Zum Inhalt

Lukas 6,1-19: "Frömmigkeit: Über Gebote und Liebe"

Lukas 6,1-6,1914.12.2008
Serie•Teil 11 / 53Lukas-Evangelium
Jesus sprengt ein Glauben, das nur Regeln kennt: Am Sabbat zählt nicht Formalität, sondern Barmherzigkeit. Die Frage bleibt: Kennst du Gott – oder nur Vorschriften?

Rückblick auf die bisherigen Themen und die Grundfrage des Abschnitts

Wir befinden uns immer noch im Lukasevangelium, und zwar weiterhin in Kapitel fünf und sechs. Wer schon eine Weile dabei ist, der weiß, dass wir fortlaufend durchs Lukasevangelium gehen. Und der weiß auch, dass sich die Kapitel fünf und sechs um ein Thema drehen: Wie geht Jesus mit Sünde um? Wie geht Jesus mit Sündern um?
Zwei Predigten liegen hinter uns. In der ersten Predigt haben wir uns angeschaut, dass Jesus solche Menschen, die zugeben, dass sie Sünder sind, in seine Nachfolge beruft, weil er sie gesund machen möchte. Und wir haben uns angesehen, wie dieser Heilungsprozess, den ein Mensch braucht, damit beginnt, dass er zu Jesus kommt, dass er Jesus im Glauben begegnet und dann in der Kraft Jesu ein ganz neues Leben anfängt. Ein Leben, das sich radikal von dem unterscheidet, was vorher war.
Dann haben wir uns letztes Mal, auch schon wieder vier Wochen her, in der zweiten Predigt angeschaut, was echte Frömmigkeit ausmacht. Ich finde das ein super spannendes Thema. Was ist eigentlich geistliches Leben? Man bekommt ja irgendwo immer Traditionen mit. Aber was ist wirkliches geistliches Leben?
Wir haben gesehen, dass echte Frömmigkeit damit beginnt, dass ein Mensch zu Jesus kommt. Am Beispiel von Levi oder Matthäus haben wir uns das angeschaut: dass ein Mensch sich in die Nachfolge einladen lässt, dass Jesus da steht und sagt: Komm, folge mir nach. Und dass ein Mensch dann sagt: Okay, ich lasse mich einfach auf diesen Jesus ein. Dass man dann begeistert ist von Jesus und dass man tatsächlich in einer Beziehung lebt zu dem lebendigen Gott, der mein Leben prägt.
Mir war es wichtig zu zeigen, dass Jesus kein Reformer sein will, dass das Christentum nicht Judentum 2.0 ist. Ihr kennt das Web 2.0: Das Judentum ist nicht so eine Betaversion von dem, was Jesus eigentlich will. Sondern Christentum ist ein ganz neuer Weg, etwas radikal Neues. Es ist neuer Wein in ganz neuen Schläuchen.
Und das war für die Pharisäer ein riesiges Problem. Es war deshalb ein riesiges Problem, weil es ihnen darum ging, Regeln einzuhalten, Regeln zu erfüllen und die Form zu bewahren. Und wenn ich so ein Denken habe, dass Regeln und Formen besonders wichtig sind, dann ist es immer ein großer Punkt, wenn ich einen Fehler mache. Ich darf dann eigentlich keine Fehler machen.
Und jetzt kommt dieser Jesus und sagt: Wahre Frömmigkeit, echte Geistlichkeit, hat für mich damit zu tun, dass jemand in einer Beziehung mit mir lebt. Und in einer Beziehung sind Fehler nicht erwünscht, aber sie sind irgendwie erlaubt.

Beziehung statt Regelwerk

Man merkt das sehr schön. Ihr kennt, denke ich, alle die Geschichte von Petrus: Petrus, der in der Nacht, in der Jesus verraten wird, gefangen genommen wird, im Hof des Hohen Priesters sitzt und dann gefragt wird: Sag mal, gehörst du mit deinem galiläischen Akzent nicht auch zu diesem Jesus?
Und irgendwie ist Petrus, der sich sonst immer vorne hinstellt und sagt: Ja, hier bin ich, ja, wo geht es lang?, ganz klein und sagt: Nein, den kenne ich nicht. Ich gehöre nicht zu diesem Jesus. Ich habe mit dem nichts zu tun.
Und das sagt er dreimal.
Und ich denke mir: Wie wäre das, wenn, stellen wir vor, hier, ja, ich wäre hier und ich hätte meine Frau dabei, und meine Frau würde so sehen, wie ich mit euch rede, und ihr würdet mich fragen: Sag mal, ist das deine Frau? Und ich würde sagen: Das, meine Frau? Nee, kenne ich nicht. Habe ich nichts mit zu tun. Habe ich nie gesehen. Ich und die auf keinen Fall.
Könnt ihr euch vorstellen, was passiert, wenn wir nach Hause kommen? Da würde meine Frau mich fragen: Du, Schatz, sag mal, was hast du dir eigentlich dabei gedacht, als du das vorhin so gesagt hast? Du und ich, da ist nichts. Habe ich da was nicht mitbekommen? Ist da was kaputtgegangen in deinem Herzen? Hast du mich eigentlich noch lieb?
Bei einer Beziehung stelle ich diese Frage: Hast du mich eigentlich noch lieb?
Und das ist genau die Frage, mit der Jesus dem Petrus ein paar Tage nach dieser Verleugnung, nach der Auferstehung, am See Genezareth begegnet. Simon, Sohn des Johannes – das können wir nachlesen in Johannes 21 – Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?
Das ist die Frage, die Jesus stellt, dreimal. Und dreimal antwortet Petrus: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.
Und es ist für mich unglaublich wichtig, dass ihr das versteht: Im Zentrum echter Frömmigkeit stehen nicht Regeln und Gebote. Im Zentrum echter Frömmigkeit steht echte Liebe zu Jesus.

Die Entstehung einer immer engeren Gesetzeswelt

Und für die Pharisäer und die Schriftgelehrten war Frömmigkeit etwas komplett anderes. Fromm sein hieß: Regeln einhalten, viele Regeln einhalten, komplizierte Regeln, Regeln, die schwer zu erfüllen waren, und vielleicht das Schlimmste: Regeln, die man sich selbst ausgedacht hatte. Es waren Regeln, die sich so nicht in der Bibel fanden.
Ich müsste euch das so vorstellen: Das Volk Israel kommt aus dem babylonischen Exil zurück, Jahrhunderte vor Jesus, etwa im sechsten Jahrhundert vor Christus. Im Exil sind die Schriftgelehrten, also Leute, die sich intensiv mit der Bibel beschäftigten, zu einem gewissen Ansehen gekommen. Und sie stellen sich die Frage: Wie können wir verhindern, dass Gott uns als Volk noch einmal so straft und uns aus dem Land hinausführt? Was können wir da tun?
Sie studieren die Bibel. Ein guter Ansatz. Sie sagen: Wir wollen noch einmal genau schauen, welche Gebote und Verbote wir in der Bibel finden. Sie lesen und finden 248 Gebote und 365 Verbote. Und sie sagen: Die wollen wir jetzt alle halten. Die wollen wir den Leuten beibringen, damit Gott uns als Volk nie wieder strafen muss.
Und das ist ein guter Gedanke. Ich mache nichts anderes. Ich nehme auch die Bibel, predige und sage: Hier steht drin, was du tun sollst und was du nicht tun sollst. Halt dich dran. Bis dahin ist alles in Ordnung.
Aber nach dieser ersten Generation von Bibellehrern kommt eine neue Generation. Und diese neue Generation denkt sich: Wie können wir dafür sorgen, dass das Volk keine Gebote übertritt? Es ist vielleicht gut, um die Gebote noch einmal einen Zaun von Geboten zu bauen. Also: Innen drin steht das Gebot, du sollst nicht stehlen, oder du sollst den Sabbat halten, du sollst am Sabbat nicht arbeiten. Und jetzt baue ich eine ganze Reihe von Geboten außen herum, die dieses eine Gebot schützen.
Die Idee ist: Wenn jemand dieses äußere Gebot übertritt, dann ist das schlimm. Aber es ist natürlich noch viel besser, als wenn er das in der Mitte, das eigentliche Gebot, übertreten hätte.
Könnt ihr euch das vorstellen? Neue Gebote, neue Regeln, selbstgemacht. Vierhundert Jahre lang nehmen sich die Leute Zeit und häufen Gebote und Regeln auf. Und das wird ein Riesenberg. Es ist ein unüberschaubarer Berg von Tausenden von Vorschriften, die als mündliche Überlieferung weitergegeben werden und die zur Zeit Jesu verbindlich waren.
Und was erwartete man von dem Messias? Wie stellten sich Pharisäer und Schriftgelehrte den Messias vor? Na ja, sie erwarteten erstens, dass das jemand sein müsste, der alle diese kleinen Gebote ganz penibel einhält, der sie kennt, versteht und hält. Und natürlich müsste das jemand sein, also ein guter Rabbi, der neue Gebote schafft, der auf kluge Weise sozusagen die verbliebenen Löcher im Zaun noch stopft.
Und jetzt kommt Jesus. Und er weigert sich einfach, so ein Rabbi zu sein. Und das ist noch schlimmer: Er offenbart das ganze Drama des Irrglaubens dieser Pharisäer und Schriftgelehrten.

Der Herr über den Sabbat

Wir wollen uns heute Lukas Evangelium Kapitel 6 und die Verse 1 bis 19 anschauen. Es sind drei Geschichten. Man sieht das im Text ganz gut, weil jeder Block mit „Und es geschah“ anfängt: in Vers 1, dann wieder in Vers 6 und schließlich in Vers 12. Also drei Blöcke, die wir uns anschauen wollen.
Bevor wir das lesen, gebe ich euch erst einmal einen Überblick. Am Anfang kommen die Pharisäer und klagen die Jünger Jesu an, das Gesetz übertreten zu haben. Es geht um den Sabbat. Und Jesus wird ihnen zeigen, dass ihre Herangehensweise an das Alte Testament und an die Regeln des Alten Testaments falsch ist.
In der zweiten Geschichte geht Jesus noch einen Schritt weiter. Wieder haben wir eine Konfliktsituation zwischen Pharisäern und Jesus. Diesmal geht es nicht nur um die Frage, ob meine Interpretation richtig ist, sondern Jesus stellt ihre Auslegung als unmoralisch hin. Also nicht nur irgendwie falsch, sondern richtig grob falsch.
Und die dritte Geschichte wird uns dann noch einen Schritt weiterführen, weil Jesus als der Messias Israels, vorbei an allen jüdischen Autoritäten, vorbei an den Priestern, vorbei an den Pharisäern, vorbei an den Schriftgelehrten, seine Repräsentanten, die Apostel, einsetzt. Damit geht er zum ersten Mal einen sichtbaren Schritt in Richtung Kirche. Das ist das erste Mal, dass wir so ein Stück eigener Organisation haben, die sich ganz grundsätzlich vom bestehenden Judentum unterscheidet.
Schauen wir uns die Geschichten an. Lukas 6, die Verse 1 bis 5:
Und es geschah am Sabbat, dass er durch die Saaten ging, und seine Jünger die Ehren abpflückten und aßen, indem sie sie mit den Händen zerrieben. Einige der Pharisäer aber sprachen zu ihnen: Warum tut ihr, was am Sabbat nicht zu tun erlaubt ist? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr auch dieses nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte, wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote nahm und aß und auch denen gab, die bei ihm waren, die doch außer den Priestern allein niemand essen darf? Und er sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen ist Herr auch des Sabbats.
Das Alte Testament verbietet am Sabbat das Arbeiten, das steht in 2. Mose 20. Das steht hier auch gar nicht zur Frage, das ist völlig klar. Als die Pharisäer jetzt die Jünger die Ehren abpflücken sahen und sie so zwischen den Händen zerreiben sahen, da betrachteten sie dieses Zerreiben. Man zerreibt das so ein bisschen als Arbeit. Warum? Na ja, wenn ich das so zerreibe, dann mache ich eigentlich das, was sonst zwei Mühlsteine tun, was ein Müller tut, und das ist halt Arbeit. Und wer das am Sabbat tut, der arbeitet, und Arbeit ist verboten. Das sagen sie zumindest.
Eigentlich hätte Jesus jetzt einfach sagen können: Wisst ihr was, Freunde, eure Definition von Arbeit ist völliger Blödsinn. Das findet sich nirgendwo in der Bibel, dass jemand, wenn er ein paar Ehren am Sabbat zwischen den Händen zerreibt, dass das schon Arbeit wäre. Merkt ihr, woher das kommt? Ich habe das Gebot: Du sollst am Sabbat nicht arbeiten. Und hier drüben baue ich ein neues Gesetz: Wenn jemand am Sabbat mit den Händen Ehren zerreibt, ist das schon Arbeit. Das steht nicht in der Bibel. Aber jemand hat irgendwann mal gesagt: Arbeit fängt da an, wo jemand mit den Händen zerreibt.
Die Jünger tun das, in den Augen der Pharisäer übertreten sie ein Gebot, die Pharisäer gehen sofort hin und sagen: Wie könnt ihr das machen? Und naheliegend, wie ich vielleicht geantwortet hätte, naheliegend wäre es gewesen, wenn Jesus sagt: Wisst ihr was, ihr habt euch das Gebot selber ausgedacht, das könnt ihr knicken, das braucht keiner, lasst meine Leute in Ruhe. Es wäre die schnelle Antwort gewesen. Aber das sagt er nicht.
Und was er sagt, ist vielleicht noch provokativer, als das in unseren Ohren überhaupt klingt. Er sagt in Vers 5: Der Sohn des Menschen ist Herr auch des Sabbats. Und das ist eine ganz starke Aussage. Dazu müssen wir begreifen, dass der Begriff „Sohn des Menschen“ ein Messias-Titel ist, und zwar aus dem Buch Daniel, Daniel 7,13-14. Da ist der Sohn des Menschen der Messias, und zwar in seiner Funktion als der ewige Herrscher, der ewige König. Der Sohn des Menschen ist also ein Messias-Titel, der ganz stark etwas mit Herrschaft zu tun hat.
Wenn Jesus das hier jetzt so sagt, dann bringt er damit zum Ausdruck: Ich bin der Messias, ich bin der König Gottes, und deshalb bin ich auch der Herr des Sabbats. Oder mit meinen Worten: Der Sabbat ist für mich da, nicht ich für den Sabbat. Man könnte das etwas freier auch so formulieren: Wenn Jesus sagt, „Ich bin der Sohn des Menschen, ich bin der König der Könige, ich bin der Herr der Herren, und kein Sabbat wird mich und meine Herrschaft einschränken oder aufhalten, und es gibt nichts Besseres und Wichtigeres, als mir zu dienen. Und genau das tun meine Jünger. Lasst sie mit euren kleinlichen Auslegungen in Ruhe.“
Habt ihr gesehen, wie die Pharisäer argumentieren? Da heißt es in Vers 2: Warum tut ihr, was am Sabbat nicht zu tun erlaubt ist? Und ich möchte uns eine Frage stellen: Ist Gott ein Gott, dessen Regeln, die er gibt, wie die Mauern eines Betonbunkers unverrückbar dastehen und immer gelten, egal, was das Leben für einen Haken schlägt? Wie denkst du über die Gebote Gottes?
Und die Antwort, die biblische Antwort, lautet: Nein. Gottes Gebote sind schwer auszulegen. Und wisst ihr warum? Weil das Leben so kompliziert ist. Wir wünschen uns manchmal schnelle Antworten auf schwierige Fragen, so drei Lebensregeln, die irgendwie immer gelten, und du wirst sie nicht finden.
Es gibt einen Grund, warum Paulus im Kolosserbrief für die Kolosser Folgendes betet. Da schreibt er: Deshalb hören auch wir nicht auf, von dem Tag an, da wir es gehört haben, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr mit der Erkenntnis seines Willens erfüllt werdet, in aller Weisheit und geistlichem Verständnis, um des Herrn würdig zu wandeln.
Paulus sagt: Ich bete für euch, dass ihr versteht, was Gott in der Situation, in der ihr euch jetzt gerade befindet, von euch möchte. Dass ihr ihn versteht, mit der Erkenntnis seines Willens erfüllt werdet, um des Herrn würdig zu wandeln. Es braucht nämlich mehr als ein paar Gesetze und Regeln, um Gottes Willen zu verstehen. Es braucht Kompetenz in der Anwendung dieser Gebote. Es braucht ein erneuertes Denken, damit wir begreifen, wie Gott, entschuldigt dieses Wort, funktioniert, wie er als Persönlichkeit Schwerpunkte setzt.
Im Römerbrief, Kapitel 12, nachdem Paulus elf Kapitel lang das Evangelium entfaltet, da schreibt er dann in Vers 2: Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes. In unserem Kopf muss eine Veränderung stattfinden. Wir brauchen ein neues Denken. Und wozu? Dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist.
Du wirst als Christ nicht in die Situation hineingeboren, immer zu wissen, was Gott von dir will, sondern du brauchst ein erneuertes Denken, um zu prüfen, in der Situation, in der ich mich jetzt befinde, was will Gott jetzt von mir, was ist jetzt dran? Wir brauchen Kompetenz, wenn es darum geht, mit Gott eine Beziehung zu leben.

Gott erkennen statt nur Vorschriften kennen

Meine Tochter hat mich letztes Jahr eine Frage gestellt, eine wirklich tolle Frage. Eine Fünfzehnjährige, ja: „Papa, warum soll ich eigentlich die Bibel lesen?“
Das sind so die Momente, in denen du dich als Vater freust, weil du jetzt etwas Vernünftiges sagen kannst. Warum soll ich eigentlich die Bibel lesen? Und ich dachte mir: Gute Frage, Mädchen. Weil ich nicht möchte, dass du deine Bibel liest, nur weil man als Christ eben Bibel liest oder weil Papa halt die Bibel liest. Sondern ich möchte, und das wünsche ich mir auch für euch: Ich bin für dieses Buch. Ich bin total für dieses Buch. Lies dieses Buch, studiere dieses Buch, bohre dich mit aller Kraft und mit Verstand in dieses Buch hinein, um Gott kennenzulernen.
Es ist ein Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck. Es geht nicht darum, dass du ein großes Bibelwissen hast. Das ist Gottes Botschaft an uns, Gottes Liebesbrief an uns. Wir lesen die Bibel, wenn wir sie lesen, nicht, damit wir in unserem Gewissen einen Haken hinter „stille Zeit“ machen. Wir lesen nicht, weil man als Christ halt lesen muss. Wir lesen auch nicht, weil wir uns davon als Vorteil so ein bisschen Magie versprechen. Sondern wir lesen, weil wir in diesem Buch einer Person begegnen. Und weil dieses Buch uns die Möglichkeit eröffnet, dieser Person zuzuschauen, wie sie reagiert, wie sie in unterschiedlichsten Situationen mit Menschen umgeht, weil wir sie kennenlernen können. Deswegen lesen wir die Bibel.
Und ich bin davon überzeugt: Je mehr wir Umgang mit der Bibel haben, je mehr wir Gott als Gegenüber in einer Beziehung verstehen, desto mehr wird es uns auch gelingen, ihn zu genießen, als Persönlichkeit zu genießen. Und das ist eigentlich geistliches Leben. Nicht dieses: „Ich gehe in den Gottesdienst, ich mache stille Zeit, warum auch immer, ich habe da so meine Regeln und Rituale, und immer wenn ich die erfüllt habe, dann ist gut.“ Sondern eigentlich andersherum. Gott möchte mit uns in eine lebendige Beziehung eintreten, wo wir ihn Jahr für Jahr besser kennenlernen. Und das Mittel, das wir haben, ist unser Leben. Und ein Teil davon ist Bibel lesen.

Wenn Barmherzigkeit wichtiger ist als Formalität

Und deshalb bringt Jesus hier das Beispiel mit David und den Schaubroten als Hintergrund. Im Tempel in Jerusalem, beziehungsweise hier bei David noch an einem anderen Ort, in der Stiftshütte, gab es im Innenraum Schaubrote. Also einen Tisch, und darauf lagen Brote. Es ist völlig uninteressant, warum das so war, es ist einfach so. Diese Brote waren etwas Besonderes. Sie durften nur die Priester essen, das war klar geregelt.
Und jetzt kommt David. Zu diesem Zeitpunkt ist er noch nicht König, Saul ist noch König. David ist zwar schon, ich sage mal, der von Gott designierte Nachfolger, aber das weiß irgendwie noch keiner so richtig. Deshalb wird er von Saul verfolgt. Saul trachtet ihm richtig nach dem Leben. Saul will diesen kleinen David loswerden. David ist auf der Flucht, und er kommt zu diesen Priestern und sagt: Hey, habt ihr was zu essen? Ich bin jetzt hier mit meinen Leuten schon so lange unterwegs. Sagt mal, habt ihr nicht etwas zu essen?
Und die Priester sagen: Weißt du was, schwierig, wir haben gerade nichts da. Also, wir könnten dir eine Sache geben, die wir hätten, das wären die Schaubrote. Aber du weißt ja selber: Schaubrote darf man nicht essen, das dürfen nur die Priester.
Was machen wir denn in so einer Situation? Versteht ihr das? Da gibt es ein klares Gebot: Schaubrote darf man nur essen, wenn man Priester ist. Und auf der anderen Seite steht da einer, der sagt: Hey, wenn du mir nichts gibst, verhungere ich, beziehungsweise vielleicht noch ein bisschen schlimmer: Wenn ich nicht verhungere, dann erwischt mich der, der hinter mir her ist, weil ich keine Kraft mehr habe, weiterzulaufen. Was mache ich denn?
Wenn jemand nur auf Regeln ausgerichtet ist und sagt: In der Bibel steht geschrieben, Eisenhart, gar keine Frage, Schaubrot darf nur der Priester essen. Tut mir auch irgendwie leid, David, dann gehst du halt drauf. Das ist der, der die Regeln in den Vordergrund stellt. Wenn du weißt, was Gott wirklich wichtig ist, wenn du Gott als Persönlichkeit kennst, dann weißt du, dass Gott gerne das Gebot zum Essen der Schaubrote opfert, wenn er dafür ein Leben retten kann.
Aber die Unterscheidung, welches Gebot wichtiger ist, kannst du nur treffen, wenn du Gott kennst. Wenn du weißt, wo Gott seine persönlichen Schwerpunkte setzt, was er für ein Typ ist. Wie er in diesem Dilemma reagiert, das ist ein klassisches seelsorgerliches Dilemma: Ich habe zwei Schutzziele, die gegeneinander stehen. Entweder die Heiligkeit des Tempeldienstes herausstellen und deutlich machen, dass Schaubrot tatsächlich nur der Priester essen darf, oder auf der anderen Seite Leben bewahren.
Zum Glück waren die Priester damals fit genug, das Richtige zu entscheiden und David das Brot zu geben. Gott ist kein Erbsenzähler. Gott ist ein Realist. Gott gibt Gebote nicht, damit sie in Stein gemeißelte, unverrückbare Monumente sind, sondern er gibt sie, um uns zu zeigen, wie er denkt. Und wenn wir das Alte Testament studieren, und bitte, da reicht es nicht, einmal darüber zu lesen, da muss man ein bisschen nachdenken, werden wir Gottes Charakter verstehen. Und indem wir Gottes Charakter verstehen, begreifen wir, wie er in unterschiedlichen Situationen reagieren möchte. Und ihr merkt: Das ist nicht einfach.

Die Gefahr religiöser Härte

Mir begegnen immer wieder Leute, und das macht mich traurig, die an dieser Stelle Probleme haben. Man kann an zwei Seiten vom Pferd herunterfallen. Die eine Seite ist die: Es steht geschrieben, Punkt. Ja, und du denkst dir: Wahnsinn, du machst dir das Leben leicht.
Es gibt auch die andere Seite. Das ist die Seite, die immer sagt: Gottes Liebe. Und egal, ob ich tue, was Gott ein Gräuel ist, Gottes Liebe und seine Liebe decken das zu. Das sind zwei Extreme: die einen, die unverrückbar an Dingen festhalten, wo du sagst: Hey, das ist nicht mehr lebbar, und die anderen, die sagen: Eigentlich ist es völlig egal, wie ich lebe, ja, Gottes Liebe wird schon irgendwie gehen.
Es ist beides falsch. Es ist beides falsch. Und deswegen ist es so dringend nötig, dass wir als Christen lernen, Gott zu verstehen, Gott kennenzulernen, ihn zu begreifen, um im Leben die richtigen Entscheidungen treffen zu können.
Ein weiterer Punkt: In Lukas 5 haben wir gelesen, ganz am Anfang in den ersten elf Versen, dass Jesus der Herr unseres Arbeitslebens ist. Hier an der Stelle wird eine Ergänzung deutlich: Jesus ist auch der Herr unserer Sabbate. Und damit ist völlig klar, was Lukas uns sagen möchte, wenn er die Geschichten so zusammenstellt. Jesus möchte der Herr unseres ganzen Lebens sein.
Und ich möchte euch einladen, diesen Anspruch wirklich an euch heranzulassen, zu sagen: Ja, ich will Beziehung leben, eine Beziehung, die morgens bei mir, ich weiß nicht, so um sechs beginnt, wenn mein Wecker geht und ich denke: Schon wieder vorbei, irgendwie schade, wäre schön gewesen, wenn noch ein Stündchen drin gewesen wäre. Und du schlägst die Augen auf und denkst: Na, wirst du mal in die Küche schlurfen und Kaffee kochen. Und es ist der erste Weg, den ich mit Gott gehe.
Also: Mein Leben mit Gott beginnt nicht erst dann, wenn ich, nachdem die Kinder vielleicht Richtung Schule unterwegs sind, noch mal Zeit habe, in der Bibel zu lesen, sondern da, wo ich die Augen aufschlage. Und er endet auch nicht da, wo ich schlafen gehe, sondern das geht eigentlich die ganze Zeit. Das ist Gottes Idee, eine Beziehung zu leben.

Die Heilung am Sabbat und die Frage nach Gottes Moral

Schauen wir uns die nächste Geschichte an, die Verse sechs bis elf, Lukas 6.
Es geschah aber auch an einem anderen Sabbat, dass er in die Synagoge ging und lehrte. Und es war dort ein Mensch, dessen rechte Hand verdorrt war. Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber lauerten darauf, ob er am Sabbat heilen würde, damit sie eine Beschuldigung gegen ihn fänden. Er aber wusste ihre Überlegungen und sprach zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Steh auf und stell dich in die Mitte. Er aber stand auf und stellte sich hin.
Jesus sprach nun zu ihnen: Ich will euch fragen, ob es erlaubt ist, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder zu verderben. Und nachdem er sie alle ringsum angeblickt hatte, sprach er zu ihm: Strecke deine Hand aus. Und er tat es, und seine Hand wurde wiederhergestellt. Sie aber wurden mit Unverstand erfüllt und besprachen sich untereinander, was sie Jesus tun sollten.
Ein anderer Sabbat, eine ähnliche Situation. In den Augen der Pharisäer war natürlich auch das Heilen am Sabbat was? Arbeit, richtig. So etwas macht ein Arzt, das darf man halt nicht, ihr versteht das. Entsprechend warten sie in der Synagoge darauf. Sie sehen diesen armen Kerl mit seiner Hand da und denken: Na, schauen wir mal. Wir kennen den Jesus ja auch schon nur ein bisschen. Der hat so ein Herz für diese komischen Kranken. Wollen wir mal schauen, was er macht. Sie lauern förmlich auf ihn.
Und während in der Geschichte, die wir in Lukas 5 mit dem Aussätzigen gelesen haben, Jesus noch ganz besonders auf die Autorität der Priester hinweist, als er in den Tempel geht, sich dem Priester vorstellt und die Autorität der Priester noch hochhält, passiert jetzt hier genau das Gegenteil. Öffentlich stellt er das Unbarmherzige im Denken der Pharisäer vor allen Augen bloß. Und natürlich stellt er die Pharisäer als kompetente Ausleger des Gesetzes in Frage. Er sagt eigentlich: Was ihr da jetzt aus dem Gesetz herauslest, ist doch völliger Blödsinn.
Er lässt den Mann hervortreten. Überlegt euch das mal: Habt ihr so einen Raum? Ja, ich würde jetzt sagen: Clemens, stell dich mal hier in die Mitte. Na, wo schaut ihr hin? Ihr schaut alle hin. Ja, sagt Hobe, alle Augen sind auf diese eine Person und auf sein Problem gerichtet. Jeder sieht diese verdorrte Hand.
Und Jesus stellt die Frage, mit der völlig klar ist: Stimmt, wie konnte jemand jemals überhaupt nur denken, dass ich den Sabbat richtig halte, wenn ich so einen armen Kerl vertröste auf: Vielleicht heile ich dich morgen. Das hat ja doch mit Sabbat nichts zu tun.
Der Sabbat hat zwei Bedeutungen. Er ist zum einen, das war die erste Geschichte, ein Tag für den Herrn. Aber er ist zum zweiten ein Tag für den Menschen. Gott gibt dem Menschen einen Sabbat, um auszuruhen, um Kraft zu schöpfen für neue Arbeit, um nicht kraftlos zu bleiben. Und jetzt habe ich hier jemanden, der ist kraftlos auf eine Weise, wie es schlimmer nicht geht. Der ist unfähig zur Arbeit. Und während der Sabbat den Menschen Kraft geben soll, ihn fähig machen soll zur Arbeit, soll ich den Kerl einfach vertrösten und sagen: Dir will ich nicht helfen, du darfst nicht gesund werden? Das ist doch Quatsch.
Was Jesus hier macht, ist: Er argumentiert über die Moral. Er sagt, wenn die Auslegung, die du zum Sabbat geboten hast, Grundvorstellungen göttlicher Moral aushebelt, dann muss das einfach falsch sein. Dann geht das einfach nicht. Wer sagt, es ist am Sabbat verboten, Gutes zu tun, der hat ganz grundsätzlich etwas an Gottes Gesetz und an Gottes Charakter nicht verstanden.
Nochmal: Wer sich hinstellt und sagt, es ist falsch, am Sabbat Gutes zu tun und einen Menschen zu heilen, der hat weder das Gesetz noch Gott wirklich verstanden.
Das Interessante an religiösen Menschen, und ich möchte die Pharisäer einfach mal als religiöse Menschen vorstellen, das Interessante an religiösen Menschen ist, dass sie nicht wirklich an Moral interessiert sind und noch weniger am Leiden ihrer Mitmenschen. Gott sucht Barmherzigkeit, und die Pharisäer suchen Regeln. Regeln, die sie sich selber ausgedacht haben und die dann so ein Label gekriegt haben.
Ich weiß nur, wie ich früher auf dem Kuhdamm spazieren gegangen bin. Da konnte man für fünf Mark so ein kleines Krokodil kaufen. Das konnte man sich dann auf sein T-Shirt nähen, und dann sah das so aus, als wäre das so ein Krokodil-T-Shirt. Das war natürlich nicht echt. Aber das sah so aus. Und so haben die das auch gemacht. Ich mache ein Gebot, es ist meins, habe ich mir ausgedacht, es steht nicht in der Bibel. Und dann sage ich so lange, das ist Gottes Wille, bis es diesen Label Gottes Wille trägt und alle mir das glauben.
Und jetzt kommt Gott und setzt sich mit einem Wunder für die Rettung eines Menschen ein und wirft meine selbstgemachte Regel einfach über den Haufen. Was mache ich jetzt? Die traurige Realität ist, dass religiöse Menschen nicht umdenken, sondern vielmehr alles daransetzen, diesem Tun und Treiben von Gott ein Ende zu bereiten. Und warum? Weil sie sich bedroht fühlen, weil sie sich hinterfragt fühlen, weil sie merken, dass ihre Vorstellung von Frömmigkeit irgendwo ihnen da etwas verloren geht.

Angst, Tradition und die Frage nach echtem geistlichen Leben

Kann ich mal das rote Buch haben, bitte?
Wisst ihr, was das Traurigste an einer Outdoor-Bibelschule ist? Und zwar wirklich das Traurigste, was mir Tränen in die Augen treibt, was mich frustriert, wo ich an mich halten muss, um nicht bitter zu werden?
Dass es Gemeinden gibt mit Jugendgruppen, und die Jugendlichen kommen in die Outdoor-Bibelschule, und sie sagen: Jürgen, unter uns tut Gott Wunder. Wir sehen, wie Jugendliche zum Glauben kommen. Aber wir erleben es immer mehr, dass Geschwister unter uns lieber an einem Liederbuch festhalten, an Traditionen festhalten, als sich dem zu öffnen, was Gott in ihrer Mitte tut.
Es ist bei euch anders, und ich bin dankbar für die Art, wie ihr Gott ist. Ich bin wirklich dankbar, ihr seid mir ein großes Vorbild. Aber an der Stelle könnte ich heulen.
Was soll ich denn den Jugendlichen für einen Rat geben? Was soll ich denn sagen? Bleib in der Gemeinde? Es tut mir auch leid, dass in den letzten fünf Jahren in deiner Gemeinde nie ein Antrag der Jugend durchgegangen ist. Es tut mir leid, dass schon die Idee eines Schlagzeugs im Gottesdienst die Wogen der Entrüstung über euch zusammenschlagen lässt. Es tut mir leid.
Was soll ich denn sagen, wenn Tradition auf Gottes Handeln trifft? Also, ich könnte heulen. Und ich wünsche euch wirklich, dass ihr auf dem Weg bleibt, auf dem ihr seid.
Denn am Ende wird Gott uns nicht die Frage stellen: Sagt mal, welche Lieder habt ihr denn gesungen? Es gibt in der Kirchengeschichte über jedes Jahrhundert viele gute und viele schlechte Lieder. Es spielt einfach keine Rolle. Aber am Ende wird die Frage kommen: Hattest du mich lieb? Bist du meinem Vorbild gefolgt? Bist du ein Freund, wirklich ein Freund der Zöllner und Sünder gewesen, ein Arzt der Lahmen und der Hilflosen, eine Quelle des Segens für die Menschen um dich herum? Oder hast du ein christliches Leben geführt, das so war, dass du eigentlich durch die Art und Weise, wie du es geführt hast, Menschen davon abgehalten hast, Jesus in dir zu suchen?
Ich lese immer mal komische Bücher. Das ist ein Kommentar zum Römerbrief mit soziologisch-rhetorischem Hintergrund, also das muss man nicht lesen. Aber nichtsdestotrotz ist hier der beste Artikel, den ich in 2008 gelesen habe, drin, und ich möchte euch einen übersetzten kleinen Teil vorlesen.
Also schreibt Ben Witherington III. in seinem Römerbriefkommentar zu Römer 12:
Wenn geistliche Routine unser tägliches Leben zu beherrschen beginnt und schon die Vorstellung einer Veränderung in uns heftigen Widerstand hervorruft, dann vergiftet Furcht die Wurzel unserer Existenz.
Noch einmal: Wenn geistliche Routine unser tägliches Leben zu beherrschen beginnt und schon die Vorstellung einer Veränderung in uns heftigen Widerstand hervorruft, dann vergiftet Furcht die Wurzel unserer Existenz.
Hinter Religiosität, die sich an Regeln klammert und an Formen, die so starr ist, dass Gott sie selber nicht mehr korrigieren kann, steckt Furcht. Und zwar die Furcht davor, Fehler zu machen. Und hinter dieser Furcht steckt ein falsches Gottesbild.
Und deshalb ist es so wichtig, dass wir Gott so kennen, wie er wirklich ist. Und ich möchte sagen: Wenn du das kennst, dass Furcht, Angst vor Gott, dir den Blick auf den Vater versperrt, dann stell dir eine von drei Fragen.
Also wenn du merkst, das ist genau in meinem Leben so: Ja, ich bin eigentlich gefangen in den Regeln, nicht mehr in der Beziehung, sondern ich bin in Formen. Ich lebe ein geistliches Leben nach Formen, und ich habe eigentlich eher ein schlechtes Gewissen, wenn ich meine stille Zeit nicht mache, als wenn ich mir die Frage stelle, wie sieht es in meiner Beziehung mit Gott gerade aus. Wenn dein Leben mit Gott bestimmt ist von Furcht, wenn du mehr Angst hast, einen Fehler zu machen, als du Angst hast, dass deine Beziehung nicht wachsen könnte, dann stell dir drei Fragen.
Die erste Frage lautet natürlich: Ist die Furcht, die ich vor Gott habe, gerechtfertigt? Es gibt gerechtfertigte Furcht. Wenn du gesündigt hast, wenn dein Leben komplett daneben ist, dann fürchte dich, denn Gott ist ein heiliger Gott. Dann darfst du Buße tun, und dann ist die Furcht auch wieder weg.
Die zweite Frage lautet: Habe ich überhaupt jemals an die Liebe Gottes geglaubt? Glaube ich an Gott, einen Gott der Liebe? Bin ich echt in meiner Beziehung? Und wenn du sagst: Nein, dann musst du umkehren zu Gott.
Und die dritte Frage lautet: Habe ich ein falsches Gottesbild? Fürchte ich Gott, weil ich Gott vielleicht gar nicht kenne? Also schon irgendwie kenne, aber nicht als der Gott, der er wirklich ist, mit seinen ganz unterschiedlichen Facetten, wo uns ein Vater begegnet, der Liebe ist und heilig ist, der uns mit offenen Armen im Sohn vom Kreuz aus zuruft: Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen. Und der gleichzeitig ein verzehrendes Feuer ist, und es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.
Kriegen wir das hin? Ist das unser Gott in seiner ganzen Persönlichkeit? Und wenn nicht, dann kann ich dir nur raten: Änder das. Beschäftige dich mit Gott.
Es ist vielleicht das wichtigste Thema unseres Lebens, dass wir ihn kennenlernen, dass wir nicht wie die Pharisäer unsere eigenen Regeln haben, unseren Umgang mit Menschen über die Klinge springen lassen, Menschen womöglich schädigen durch das, was wir tun, und uns dann hinstellen und sagen: Schaut her, wie fromm wir sind. Das sind wir überhaupt nicht.

Gebet, Berufung und der Aufbruch in die nächste Phase

Ganz kurz die letzten paar Zeilen aus Lukas 6, die Verse 12-19:
Und es geschah in diesen Tagen, dass er auf den Berg hinausging, um zu beten. Und er verbrachte die Nacht im Gebet zu Gott. Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger herbei und wählte aus ihnen zwölf, die er auch Apostel nannte. Dann kommen die ganzen Namen.
Vers 17: Und als er mit ihnen herabgestiegen war, trat er auf einen ebenen Platz. Und eine Menge seiner Jünger und eine große Menge des Volkes aus ganz Judäa und Jerusalem und von der Seeküste von Tyrus und Sidon kamen, um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Und die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. Und die ganze Volksmenge suchte ihn anzurühren, denn Kraft ging von ihm aus und heilte alle.
Zwei Bemerkungen dazu:
Die beste Vorbereitung für wichtige Entscheidungen sehen wir hier wieder: Gebet. Das hatten wir schon in Kapitel 5, Vers 16, wo sich Jesus auch zurückzieht. Wenn du eine wichtige Entscheidung hast, nimm dir Zeit zu beten. Ich weiß, das klingt komisch, aber es ist einfach richtig. Nimm dir einfach Zeit zu beten.
Und dann: Gerade als seine Feinde überlegen, was sie mit ihm tun sollten. Matthäus schreibt das ein bisschen klarer. Da steht in Matthäus 12,14, wie sie ihn umbringen wollten, darum geht es: Wie werden wir den Kerl los? Gerade als seine Feinde darüber nachdenken, nimmt sich Jesus eine Nacht Zeit zum Beten. Und dann tut er zwei Dinge.
Erstens setzt er die Apostel ein. Das sind seine Gesandten, seine Beauftragten, seine besonderen Mitarbeiter. Und er veranstaltet eine riesige Lehr- und Heilungsversammlung.
Und für mich hat das etwas sehr Programmatisches und Provokantes. Jesus weiß: Die religiöse Elite will mich fertig machen. Und wenn du das weißt, stehst du vor der Frage: Was tue ich jetzt? Und er taucht nicht einfach ab und sagt: „Okay, dann mache ich mich mal für ein halbes Jahr unsichtbar, und dann wird der Sturm schon über mich hinwegziehen.“ Sondern er tut genau das Gegenteil. Er gibt Gas, jetzt erst recht.
Hier ist mein Team, und hier ist meine Mission: Heilung, Befreiung, Vergebung.
Und ich wünsche euch das für das kommende Jahr: etwas von diesem Jetzt-erst-recht-Geist, gepaart mit einer tiefen und wahren Erkenntnis des lebendigen Gottes, der heute in uns lebt. Ich weiß, dass die geistliche Finsternis zunimmt. Ich weiß, dass das Leben in der Nachfolge Christi angefochten ist. Es ist schön, berufen zu sein, aber es ist nicht immer leicht, und es wird irgendwie nicht leichter.
Aber ich möchte euch sagen: Haltet durch! Haltet durch, gebt nicht auf, genauso wie Jesus an dieser Stelle nicht aufgegeben hat. Da draußen ist eine Welt, die uns braucht. Und ich habe den Eindruck, sie braucht uns heute dringender als je zuvor. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.