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Gebet, eine Einführung

Teil 2
SerieTeil 2 / 4Gebet, eine Einführung
Du betest nicht, weil du dich danach fühlst. Erst Gewohnheit richtet dein Herz auf Gott aus – und genau daran entscheidet sich, ob deine Seele satt wird oder verhungert.

Rückblick auf das Gebetsleben Jesu

Wir wollen weitermachen mit dem Thema Gebet, und ich möchte ganz einfach einen Rückblick geben, damit wir wieder in das Thema hineinkommen. Damit möchte ich anfangen.
Mir war gestern zuerst einmal eine Sache wichtig: Jesus war, und ich hätte beinahe gesagt, ein Beter. Aber ich muss sagen: Er ist ein Beter, denn er betet immer noch. Jetzt im Himmel betet er für uns. Wir finden das an verschiedenen Stellen im Neuen Testament. Der Sohn betet jetzt vor Gott für uns. Er ist die ganze Zeit Beter geblieben.
Und wenn wir in die Bibel hineinschauen, dann werden wir feststellen: Von all den Gewohnheiten, die uns aus dem Leben des Herrn Jesus beschrieben werden, ist das Gebet die eine Gewohnheit, die heraussticht. Wir lesen nichts über seinen Umgang mit der Bibel. Wir lesen an ganz wenigen Stellen über den Besuch der Synagoge, aber das Gebet taucht immer und immer wieder auf.
Wir haben uns gestern die Stellen dazu angeschaut. Wir haben gesehen, dass Gebet den Himmel öffnet, den Dienst vorbereitet, schwierige Entscheidungen vorbereitet, Lehrgespräche vorbereitet, die Begegnung mit Gott vorbereitet und eine Vorbildfunktion hat. Wir haben auch gesehen, dass das Fürbittgebet das Leben von Gläubigen beeinflusst, bis dahin, dass sie ihren Glauben nicht verlieren. Beziehungsweise dass wir, wenn wir Fürbitte für unsere Feinde tun, ihnen Sünde vergeben können.
Und wir haben Gethsemane gesehen, wo wir gemerkt haben: Es gibt Momente im Leben, die sind so niederschmetternd, da wirst du ohne Gebet, ohne ein gesundes Gebetsleben, nicht durchkommen. Das haben wir uns angeschaut. Und deswegen war mir das wichtig, dass wir begreifen: Gebet ist nicht noch eine Sache, die man irgendwann mal ein bisschen macht, weil man ja christlich ist. Versteht ihr? Gebet ist etwas ganz anderes, etwas viel Zentraleres.
Gebet ist etwas, was man lernen muss. Deswegen haben wir uns Lukas 11,1 folgende angeschaut, wo die Jünger kommen und sagen: Herr, lehre uns beten. Und Gebet ist deshalb so wichtig, weil, und jetzt werde ich etwas sagen, was euch vielleicht kurz irritiert: weil du ohne Gebet Gott nicht lieben kannst.

Gewohnheiten formen das Herz

Und ich kann das nur anreißen und ein bisschen Werbung für meinen Podcast machen. Im August wird es wahrscheinlich einen Podcast zum Thema gute Gewohnheiten geben. Dort werde ich formulieren, dass gute Gewohnheiten unser Herz ausrichten. Durch das, was du an guten Gewohnheiten in dein Leben hineinholst, kannst du dein Herz prägen.
Das ist so, als hättest du einen Kompass und legst einen Magneten davor. Die gute Gewohnheit ist wie dieser Magnet, der mein Herz ausrichtet. Und jeder von euch kann das ganz einfach nachprüfen: Wenn du irgendetwas lieb gewinnen möchtest, pack es als gute Gewohnheit in dein Leben, und nach ungefähr sechs bis acht Wochen gewinnst du es lieb.
Ich gehe gerade dramatisch durch diese Erfahrung, weil ich seit drei Wochen mit meiner Frau morgens Bauchmuskeltraining mache, sieben Minuten lang. Ich bin noch nicht ganz an dem Punkt, dass ich es lieb gewonnen habe, aber zumindest merke ich, dass der Widerstand und der Widerwille langsam nachlassen. Ich habe mir sogar eine Yogamatte gekauft, auf der man das macht. Das zeigt schon, dass da eine grundsätzliche Offenheit in meinem Herzen entstanden ist für gymnastische Übungen, die ich 56 Jahre meines Lebens bewusst verdrängt habe.
Also, ihr merkt: Nach drei Wochen tut sich etwas. Und ich bin davon überzeugt, dass, wenn ihr mich irgendwann nächstes Jahr fragt, wie es mit Bauchmuskeltraining ist, ich euch zehn unterschiedliche Übungen vormachen kann und total begeistert bin, dass mein Herz gewonnen wurde für Bauchmuskelübungen. Wodurch ist es gewonnen worden? Dadurch, dass ich einen Vortrag gehört habe? Nein. Dadurch, dass meine Frau gesagt hat, wir müssten das mal machen? Nein. Gewonnen wurde mein Herz durch die Gewohnheit.
Und ob dir das nun passt oder nicht: Wenn du dein Herz auf irgendetwas ausrichten willst, von dem du sagst, das hätte ich gerne als positiv, emotional positiv belegt in meinem Leben, dann musst du eine Gewohnheit implementieren. Und dann wirst du feststellen, dass sich das irgendwann verändert.
Das gilt eben auch für das Gebet. Das heißt: Wenn du sagst, ich würde ja gerne mehr beten, aber ich fühle mich nicht so danach, dann kann ich dir jetzt schon versprechen: Du wirst nicht mehr beten, weil du dich nie danach fühlen wirst. Es ist einfach so. Man fühlt sich nicht nach Gebet, außer man ist in tiefen Krisen. Dann kommt das von alleine. Aber nur zu beten, wenn man in tiefen Krisen ist, das kann es irgendwie auch nicht sein.
Von daher brauchst du eine Gewohnheit. Auf diese Gewohnheit, die Jesus uns vorlebt, nimmt er Bezug, wenn er im Matthäusevangelium sagt: Und wenn ihr betet, immer wenn ihr betet, es gehört ganz normal zum geistlichen Leben dazu.

Das Vaterunser als geistliche Ordnung

Und als seine Jünger kommen und ihn darum bitten, dass sie doch bitte auch das Gebet lernen dürfen, da bringt der Herr Jesus das Vaterunser. Ausgehend davon, dass das Vaterunser in der Kirchengeschichte, also in der frühen Kirchengeschichte, nicht gepredigt oder gebetet wurde, liest man nirgendwo in der Apostelgeschichte: Und dann trafen sich die Gläubigen in Jerusalem und beteten das Vaterunser. Das steht da nicht.
Und trotzdem sagte der Herr Jesus: So sollt ihr beten. Und kurz davor sagte er: Ihr sollt nicht plappern wie die Heiden. Also kann es nicht darum gehen, das so gebetsmühlenartig, mantramäßig immer wieder runterzuleiern. Das heißt: Wir müssen uns das Vaterunser anschauen, müssen begreifen, was es ist. Und es ist in meinen Augen ein Doppeltes.
Es ist zum einen eine Struktur, die unser Gebet prägen soll. Also bitte, hier reden wir nicht über „prägen könnte“. Um das ganz deutlich zu sagen: Wir reden über das, was der Herr will, und nicht über das, wo wir noch mitreden könnten. Wir sind hier in einem Bereich der Nachfolge angekommen, wo jemand sagt: Das will ich. Punkt.
Und egal, was wir jetzt damit machen, wir müssen uns überlegen: Wollen wir das? Wollen wir Menschen sein, die ihr Gebetsleben nach dem Vaterunser strukturieren, oder nicht? Und der zweite Punkt, der sich automatisch daraus ergibt, wird folgender sein: Wenn wir das tun, dann werden wir merken, dass Gott gar nicht so sehr unser Gebet braucht, sondern dass wir Gebet für uns brauchen.
Also ist Gebet nicht dazu da, dass wir Gott informieren. Gebet ist auch nicht dazu da, dass wir Gott manipulieren. Sondern Gebet ist dazu da, dass meine Seele etwas bekommt. Ich weiß nicht, ob dir das klar ist: Wer wenig betet, der geht nicht nur das Risiko ein, dass er wenig hat, weil Gott gebeten werden will. Sondern wer wenig betet, dessen Seele verhungert. Sie wird nicht auf Gott ausgerichtet, du wirst keine Liebe zu Gott entwickeln, und deine Seele wird am Ende verhungern, weil Gebet das ist, was deine Seele braucht.
Wir gehen jetzt einmal durchs Vaterunser, und ich möchte euch zeigen, warum das Vaterunser eine so eminent wichtige strukturelle Rolle im Leben eines Gläubigen spielt. Wir schlagen dazu Matthäus 6 auf. Da steht das Vaterunser in seiner längeren Fassung, im Matthäusevangelium, Kapitel sechs. Und ich will ganz kurz da einfach nur durchgehen.
Wenn ihr mehr dazu wissen wollt, ladet euch nächstes Jahr einen anderen Referenten ein, der nur darüber die Vorträge macht. Das wäre überhaupt kein Problem, kann ich euch gleich sagen. Über die Punkte hier könnte man über jeden einzelnen problemlos eine Stunde sprechen.

Anbetung als erster Schwerpunkt

Hier heißt es Matthäus 6, und wir starten in Vers 9: „Betet ihr nun so: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name.“
Damit fangen wir an. Das heißt: Gebet, wie der Herr Jesus es von seinen Jüngern möchte, startet mit dem, was ich Anbetung nenne: „Vater unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name.“
Wir starten das Gebet damit, dass wir uns gedanklich von dieser Welt verabschieden und uns über Gott Gedanken machen. Warum ist das wichtig? Es ist wichtig, weil uns dieser erste Blick auf Gott davor bewahrt, in den Götzendienst abzudriften. Ganz wichtig.
Wenn wir es nicht lernen, Gott anzubeten und an der Stelle Gott die Ehre zu geben, und zwar auf eine intelligente Weise, und das ist mir ganz wichtig, dann wird sich unser Hirn nach anderen Götzen ausstrecken. Ich kenne nur sehr wenige Christen, die an dieser Stelle genug Zeit investiert haben, um eine intelligente Form und eine abwechslungsreiche Form der Anbetung zu kultivieren.
Wenn du das nicht tust, dann wirst du andere Dinge finden, die dir wichtig sind. Das kann dein Urlaub sein, dein Auto sein oder das Essen sein. Du wirst Dinge haben, die im Kopf eine Präsenz bekommen. Denn Götzen sind nun mal unglaublich attraktiv.
Damit das nicht passiert, müssen wir eine tiefe Form, eine qualitativ hochwertige Form von Anbetung kultivieren, um uns immer wieder, jeden Tag neu, in der Gewohnheit des Betens auf den Gott auszurichten, den wir fürchten, der uns heiligt und dem wir dienen wollen. Ich hoffe, ihr versteht das.
Deswegen ist Anbetung so zentral. Das ist nicht etwas, das ich am Anfang mache, drei, vier Floskeln hinwerfe wie: Gott, du bist heilig, gut und nett, und dann mache ich weiter, wenn ich überhaupt etwas mache. Sondern es ist das, was mich vor Götzendienst bewahrt und gleichzeitig, indem ich es tue, mich hineinführt in echte Gottesfurcht.
Denn ich beschäftige mich immer wieder mit dem, wer Gott ist und was er für mich getan hat.

Wie Anbetung praktisch wächst

Wie komme ich dahin, dass ich so ein Gebetsleben kultiviere? Ganz einfach: Ich beschäftige mich mit Gott.
Ich hoffe, dass ihr euch gewinnen lasst für die Idee, dass man für Anbetung vorbereitet sein muss. Und dass diese Vorbereitung einschließt, dass ich mir irgendwo einmal Gedanken gemacht habe über das, was mir Gott gerade geschenkt hat. Das wäre Dank. Über das, was mir Gott ganz grundsätzlich geschenkt hat. Das wäre das, was er in meinem Leben verändert hat. Dass ich mich beschäftige mit Gottes Eigenschaften, mit Gottes Eigennamen, mit Begriffen, die Gott beschreiben, mit dem, was Gott in der Geschichte gewirkt hat.
Und wenn du ein Streuselkopf bist, wie ich einer bin: Willkommen im Club der Streuselköpfe, schreib’s dir auf. Ich habe eine lange Liste von Ideen, also Eigenschaften Gottes, Namen Gottes, Eigennamen, was er getan hat in meinem Leben. Ich habe das mal hintereinander weg, und das ist eine Liste, die wird ständig länger. Warum? Weil wenn ich in den Wald hineingehe, ich bin so ein Waldbeter, dann hole ich diese Liste raus und sage: Okay, heute schnappe ich mir, was weiß ich, zehn Eigenschaften Gottes. Und das ist mein Startpunkt heute in die Anbetung. Um ganz neue Worte, neue Gedanken.
Ich nehme dann ein Wort wie „Gott ist selbstgenügsam“. Dann denke ich im Gebet darüber nach: Was heißt das eigentlich? Wie kann ich mit intelligenten Worten Gott dafür anbeten, dass er mich nicht braucht, aber trotzdem will? Und ich finde neue Worte dafür. Und das mache ich einfach. Das mache ich eine Viertelstunde lang, dass ich mich in Gedanken mit Gott beschäftige und mich freue und feiere, was ich da für einen Gott habe.
Und ich sage dir eines: Wenn du das nicht tust, dann ist dein Gottesbild billig. Es gibt keine andere Möglichkeit, um ein tiefes Gottesbild zu entwickeln, als dass wir ihn auf eine unserem IQ angemessene Weise anbeten. Es geht nicht anders. Wenn du mir nicht glaubst, dann frag dich einfach: Wie lerne ich einen guten Freund kennen? Indem du mit ihm redest, indem er dir sagen darf, wer er ist und was ihn bewegt, und indem du mit ihm über ihn redest. Eine gute Freundschaft ist nicht die, dass ich immer über mich rede und was ich gerne hätte.
Das ist Anbetung, der erste Block. Damit starten wir ins Gebet.

Fürbitte für Gottes Reich und die Gemeinde

Und dann kommt Matthäus 6: Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Da stecken wir im zweiten Block des Vaterunsers mitten in der Fürbitte, Anbetung, Fürbitte. Warum ist Fürbitte so wichtig, und warum ist sie im Gebet im Allgemeinen der größte und wichtigste Block? Ganz einfach: weil uns Fürbitte davor bewahrt, dass wir eigenen, vergänglichen Zielen nachhängen. Und genau dazu möchte uns diese Welt verführen. Sie möchte, dass wir über Dinge nachdenken, die uns eigentlich nicht zu interessieren haben. Das kann Corona sein, das kann der Aktienindex sein, das kann irgendetwas sein, was ein zweit- und drittklassiger Gedanke ist, der sich aber niemals vor den eigentlichen Gedanken schieben darf, und das ist das Reich Gottes.
Wir bauen das Reich Gottes, deswegen sind wir hier. Und wenn du noch Zeit hast, darfst du auch ein Hobby haben. Aber wahrscheinlich hast du keines, weil du keine Zeit hast. Es ist nämlich zu viel zu tun.
Und wenn du wissen willst, wie viel zu tun ist, und wenn du dein Herz ausrichten willst auf die Arbeit, die zu erledigen ist, auf die Menschen, die vielleicht noch verloren gehen, auf die Geschwister, die gerade in ihrem Glaubensleben straucheln, auf Institutionen, die versuchen, in dieser Welt das Evangelium zu tragen: Wenn du dich darauf fokussieren willst, mein Tipp ist, habe eine ausgedehnte Fürbitte-Liste, wo Hunderte von Namen draufstehen und wo du einfach sagst: Für die trete ich im Gebet ein.
Und wenn du sagst: Ich weiß nicht, was ich für Geschwister beten soll, dann geh zu ihnen hin und frag sie: Was kann ich für dich beten?
Ich sage jetzt etwas, und das wird mir keine Pluspunkte einräumen, aber wenn du nicht für deine gesamte Gemeinde betest, nehme ich deinen Glauben nicht ernst. Wenn du nicht einmal für die geistliche Familie betest, in die Gott dich hineingestellt hat, überleg mal: Wenn das nicht mal der Fokus ist, der Horizont deines geistlichen Denkens, ja, du kommst als geistliches Baby wahrscheinlich schon irgendwie in den Himmel, aber es ist auch nicht mehr als ein geistliches Kleinkind, was ich dann vor mir habe.
Ich möchte dich ermutigen, für viel mehr zu beten. Ich möchte dich ermutigen, für eine Gebetsliste, wo du mit deinen Geschwistern anfängst und dann sagst: Hey, zack, was habe ich noch? Und wo du intelligent betest, weil du darüber nachgedacht hast, was die denn eigentlich brauchen. Und wo du dann merkst: Aber Jürgen, dann muss ich ja jeden Tag, was weiß ich, das ist ja ganz locker eine halbe Stunde rum. Ich brauche ja nur für, stell dir mal vor, du nimmst dir jeden Tag zwanzig Leute vor und machst das nicht so: Ich bete für A, B, C, D, E, F, G, H, I, J, sondern ich bete für Zack, und hey, da fällt mir ein, bei seinen Kindern läuft es gerade vielleicht nicht so gut, oder Zack, und da in der Ehe, hey, das hörte sich auch nicht so prickelnd an, und Zack, und dann, hey, mit dem Job war das auch irgendwie nicht so der Hit.
Stell dir vor, du nimmst dir nur zwanzig Leute vor am Tag. Kannst du dir vorstellen, dass du eine halbe Stunde Fürbitte tun kannst und danach denkst: Mann, wäre es schön, wenn ich noch ein bisschen mehr gehabt hätte? Kannst du dir vorstellen, dass es das ist, was deine Gemeinde im innersten Kern zusammenhält?
Lasst mich euch das ganz klar von hier vorne sagen: Welche Lieder ihr singt, ist irrelevant. Welche Gemeindestruktur ihr habt, ist irrelevant. Ob ihr das Thema Leiterschaft in den nächsten zwei Jahren auf die Reihe kriegt, interessiert niemanden, solange ihr betet.
Es ist ganz einfach: Du kriegst die Gemeinde, für die du betest. Du bekommst den Zusammenhalt an Gemeinschaft in der Gemeinde, für den du betest. Du bekommst das geistliche Wachstum in der Gemeinde, für das du betest. Weil es nie an uns liegt, ich hoffe, das ist uns klar, es liegt niemals an uns, aber immer am Gebet. Deswegen braucht es Fürbitte, und deswegen brauchst du eine intelligente Fürbitteliste.
Ich habe irgendwann, ich glaube, 200 Anliegen für meine Kinder aufgeschrieben. 200 konkrete Heiligungsanliegen, wo ich gesagt habe: Das bete ich regelmäßig für meine Kinder. Ich habe einfach gedacht: Wenn Gott sagt, hey, bete, dann mache ich das konkret. Was will ich alles für meine Kinder? Und ich bin die komplette Ethik der Bibel durchgegangen und habe das Gott hingelegt. Ich möchte Kinder, die so werden. Zack! Ist doch logisch: Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet.
Ja, ich wollte. Und jetzt nehme ich diese Heiligungsliste und bete sie regelmäßig mal für alle Geschwister durch. So pauschal, so wie der Herr Jesus sagt: Ich bitte für sie. Warum? Ja, weil es einfach gut ist, ab und zu dafür zu beten, dass keiner meiner Geschwister anfängt zu klauen, keiner, was weiß ich, suizidale Gedanken bekommt, keiner seine Bibel nicht liebt, keinen Wind versteht ihr? Das ist einfach gut, dafür zu beten.
Und in dem Moment, wo du das tust, wirst du merken, dass deine Seele satt wird. Eine der schrägsten Erfahrungen meines Lebens besteht darin, dass ich nach einer halben Stunde, dreiviertel Stunde Fürbitte, obwohl ich nicht für mich gebetet habe, das kommt ja erst im nächsten Schritt: Unser tägliches Brot gib uns heute, da kommen unsere Anliegen, dass meine Seele satt und zufrieden vor Gott durch den Wald schlendert und ich mich frage: Was geht hier denn gerade ab? Und die Antwort ist: Ich habe Fürbitte getan.
Aber warum macht Fürbitte mich bitteschön satt? Ganz einfach: Weil ich Mensch geworden bin. Menschsein heißt, heilig zu sein. Heilig zu sein heißt, so zu sein wie Gott. Und Gott ist ein Gott, der sich verschenkt. Und immer dann, wenn ich mich verschenke, werde ich Mensch. Und Fürbitte, Fürbitte ist Verschenken pur, wenn ich dir eine halbe Stunde meiner Zeit schenke. Verstehst du?
Zweiter Punkt, habt ihr jetzt verstanden: Fürbitte.

Eigene Bedürfnisse, Schuld und Vergebung

Dritter Punkt: Bitte. Den kennen wir alle: Unser tägliches Brot gib uns heute. Da merken wir, dass man täglich beten soll.
Warum ist dieser Punkt wichtig, und warum steht er an dritter Stelle? An dritter Stelle, damit er nicht zu wichtig wird, also nicht vor Anbetung und Fürbitte. Aber natürlich ist er trotzdem wichtig, weil dieser Punkt uns davor bewahrt zu glauben, wir wären unabhängig.
Mein Montagsgebet ist stark von Bitte geprägt, weil ich einmal durch die ganze Woche alle Termine, alle Gespräche und alles, was ansteht, vor Gott hinlege. Ich kann das nur ganz, ganz dringend raten, dass ihr das tut. Und es bringt mir tatsächlich, dass ich erlebe, wie Gott mich versorgt. Ich bitte um Dinge, und damit mache ich klar: Hey, ich schaffe es alleine nicht.
Und dann kommt sofort: Wenn ich am nächsten Tag in die Anbetung gehe und danke für das, was mir Gott gestern geschenkt hat, dann denke ich natürlich an: Hey, gestern hatten wir einen Vortrag, und natürlich habe ich für diesen Vortrag gebetet. Das ist doch irgendwie logisch. Es war ein guter Start für den ersten Vortrag bei einer Gemeindefreizeit. Das kann rumpeliger sein, und dann kann man doch jetzt dafür danken und sagen: Hey, schau mal, Gott hat mich versorgt, Gott hat Gnade geschenkt.
Das gehört einfach dazu. So kommt ein Fluss ins Leben hinein, ein Fluss der Abhängigkeit.
Und dann der nächste Punkt: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Meine Lieblingsfrage, oder eine meiner Lieblingsfragen an Christen, ist: Zeig mir deine Sündenliste. Ja, also zeig mir mal deine Top Ten, an denen du gerade dran bist. Denn wenn du die nicht hast, dann lebst du nicht Heiligung. Das ist ganz einfach.
Heiligung lebt sich ja nicht, und das ist jetzt kein Vortrag über Heiligung, keine Sorge, ich werde auch nicht abschweifen. Oder nur zwei Verse lang: Heiligung besteht nicht darin, dass ich grundsätzlich nicke: Ja, man sollte heiliger leben. Sondern Heiligung bedeutet, ich spreche dich an, und du sagst mir: Jürgen, an den drei Punkten bin ich gerade dran. Die sind in mein Leben reingekommen, weil ich die Bibel gelesen habe, weil ich gemerkt habe, ich bin nicht so, wie Gott das gerne hätte, und weil ich aus Gnade lebe. Ich muss keine Sünde verstecken, weil der Geist Gottes als ein Geist der Kraft mich verändert.
Deswegen habe ich das auf meine Gebetsliste gepackt, und deswegen wird die Sache so lange bekannt, Tag für Tag, Tag für Tag, bis sie weg ist.
Und ich habe Sünden, die bekenne ich seit fünfunddreißig Jahren. Tag für Tag. Ich bin auch nicht urig, und ich habe auch keinen blassen Schimmer bei einigen Sünden, wie ich das jemals schaffen soll. Aber es ist mir einfach egal, weil wir aus Gnade leben. Und ich bring die Dinger so oft, bis es ein Wunder gibt oder ich tot umfalle. Aber ich werde täglich meine Sünden bekennen. Ich werde täglich überlegen, was gestern schiefgelaufen ist, welche schrägen Gedanken, welche schrägen Worte, welche schrägen Taten da passiert sind.
Und wenn ich da Muster sehe, schreibe ich das auf und sage Gott: Vater im Himmel, das ist in meinem Leben da, das möchte ich nicht mehr. Und ich werde Bibelferse dagegen lernen, logisch. Ich habe das noch nicht gesagt: Ich bin dafür, dass man Bibelferse auswendig lernt. Damit ihr das nicht vergesst. Also lernt hier diese Verse vom Vaterunser einfach auswendig, das ist super.
Jetzt haben wir Vergebung. Ich bekenne Gott meine Schuld, jeden Tag, und ich mache mir Mühe dabei. Also ich gehe da durch: Was habe ich gestern getan? Habe ich, was weiß ich, schlecht über meinen Nachbarn gedacht? Habe ich Geld ausgegeben für Sachen, die ich eigentlich nicht wirklich brauche? War ich unfreundlich zu meiner Frau? Wo stehe ich gerade mit meinem Leben? Wo bin ich einfach deutlich ausgebrochen aus einem reinen Leben und habe mich Dingen hingegeben, von denen ich weiß, die machen mich kaputt?
Ob das Faulheit ist oder: Ich bin gerade ein bisschen dabei, endlich mal mein Gewicht in Angriff zu nehmen, weil das hat sich so sukzessive langsam nach oben entwickelt, und dann hat das so eine Größe durchschlagen, wo ich dachte: Okay, du kannst jetzt entscheiden, entweder kaufst du dir neue Anzüge oder du nimmst ab.
Und dann habe ich mich in meinem Spiegel angeschaut und dachte mir: Du siehst einfach fett aus. Man darf ja, also wenn ihr jemals ... Man muss dann einfach nur von sich mal ein Foto von der Seite im Spiegel machen und sich dieses Foto in Ruhe anschauen und dann überlegen: Willst du das wirklich deiner Frau schenken? Dann dachte ich mir: Wow, die ist immer noch bei mir. Wenn ich mir das anschaue, ist das echt überraschend.
Von daher versteht ihr: Es ist egal, wo du ansetzt, aber sowas hat ja was mit Selbstbeherrschung zu tun. Selbstbeherrschung steht auf meiner Sündenliste. Na logisch, weil ich ... versteht ihr, das kommt ja irgendwo her in meinem Leben. Also das hat ja damit zu tun, dass man zum Zeitpunkt X beim Thema Eis nicht Nein sagt. Das ist relativ simpel. Es ist so: Abends um zehn willst du noch ein Eis? Nein. Und wenn du Ja sagst? Hm, ja.
Und wenn du nicht Nein sagen kannst, dann ist es eine Frage von Disziplin und Selbstbeherrschung. Und dann muss ich an der Stelle ran, logisch. Und dann ist das nur ein Auswuchs in meinem Leben. Jemand anders sagt: Ich schlafe vielleicht immer zu viel oder ich kriege andere Sachen nicht auf die Reihe.
Was ich deutlich machen will, ist: Hab einen kritischen Blick auf dein Leben. Hab irgendwie ein bisschen geistliche Ziele, wo du noch hinwillst. Und auch mit 80: Hey, da sind wir noch lange nicht fertig. Wir sollen vollkommen sein, wie unser himmlischer Vater vollkommen ist. Merkt ihr, was da ist? Da ist noch Luft nach oben für alle von uns.
Und wir leben aus Gnade. Wir dürfen jeden Tag vor dem Thron der Gnade erscheinen und sagen: Ich habe es verbockt.
Wisst ihr, dass wir die einzige Glaubensgemeinschaft sind, die mir zumindest bekannt ist auf diesem Planeten, die jeden Tag sagt: Wir sind die Falschen? Ist euch das mal aufgefallen? Wir kommen jeden Tag zu Gott und sagen: Lief wieder nicht.
Und wenn du nicht zu Gott kommst und das sagen kannst, dann lass bitte ein rotes Licht angehen, weil es könnte sein, dass du nicht aus Gnade lebst. Es könnte sein, dass du Gott immer noch etwas beweisen willst, dass du immer noch zeigen möchtest, wie cool du drauf bist und wie sehr das Reich Gottes sich freuen muss, dass es dich hat.
Tut es nicht. Du bist Ballast, ich bin Ballast. Wir alle sind die, die Gott nicht braucht, aber will. Warum? Keine Ahnung. Es ist einfach so.
Und deswegen: Wenn er sagt, nimm dir jeden Tag Zeit, deine Sünde zu bekennen, das gehört in dein tägliches Gebet mit hinein, bitte mach das. Und wenn du das tust, dann überleg mal, ob du noch auf irgendwen grollig bist, und dann sprich den frei: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Oder hier: wie auch wir unseren Schuldnern vergeben.
Wenn du gerade dabei bist, vor Gott deine eigene Sünde zu bekennen, sprich den anderen frei.
Warum ist das wichtig? Wenn wir unsere Sünde bekennen, jeden Tag, dann bestätigen wir das Kreuz. Wir bestätigen Gnade. Wir bekommen von Gott Reinheit geschenkt, er macht uns rein, jeden Tag neu. Und das bewahrt uns diesen Blick auf uns selbst, dieses: Ich komme schmuddelig ins Gebet und ich gehe rein raus. Dieser Blick bewahrt uns mehr als alles andere vor Selbstgerechtigkeit.
Hüte dich davor, Sünde zu verstecken. Hüte dich davor, freu dich über jeden Dreck in deinem Leben, den du entdeckst. Jeder Bibelvers, der dich zwickt, freu dich drüber.
Und wenn wir anderen Menschen die Sünde vergeben, dann bewahrt uns das vor Groll. Und jetzt kommt es: Es macht uns zu barmherzigen Menschen.
Du lernst Barmherzigkeit an der Stelle, wo du vergebungsbereit mit deinen Feinden umgehst, mit denen, die dir so vor den Ellenbogen reingeschoben haben.

Führung, Bewahrung und geistliche Ausrichtung

Kommen wir zum Schluss des Vaterunsers. Wir haben also jetzt Anbetung als einen Block, wir haben Fürbitte, Bitte, dann dieses gesamte Thema Vergebung, sowohl der eigenen Schuld als auch das Freisprechen anderer Menschen. Und zum Schluss geht es um Führung und Bewahrung. Das ist der Schluss unseres täglichen Gebets.
Da heißt es einmal hier: „Und führe uns nicht in Versuchung.“ Manch einer hat Schwierigkeiten mit diesem Vers: „Führe uns nicht in Versuchung.“ Versuchung selbst ist ein Moment, in dem ich zur Sünde versucht werde, so versteht man den Begriff. Jetzt ist das Problem, oder das heißt, es ist kein Problem, es ist schön: Gott ist ein Gott, der uns nicht versucht. Das lesen wir in Jakobus 1. Und deswegen fragt man an der Stelle ganz schnell: Wie kann es sein, dass ich beten soll, dass Gott mich nicht in Versuchung führt, wenn er uns doch gar nicht versucht?
Und deswegen müssen wir an der Stelle zwei Dinge lernen. Zum einen: Der Begriff Versuchung kann einmal für den Moment stehen, in dem ich zur Sünde versucht werde. Der Begriff selbst kann aber auch für Lebensumstände stehen, die angreifbar machen. In 2. Petrus 2 heißt es, dass Gott den Gerechten aus der Versuchung zu retten weiß. Und hier ist Lot im Blick. Lot, wie er da an der falschen Stelle wohnt. Er kennt Sodom und Gomorra, er wohnt dann da. Und dieses Darinwohnen, in diesen Städten zu Hause sein, täglich mit Sünde zu tun haben, das war eine falsche Entscheidung, da überhaupt hinzuziehen.
Und wenn man solche falschen Entscheidungen trifft, irgendwo hinzuziehen, wo das Leben schwieriger wird, Entscheidungen zu treffen, die mir das geistliche Leben erschweren, das ist auch Versuchung. Versuchung als Begriff beschreibt also auch Lebensumstände, schwierige Lebensumstände, für meinen Glauben schwierige Lebensumstände.
Und „führe uns nicht in Versuchung“ ist dann eine rhetorische Figur, bei der ich durch die Verneinung eines negativen Begriffes genau das Gegenteil positiv beschreibe. Wenn wir uns unterhalten und du sagst etwas, und ich sage dann zu dir: „Das war kein dummer Gedanke“, dann ist das genau diese Figur. „Kein“ ist die Negation, die Verneinung, „dummer Gedanke“ ist der negative Begriff. Will ich damit zum Ausdruck bringen, dass du normalerweise dumme Gedanken sagst und nur in dem Fall war das dann die Ausnahme? Nein, nein, das will ich nicht sagen. Ich sage: „Das war kein dummer Gedanke“ und will eigentlich sagen: Hey, das war ein superkluger Gedanke.
Und diese Figur nennt man die Totes. Diese rhetorische Figur wenden wir hier an. „Führe uns nicht in Versuchung“ bedeutet also nicht: Ich will sagen, dass Gott normalerweise in Versuchung führt und jetzt bitte mal nicht. Sondern es ist die positive Beschreibung dessen, was ich will. So wie „kein dummer Gedanke“ ein richtig kluger Gedanke ist, so ist „führe uns nicht in Versuchung“ der Wunsch: Führe mich bitte hundert Prozent den richtigen Weg. Dass es mir nicht ergeht wie Lot, dass ich nicht eine blöde Entscheidung treffe, weil ich vielleicht hier irgendeinen Karriereschritt mache, irgendetwas mache, was mich dann in meinem geistlichen Leben so weit handicapt, dass ich am Ende fast den Glauben verliere. Versteht ihr? Und dann in der Höhle lande mit meinen Töchtern. Da will ich nicht hin.
Und deswegen: Führe mich. Deswegen geht es hier um Führung, und deswegen müssen wir jeden Tag dafür beten, dass Gott uns Weisheit schenkt, kluge Schritte zu gehen. Und während wir das tun, während wir an der Stelle um Weisheit bitten und dann Weisheit bekommen, wie der Jakobusbrief sagt, bewahrt Gott uns an der Stelle auch vor einer Eigenwilligkeit, vor dem einfachen Drauflosstolpern und dem Denken: Das wird schon irgendwie. Nein, wir beten jeden Tag darum, dass Gott uns Gnade schenkt zu sehen, was der vernünftige nächste Schritt ist.
Und nicht für jeden ist der logische nächste Schritt: Ich muss ein Haus bauen. Versteht ihr? Nicht für jeden ist der logische nächste Schritt: Ich muss die Karriereleiter einen Schritt nach oben. Es gibt Leute, die nehmen den nächsten Schritt auf der Karriereleiter und sind in der Gemeinde nicht mehr gesehen. Es gibt Leute, die bauen ihr Haus und verlieren die Beziehung zu ihren Kindern. Und einfach, weil sie es vorher nicht durchdacht haben.
Man kann fragen: Jürgen, warum hast du nur zwei Kinder? Ich meine, du bist doch irgendwie gut drauf, gut beieinander. Ganz einfach: Die nächsten zwei hätten meinen Dienst gekillt. Es ist ganz simpel. Ich bin kein Kindertyp, überhaupt nicht. Und meine Frau sagte mit Mitte dreißig: Wir könnten ja noch zwei. Aber du nicht. Und sie hatte recht. Ja, sie hatte einfach recht. Sie wusste: Wenn wir da jetzt noch zwei nachlegen, was biologisch durchaus möglich gewesen wäre, dann wäre ich niemals in Gemeindegründung gegangen. Das hätte einfach knicken können. Ich wäre da als psychisches Wrack rausgegangen. Und meine Frau hat das gesehen, hat gesagt: Führe uns nicht in Versuchung.
Weisheit bedeutet, Dinge nicht einfach zu tun, weil man sie eben tut, sondern selber zu überlegen: Was ist für mich dran? Das ist die entscheidende Frage. Was ist für mich dran? Und darum müssen wir kämpfen, dass uns Gott da hilft. Und das machst du nicht mit: Ich denke mal, dreißig Sekunden kurz über den Tag nach. Da zottel doch bitte mal durch den Wald oder auf den Knien vor deinem Bett oder wie auch immer du betest und überlege dir: Was sind die konkreten nächsten Herausforderungen meines Lebens?
Da schaffen sich Leute einen Hund an und haben plötzlich keine Zeit mehr für den Gemeindedienst. Denkst du dir: Hä, hast du dir nicht vorher überlegt, was so ein Hund für Arbeit macht? Nein, haben sie nicht. Dann eine spontane Entscheidung, und plötzlich hast du die Versuchung auf vier Pfoten in deiner Wohnung. Ja, ihr lacht, ich kann da nicht so drüber lachen, weil ich sehe, was das mit Leuten macht, die zu wenig Gemeinschaft haben, weil sie sich plötzlich darum kümmern müssen.
Bitte, bitte, bitte betet um Weisheit. Betet darum, dass Gott euch den richtigen Weg führt. Und geht nicht einfach davon aus, weil ihr alle, so wie ich euch hier sehe, ja eher so Mittelschicht seid, irgendwie gut gesettelt. Ich vermute, dass viele von euch auch eine vernünftige Wohnung und ein vernünftiges Auto haben und einen vernünftigen Job. Dass ihr, weil ihr angekommen seid, so in der Mitte der Gesellschaft, dass ihr, weil ihr so lebt wie alle anderen, sowieso die richtigen Entscheidungen trefft. Ja, warum denn? Wie kommst du denn auf die Schnapsidee? Verstehst du, das hat doch Lot auch gedacht. Und dann ist er losgezogen. Und das Losziehen war noch nicht die Sünde, aber dann das Umziehen war die Sünde.
Wäre er draußen vor der Stadt geblieben, ja, da, wo es schön ist, alles in Ordnung. Und dann macht er den entscheidenden Schritt, und dann ist sein geistliches Leben so weit kaputt, dass man sich ja fast wundern kann, dass er im Neuen Testament noch zu den Gläubigen gezählt wird. Mich erstaunt das immer: Lot und Simson, das sind so die zwei, wo ich denke, okay, machen mir Mut, aber hätte ich nicht gedacht.
Wir haben das also: Führung. Und der zweite Teil, wenn man so will, die Kehrseite von Führung, ist Bewahrung. Da heißt es dann hier: „Erlöse uns“ oder „errette uns von dem Bösen.“ Wir müssen dafür beten, dass das Böse nicht in unsere Familien, in unser Leben, in unser Denken einbricht, nicht in unsere Gemeinde einbricht.
Ihr seid dafür verantwortlich, dass ihr dagegen betet, wenn es um Irrlehre in der Gemeinde geht, um Spaltung und Streit in der Gemeinde geht. Ihr seid dafür verantwortlich, ich nicht, wenn nicht eure Gemeinde. Ich bete jede Woche darum, dass nicht Streit, Irrlehre, irgendetwas Böses in unsere Gemeinde einbricht. Ich mache das sehr detailliert. Ich mag das jetzt nicht im Vortrag so genau sagen, weil das auch veröffentlicht wird, aber ich habe eine Liste, was ich mir nicht wünsche, dass es in unsere Gemeinde einbricht. Ist doch logisch, oder? Kannst du dir vorstellen, wie viel Mühe es macht, wenn du eine Irrlehre drin hast, sie erst wieder rauszukriegen? Ha, das willst du nicht. Und wo es passiert, wo Menschen gefangen werden in ihren Köpfen von falschen Ideologien, das ist so ein Trauerspiel.
Von daher: Bitte, bitte, bitte betet. Und wenn ich dafür bete, dass ich Bewahrung erfahre, dann nimmt es mir einerseits Last. Es bewahrt mich vor Furchtsamkeit, es bewahrt mich vor Hoffnungslosigkeit, weil ich einfach meine Sorgen abgeben kann. Ich kann sagen: Vater, ich habe Angst davor, dass das passiert. Logisch. Und ich gebe dir das jetzt ab, und ich bitte dich, dass du uns an der Stelle rettest. Und an einer anderen Stelle erlebe ich dann, dass Gott mir Rettung schenkt.
So, jetzt habt ihr das Vaterunser kennengelernt, und ihr könnt es euch an euren Fingern, wenn ihr wollt, abzählen. Es fängt an mit Anbetung, warum wir Gott toll finden, es weist nach oben zu Gott. Dann kommen die drei hier: meine Probleme. Dann kommt das große Thema Vergebung. Und dann kommt das Thema Führung und Bewahrung.
Und zu jedem dieser Blöcke bitte ich dich, irgendwann, wenn du es nicht schon lange hast, eine Gebetsliste aufzuschreiben, die bitte einfach für den Rest deines Lebens wächst. Du darfst bei Fürbitte auch wieder Leute streichen, logisch, weil irgendwann sind es zu viele. Das wächst dann auf ein paar hundert an, dann streicht man wieder ein paar aus und hat wieder andere drin. Aber das ist okay. Mach es einfach.
Und du wirst feststellen: Eine Stunde zu beten ist ganz easy. Du schnappst dir deine Anbetungsliste, schaust, wo du gerade bist. Ich bin jetzt gerade bei Eigennamen Gottes. Und dann fange ich einfach mal so an und mache das. Und schaue einfach, wo mich das hintreibt. Versteht ihr? Ich rede mit Gott, so wie ich mit meiner Frau am Eheabend mir auch überlege, was kann ich ihr Schönes sagen.
Und meine Frau möchte auch nicht nur hören: Du bist schön. Das gehört dazu. Wer meine Hohelied-Vorträge kennt, weiß, das ist sogar ganz, ganz wichtig, dass ein Mann das jeden Tag seiner Frau sagt. Aber es würde nicht schaden, und das lehrt uns ja das Hohelied, wenn meine Frau auch dezidierter gesagt bekommt, was denn da schön ist. Das ist wichtig, ihr lieben Männer. Ich hoffe, ihr habt das nicht aus dem Blick verloren, sonst machen wir einen Exkurs über Hohelied.
Ihr lacht. Bewunderung steht im Zentrum von Liebe. Wenn du Gott nicht bewunderst, wenn du keine Worte der Bewunderung für Gott hast, liebst du Gott nicht, habe ich doch schon gesagt. Und wenn du keine bewundernden Worte für deine Frau hast, liebst du deine Frau nicht.
„Ja, aber ich gehe doch arbeiten und kümmere mich um die Winterreifen und habe erst den Spülkasten repariert.“ Ja, ja, schön. Wenn du keine bewundernden Worte für deine Frau hast, dann liebst du sie nicht. Also Aufgabe: Wenn du jetzt dich ertappt fühlst, heute drei Dinge finden, die du schon lange deiner Frau nicht mehr gesagt hast. Einfach nur drei Stück. Und nur für die Idee, damit du nicht genau weißt: Sie hat Haare, Augen, Mund, sie hat eine ganze Figur, sie hat vielleicht auch Beine und Dinge, die man dann auch nicht auf einem Vortrag hören will. Sie hat verschiedene Sachen, die man benennt. Sie hat Eigenschaften, das ist ein Mensch, also gut.
Du willst eine gute Gewohnheit? Die gute Gewohnheit wäre, von heute an betest du jeden Tag, sagen wir, eine Dreiviertelstunde, Stunde. Einfach mal für ein halbes Jahr und hast deine Zettelchen als Startpunkt dafür, intelligent zu beten. Und wenn du das nicht tust, kannst du vorher noch einmal Buße darüber tun, weil wir dürfen alle Buße tun über unsere Sünde. Und vielleicht bist du beim Thema Gebet Sünder, dann schreib das auf deine Gebetsliste zum Thema Sünde einfach oben drauf: Ich bin kein Beter. Das wäre schon mal ein Anfang. Und dann starte einfach.
Hey, es ist Freizeit! Ich meine, selbst wenn du mit Kindern hier bist, dann kann einer dem anderen jeweils mal eine Stunde Zeit geben. Heute Abend ist fast nichts vorgesehen, da steht Stockbrot drin. Mann, Stockbrot kann man auch gegen Gebet ersetzen, ganz ehrlich, das ist nicht schlimm, das geht ganz fix. Und geh mal eine Stunde beten, nimm dir mal Zeit, die ersten fünf Zettelchen ein bisschen auszufüllen und probier das aus.
Das ist mein Vorschlag. Deswegen mache ich diesen Vortrag nicht, damit du alles über das Gebet weißt. Ich mache diesen Vorschlag, damit du von heute an eine Stunde beten gehst. Als die beiden bei uns Praktikum gemacht haben, war das Pflicht, die mussten eine Stunde beten. Warum? Ja, weil das musst du lernen. Du musst es lernen. Wir sind ja noch nicht bei spannenden Sachen wie der Nacht durch Beten angekommen. Versteht ihr, eine Stunde ist erst mal: Jetzt weiß ich, wie es geht.
Und der Clou ist: Dieses Modell funktioniert für eine halbe Stunde oder für eine Viertelstunde, wobei deine Seele an dieser Stelle nicht satt wird. Aber das wirst du merken, wenn du regelmäßig lange genug betest, um an dem Punkt anzukommen, wo deine Seele sagt: Wow, so fühlt sich das an. Hei, hei, hei, schön. Das ist wie, wenn du schwimmen gehst, schwimmen im See, wenn es schön warm ist. Da gibt es so einen Moment, wo man so vor sich hinschwimmt, wo man einfach sagt: Boah, jetzt ist es schön. Wo man so ganz ankommt, so in einem fast meditativen Moment des Schwimmens.
Und so ist es beim Gebet. Es gibt einen Moment, wo deine Seele sagt: Jetzt bin ich satt, meine Sorgen sind weg, jetzt bin ich angekommen. Boah, ist das schön! Bei mir kommt das ja so nach einer Stunde, fünfzehn, anderthalb. Da bin ich an so einem Punkt. Und das musst du ab und zu mal erleben, denn sonst kannst du das nicht genießen. Genuss kommt dadurch, dass man etwas schmeckt. Seht und schmeckt: Wenn du es nie geschmeckt hast, was es heißt, in der Gegenwart Gottes wirklich anzukommen. Und das geht halt durch Gebet.
Dann wirst du an der Stelle ein Leben führen, wo Gott irgendwie zur Last wird. Dann wird wirklich substanziell etwas fehlen. Ich schmunzel gerade, weil ich weiß, was noch alles kommen könnte.

Gebet als Schlüssel für das ganze Leben

Wir schlagen auf Jakobus 4,2 auf. Warum ist das alles so unglaublich wichtig? Es ist deshalb so wichtig, weil Gebet über dein Leben entscheidet.
Ich weiß nicht, ob wir das ernst genug nehmen, was in Jakobus 4,2 steht. Da heißt es: Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet. Den Vers lernst du mindestens auswendig. Das ist nur ein halber Vers, also das ist geschenkt, der gilt fast nicht. Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet. Das sind sieben Worte, das kriegt man hin. Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet.
Denke an dein Leben und denke darüber nach, wo du dir in deinem Leben Dinge wünschst. Und dann überlege: Kann es sein, dass bis auf die Gebete, natürlich darf Gott Gebete auch nicht erhören, zumindest nicht so, wie wir uns das vorstellen, aber bin ich an den Stellen, die mir wirklich wichtig sind, was das Gebet angeht, hinterher? Oder denke ich, das wird schon irgendwie? Das ist die Frage. Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet.
Es ist ganz wichtig, dass ich als jemand, der irgendwo in Verantwortung steht, und wir alle sind Leiter in irgendeiner Form, wir leiten uns selbst, wir leiten vielleicht eine Familie, die Kinder, wir haben im Job Verantwortung, wir haben Gemeindeverantwortung, in irgendeinem Verein: Du musst verstehen, in deinem Leben kommt es nicht auf deine Strategie an. Es gibt im Moment ganz viele Bücher, fünf Punkte zum Irgendwas. Das sind diese „Ich kann mich selber optimieren“-Bücher, das ist ganz hoch im Kurs. Du darfst solche Bücher gerne lesen, ich muss dir nur sagen, dass sie dir wahrscheinlich nichts bringen werden. Es gibt hier und da mal einen Tipp, den nimmt man mit. Was weiß ich: Räum erst dein Zimmer auf, bevor du die Welt retten willst. Okay, das klingt irgendwie vernünftig, also sowas gibt es schon.
Aber wenn du sagst, ich möchte ein komplettes Leben, ich möchte ein Leben gewinnen und in diesem Leben den Weg finden, den Gott irgendwie für mich hat, ohne dass ich da an einen vorgezeichneten Weg denke. Ich denke an ein dynamisches: Wer bin ich, was wünsche ich mir, und Gott, der das sieht und sich dazustellt. Ich möchte diesen Weg gehen, einen Weg der Berufung, einen Weg der Heiligung, letztlich einen Weg, wo ich für andere Menschen zum Segen werde. Wenn du sagst, das ist mein Ziel, dann gibt es nur eine einzige Sache, die du nicht falsch machen darfst, und das ist Gebet.
Ob du all diese klugen Bücher gelesen hast, das ist irrelevant. Ich lese gerne Bücher, also niemand muss denken, ich sei irgendwie so gegen Bücher. Ich bin total dafür, ich bin auch für kluge Bücher, und ich habe auch viele kluge Bücher gelesen. Aber am Ende reduziert sich dein Leben auf dein Gebetsleben, weil du die Probleme deines Lebens nicht in den Griff kriegen wirst ohne Gebet. Du wirst deine Ängste nicht in den Griff kriegen ohne Gebet. Du wirst deine Träume, ob sie gut oder schlecht sind, nicht in den Griff kriegen ohne Gebet.
Und ich will dich gewinnen hier für mehr Gebet, weil ich glaube, dass wir in einer Gesellschaft leben, die einfach viel, viel, viel, viel zu wenig betet. Und deswegen ist das so wichtig, dass wir begreifen: Wenn es in der Bibel heißt, 1. Thessalonicher 5,17, betet ohne Unterlass oder unablässig, dann ist das ernst gemeint. Gebet ist ein Lebensstil. Gebet ist das, was ich morgens tue, wenn ich wach werde. Und dann gibt es eine regelmäßige Gebetszeit. Und das ist das, was ich in mein Leben hineinbaue, wenn ich Zeit habe.
Wenn ich Bibelferse wiederhole, dann ist das in letzter Konsequenz ein Anfang zum Gebet. Wenn ich Bibel lese, ist das ein Anfang von Gebet. Und ich weiß nicht, wie ich euch dafür gewinnen kann. Versteht ihr? Ich kann euch nur zeigen: Im Leben von dem Herrn Jesus gibt es eine Sache, die sticht heraus, und das ist sein Gebetsleben. Das ist das, was ihn auszeichnet. Immer wieder in die Gegenwart des Vaters, immer wieder zurück zur Quelle, immer wieder sich neu ermutigen lassen, befruchten lassen, kräftigen lassen, immer wieder neu Hoffnung geschenkt bekommen für den nächsten Schritt.
Ihr bekommt genug Entmutigung in eurem Leben. Aber die Frage ist: Bekommt ihr genug Ermutigung? Die Entmutigung kommt von ganz alleine. Du wirst älter, du hast komische Geschwister in der Gemeinde, Zoff in der Familie, dann fängt das irgendwo an, was weiß ich, dass es dir körperlich nicht so gut geht, auf Arbeit funktioniert irgendwas nicht. Das kommt von ganz alleine, das nennt sich Nichtigkeit, das ist eingebaut in dieser Welt. Aber die Frage ist: Hast du genug Ermutigung?
Und eigentlich lautet die Frage: Liebst du wirklich Gott oder behauptest du das nur? Und meine Sorge ist, dass viel zu viele Christen überhaupt nicht wissen, wie man Gott liebt, weil sie keine Gewohnheit haben, die diese Liebe fördert. Das ist das Problem. So wie Ehemänner, die keinen Eheabend planen. Nein, du liebst deine Frau nicht. Punkt. Ja, ich brauche doch keinen Eheabend, um meine Frau zu lieben. Doch, brauchst du. Ganz einfach, weil dein Herz nicht auf deine Frau ausgerichtet ist, solange du nicht Gewohnheiten in deinem Leben hast, die genau das fördern. Ganz einfach. Kein Eheabend, und ich garantiere dir, dir bleibt in deinem Herzchen was stecken, da fehlt was.
Du kannst sagen, es ist dogmatisch, ey, ist mir völlig egal, weil: Probier es doch einfach aus. Probier es aus, mach es, und du wirst feststellen: Einmal in der Woche miteinander ausgehen, sich anlächeln, schöne Dinge sagen, einander feiern, Ehe genießen, mach das einmal die Woche und schau dir an, wie sich deine Ehe verändert. Und sollte ich mich irren und es sollte nichts bringen, dann wart ihr halt vorher schon glücklich. Aber alle anderen werden was davon haben, ehrlich!
So: Kein Gebet heißt keine Gewohnheit, die dein Leben auf Gott ausrichtet, heißt keine Liebe. Du singst dann diese Lieder mit, weil man sie mitsingt, aber da ist nichts in deinem Herzen, kein Resonanzboden entstanden. Denn der entsteht allein zwischen dir und Gott, wo du vor Gott darüber nachdenkst, was es heißt: Ich bin, was weiß ich, El Roy, dem Gott begegnet, der mich sieht. Wo du über deine Sünde alleine weinst, weil du sagst: Mann, ich versuche jetzt seit einem Dreivierteljahr abzunehmen, und ich kriege es irgendwie nicht auf die Reihe. Vater, ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich war heute Morgen wieder auf der Waage, und es ist wieder ein halbes Kilo mehr. Ich schaffe es nicht. Und ich verstehe es nicht, weil ich schaffe so viele andere Sachen. Warum komme ich an der Stelle nicht weiter?
Und diese Verzweiflung im Gebet vor Gott, wenn Gott sagt: Hey, wir schaffen das, trau dir zu, das wird. Diese Momente prägen dein Herz auf Gott hin. Und nur dann, wenn du solche Momente hast, dann werden Lieder, dann wird Gemeinschaft, dann wird das Wort in deinem Leben etwas bewirken.
Und deswegen 1. Timotheus 4,7: Übe dich aber zur Gottseligkeit. Ganz wichtiger Punkt: Übe dich aber zur Gottseligkeit, trainiere das. 1. Timotheus 4 und dann Vers 7 und Vers 8, und dann im zweiten Teil müsste Vers 8 sein, steht dieses: Übe dich aber zur Gottseligkeit. Nein, das ist noch Vers 7 am Ende. Das heißt: Trainiere Gebet, nimm das fürs nächste Jahr mit bis zur nächsten Gemeindefreizeit. Und wenn dann einer hier vorne steht und dich fragt: Sag mal, was habt ihr denn letztes Jahr gemacht? Dann gehen die Arme hoch: Gebet. Woher wisst ihr das? Ja, wir machen das seit einem Jahr. Versteht ihr? Das wäre cool. Das wäre das, was ich mir wünschen würde.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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