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Liebe hebt ab

Was eine Boeing 747 mit Liebe zu tun hat
Lukas 7,36-5006.04.2023
SerieTeil 1 / 4Glaube, Hoffnung, Liebe
Wer liebt mehr: der, dem viel vergeben wurde – oder der, der seine Schuld kleinredet? Eine Frau zeigt, dass echte Liebe erst dort beginnt, wo man Gnade wirklich empfängt.

Einleitung und persönliche Begrüßung

Einen wunderschönen guten Morgen noch einmal von dieser Stelle. Ich freue mich sehr, hier zu sein. Es ist ein Geschenk, in so viele liebe Gesichter schauen zu dürfen.
Einige von euch habe ich schon dreimal begrüßt, seht es mir bitte nach. Es sind einfach so viele nette Menschen, und mein Gehirn ist momentan ein wenig angespannt. Genau. Aber das ist ja okay.
Auch herzlich willkommen an den Endgeräten. Schön, dass ihr ebenfalls eingeschaltet habt.

Die Königin der Lüfte als Bild für ein geistliches Prinzip

Eine Boeing 747
Im Januar dieses Jahres, 2023, wurde sie letztmalig ausgeliefert: die Königin der Lüfte, das einst größte Passagierflugzeug der Welt. Charakteristisch für ihre Silhouette ist der Buckel, das Oberdeck, die zweistöckige Boeing 747. Ein Flugzeug, das wie kein anderes Luftfahrtgeschichte geschrieben hat. Ein Flugzeug, das Flüge über den Atlantik bezahlbar gemacht hat.
Die wohl berühmteste 747 ist die Air Force One, das Dienstflugzeug von bisher sechs US-Präsidenten. Der bisher spektakulärste Flug einer 747 war wohl der, als sie die Raumfähre Endeavour Huckepack transportiert hat.
Hinter 747 verbirgt sich nicht nur der Name eines vierstrahligen Großraumflugzeuges, sondern auch ein Prinzip. Ein Prinzip, das wie der Jumbojet breite Tragflächen hat. Ein Prinzip, das uns auf eine höhere Ebene emporheben kann. Und es ist das Prinzip, das wir in Lukas 7,47 finden:
 Lukas 7,47Deswegen sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, darum hat sie viel geliebt.
Ihre vielen Sünden sind vergeben, darum hat sie viel geliebt.
Den Vers kann man sich also gut merken mit der Boeing 747. Das war der einzige Anlasser; die kommt jetzt nicht mehr vor. Aber das ist schon ein wichtiges Prinzip. Warum? Weil das uns nach oben bringen kann.

Warum Lukas 7 für den Zugang zu 1. Korinther 13 wichtig ist

Als ich zu Bibeltagen über 1. Korinther 13 eingeladen wurde, geht man ja in sich und überlegt dann: Wenn man diese 15 Eigenschaften der Liebe betrachtet, ist das eine sehr herausfordernde Angelegenheit. Warum? Man wird extrem herausgefordert. Gleichzeitig stellt man aber fest: Willkommen im Leben, willkommen im Alltag. Man landet so schnell in so vielen Bruchlandungen, die unser Leben ja mit sich bringt.
Deswegen ist es gut, bevor wir zu 1. Korinther 13 kommen, uns heute mit der Begebenheit aus Lukas 7, ab Vers 36, zu beschäftigen. Und das wollen wir gleich machen.
Wir haben bei uns in der Gebetstunde in Opladen momentan den Petrusbrief, oder beide Petrusbriefe. Und mich hat da eine Sache sehr bewegt, die Petrus in seinem zweiten Brief zu einem heiligen Lebenswandel auflistet. In 2. Petrus 1, ab Vers 9, macht er das. Da hat er vorher Glauben, Tugend, Erkenntnis, Enthaltsamkeit, Ausharren, Gottesfurcht, Bruderliebe, und dann kommt er zu Liebe. Er schreibt dann in 2. Petrus 1,9: Denn bei wem diese Dinge nicht vorhanden sind, der ist blind, kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen.
Er hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen. Spielen wir da nicht auch oft eine Rolle im Spiel? Was bewirkt die Reinigung von Sünde in deinem Leben?
Und ich möchte uns da einladen, dass wir gemeinsam diese Stelle lesen, aus Lukas 7, ab Vers 36, wo uns eine Frau vorgestellt wird, die das durchbuchstabiert hat.

Die Begegnung im Haus des Pharisäers

Wir lesen Lukas 7,36-50.
Es bat ihn aber einer der Pharisäer, dass er mit ihm essen möge. Und er ging in das Haus des Pharisäers und legte sich zu Tisch.
Und siehe, da war eine Frau in der Stadt, die eine Sünderin war. Als sie erfahren hatte, dass er in dem Haus des Pharisäers zu Tisch lag, brachte sie eine Alabasterflasche mit Salböl. Sie trat von hinten an seine Füße heran, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen. Dann trocknete sie sie mit den Haaren ihres Hauptes. Danach küsste sie seine Füße und salbte sie mit dem Salböl.
Als aber der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so würde er erkennen, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin.
Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sagte: Lehrer, sprich.
Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Der eine schuldete fünfhundert Denare, der andere aber fünfzig. Da sie aber nicht zahlen konnten, schenkte er es beiden. Wer nun von ihnen wird ihn am meisten lieben?
Simon aber antwortete und sprach: Ich nehme an, der, dem er das meiste geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt.
Und sich zu der Frau wendend, sprach er zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen, du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben. Sie aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben. Sie aber hat, seitdem ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt. Sie aber hat mit Salböl meine Füße gesalbt.
Deswegen sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, darum hat sie viel geliebt. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.
Er aber sprach zu ihr: Deine Sünden sind vergeben. Und die, die mit zu Tisch lagen, fingen an, bei sich selbst zu sagen: Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt?
Er sprach aber zu der Frau: Dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden.

Die Spannung zwischen Jesu Annahme und der Haltung der Pharisäer

Der Jesus wird von einem Pharisäer zum Essen eingeladen, und viele Pharisäer haben den Herrn Jesus gehasst. Wenn wir einmal ein Kapitel zurückblättern, in Lukas 6, dann begegnet uns eine Situation, in der ein Mann eine verdorrte Hand hat. Es ist am Sabbat, er ist in der Synagoge, und der Jesus heilt diesen Menschen. Dann lesen wir in Lukas 6,11: Sie, das sind dann die Pharisäer, wurden mit Unverstand erfüllt und besprachen sich untereinander, was sie Jesus tun sollten.
Das ist doch ein interessanter Verweis, oder? Da ist jemand, der lange unter seiner Krankheit leidet, eine verdorrte Hand hat. Und dann kommt der Herr in diese Synagoge und macht diesen Menschen gesund. Und anstatt sich über die Massen zu freuen, wird beraten: Oh, wie legen wir diesem Mann am besten Steine in den Weg? Das passt uns nicht.
Der Herr Jesus ist auch sehr deutlich im Verhältnis mit den Pharisäern. Wenn wir uns zum Beispiel Lukas 7,30 anschauen, da sagt der Herr Jesus: Die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten haben den Ratschluss Gottes für sich selbst wirkungslos gemacht, indem sie sich nicht von ihm taufen ließen. Die Pharisäer und Gesetzesgelehrten haben den Ratschluss Gottes für sich selbst wirkungslos gemacht.
Und das ist also eine große Konfrontationslage, in der der Jesus sich jetzt befindet. Und der Jesus wird von diesem Pharisäer zum Essen eingeladen, und was mich total freut, ist, dass der Jesus diese Einladung annimmt. Er schlägt sie nicht aus, sondern er nimmt sie an. Der Jesus liebt auch den Simon, er stirbt auch für so einen Pharisäer. Und das finde ich großartig.
Wir denken hier bei dieser Begebenheit in Lukas 7, ab 36, oft an diese Sünderin und an den Herrn Jesus, an die Beziehung zwischen den beiden. Aber wie herrlich strahlt die Liebe unseres Herrn zu diesem Mann heraus, der so ein übler Gastgeber ist. Er ist doch großartig.
Und wenn wir Apostelgeschichte 15 zum Beispiel nachschlagen, dann lesen wir davon, dass einige aus der Sekte der Pharisäer gläubig geworden waren. Was für ein Reichtum, oder? Was für ein großes Volk stellt Gott sich zusammen, als seine Kinder erlöst durch das Blut des Herrn Jesus.

Der kühle Empfang und die überraschende Unterbrechung

Der Empfang in diesem Haus ist jetzt eher kühl. Die gastfreundschaftlichen Erweise, die man eigentlich dem Gast zukommen ließ, werden komplett irgendwie außer Acht gelassen. Die Füße wurden nicht gewaschen; das war eigentlich Aufgabe des Sklaven, um die Füße sauber zu bekommen von dem Dreck der Straße. Den Kuss zur Begrüßung hat man weggelassen, geschweige denn, dass man Öl gegeben hat für das Salben des Hauptes.
Und ich habe mich gefragt: Wenn man sich so versucht, in den Simon hineinzuversetzen, warum macht er das? Hatte er vielleicht doch so ein bisschen Angst vor seinen Kollegen? War er vielleicht doch eher mehr auf so ein intellektuelles Duell aus mit seinen Pharisäerkollegen und dem Herrn? Ich weiß nicht, was die Motivation war, aber das, was hier passiert, ist auf jeden Fall nicht schön als Gastgeber.
Und das Tolle ist aber, dass Jesus sich diesen demütigen Empfang absolut gefallen lässt. Jesus sitzt jetzt, oder liegt jetzt – so muss man sagen – mit dem Pharisäer Simon zu Tisch: den Kopf nach vorne, die Füße nach hinten, das gute Essen in der Mitte. Und dann traut Simon seinen Augen nicht, denn plötzlich tritt eine Frau in diesen Raum, eine Frau, die uns in der Bibel hier als Sünderin vorgestellt wird.
Da muss man sich ja schon fragen: Boah, was zeichnet diese Frau denn bitte aus? Also, wir kennen in der Bibel ja alle möglichen Personengruppen und Berufsgruppen. Wir kennen Hirten zum Beispiel, wir kennen Pharisäer, wir kennen Könige, wir kennen einen Maulbeerfeigenzüchter. Ja, also es gibt die verschiedensten Berufsgruppen in der Bibel. Aber diese Frau, die hat einen solch krassen Lebenswandel geführt, dass ihr der Stempel Sünderin vorne auf der Stirn prangt, und sie betritt diesen Raum.
Und ich habe mich gefragt: Wie mutig ist diese Frau bitte, dass sie in die Höhle des Löwen hineingeht, dass sie den Herrn Jesus nicht irgendwo auf der Straße abfängt, sondern dass sie zu Simon, dem Pharisäer, ins Haus hineingeht? Was hat diese Frau getrieben?

Die Beweggründe der Frau und die Macht der Begegnung mit Jesus

Wenn wir das Lukasevangelium mit den anderen Evangelien vergleichen, dann fällt auf, dass diese Aussage aus Matthäus 11 in diesem Zusammenhang auch mit hineingehört: Es kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich werde euch Ruhe geben.
Vielleicht hat sie, wenn wir im Lukasevangelium bleiben, diese Auferweckung des Jünglings von Nain mitbekommen. Lukas 7,11 berichtet uns davon. Da ist diese Frau, diese Witwe, die ihren Mann schon verloren hat, und jetzt trägt sie ihren einzigen Sohn zu Grabe. Und wenn man sich auf eine Trauerpredigt vorbereitet, dann war ich am Anfang einmal bemüht zu schauen, was der Herr denn auf einer Beerdigung gesagt hat. Das Problem ist: Er hat die Menschen immer auferweckt, da ist es gar nicht erst dazu gekommen.
Auch hier ist es so: Jesus sieht das Elend dieser Frau, er tritt herzu und schenkt dieser Witwe ihren Sohn zurück. Wie groß ist der Herr! Vielleicht hat sie das mitbekommen. Vielleicht hat sie auch mitbekommen, was sonst noch passiert ist. Sie ist ja voll davon. Die Heilung des Dieners eines Hauptmannes ist die Begebenheit davor. Daran sieht man, dass Jesus nicht nach oben und unten sortiert, sondern dass Jesus den Menschen an sich sieht und ihn im Blick hat. Er macht sogar den Diener des Hauptmannes gesund.
Auf jeden Fall ist die Frau hier so mutig, und sie tritt in diese Höhle des Löwen hinein. Sie muss sich bewusst gewesen sein, als sie den Raum betreten hat. Vielleicht hat sie das verdrängt, dass sie schief angesehen wird. Aber das stört sie gar nicht.
Noch etwas anderes stört sie nicht: Es stört sie nicht, dass der Herr Jesus von ihr diese Behandlung erfährt. Ich habe mich da versucht, als Mann hineinzuversetzen. Also zu Tisch liegen, da hätte ich nichts gegen, können wir mal wieder einführen. Und dann liegst du da mit Freunden zu Gast, und du weißt, es geht um Religion, es geht um Theologie, das Gespräch ist mit Sicherheit auf einer ziemlich hohen Ebene. Und plötzlich kommt da eine Sünderin herein, was die Frau auch immer ausgezeichnet haben mag, und die fängt an, dir die Füße zu küssen und zu salben und mit den Haaren zu trocknen.
Wir lesen das oft so einfach: Ja, und dann ist das so passiert. Aber das ist schon etwas. Ich bewundere auch meinen Herrn, wie er mit dieser Frau umgegangen ist. Ich würde mich in Grund und Boden schämen. Ich würde sagen: Warte mal kurz. Oder so ein bisschen kontinuierlich: Können wir vielleicht hier die Rahmenbedingungen einhalten oder so? Vielleicht dann doch das Öl auf den Kopf gießen oder so? Er lässt es komplett zu. Er lässt es komplett zu, was diese Frau hier macht. Und das finde ich schön.
Ich glaube, das, was diese Frau macht, ist eine Anbetung, die von tiefstem Herzen kommt. Dieser Frau ist es egal, was die Leute um sie herum denken. Dieser Frau ist ihr Ruf egal. Dieser Frau geht es einfach nur darum, den Herrn komplett zu ehren. Und Jesus sieht das. Jesus sieht diesen Menschen, diese Frau, und er verachtet sie nicht, sondern er lässt es zu. Er sieht, dass die Frau den Wunsch hat, ihn offen und aufrichtig zu verehren, und er stellt sich voll dahinter. Er kennt die Herzensstellung dieser Frau.

Jesu Deutung des Geschehens und die Frage nach Schuld

Und dann wird es hier ganz interessant in Vers 39: Als aber der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, sprach er bei sich selbst: Wenn dieser ein Prophet wäre ...
Und das Witzige ist: Das wissen wir heute mit dem Bibeltext. Jesus weiß ja nicht nur, was das für eine Frau ist, sondern er sieht ja sogar darüber hinaus auch die Gedanken von Simon, der bei sich selbst spricht und so versucht, mit sich klarzukommen: Oh, was passiert da?
Und es ist so ein Geschenk, dass wir diese Begebenheit haben, weil Jesus sie nutzt für eine Gleichnisrede. Und er stellt da zwei Schuldner gegenüber: einer, der 500 Denare schuldet, und der andere 50. Da müssen wir gar nicht gut in Mathe sein, aber es fällt auf: Okay, das sind zehn Prozent, ja. Also der eine schuldet ein Vielfaches, richtig viel mehr, und der andere schuldet aber auch einen ordentlichen Batzen.
Und dann steht da diese Aussage: Da sie aber nicht zahlen konnten, schenkte er es beiden. Und jetzt könnte man ja denken: Ah okay, der Herr will damit deutlich machen, lieber Simon, du hast nur 50 Denare Schuld. Ich weiß, du bist eigentlich ein ziemlich guter Typ. Diese Frau hat 500 Denare, aber weißt du was, ich schenke es beiden.
Es ist ganz interessant, auch insolvenzrechtlich betrachtet, weil die beiden ein Riesenproblem haben, die Kandidaten, sowohl Simon als auch die Sünderin. Bei beiden steht da: Da sie aber nicht zahlen konnten. Und wenn ein Insolvenzverwalter bei dir an der Tür steht, dann ist es egal, ob auf dem Vollstreckungsbescheid hundert Euro oder hunderttausend Euro draufstehen oder hundert Millionen. Dann klebt er seine Kuckucke schön bei euch auf die Gegenstände drauf.
Und ich finde es wichtig, dass wir uns das vor Augen führen: Da sie aber nicht zahlen konnten. Beide konnten hier nicht bezahlen, beide waren pleite. Also dieses Gleichnis macht nicht deutlich: Der Simon, der ist nicht so ein großer Sünder, der schuldet nur 50 Denare. Sondern das macht deutlich: Ey, ihr beide habt ein großes Problem. Ihr beide könnt nämlich nicht bezahlen, sowohl du nicht, Simon, als auch die Sünderin nicht.
Und dann sehen wir, wie uns die Liebe des Herrn Jesus hier entgegenschlägt.

Der Blick auf die Frau und die heilende Kraft des Herrn

Er sagt hier: Siehst du diese Frau? Siehst du diese Frau? Also nicht einmal so: Ja, lass sie mal machen oder so. Peinlich ist es ja schon. Sondern er lädt ein zur Betrachtung. Er sagt: Guck dir die Frau an, guck dir die Frau an.
Und ich hätte die Blicke von diesen Pharisäern, von dieser religiösen Elite, so gern gesehen, als sie den Raum betreten hat. Was meint ihr, wie schnell da die Blicke nach unten gingen? Verlegenes Grinsen, vielleicht so: Huh. Vielleicht war der eine oder andere auch Besucher bei dieser Dame, man weiß es nicht. Ja, wissen wir nicht.
Aber Jesus lädt hier ein: Schau dir diese Frau genau an, guck hin! Und ich finde den Herrn da so großartig, wie er dem einzelnen Menschen nachgeht.
Und ich hatte jetzt noch mal die Heilung des Blindgeborenen im Johannesevangelium gelesen. Da ist ein Mann, der ist blind geboren, leidet unter seiner Blindheit, und dann macht Jesus ihn gesund. Und anstatt dass sich die Eltern und die Synagogengemeinde freuen, verleugnen ihn seine Eltern, und er wird aus der Synagoge rausgeschmissen. Und dann finden wir einen ganz interessanten Satz über den Herrn Jesus, als er ihn fand. Was ist da für eine Liebe drin, von unserem Herrn, als er ihn fand.
Bist du vielleicht auch gerade irgendwo auf dem Weg und stellst nicht fest, dass einer sich irgendwie um dich kümmert? Kommst du dir vielleicht genauso vor wie so ein Blindgeborener? Kommst du dir vielleicht auch so vor wie David?
David schreibt zwei Höhenpsalmen, und einer der Höhenpsalmen ist Psalm 142. Da geht es dem David wirklich nicht gut, das merkt man da sehr deutlich an Leib, Seele und Geist. Also alles wird da negativ beschrieben. David ist richtig am Boden, und die Location, die Höhle, trägt mit Sicherheit nicht dazu bei, dass seine Emotionslage auf eine Hochstimmung kommt. Er ist in der Höhle drin, und zwar nicht in so einer Abenteuerhöhle, sondern auf der Flucht vor Saul. Er bangt um sein Leben.
Und dann stellt David in diesem Psalm 142 die Äußerung auf: Niemand fragt nach meiner Seele, niemand fragt nach meiner Seele. Ist das nicht ein Problem auch unserer Gesellschaft heute? Wir wohnen Reihenhaus an Reihenhaus, wir wohnen nebeneinander, wir gehen mit Kollegen zusammen zur Arbeit, und es gibt so wenig Leute, die ein Interesse an deinem Leben haben.
Wenn wir es herumdrehen: Wie oft laufe ich einfach planlos an Menschen vorbei und frage nicht mal nach, wie es geht? Nicht nur so: Hey, wie geht's? Und dann einfach weiterlaufen, sondern mal wirklich Interesse zeigen.
Und Jesus, der geht hier so weit. Und David, das ist das Schöne bei Psalm 142, da sagt er ja: Niemand fragt nach meiner Seele. Aber was er auch sagt, ist: Du bist meine Zuflucht, du bist meine Zuflucht. Und David weiß: Beim Herrn kann ich zur Ruhe kommen.
Genau das Gleiche erlebt hier diese Sünderin, die in dieser Höhle des Löwen ist.

Vergebung als Ursache der Liebe

Jetzt könnte man sich ja fragen: Okay, dieser Vers 47 in der Elberfelder steht da drin: „Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt.“
Jetzt könnte man sich ja fragen: Okay, ist also die Liebe hier der Grund dafür, dass der Herr ihr vergibt? Einige von euch haben vielleicht die Schlachter da, und ich habe den Vers auch nach der Schlachter vorgelesen. Der bringt es besser auf den Punkt: „Ihre vielen Sünden sind vergeben, darum hat sie viel geliebt.“
Denn wir müssen hier eines festhalten: Die Liebe ist die Auswirkung der Vergebung, aber nicht die Ursache. Sie ist die Konsequenz der Vergebung, aber nicht die Bedingung. Sie ist das Ergebnis ihrer Vergebung, aber nicht der Grund. Sie ist die Frucht ihrer Vergebung, aber nicht die Wurzel.
Und wenn wir das weiterlesen, wird das auch durch den Zusammenhang unterstützt. Denn Jesus sagt ihr ganz am Ende: „Dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden.“
Es ist der Glaube dieser Frau, und deswegen wird ihr Liebe möglich gemacht. Das finde ich sehr wichtig. Jesus spricht ihr Vergebung zu, nicht wegen ihrer Liebe, sondern wegen ihres Glaubens. Und wegen dieses Glaubens, wegen dieser Rettung, die diese Frau erfährt, kann sie erst lieben.
Deswegen ist es mir so wichtig, dass wir, bevor wir zur ersten Korinther kommen, uns auch deutlich machen, dass wir Liebe brauchen und dass wir diesen Schritt nicht auslassen.

Der innere Vergleich der Menschen und die Sorge des Herzens

Und wenn wir jetzt noch einmal kurz die beiden miteinander vergleichen oder uns noch den letzten Vers ansehen, Entschuldigung, Vers 50, dann finden wir dort auch etwas Interessantes. Da sagen nämlich jetzt die Menschen um die Frau herum, die Leute, die mit zu Tisch liegen: Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt?
Und sie sagen das genau wie Simon auch zu sich selbst. Also fällt hier auf: Simon dachte bei sich selbst, und auch die Leute, die da mit zu Tisch lagen, dachten bei sich selbst: Wer ist dieser?
Und ich habe mich gefragt: Mensch, Tommy, fass dir da doch mal an die eigene Nase. Wie oft denke ich auch bei mir selbst? Wie oft teile ich meine Gedanken meinem Schöpfer nicht mit? Das ist ganz interessant.
Ich hatte mal einen Beinbruch, richtig schön. Dabei habe ich aber ein Tor geschossen. Der Beinbruch war allerdings doof, und ich neige so zu, also ich bin so ein Typ, der dann gerne Hypochonder ist, genau das ist das Stichwort da. Also habe ich mich schon zu Grabe getragen gesehen, und meine Frau hat mich dann immer gut geerdet.
Und wisst ihr, ich habe mir so einen großen Kopf gemacht. Und jetzt ist das gleichzeitig Vorteil und Nachteil bei uns in Opladen in der Gemeinde, dass wir Krankenpfleger noch und nöcher haben und auch Ärzte. Ich habe die alle konsultiert, und irgendwann ist mir deutlich geworden: Mit Hilfe meiner Frau kannst du dich vielleicht einfach mal entspannen und einfach mal die Hände falten und beten.
Vielleicht geht es dir auch so. Du hast momentan eine Situation, mit der du nicht klarkommst, einen Druck, der auf dir lastet und der dich nach unten zieht. Vielleicht hast du Ängste, vielleicht steht ein medizinischer Eingriff bei dir bevor, und du fängst an, Kopfkino zu bekommen. Du wirst unruhig, du spannst dich an.
Und ich möchte uns einfach noch einmal neu einladen, nicht weil ich es ergriffen habe, aber weil es so wichtig ist, uns zu ermutigen, dass wir unsere Sorgen abwerfen dürfen bei unserem Herrn. Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er ist besorgt um euch. Er macht meine Sorge ja zu seiner Sorge. Er ist so großartig, oder? Das ist unser Gott. Da ist unser Gott, der uns voll im Blick hat.

Zwei Gegenüberstellungen und die Frage nach echter Liebe

Wir machen mal einen kurzen Vergleich, hier die Gegenüberstellung:
Simon, der Name ist bekannt. Die Frau, der Name ist unbekannt, aber ihr Ruf eilt ihr voraus: die Sünderin, das ist sie. Simon, ein geistlicher Führer, ein Pharisäer. Paulus übrigens auch war ja ein Pharisäer. Wie genial, dass der Herr auch diese Leute im Blick hatte. Stellt euch mal vor, Paulus wäre aussortiert worden: ach, diese religiösen Hetzer da. Dann hätten wir das nicht gehabt, das wäre schade, oder? Wie groß ist Gott? Aber Paulus nennt die Pharisäer, bezeichnet sie mal als die strengste Sekte in Apostelgeschichte 26.
Simon ist stolz auf seine überlegene Lebensheiligkeit, seine Hingabe an Gott, sein Studium des Gesetzes. Und Pharisäer leben davon, dass sie Maßstäbe setzen. Das Gebot Gottes reicht nicht aus, wir tun noch ein Schippchen obendrauf. Wir haben die Gebote des Mose. Nicht schlimm, da ist noch Luft nach oben. Das kann man noch mehr bedrücken und belasten.
Simon lebt davon, dass er Maßstäbe setzt. Die Frau lebt davon, dass sie sich über Maßstäbe hinwegsetzt. Die gelten für diese Frau gar nicht. Simon ist ein distanzierter Gastgeber, die Frau sprengt mit ihrer Distanzlosigkeit jedes politisch korrekte Verhalten. Simon öffnet nicht die Tür.
Ich habe mich gefragt, was das übertragen bedeutet auf heute. Also ich bin ja froh, dass wir uns nicht mehr küssen und so was, aber auch mit Salben auf dem Kopf und so was. Aber was wäre das heute? Vielleicht so eine Tür aufmachen, aus dem Mantel helfen, solche Dinge vielleicht. Also man merkt ja, ob man willkommen ist oder nicht.
Die Frau liebt den Herrn Jesus mit Haut und Haaren. Sie benetzt die Füße mit ihren Tränen und trocknet sie mit ihren Haaren ab. Und sie hört nicht auf, die Füße zu küssen. Guck mal, wenn wir das nochmal nachlesen, das ist ja schon echt intensiv. Da sagt der Jesus in Vers 44: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen, du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben. Sie aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben, sie aber hat, seitdem ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Das ist wirklich intensiv, oder? Sie gibt sich voll hin.

Die kostspielige Wirklichkeit der Sünde und der Empfang von Gnade

Simons Liebe ist eher knauserig und wohltemperiert. Jetzt bin ich Jurist; man versucht ja immer noch, so ein bisschen Simons Ehre zu retten. Ich habe gedacht, als er bei sich selbst spricht – das steht ja in Vers 39: er aber sprach bei sich selbst – vielleicht war das so eine schöne Sache, die uns die Bibel hier mitteilen möchte. Ich stelle ihn jetzt mal nicht bloß vor meinen Kollegen.
Wie dem auch sei, das Ganze macht hier deutlich: Simon hat ein großes Problem. Er ist nämlich auch pleite und bankrott. Ist das Liebe, das Verhalten von Simon? Ich glaube nicht, oder? Aber wenn wir uns die Frau anschauen, ist sie verschwenderisch. Sie ist nicht wegen ihrer Selbst willen da, sondern seinetwegen. Ihre Liebe ist verschwenderisch und absolut waghalsig in dieser Höhle des Löwen.
Simon ist jemand, der keine Gnade braucht, der Gnade viel lieber analysiert und zerpflückt, der mit Sicherheit alle griechischen Begriffe drauf hat, um Gnade zu erklären. Aber er ist jemand, der Gnade lieber zuteilt und Barmherzigkeit. Und nach seiner Vorstellung hat diese Frau Gnade gar nicht verdient. Also eine ernste Warnung für uns auch: Teilen wir Liebe und Gnade zu, steht uns das überhaupt zu? Stellen wir fest, wie schnell wir uns als Richter aufspielen gegenüber lieben Geschwistern?
Ich möchte uns zwei Prinzipien mit auf den Weg geben, die uns helfen sollen.
Das Prinzip eins ist: Die Sünde ist die kostspieligste Sache im ganzen Universum. Da sie aber nicht zahlen konnten. Ich möchte das noch einmal unterstreichen, weil das, glaube ich, ein ganz wichtiges Prinzip ist. Wir Menschen neigen dazu, uns zu vergleichen, und wir vergleichen uns gerne nicht nach oben, sondern gerne nach unten und stellen dann fest: So schlecht bin ich gar nicht. Was, das hat der gemacht? Blankes Entsetzen. Und dann verhältst du dich selber doch so extrem arrogant und schlimm.
Vielleicht führst du manche Kontroverse mit einem Bruder und ballerst da die Wahrheit raus. Sogar tatsächlich: Du sprichst Worte der Wahrheit und drehst dich herum und hast vergessen, deine Motivation zu hinterfragen. Wisst ihr, wenn sich Brüder miteinander fetzen, dann gibt es nie einen Gewinner, das muss man ja auch sagen. Aber wenn jemand anders mit Liebe überzeugt, dann haben beide gewonnen. Das ist so groß, oder?
Sünde ist die kostspieligste Sache im ganzen Universum, und das Gleichnis macht eben nicht einen Unterschied deutlich im Blick auf uns Menschen, dass es Menschen gibt, die sind nicht so schlimm, und Menschen, die absoluter Abschaum sind, sondern die Bibel macht hier deutlich: Ey Leute, wir haben alle ein Problem, wir können es nämlich nicht zahlen. Wir sind alle voll und ganz auf die Gnade unseres Gottes angewiesen, egal, was du für einen Lebenslauf auflistest.
Es ist mir lange schwergefallen. Ich bin Kind christlicher Eltern, durfte Anne de Vries Kinderbibel mit der Muttermilch aufsaugen, komplette Karriere gemacht, Jungschar, Sonntagsschule. Und dann stellt man irgendwann fest: Boah, krass, auf all das kann ich ja gar nicht bauen. Das ist eine Riesenhilfe, das ist ein wahnsinniges Geschenk. Aber das, was letzten Endes trägt, ist seine Gnade. Seine Gnade, die größer ist als meine Verfehlung. Seine Gnade, die tiefer geht als mein Stolz, mit dem ich andere Menschen verletze.
Und das macht das Gleichnis hier deutlich: Wir können nicht bezahlen. Du und ich, wir können nicht bezahlen, wenn es um einen heiligen und gerechten Gott geht.

Liebe kann nur weitergegeben werden, wenn sie empfangen wurde

Das zweite Prinzip ist: Weitergeben kann ich nur, was ich selbst empfangen habe.
Und ich finde es sehr schön, dass hier so viele Kinder sind. Ich habe etwas für euch mitgebracht und hoffe, dass es gut geht. Solche Experimente haben ja immer die Gefahr, dass auch etwas schiefgehen kann. Aber ich möchte euch einmal etwas zeigen, und zwar das, was ich hier aufbaue. So etwas kann man auch für sehr viel Geld teuer kaufen. Das ist ein sogenannter römischer Brunnen.
Ein römischer Brunnen hat mehrere Schalen. Er zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Schale oben zuerst füllt. Dann läuft sie weiter, bis die zweite Schale gefüllt ist. Und jetzt ist die zweite Schale voll, und was passiert? Auch die dritte Schale füllt sich nicht. Lass es lieber dabei, es hat ja geklappt. Es steht extra auf dem anderen Tisch.
Das macht deutlich: Weitergeben können wir nur das, was wir selbst empfangen haben. Und das ist eine ganz wichtige Sache.
Wenn wir über 1. Korinther 13 nachdenken, dann kommt heute Abend so ein Überblick über den ersten Korintherbrief: Was ist das für eine Gemeinde? Und dann wenden wir uns morgen und übermorgen den 15 Eigenschaften zu, aus 1. Korinther 13 ab Vers 4. Das wird sehr sportlich. Da sind ganz viele Ansagen.
Paulus verwendet dort die sogenannten Tunwörter. Das sind also keine Nomen, also nichts ganz Abstraktes, über das man nur diskutieren kann, sondern Tunwörter, Adjektive. Da passiert etwas mit Liebe. Und da ist, glaube ich, wichtig, bevor wir anfangen wie ein Hamster in seinem Rädchen herumzulaufen, dass wir uns vor Augen führen, dass wir als Allererstes geliebte Menschen sind und deswegen Liebe weitergeben können.
Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig, das sagt der Herr Jesus. Anders ausgedrückt: Wir können nur das weitergeben, was wir empfangen haben. Wir können nicht weitergeben, was wir nicht bekommen haben. Und der erste Schritt, um Liebe auszuüben, um über Liebe nachzudenken, ist, Liebe zu empfangen.

Das Bild des überfließenden Brunnens

Und es gibt zu diesem römischen Brunnen, also könnt ihr euch jetzt mal einen Marmor vorstellen, noch ein wunderbares Gedicht von Konrad Ferdinand Meyer. Er lebte im 19. Jahrhundert, und er hat mal Folgendes gedichtet zu so einem römischen Brunnen:
Aufsteigt der Strahl und fallend gießt er voll der Marmorschale Rund.
Die sich verschleiernd überfließt in einer zweiten Schale Grund,
die zweite gibt, sie wird zu reich, der dritten weilend ihre Flut,
und jede nimmt und gibt zugleich und strömt und ruht.
Und ich möchte das mal kurz auf unser Leben übertragen, weil wir diesen Schritt, glaube ich, oft auslassen. Wir kneifen die Zähne zusammen und denken, dass wir nur mit genug Willensanstrengung Liebe produzieren können. Aber das haut nicht hin.
Und was ist deine Strategie, wenn du über Liebe nachdenkst? Ist es nicht so, dass man sagt: Ja, ich muss mich hier ändern, wie auch immer. Mein Ehepartner braucht mehr Zuwendung, auf jeden Fall. Das wird immer richtig sein. Ja, ich weiß zwar nicht wie, aber meine Frau wird sie bekommen. Mein Arbeitskollege sollte von mir mehr Geduld bekommen. Keine Ahnung, wie ich das schaffe, aber auf jeden Fall Augen zu und durch. Ich soll vergeben, ja genau, das muss ich machen. Keine Ahnung wie, aber ich werde es machen.
Und wisst ihr, wir versuchen alles, wir beißen die Zähne zusammen, und diese Vorsätze sind nicht schlecht, das ist sogar gut. Aber kann es sein, dass wir bei der Umsetzung dieser Vorsätze einen ganz wesentlichen, elementaren Schritt auslassen? Nämlich diesen Schritt, sich vor Augen zu führen, dass ich als Erstes mal geliebt bin von meinem großen Herrn und Heiland.
Mein Ehepartner braucht mehr Zuwendung, ja, ist richtig, astrein, unterstütze ich. Und dann schlagen wir den 1. Johannesbrief auf. Und da schreibt Johannes: Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Weil er uns zuerst geliebt hat, können wir lieben. Die Schale füllt sich erst, und dann fließt sie über. Das ist so wichtig, dass wir das im Kopf behalten.

Praktische Konsequenzen für Alltag, Ehe und Gemeinde

Mein Arbeitskollege soll mehr Geduld erfahren. Mittlerweile darf ich nichts Schlechtes mehr über meinen Arbeitgeber sagen. Nein, also keine Sorge, ich arbeite da richtig gerne. Aber ich habe 15 Jahre in der Rechtsschutzversicherung gearbeitet, im Projektmanagement. Und ich weiß, was ein anstrengender Arbeitskollege ist. Habe ich jetzt tatsächlich nicht mehr. Also kann auch gerne so bleiben, ist echt schön.
Aber vielleicht geht dir das gerade so. Oder vielleicht geht es dir gerade so. Bei mir ist es ein anderes Beispiel: Ich habe eine Nachbarin, die fordert die Geduld manchmal echt gut heraus.
Und dann sagt Paulus, schreibt Paulus: Seid nun meine Nachahmer Gottes als geliebte Kinder und wandelt in Liebe, wie auch der Christus euch geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat, als Gabe und Schlachtopfer Gott zu einem duftenden Wohlgeruch.
Wandelt in Liebe. Und wie kann das geschehen? Wie auch der Christus euch geliebt hat. Das ist wieder dieser erste Schritt, dass wieder die Schale erst einmal gefüllt wird. Wir sind so gesegnete Menschen, wenn wir Jesus Christus in unserem Leben haben. Er ist derjenige, der unseren Mangel ausfüllt.
Das ist gewaltig, wenn wir über Vergebung nachdenken. Wir sollen einander vergeben, das ist wichtig. Und trotzdem fällt es dir vielleicht schwer, weil du eine Situation hast, die dich wirklich belastet. Wo man eben nicht mal schnell heile, heile Gänschen, Schwamm drüber, alles wird gut, hoch die Tassen und dann war es das sagen kann, sondern wo man wirklich verletzt ist.
Und dann schreibt Paulus im Epheserbrief: Seid aber zueinander gütig, mitleidig und vergebt einander, so wie Gott in Christus euch vergeben hat.
Er heilt den Mangel. Er ist der, der uns zuerst liebt. Wenn ich mich lieber abwenden statt zuwenden möchte, dann erinnere ich mich an deine Herablassung zu uns Menschen. Wenn mir die Geduld ausgeht, dann lass mich an deine Langmut denken. Das ist übrigens die erste Eigenschaft in 1. Korinther 13: langmütig. Wenn es mir schwerfällt zu vergeben, dann liste mir die unzähligen Male auf, wo ich deine Gnade empfangen habe.
Das Geheimnis der Liebe besteht im Empfang. Es besteht darin, als geliebter Mensch zu lieben. Und Liebe können wir nicht produzieren. Wir sind sonst wie Simon, der es nur geschafft hat, den Herrn Jesus hier sehr kühl zu empfangen. Liebe bedarf unserer Tränen, wie bei dieser Frau. Liebe bedarf, um anderem beizustehen. Liebe bedarf nicht tatsächlich einer echten Fußwaschung, aber sie bedarf der Eigenschaft, sich nach unten zu beugen, sich für den anderen herabzuneigen, den unteren Weg vielleicht mal zu gehen. Liebe bedarf Salböl, damit wir die Stänkereien des Lebens aushalten können.
Und das möchte ich uns mitgeben und schließe mit einem Vers aus 1. Johannes 4,9-10: Hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. Hierin ist die Liebe nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden.
Er ist die Kraftquelle, und mit diesen Gedanken können wir in 1. Korinther 13 ganz entspannt zur Landung ansetzen. Habe aber noch ein paar Buchempfehlungen, natürlich vorher ein paar Buchempfehlungen, genau. Jemand, der mich stark geprägt hat, jetzt habe ich das eine vergessen: Es gibt von Warren Wiersbe In der Schule des besten Herrn. Das ist so ein kurzes schwarzes Buch, liegt auch da hinten aus. Da hinten ist der Büchertisch. Ich habe die Kasse vergessen, deswegen steht da ein Brotkorb. Der darf sich auch vermehren, der Inhalt. Also wenn er da was rausholt, Buch wegnimmt, legt einfach ein bisschen Geld da rein. Preise stehen drauf.
Wer mich stark geprägt hat, ist Warren Wiersbe. Da gibt es ja diese große Kommentarreihe aus fünf Bänden, zwei fürs Alte, drei fürs Neue, und der hat aber auch diese Kurzkommentare verfasst. Und die sind ausgezeichnet, um sich einen Überblick zu verschaffen über ein Kapitel in der Bibel. Also ich profitiere sehr davon, und es ist eine echte Fundgrube. Passt gut in die Tasche, auch wenn man in Urlaub verreist. Und was er macht, ist immer, ein Kapitel schön zu gliedern in drei oder vier Aspekte, Überschriften, schönes Zitat dabei. Also eine echte Fundgrube.

Weitere Lektüre für Bibellesen und Vertiefung

Wo wir beim Bibellesen sind: Das Fittmach-Buch zum Bibellesen darf nicht fehlen. Es liegt auch hinten aus, und dort wird das Markusevangelium behandelt. Was mir daran sehr gut gefallen hat, und was ich bei den eigenen Kindern ausprobiert habe, ist, dass man Kinder damit gut an die stille Zeit heranführen kann.
Vielleicht hast du Kinder in einem Alter ab acht Jahren oder so. Also, sie fangen schon langsam an zu lesen, ab der zweiten, dritten Klasse oder so. Man gibt sich da ja schon Mühe. Und wenn die Kinder dieses Alter erreicht haben, ist das Buch perfekt. Warum? Weil die Kinder die Bibel aufschlagen und dann jeweils noch einen kurzen Impuls für den Tag bekommen, eine Ableitung, die sie mitnehmen können. Das spricht Kinder gut an und sorgt dafür, dass sie einfach mal ein Buch komplett durchgelesen haben. Es ist also ein richtig guter Starter für eine stille Zeit am Morgen oder am Abend.
Wo wir bei Kinderbüchern sind: Wir haben aktuell im Verlag ein neues Buch herausgebracht, Cold Case Christus. Bei uns gibt es ja die Freiwillige Feuerwehr in Deutschland. In den USA gibt es nicht nur eine Freiwillige Feuerwehr, sondern auch so eine Freiwillige Polizeischule. Dort bilden richtig gute, erfahrene Kriminalisten Kinder aus, verschiedenen Sachen auf den Grund zu gehen, um Verbrechen, die lange her sind, die schon längst in der Kiste verstauben, wieder herauszuholen und noch einmal neu zu erforschen und nachzugehen.
Das liest man ja immer wieder in der Presse: So manche Sachen tun sich erst nach Jahrzehnten wieder auf. Wir haben aktuell gerade wegen des Verbots der Doppelbestrafung ein Verfahren. Das ist zu juristisch, aber es ist so ein ganz altes Verfahren. Der Mann wurde freigesprochen, jetzt stellt man fest: Mensch, die DNA ist es doch. In Deutschland darf man eigentlich nur einmal eine Hauptverhandlung haben, aber das ist egal, darum geht es hier in dem Buch nicht. Das Buch ist spannend.
Und es geht der Sache auf den Grund: Stimmt das tatsächlich mit dem Glauben, mit dem christlichen Glauben? Und das vor allen Dingen für Kids ab zwölf würde ich mal sagen. Hier steht zwischen acht und zwölf, manchmal ab zehn ist die Mitte eine Frage haben, die fragen: Stimmt das überhaupt? Ich bin in der Schule damit konfrontiert, dass das alles gar nicht so sein kann. Und das lädt dazu sehr gut ein.

Weitere hilfreiche Bücher und ein abschließendes Zitat

Ein weiteres Buch, Durchblicker von Andi Fett, hat die Paulusbriefe der Gemeinde einfach ausgezeichnet zusammengestellt: vierfarbig und mit wunderbaren Aspekten, auch zum Beispiel zum Ersten Korintherbrief. Das ist sehr spannend, wenn man da durchguckt. Zum Beispiel beim Korintherbrief: Warum habe ich da das Lesezeichen drin? Das weiß ich gar nicht. Aber beim Ersten Korintherbrief zum Beispiel listet Andi Fett auch „Wisst ihr nicht?“ auf. Und dann kommen zehnmal die Stellen, wo Paulus das aufschreibt. Da klingelt dann so ein Glöckchen. Das ist ganz interessant, mal nachzuforschen. Auch als Erwachsener macht es Freude, das zu lesen.
David Gooding, damit schließlich recht pünktlich, David Gooding mit Jesus unterwegs. Ich weiß nicht, wer das Andachtsbuch kennt von David Gooding: Tiefer Glauben. Das ist ein ausgezeichnetes Andachtsbuch, in dem mit viel Tiefgang göttliche Wahrheiten groß und lieb gemacht werden. Und dieser Mann gefällt mir sehr, weil er sehr bescheiden ist und trotzdem Menschen groß macht, unter anderem auch die Situation, die wir heute gelesen haben. Und das ist das Abschlusszitat hier, einfach mal aus Lukas 7.
Also, das hier mit Jesus unterwegs: Das Johannesevangelium ist nicht ein kompletter Kommentar, sondern es sind ausgewählte Situationen, in denen Jesus Menschen begegnet. Und diese Begebenheit wird dann dargestellt, zum Beispiel hier dieses Gespräch mit der Sünderin:
Es war nun kurz nach Mittag, und die Steine um den Brunnen, auf denen er saß, waren heiß wie in einem Backofen. Er war sehr durstig, und das war kein Zufall. Er war einen weiten Weg gewandert, um diese Frau zu treffen.
Es war wirklich ein weiter Weg, wenn wir bedenken, wer er war. Der Weg vom Wort, das am Anfang bei Gott war, bis zu dem Wort, das Fleisch wurde und nach einem Vormittagsmarsch Durst empfinden konnte, dieser Abstand war unermesslich. Aber dieser Abstand war überbrückt. Und nun sollte dieser Ort der Ort der Begegnung zwischen Gott und dieser tief unglücklichen Frau werden.
Damit seid ihr entlassen, genau. Danke fürs Zuhören!