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Gottes Bemühungen, Jerobeam zurechtzubringen

Thronfall - Jerobeams Absturz
1. Könige 1329.11.2025
EventTeil 3 / 4Kraftstoff Bibeltag 2025
Gottes Warnungen sind keine Deko: Jerobeam bekommt mehrere Chancen, doch er bleibt stur. Die Frage ist brutal ehrlich: Hörst du noch rechtzeitig hin – oder spielst du weiter auf Zeit?

Einleitung und Rahmung der Predigt

Sicherlich ist das vom Zeitpunkt her der schwierigste Vortrag. Ich war letztes Jahr zum ersten Mal hier auf dem Kraftstoff und habe einfach mal geguckt, wie hier das Ambiente und die Gepflogenheiten sind. Ich habe gedacht: Das sind viele Predigten.
Also tut mir das ein bisschen leid. Für mich ist es ein bisschen leichter, ich habe hier das Adrenalin in mir. Ich hoffe, dass es ein bisschen der Vorteil ist, dass wir in einer Geschichte bleiben, und das kann ich schon versprechen. Die Warnungen Gottes sind schon sehr spannend und eindrücklich. Deshalb hoffe ich, dass die Geschichte euch, auch wenn ihr jetzt schon ein bisschen müde seid, noch einmal packt und Gott auch durch diese dritte Predigt zu uns sprechen kann.
Das ist die erste Botschaft, die ich wirklich wunderbar finde. Die zweite Predigt war, denke ich, schon eine deutliche Warnung, wo wir gesehen haben: Da ist ein Mann, der an der zentralen Stelle seines Lebens die falsche Entscheidung getroffen hat. Aber das Schöne ist: Wir werden jetzt gleich sehen, dass Gott ihn nicht so schnell abschreibt, sondern ihm sehr, sehr viele Chancen gibt, noch einmal innezuhalten und zu überdenken. Und das passt jetzt genau zu dieser Predigt.
Wenn die letzte Predigt schon so ein erster Wachrüttler war, dann will Gott diese Predigt jetzt vielleicht noch einmal nutzen, um das zu vertiefen, um dir noch mehr Warnung mit auf den Weg zu geben. Die letzte Predigt wird dann aber auch noch eine hoffnungsvolle Perspektive sein. Also: Gottes große Bemühung, Jerobeam zurechtzubringen.
Wir befinden uns in 1. Könige 13. Schlag das gerne mit auf. Und wir finden in diesem Kapitel wirklich zahlreiche Versuche Gottes, Jerobeam noch einmal zurechtzubringen, dass er innehält, dass er noch einmal überlegt, dass er überdenkt, dass er umkehrt. Fakt ist aber auch, dass dann irgendwann Schluss ist. In Kapitel 14 hat er schon keine Chance mehr. Und das passt eigentlich zu dem, was die Bibel sagt: Gott ist barmherzig, Gott ist geduldig, und Gott geht uns nach. Aber du darfst auch nicht auf Zeit spielen.
Vielleicht ist heute so eine Chance, wo du noch einmal überlegen kannst, wie dein Leben weitergehen soll. Und das Beispiel Jerobeams sagt dir aber auch: Spiel nicht mit Gottes Geduld, denn irgendwann ist auch vorbei.
Sieben Warnungen, sieben Chancen, mindestens, finden wir in Kapitel 13. Und wir werden uns als Erstes diese sieben Warnungen angucken, damit wir so einen kleinen Überblick haben. Das ist absolut spektakulär und verrückt, was da alles passiert. Und dann möchte ich vier von diesen Warnungen noch ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen und auf uns übertragen.

Die erste öffentliche Ansage gegen den falschen Altar

Wir fangen mal an zu lesen: die erste Warnung, 1. Könige 13,1.
Und siehe, ein Mann Gottes kam aus Juda durch das Wort des Herrn nach Bethel, und Jerobeam stand beim Altar, um zu räuchern. Und er rief aus gegen den Altar durch das Wort des Herrn und sprach:
Kleine Hilfe für die von euch, die nicht mehr regelmäßig lesen: Das ist jetzt hier nicht Jugendsprache. Ich habe mal einen gehört, der hat gelesen: „Alter, Alter.“ Der sagt „Altar“, das ist was anderes.
Also, er rief aus gegen den Altar durch das Wort des Herrn und sprach: Altar, Altar, so spricht der Herr: Siehe, ein Sohn wird dem Haus Davids geboren werden, Josia ist sein Name. Er wird auf dir die Priester der Höhen schlachten, die auf dir räuchern, und Menschenbeine wird man auf dir verbrennen.
Eine total verrückte Prophezeiung. Wir haben gesehen: Jerobeam stellt alles auf den Kopf, er ist jetzt selbst da und räuchert. Und dann kommt auf einmal dieser Mann aus Juda. Überlegt mal, was für eine Dramatik und wie unwahrscheinlich diese Prophezeiung ist.
Was sagt er hier? Es wird einer kommen, er weiß den Namen im Voraus, er wird Josia heißen. Zweitens: Er kommt aus Juda und wird auf diesem Altar, auf dem Jerobeam gerade räuchert, die Knochen derer verbrennen, die jetzt diesen Götzendienst betreiben.
Das ist ja absolut unwahrscheinlich. Allein schon die Tatsache: Wie soll denn ein König von Juda oder einer von Juda Zugriff auf unseren Ort Bethel haben? Bethel gehört zu uns, da kommen die aus Juda gar nicht hin.
Tatsächlich ist es ein paar Jahre später schon so, dass das Nordreich schwächelt. Der König Josia kommt an die Macht, es gibt ein kleines Machtvakuum, und er schafft es tatsächlich. Das lesen wir in der Geschichte von Josia, dass er Bethel annektiert zum Südreich. Also: Schon ein bisschen später erfüllt sich das schon.
Kennen einige von uns sicherlich den König Josia, der dann aufräumt und die ganzen Götzendienste beendet. Und das ist wirklich sehr beeindruckend, wie sich das wortwörtlich erfüllt in 2. Könige 23, auch den Altar, der in Bethel war, die Höhe, die Jerobeam, der Sohn des Nebat, gemacht hatte. Auch diesen Altar und die Höhe riss er nieder, er verbrannte die Höhe, und die Aschera zermalmte er zu Staub und verbrannte sie.
Und dann geht das noch deutlich weiter und nimmt auch noch Bezug auf dieses Kapitel.

Die zweite und dritte Warnung: Widerstand, Zerbruch und Wiederherstellung

Zweite Warnung
Ein bisschen später, in Vers 4, heißt es: Und es geschah, als der König Jerobeam das Wort des Mannes Gottes hörte, das er gegen den Altar in Bethel ausgerufen hatte, da streckte Jerobeam seine Hand aus vom Altar herab und sprach: Greift ihn! Da verdorrte seine Hand, die er gegen ihn ausgestreckt hatte, und er konnte sie nicht wieder an sich ziehen.
Also hier will der König einen Befehl geben, diesen Propheten zu ergreifen. Es gefällt ihm überhaupt nicht, was er sagt. Aber auf einmal gehorcht seine Hand nicht mehr seinem Befehl, und er kann sie nicht wieder an sich ziehen.
Dann zerbricht der Altar. Das ist die dritte Warnung Gottes. In Vers 5 heißt es: Und der Altar riss, und die Fettasche wurde vom Altar verschüttet, nach dem Zeichen, das der Mann Gottes durch das Wort des Herrn gegeben hatte.
Stellt euch die Blamage vor: Dieser Jerobeam, der gerade seinen eigenen Altar, sein eigenes Fest auf dem Altar räuchert, und auf einmal zerbricht das alles, nur noch Asche bleibt übrig. Was für eine Metaphorik in dieser Szene steckt: Das hat keinen Bestand.
Aber Gott ist gütig, und Jerobeam fleht diesen jungen Propheten an: Bitte doch Gott, dass meine Hand mir wiederhergestellt wird. Und dann heißt es in Vers 6 in der Mitte: Der Mann Gottes flehte den Herrn an, und die Hand des Königs wurde ihm wiedergegeben und war wie zuvor.
Das ist die vierte Warnung. Dieser Mann hat Autorität, und Gott kann durch ihn wirken.
Und dann kommt das komplette Kontrastprogramm zu Jerobeams Weichenstellung. Hier ist ein junger Mann, der sich auf Gottes Wort beruft und der, komme was wolle, beim Wort Gottes bleibt. Der König ist diesem jungen Propheten dankbar und will sich irgendwie erkenntlich zeigen. Da denkt er sich: Ich lade den mal ein, und vielleicht kann ich ihm irgendwie etwas Gutes tun, ein Geschenk geben. Es hat er sich verdient, meine Hand funktioniert wieder.
In Vers 8 aber spricht der Mann Gottes zum König: Und wenn du mir die Hälfte deines Hauses gäbst, so würde ich nicht mit dir hineingehen. Ich werde kein Brot essen, kein Wasser trinken an diesem Ort.
Und dann kommt die Begründung direkt hinterher: Denn so ist mir durch das Wort des Herrn geboten und gesagt worden: Du sollst kein Brot essen, kein Wasser trinken, und du sollst nicht auf dem Weg zurückkehren, den du gegangen bist. Und er ging auf einem anderen Weg und kehrte nicht auf dem Weg zurück, auf dem er nach Bethel gekommen war.
Auch hier, wir gehen gleich noch näher darauf ein: Was für eine starke Wirkung muss das auf Jerobeam gehabt haben, diesen Mann, der so ganz anders vorgeht, der so ganz anders seine Prioritäten gesetzt hat.
Und dann kommt das noch Verrücktere: Dieser junge Prophet stirbt wenige Augenblicke später. Es passiert da etwas ganz Verrücktes, da kommen wir gleich noch drauf. Aber dann heißt es in Vers 24: Der junge Prophet zog fort, ein Löwe fand ihn auf dem Weg und tötete ihn. Und sein Leichnam lag hingestreckt auf dem Weg, und der Esel stand daneben, und der Löwe stand neben dem Leichnam.
Und zu guter Letzt, was ich jetzt gerade schon vorgelesen habe, gibt es dann diesen Esel, den Löwen und den Leichnam, und diese drei verhalten sich so, wie es normalerweise nicht sein kann. Es ist absolut überwältigend, was für einen Aufwand Gott treibt, um Jerobeam zurechtzubringen.
Und deshalb nimm das hier heute nicht auf die leichte Schulter. Wenn wir gesehen haben, wie sehr wir auch in der Gefahr stehen, zu relativieren und unsere Meinung über Gottes Meinung zu stellen, dann möchte ich dich ganz eindringlich bitten: Spiel nicht mit dieser Warnung. Gott bemüht sich wirklich, und vielleicht benutzt er sich auch heute durch die Predigten, um dich zurechtzurütteln, dich vielleicht vor einem sehr, sehr schicksalsschweren Weg zu bewahren. Aber Gottes Geduld ist grenzenlos, und trotzdem ist irgendwann auch Schluss.

Drei Linien zum Verstehen der Warnungen

Also sieben Warnungen und Chancen, zurechtzukommen, und wir wollen das jetzt ein bisschen sortieren. Ich werde mir ein paar herausgreifen, die ich besonders interessant und ansprechend finde.
Als Erstes: Authentische Vorbilder stellt Gott dem Jerobeam in den Weg. Leute, die sich ganz anders verhalten und die wie ein Spiegel sind, wo man denkt: So hätte ich eigentlich handeln müssen.
Das Zweite: Wir werden kurz auf Déjà-vus eingehen. Das wird sich gleich klären, wie das gemeint ist.
Den dritten Punkt habe ich genannt: Tod eines Gerechteren. Diese große Frage, warum dieser junge Prophet stirbt. Wir werden uns dann auch noch mit dem anderen alten Propheten beschäftigen müssen, der hier vorkommt.
Und als Letztes: Demonstration der Begrenztheit unserer Logik. Hier passieren Sachen, die so verrückt sind, dass der Jerobeam wahrscheinlich an seiner eigenen Zurechnungsfähigkeit gezweifelt haben wird. Aber eins nach dem anderen. Wir fangen an mit den authentischen Vorbildern.
Da ist dieser junge Prophet. Der junge Prophet ist so, wie Jerobeam hätte sein sollen: kompromisslos, gehorsam und vertrauend. Da kann passieren, was wolle, er bleibt bei Gottes Befehl. Und selbst der König Jerobeam mit all seiner Macht und mit seinen Verführungskünsten, und er bietet schöne Geschenke, der Prophet bleibt bei dem, was Gott gesagt hat.
Und genau das ist diese Einstellung, die Gott so gerne von uns haben möchte: dass wir uns wirklich bedingungslos seiner Autorität unterwerfen, egal, ob es uns schmeckt oder nicht, was Gott sagt, aber dass wir so gehorsam sind. In Galater 1,8 steht: Aber wenn auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigte, außer dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben, der sei verflucht. Genau das wird gleich noch vor unsere Blicke treten, genau das passiert hier. Hier ist einer, der wie ein Engel den jungen Propheten verführt.
Aber zunächst mal hält der junge Prophet an Gottes Wort absolut fest. Und wenn wir mal gucken, er beruft sich immer auf das Wort des Herrn. Und die Bibel legt da so den Wert, weil es gerade der Kontrast ist zu dem, wie Jerobeam sich gerade entwickelt. Er, der seine eigene Einschätzung als mindestens gleichberechtigt zu Gottes Ansagen setzt, er kriegt jetzt hier einen jungen Menschen vor die Augen geführt, der so ganz anders handelt.
Vers 1: Er kam durch das Wort des Herrn, er rief durch das Wort des Herrn. Vers 2: Er gab das Zeichen durch das Wort des Herrn. Da steht: Der Altar, die Fettasche wurde vom Altar verschüttet nach dem Zeichen, das der Mann Gottes durch das Wort des Herrn gegeben hatte. Und auch in Vers 9 weigert er sich, berufend auf das Wort des Herrn, denn so ist mir durch das Wort des Herrn geboten und gesagt worden: Du sollst kein Brot essen, kein Wasser trinken und du sollst nicht auf dem Weg zurückkehren, den du gegangen bist.
Wir haben hier einige Bücher vorgestellt bekommen. Und ich glaube, ihr alle habt solche Vorbilder. Ich habe heute schon mehrfach meinen Vater erwähnt. Ich möchte ihn nicht zu viel loben, und trotzdem kann ich sagen, dass ich hier einen Menschen habe, wo ich sehe, dass er wahrscheinlich nicht mehr so viele Jahre vor sich hat und der versucht hat, mit Gottes Hilfe an Gottes Ansagen festzuhalten. Und ich sehe, was für ein Impact, was für eine Strahlkraft von seinem Leben ausgegangen ist.
Ich denke an so viele Biografien, die ich gelesen habe, und ihr kennt auch diese Menschen, diese Vorbilder. Und ich finde, dass jeder, der halbwegs ehrlich ist, solche Vorbilder hat und denkt: Das wäre so schön, wenn Gott mich am Ende meines Lebens, wenn ich über die Jahre so fest von Gott getragen werde, dass ich dann auch noch so stabil im Glauben stehe.
Und so wie der Jerobeam hier diesen Propheten sieht, der sich so verhält, wie er selbst sich hätte verhalten sollen, so ruft Gott dich auch auf, mal zu bilanzieren: Was für Menschen hast du kennengelernt? Wie hat sich ihr Leben entwickelt? Denk mal an die Leute, die dich geprägt haben. Wie schön ist das, wenn Gott so ein Leben bestätigen kann durch so einen großen Segen, wenn die Leute bereit waren, sich Gott zu unterwerfen.

Rückblick auf frühere Entscheidungen und ihre Folgen

Auf der anderen Seite steht das, was ich Deja-vu genannt habe: die erhobene Hand von Jerobeam, die in dieser Szene verdorrt. Er sagt: Greif den Propheten, weg mit dem. Und er kann seine Hand nicht mehr zurückziehen. Jerobeam selbst versteht das in dieser Situation nicht, aber uns wird es erklärt. Denn die Hand von Jerobeam war schon einmal vorher erhoben, und wir haben das heute schon gelernt. Vielleicht hat das ja schon jemand gemerkt.
In der ersten Predigt hatten wir das. Ich schlage noch einmal auf in 1. Könige 11,26. Zweimal wiederholt die Bibel das ganz am Anfang, als er noch der junge Mann war, der da über die Bauarbeiten von Salomo Regie geführt hat. Und da steht am Ende von Vers 26: Dieser Jerobeam war der Sohn der Zerua, einer Witwe, ein Knecht Salomos; auch er erhob die Hand gegen den König. Und dies war die Sache, warum er die Hand gegen den König erhob. Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen.
Zweimal sagt die Bibel, Jerobeam hat damals die Hand erhoben. Und der Unterschied ist, dass damals etwas passiert ist. Er war damals gehorsam, er hat sich damals dem Wort Gottes untergeordnet, und Gott konnte ihn benutzen, um etwas Gewaltiges zu realisieren.
Und ich glaube schon, dass Jerobeam in dieser Situation, als er jetzt da schreit: Greift den Propheten!, auf einmal merkt, ich habe nicht einmal mehr Gewalt über meine eigene Hand. Vielleicht wird er sich auch erinnert haben: Vor ein paar Jahren war das noch ganz anders, da hatte mein Leben noch Strahlkraft.
Und ich möchte euch hier fragen, und auch all diejenigen unter euch, die dazu neigen, zu relativieren, alles zu vermischen und Gottes Gedanken in Frage zu stellen: Was hat dir das an Mehrwert für dein Glaubensleben gebracht? Wie hat sich die Strahlkraft deines Lebens verändert? Würdest du wirklich sagen, dass dein Leben jetzt mehr geistliche Kraft ausstrahlt als damals, als du dich noch kindlich Gottes Anweisungen untergeordnet hast?
Und ich denke jetzt in diesen Momenten an einen Menschen, der ein guter Freund von mir war. Alle, die mich kennen, werden jetzt wissen, von wem ich spreche. Mit ihm habe ich jahrelang Freizeiten zusammen gemacht. Das war so ein charismatischer Mensch, der die Leute begeistert und geprägt hat, gespickt mit Talent, mit einer Aura, mit einer Attraktivität, mit Begabung. Und wie viele Jugendliche hat er in diesen Jahren geprägt und sie dazu motiviert, mit Gott zu leben.
Und dann fing das irgendwann an, dass man es an ganz kleinen Stellen merkte. Ich glaube, das müssen wir anders verstehen, die Bibelstelle, wir deuten sie zu konservativ. Und das hat von Monat zu Monat zugenommen, genau die Jerobeam-Tragödie.
Und dieser Mann ist heute geschieden, er lebt wirtschaftlich erfolgreich. Wenn ich ihn treffe, kommt er mir vor wie ein glanzloses Gesicht, total verlebt, keine Strahlkraft mehr. Und ich sage es euch: Wenn ich den sehe, könnte ich losheulen, weil das so emotional für mich ist, wenn ich überlege, wie war dieser Mann früher, wie ist er jetzt?
Vergleich mal die Vorbilder, die du hast. Überleg mal, wie dein Leben sich entwickelt hat. Was für einen positiven Effekt haben deine Weichenstellungen auf deine geistliche Kraft gehabt? Vielleicht hatte Jerobeam wirklich daran gedacht: Ich habe schon mal die Hand erhoben, und damals hatte ich noch Kraft. Und jetzt bin ich nicht einmal Herr über meine eigenen Gliedmaßen.

Der Tod des jungen Propheten und die Frage nach Gerechtigkeit

Und dann dieser verrückte Tod eines Gerechteren, das ist ja an Unverständlichkeit nicht zu überbieten. Stellt euch vor, dieser Jerobeam, der genau versteht: Okay, da ist einer, der hält sich an Gottes Wort. Der ist ganz anders als ich, und der ist unbestechlich. Er bleibt bei dem, was Gott gesagt hat. Und auf einmal kommt die Nachricht an Jerobeam: Jerobeam, hast du gehört, der junge Prophet ist tot.
Was wird Jerobeam in dieser Situation gedacht haben? Das muss so krass für ihn gewesen sein. Vielleicht hat er es gar nicht glauben wollen. Aber wisst ihr, was ich gedacht habe? Wenn du so überzeugt bist, dass du die Sachen richtig analysierst, dass deine Einschätzung so hoch zu gewichten ist und dass du dir anmaßst, wirklich Gott zu spielen, indem du Gottes Ansagen relativierst, dann frage ich dich: Warum muss der Gerechtere bei uns auch sterben?
Und das sagt Jesaja 53 ganz deutlich: Wir haben uns total verirrt. Unsere Art zu denken, unsere Arroganz, dieses „Wir verstehen es besser“, das hat uns komplett in die Irre geführt. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen Weg. Aber der Herr ließ ihn treffen, unser aller Schuld.
Ich bin mir ganz sicher, dass Jerobeam in der Situation denkt: Eigentlich hätte ich sterben müssen. Es ist völlig ungerecht, dass dieser junge Prophet stirbt und ich selbst hier noch stehe. Ich kann es nicht richtig verstehen. Jerobeam hätte tausendmal früher sterben müssen als dieser junge Prophet, weil dieser so viel richtig macht.

Der alte Prophet als widersprüchliche, aber lernfähige Figur

Und dann ist da dieser alte Prophet. Auf ihn will ich auch kurz eingehen.
Der alte Prophet ist menschlich gesprochen der Grund, warum der junge Prophet sterben muss. Ich habe eine Passage ausgelassen. Was passiert da? Vielleicht können wir das kurz lesen. Also noch einmal, damit wir jetzt nicht den roten Faden verlieren: Der junge Prophet hat alles richtig gemacht. Er hat gegen den Altar prophezeit, er hat Gottes Worte weitergegeben, er ist dabei geblieben: Nein, ich esse nicht bei dir, Jerobeam, denn Gott hat es mir verboten. Ich soll auf einem anderen Weg zurückkehren.
Und dann kehrt er zurück auf einem anderen Weg. Ein alter Prophet, der in Bethel lebt, hört von seinen Söhnen. Die sind wahrscheinlich dort in Bethel gewesen und haben diese spektakulären Zeichen mitbekommen. Sie erzählen ihrem Vater: Papa, du bist jetzt schon so ein alter Prophet, aber da unten in Bethel, da war heute ein ganz junger Prophet, und das war absolut krass, was der gemacht hat.
Der alte Prophet hört davon und sagt: Jungs, macht mir meinen Esel fertig, den möchte ich sehen, den Mann. Und dann lesen wir in Vers 12, 1. Könige 13,12:
Und ihr Vater sprach zu ihnen: Welchen Weg ist er gegangen? Und seine Söhne hatten den Weg gesehen, den der Mann Gottes gegangen war, der aus Juda gekommen war. Da sprach er zu seinen Söhnen: Sattelt mir den Esel! Und sie sattelten ihm den Esel, und er ritt darauf. Er zog dem Mann Gottes nach und fand ihn unter der Eiche sitzen und sprach zu ihm: Bist du der Mann Gottes, der aus Juda gekommen ist? Er sprach: Ich bin’s. Da sprach er zu ihm: Komm mit mir nach Hause und iss Brot.
Der junge Prophet wird jetzt stutzig, und erst ist er noch fest. Vers 16:
Er aber sprach: Ich kann nicht mit dir umkehren und mit dir hineingehen. Ich werde kein Brot essen und kein Wasser mit dir trinken an diesem Ort. Denn Gott hat mir gesagt, ich darf das nicht.
Vers 18:
Der alte Prophet sprach zu ihm: Auch ich bin ein Prophet wie du, und ein Engel hat zu mir geredet durch das Wort des Herrn und gesagt: Bring ihn mit dir in dein Haus zurück, dass er Brot esse und Wasser trinke.
Er belog ihn. Es ist einfach gelogen. Wer von uns wird den jungen Propheten jetzt verurteilen? So ein alter, erfahrener Gottesmann, und der Engel hat zu ihm gesprochen. Okay, Gott hat es mir so deutlich gesagt. Aber wenn er ihm das anders gesagt hat, da kehrte er mit ihm zurück und aß Brot in seinem Haus und trank Wasser.
Und dann, es ist wirklich ein total verrücktes Kapitel der Bibel, ergeht jetzt das Wort Gottes an den alten Propheten. Und dieser alte Prophet sagt jetzt dem jungen Propheten, obwohl er selbst schuld ist, er hat ihn verführt, er hat ihn angelogen:
So spricht der Herr: Ich bin in Vers 21 mitten im Satz. Weil du gegen den Befehl des Herrn widerspenstig gewesen bist und das Gebot, das der Herr, dein Gott, dir geboten hat, nicht gehalten hast, und bist umgekehrt und hast Brot gegessen und Wasser getrunken an dem Ort, von dem er zu dir gesagt hat: Iss kein Brot, trink kein Wasser, so soll dein Leichnam nicht in das Grab deiner Väter kommen.
Kurze Zeit später ist es passiert, wir haben es gelesen, Vers 23:
Es geschah, nachdem er Brot gegessen, nachdem er getrunken hatte, da sattelte er ihm, den der Prophet, den er zurückgebracht hatte, den Esel. Der junge Prophet zog fort, ein Löwe fand ihn auf dem Weg und tötete ihn.
Ein Kapitel voller Fragezeichen, das ich nicht ergründen kann. Was wird der alte Prophet gedacht haben? Er, der den jungen Propheten verführt hat, muss jetzt durch Gottes Wort ihm sagen: Du wirst nicht in Frieden sterben, weil du nicht auf Gott gehorcht hast.
Aber eine Sache kann ich sicher sagen: Der alte Prophet, so fragwürdig er erscheinen, so dubios seine Rolle sein mag, die er in diesem Kapitel spielt, eine Sache möchte ich doch an ihm loben: Er rafft es. Jerobeam rafft es nicht. Und guckt mal, wie der alte Mann sich entwickelt.
Das Erste, was er in dem Kapitel sagt, in Vers 18: Ein Engel hat zu mir geredet durch das Wort des Herrn. Stimmt das? Nein, das hat er sich ausgedacht. In Vers 20 ergeht das Wort des Herrn an den alten Propheten. Stimmt das? Ja, Gott spricht ja zu ihm. Der alte Prophet, bei allem, was wir ihm vorwerfen können, er erkennt, dass Gottes Wort sich bewahrheitet.
In Vers 26, als nun der Prophet, der ihn vom Weg zurückgeführt hatte, also der alte Prophet, es hörte, dass der junge Prophet jetzt tot ist, da sprach er: Das ist der Mann, der gegen den Befehl des Herrn widerspenstig gewesen ist, und so hat der Herr ihn dem Löwen preisgegeben. Letzter Absatz nach dem Wort des Herrn, das er zu ihm geredet hat.
Hier ist ein Mann, der total daneben ist, aber der rafft: Gott spricht, und Gottes Wort bewahrheitet sich. Und am Ende ist er sogar ein richtiges Vorbild und sagt in Vers 32: Der junge Prophet wird jetzt begraben. Und Vers 31 sagt der alte Prophet: Und es geschah, nachdem er ihn begraben hatte, der alte Prophet leitet also das Begräbnis von dem jungen Propheten, sprach er zu seinen Söhnen und sagt: Wenn ich gestorben bin, so begrabt mich in dem Grab, in dem der Mann Gottes begraben liegt. Legt meine Gebeine neben seine Gebeine.
Warum? Was für ein komischer Wunsch. Warum will er nicht in das Familiengrab, in das Grab seiner Vorväter? Die Begründung: Denn das Wort wird gewiss geschehen, dass er durch das Wort des Herrn ausgerufen hat gegen den Altar, der in Bethel ist, und gegen alle Höhenhäuser, die in den Städten Samariens sind.
Das heißt, der alte Prophet hat es gerafft. Bei ihm ist total etwas passiert im Kopf. Und er merkt: Erst erfinde ich etwas, meine eigene Fantasie, und ich habe Gott gebraucht. Dann hat Gott zu mir gesprochen, und ich merke: Gottes Wort realisiert sich. Und am Ende unterwirft er sich Gottes Wort und rechnet fest damit: Dieser junge Prophet hat etwas gesagt, was passieren wird. Da wird ein König Josia kommen, der wird die Knochen von dem Baalspriester verbrennen, und ich bin mir ganz sicher, dass sich das erfüllen wird. Und er baut seine ganze Lebenszukunft auf dieser Aussage Gottes.
Warum stirbt der junge Prophet und der alte nicht? Ich verstehe es nicht. Und trotzdem ist der alte Prophet lernfähig.

Die Grenzen menschlicher Logik und die letzte, harte Konsequenz

Und dann kommt noch das letzte Paket: die Demonstration der Begrenztheit unserer Logik. Wir schnuppern mal in den Königspalast hinein.
Malachi, ein Bote des Königs, kommt herein und redet zu Jerobeam: „Eure Majestät, melde untertänigst wichtige Neuigkeiten.“
Jerobeam: „Was ist passiert? Ich wünsche dir um deiner selbst willen, dass du mir eine gute Botschaft bringst. Schlechte Dinge habe ich heute schon genug erlebt.“
„Eure Majestät, der junge Prophet, der heute in Bethel aufgetreten ist, ist tot.“
„Das kann nicht sein. Was ist denn passiert?“
„Ein Löwe hat ihn getötet.“
„Eure Majestät, es gibt dann noch etwas.“
„Was denn jetzt schon wieder? Hat sich denn wirklich heute das ganze Schicksal gegen mich verschworen?“
„Malachi, der Löwe, der den Propheten getötet hat, steht neben dem Leichnam und dem Esel des Propheten und rührt nichts davon an.“
„Sag mal, willst du mich für dumm verkaufen, du kleiner, nichtiger Mistkerl? Ich bin nicht komplett verblödet und kann sehr wohl logisch denken. Ein Löwe würde über Frischfleisch herfallen, egal ob von einem Leichnam oder von einem Esel.“
„Eure Majestät, Sie können sich selbst davon überzeugen. Der Löwe und der Esel stehen auf der Hauptstraße von Bethel zurück nach Judah.“
„Los, ihr nichtsnutzigen Rebellen, spannt mir den Wagen an! Malachi, eins sage ich dir: Sollte sich deine Geschichte als Fake herausstellen, wird dein Fleisch als Frischfleisch für das königliche Löwengehege dienen.“
Stand nicht in der Bibel. Aber irgendwie so wird es gewesen sein.
Das heißt, Jerobeam kriegt jetzt diese Nachricht. Dieser Mann, der so hohes Gewicht auf seine eigene Einschätzung legt, der so gut strategisch denken kann, der die Sachen so gut durchschaut, der genau weiß, wie er sich verhalten muss, damit das Volk bei Laune bleibt, der muss jetzt auf einmal schlucken, dass seine komplette Logik nicht mehr funktioniert.
Ja, ein Löwe wird sich auf einen Esel stürzen. Das ist sogar bis heute noch so. Ja, ein Löwe wird einen menschlichen Leichnam zerreißen. Ja, ein Esel würde vor einem Löwen fliehen. Ja, Löwe und Esel würden normalerweise nicht tatenlos zuschauen, wie ein alter Prophet kommt und den Leichnam wegnimmt. Und trotzdem passiert das hier.
Und Gott knallt dem Jerobeam im Grunde vor Augen: Deine tolle Logik kommt an ihre Grenzen.
Wir haben gerade in der Pause schon darüber diskutiert, hier mit einer jungen Dame, und ich denke, dass das bei uns auch ankommen muss: Wenn es eine Erkenntnis in den letzten hundert Jahren gegeben hat in den Naturwissenschaften, dann ist es genau das. Deine Logik kommt an ihre Grenzen. Das hat die Quantenphysik mehr als deutlich bewiesen. Ich habe euch ein paar Zitate mitgebracht.
Das heißt, unsere Arroganz, dass wir denken: Meine Einschätzung und meine Intelligenz ist so hoch zu wichten, und wenn mir das nicht logisch vorkommt, dann muss ich das relativieren. Da würde ich sagen: Die Wissenschaft hat bewiesen, dass diese Art zu denken komplett falsch ist.
Also ein paar Zitate. Das sind jetzt alles Nobelpreisträger der Quantenphysik.
Das Gegenteil einer richtigen Aussage ist eine falsche Aussage, aber das Gegenteil einer tiefen Wahrheit kann sehr wohl eine andere tiefe Wahrheit sein.
Das heißt, unsere Entweder-oder-Logik, die wir so gerne lieben, funktioniert in der Quantenphysik nicht mehr.
Anton Zeilinger, vor zwei Jahren hat er den Nobelpreis gekriegt, sagt: Der Zufall existiert und lässt sich nicht erklären. Was meint er damit? Er sagt damit, es passieren Sachen, die wir nie erklären werden können. Wir wissen nicht, warum die Quantenteilchen sich so verhalten. Wir können Wahrscheinlichkeiten angeben, dass das und das passieren könnte. Aber was passieren wird und warum es passieren wird, das können wir Menschen nicht erkennen. Und zwar nicht: Wir können es noch nicht, sondern: Wir werden es nie verstehen können. Das ist momentan die Position der Größen der Physik.
Die Bewegung der Teilchen folgt nicht mit Notwendigkeit exakten Gesetzen, sondern es heißt eine Tendenz, die durch die Wahrscheinlichkeit bestimmt ist. Daher ist die Kausalität in der bisherigen Form aufgegeben.
Die Bahn eines Elektrons kommt erst dadurch zustande, dass wir es beobachten. Das ist noch unglaublicher. Die Wissenschaftler wissen mittlerweile in der Quantenphysik: Wenn du ein Quantenteilchen beobachtest, verändert es durch die Tatsache des Beobachtens und Messens sein Verhalten. Das heißt, wenn du die Kameras ausstellst und es nicht mehr beobachtest, wird das Quantenteilchen sich anders verhalten, als wenn du es anguckst. Kommt einem unglaublich vor, ist aber so.
Das heißt, deine Beobachtungsgabe, deine Einschätzung verändert schon die Realität. Das sagt die Quantenphysik. Wieso baust du dann dein ganzes Lebenskonstrukt auf deiner Einschätzungsgabe?
Es gibt keine scharfe Grenze zwischen dem Phänomen und den Beobachtungsinstrumenten. Damit verlieren die klassischen Begriffe der Kausalität, der Bestimmtheit ihre unmittelbare Geltung.
Und letztes Zitat: Wenn die Quantenmechanik richtig ist, dann ist die klassische Logik als Universallogik falsch. Die Logik der Quantenmechanik ist keine klassische Logik, also nicht die Entweder-oder-Logik, die du benutzt und die ich benutze.
Das sagen die Wissenschaftler heute. Ich frage dich: Wenn die Wissenschaftler das schon erkannt haben und du als Christ sogar eigentlich glaubst, dass Gott die Wahrheit sagt, warum machst du dir dann an, deine Intelligenz so hoch zu gewichten und deine Einschätzung?
Noch ein Nobelpreisträger, ganz einfaches Experiment, Doppelspaltexperiment. Richard Feynman sagt: Welcher Mechanismus steckt dahinter? Niemand weiß es. Niemand kann eine tiefere Erklärung dieses Phänomens geben.
Und mir kommt das so vor, als wäre es uns rationalen Wesen so einfach gemacht worden wie Jerobeam. Okay, er hält viel von seiner Einschätzungsgabe, aber es ist nun mal hier etwas passiert. Und er spannt seinen Wagen an, und er sieht: Der Löwe steht da. Der Esel steht da. Der Leichnam steht da. Und da passiert nichts. Ich kann es nicht verstehen, aber ich muss es akzeptieren.
Ja, so weit sind wir jetzt auch in der Wissenschaft. Da passieren Sachen, die kannst du mit deiner Logik nicht mehr erklären. Aber dann demütige dich doch bitte unter Gottes Souveränität und akzeptiere, dass unsere Logik an ihre Grenzen kommt.
Wie wird Jerobeam reagieren? Mindestens sieben knallharte Warnungen, die deutlicher nicht sein könnten. Und das ist absolut frustrierend.
Vers 33: Nach dieser Begebenheit kehrte Jerobeam nicht um von seinem bösen Weg. Er machte wieder aus dem gesamten Volk Priester der Höhen. Wer Lust hatte, den weihte er, dass er ein Priester der Höhen würde. Und diese Sache wurde dem Haus Jerobeam zur Sünde und zur Vertilgung und zur Vernichtung vom Erdboden weg.
Nochmal: Die letzte Perspektive der letzten Predigt wird schön und motivierend sein. Aber lass uns jetzt hier wirklich mit diesem sehr, sehr tragischen und traurigen Gedanken enden.
Du bekommst nicht unendlich viele Möglichkeiten. In 1. Könige 14 ist es bereits zu spät. Und nimm bitte Gottes Warnung ernst.