Serie•Teil 9 / 21Jesus
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Mein Name ist Jürgen Fischer. Für alle, die noch Fragen an die Predigt haben: Kommt einfach danach auf mich zu.
Es gibt Notizen zur Predigt. Das sind diese gelben Zettel, einige liegen hier aus. Wer noch einen braucht, kann sich hinten an Benaja wenden. Ich habe noch welche übrig. Sprecht ihn einfach nach dem Gottesdienst an. Darauf stehen die wichtigsten Bibelstellen beziehungsweise die wichtigsten Inhalte, die ihr mitnehmen könnt.
Einen Enkel. Also genau genommen habe ich zwei, aber Nummer zwei ist mir noch ein bisschen fremd. Nummer eins kenne ich schon knapp zwei Jahre, und ich finde ihn einfach toll. Lukas, so heißt mein Enkel, hat eine ungewöhnliche Vorliebe. Er liebt Müllwagen. Müllwagen.
Lukas kann zehn Minuten in der Küche am Fenster stehen, rausblicken, sehnsüchtigst in den Hinterhof, wo die Mülltonnen stehen, weil er die Hoffnung hat, dass die Müllmänner kommen, um die Mülltonne auszuleeren. Lukas kann sich an seinen Papa ankuscheln, der holt das Handy raus, auf dessen Bild oben vom Wohnzimmer aus aufgenommen runter auf die Straße man nur den hinteren Teil eines orangefarbenen Müllautos sieht, und er kann mit Faszination minutenlang darauf starren.
Vor ein paar Wochen wurde Enkel Nummer zwei geboren. Da durfte Lukas zur Tante Kathrin. Und Tante Kathrin war mit ihm spazieren gegangen. Und wisst ihr, was geschehen ist? A dream come true. Ein Traum wurde wahr. Ich habe euch das Bild aufgedruckt, ja, einen echten Müllwagen. Wisst ihr, so ganz groß, mit richtigen Müllmännern, orange, laut, zum Anfassen. Und ich habe euch das Bild mitgebracht: der Kleine vor seinem ersten richtigen Müllwagen.
Darum soll es heute gehen. Wir haben alle Dinge in unserem Leben, die uns faszinieren. Frage: Was fasziniert Jesus? Die Frage ist deshalb für uns interessant, weil das, was ihn fasziniert, eigentlich auch uns faszinieren sollte, zumindest dann, wenn wir seine Jünger sind.
Christen sind per Definition Jünger Jesu. Und wenn ich das so sage, müsste jetzt eigentlich der eine oder andere aufspringen und sagen: Jürgen, das ist nicht ganz richtig. Denn ich habe euch die Stelle mitgebracht in Apostelgeschichte 11,26. Da heißt es: Und als er, das ist in dem Fall Barnabas, ihn, Paulus, gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochia, einer Stadt in Syrien. Es geschah ihnen aber, dass sie ein ganzes Jahr in der Gemeinde zusammenkamen und eine zahlreiche Menge lehrten, und dass die, Achtung, jetzt müsst ihr aufpassen, Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden.
Also nicht, wie ich gesagt habe, Christen sind Jünger, sondern die Jünger Jesu werden Christen genannt. Christ ist also ein Wort, das einen Jünger Jesu bezeichnet.
Und was ist ein Jünger? Ich sage mal nicht das Gegenteil von einem Älteren. Ihr kennt vielleicht diesen Witz: Egal, wie jung du bist, Jesu Freunde waren Jünger. Also, das ist nicht damit gemeint. Der Begriff Jünger ist so ein typischer theologischer Fachbegriff, den man irgendwann mal erklärt bekommen muss.
Ein Jünger, das ist einer, der, und das ist ganz simpel, von einem anderen lernt. Wenn wir die Bibel heute schreiben würden, dann wären das keine Jünger, sondern Azubis. Und wie so ein Azubi von einem Meister etwas lernt oder von mir als Student von seinem Prof, so lernen Jünger von einem Rabbi, einem Lehrer.
Als Christen ist es jetzt so, dass Jesus unser Rabbi ist. Wir haben uns entschieden, an ihn zu glauben. Wir haben uns entschieden, ihm zu vertrauen und von ihm zu lernen, genau genommen unser Leben so zu führen, wie er sein Leben gelebt hat. Das ist Christsein.
Deswegen heißt es dann am Ende vom Matthäusevangelium in einem ganz bekannten Vers, Matthäus 28,19-20: Geht nun hin und macht alle Nationen, also alle Völker, zu Jüngern, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und indem ihr sie lehrt, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.
Wenn ich mir das wörtlich anschaue, manchmal lohnen sich wörtliche Übersetzungen, wörtlich heißt das: Macht alle Nationen zu Jüngern, indem ihr sie tauft und indem ihr sie lehrt.
Also nach meiner Bekehrung, kein Mensch wird als Christ geboren, muss ich mich in diesem Leben irgendwann für Gott entscheiden. Ich muss irgendwann sagen: Will ich das, was Gott für mich getan hat, dass das in meinem Leben gilt, oder nicht? Und wenn ich mich bekehre, wenn ich diese Entscheidung treffe, dann gibt es zwei Dinge, die meine Jüngerschaft markieren.
Das eine ist so der Startschuss: Ich lasse mich taufen. Also, 1. Juli, wer noch nicht getauft ist und gläubig ist: 1. Juli 2018 ist die nächste Taufe, die wir angesetzt haben. Meldet euch bei den Ältesten.
Aber dabei bleibt es nicht stehen. Ich lasse mich taufen und dann bin ich irgendwie in dem Club drin, habe meine Membership Card und das reicht dann. Nein, nein. Danach, das Zweite, was einen Jünger ausmacht, ist, dass er lernt. Und was wird ihm als dem Jünger beigebracht? Der Text sagt es: alles zu bewahren, was Jesus seinen Jüngern auch beigebracht hat.
Das ist ein bisschen wie Kindererziehung. Das, was ich von meinen Eltern gelernt habe, bringe ich meinen Kindern bei. Das, was ich geistlich von Jesus schon gelernt habe, bringe ich der nächsten Generation bei.
Und ein Jünger ist jetzt einer, der sagt: Ich will von Jesus lernen. Ich will mich taufen lassen und von Jesus lernen. Wenn ich das so sage, dann werdet ihr recht schnell feststellen, dass es in Deutschland viele gibt, die vielleicht getauft sind, aber nie angefangen haben, von Jesus zu lernen. Die nie angefangen haben, vernünftig in der Bibel zu lesen oder sich gute Predigten anzuhören oder über einzelne Bibeltexte auch mal tiefer nachzudenken oder eben das, was Jesus ihnen vorgemacht hat, vorgelebt hat, nachzumachen. Denn das ist bewahren.
Wenn ich etwas bewahre, dann geht es nicht nur um Kopfwissen. Es geht darum, dass das Leben, das Jesus gelebt hat, in meinem Leben sichtbar werden darf. Und wenn ich das nicht mache, wenn ich nur getauft bin, aber von Jesus ist nichts in meinem Leben sichtbar, dann kann ich mich, solange ich will, Christ nennen. Ich bin nicht mehr als vielleicht ein ganz kleines bisschen religiös. Denn nur ein echter Jünger Jesu ist auch ein echter Christ. Wir werden nur dann zu Recht Christen genannt, wenn wir von Jesus lernen.
Und das wollen wir heute tun. Deshalb sind wir hier, deswegen diese Predigt. Also es geht heute um Jesus und a dream come true oder Müllwagenmomente im Leben Jesu, das ist das Thema heute.
Wenn man die Evangelien, also diese Biografien von Jesus am Anfang vom Neuen Testament, liest, dann stellt man relativ ernüchternd fest, dass es im Leben Jesu einen Überschuss an Nichtmüllwagenmomenten gab. Also ganz ehrlich, so wie im wahren Leben: Jesus erlebt eine ganze Menge Unschönes, eine ganze Menge Frustrierendes. Als Gott auf die Erde kam, als Gott Mensch wurde, blieb die Welt ziemlich normal.
Es ist eher selten, dass Jesus in seinem Leben mal positiv überrascht war. Also es gibt solche Momente, interessanterweise. Da gibt es zum Beispiel diesen römischen Hauptmann. Der hat einen kranken Knecht, geht zu Jesus, und er setzt sein ganzes Vertrauen darauf, dass Jesus diesen Knecht heilen kann. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass es reicht, dass Jesus auch nur ein einziges Wort spricht, um diesen Knecht gesund machen zu können. Und dann heißt es am Ende dieser Begebenheit: Wahrlich, ich sage euch, bei keinem in Israel habe ich so großen Glauben gefunden.
Also da merkt man: Jesus zieht durch die Gegend, er sehnt sich danach, auf Menschen zu treffen, die glauben, und jetzt läuft er einem über den Weg. Boah, hammerhart, hier ist mal einer, der ist wirklich, boah.
So eine ähnliche Geschichte: Da gibt es eine heidnische Mutter, die Jesus bittet, ihre Tochter zu heilen, und sich so lange im wahrsten Sinne des Wortes nicht abwimmeln lässt und argumentiert, bis Jesus schließlich nachgibt. Und auch da sagt Jesus dann total beeindruckt: Frau, dein Glaube ist groß. Also wieder so ein Ding, so richtig anerkennen: Boah, hätte ich nicht gedacht, toll, dein Glaube ist groß, dir geschehe, wie du willst.
Oder es ist eine andere Situation: Da fragt Jesus seine Jünger: Für wen haltet ihr mich? Ihr müsst euch vorstellen, damals war die Frage ganz populär: Wer ist denn dieser Jesus? Ist das so ein alttestamentlicher Prophet, der wieder lebendig geworden ist? Ist das die Erfüllung irgendeiner Verheißung? Wer könnte der denn sein? Und Jesus fragt seine Jünger, und dann antwortet Petrus. Petrus ist ja immer relativ schnell, der antwortet, und in dem Fall antwortet er richtig. Er sagt: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
Und man merkt daran, an der Art und Weise, wie Jesus darauf reagiert, wie ihm da so richtig ein Stein vom Herzen plumpst. Man merkt etwas von dieser Freude darüber, dass wenigstens seine Jünger, wenn schon der Rest im Land nichts versteht, aber wenigstens seine Jünger so ganz langsam verstehen, wer er ist. Und er sagt dann zu Petrus: Glückselig bist du, Simon, das ist Petrus ja, Simon Barjona, denn Fleisch und Blut, also Menschen, haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist.
Das sind so kleine Glücksmomente im Leben Jesu. Ja, kleine Glücksmomente, wenn Jesus auf Menschen trifft, die einen besonderen Glauben haben, oder wenn jemand anfängt, geistliche Zusammenhänge wenigstens so ein bisschen zu verstehen. Das begeistert Jesus, das macht ihn froh.
Und so verwundert es nicht, wenn man nach dem Müllwagenmoment sucht, dem Moment, dass man ihn genau im Umfeld eines solchen Gesprächs findet.
Als wir uns letztes Mal über Jesus unterhalten haben, da ging es um seinen Predigtdienst. Jesus war Prediger, und er beruft uns zum Predigen. Wichtig: Nicht jeder von euch muss hier vorne auf die Kanzel, okay? Das ist okay, ja. Aber auch wenn nicht jeder hier vorne auf die Kanzel berufen ist, jeder sollte in seinem Umfeld den Mund aufmachen, bei seinen Freunden, bei seinen Arbeitskollegen, bei seinen Nachbarn, bei seinen Postboten, da, wo wir auf Leute treffen. Und er sollte ihnen genau das sagen, was Jesus damals seinen Leuten gesagt hat.
Und was hat Jesus gepredigt? Vielleicht erinnert ihr euch noch an die letzte Predigt: Er hat gesagt, tut Buße und glaubt an das Evangelium. Also er hat den Leuten gesagt: Hört auf mit einem Leben, in dem Gott keine Rolle spielt, und vertraue auf mich. Und wir werden natürlich sagen: Vertraue auf Jesus, wage einen Neuanfang mit Gott. Das war Jesu Botschaft. Und das sollte logischerweise auch unsere Botschaft sein.
Wisst ihr, wir sind aus einem einzigen Grund noch hier auf der Erde. Es gibt genau einen Grund, und dieser Grund besteht darin, dass wir den Auftrag, den Jesus angefangen hat, zu Ende führen. Dass wir Menschen davon erzählen, dass Jesus für sie gestorben ist und dass er auferstanden ist, damit wirklich der letzte Dödel sehen kann, wer alleine mächtig genug ist, Menschen von ihrer Sünde zu retten, nämlich der Einzige, der auferstanden ist, nämlich Jesus. Das ist unser Auftrag, das den Menschen zu sagen.
Du kannst in vielerlei Hinsicht wenig wissen. Ich saß gestern mit Männern zusammen, die mich in manchen Themen, es ging da so um Autos und Geschichte und Politik, an die Wand geredet haben. Ich hatte keine Ahnung, ich fühlte mich so klein mit Hut. Völlig okay. Du musst das alles nicht wissen, wenn du weißt, wie man ewiges Leben bekommt, und wenn du den Leuten sagen kannst: Hey, es gibt da etwas in deinem Leben, das musst du verstehen, du musst umkehren, du musst Buße tun und du musst das Evangelium glauben, du brauchst Jesus. Solange ich das weiß und das Menschen sage, ist alles gut.
Wann sind wir eigentlich besonders begeistert? Wir sind dann besonders begeistert, wenn wir alles um uns herum vergessen und nur noch die eine Sache sehen, die uns fasziniert. Wisst ihr, es gibt eine ganz merkwürdige Wahrheit. Ich habe die erst gar nicht so geglaubt, aber dann habe ich mal darüber nachgedacht, und dann dachte ich: Doch, die ist wahr. Die Wahrheit geht so: Was mich fasziniert, das wird mir wichtiger als Essen.
Ich sage das gern noch mal: Was mich fasziniert, das wird mir wichtiger als Essen. Wenn du mir nicht glaubst, dann frag mal so einen Bücherwurm, so jemanden, der diese dicken Schmöker liest, so in einem Haps am besten durch, der sich abends ins Bett legt und anfängt zu lesen und irgendwann morgens dann sagt: Ich wollte ja eigentlich auch noch schlafen. Also wenn du den fragst, ob der Hunger hat, während er da gerade durch seinen Roman arbeitet, nein, hat er nicht. Warum? Weil das, was ihn fasziniert, ihm wichtiger wird als Essen.
Und das, was für Lesen gilt, das gilt genauso für andere Dinge, die uns faszinieren können. Was weiß ich, Skifahren. Oder ich muss meiner Frau, die Grundschüler unterrichtet, sagen: Hey, jetzt iss doch mal irgendwann was vormittags. Das vergisst die einfach. Da ist eine Begeisterung, eine Faszination für den Job da, und natürlich auch eine ordentliche Portion Stress dahinter, und dann bleibt das einfach aus.
Das, was uns fasziniert, egal was das ist, das wird uns vom Essen abhalten. Das wird mir wichtiger als Essen. Was vorher wichtig war, wird plötzlich nebensächlich.
Und ich dachte mir: Wenn es um den einen Müllwagen-Moment im Leben Jesu gibt, wo er so richtig begeistert ist, dann muss ich nach einem Moment suchen, wo er keinen Hunger hatte. Und es gibt so einen Moment, wo Jesus sagt: Ich habe keinen Hunger, an einer Stelle, wo er eigentlich hätte Hunger haben müssen. Und diesen Moment möchte ich mit euch kurz betrachten.
Dieser Moment findet sich im Johannesevangelium, Kapitel 4, und ich erzähle euch einfach das Drumherum. Und mein Wunsch wäre: Lest die ganze Geschichte, das ist das Johannesevangelium, das gesamte Kapitel 4. Lest euch das am besten, wenn ihr nach Hause kommt, noch mal in Ruhe durch.
Worum geht es in Kapitel 4? Jesus ist auf dem Weg nach Galiläa. Okay, jetzt für alle, die mit Geographie nicht so viel zu tun haben: Galiläa, ein Teil von Israel, liegt in Israel oben. Also ihr müsst jetzt drei Begriffe lernen. Oben liegt Galiläa, so am See Genezareth. In der Mitte liegt Samaria, und unten, so rund um Jerusalem, liegt Judäa. Im Kopf? Judäa, Samaria, Galiläa.
Und Jesus kommt von da unten, von Jerusalem, und will nach oben und reist geradeaus hoch und kommt durch die Mitte, durch Samaria. Und da wohnen die Samariter, das sind so, ich sage mal, Halbjuden. Die sind so irgendwie ein bisschen, ja, haben so ein bisschen jüdischen Einschlag, jüdische Erwartungen, aber eigentlich mag sie keiner.
Auf dem Weg vom Süden in den Norden, von Judäa nach Galiläa, heißt es im Text, musste Jesus durch Samaria ziehen. Johannes lässt offen, warum er musste. Theoretisch hätte er auch außenrum gehen können, aber sei es, dass er den kürzesten Weg gewählt hat, vielleicht gab es auch andere Gründe: Jedenfalls ist Jesus auf dem Weg nach Galiläa mitten durch Samaria, und du kannst das nicht an einem Tag laufen.
Er ist von der Reise erschöpft, er setzt sich an eine Quelle oder, genau genommen, an einen Brunnen. Und er beginnt dort. Er sitzt da erschöpft. Seine Jünger sagen: Hey, wir brauchen was zu essen, gehen weg, um was zu essen zu kaufen. Und während er da sitzt, müde, erschöpft, kommt eine samaritanische Frau, und er beginnt ein Gespräch mit ihr. Total spannend: er am Jakobsbrunnen und die Frau.
Dieses Gespräch zwischen Jesus und der samaritanischen Frau gehört zu den bekanntesten evangelistischen Gesprächen der Bibel. Am Ende ist die Frau so begeistert von dem, was sie hört, dass sie loszieht, in ihre Stadt rennt und alle Leute holt und sagt: Ihr müsst mitkommen, ihr müsst das auch hören. Das ist echte Bekehrung, wenn jemand danach den Mund nicht zubekommt, wenn er nicht anders kann, als allen, die es hören wollen oder nicht, davon zu erzählen, dass es da Jesus gibt und dass sie unbedingt Jesus kennenlernen müssen.
Das ist das Ende der Geschichte. Es ist ein evangelistisches Gespräch. Es geht darum, dass jemand zum Glauben findet. Und man kann, wenn man will, aus diesem Gespräch für die eigenen Gespräche, die man führt, drei schöne Prinzipien ableiten, die ich euch nicht vorenthalten wollte. Ihr müsst das nachvollziehen, wenn ihr das dann heute Nachmittag lest.
Das eine Prinzip, was wichtig ist für ein evangelistisches Gespräch: Fall nicht mit der Tür ins Haus, sondern fang mit dem Alltäglichen an. Also wenn ich ein evangelistisches Gespräch mit jemandem habe, dann gehe ich nicht auf jemanden zu und sage: Übrigens, du kommst in die Hölle. Willst du da wirklich hin mit all deinen Sünden? Das ist ein bisschen zu direkt.
Also es gibt Leute, die so etwas vielleicht können, und vielleicht gibt es auch den einen oder anderen, der Erfolg damit hat. Es gibt immer, zu allem, was du tust, irgendjemanden, der Erfolg damit hatte. Aber Jesus ist da ein Stückchen zurückhaltender. Er fängt an mit: Gib mir was zu trinken. Versteht ihr? Das ist irgendwie so eine natürliche Brücke, die da erst mal gebaut wird.
Punkt eins: Fang mit dem Alltäglichen an.
Zweitens, und das ist der wirklich heikle Punkt: Finde dann im Gespräch eine Überleitung, um das Gespräch vom Allgemeinen auf das wirklich Wichtige, also auf Gott, zu bringen. Du hast vielleicht angefangen mit Themen wie Superbowl oder dass die Spielplätze auch nicht mehr sind, was sie mal waren, Elektromobilität und was dir so einfällt, und dann musst du aber irgendwie das schaffen, rüberzukommen. Du kannst nicht den Rest des Gesprächs über Elektromobilität zubringen.
Irgendwie müssen wir dann, und das ist eben der schwierige Part, von Blabla zu dem wirklich wichtigen Teil kommen, einem Gespräch über Religion, über Gott. Wie gesagt, das ist nicht immer einfach, und ich glaube, dass wir an der Stelle ganz oft alle versagen, also ich zumindest, und denke, euch geht es nicht anders, dass wir uns manches Mal fragen, was hätten wir noch mehr sagen können, wo man einfach nicht die Biegung hinkriegt, man kommt einfach nicht weg von dem eigentlichen Thema.
Aber das schafft Jesus ganz gut, und deswegen können wir von ihm lernen, dass es wichtig ist, allgemein zu starten, dann den Absprung zu schaffen.
Und dann der dritte Punkt: In einem evangelistischen Gespräch zeigen wir ihnen, wer Jesus ist und vor allem, wer Jesus für sie sein möchte. Drei Punkte, die ein klassisches evangelistisches Gespräch ausmachen.
Wir gehen zurück in unsere Geschichte, Johannes 4. Jesus sitzt da, er ist müde, die Jünger sind einkaufen, dann kommt die Frau, und es entsteht ein total tiefes evangelistisches Gespräch. Also Jesus ist nicht nur der Prediger, der sich in irgendein Boot stellt, sich ein Stück vom Strand zurückrudern lässt, um dann eine unüberschaubare Menschenmenge zu bepredigen, sondern Jesus hat den einzelnen Blick. Jesus kann das Vier-Augen-Gespräch genauso. Er ist tatsächlich an jeder einzelnen Seele interessiert.
Und mehr noch, jetzt komme ich wieder zu meinem Thema Essen: Dieses Gespräch mit einer Frau, die ehrlich am Glauben interessiert ist, dieses Gespräch macht ihn satt. Woher weiß ich das? Die Jünger kommen jetzt zurück. Ja, die kommen wieder und sehen ihn da noch im Gespräch mit der Frau, und zuerst wundern sie sich nur darüber, dass Jesus die gesellschaftlichen Konventionen einfach ignoriert. Ja, überhaupt mit einer Frau redet, das war damals ja, und mit einer samaritanischen Frau, alles ein bisschen heikel.
Also zuerst nur so dieses: Hm, was macht denn der da? Und als die Frau dann weg ist, weil die ja dann in die Stadt rennt, um alle anderen zu holen, dann gehen sie halt zu Jesus und sagen: Schau mal, wir werden jetzt einkaufen, du hast doch bestimmt Hunger, jetzt iss doch mal was. Und das Verrückte ist: Jesus sagt, ich habe keinen Hunger.
Also ich lese euch das vor, Johannes 4,31-34, ihr habt das auf euren Notizen: In der Zwischenzeit baten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iss! Wie so eine Mama, die sagt: Jetzt iss doch mal was, Kind. Rabbi, iss. Muss Hunger haben.
Er aber sprach zu ihnen, und das ist Faszination: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt. Da sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm wohl jemand zu essen gegeben? Die Jünger sind immer so auf dem Materiellen, ja. Ich habe eine Speise, die ihr nicht kennt. Ah, da war vorher jemand mit so einem Korb da und hat ihm was abgegeben. Das ist nicht das, worüber Jesus redet.
Nein, er hat nicht von der Frau noch mal, was heißt die Hälfte von ihrem Pausenbrot bekommen. Jesus meint etwas ganz anderes. Es gibt eine Speise, es gibt etwas zu essen, was mich satt macht, weil es mich zutiefst fasziniert. Und das, was mich mehr satt macht, also Brot und Fisch und Fleisch, was mich mehr satt macht, ist genau das zu leben, wozu ich berufen bin. Und das ist das, was Jesus hier zum Ausdruck bringt.
Da sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm wohl jemand zu essen gegeben? Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe. Das ist meine Speise.
Merkt ihr, worum es geht? Iss, sagen die Jünger, und Jesus sagt dann so viel wie: Ich habe keinen Hunger. Und natürlich hat er Hunger, er ist lange gewandert, müde, er braucht etwas zu essen, aber dieses Gespräch mit der Frau, das hat ihn für den Moment satt gemacht. Das hat ihn so sehr erfüllt, dass alle anderen Bedürfnisse jetzt erst mal nicht präsent waren.
Solche Gespräche führen, das war seine Berufung, das war der Wille Gottes für ihn. Solche Unterhaltungen, dafür war er auf die Erde gekommen. Und deshalb, als die Jünger ihm Essen anbieten, deswegen hat er keinen Kopf dafür. Er ist mit seinen Gedanken einfach nicht bei der Sache, bei dem Essen. Er ist mit seinen Gedanken immer noch bei dem Gespräch, immer noch begeistert von der Chance, die Gott ihm gegeben hat, und von der Offenheit dieser Frau.
Das ist für ihn der Wow-Moment, dieser Dream come true-Moment, sein persönlicher Müllwagen-Moment.
Warum predige ich euch das? Ich predige euch das, weil Jesus uns zeigen will, wofür es sich zu leben lohnt. Wie er vom Vater in die Welt gesandt wurde, hat er uns gesandt. Er hat uns gesandt, das Werk, das er angefangen hat, zu vollenden.
Und es gibt jetzt dabei ein Problem, eigentlich sind es zwei Probleme. Das eine ist die Tatsache, dass viele Deutsche gar nicht mit uns über den Glauben reden wollen. Also Religion, vor allem müssen wir mal ganz ehrlich sein: Die christliche Religion ist ziemlich out. Jeder hat so ein bisschen seinen Glauben, und er möchte eigentlich auch nicht viel von unserem Wissen, zumindest ist das das, was ich erlebe. Und deshalb haben wir, wird nicht alle betreffen, aber vielleicht muss man sagen, deswegen haben viele, habe ich den Eindruck, ein Stückchen den Mut verloren, mit Menschen über Jesus zu reden. Die wollen es eh nicht, und das erlebt man fünf, zehn, fünfzehn, zwanzig Mal, und irgendwann verliert man so ein Stück den Mut.
Und dann gibt es eine zweite Sache. Die zweite Sache hat damit zu tun, dass wir als Menschen dazu geschaffen sind, Begeisterung zu empfinden. Wir sind also dazu geschaffen, ein Leben zu führen, in dem es solche Momente gibt, in denen wir total begeistert sind, in denen wir uns total tief freuen. Jeder von uns braucht immer mal wieder so einen Müllwagen-Moment. Also du kannst nicht einfach ohne das leben. Du brauchst das, um dich lebendig zu fühlen, einen echten Wow-Moment, so ganz tiefer Freude.
Und wenn ich den im Gespräch mit ungläubigen Menschen einfach immer und immer nicht finde, dann werde ich automatisch anfangen, ihn mir woanders zu suchen. Und wenn ich das lange genug tue, dann verschwindet immer mehr mein Mut, ein evangelistisches Gespräch zu führen, bis mir die Sehnsucht nach dem Gespräch bleibt, und sie erinnert mich daran, dass es einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen Jesus und mir. Aber ich traue mich dann einfach nicht mehr.
Jesus ist völlig fasziniert, völlig fasziniert, völlig hin und weg davon, dass er mit dieser Frau reden konnte. Und wenn ich nur lange genug warte und nicht mit Menschen über Gott rede, dann kommt an diese Faszination, weil irgendwas muss mich begeistern im Leben, dann tritt da etwas anderes hin, eine andere Begeisterung. Vielleicht die Begeisterung für den neuen Pulli, den ich mir kaufen will. Vielleicht die Begeisterung darüber, dass ich Lob von meinem Chef gekriegt habe. Oder vielleicht nur die Begeisterung darüber, dass ich letzte Woche meine Diät eingehalten habe. Keine Ahnung, wo du das dann festmachst, aber du brauchst irgendetwas, worüber du dich freuen kannst.
Und wenn das passiert, wenn ich auf der einen Seite nicht das habe, wo meine Seele sagen würde: Darüber würde ich richtig jubeln, und auf der anderen Seite anfange, diese Ersatzfreudenspender in meinem Leben dann zu feiern, dann wird es, zumindest habe ich das immer so empfunden, wenn ich in solchen Momenten drinstecke, immer schlimmer. Weil ich weiß ganz tief in mir drin, dass mich nicht so sehr befriedigt wie der Moment, wo ich mit Menschen über Gott reden kann. Es befriedigt mich nicht so sehr wie so ein Moment, wo ich jemandem sagen kann: Du brauchst Jesus, darf ich dir davon erzählen, was Jesus in meinem Leben getan hat. Nichts befriedigt mich mehr.
Und wenn ich das lange nicht habe, egal was ich mir anstelle dessen gönne, dann entwickelt sich in mir, und ich nehme an, dass der Heilige Geist daran schuld ist, da entwickelt sich so ein ganz ungutes Gefühl, ein Versager zu sein. Das ist so eine Mischung aus ein bisschen schlechtem Gewissen, ein bisschen Hilflosigkeit. Ja, man will das ja gar nicht, ein bisschen Unzufriedenheit. Ich lebe außerhalb meiner Berufung, und ich kriege das ganz genau mit.
Ich gebe euch ein Beispiel: Mein Auto hatte einen Unfall, war fahruntüchtig, wurde dummerweise von der Polizei eingezogen, und am Mittwoch habe ich es dann per Abschleppwagen aus der Belziger Straße zur Werkstatt bringen lassen. Ich bin in dem Abschleppwagen mitgefahren und habe vielleicht eine Viertelstunde mit dem Fahrer über Gott und Glauben gesprochen. Ich habe absolut nichts erreicht, okay? Absolut nichts. Ich bin davon überzeugt, dass er nie wieder etwas mit mir zu tun haben will. Er wollte am Ende nicht einmal das Zelt, was ich ihm angeboten habe. Und doch, ja, also es war vielleicht das mieseste evangelistische Gespräch, was man sich überhaupt nur vorstellen kann. Und er wohnt in Spandau, also ja.
Ich dachte mir: Ja, und ich habe sogar unsere neue Homepage, wir haben jetzt, ich weiß nicht, ob ihr es gesehen habt, bei den Einladungen, wir haben jetzt die Homepage www.weil-gott-dich-liebt.de, ja, www.weil-gott-dich-liebt.de. Ich habe ihm sogar die genannt. Nichts, absolut nichts, ja. Und obwohl das eigentlich so ein mieses evangelistisches Gespräch war, war das, wenn ich rückblicke auf die Woche, der befriedigendste Moment in der Woche, und ich hatte eine tolle Woche.
Also, es war wirklich eine tolle Woche. Ich habe mir drei tolle theologische Bücher gekauft. Das mag jetzt nicht jeden begeistern, mich begeistert das total. Holger und ich haben einen neuen Beaumont Whisky aufgemacht, haben mal probiert, der war lecker, war schön. Meine Tochter hat Geburtstag gefeiert. Es gab so einige schöne Sachen.
Aber wenn ich zurückschaue und sage, wo in der letzten Woche hat mich mein Leben am meisten fasziniert, dann ist es dieses völlig missratene, Null-Ergebnis-Gespräch mit einem Abschleppwagenfahrer, kein Müllwagenfahrer, Abschleppwagenfahrer, der immer noch nichts von Gott wissen will, aber wo ich was sagen konnte. Und ich merke: Boah, an der Stelle, bei all dem, was ich tue, war ich am dichtesten dran an meiner Berufung. Das war so der Wow-Moment.
Und ich glaube, das muss so sein. Warum? Weil es bei Jesus so war.
Und deswegen möchte ich, dass ihr jetzt aufsteht, und ich möchte für uns alle beten, am Ende dieser Predigt, dass wir nächste Woche so etwas erleben dürfen wie Jesus am Jakobsbrunnen, dass wir einem Menschen begegnen dürfen, der ein ganz tiefes Interesse an Gott hat, wo wir wirklich nur so ein bisschen den Mund aufmachen müssen und der dann sagt: Mehr! Also nicht dieses: Lass mich in Ruhe mit deinem Glauben, mehr! Dafür möchte ich beten.
Vater im Himmel, wir danken dir dafür, dass du uns berufen hast, Zeugen Jesu Christi zu sein. Danke, Herr Jesus, dass du uns mit hineinnimmst in diesen Auftrag, das Evangelium zu predigen. Danke, dass du uns zu Botschaftern ewigen Lebens machst. Danke, dass wir den Mund aufmachen und bezeugen dürfen, wer du bist, Herr Jesus, dass wir auf den Vater hinweisen dürfen, der dich gesandt hat, auf den Gott, der Himmel und Erde gemacht hat.
Und, Herr Jesus, du siehst unsere Not, dass wir in einem Land leben, das formal christlich ist, aber sich so weit von den christlichen Wurzeln entfernt hat, dass so manch einer, der sich Christ nennt, es nicht ist, auch nicht weiß, was das heißt, Christ zu sein, und auch in der Ewigkeit nicht dabei sein wird. Du siehst die vielen, die auf ein schreckliches Erwachen zulaufen, und du siehst uns, die wir das Evangelium kennen. Du siehst unsere Hilflosigkeit, vielleicht auch manchmal unsere Menschenfurcht, unsere Dummheit, was auch immer uns abhält, Herr.
Herr, bitte, bitte schenke uns, die wir hier sind, schenke jedem in der nächsten Woche ein gutes Gespräch, eine Person, die mit Interesse nachfragt, was das ist mit dem Glauben, eine Gelegenheit, wo wir etwas mehr sagen können, als wir uns normalerweise trauen. Darum bitte ich dich, Herr, bitte bereite solche Gelegenheiten vor, damit wir in ihnen wandeln können, zu deiner Ehre. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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