hat nicht nur ein kurzes Stoßgebet gesprochen, sondern dreimal geht er zu Gott. Beim ersten Mal wissen wir, dass er eine Stunde gebetet hat, und dann noch einmal und noch einmal. Wir wissen nicht, wie lange er danach gebetet hat, aber ich denke, dass es nicht viel kürzer war.
Für Jesus ist Gebet nichts, was man teilnahmslos so mit den Gedanken schon halb bei dem, was man noch zu tun hat, erledigt. Jesus ist leidenschaftlich dabei, weil Jesus weiß, was beim Gebet auf dem Spiel steht. Beim Gebet geht es tatsächlich um Leben und Tod. Es geht um Sieg oder Niederlage. Es geht darum, in einer Versuchung bestehen zu können oder an der Versuchung zu zerbrechen.
Zielgerichtetes Beten im Blick auf Gottes Willen
So, jetzt haben wir drei Punkte. Es hat Struktur, es betet alle Zeit, es prägt sein Leben, und es betet leidenschaftlich.
Letzter Punkt: Jesus betet nicht ins Blaue hinein, sondern er hat beim Beten ein Ziel, Salz, Fett, Ziel. Ich zeige euch das an einer Stelle: Johannes Kapitel 17, das sogenannte hohepriesterliche Gebet. Lest es euch noch einmal durch, wir haben jetzt nicht die Zeit dafür. Und schaut euch an, mit welcher Vehemenz und mit welcher Klarheit Jesus für seine Jünger betet. Er weiß, dass seine Jünger, er weiß das sogar im Blick auf die Christen, die erst noch Christen werden sollen, er weiß genau, was seine Nachfolger brauchen, über die Jahrhunderte hinweg.
Und dann kommt ein Vers, den finde ich persönlich total spannend. Da heißt es in Johannes 17,24: Vater, ich will. Du denkst, das ist schon also ich will nicht dieses Vater, wenn du willst, ja, sondern Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, auch bei mir sein, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.
Ich möchte jetzt nicht auf den Vers eingehen. Der Vers hat es unglaublich in sich, dieses ganze hohepriesterliche Gebet hat es unglaublich in sich. Lest euch durch, mit welcher Liebe Jesus für euch betet. Es geht mir hier nur um diesen Anfang, dieses Ich will. Jesus weiß, was er sich für seine Jünger wünscht, und genau das betet er. Ich will. Das ist zielhaftes Gebet.
Und die Frage ist: Traust du dich, so zu beten? Traust du dich, vor Gott hinzugehen und zu sagen: Vater, ich will das! Da zucken wir innerlich so ein bisschen zurück und sagen: So können wir doch eigentlich nicht beten. Aber warum nicht? Wir sollen ja im Namen Jesu beten, wir sollen ja an seiner Statt beten. Er will doch durch uns hindurch beten. Ich will!
Und ich hatte das gestern schon gesagt: Ich habe mal so eine lange Liste gemacht mit Fürbitteanliegen für meine Familie. Und diese Liste gibt es immer noch, und sie wächst und wächst. Ich habe mir angewöhnt, so wie Jesus zu beten. Diese Anliegen, die auf dieser Fürbitte-Liste stehen, sind alle aus der Bibel. Es sind alle Anliegen, wo ich weiß: Gott steht mit seinem Geist und seinem Ja und Amen dahinter. Gott wünscht sich das auch für meine Familie. Und deswegen traue ich mich dann zu sagen: Vater im Himmel, ich will, dass sich diese Dinge im Leben meiner Kinder, meines Enkels, meines Schwiegersohns und der Geschwister in meiner Gemeinde erfüllen.
Ich weiß, wo ich will, dass meine Geschwister geistlich landen sollen, und ich bete auf diesen Punkt zu, mit aller Vehemenz und Klarheit, so wie Jesus das tut.
Jetzt haben wir vier Punkte: Struktur, alle Zeit, leidenschaftlich, Ziel, Salz. Und jetzt muss ich wieder zurückkommen, weil ich am Anfang eine Vorbemerkung gemacht habe. Was war meine Vorbemerkung? Kriegt ihr das noch zusammen? Meine Vorbemerkung war: Ich habe Angst, dass, wenn ich das predige, jemand sagt: Super, jetzt haben wir vier neue Regeln!
Die habe ich noch nicht so klar formuliert bekommen, aber jetzt, Jürgen, nehme ich diese vier neuen Regeln mit, und um ein guter Christ zu sein, muss ich mir jetzt irgendwie vorstellen, zum Thema Gebet, wie erfülle ich diese vier neuen Regeln? Und wenn das in deinem Herzen ist, streich das jetzt mal eben durch. Also, du kannst das nächste Woche wieder in dein Herz reinlassen bei der nächsten Predigt, aber nicht bei dieser Predigt.
Der Blick auf Jesus als erster Schritt
Ich möchte, dass ihr in eurem Leben erst einmal überhaupt nichts ändert. Habt ihr mich verstanden? Ich möchte, dass ihr in eurem Leben erst einmal überhaupt nichts ändert.
Ich möchte nur eine einzige Sache von euch erbitten. Ich möchte, dass ihr euch Zeit nehmt, einfach nur über die Predigt nachzudenken. Dass ihr euch Zeit nehmt, über Jesus nachzudenken. Ihr sollt nichts ändern in eurem Leben. Ihr sollt euch nur anhand dieser Predigt vorstellen, wie so ein Sprungbrett. Stellt euch einfach vor: Wie hat Jesus gebetet? Stimmt das, was der Fischer da gesagt hat? Wie hat der Alltag von Jesus geprägt? Stimmt es, dass er wirklich immer die Nähe zu dem Vater im Himmel gesucht hat?
Ich wünsche mir einfach nur, dass ihr ein bisschen in den Evangelien lest. Vielleicht schaut ihr euch das Skript an, vielleicht schlagt ihr die Stellen noch einmal nach. Ich bitte euch, dass ihr nichts ändert in eurem Leben. Also nicht in Aktionismus verfallen, sondern einfach nur anschauen: Wie hat Jesus eigentlich in seinem Leben Gebet praktiziert?
Und erst wenn ihr das getan habt, also wenn euch das Gebetsleben Jesu vor Augen gemalt ist, wenn du sagen kannst: Wenn ich jetzt die Augen schließe, dann weiß ich, wie Jesus zu diesem Thema gedacht hat. Ich habe mir eine Vorstellung davon gemacht, wie er das getan hat. Ich habe ihn mir ein Stückchen visualisiert, als jemanden, der auf den Knien liegt und weint, als jemanden, der fleht. Ich habe mir noch einmal die Stelle vor Augen gemalt, wo er in Jerusalem einzieht, und all diese Dinge.
Wenn du das hast, und erst dann, möchte ich dich um eine zweite Sache bitten. Dann erlaube ich dir, vorsichtig eine Frage zu stellen. Und die Frage geht so: Herr, wenn du heute dein Leben durch mich leben willst, und Achtung, wir haben da alle unterschiedliche Grenzen, okay? Der Herr wird niemanden überfordern. Aber wenn du heute dein Leben, so wie ich es mir jetzt vorgestellt habe, wie ich es begriffen habe, dass es sein sollte, wie du es gelebt hast, durch mich hindurch leben willst, wo und wie müsste sich dann deine Art zu beten in meinem Leben wiederfinden?
Und dann beten wir ganz vorsichtig: Bitte zeige mir, wo ich dir im Weg stehe. Bitte erleuchte meinen Verstand, dass ich begreife, als jemand zu leben, in dem Christus wohnt.
Versteht ihr den Unterschied? Das eine ist: Christsein besteht aus Regeln. Und ich gehe aus der Predigt raus und habe vier neue Regeln. Regel Nummer eins: Ich brauche eine Struktur. Regel Nummer zwei: Es muss mehr Leidenschaft ins Leben rein. Regel Nummer drei: Alle Zeit. Regel Nummer vier: Zielhaft. Ja, ja.
Und das möchte ich nicht. Ich möchte, dass du jetzt einfach dir vor Augen führst: Im Christsein geht es darum, dass Jesus sein Leben durch dich hindurch lebt. Und deswegen muss der erste Schritt immer sein, dass wir uns Jesus anschauen, dass wir seine Herrlichkeit verstehen, dass wir ein Stück begeistert sind von dem Menschen Jesus und von dem Angebot, das er uns macht, sein Leben durch uns hindurch leben zu wollen.
Und ihr werdet merken, dass, wenn ihr diesen Weg geht, sich in eurem Leben wesentlich mehr Radikalität und wesentlich mehr Kraft finden wird, als wenn ihr jetzt anfangt, euch eigene Gebote zu machen, zu schauen, wo ihr irgendwas umsetzen könnt, ein bisschen aktionistisch werdet und am Ende doch nicht da landet, wo Christsein eigentlich stattfindet.
Und Christsein findet an einer Stelle statt: dort, wo Jesus sein Leben durch uns hindurch lebt und wo wir sterben und wo wir mit allen unseren guten Bemühungen und mit all unserer Disziplin und unserem Fleiß, all unserem Bibelwissen und richtig Wollen ein Stück zurücktreten und sagen: Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.
Und das wird sich, denke ich, gerade beim Thema Gebet zeigen. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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