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Johannesevangelium 5,14 - Wenn Heilung zur Gefahr wird

Johannes 5,1402.04.2021
Serie•Teil 28 / 44Johannes-Evangelium
Heilung ist nicht alles. Die eigentliche Frage lautet: Was nützt dir ein neuer Anfang, wenn du dein altes Leben weiter festhältst? Umkehr und Vertrauen gehören zusammen.

Einleitung und Rückblick auf die Heilung am Teich Bethesda

Hallo, liebe Geschwister, ich grüsse euch ganz herzlich zu diesem Valentinstag.
Ich möchte mit euch zusammen wieder eintauchen ins Johannesevangelium. Wir sind in Kapitel fünf. Letztes Mal haben wir Jesus über die Schulter geschaut, als er am Teich Bethesda einen Gelähmten geheilt hat. Und der bekommt prompt Ärger.
Da heisst es dann in Johannes 5,10: Es sagten nun die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, es ist dir nicht erlaubt, das Bett zu tragen.
Der Mann war also achtunddreissig Jahre krank. Jesus heilt übrigens nur ihn von all den Kranken, die da am Teich Bethesda lagen. Und er heilt ihn nach achtunddreissig Jahren Krankheit genau an einem Sabbat. Genau damit provoziert der Herr Jesus eine Auseinandersetzung.
Aber bevor wir uns das nächste Mal dann mit der Frage beschäftigen, ob Jesus an der Stelle eigentlich den Sabbat gebrochen hat, noch ein letzter Blick auf den Geheilten. Der hat also jetzt, sagen wir mal, ein Problem. Er hat ein Problem mit den Autoritäten, die ihm erklären, dass das, was er da tut, nicht erlaubt sei, nämlich sein Bett, genau genommen wahrscheinlich eher seine Matratze, zu tragen.
Und als man wissen will, wer ihn denn da geheilt hat, kann er das nicht einmal so richtig sagen, einfach deshalb, weil Jesus schon weg war. Tja, schwierige Situation. Zum Glück findet Jesus den Geheilten.
Also: Der Geheilte weiss zwar nicht, wer Jesus ist, aber Jesus weiss, wer der Geheilte ist und wo er ihn finden kann. Und dann heisst es in Johannes 5,14: Danach findet Jesus ihn im Tempel. Und er sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfährt.

Die merkwürdige Mahnung Jesu und ihre eigentliche Bedeutung

Ich lese den Vers noch einmal vor, weil ich ihn so komisch finde. Danach findet Jesus ihn im Tempel, und er sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfährt.
Und ich weiß nicht, ob ihr den Vers auch komisch findet. Würde man von dem Messias nach allem, was wir wissen, nicht eine ganz andere Ansprache erwarten? Geht es beim Christsein nicht darum, dass wir glauben? Jetzt sagt Jesus: „Sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfährt.“ Ähm, was ist das denn für eine Theologie? Das könnte doch auch jeder Pharisäer so gesagt haben, oder? Also, was meint Jesus an der Stelle?
Und die Antwort ist gar nicht so schwer. Für Jesus gehören zwei Dinge nämlich immer untrennbar zusammen, und das ist auf der einen Seite Buße und auf der anderen Seite Glaube.
Markus-Evangelium, Kapitel 1, die Verse 14 und 15:
Und nachdem Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.
Ich habe euch vor drei Wochen erklärt, was Buße ist. Buße ist eine Sache des Herzens. Ich nehme mir vor, anders zu werden. Ich will jetzt für Gott leben. Und ohne Buße gibt es keinen Glauben. Ich muss mich erst von meinem alten Leben wegwenden, bevor ich mich Gott zuwenden kann.
Das ist irgendwie klar, oder? Der Hebräerbrief sagt das so: Es ist die Buße von toten Werken und der Glaube an Gott. Die toten Werke, das sind die Sünden, die für mich als Heide normal waren. Und bevor ich an Gott glauben kann, muss ich jetzt die Entscheidung treffen, mein altes Leben hinter mir zu lassen.
Und genau das meint Jesus, wenn er sagt: „Sündige nicht mehr.“

Warnung vor etwas Schlimmerem als Krankheit

Der Mann war geheilt worden, aber er hatte sich noch nicht bekehrt. Er wurde auch nicht wegen seines Glaubens geheilt, sondern einfach nur so. Banal gesprochen: Gott brauchte eine Heilung am Sabbat, und er war das ideale Opfer.
Und jetzt, in diesem Moment, wo Jesus ihn trifft, geht es darum, diesen Mann zu warnen. Es gibt nämlich Schlimmeres als eine unheilbare Krankheit, die mich jahrzehntelang ans Bett fesselt. Es gibt die ewige Verlorenheit, es gibt diesen Moment im jüngsten Gericht, wenn ich schuldig gesprochen werde und das ewige Leben verpasse. Es gibt das, was Jesus ewige Pein nennt. Krankheit ist schlimm, verloren gehen ist viel schlimmer.
Für den Herrn Jesus scheint es total wichtig zu sein, dass der Geheilte nach seiner Heilung jetzt nicht denkt: Super, jetzt ist alles gut, so nach dem Motto: 38 Jahre krank, jetzt bin ich gesund, jetzt kann das Leben beginnen. Ich habe so viel nachzuholen. Versteht ihr, das wäre jetzt in diesem Moment ein ganz fataler Fehler. Es ist schön, geheilt zu werden, aber es ist viel wichtiger, dass dieser Mann hier Buße tut. Und deshalb diese Ansprache: Sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfährt.
Aber warum sagt Jesus nichts vom Glauben? Gute Frage! Darf ich sie ein wenig anders formulieren? Wir wissen ja nicht wirklich, was Jesus alles mit dem Exgelähmten da besprochen hat im Tempel. Wenn es stimmt, dass Buße und Glaube zusammengehören, warum berichtet Johannes uns hier nur von der Buße?

Das Gegenstück im Johannesevangelium: Heilung des Blinden

Und wenn ihr bei den letzten Predigten ein bisschen aufgepasst habt, dann habt ihr eine Idee, was jetzt kommen könnte. Was wäre, wenn es im Johannesevangelium zwei Heilungen gäbe, die interessanterweise beide am Sabbat stattfinden und beide dazu führen, dass der Geheilte mächtig Konflikte mit den Religiösen seiner Zeit bekommt und dummerweise in beiden Fällen nicht sagen kann, wer ihn geheilt hat?
Wenn man so etwas finden würde, dann würde man an einen Chiasmus denken, oder? An eine literarische Figur in Erzähltexten, bei der man Geschichten gegenüberstellt. Geschichten, die von der Form her sehr ähnlich sind. Und es gibt im Johannesevangelium diese beiden Heilungen, nämlich in Kapitel 5 den Gelähmten und in Kapitel 9 den Blinden. Beide werden am Sabbat geheilt, beide bekommen Konflikte, beide wissen nicht, wer sie geheilt hat, und beide werden von Jesus gefunden.
Und man würde diese beiden Erzähleinheiten im Text gegenüberstellen. Dann würde man dafür sorgen, dass diese beiden Einheiten sich gegenseitig befruchten. Und dann würde die erste Erzähleinheit das Thema Buße aufgreifen, und die zweite Erzähleinheit würde womöglich ein anderes Thema aufgreifen, vielleicht das Thema Glauben. Und so ist es dann auch.
Deswegen lese ich euch jetzt das Gegenstück vor: Johannes 9,35-38.
Jesus hörte, dass sie ihn, das ist den Ex-Blinden, hinausgeworfen hatten. Und als er ihn fand, sprach er: Glaubst du an den Sohn des Menschen, also an den Messias? Er antwortete und sprach: Wer ist es, Herr, dass ich an ihn glaube? Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es. Er aber sprach: Ich glaube, Herr. Und er warf sich vor ihm nieder.

Busse und Glaube als zusammengehörige Antwort auf Gottes Rettung

Merkt ihr, was hier fehlt? Hier fehlt das Thema Buße völlig. Dafür ist das Thema Glaube aber voll entwickelt. Hier ist einer, der damit beginnt, an den Messias zu glauben.
Jede Geschichte, die des geheilten Gelähmten und die des geheilten Blinden, leistet ihren Beitrag dazu, dass wir verstehen, was es braucht, damit ein Mensch umfassend gerettet werden kann. Es braucht Buße, und es braucht Glauben. „Sündige nicht mehr“ und „Glaube an den Sohn des Menschen“ – diese beiden Dinge gehören zusammen.
Lasst uns diese beiden Dinge bitte auch immer zusammenhalten, wenn jemand uns fragt, wie man gerettet werden kann. Es ist recht einfach: Gib dein altes Leben auf und fang an, Gott zu vertrauen. Das ist Rettung.
Aber die Mischung ist wichtig, weil sie uns vor jeder Unausgewogenheit bewahrt. Das war das, was ich am Anfang meinte, als ich sagte: Was ist das denn für eine Theologie in Johannes 5,14? Das, was Jesus da sagt, klingt irgendwie falsch, es klingt unausgewogen, es klingt zu kurz. Deshalb ist es wichtig, dass wir, auch wenn in dem einen Text das betont wird, das ganze Bild sehen.
Es geht immer um Buße, und es geht immer um Glauben. Immer: Tue Buße und glaube an das Evangelium. Das ist das, was der Herr Jesus in Gänze predigt, auch wenn uns Johannes hier an der Stelle nur einen kleinen Ausschnitt präsentiert. Zwei Dinge, die zusammengehören, wenn wir am Ende bei Gott ankommen wollen.
Buße ohne Glauben ist ziellos. Ich bekehre mich, aber ich weiß gar nicht wohin. Glaube ohne Buße hat keine Wurzel, ist nur Gefühlsduselei oder im schlimmsten Fall Opportunismus.

Gottes Ruf zur Umkehr als Ausdruck seiner Liebe

Und lasst es mich so formulieren: Gott fordert uns zur Buße auf, weil er uns zeigen möchte, wie wertvoll unser Leben ist. Ich sage das noch einmal: Gott fordert uns zur Buße auf, weil er uns zeigen möchte, wie wertvoll unser Leben ist.
Jeder von uns hat etwas, das sonst kein anderer Mensch hat und auch niemals haben wird. Jeder von uns ist in Gottes Augen ein Wunder. Jeder von uns trägt in sich etwas, das absolut einzigartig ist. Jeder Mensch ist ein Geschenk Gottes an diese Welt, und es ist Gottes Wunsch, Gottes tiefer Wunsch, dass jeder diese Einzigartigkeit, die in ihm steckt, entdeckt und dann auch entfaltet.
Dumm nur, dass der Sündenfall uns alle so unglaublich verzerrt hat. Dumm nur, dass wir eine Sache, die wichtig wäre, so schwer verstehen, nämlich wie sehr Gott uns liebt und wie gut er es mit uns meint. Und so braucht es Gottes Ansprache, es braucht seinen Einspruch, es braucht sein klares Nein zu unserer Vergangenheit und sein überschwängliches Ja zu unserer Zukunft.
 Johannes 5,14 Sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfährt.
Gott ist für die Gebrochenen. Gott ist ein Gott derer, in deren Leben es Brüche gibt. Und er selbst ist derjenige, der jetzt in unser Leben hineinspricht und sagt: Ich will noch einen Bruch provozieren, nämlich deinen Bruch mit dem alten Leben. Und deswegen bin ich radikal: Sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfährt.

Umkehr auch für Glaubende und der Blick auf die Gemeinde in Laodizea

Oder mit Petrus, der im ersten Petrusbrief 4,3 schreibt:
Ihr habt ja in der Vergangenheit lange genug das getan, wonach Menschen der Sinn steht, die Gott nicht kennen. Ausschweifungen gehörten dazu, das Ausleben eurer Begierden, Alkoholexzesse, Schlemmen und Saufen und das Abstossen des Götzendienstes.
Lange genug! Und jetzt, nach der Bekehrung, ist die Zeit, damit aufzuhören. Busse tun. Einmal am Anfang unserer geistlichen Reise mit Gott und dann tatsächlich immer wieder.
Lasst uns mit dem Gedanken ein wenig vorsichtig sein, Busse wäre etwas, das man nur einmal tut. Ja, es gibt sehr viele christliche Zeugnisse, nicht alle, aber sehr viele, die diesen Punkt der Bekehrung besonders herausstellen. Das ist gut. Aber da steckt auch eine Gefahr drin. Da steckt die Gefahr darin, dass wir Busse ausschliesslich als etwas sehen, was in der Vergangenheit passiert ist, etwas, was man irgendwann einmal getan hat.
Bei so einem Denken stehen wir schnell auch in der Gefahr, hochmütig zu werden, weil wir unsere eigenen Fehler einfach nicht mehr sehen. Und wenn euch das Thema Hochmut und Demut interessiert, dann schaut doch morgen in den Podcast rein, da wird es nämlich darum gehen.
Aber zurück zur Busse: Busse ist eine Sache des Herzens. Und von daher kann es immer wieder vorkommen, dass wir tatsächlich auch als Christen Busse tun müssen. Geistliches Leben ist wie eine Sägezahnkurve. Wir kommen jeden Tag ein bisschen vom Weg ab, und dann müssen wir wieder zurück, wieder zurück auf den Hauptweg.
Und wenn wir vom Weg abgekommen sind, dürfen wir mal schneller, mal weniger schnell Busse tun, um wieder zum Weg zurückzukommen. Das Schöne ist: Wir müssen uns dabei keine Sorgen machen. Wir haben einen Gott auf unserer Seite, der uns helfen will. Wir haben einen Gott auf unserer Seite, der uns kennt. Und zwar einen Gott, der unsere Probleme kennt, weil er unsere Biografie kennt. Genauso wie einen Gott, der unser Potenzial kennt.
Und das ist das Spannende: Gott weiss, was in uns steckt. Er weiss, was er sich für uns wünscht, dass wir es entfalten. Und gleichzeitig weiss er, warum wir an manchen Stellen einfach eine totale Ladehemmung haben und da vielleicht auch noch fünf oder zehn Jahre brauchen, bis wir aus diesem Problemkomplex herauswachsen. Gott kennt uns ganz genau. Er kennt diese beiden Seiten unseres Lebens. Er weiss, dass wir seine Kinder sind, die manchmal grossen Blödsinn verzapfen.
Und deswegen predigt Jesus nicht nur Nichtchristen die Busse, sondern er hat auch kein Problem damit, Christen zur Busse aufzufordern. Zum Schluss ein Beispiel, wo er das tut. Da gibt es zum Beispiel die Christen in der Gemeinde in Laodizea. Laodizea ist ein Ort in der heutigen Türkei, und das ist eine Gemeinde, die hat, wir würden sagen, völlig die Orientierung verloren. Sie halten sich für absolut grossartig und haben null Durchblick, so wenig Durchblick, dass sie nicht einmal merken, dass sie den Kontakt zu dem Herrn Jesus verloren haben.
Und was bekommt diese Gemeinde vom Herrn Jesus gesagt? Offenbarung 3,19-20:
Ich überführe und züchtige alle, die ich liebe. Sei nun eifrig und tu Busse! Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.
Was sagt der Herr Jesus zu diesen Christen? Ich übersetze das mal ganz einfach: Tu Busse. Lass den Blödsinn nicht weiter sündigen. Lass mich wieder in dein Leben hinein. Ich will mit dir Gemeinschaft haben, ich will ganz enge, intime Gemeinschaft mit dir. Lass das doch bitte zu!

Praktische Anwendung in der Gruppe und Abschluss

Und wenn wir gleich in die Gruppen gehen, dann wollen wir nicht nur kurz miteinander austauschen, sondern auch gemeinsam Abendmahl feiern.
Und was ich mir wünschen würde, wäre, dass wir den Blick zum Kreuz richten. Dieses Nachdenken über das Sterben Jesu können wir nutzen, um uns noch eine andere Frage zu stellen, nämlich: Gibt es in meinem Leben noch etwas geradezubiegen? Gibt es noch Sünde, die ich nicht bekannt habe, vielleicht auch nicht mit Geschwistern in Ordnung gebracht habe? Gibt es noch etwas, worüber ich Buße tun müsste, um die Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus, diese enge Gemeinschaft, noch mehr und tiefer genießen zu können?
Lasst uns deshalb in den Gruppen bitte mit folgender Frage anfangen, vielleicht so reihum:
Erstens: Wo erlebe ich andere als Wunder Gottes? Jeder kann sich zwei Personen aus der Runde, die er gut kennt, heraussuchen und dann je einen Aspekt nennen, der ihm ganz besonders wertvoll und segensreich im Blick auf diese Person vorkommt. Schaut bitte, dass da niemand vergessen wird!
Zweite Frage: Der ehemalige Gelähmte war bestimmt glücklich über seine Heilung, aber sein Gesundsein war auch eine Gefahr. Er stand in der Gefahr, die Bedrohung in Form der ewigen Verlorenheit vor lauter Freude über seine zeitliche Heilung nicht zu sehen. Die Frage ist: Wo kann es in unserem Leben zu einer ähnlich gelagerten Problematik kommen? Wo kann momentane Zufriedenheit über eine künftig drohende Gefahr uns hinwegschauen lassen?
Das ist die Frage. Okay, das war’s. Ich wünsche euch Gottes Segen für die Gruppen. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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