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Von der Vorschule bis zur Vorpubertät

Jesaja 1,225.11.1992
Liebevolles, praxisnahes Handbuch aus christlicher Perspektive: Wie gelingt Erziehung, die Kinder stark und Familienbeziehungen warm macht? Erfahrungsberichte, biblische Grundsätze und viele leicht umsetzbare Tipps für das Miteinander im Familienalltag – vom spielerischen Lernen, über Regeln und Grenzen bis hin zum gemeinsamen Glaubensleben. Ein wertvoller Begleiter für Eltern, die Wert auf Geborgenheit, Struktur und Herzensbildung legen

Einleitende Hinweise und vorgestellte Arbeitsgrundlagen

Also, ich möchte ganz zu Beginn Bücher vorstellen, die ich bei den Vorbereitungen benutzt habe und die ich für sehr wertvoll erachte. Zwei habe ich, also ich habe noch nicht alle ganz durchgelesen, aber die, die ich durchgelesen habe, die sind wirklich für mich eine wertvolle Hilfe gewesen. Das sind vor allem die Mühlan-Bücher.
Ich finde es einfach an dem Ehepaar Mühlan so toll, dass sie Anteil geben an ihrem Leben. Und ihr wisst ja selber: Man lernt von Vorbildern, von solchen, die schon positive Erfahrungen gemacht haben. Da sagt man: Oh ja, das übernehme ich in meinem Erziehungsalltag, oder das übernehme ich nicht. Und da muss ich sagen, da habe ich von Mühlan wirklich so viel gelernt.
Und da will ich noch einmal nachholen vom letzten Mal: Kleinkinderziehung, das Buch Bleib ruhig, Mama. Einige von euch kennen es vielleicht schon. Ihr habt ja auch den Vortrag nach dem Buch aufgebaut. Und dazu noch den James Dobson, der christliche Familienratgeber. Der geht so vom Babyalter bis zum Greisenalter. Es ist wirklich ganz fein im Frage-Antwort-Stil aufgebaut, also wirklich ganz fein zum Lesen.
Heute beschäftigen wir uns da mit dem Alter Vorschule bis Vorpubertät. Da kommt das Buch sehr zum Tragen: Ist was, Mama? Habe ich auch mit viel Gewinn gelesen. Es ist eben so praktisch, und heute wollen wir ja ganz besonders ganz praktisch werden.
Und dazu das Buch Papa rückt die Scheine raus. Das ist auch ganz fein, Umgang mit Geld bei den Kindern. Und das Neue, ich weiß nicht, ob das schon jemand kennt, aber das finde ich auch wichtig: Mama, Papa hat gesagt. Der Umgangston in der Familie, also das sollte man auch unbedingt einfach mal gelesen haben, es geschwind bald durchgelesen. Die Preise, die stehen dann hinten drauf, also das kann ich auch gut empfehlen.
Und dann sage ich schon mal: Ich werde es aber nächstes Mal noch einmal wiederholen. Für die Teenager ist dann das Buch sehr gut: Vergiss es, Mama. Das habe ich auch mit viel Gewinn gelesen. Und für die Teenager selbst, zwischen zwölf und siebzehn, auch ganz fein als Vorbereitung für das Teenageralter.
Und zur sexuellen Aufklärung, auf das Thema gehe ich dann nächstes Mal tiefer ein, eben die Aufklärungsmöglichkeiten, da empfehlen wir Mühlan: Aufklären, aber wie? und Unserem Kind zuliebe. Die habe ich jetzt noch nicht gelesen, habe nur eben das, was Mühlan schon daraus entnommen hat, auch wieder übernommen. Aber das ist sicher eine Pflichtlektüre auch in der Kindererziehung, denn ich bin so dankbar, dass wir jetzt in einer Generation leben, wo man wirklich so offen auch über diese Dinge sprechen kann.
Ihr wisst vielleicht von euren Eltern her, ob ihr überhaupt aufgeklärt worden seid oder gar nicht so reingestolpert seid, auch im Jugendalter. Also von mir muss ich so sagen, und da bin ich so dankbar, dass man auch Hilfsmittel kriegt, wie man Kindern einfach diesbezüglich Hilfe mitgeben kann.
Also die Bücher, die kann ich sehr empfehlen, das zu Beginn.

Warum der Blick auf frühere Jahre wichtig bleibt

Nächste Vorbemerkung:
Gerade wir werden jetzt sagen: Ja, Silvia, was willst denn du gerade bei dem Thema sprechen? Du hast ja noch gar kein Kind in der Vorschule und noch kein Kind bis hin zur Vorpubertät. Da will ich einfach sagen: Ich verstehe mich gerade heute Abend mehr als Sprachrohr der Leute, die eben schon gute Erfahrungen gemacht haben. Und die haben ja selber am meisten gelernt. Also, für den Vortrag habe ich, glaube ich, 20 Stunden gebraucht, aber ich habe dadurch auch selbst sehr viel gelernt.
Eine zweite Vorbemerkung noch dazu:
Wenn ihr jetzt sagt: Na gut, ich habe auch kein Kind mehr in diesem Alter, dann ist mir beim Nachdenken darüber wichtig geworden, dass Gott vielleicht auch manches noch aus der Vergangenheit mit uns aufarbeiten will. Dass man auch über Dinge, die schon gelaufen sind, noch einmal nachdenkt und auch denkt: Mensch, da habe ich versagt, Herr, vergib mir. Das ist ein geistliches Prinzip, das Wilfried und ich immer wieder neu im Leben entdeckt haben: Durch Buße beginnt, also kann Gott neu segnen. Auch wenn das schon zwanzig, dreißig, fünfzig Jahre zurückliegt.
Und von daher möchte ich euch auch bitten, den Vortrag vielleicht ein bisschen unter diesem Aspekt zu hören: Wenn die Kinder schon größer sind, habe ich da Fehler gemacht? Und vielleicht sogar das Kind um Verzeihung bitten und auch Gott um Vergebung bitten, wo einem Dinge wirklich bewusst werden, wo man heute am Kind die Folgen sieht und wo man merkt: Da habe ich wirklich versagt.
Das möchte ich einfach als Vorbemerkung sagen. Und weil das Eheleben oder das Familienleben vom Eheleben ja überhaupt nicht zu trennen ist, muss ich einfach am Anfang auch noch ein paar Sätze zur Ehe sagen.

Ehe als tragendes Fundament des Familienlebens

Hier eine Studie, die euch vielleicht ein bisschen erschrecken wird. Ihr seht da einen enormen Abfall. Diese Skizze zeigt die Zufriedenheit der Partner in der Ehe. Könnt ihr sehen, geht so? Und ihr stellt fest: Schon beim ersten Kind geht der Grad der Zufriedenheit enorm bergab, unwahrscheinlich. Da bekommt die Beziehung schon den ersten großen Dämpfer, und nach dem Schaubild erreicht sie beim Zusammenleben mit Teenagern ihren Tiefpunkt. Und wenn die Kinder dann aus dem Haus sind, rappeln sich die Ehepaare wieder zusammen, aber so schön wie am Anfang scheint es eben nie wieder zu werden.
Kürzlich hat mir eine Mutter mit mehreren kleinen Kindern gesagt: Ein Kind noch, das wäre der Tod meiner Ehe. Ich komme dann noch darauf zu sprechen, warum. Ja, warum ist es so? Ich muss einfach auch aus unserer ehelichen Beziehung sagen: Da kommen erst die unterschiedlichen Prägungen aus dem eigenen Elternhaus, die eigenen Charakterschwächen, die eigenen Wertvorstellungen kommen ja erst im Familienleben so richtig zum Tragen, wenn dann eben die Meinungen so auseinandergehen. Und ich muss ehrlich sagen, ich habe, als ich allein gelebt habe, mein boshaftes Herz lange nicht so erkannt, als dann in der Ehe, und jetzt, zu viert, bin ich manchmal richtig erschrocken darüber, wie verderbend, wie schlecht und wie böse es sein kann.
Ja, und von daher merken wir einfach, dass Ehe und Familie nicht voneinander zu trennen sind. Und warum ist das so? Weil es eben immer zusätzlichen Konfliktstoff gibt. Da geht es um die Disziplinierung der Kinder. Der eine ist zu weich, der andere ist zu streng, der ist zu nachlässig, der ist zu pingelig. Und so gibt es dann immer diesen Kleinkrieg, und der muss immer wieder miteinander aufgearbeitet werden, und das stört die Harmonie der Ehe ungemein.
Oder es geht um die Aufgabenteilung. Jetzt muss ich was aus der Schule plaudern: Mein Mann hat, ich habe morgen gesagt: Ach Silvia, bitte tu mir nicht so loben vor den anderen, weil ich letztes Mal ihn zweimal so lobenswert erwähnt habe. Er hat gesagt, die kriegen ein ganz falsches Bild von mir. Und da habe ich gedacht, na, dann will ich heute auch mal eine kleine Schwäche präsentieren. Und zwar, wenn es gerade um Aufgabenteilung geht: Männer brauchen nämlich oft recht lange, bis sie ihre biblische Verantwortung als Haupt in der Familie wahrnehmen und ihre Frauen von bestimmten Dingen entlasten.
So ist bei uns der praktische Bereich so ein bisschen ein Pferdefuß hinten. Da habe ich schon manchmal geklagt, dass mein lieber Mann eben in der Gemeinde den Schutt ausräumt und praktisch tätig ist, zehn, zwanzig, dreißig Stunden, und daheim funktionieren halt die Sachen nicht. Da muss ja auch etwas verändert werden. Aber jetzt im Urlaub hat er sich eine Liste gemacht mit den Dingen, die eben auch daheim dran sind. Das ist schon nur Fortschritt. Aber auch das sind Dinge, die dann wirklich auch zu Reibereien führen können. Oder dann die Verwaltung der Finanzen: Der eine ist knausrig, der andere ist großzügig. Ständig gibt es dann auch im Umgang mit dem Geld der Kinder oder dann die Elternabende. Wer überwacht die Hausaufgaben? Ständig Konfliktstoff in der Ehe, eben eigentlich wegen der Kinder, sodass manche schon sagen: Ohne Kinder waren wir glücklicher.
Das ist mir so wichtig, dass wir das vorher miteinander besprechen. Machen wir uns ganz neu bewusst, dass das Klima einer harmonischen, von Wertschätzung getragenen Ehebeziehung eines der besten Dinge ist, mit denen Kinder aufwachsen können. Das heißt: Zuerst ist die Ehe dran, und dann kommt die Familie. Deswegen ist es auch so wichtig, die Zweierbeziehung immer wieder zu pflegen, immer wieder auch für romantische Momente zwischendurch zu sorgen. Man braucht Zeit füreinander, für aufrichtige Gespräche und auch zur gemeinsamen Entspannung. Man muss mal abschalten können, auch mal vergessen für ein paar Stunden, dass man Kinder hat. Ja, es muss einfach mal sein, das Zusammenleben, auch das erotische Zusammenleben, mit dem Mann mal genießen zu können.
Und ich möchte euch jetzt zwei Listen mitgeben. Einfach, das ist mir so wichtig: Es ist wichtig, dass wir an unseren Ehen arbeiten. Wir müssen auch ständig an unseren Ehen arbeiten. Wir haben auch schon Krisen durchlebt, und da gebe ich euch so ein Blatt mit und bitte euch wirklich, also die Verheirateten, aber auch die, die die Ehe noch vor sich haben, so alle halbe Jahr mal dieses Blatt in die Hand zu nehmen. Da stehen zwölf goldene Eheregeln drauf und wie ich meinen Ehestand überprüfen kann. Da sind dann so Punkte, da kann ich dann praktisch selber eintragen: Oh, da ist es ganz schlecht, in dem Bereich ist es besser. So haben wir unsere Schwachstellen in unserer Ehe immer wieder diagnostiziert, und dann haben wir gesagt: Gut, an der Stelle müssen wir noch arbeiten. Nur nicht aufgeben und kapitulieren.
Das wäre das Schlimmste, denn die Kinder gehen aus dem Haus, die haben wir 20 Jahre, so Gott will, in unserer Familie, ja, aber dann sind wir wieder auf uns gestellt. Es darf uns nicht passieren, dass wir uns auseinandergelebt haben und sich eben alles nur um die Kinder dreht und die Ehebeziehung irgendwo auf der Strecke bleibt. Von daher: Das hängt euch irgendwo hin, wo ihr es wirklich immer wieder lesen könnt, und bitte arbeitet an eurer Ehebeziehung. Das möchte ich euch so ans Herz legen. Es gehen so viele christliche Ehen auch auseinander, da hat der Feind auch Macht, und das darf man nicht zulassen. Aber es muss auch an der Ehebeziehung gearbeitet werden.
Wilfert hat auf einer seiner Mappen einen wunderbaren Satz stehen. Ich lese ihn noch mal vor: Das Beste, was ein Vater für seine Kinder tun kann, ist, ihre Mutter zu lieben. Ja, ich wiederhole es noch mal für die Kassette: Das Beste, was ein Vater für seine Kinder tun kann, ist, ihre Mutter zu lieben.

Grundhaltung und Grenzen der Erziehung

Dann noch eine Bemerkung: Wir haben eben jetzt über die Kleinkinderziehung gesprochen, heute ist die Vorschule bis vor die Pubertät dran, und nächstes Mal geht es um die Pubertät. Wilfried und ich betonen schon sehr, wie wichtig es ist, eine von der Bibel her geprägte Erziehung zu haben.
Und trotzdem, das will ich auch vorwegnehmen: Eine gute Erziehung ist noch keine Garantie dafür, dass unsere Kinder gute Menschen werden, und auch eine christliche Erziehung ist keine Garantie dafür, dass unsere Kinder gläubig werden. Das ist ganz, ganz wichtig. Da will ich denen widersprechen, den Vertretern des Behaviorismus, der Traumtheorie und der Psychoanalyse, die das übersehen, dass das Kind einen eigenen Willen hat und selbst auch eine ganz aktive Rolle in seiner Entwicklung mitspielt.
Ich habe schon manchen Müttern zum Trost gesagt, und wer eine Bibel hat, kann es jetzt mit aufschlagen: In Jesaja 1,2 steht, dass Gott Kinder. Er sagt von seinem Volk Israel: Ich habe Kinder großgezogen, und sie sind von mir abgefallen. Der beste Pädagoge, den es auf der Welt gibt, ist der himmlische Vater. Der macht gar keine Fehler, nicht einen. Und er hat mit viel, viel Liebe sein Volk großgezogen, das Volk Israel. Und was steht da? Sie sind von mir abgefallen. Er hat sie dann immer wieder gestraft, immer wieder versucht, zurückzuführen, aber sie wollten nicht. Sie wollten ihren eigenen Weg gehen. Und vor dem Willen des Menschen macht Gott auch Halt, ja. Deswegen ist eben nicht jeder gerettet, nicht jeder gläubig, den akzeptiert Gott.
Und von daher ist mir ganz wichtig: Eltern üben nicht den größten Einfluss auf ihre Kinder aus, und sie tragen auch nicht alle Verantwortung für missratene Kinder. Es gibt also keine Garantie dafür, dass Kinder nicht eigenwillige Wege gehen oder rebellieren. Und was soll uns diese Ohnmacht bei uns bewirken? Diese Ohnmacht soll uns ins Gebet treiben. Erziehungsarbeit ist Kniearbeit. Das hatte ich nie so gedacht, aber das ist mir so wichtig geworden, dass wir für unsere Kinder täglich beten. Täglich. Ich komme dann später noch ein bisschen darauf.
So, jetzt seid ihr kurz dran, wollen wir aber ganz schnell machen, den Teil. Wir haben das letzte Mal schon kurz eine Liste zusammengestellt: Freuden dieses Alters zwischen sechs bis zwölf oder fünf, fünfeinhalb bis elf, so eben gerade so vor die Pubertät hin, Freuden dieses Alters und Lasten dieses Alters. Ja, sei so lieb. Ganz schnell wollen wir ein paar Punkte sammeln. Kommt, sagt es einfach raus.
Freuden dieses Alters: Selbständigkeit, gut, dann kriegt es Lob, die Lernfähigkeit, dass man jetzt wirklich mit dem Kind viel erarbeiten kann, Mithilfe, genau, auf das komme ich dann auch zu sprechen, in dem Alter gebt dann das in der Zeit schon rum, Erziehungsfähigkeit, ja, Freundschaften schließen und eben auch, so zu den Eltern wächst ein Vertrauensverhältnis, das vorher vielleicht noch nicht so rauskommt. Mir ist das nämlich so wichtig. Meistens fallen uns ja die negativen Sachen immer zuerst ein. Bei jedem Alter stöhnt man über bestimmte Dinge, und da möchte ich einfach auch jedes Alter so bewusst machen mit seinen Freuden und wirklich auch mit seinen Vorteilen. Jedes Alter hat schöne Seiten und auch schwere. Begeisterungsfähig. Ich finde auch, dass dieses Alter besonders lenkbar ist noch, lenkbar, auf das kommen wir dann auch noch. Da kann ich so viel noch prägen. Im Teenageralter ist das schon fast vorbei. Man kann auch so viel als Familie zusammen unternehmen, ganz wichtig, das ist die Chance in dem Alter. Obwohl wir eigentlich gehört haben, dass gerade im Teenageralter das dann ... Aber das stimmt, die Kinderbekehrungen finden in dem Alter auch statt.
Gut, dann gehen wir zu den Lasten dieses Alters. Keine Lasten, wunderbar! Habt ihr keine Probleme mit Disziplin in dem Alter und einfach mit Beständigkeit? Also ich glaube, in dem Alter ist vielleicht gerade dieser Gewöhnungsprozess, dass Kinder wirklich dann konstant bei bestimmten Aufgaben bleiben, das kostet in der Phase für die am meisten Kraft. Das kann zermürbend werden. Und ich denke vielleicht können wir scheinbar Durchhaltevermögen. Und dann glaube ich auch diese Konfrontation mit der Schule, die kommt ja da jetzt das erste Mal so dran auch. Und wenn man dann nicht so ein begabtes Kind hat, kann das ganz schön nervig sein dann. Also der Schulalltag, finde ich, kann da schon ganz schön belastend sein, kommt zwar dann im Teenageralter noch massiver, kann kommen, ja. Lärm, laut, ja, ja, sie sind so aktiv, ja, ja, sie sind sehr aktiv in dem Alter, und es ist viel Umtrieb in der Familie. Ja, Lärm! Gut! Streitsüchtig, ja. Und ich glaube, in dem Alter checken sie es auch schon viel besser, wie sie sich so durchschlängeln können und wo auch das Lügen mal und die Dinge dann schon anfängt, auch, wie soll man sagen? In der ersten Zeit, so bis fünf Jahren, hatte man da nicht so Probleme, aber da kommt dann auch das sündige Verhalten. Sie wissen genau, wie sie uns auch als Eltern austricksen können, gegeneinander ausspielen. Das kommt in dem Alter schon so richtig zum Tragen. Und richtige Gemeinheiten, auch Kinder können so auch böse sein, auch gerade Schwächeren gegenüber, das kommt auch in dem Alter heraus.
Gut, aber ich glaube, wir haben eine ausgewogene Palette, gell?

Das Fundament von Liebe und Geborgenheit

Herr Präsident! Ich lege gleich die nächste Folie auf. Ich möchte jetzt also bei dem, was ich im Folgenden sagen werde, den Aufbau verwenden, den Wilfried eben bei seinen Grundsatzreferaten verwendet hat, und zwar das Fundament der bedingungslosen Liebe und Geborgenheit im Erziehungshaus, dann das Zusammenleben mit Unterweisungen und klaren Regeln gemäß Gottes Wort und dann die elterliche Überwachung mit Konsequenz und Disziplin.
Ihr habt jetzt ein Arbeitsblatt vor euch. Ihr könnt also das vollschreiben, da ist eben nur die Gliederung drauf.
Also: Wie baue ich das Fundament Liebe und Geborgenheit in dieser Altersspanne weiter aus? Wir haben ja schon damit begonnen im Kleinkindalter. Und wie geht es jetzt weiter?
Das Wichtigste dabei wird sein, dass ich auf eine harmonische Familienatmosphäre achte. Was gehört dazu? Miteinander Spaß haben, es muss gelacht werden. Gerade in dem Alter ist dieses fröhliche Zusammensein so wichtig. Mama und Papa müssen auch mal herumtollen können. Und dann die Achtung und Wertschätzung, die die Eltern den Kindern zeigen, aber auch eben die Kinder den Eltern.
Bei einem gesunden Familienklima wird viel erzählt, viel Ermutigung und Anerkennung ausgesprochen. Und es wird auch viel geschmust, also viel körperliche Zuwendung gegeben.
So kurz umrissen: Die Familienatmosphäre soll positiv, harmonisch sein. Und dazu können wir drei wichtige Pfeiler verwenden, die damit helfen, dass eine Atmosphäre der Liebe und Geborgenheit geschaffen werden kann. Und da ist der wichtige Punkt: Nimm dir Zeit.
Als Erstes denk an deine Miterzieher. Wir müssen uns vor Augen halten, dass in dem Alter nicht nur die Eltern Einfluss auf das Kind ausüben wie in den ersten Jahren. Da haben wir sie ganz für uns. Sondern es gibt viele, viele Miterzieher: der Kindergarten ganz massiv, dann der Spielkreis, die Schule, der Sportverein, die Klassenkameraden, die Freunde, Zeitschriften, Schallplatten, Fernsehen, Kino, Werbung. Sie alle räumen sich das Recht ein, unserem Kind Werte und Normen mitzugeben.
Und vielleicht müssen Sie manche Eltern fragen: Wer erzieht und beeinflusst unsere Kinder eigentlich mehr, wir zuhause oder die anderen? Man müsste sich mal in einer ganz normalen Arbeitswoche die Stunden abhaken, die man tatsächlich mit seinem Kind verbracht hat, wo man mit dem Kind geblödelt, gescherzt, gebastelt, repariert oder einfach miteinander gekuschelt hat.
Weil Kinder einem ständigen Entfremdungsprozess von den Eltern ausgesetzt sind, muss ein Lebensrhythmus gefunden werden, bei dem die Kinder eben nicht so kurz kommen. Das ist wirklich etwas, was mir tief zu Herzen gegangen ist: einen Lebensrhythmus finden, wo die Kinder mit eingeplant sind, nicht nur immer nebenher laufen. Es gibt immer mal Phasen, ich komme auch darauf zu sprechen, wo es mal vorübergehend ein bisschen so sein wird, aber es darf nicht ein Dauerzustand sein.
Jetzt fragt ihr mich, wie viel Zeit braucht eigentlich ein Kind? Die Antwort ist einfach: so viel, dass es ausgeglichen ist und sich wohlfühlt. Das ist von Kind zu Kind verschieden. Aber es gibt bestimmte Symptome, die auf Zeitmangel zurückzuschließen sind. Da habe ich aus Isfas Mama folgende Symptome aufgeschrieben:
Wenn ein sonst aufgeschlossenes Kind plötzlich bedrückt und schweigsam wird, wenn es viel nörgelt und sich beschwert, oft allein zu sein, wenn es seine Geschwister oder Haustiere ärgert, um Aufmerksamkeit zu bekommen, und sei es nur den Ärger seiner Eltern – das habe ich oft auch in der Schule gehabt. Die aufmüpfigen Kinder, die haben im Grunde nur meine Zuwendung gesucht.
Ja, dann wenn es sich zu viel mit anderen auf der Straße herumdrückt und keine Kommunikation mehr da ist, wenn es nicht abwarten kann, weil es zu oft enttäuscht worden ist, und wenn es bei einem Besuch ständig in den Vordergrund drängt und laufend ins Wort fällt.
Ich muss sagen, ich habe diese Phase bei Benjamin auch immer wieder beobachtet. Gerade bei uns in besonderen Anspannungszeiten, war es die Geburt, waren es die Umzüge oder Krankheit, da war Benjamin oft ganz besonders aggressiv und knatschig, auch wenn ich drei, vier Nachmittage Besuch hatte. Ich muss einfach sagen, das habe ich überdacht und habe daraus Konsequenzen gezogen.

Zeit, Aufmerksamkeit und verlässliche Nähe

Gut, dann drittens: die täglich konzentrierte Aufmerksamkeit. Natürlich sind auch da die Väter gefordert. Ein Vater nimmt sich vielleicht die erste Stunde nach Feierabend, also von fünf bis sechs, Zeit, um sich den Kindern zu widmen und seiner Frau einmal eine Entspannungsphase zu gönnen. Andere Väter bringen ihre Kinder mit einer ausgedehnten Zeremonie ins Bett, mit Vorlesen, Kuscheln, Singen und Beten. Bei Selbständigen ist es vielleicht der Morgen. Bei Reichsgottesarbeitern, hat Wilfert schon einmal erwähnt, ist es oft nach dem Mittagessen.
Wichtig ist, dass man dem Kind konzentrierte Aufmerksamkeit widmet. Und wenn die Zeit begrenzt ist, dann ist es umso wichtiger, sich Ziele für diese Zeit zu setzen. Einfache Vorsätze wie: Ich möchte jetzt mehr von meinem Kind erfahren. Ich möchte ihm ins Herz schauen. Ich möchte wissen, was es zurzeit liest, was sein Schwimmerschweinchen macht und wie es seinen Freunden geht.
Je kürzer die Zeit ist, desto aufmerksamer und intensiver muss das Zusammensein gestaltet werden. Da nützt es nichts, wenn ich vor dem Fernseher sitze und sage: Ja, ich beschäftige mich mit dem Kind, und das Kind spielt heute daneben mit den Bauklötzen. Oder ich lese die Zeitung. Das ist keine konzentrierte Aufmerksamkeit. Ja, das ist höchstens Überwachungsdienst, aber keine konzentrierte Aufmerksamkeit.
Das Kind muss unbedingt spüren: Mein Vater und meine Mutter, sie nehmen sich Zeit für mich. Das Kind braucht Zeiten mit uns, in denen wir nichts von ihm erwarten. Momente, in denen wir nur aus Freude miteinander zusammen sind, ohne Ermahnung, Korrektur und Lernziele.
Dann die versprochene Zeit. Was ist, wenn man gerade dem Kind verspricht: Du, jetzt spiele ich mit dir oder jetzt baue ich etwas mit dir, und dann kommen die Anrufe und die Überraschungsbesuche? Was macht man da? Mir ist es kürzlich auch wieder so passiert. Ich habe gerade Benjamin versprochen, vor dem Zu-Bett-Gehen noch etwas mit ihm zu bauen, und dann kamen zwei Anrufe. Zum Glück waren die recht kurz, aber dann klingelte es an der Tür, und unser lieber Reinhard stand da und wollte länger mit mir sprechen.
Jetzt habe ich gedacht: Ich habe mich über das Päckchen gefreut, hätte gern mit ihm geredet, aber das Versprechen saß mir im Nacken. Benjamin ist neben mir gestanden und hat gewartet. Wie reagiere ich jetzt? Da habe ich gewusst: Ich habe das gerade auch schon gelesen gehabt, da war ich dann innerlich auch gefestigt, muss ich sagen. Dann habe ich mit Reinhard ein paar Dinge kurz besprochen und habe ihn dann um Verständnis gebeten. Ich habe gesagt: Du, ich habe dem Benjamin gerade versprochen, dass ich mit ihm noch baue. Haben Sie bitte Verständnis, dass ich dieses Versprechen jetzt einlösen möchte.
Reinhard hat toll reagiert und gesagt: Ja, klar. Und hat dann weitergemacht, dass er noch mit Wilfried telefonisch sprechen wolle, oder ich weiß nicht mehr genau, wie das gegangen ist; das Wichtigste hat er ja gesagt. Aber das war für Benjamin eine ganz wichtige Erfahrung, dass ich ihn wichtig nehme. Und so wird es gewiss immer wieder Zeiten geben, wo Kinder das ganz besonders brauchen, dass sie sehen: Mensch, mein Vater, meine Mutter nehmen mich wichtig. Ich bin nicht nur hinten an und alle kommen vorher, sondern wenn sie mir etwas versprochen haben, dann versuchen sie es auch.
Immer geht es nicht. Aber sie versuchen wirklich auch, das Versprechen einzuhalten. Oder sie sorgen dann auf jeden Fall für einen Ersatz. Immer geht es nicht, dass man es dann gleich wieder rechtzeitig bügeln kann, aber dann wirklich für einen Ersatz sorgen.
Dann wöchentliche Höhepunkte. Wir wollen uns auch bemühen, einen Höhepunkt pro Woche für die Kinder zu schaffen. Bei Mühlerns habe ich gelesen, ist es der Mittwochnachmittag, wo er keine Termine, keine Besprechungen auf dem Kalender hat, auf dem Terminplan. Da sagt er, da habe ich eine Besprechung und meint damit seine Zeit mit seinen Kindern. Und für uns ist das der Montagnachmittag. Der gehört ganz bewusst unseren Kindern, den darf auch kaum jemand wirklich wegnehmen.
Dann kann man auch gemeinsame Familienunternehmungen planen: herumtollen im Wald, eine Fahrradtour, schwimmen gehen, Vorlesen bei Kerzenlicht – das haben sie dann in dem Alter oft recht gern – oder einfach kuscheln oder einen Besuch im Zoo und so weiter. Wöchentliche Höhepunkte gestalten.
Wenn die Kinder dann in dem Alter sind, habe ich auch einmal gelesen, und die Idee hat mir auch gut gefallen, dass, wenn mehrere so im gleichen Alter sind, zwischen sechs und zwölf, sie dann auch einmal einen Abend gestalten dürfen. Dann ist die Vorfreude mehrere Tage vorher schon da: Jetzt, was machen wir alles, was planen wir, was tun wir? Und dann sind sie gar nicht so darauf, die Abende vorher schon unbedingt die Eltern in Beschlag nehmen zu müssen, weil sie wissen: An dem Abend, da sind wir dran.
Diese Vorfreude, das ist auch etwas Wunderbares. Und Kindern in dem Alter kann man die Vorfreude so lieb machen. Später ist die Vorfreude ein so kostbares Gut. Weil bei uns heute alles so schnell geht und auch alle Wünsche so schnell befriedigt werden, kommen die Kinder oft gar nicht in diesen Genuss der Vorfreude. Und das kann man bei einem wöchentlichen Höhepunkt machen, dass man sagt: Ihr dürft diesen Abend gestalten.
Und wenn die Kinder das gar nicht mehr wollen und lieber nur mit Freunden zusammen sind, dann schreibt Mühlern auch, und dem möchte ich auch zustimmen, dann stimmt wohl am Familienfundament etwas nicht. Dann müssen Eltern ihren Umgangsstil mit den Kindern neu durchdenken und neue Beziehungen aufbauen. Das zum Thema „Nimm dir Zeit!“

Zuwendung, Würde und kindgerechte Beziehung

Zweites Thema: Schenkt dem Kind Zuwendung.
Wie geschieht Zuwendung? Erstens durch Worte. Gell, ihr Frauen, ihr habt es auch sehr lieb, wenn eure Männer euch jeden Tag sagen: Ich liebe dich. Und so ist es auch bei den Kindern. Sie hören auch gern gute und liebevolle Worte. Und die Liebe muss beim Kind ankommen.
Eltern schlucken bitter, wenn ihnen ein Heranwachsender entgegenschleudert: Ihr habt mich nie geliebt. Und ob Sie das Kind geliebt haben, was haben Sie nicht alles für das Kind getan, protestieren Sie vielleicht hilflos. Aber das Drama ist: Ihre wohlgemeinte Liebe ist nicht angekommen.
Ein Vater berichtet von einem Gespräch mit seinem Sohn: Papa, du hast mir nie gesagt, dass du mich liebst. Wie schwer fällt es manchen Vätern, diese Sätze über die Lippen zu bringen. Ich muss auch sagen, da bemühen wir uns auch sehr. Benjamin braucht das auch. Er ist ein sensibler Junge, der braucht das so sehr. Dem muss ich jeden Tag mindestens einmal sagen: Du, wir haben dich ganz arg lieb. Und beim Schlafengehen, bevor die Tür zugeht, ruft man ihm noch zu: Benjamin, wir haben dich ganz arg lieb, und schlaf gut, damit er mit diesem Wissen, geliebt zu sein, einschläft.
Aber das muss durch Worte rüberkommen. In der Ehe ja, es nützt nichts, wenn ich weiß: Ja, ich erlebe mich. Man muss es auch hören. Ja, und so auch den Kindern. Die Kinder müssen es hören.
Dann durch den Körperkontakt. Die Worte sind wichtig, aber der Körperkontakt auch. Ein Baby zu knuddeln fällt uns ja nicht schwer, aber das Hemmnis setzt erst dann ein, wenn die Kinder größer werden. Dabei hat das größere Kind es genauso nötig. Im Gespräch mit seinem Sohn könnte man den Arm auf seine Schultern legen oder die Tochter umarmen, wenn sie außer Haus geht. Wenn man mit dem Kind zusammen ist, sollte man immer wieder nach Möglichkeiten einer leichten, wertschätzenden Berührung suchen.
Ist dieses Bedürfnis gesättigt, dann müssen Kinder nicht ständig aus der Rolle fallen oder durch Aufdringlichkeit und Beachtung kämpfen. Ich habe das mit einem Schlagwort so zusammengefasst: den emotionalen Tank auffüllen. Ja, der muss bei uns Großen aufgefüllt werden und auch bei unseren Kleinen.
Dann als dritter Punkt: die Zuwendung durch Worte, durch Körperkontakt und dazu gehört auch, die Würde des Kindes zu achten. Der Gedanke sollte uns helfen, dass das Kind Eigentum Gottes ist und uns als Leihgabe für die Jahre der Unmündigkeit anvertraut ist. Es ist nicht mein Eigentum, und ich darf nicht nach meinen Launen mit dem Kind umspringen. Gott wird Rechenschaft von uns dafür fordern.
Einige praktische Tipps dazu, wie ich mit dem Kind achtungsvoll umgehen kann, wieder aus Isfas Mama zitiert: Nimm dir vor, stets mit deinem Kind so zu sprechen, wie es auch mit dir sprechen darf. Das ist ein Gradmesser. Dann werden einige Schimpfwörter sofort wegfallen. Gebrauche häufig ein Danke und ein Bitte. Es gibt Kinder, die das nachahmen werden. Mal dir immer wieder vor Augen, dass du ein persönliches Geschenk Gottes an dich in den Armen hältst. Das wird dich in Ehrfurcht halten. Bete viel für das Kind und segne es. Das wird dein Herz mit Hingabe erfüllen. Und wenn du in eine Situation kommst, wo du nahe dran bist, die Beherrschung zu verlieren, dann leg die Hand auf deinen Mund oder halt eine Hand mit der anderen fest und bitte Jesus um Beistand. Das wird dir wieder zur Ruhe verhelfen. Verlass lieber den Raum, als dass du dich an deinem Kind vergreifst. Aber Ausrutscher gibt es immer wieder. Das sind wir Menschen, das ist klar. Aber es soll nicht die Regel sein, dass wir ständig unsere Launen an unseren Kindern auslassen. Im Beruf muss man sich ja auch zusammenreißen, dann muss man sich im Familienleben erst recht zusammenreißen.
Dann als anderer wichtiger Punkt noch der Einfallsreichtum. In der Familie sind damit die Aktivitäten angesprochen. Wenn zu Hause nichts los ist, treiben sich Kinder zu gern auf der Straße herum oder hocken länger vor dem Fernseher, als gut ist. Und auch in christlichen Familien kann es in Kinderaugen öde werden. Die Eltern sind stark im Gemeindeleben engagiert, und die Familienbeziehungen leiden darunter. Ist das Gemeindeleben für die Kinder langweilig und besteht das Christsein nur aus Geboten und Verboten, dann wird mein Leben mit Jesus nicht ansteckend auf unsere Kinder wirken. Und da ist wichtig: Nicht nur verbieten, sondern auch Besseres anbieten.
Jetzt will ich einfach kunterbunt ein paar Dinge, Aktivitäten nennen, die man in dem Alter mit den Kindern gut machen kann. Dazu gehört mal Spiel und Sport, miteinander spielen, Brettspiele, Kreisspiele, Kartenspiele, Spaziergänge im Wald. Da haben wir so gesehen einmal im Käfertaler Wald, wie ein Ehepaar mit ihren Jungen da so tolle Spiele gemacht hat. Die waren hellauf begeistert. Ja, gerade in dem Alter sind die Jungen für Waldspiele ja so zu haben. Oder Versteckspiele, Ballspiele, Fußballspiel, Federballspiel. Ich erinnere mich noch so gern an die spärlichen Male, wo meine Mutti mit mir Federball gespielt hat. Das ist da drin, das werde ich nicht mehr vergessen. Da hat sie sich konzentriert mir zugewendet. Oder Potscher gespielt. Das sind Dinge, die unsere Kinder nicht vergessen. Das sind solche Schätze an Kindheitserinnerungen, die wollen wir ihnen doch auch gewähren und mitgeben.
Dann schwimmen, Radfahren oder im Wald Pilze sammeln, Beeren pflücken. Ich weiß noch so gut, wie mein Bruder und ich die Beeren gepflückt haben, und dann haben wir gezählt, wer mehr drin hat. Es war nicht immer gerade lustig, aber das hat die Familie zusammengehalten. Oder Adventskranz basteln. Daran kann ich mich auch noch ganz gut erinnern, wie das meine Mutti mit mir gemacht hat. Oder Blumen pressen, Gemüseecke im Garten zusammen anpflanzen oder eine Verkleidungskiste einrichten, um mit den Kindern biblische Szenen darzustellen. Ich habe mal auf einer Freizeit mit den Kindern pantomimisch nur biblische Szenen dargestellt. Das macht ihnen so Spaß in dem Alter.
Dann Karten basteln mit gepressten Blumen, vielleicht für unsere Kindergeburtstage. Wenn die Kinder in dem Alter Karten basteln und wir die dann der Nancy Bohle geben und sie die dann an die Kinder verschickt. Und da steht noch der Name von dem Kind drauf, das es gebastelt hat. Ja, das ist doch schön. Und die Kinder untereinander machen sich dadurch Freude.
Jeder von uns hat eine enorme Kiste, vielleicht schon von Urlaubserinnerungen: Bilder, Dias, Filme. Ja, wann schauen wir denn die mit den Kindern zusammen an? Kommt das überhaupt noch vor, oder bleiben die nur irgendwo abgelagert? Kinder schauen so gerne Urlaubserinnerungen an.
Dann auch die Weltmission: Kontakt mit Missionaren aufbauen und dann mal so einen Abend oder Nachmittag mit Kindern gestalten, wo eben die Mission im Vordergrund steht. Dann Feste gestalten mit den Kindern auch, sie mitmachen lassen. Dann Musik. Also Musizieren lassen wirklich fast alle Kinder, die irgendwo ein bisschen musisch nicht ganz daneben sind. Flöte lernen.
Oder dann der Umgang mit Tieren. Der ist bei den Kindern ganz groß. Das ist so wertvoll für die Entwicklung der Kinder. Es lehrt Verantwortung, Rücksichtnahme, Ausdauer, sogar Verzicht auf eigene Interessen, wenn es die Tiere eben pflegen muss. Nicht jeder kann Tiere halten, aber es soll wirklich viel Abwechslungsreiches im Familienleben drin sein.
So ungefähr können wir dieses Fundament in dem Alter umreißen: Zeit geben, konzentrierte Aufmerksamkeit, wöchentliche Höhepunkte, dann die Zuwendung geben durch Worte, durch Körperkontakt und sich dann immer wieder ganz bewusst auch etwas einfallen lassen, was die Kinder als wertvolle Kindheitserinnerungen mit ins Erwachsenenalter nehmen.
Gut, dann gehen wir zum Nächsten: zum Zusammenleben mit Überweisung und klaren Regeln.

Unterweisung, Selbständigkeit und klare Orientierung

Die Tabelle kommt jedes Mal dran. Die ist mir ganz wichtig. Das ist die Grafik über die Selbständigkeit, die brauchen wir ja jetzt gerade, wenn es um Unterweisung und Regeln geht, die Erziehung einer Jüngerschaftsschule von rund zwanzig Jahren.
Das ist eben Erziehung mit dem Ziel, das Kind zu einem selbstverantwortlichen Leben vor Gott zu führen. Wir sehen an der Skizze, wie die elterliche Einflussnahme mit den Jahren abnimmt und die Eigenständigkeit und Selbstkontrolle des Kindes zunimmt. Ein Zwölfjähriger darf nicht mehr so stark gelenkt werden wie ein Sechsjähriger. Aber die Altersgruppe, die wir heute besprechen, die braucht ganz besonders starke Lenkung und Belehrung, die dann aber abnehmen muss. Dieses Alter müssen wir für Lenkung und Belehrung ganz besonders nützen.
Lasst uns uns selbst hinterfragen, ob wir unsere Kinder zu grösserer Selbständigkeit oder grösserer Abhängigkeit führen. Es gibt nämlich auch Mütter, die können ihre Kinder gar nicht loslassen und führen sie eher in die Abhängigkeit. Woran erkenne ich das? Ganz einfach: Der Weg ist richtig, wenn das Kind auch in der Abwesenheit die Familienregeln achtet und sie einhält. Anpredigen und Druck machen haben nur kurzfristige Wirkung, nämlich so lange, wie die Eltern die Kontrolle wahren können.
Ein Beispiel: Wenn wir jetzt in der Bibelstunde sitzen, es gilt daheim die Regel, ab neun Uhr oder halb neun ist Licht aus, und ich habe ganz gewiss, wenn ich nicht da bin, funktioniert das nicht, dann habe ich das Kind im Grunde genommen nicht mit dieser Regel so konfrontieren können, dass es dies selbständig wirklich auch einhält.
Dieser Leitvers gilt also ganz besonders vom Babyalter an schon, aber ganz besonders auch für dieses Alter, das wir heute besprechen: Gewöhne einen Knaben an seinen Weg, so lässt er nicht davon, wenn er älter wird.
Und kürzlich ist mir noch eine Bibelstelle so lieb geworden, und die möchte ich mit euch aufschlagen. Sie steht in Hosea 11. Wenn ihr es mit mir einmal aufschlagt, auch selber schnell. Da habe ich gedacht: Genau das ist Gottes Erziehungsprinzip. Hosea, hinter Daniel, Hosea 11, Vers 1 bis 4. Ich lese es mal:
Als Israel jung war, hatte ich ihn lieb und rief ihn meinen Sohn aus Ägypten. Aber wenn man sie jetzt ruft, so wenden sie sich davon und opfern dem Baal und räuchern den Bildern.
Also haben wir wieder: Er zieht sie auf, aber sie fallen ab. Ich lehrte Ephraim gehen und nahm ihn auf meine Arme. Belehrung und Zuwendung. Aber sie merkten es nicht, wie ich ihnen half. Ich liess sie ein menschliches Joch ziehen.
Ja, das ist mir ganz wichtig, auch in unserem Alter, das wir besprechen: belastbar machen, ein menschliches Joch ziehen, Aufgaben auftragen und in Seilen der Liebe gehen. Ja, Grenzen setzen in der Erziehung. Ich habe den Ausdruck so gern: in Seilen der Liebe. Das drückt die Begrenzung aus, aber auch das Motiv, warum ich begrenze. In Seilen der Liebe gehen und half ihnen, das Joch auf ihrem Nacken zu tragen und gab ihnen Nahrung.
Ich darf Kinder nicht so überfordern, dass ich ihnen ein Joch auferlege und sie können es gar nicht tragen. Ich muss ihnen dabei helfen, dass sie ein Joch tragen lernen. Aber ich darf ihnen das Joch nicht ersparen, dann erziehe ich keine lebensdüchtigen Menschen. Ihr Lieben, die sind dann nicht gesellschaftsfähig, wenn sie in dem Alter nicht belastbar gemacht werden.
Also bitte streicht euch diesen Abschnitt da. Ich finde, der passt so auf die Erziehung: ein menschliches Joch ziehen lassen, in Seilen der Liebe gehen und half ihnen, das Joch auf ihren Nacken zu tragen und gab ihnen Nahrung. Also auch die nötige Zurüstung, das nötige Werkzeug dazu.
Also es geht in dem Alter ganz besonders ums Trainieren und Anweisung geben, aber das ist ganz wichtig dem Charakter gemäss. Den Benjamin muss man sich ganz gewiss anders erziehen als die Amelie, dem Charakter gemäss erziehen. Und da ist mir so wichtig: Ich muss mein Kind kennen. Ich muss wissen, wo seine Stärken und wo seine Schwächen liegen.
Jedes Kind hat Fähigkeiten und jedes Kind hat Begrenzungen. Es hat Fähigkeiten, die muss man dem Kind helfen, dass das Kind die ausbaut, dass es die entwickelt. Und es hat Begrenzungen, also das eine ist der gelbe, der grüne Bereich im Bild der Ampel, Fähigkeiten im Leben des Kindes, und dann die Begrenzungen, wo er noch durchschnittlich ist, wo er noch gut mitkommt, aber dann auch Begrenzungen, wo er keine Freude erlebt und keinen Erfolg.
Bitte geht eure Kinder immer wieder da durch. Denkt darüber nach: Wo liegen seine Begabungen und Fähigkeiten, wo liegen seine Begrenzungen, mit denen er noch zurechtkommt, und wo liegen seine Begrenzungen, die ich einfach akzeptieren muss, die ich annehmen muss. Das ist so, so wichtig. Ich muss mein Kind auch von meinen vorgefassten Erwartungen und meinem heimlichen Ehrgeiz manchmal vielleicht freisprechen.

Lernen durch Vorbild und gelebte Regeln

Ja, jetzt kommen wir zum Lernen.
Wie lernt ein Kind am willigsten? Und das ist ganz, ganz wichtig: Es lernt am willigsten durch das Vorbild. Deine Kinder beobachten dich den ganzen Tag, ganz gleich, wie du dich fühlst und wie du dich aufführst.
Welche Dinge lernen Kinder ganz besonders durchs Vorbild? Das ist das Erste: Zuneigung geben. Eltern, die daheim keine Zuneigung artikuliert bekamen, also keinen Kuss, keine Umarmung, keine liebevollen Sätze, geben das dann auch an ihre Familien nicht mehr weiter. Von daher schauen sie von ihren Eltern ab, ob diese zärtlich miteinander umgegangen sind im Elternhaus. Da brauche ich gar nichts zu reden, das schauen sie ab!
Oder Achtung und Respekt vor Gesetzen, vor dem Eigentum anderer, vor Autoritäten und Einzelpersonen werden ebenfalls am eindrücklichsten durchs Vorbild gelehrt. Und da geht es auch wieder um den Umgangston. So wie ich mit meinem Ehepartner spreche, so werden auch die Kinder sprechen. Da kann ich beobachten, dass die Worte bei den Kindern vorkommen, die wir miteinander auch gebrauchen.
Rücksichtnahme lernen Kinder, wenn sie beobachten, wie Eltern anderen helfen, wie sie gerne teilen, sich um das Glück anderer kümmern und sich auch mit dem Glück anderer freuen. Wie sie großzügig sind, das sind Dinge, die Kinder durch das Vorbild lernen. Geizige Kinder haben oft geizige Eltern.
Oder Selbstbeherrschung, Ordnung halten: Das sind Dinge, da muss man vielleicht gar nicht so viel erziehen. Wenn ich selber Ordnung halte, natürlich muss ich schon erziehen, aber das Kind lernt auch, wie die Eltern Ordnung halten. Das ist ein Ansporn. Ich habe schon letztes Mal gesagt: Kinder erziehen auch uns. Es soll Ansporn sein, auch an unserer Persönlichkeit zu arbeiten, damit es nicht einmal von uns heißt: Was du tust, redet so laut, dass ich nicht höre, was du sagst.
Den Satz will ich noch einmal wiederholen: Was du tust, redet so laut, dass ich nicht höre, was du sagst.
Sagen wir ein Beispiel: Wenn ich eben sage: Du, ja, schenk doch dem mal das und sei doch großzügig, und ich selber knausere bei jeder Mark, ja, dann passt das nicht. Dann wird der Junge sagen: Ja, du machst es ja auch nicht anders. Ja, oder mit Ordnung halten und so weiter.

Familienregeln, Alltag und praktische Einübung

So, und jetzt kommen wir zum Schwerpunkt Familienregeln. Das wird euch alle interessieren.
Welche Familienregeln? Familienregeln sollen das Zusammensein harmonisch gestalten. Ein Kind, und das ist auch wieder ganz gegen die antiautoritäre Erziehung, empfindet Sicherheit und Geborgenheit, wenn es sich in einem Rahmen einsichtiger und klarer Regeln bewegt. In seinem kindlichen Denken weiss es, was von ihm erwartet wird, und dass es niemals Schwierigkeiten bekommen wird, es sei denn, es übertritt vorsätzlich die Grenzen. Das Kind soll wissen: Auf meine Eltern kann ich mich verlassen, sie halten, was sie versprechen, ob angenehm oder unangenehm.
Regeln sollen klar definiert sein, altersgemäss verständlich, und ihre Einhaltung muss überwacht werden können. Die häufigsten Reibungspunkte wollen wir eben jetzt miteinander durchsprechen. Da geht es als Erstes um Ordnung halten.
Ordnung im Kinderzimmer und Wohnbereich ist wohl bei all unseren Kindern ein Dauerbrenner. Von klein auf sollten diese Dinge schon eingeübt werden. Mit einem Vier- bis Fünfjährigen heisst das noch, das Zimmer zusammen aufzuräumen. Ich habe schon gesagt, Benjamin räumt bis jetzt die Duplos auf. Er hat ja einen Berg, und das machen wir mal spielerisch, mal mit dem Wecker, mal so. Aber er muss beim Aufräumen aktiv dabei sein. Mit Beginn des Schulalters sollte dann das Kind das Zimmer alleine aufräumen.
Bei Ingrid habe ich es so toll gesehen: Sie hat für jedes Spielzeug eine Art Kiste. Das ist überschaubar für die Kinder, und das ist leichter mit Aufräumen, wenn da nicht alles irgendwo in den Berg reinkommt, sondern jedes Spielzeug hat sein bestimmtes Fach.
Kleidung auf dem Fussboden sollte nicht erlaubt sein. Schon bei Vorschülern soll das Kind die Kleidung abends auf den Stuhl legen, die Wäsche nach bestimmten Tagen selbständig wechseln und in den Wäschekorb tun und im Schulalter selbst das Bett machen. Dann an der Garderobe sollen Schuhe, Jacken und Mäntel wirklich auch dort hängen und dort stehen, wo ihr Platz ist.
Kinder lernen dadurch Verantwortung und Disziplin, eine Aufgabe regelmässig mit Ausdauer durchzuführen. Das gibt sinnvolle Ordnung und schafft auch eine angenehme Umwelt.
Mütter haben das nun oft probiert, und es klappt nicht. Warum? Das ist jetzt die grosse Frage: Warum klappt es nicht? Wir sind noch nicht, wie gesagt, so weit, aber ich glaube, es hängt an der Einübungsphase. Ich glaube, da hapert es. Eltern setzen vielleicht zu viele Dinge voraus, erklären schlecht, und Kinder sind frustriert, dass sie es ihnen nicht selbst recht machen können.
Ich muss euch jetzt ein Beispiel nennen, wo ich es selber genau so erlebt habe. Wie gesagt, wir hatten Benjamin, der räumt seine Duplos auf. Aber es hat halt schon ewig immer so lange gedauert, und er hat halt einen Stein immer nach dem anderen reingeworfen. Und jetzt kommt unser lieber Alexander zu Besuch zum Abendessen, und hinterher hat er einen Gebetskreis bei uns, und hinterher hat er dann Benjamin gezeigt: Schau, Benjamin, du musst das so machen, mit beiden Armen, und dann gehen mehrere Duplos auf einmal rein. Und das hat er mit so einer Liebe immer wieder vorgeführt.
Wir zeigen, wie man es machen muss. Ja, jetzt schafft er es in einer Viertelstunde. Da habe ich einfach gemerkt, ich habe es Benjamin nicht richtig vorgezeigt, wie er es leicht machen kann. Jetzt geht es ihm viel besser, seit Alexander da war. Er muss öfter kommen.
Das ist mir ganz wichtig. Ihr habt das auch aufgeschrieben, dass ihr euch das merkt. Es hängt so viel an der Einübungsphase. Vorführen, zuerst vorführen, dem Kind, wie er die Aufgabe durchführen soll. Und das nicht nur einmal, bitte, sondern vielleicht zehnmal, zwanzigmal vorführen. Mehrmals mit dem Kind zusammen machen, nicht sagen: Ich habe es dir jetzt erklärt, und du hast es gesehen, ich habe es dir vorgezeigt, und dann allein lassen.
Jetzt kommt der zweite Schritt: mit ihm zusammen machen, und nicht nur einmal, fünfmal, vielleicht sogar zehnmal, bis ihr merkt, er hat das übernommen, was ihr ihm vorgezeigt habt. Und dann das Kind alleine machen lassen und dabei tüchtig, tüchtig loben, tüchtig loben. Ja, das ist ganz wichtig, und dann macht es das Kind allein.
Dabei ganz besonders wichtig ist: Bitte, wenn ihr noch die Möglichkeit habt, beim ersten Kind ganz besonders auf die Einhaltung der Regeln achten. Was ihr beim ersten Kind schludrig macht und versäumt, das ist beim zweiten und dritten, so schwer wieder oder vierten, fünften einzuholen, weil das erste Kind ja auch Vorbild für die Nächsten ist. Es ist ja ganz klar, es ist ja auch Erzieher schon mit. Und wenn es das erste Kind nicht macht und ich es mit ihm nicht eingeübt habe, dann denkt sich das Zweite: Ja, mein grosser Bruder, meine grosse Schwester macht es nicht. Ja, ich mache es dann auch nicht.
Und das erste Kind kostet diesbezüglich am meisten Kraft, weil es mit ihm am längsten einstudieren muss und einüben muss, bis es macht. Und da bitte ich euch, gebt nicht auf.
Und da ist dann auch der Einsatz von Belohnungen ganz wichtig. Belohnungen sind dazu da, dem Kind zu helfen, neue Verhaltensweisen einzuüben. Also Belohnung hat vor allem dann Wert, wenn neue Verhaltensweisen eingeübt werden.
Ich habe kurz die Arten der Belohnung notiert: die soziale Belohnung, ermutigende, anerkennende Worte, Umarmung, Lächeln, Kuss, Augen zwinkern oder mal eine besondere Aktivität, ein Picknick oder eine handfeste Belohnung: mein Lieblingsessen, Süssigkeiten, Spielzeug, Musikkassette, Buch, Geld vielleicht auch mal.
Bei uns ist es eben so, ich habe es auch schon letztes Mal gesagt: Die Süssigkeiten haben bei uns eben den Belohnungscharakter. Benjamin freut sich immer, wenn er halt dann seine zwei Smarties oder Gummibärchen hinkriegt. Und da staffeln wir eben nach Schnelligkeit. Er war heute ganz traurig, dass eben nur noch eins rausschaute. Ja, aber da kriegen die Süssigkeiten eben auch ganz besonderen Wert.
Das ist mir so wichtig: Setzt die Süssigkeiten als Belohnungsmittel ein, gebt sie nicht einfach so. Damit nehmt ihr euch ein wertvolles Erziehungsmittel aus der Hand.

Essen, Schlafen, Schule und selbständige Arbeit

Gut, dann zu den Essensgewohnheiten.
Bis ein Kind sich öffentlich richtig benimmt, geht ein beständiges, mühsames Training am häuslichen Esstisch voraus. Ihr Lieben, wir merken das jetzt so daheim: Unsere Essenszeiten sind momentan so anstrengend, ich glaube, von daher habe ich auch meine Magenprobleme. Es ist wirklich Stress, ja, aber wir wollen nicht aufgeben.
Bei Mühlern ist es so, dass das Kind, das mit dem Küchendienst spricht, das Tischgebet spricht. Und die Kinder ab Schulalter bleiben sitzen, bis alle fertig gegessen haben. Ab vier Jahren sollte man dem Kind beibringen, mit geschlossenem Mund zu essen. Ab fünf Jahren soll es den Teller selbst auffüllen. Und dann sollte man ihm auch sagen: Was du dir zutraust, das musst du aber auch aufessen. Dann lernt das Kind auch, sich selbst einzuschätzen.
Und wenn dann eben nicht aufgegessen wird, das hat Wilfried schon gesagt, dann den Nachtisch streichen oder, wie wir es eben machen, dann gibt es denselben Teller abends eben wieder. Wir tun nicht mehr zwingen. Das hat sie aufgehört. Wenn er sagt, er mag nicht mehr, dann ist fertig, und dann kriegt er denselben Teller abends wieder hin. Und bei schlechten Essern sollte man wirklich auch auf den Süßigkeitskonsum zwischendurch wachen.
Und was ist mit dem ständigen Mäkel und schon wieder und so? Da will ich euch auch sagen: Mäkelnde Kinder haben oft auch mäkelnde Väter, ja. Da ist wieder unser Vorbild gefragt. Da ist es doch viel besser, wenn der Vater die Mutter für die Mühe in der Küche lobt und sich für das Essen bedankt. Da muss ich meinen Mann wieder loben, der macht das wirklich fein und sagt auch oft: So, Benjamin, das tust du der Mutti für das gute Essen danken. Und das sagt der Benjamin dann auch sehr oft. Und manchmal eben auch durch das Vorbild gelernt, da sagt Wilfried nichts und sagt: Oh Mutti, heute hast du aber gut gekocht. Das kommt aus seinem Kindermund, und da freue ich mich ganz arg.
Gut, dann zum Schlafengehen. Bei vielen Familien gibt es da ja viele hektische Szenen, Schimpfen und Toben, bis die Kinder endlich im Bett sind. Und da fängt es auch wieder im Kleinkindalter an mit der Gewöhnung. Wir machen es eben so, aber das hält auch jeder, wie er es für richtig hält, das ist unterschiedlich. Wir machen es halt so: Mit dem Baby, mit der Amelie, da wird gesungen, Spieluhr an, und dann Licht aus und raus. Und bei Benjamin, da ist das Erzählen dran: Geschichte erzählen aus der Bibel, singen, beten und dann auch Licht aus und raus. Und dann gibt es nichts mehr.
Und das ist er von klein auf so gewöhnt. Da hat man eigentlich noch Spielraum, es kann sich noch ändern, aber bis jetzt muss ich sagen, hat man da wirklich keine Probleme. Ich bin dankbar, und ich glaube einfach, dass da die Regelmäßigkeit so viel ausmacht, dass eben nicht einmal so und einmal so ist. Die Kinder haben gern so einen gewohnten Rhythmus, der immer gleich verläuft. Das ist für sie auch ein Schutz. Sie wissen: Jetzt kommt das und das und das. Es gibt ihnen Geborgenheit, und dann ist auch Frieden.
Nach dem Abendessen sollte man vielleicht nicht mehr so das wilde Toben. Man sollte dann mehr abschalten und vielleicht zur Tradition werden lassen, den Tag mit Malen oder Lesen mehr ausklingen lassen, mit Kassetten hören und oft vielleicht auch mal mit den Eltern zusammen. Bei recht aktiven Kindern vielleicht im Bett noch lesen lassen, bis sie müde werden. Man muss ja auch das individuelle Schlafbedürfnis berücksichtigen. Man kann da auch nicht wieder alle über einen Kamm scheren, gerade wenn drei, vier Kinder in einem Zimmer liegen. Muss man das Kind morgens ständig aus dem Tiefschlaf reißen, dann hat es gewiss zu wenig Schlaf.
Man sollte mit dem Kind auch die Zubettgehzeiten begründen, dass es eben wichtig ist, um für den Unterricht fit zu sein.
Dann Schule und Hausaufgaben: Denkt an die Ampel. Für die Schulfrage kann das ganz besonders wichtig sein. Für einen Praktiker kann ein solider Realschulabschluss wesentlich förderlicher sein als ein gequältes Abitur. Mühlerns haben dazu eine feine Sicht entwickelt: Die Schulung eines aufrichtigen christlichen Charakters und ein erfülltes Leben im Dienst für Gott ist wichtiger als jegliche Karriere in unserer Gesellschaft. Darauf wollen wir dann bei den Erziehungszielen noch eingehen. Das bedeutet aber, doch zu beten und Gott zu fragen, was er mit dem Kind für Pläne hat, wie er sich das Leben des Kindes gedacht hat.
Besonders wenn sich ein Kind in der Schule schwer tut, muss man sich sagen: Eine ausgeglichene, lebensbejahende Persönlichkeit ist wichtiger als ein gehobener Schulabschluss, der mit vielleicht einer verkorksten Persönlichkeit bezahlt wird. Und ich kenne da ein Mädel, und ich kenne mehrere, die da wirklich unter dem Druck der Eltern stehen und wo ausgezahlt hat, wo die Persönlichkeit der Kinder darunter gelitten hat.
Mühlerns haben ihre Kinder so spät wie möglich eingeschult und stellten fest, wie diese Schonzeit dem Kind einen riesigen Reifeschub gegeben und ihm geholfen hat, den ungewohnten Schulalltag gelassen zu meistern. Vor der Einschulung bitte keine negativen Bemerkungen über die Schule oder Lehrer. Keine Sätze wie: Wenn du dich in der Schule so benimmst, na ja, das kann ja was werden. Das habe ich jetzt im Urlaub wieder bei einer Freundin miterlebt, wo das Kind eben jetzt eingeschult werden sollte oder in eine Schule wechseln. Oh, wir haben schon richtig Angst, wie wird das nur werden? Ja, da kriegt das Kind dann auch Angst davor.
Zwei Dinge sollten vor dem Schuleintritt eingeübt sein: der Schulweg und selbständiges An- und Ausziehen sämtlicher Kleidungsstücke. Und wie ist es mit den Hausaufgaben? Da möchte ich wirklich aus Erfahrung dringlich raten: Lasst das Kind seine Aufgaben von Anfang an selbständig erledigen. Lasst euch vom Kind erklären, was es zu tun hat, nicht umgekehrt! Dein Lösungsweg ist vielleicht ein anderer als der in der Schule. Darüber hinaus passt es in der Schule dann nicht richtig auf, weil es zu Hause sowieso noch alles mal erklärt kriegt.
Den Fehler habe ich bei meinem Bruder gemacht. Das war mir so eine Lehre. Ich habe mit ihm die Hausaufgaben gemacht, mit ihm für die Schularbeiten geübt, und ich habe ihn so zu unselbständig erzogen. Er war zu faul, dann einmal einen Fehler selber zu suchen, weil ich ihm immer alles gesucht habe, mit ihm durchgerechnet. Der hat keinen Fehler mehr gesucht, und bei der Mathearbeit dann auch nicht, ja, in der Schule, was nicht aufgegangen ist, ist halt nicht aufgegangen. Aber da bin ich mit schuld gewesen, und das möchte ich mir bei unseren Kindern wirklich ersparen. Aber ich habe den Hang dazu, da zu aktiv zu sein. Da muss ich wirklich sicher an mir arbeiten, dass wir das Kind von Anfang an alleine arbeiten lassen. Es ist nicht gut, wenn die Mutter eben ständig neben dem Kind sitzt und Aufgabe für Aufgabe durchkämpft und es womöglich laufend antreiben muss. Auch bei Hausaufgaben gilt als Erziehungsziel die wachsende Selbständigkeit des Kindes.
Die beste Zeit für Hausaufgaben? Da gibt es jetzt natürlich keine eindeutige Antwort. Das hängt wirklich auch vom Kind ab. Das eine erledigt es schnell nach dem Essen und hat dann frei. Das andere braucht eine Spielpause, um sich richtig auszudoben. Der eine macht schriftliche Sachen am Nachmittag und lernt dann abends. Also das muss man vielleicht dann auch mit dem Kind besprechen.

Freizeit, Medien, Freundschaften und Taschengeld

Dann sinnvolle Freizeitgestaltung an verregneten Tagen. An verregneten Tagen sitzen die Kinder in der Wohnung herum und wissen nicht, wie sie sich beschäftigen sollen. Die jetzt vor euch liegenden Jahre des Kindes bis zum Beginn der Pubertät sind enorm wichtig, um Fähigkeiten zu entdecken und einzuüben. Dobson sagt, es gibt nichts Riskanteres, als einen Teenager ohne spezielle Fähigkeiten, ohne ein ernsthaftes Hobby und ohne jegliche Kompensationsmittel in die Stürme der Adoleszenz zu schicken.
Meldet man nun sein Kind zu einem Kurs an, Musik, Malen oder Sport, sollte man bei einschleichender Bequemlichkeit ruhig noch eine Weile hartnäckig auf Fortsetzung beharren und nicht so schnell aufgeben. Dann sind auch Spielsachen wichtig, die abwechslungsreich sind und die Fantasie sowie die schöpferischen Kräfte anregen. Bei den kleineren Kindern sind Holzbausteine, Lego, Duplo und Playmobil gut geeignet. Dann Sportgeräte, ein Trampolin, was heißt das? Handeln? Handeln, ja, Handeln, genau. Was stelzen, dann Musikinstrumente, Blockflöte, Mundharmonika, Klanghölzer, Rasseln, Bongos, Schellen. Dann technische Bausätze, Experimentierkästen für Elektronik, Biologie, Chemie, Physik usw. Das sind Dinge, die wirklich auch das Denken und die Fantasie der Kinder anregen. Auch Kurbeln, Handpuppen, Figurentheater, Taschenlampen, Magnete und ein Sortiment von Werkzeugen und Materialien sind sehr fein. Das sind wertvolle Spielzeuge.
Bedenkliche Spielzeuge sind billiges Plastikzeug und kitschige Babypuppen, weil sie nämlich ein Schönheitsideal vorspiegeln und da kommt das Kind unter Druck. Ja, dann Revolver, Panzer, grässliche Masters, Regina-Regenbogen-Kassetten. Alles gewaltverherrlichende Spielsachen sollten in christlichen Familien nicht gekauft werden. Wenn sie da sind und wenn man sie geschenkt bekommt, dann sollte man das mit dem Kind durchsprechen. Da habe ich auch gelernt, also da groß süß zu sein, zumal mein Mann ja Soldat war. Aber dann das auch mit den Kindern durchsprechen.
Dann die antichristlichen Sachen, die Masters of the Universe, Außerirdische, dann E.T., Alf, Hexen, Vampire, die Glücksbärchen usw. Da gibt es eben das feine Buch von Skembreks Der Griff nach unseren Kindern, da werden diese Dinge sehr gut aufgeführt. Wenn man so eine Kassette geschenkt kriegt, ja, was macht man dann? Das haben wir auch schon bekommen. Dann eben vielleicht mit dem Kind zusammen anhören und sagen: So, du schau, das und das passt doch gar nicht. Da wird über Gott geschimpft oder da wird das und das, das passt gar nicht zu uns, wo wir doch Gott lieb haben. Aber nicht einfach wegnehmen und verbieten, sondern auch mit dem Kind durchsprechen. Sonst heißt es nur: Meine Mutti verbietet alles oder mein Vati. Also das mit dem Kind auch besprechen.
Ja, also die Eingangstore für New-Age-Gedankengut sind vor allem Langeweile, Neugier und Verzweiflung. Das kommt dann vor allem im Teenageralter zum Tragen.
Dann zum Fernsehen ein paar Sätze. Zwei Prozent nur noch aller Elternhäuser sind ohne Fernsehen. Sechs- bis neunjährige schauen ein bis eineinhalb Stunden täglich, und zehn- bis zwölfjährige zwei Stunden. Die Trennlinie zwischen Kinderwelt und Erwachsenenwelt ist verwischt. Nichts bleibt dem Kind verborgen: Krankheit, Tod, Verderben, Aggression, Sexualität, Verzweiflung. Ihnen wird damit ein Stück Kindheit geraubt. Kinder verlieren auch das Empfinden für Gewalt umso stärker, je häufiger sie fernsehen. Mühlern sagen, und ich glaube, wir werden es dann wohl auch so halten: Dem Fernsehen stehen wir in seiner heutigen Form sehr ablehnend gegenüber. Nur wenige Sendungen sind für Kinder so lehrreich und attraktiv, dass sie ihnen das eigene Spielen ersetzen können.
Die Alternative gefällt mir auch bei euch so gut: Erst ist der Fernseher gar nicht im Wohnbereich, sondern wenn schon, dann irgendwo im Keller, wo es eben nicht nur schnell heißt, man knöpft ihn an. Da muss man schon mal runterlaufen. Und dann ein Sortiment an guten Videos. Gar nichts, da werden die Kinder auch nur so heißhungrig drauf und gehen dann zu den Kindern, zu den Nachbarskindern, Schulfreunden. Aber da Videos, da kann man die Sachen aufnehmen und weiß dann, was die Kinder auch anschauen. Und dann kann man auch mal an einem verregneten Tag so einen guten Videofilm anmachen. Aber Fernsehen, das ist mir auch ganz, ganz wichtig, darf niemals als Belohnung und Fernsehverbot niemals als Bestrafung eingesetzt werden. Dadurch wird das Fernsehen nur aufgewertet. Das ist ganz wichtig.
Dann Freunde. Freundschaften können viel bewirken, zum Positiven, aber auch zum Negativen. Im bedrohlichen Fall darf man Kinderfreundschaften auch verbieten. Das hat meine Mutti mit mir auch gemacht, und da wird zwar rebelliert. Aber wenn man es gut begründet, dann verkraften die Kinder das schon auch. Und wie gesagt, im Teenageralter wird es schwieriger mit dem Verbieten. Da komme ich dann mit der Rebellion, dann muss sie oft schon zurechtkommen.
Wichtig ist dabei, und das gilt gerade für uns christliche Eltern: Habt ein offenes, gastfreies Haus. Pflegt Freundschaften zu christlichen Familien, Freizeiten, wo Brieffreundschaften entstehen können. Gute Freunde im Teenageralter sind unbezahlbar, und die wachsen in diesem Alter. Wenn Sie die dann in die Teenagerphase mit hineinnehmen, komme ich dann nächstes Mal darauf zu sprechen, kann Ihnen so manches erspart bleiben.
Dann zum Taschengeld. Ab welchem Alter sollte man überhaupt Taschengeld geben, wie viel, was ist überhaupt der Zweck des Taschengeldes? Mühlerns halten es so, und das hat mir auch gut gefallen, beim Eintritt in die Schule. Da ist so ein Eintritt in eine neue Welt, und das Kind erkennt durch eine regelmäßige Auszahlung den Wert des Geldes und lernt planen, einteilen und sparen. Sie empfehlen, einem Grundschulkind wöchentlich das Geld auszuzahlen, später vierzehntägig und dann ab zehn, zwölf Jahren monatlich. Wichtig ist: Mit zunehmendem Alter mehr Freiheit und Verantwortung im Umgang mit Geld. Sie machen das Geld zum Wirtschaftsgeld.
Sie machen das auch fein, das hat mir auch gut gefallen. Mit dem hatte ich mich vorher überhaupt noch nie auseinandergesetzt, aber es gefällt mir auch sehr gut, wie das Mühlan macht. Sie machen es zum Beispiel so, dass ab der vierten, fünften Klasse das laufende Schulmaterial von den Kindern selbst bezahlt wird. Zum Schulbeginn geben sie die Startausrüstung, aber dann sind die Kinder selbständig dafür verantwortlich. Das muss man natürlich dann im Taschengeld berücksichtigen. Aber das Kind lernt dann, damit umzugehen. Die Müttern sagen, seitdem sind die wertvollen Schreibblöcke und so nicht nur noch für Schmierpapier verwendet worden. Dann lernten die damit besser umzugehen.
Oder dann Geschenke für Geschwister, Eltern, Weihnachten, Klassenkameraden: Nicht sollten da alles die Eltern zahlen. Das Kind soll ruhig auch ein kleines Opfer geben dafür, dass es eingeladen ist, denn ein Geschenk ist ja auch ein Ausdruck einer persönlichen Anteilnahme. Und da machen es Mühlern so: Sie lassen fünf Mark das Kind zahlen und den Rest zahlen sie dann drauf. Für die Weihnachtszeit, gerade bei Mülans mit dreizehn Kindern, geben sie eben noch ein dreizehntes Taschengeld sozusagen dazu.
Aber wenn man das dann mal durchrechnet, dann kommen die Extraausgaben, die Eishalle, der Zoo, das Futter für die Kaninchen, ja, Papa: „Kann ich bitte Geld haben?“ Hütet euch vor zu vielen unkontrollierten Extrazahlungen. Sie können den wohl überlegten Lernprozess einer Wirtschaftserziehung für Heranwachsende zunichte machen. Lieber die Kosten vorher einkalkulieren, dann kommt man von einer gedankenlosen Taschengeldzahlung mit den vielen Extraausgaben weg und führt das Kind zu einer wertvollen Wirtschaftserziehung, die bleibende Auswirkung für die Zukunft haben wird.
Müllerns machen es also so: Sie rechnen das durch. Aha, so viele Geburtstage im Jahr, dann so viele noch bei den Klassenkameraden, dann so viel ungefähr Schulmaterial und dann die Extras, und dann kriegt er davon das Taschengeld. Und damit muss er dann auskommen. Dann gibt es keine Extra-Zuschüsse mehr. Und wenn er nicht auskommt, dann ist er halt fertig, dann kann er nicht mehr in den Zoo und dann kann er halt das und das nicht mehr machen. Da muss er das dann lernen. Also mir hat das sehr gut gefallen. Ihr habt auch immer so noch im Kopf: Taschengeld, ja, und dann für das und das kommen halt so dann noch die Extrazahlungen. Aber da lernt das Kind eigentlich nicht den Umgang mit Geld. Also da mache ich euch viel Mut, das vielleicht auch zu übernehmen.

Mithilfe im Haushalt und geordnete Verantwortung

Dann mithelfen
Die Mithilfe aller Familienmitglieder soll für den reibungslosen Ablauf eines Haushalts eine Selbstverständlichkeit sein. Nicht nur Mädchen, auch die Jungen tragen ihren Teil der Verantwortung. Das Mithelfen hat weitreichende Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung.
Möchten wir, dass unsere Kinder hilfsbereit, ausdauernd und selbständig sind, dann geben wir ihnen doch Aufgaben, bei denen sie diese Tugenden lernen. Der ideale Rahmen dafür ist eben die Mitarbeit in der Familie.
Machen sich Eltern, insbesondere die Mütter, zu Dienstboten ihrer Kinder, versäumen die Kinder ein gehöriges Stück guter Persönlichkeitsentwicklung. Leider geht es in vielen Familien so zu. Man hört immer eine Entschuldigung: Zuerst sind die Kinder zu klein, um mithelfen zu können; es geht ja allein viel schneller. Sind sie allerdings grösser, haben sie zu viele andere Dinge zu tun, um auf den Gedanken zu kommen, mitzuhelfen. Ehe du dich dann versiehst, macht dein Teenager ein langes Gesicht und sagt: Ja, dann musst du es eben selber machen.
Warum sollte der Heranwachsende auch jetzt mit anpacken, wo er es doch vorher so schön bequem hatte?
Da muss ich auch sagen: Da bin ich für meine Erziehung sehr dankbar. Meine Mutter hat nach dem Grundsatz gehandelt: Zuerst die Arbeit, dann das Spiel. Da haben meine Freundinnen gewartet, und ich musste das Geschirr abtrocknen. Vorher konnte ich nicht raus. Diese Arbeitshaltung kommt mir heute so zugute. Einfach auch etwas durchziehen, auch wenn man mal keine Lust hat. Das möchte ich auch gern meinen unseren Kindern weitergeben.
Die Mitarbeit zwischen sechs und zwölf Jahren, wie kann die ausschauen? Einmal pro Woche hat bei Mühlern jedes Kind Küchendienst. Mit dem Eintritt in die Schule werden sie in diese Aufgabe eingeführt: Tischdecken, Abräumen, Geschirr in die Spülmaschine räumen, sauberes Ausräumen, Papierkörbe leeren, Schmutzwäsche in die Waschmaschine oder an die Waschmaschine bringen, saubere Wäsche in die Schränke, Zimmer sauber halten, die Schuhe putzen und auf Ordnung an ihrem Platz an der Garderobe achten.
Allen Kindern ist klar, dass sie ihre Teilverantwortung tragen, damit der Familienalltag reibungslos läuft, und dass man Dinge auch tun muss, wenn man dazu eben mal keine Lust hat. Das Kind soll ein gesundes Arbeitsverhalten vermittelt bekommen, denn wenn es nur nach dem Lustprinzip arbeitet, ist es nicht gesellschaftsfähig.
Ein wöchentlicher Arbeitsnachmittag für gut zwei Stunden, an dem der Hof gefegt wird oder Laub gefegt wird, Unkraut gejätet oder der Hausputz dran ist, ist bei Mühlerns eben im Wochenprogramm mit einkalkuliert. Der Rahmen der elterlichen Erwartungen ist klar abgesteckt, das Kind weiss, was es zu tun hat. Das bewahrt auch vor Überforderung der Kinder, wenn man sie nicht ständig heranzieht: Jetzt mach mal das und mach mal das, mach mal das. Die Kinder wissen dann: So, jetzt ist das mein Arbeitsprogramm.
Für aussergewöhnliche Zusatzarbeiten gibt es bei Mühlerns dann Geld, eben wenn die Zeit schon vorüber ist und noch zwei Beete zu jäten sind oder für eine Autowäsche. Dann zahlen Mühlerns eben etwas. Das hat mir auch gefallen.
Wichtig sind nur so viele Regeln, die man auch überwachen kann. Sonst bringt man sich und das Kind unnötig in Schwierigkeiten. Gerade bei trägen Kindern erweisen sich nun Listen als sehr vorteilhaft. Ich habe hier so eine Liste.
Es gibt Mütter, die nörgeln, drohen und schimpfen und verpesten damit die Familienatmosphäre. Besser ist es doch, eine Aufstellung ruhig und sachlich einzuführen und ohne viel Worte auf die Einhaltung zu achten. Da erspart man sich doch viel Kraft.
Jede Liste sollte ein paar Aufgaben beinhalten, die dem Kind leicht fallen, und für jedes Ding, das nicht erledigt wird, gibt es Striche. Also hier zum Beispiel haben wir: Ich habe mein Zimmer aufgeräumt, meine Wäsche eingeräumt, ich bin pünktlich schlafen gegangen, ich habe die Katze versorgt. Und dann: Die Blumen sind gegossen, ich habe meine Arbeitszeit eingehalten.
Und dann gibt es eben Claudia Müller macht es so: Die hat in jedem Zimmer eine Pinnwand, und da liegt die Liste. Jeden Morgen geht sie halt durch die Zimmer und schaut, ob das so halbwegs in Ordnung ist. Dann macht sie eben ihre Bemerkungen an der Liste oder schreibt auch mal ein kleines Brieflein da und dort zur Ermutigung oder auch zur Korrektur. Und bei 13 Kindern ist das natürlich ganz eine feine Sache und erspart ihr viel Arbeit.
Für Dinge, die eben nicht erledigt worden sind, gibt es Striche. Bei acht Regeln nicht mehr als zwei bis drei Striche. Konsequenz: Bei vier Strichen gibt es dann eben eine Zusatzarbeit im Zusammenhang mit dem Versäumnis. Und wenn das Kind denkt: Ach, jetzt habe ich sowieso schon vier Striche, jetzt lasse ich es gleich laufen, dann aber eine härtere Konsequenz.
Und wenn in einer Woche nichts zu beanstanden ist, geben Mühlerns einen Zuschuss von ein oder zwei Mark zum Taschengeld der nächsten Woche und bei einem Strich eben den halben Betrag. Also, es hat mir gefallen, da ist der Rahmen der Verantwortung abgesteckt.
Aber wie gesagt, man muss bei klein auf damit anfangen. Ich habe letztes Mal die Liste für vier Fünfjährige aufgelegt, damit müssen wir dann halt vielleicht schon beginnen.

Konsequenz, Disziplin und verantwortliche Erziehungsdurchsetzung

So, jetzt noch ganz kurz zum letzten Punkt.
Da brauche ich nicht mehr viel zu sagen, da hat ja Wilfried schon viel darüber gesprochen: das Dach der Konsequenz und Disziplin. Was nützen die besten Regeln, wenn sich hinterher keiner danach hält und die Eltern nicht wissen, wie sie deren Befolgung durchsetzen können?
Wann sollten Eltern konsequent sein und Disziplin anwenden?
Erstens: Ihr habt das auf eurem Arbeitsblatt. Wenn ein Kind unwillig ist, neue Verhaltensweisen zu lernen, zum Beispiel wenn ein Fünfjähriger sich schon sehr gut anziehen kann, es aber nicht will, dann ist eine Konsequenz dran. Oder wenn es eine Familienregel nicht einhält oder gegen sie verstößt, zum Beispiel nicht zum geplanten Küchendienst erscheint. Oder wenn deine Autorität herausgefordert wird und sich dein Kind respektlos und rebellisch verhält.
Bei jeder Unwilligkeit oder jedem Fehlverhalten eines Kindes ist auch eine Botschaft an uns Eltern dabei. Wir müssen uns immer wieder selbst fragen: Habe ich mich richtig und klar genug ausgedrückt? Ist meine Forderung gerechtfertigt? Bin ich zu pingelig oder gesetzlich? Ist das Kind altersgemäß überfordert? Erwarte ich zu viel? Liegen körperliche Ursachen vor, vielleicht steht es gerade vor einer Krankheit? Oder ist das Kind emotional ausgeglichen? Oder ist es gerade in dieser Phase, in der es die emotionale Zuwendung vermisst und dann einfach viel aufmüpfiger ist?
Diese Dinge muss ich einfach vorher auch immer wieder durchdenken.
Ja, und auf das Letzte brauche ich jetzt nicht mehr einzugehen. Wilfried hatte in seinem Referat über Konsequenzen und Disziplin die Möglichkeiten genannt: die natürlichen Folgen, die logischen Konsequenzen, auferlegte Konsequenzen, Verzicht auf Privilegien, Hilfeleistungen, Isolieren im eigenen Zimmer und als Letztes körperliche Züchtigung.
Gut, fertig.