Zum Inhalt

DARUM BRAUCHST DU EINE GEMEINDE

03.02.2023

Und das ist das Beste, was passieren kann. Eine gute Predigt ist immer auch eine Antwort auf die inhaltlichen und emotionalen Fragen, die Gemeindemitglieder bewegen.

Das gilt besonders für jene, die jetzt nur Online-Gemeinschaft haben, ohne Verbindlichkeit. Oder für diejenigen, die, wie ich eine Zeit lang, Churchhopping betreiben, also zu unterschiedlichen Gemeinden gehen, ohne sich auf eine Heimatgemeinde festzulegen.

Sobald Menschen vor Gott zusammenkommen, geschieht etwas in der unsichtbaren Welt. Es sind nicht nur die Gottesdienste. Teil der Gemeinde zu sein bedeutet, mit der Gemeinde zu leben.

Das ist etwas anderes, als ein- oder zweimal im Monat für zwei Stunden irgendwo aufzutauchen und dann schnell wieder nach Hause zu gehen, um Mittag zu essen.

Eine Gemeinschaft, die von geistlich erfahrenen Menschen geleitet wird, die nach Gott fragen, hat eine gute Chance, ein geistliches Immunsystem zu entwickeln.

Das heißt, es ist nicht jeder dafür geeignet, in eine Gemeindeleitung einzutreten, nur weil er das so will. Tut mir leid.

Einführung in das Thema Gemeinde und Gemeinschaft

Und da möchte ich jetzt vor allem zu denen sprechen, die in Ämtern sind.

Willkommen beim Bibelfit-Dienst, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten. Jeden Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Online-Kurse. Das gibt es alles gerade auf der Website dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.

Was ist eine Kirche? Wozu brauche ich überhaupt Gemeinschaft? Was heißt das, Teil einer Gemeinde zu sein? Bedeutet das, dass du ein schlechterer Christ bist, solange du noch nicht fest in eine Gemeinde eingebunden bist? Nicht unbedingt. Aber lass mich dir einen persönlichen Tipp geben.

Ich habe damals mehrere Jahre versucht, ohne eine Gemeinde zu leben. Und ich kann dir sagen, das war eine richtig, richtig schlechte Idee. Ich lache dabei ein bisschen, vielleicht auch aus Verlegenheit. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, gehört das auf die Top-fünf-Liste der Dinge, die ich in meinem Leben am meisten bereue.

Ich sage das ausnahmsweise nicht, um dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Ich mache diesen Beitrag, um dir großen Mut zu machen: Such dir eine Gemeinde! Ich sage das aus tiefer, tiefer Überzeugung. Such dir eine Gemeinde. Warum? Weil ich beides sehr gut kenne – das Leben mit Gemeinde und das Leben ohne Gemeinde.

Und seit all den Jahren, in denen ich in guten Gemeinden bin, erlebe ich an meiner eigenen Seele, wie sehr Gott das segnet.

Herausforderungen und Missbrauch in Gemeinden

Mehr dazu gleich. Zuvor möchte ich ein ernstes und weniger erfreuliches Thema ansprechen, das mir jedoch sehr wichtig ist.

Weißt du, es gibt einzelne Gemeinden – katholische, evangelische, freikirchliche und orthodoxe – in denen Missbrauch vorkommt. Damit meine ich emotionalen Missbrauch, geistlichen Missbrauch und leider auch sexuellen Missbrauch. Dieses Thema müssen wir ganz offen ansprechen. Deshalb werde ich es bewusst auch auf diesem Kanal thematisieren und darauf hinweisen, dass es auch kranke Gemeinden gibt.

Wie es zu solchen Situationen kommt und wie du sie erkennen kannst, wird viel zu oft unter den Teppich gekehrt. Aber ich möchte dieses wichtige Thema nicht in zwei Minuten abhandeln, bevor wir zum eigentlichen Thema kommen. Stattdessen wird in wenigen Wochen ein Beitrag erscheinen, den ich zusammen mit einer Expertin für geistlichen und emotionalen Missbrauch erarbeite. Dann können wir uns das gemeinsam ausführlich und in Ruhe anschauen.

Heute soll es deshalb darum gehen, wie Gemeinde und deine Gemeindemitgliedschaft im Idealfall gesund aussehen können. Lass uns das in drei Teilen betrachten: Erstens, was bedeutet Gemeinschaft Gemeinde? Zweitens, wozu gibt es Gemeinde? Und drittens, wie kann Gemeinde gesund funktionieren?

Deshalb drückt gern die Glocke unter diesem Video – sie müsste hier unten links sein –, damit möglichst viele Menschen diesen Beitrag sehen. Das ist besonders wichtig für Leute, die seit 2020, du weißt ja, wie es war, hauptsächlich online sind und sich noch keine Gemeinde vor Ort gesucht haben. Gerade sie sollten das hier hören.

Und wie immer sind kritische Kommentare völlig okay. Erster Thessalonicher 5,21: Prüft alles und behaltet das Gute, aber prüft auch zuerst.

Hauptteil 1: Was bedeutet Gemeinschaft und Gemeinde?

Grundlegende Eigenschaften des Christentums

Also, Hauptteil eins von dreien für heute. Lassen wir uns ganz vorne starten mit dem Was. Was hat es überhaupt mit Gemeinde und Gemeinschaft im Christentum auf sich?

Weißt du, Weißes erkennt man besser, sobald man Schwarzes daneben hält. Also vergleichen wir unseren eigenen Glauben, das Christentum, mit anderen Weltreligionen. Was macht uns als Christen aus? Was unterscheidet uns?

Darüber könnten wir ausführlich und viel sprechen, und genau das machen wir dieses Jahr auch im Basics-Buch, das ich dir hier verlinken werde. Aber ich nehme jetzt mal zwei Dinge heraus: Das biblische Christentum hat zwei ziemlich bemerkenswerte Eigenschaften. Es ist eine Konversionsreligion und es ist eine Gemeinschaftsreligion.

Was heißt das? Konversionsreligion bedeutet, man kommt, wie ich damals als Atheist und Nichtchrist, in die Religion hinein, indem man konvertiert, also indem man dazu übertritt. Das heißt, du kannst nicht als Christ geboren werden.

Das ist wichtig, denn zum Beispiel im Judentum gibt es nicht wenige, die behaupten würden, dass man als Jude geboren werden kann. Diese Vorstellung gibt es auch im Islam und in manchen polynesischen Stammesreligionen. Im Christentum ist das anders: Du kannst nicht als Christ geboren werden, das geht nicht. Stattdessen trittst du bewusst zum Christentum über – durch Reue, Sündenbekenntnis, Buße, Umkehr und Bekehrung.

Ideal ist, dass du das dann vor Gott und vor den Menschen bestätigst, indem du darum bittest, getauft zu werden. Von Anfang an hat das Christentum Konversionen, also Übertritte zum Glauben, ganz stark befürwortet. Das ist unter den Weltreligionen nicht selbstverständlich.

Deshalb gibt es bis heute christliche Evangelisten und Missionare, die ehrenamtlich oder sogar beruflich andere Menschen ins Christentum einladen wollen. Das geht auf Jesus Christus selbst zurück, im sogenannten Missionsbefehl, wo er sagt: Geht in alle Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.

Historisch ist es also von Anfang an so gedacht, dass du im Christentum nur Leute findest, die sich bewusst dafür entschieden haben. Das heißt, es ist eine Konversionsreligion: Du konvertierst, du bekehrst dich zum Christentum.

Das zweite ist die Gemeinschaftsreligion. Dieser Punkt ist im biblischen Christentum besonders bemerkenswert. Du kannst ja nur durch deine persönliche Entscheidung Christ werden.

Man müsste also erwarten, dass jeder irgendwie für sich Christ ist, seinen Glauben individuell lebt und jeder sein Ding macht. Vielleicht würde früher oder später Chaos ausbrechen. Man könnte erwarten, dass das Christentum eine sogenannte Individualreligion ist, also dass jeder Anhänger für sich selbst seinem Glauben nachgeht.

So ist das teilweise im Theravada-Buddhismus, der von vielen Anhängern genau so als Individualreligion praktiziert wird. Aber beim biblischen Christentum ist das erstaunlicherweise anders.

Schauen wir religionsgeschichtlich zurück, in die erste und zweite Generation von Christen, also in die ersten zwanzig bis dreißig Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung.

Schau dir an, was du historisch findest: die Lehre der Apostel, wie wir sie heute im Neuen Testament finden, und was Jesus selbst dazu sagt. Du wirst sehen, es war schon immer so gedacht, dass die Menschen, die Jesus nachfolgen, das zusammen machen – also eine Hochschätzung und ein ganz starker Aufruf zur Gemeinschaft.

Im religionswissenschaftlichen Vergleich ist das Christentum von Anfang an als Gemeinschaftsreligion gedacht.

Das heißt also beides zusammengenommen: Das Christentum ist ein Teamsport, weil es eine Gemeinschaftsreligion ist. Und mehr noch: Es ist ein Teamsport von Freiwilligen. Warum? Weil es eine Konversionsreligion ist. Das wird gleich noch wichtig.

Damit haben wir schon mal ein klares Ja: Im Christentum gibt es ein klares Ja zur Gemeinschaft und ein klares Ja zur Gemeinde. Und das bringt uns zu Hauptteil zwei von drei für heute.

Hauptteil 2: Warum gibt es Gemeinschaft im Christentum?

Die Bedeutung von Gemeinschaft vor Gott

Warum und wozu gibt es im Christentum Gemeinschaft? Im Christentum soll man idealerweise in Gemeinschaft leben. Man soll sich einer konkreten Gemeinschaft von anderen Christen anschließen. Aber warum eigentlich und wozu?

Hier ein paar Gedanken dazu, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Jesus macht deutlich, dass viele Zusagen Gottes der Gemeinschaft gelten. Dazu gehören unter anderem Zusagen über das Wirken des Heiligen Geistes. Schau gern in dein eigenes altes Testament, zum Beispiel ins Buch Numeri oder ins Buch Deuteronomium. Dort findest du Beschreibungen über Bereiche der Heiligkeit. Auch im Buch Daniel heißt es, dass Völker und Gemeinschaften in der unsichtbaren Welt eigene Repräsentanten, eigene Engel haben. Mehr dazu gibt es in ein paar Wochen in der Videoserie über die unsichtbare Welt.

Achte bei deinem täglichen Bibellesen darauf, und du wirst sehen, dass eine Gemeinschaft vor Gott nicht nur aus den einzelnen Mitgliedern besteht, sondern dass da mehr ist. Du wirst in der Bibel immer wieder entdecken, dass eine Gemeinschaft vor Gott etwas anderes ist. Sie wird von Gott auch separat von den einzelnen Mitgliedern betrachtet und behandelt.

Überspitzt gesagt: Vor Gott ist es eben nicht so, dass eins und eins zwei sind, sondern eins und eins ist gleich drei. Deshalb sprechen viele kluge christliche Seelsorger zu Recht von der sogenannten Eheperson. Warum? Weil ein verheiratetes Paar vor Gott nicht mehr nur als die Frau und als der Mann angesehen wird, sondern zusätzlich in der Gemeinschaft als Ehepaar.

Denk selbst einmal darüber nach. Vielleicht kennst du wichtige Übergangsphasen im Leben, wie die Geburt, die Schuleinführung, den Schulabschluss, die Taufe, die Hochzeit oder die Trauerfeier. Diese wichtigen Lebenspunkte feiern und beten wir als Gemeinschaft und nicht nur jeder für sich. Da steckt etwas dahinter.

Ich werde in einem späteren Beitrag genauer darauf eingehen. Für heute nur in einem Satz: Sobald Menschen vor Gott zusammenkommen, passiert etwas in der unsichtbaren Welt. Auch gemeinschaftliches Gebet bewirkt Dinge – das habe ich mit eigenen Augen gesehen.

Warum? Weil, sobald Menschen vor Gott zusammenkommen, in der unsichtbaren Welt etwas geschieht. Es passiert etwas mit den einzelnen Mitgliedern, aber auch mit der Gemeinschaft als Ganzes. Das sollten wir nicht unterschätzen. Schon deshalb muss klar sein, wer zu welcher Gemeinschaft gehört und wer nicht.

Gemeinschaft als geistliches Immunsystem

Es gibt einen zweiten, ganz entscheidenden Grund für Gemeinschaft: eine Gemeinschaft, die sich um Nähe zum biblischen Gott bemüht und von geistlich erfahrenen Menschen geleitet wird, die nach Gott fragen.

Eine solche Gemeinschaft hat eine gute Chance, ein geistliches Immunsystem zu entwickeln. Das bedeutet, dass eine Gemeinschaft, die nach dem biblischen Gott fragt und sich um Heiligkeit in ihrem Leben bemüht – jeder für sich, denn du und ich tragen die Verantwortung, aber auch alle gemeinsam – geistlich feinfühlig wird.

Was heißt das konkret? Es sind zwei Dinge:

Erstens wird eine solche Gemeinschaft sensibel dafür, auf positive Dinge zu achten und sich gute Fragen zu stellen. Fragen wie: Was ist ein gottgemäßes Leben? Was ist ein Leben, das Gott Raum gibt? Was ist ein Leben, das Gott einlädt? Was ist ein Leben, das für Gott Land einnimmt? Was ist ein Leben, das sich Gott unterstellt?

Zweitens wird eine solche Gemeinschaft auch sensibel dafür, auf Negatives zu achten. Sie wird aufmerksam für Einflüsse und Entscheidungen, die vom biblischen Gott und vom Leben wegführen.

Diese geistliche Feinfühligkeit für Positives und Negatives ist kostbar und wertvoll. Beides führt dazu, dass eine Gemeinschaft, die sich um Heiligkeit bemüht, eine gute Chance hat, ein geistliches Immunsystem zu entwickeln.

Die Bedeutung von Achtsamkeit in Lehre und Moral

Was heißt das? Ein geistliches Immunsystem führt dazu, dass du und wir eine sehr gesunde, gute und notwendige Achtsamkeit entwickeln. Diese Achtsamkeit legen wir sowohl in der Lehre als auch in der Moral an den Tag.

Was heißt das genau? Achtsamkeit in der Lehre bedeutet, dass wir als Christen erkennen können, was von biblischen Wahrheiten abweicht. Wir können diese Abweichungen benennen und ablehnen. Das erfordert Stärke, Weisheit und geistliche Achtsamkeit. Dafür musst du in deiner Bibel zu Hause sein. Wie Charles Spurgeon einmal gesagt hat: Die Staubschicht auf manchen eurer Bibeln ist so dick, dass ihr mit dem Finger darauf Verdammnis schreiben könntet. Harte Worte, aber ganz Unrecht hat er nicht.

Das Zweite, was Achtsamkeit in der Lehre bedeutet – und hier versuche ich gerade auch an mir selbst zu arbeiten – ist, dass wir lernen, Wichtiges von weniger Wichtigem zu unterscheiden. Das gilt selbst bei Dingen, die wahr sind, also auch bei Glaubenswahrheiten, die zutreffen. Das ist manchmal gar nicht so leicht.

Dieses geistliche Immunsystem führt dazu, dass wir diese Achtsamkeit in der Lehre entwickeln können. Gleichzeitig führt es auch dazu, dass wir eine zweite Achtsamkeit entwickeln: die Achtsamkeit in der Moral.

Was heißt Achtsamkeit in der Moral? Zum einen bedeutet das, dass wir als Christen erkennen können, was nicht Gottes Weg entspricht. Wir können das erkennen, benennen und ablehnen. Gott kann nicht segnen, was nicht heilig ist.

Achtsamkeit in der Moral heißt außerdem, dass wir als Christen begrüßen, was dem Weg des biblischen Gottes entspricht. Das bedeutet, dass wir die Dinge begrüßen, die diesen Weg fördern. Wir stärken aktiv das, was dem Weg Gottes entspricht und ein Leben anstrebt, das von Heiligkeit geprägt ist.

Das heißt: Achtsamkeit in der Moral.

Du siehst, jetzt sind wir beim Eingemachten. Falls du es also noch nicht gemacht hast, drücke gern die Glocke unter diesem Video. Dahinter steckt ein Bewertungssystem von YouTube. Je mehr Leute das tun, desto mehr spielt YouTube solche Beiträge aus. Es ist wichtig, dass Leute so etwas hören.

Führe dir das also vor Augen: ein geistliches Immunsystem, Achtsamkeit in der Lehre, Achtsamkeit in der Moral. Du siehst, dass wir hier bei einer ganz, ganz wichtigen Funktion und einer zentralen Rolle christlicher Gemeinschaft sind, nämlich der Gemeinschaft.

Die Korrekturfunktion der Gemeinde für das Individuum

Wie kann das Individuum dich und mich korrigieren?

Weißt du, ich bin in den Neunzigerjahren aufgewachsen. Den größten Teil meines Berufslebens als Berater habe ich mit Millennials zu tun gehabt – also Menschen, die zwischen den Achtzigerjahren und der Jahrtausendwende geboren wurden. Ich kenne meine Generation gut, und ich kann dir sagen: Viele aus meiner Generation bekommen Schnappatmung, sobald du nur das Wort „Gehorsam“ in den Mund nimmst.

Frag dich selbst: Ist das wirklich so gut? Ist es so weise, auf das Wort „gehorsam“ so überzureagieren?

Weißt du, Gottes Wort ist voll davon, dass wir Menschen – wir Individuen – uns häufig selbst fehlleiten. Und Gottes Wort sagt auch, dass wir unserem eigenen Herzen nur bedingt trauen sollen. Deshalb heißt es in Jeremia 17: „Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig.“

In Sprüche 4, im Urtext, steht: „Mikol michmade“ – „Nezor libecha“, was so viel bedeutet wie „mehr als alles, was bewacht werden muss“. Dahinter steckt das Wort „mischmar“. Dieses Wort wird in anderen Zusammenhängen benutzt, zum Beispiel in der Erzählung von Joseph in der Genesis. Dort steht es für eine Gefängniszelle, in der jemand bewacht werden muss, damit er nicht entkommt oder Unfug anstellt.

Also: Mehr als jede Gefängniszelle, mehr als alles, was überwacht werden muss, heißt es weiter: „Nezor libecha“ – überwache dein Herz. Nicht unbedingt bewache, sondern überwache es.

Was hat das mit Gemeinschaft zu tun?

Im Klartext: Solange ich nur auf mich allein gestellt bin, bin ich aufgeschmissen. Und das ist eine weitere extrem bemerkenswerte Eigenheit des biblischen Christentums unter den Weltreligionen – die Botschaft, dass man im Zweifelsfall sich selbst lieber nicht trauen sollte.

Das ist das komplette Gegenteil von dem, was wir in der New Age-Bewegung oder in der Esoterik hören. Weil das so ist, ist ganz glasklar: Ich brauche Gott, und ich brauche die Gemeinschaft.

Genau das haben die jahrelangen Wegbegleiter und die engsten Vertrauten von Jesus genauso in den ersten Gemeinden etabliert, wie der Historiker Lukas berichtet.

Da heißt es, die ersten Christen blieben beharrlich in vier Dingen:

Erstens blieben die ersten Christen beharrlich in der Lehre der Apostel. Diese Lehre der Apostel haben wir heute im Neuen Testament kristallklar überliefert. Das können du und ich also genauso machen.

Zweitens blieben die ersten Christen beharrlich in der Gemeinschaft. Es steht nicht, sie gingen mal in die Gemeinschaft und dann wieder nicht, sondern sie blieben in der Gemeinschaft. Gemeinschaft ist also eindeutig etwas Dauerhaftes. Es geht darum, dass du ein fester Teil, dass du Mitglied einer Gemeinschaft bist.

Drittens blieben die ersten Christen beharrlich im Brechen des Brotes, was wir heute als Abendmahl feiern und als Gottesdienste bezeichnen. Vielleicht fällt dir da auch etwas auf. Ich finde es erstaunlich, dass das Abendmahl und die Gottesdienste neben der Gemeinschaft noch einmal extra genannt werden.

Warum könnte das erstaunlich sein? Weil so vom Text klar wird: Gemeinschaft ist nicht nur das Brotbrechen, es sind nicht nur die Gottesdienste. Teil der Gemeinde zu sein heißt, mit der Gemeinde zu leben. Das ist etwas anderes, als ein- oder zweimal im Monat für zwei Stunden irgendwo aufzutauchen und dann schnell wieder nach Hause zu gehen.

Viertens blieben die ersten Christen beharrlich in den Gebeten. Jesus macht immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, kontinuierlich im Gespräch mit Gott zu bleiben.

Dazu möchte ich kurz etwas sagen: In Gottes Wort heißt es mehrfach, dass wir mehr zuhören als sprechen sollen. Das ist eine sehr gute Regel für menschliche Beziehungen. Wie ist es bei Gott? Wollen wir mehr auf Gott einreden, als wir ihm die Möglichkeit geben, zu uns zu sprechen?

Ich denke, die Bibel zu lesen ist genau das: Gott redet zu uns. Sonst hätte er sie uns nicht geben müssen. Und unser Gebet ist die Antwort darauf.

Was das Gebet angeht, manchmal werden Gebete hier im Diesseits, in der sichtbaren Welt, gehört. Aber immer, immer haben Gebete Auswirkungen in der unsichtbaren Welt.

Mehr über diese unheimliche Kraft des Gebets und wie du biblisch beten kannst, findest du in der Bibelfit-Gebet-Mindmap, die Gemeinden, Jugendstunden und Hauskreise benutzen. Dort siehst du, welche Arten von biblischem Gebet es gibt und wie du das einüben kannst. Schau mal, ob das etwas für dich ist. Du kannst es dir gern mitnehmen, alles gratis. Klicke dafür einfach auf den Link unter diesem Video.

Die ersten Christen blieben also beharrlich in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten.

Damit haben wir jetzt zwei ganz große Warums und Wozus der Gemeinschaft: Eine der wichtigsten Funktionen der Gemeinde ist, dass sie mich in meiner Lehre und in meinem Lebenswandel korrigieren kann.

Hauptteil 3: Wie funktioniert gesunde Gemeinde?

Voraussetzungen für Korrektur in Lehre und Moral

Und das bringt uns zum dritten und letzten Hauptteil für heute. Wie geht das gesund? Wie geht das neutestamentlich? Wie geht das auf eine gottgemäße, biblische Art und Weise?

Diese Fragen beantworten sich zum Teil aus dem, was wir bisher besprochen haben. Die zentrale Frage lautet: Was ist nötig, damit meine Gemeinde mich in der Lehre und in der Moral korrigieren kann?

Dafür sind drei Dinge erforderlich. Erstens: Damit meine Gemeinde mich in Lehre und Moral korrigieren kann, muss die Gemeinde, der ich mich vorerst anschließe, bibeltreu sein. Das bedeutet, dass die Gemeindeleitung – also der Pastor, der Vikar, der Kaplan, die Gastprediger, die Ältesten, die Diakone, der Kirchenvorstand, der Kirchgemeinderat, der Pfarrgemeinderat, das Presbyterium – je nachdem, wie es in deiner Gemeinde und Kirche strukturell geregelt ist – bibeltreu sein muss.

Es ist notwendig, dass sie die Bibel ernst nehmen und hochhalten. Sie müssen sagen: Was in der Bibel steht, gilt für uns, egal ob es uns gefällt oder nicht. Egal, ob die Nachbargemeinde etwas anderes sagt oder die Gesellschaft eine andere Meinung hat.

Außerdem muss deine Gemeindeleitung um Heiligkeit bemüht sein. Sie muss sich in Lehre und Moral um Heiligkeit bemühen. Das bedeutet auch, dass jeder von ihnen persönlich danach streben muss. Nur weil jemand das möchte, ist er nicht automatisch für die Gemeindeleitung geeignet. Tut mir leid.

Im Neuen Testament gibt es klare Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit jemand in eine Gemeindeleitung gewählt werden kann. Du kannst das selbst nachlesen. Ich nehme nur ein Beispiel heraus: Dort heißt es, man solle sich nicht danach drängen, Lehrer zu sein, weil Lehrer ein strengeres Gericht zu erwarten haben. Glaubst du, das steht dort zum Spaß?

Zweitens: Damit meine Gemeinde mich in Lehre und Moral korrigieren kann, muss ich meine Gemeinde kennen und ihr zustimmen. Das bedeutet, dass ich von den Leitern meiner Gemeinde lerne – von meinen Ältesten, meinem Pastor, je nachdem, wie es in deiner Gemeinde und Kirche strukturell geregelt ist.

Vor allem heißt das für mich, dass ich diese Lehren erst einmal annehme. Wichtig ist, dass ich ein Vorschussvertrauen mitbringe. Das bedeutet nicht, dass die Gemeindeleitung niemals falsch liegen kann oder sich nicht selbst korrigieren darf. Natürlich darf und soll sie das.

Eine Gemeindeleitung ist ja eine Gruppe, keine Einzelperson. Sie sollte im Austausch mit anderen bibeltreuen Gemeinden stehen. Das war für die frühen Christen selbstverständlich.

Heute habe ich oft den Eindruck, dass wir in einem von zwei Extremen leben. Entweder isolieren wir uns in unserer eigenen Blase, in unserer eigenen Echokammer, und reden kaum noch mit anderen bibeltreuen Gruppen. Das sollten wir aber tun – natürlich immer alles anhand der Bibel prüfen.

Das andere Extrem ist, dass wir ständig nach links und rechts schauen und alles gutheißen, was andere Leute machen, ohne vorher zu prüfen, auf welchem Bekenntnis sie stehen und ob das überhaupt biblisch ist.

Das führt dazu, dass in einer Gemeinde, die ich kenne, seit Jahren nicht nur liberale Theologie und progressives Christentum herrschen, sondern auch New Age, Buddhismus, japanische Energieheilung, Pendeln, Tarotkarten und vieles mehr Einzug gehalten haben. So etwas sollten wir dringend vermeiden.

Zum Vorschussvertrauen: Es bedeutet, dass ich als Gemeindemitglied nicht von vornherein alles abblocke, anzweifle oder wegdiskutiere, was von meiner Gemeindeleitung kommt. Vorschussvertrauen heißt, dass ich grundsätzlich das, was von meiner Gemeindeleitung kommt, erst einmal annehme, mich danach richte und mich dem unterordne.

Das hat mit Gehorsam zu tun. Und Gehorsam hat einen Wert und eine Berechtigung. Das sage ich nicht als Gemeindeleiter oder Pastor, ich bin das nicht. Ich sage das als ganz normales Gemeindemitglied.

Falls ich als Gemeindemitglied aber einmal etwas moralisch Grundfalsches sehe, das meine Gemeindeleitung tut, oder einen klaren Widerspruch zum biblischen Befund erkenne, dann kann ich freundlich und unter vier Augen um ein Gespräch bitten und meine Bedenken darlegen. Das ist klar.

Beispiel für konstruktiven Dialog mit Gemeindeleitung

Positives Beispiel

Mein Pastor hat in einer Predigt einmal in einem Nebensatz etwas gesagt, bei dem ich dachte: „Hm.“ Vielleicht hatte ich ihn aber auch falsch verstanden. Einige Wochen später fiel in einer anderen Predigt wieder ein Nebensatz in die gleiche Richtung. Also habe ich das im Gebet bewegt und vor allem anhand der Bibel geprüft.

Warum ist die Bibel dabei so wichtig? Nun, damit nicht nur subjektive Eindrücke, Gefühle und Geschwafel herauskommen, sobald ich den Mund aufmache. Sondern damit ich etwas Handfestes habe, an dem sich jeder orientieren, das jeder einordnen und selbst überprüfen kann.

In der darauffolgenden Woche bin ich also zu seiner Sprechstunde gegangen. Wie immer hatten wir ein gutes Gespräch. Ich erzählte ihm von den Predigten und fragte ihn nach dem Thema. Er teilte mir seine Gedanken dazu mit. Daraufhin antwortete ich, dass mir das Neue Testament an dieser Stelle anders erscheint, und nannte ihm die entsprechenden Stellen. Gemeinsam haben wir uns diese Bibelstellen dann angeschaut. Danach sind wir freundlich auseinandergegangen.

Kurze Zeit später kam die regelmäßige Rundmail der Gemeindeleitung. Darin war ein längerer Abschnitt von unserem Pastor zu genau diesem Thema enthalten. Er schrieb, dass seine Gedanken dazu lange Zeit anders waren, er aber noch einmal tiefer gegraben habe. Tatsächlich sagt die Bibel das und das. Er möchte die Leute ermutigen, das mitzunehmen und zu beherzigen. Für Fragen steht er gern zur Verfügung.

Wie waren die Reaktionen aus der Gemeinde? Positiv, alles in Ordnung. Du siehst: Kein Problem, kein Drama, völlig normal. Und genau so kannst und darfst du es auch machen.

Für diejenigen, die das hören und denken, dass ihre Gemeindeleitung unverbesserlich in eine völlig falsche Richtung geht: Falls ich grundsätzlich denke, dass ein Pastor oder eine Gemeindeleitung unbiblisch oder antichristlich wäre, warum wäre ich dann überhaupt in dieser konkreten Gemeinde? Wenn meine Frau und ich so über unsere Gemeinde denken würden, würden wir uns gar nicht erst anschließen, sondern gleich eine andere Gemeinde suchen. Es ist ein freies Land. Niemand zwingt mich, Mitglied in Gemeinde A zu sein. Ich kann mich auch Gemeinde B, C, D, E oder F anschließen. Alles ist okay.

Zum Vorschussvertrauen: Die Tatsache, dass ich Mitglied in einer Gemeinde bin, bedeutet, dass ich während meiner Mitgliedschaft mitmache. Das heißt, ich unterstelle mich dem, was dort gelehrt und gelebt wird. Dass ich bewusst beigetreten bin, zeigt, dass es augenscheinlich nicht grundverkehrt sein kann, was in dieser Gemeinde geschieht. Falls ich mich später entscheiden sollte, die Gemeinde zu wechseln, ist das okay. Aber solange ich dort bin, sollte ich den Kurs der Gemeinde mittragen.

Das hängt auch mit etwas zusammen, und da werden jetzt manche Leute, die antiautoritär eingestellt sind, vielleicht Schaum vor dem Mund bekommen: Es hängt damit zusammen, dass es Leute in der Gemeinde gibt, denen ich Einblick gebe, gerade wenn ich in der Lehre manche Dinge noch nicht so verstehe. Das geht mir, Markus, persönlich ganz genauso.

Erst vor ein paar Tagen hatte ich ein gutes Gespräch mit unserem Pastor. Dabei hat er nebenbei einige biblische Wahrheiten über den Römerbrief erwähnt, bei denen ich dachte: „Oh, das macht total Sinn. Vielen Dank!“ Sobald Leute wissen, was du noch nicht verstehst, können diese Dinge, die du noch nicht verstehst, idealerweise in den Predigten und in der Lehre berücksichtigt werden. Und das ist das Beste, was passieren kann.

Eine gute Predigt ist immer auch eine Antwort auf die inhaltlichen und emotionalen Fragen, die die Gemeindemitglieder bewegen.

Kommunikation der Lehre und Moral in der Gemeinde

Und was ist das Dritte, das nötig ist, damit meine Gemeinde mich in der Lehre und in der Moral korrigieren kann? Drittens ist es erforderlich, dass die Lehre und die Moral der Gemeinde nicht stillschweigend vorausgesetzt werden oder vor fünfzig Jahren einmal in irgendeinem Gremium beschlossen wurden. Vielmehr muss das auch kommuniziert und begründet werden.

Dabei möchte ich vor allem zu denen sprechen, die in Ämtern sind. Ihr habt eine verantwortungsvolle Aufgabe, und ich möchte häufig nicht mit euch tauschen. Ich möchte euch meinen ehrlichen Respekt aussprechen. Aber ihr müsst das kommunizieren – und das nicht nur einmal, sondern mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Sonst vergessen die Leute es.

Aus Erfahrung kann ich sagen: Wir hätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht einmal ansatzweise solche Probleme mit liberaler Theologie, Esoterik und moralischem Verfall in unseren Gemeinden, wenn die Menschen besser wüssten, was biblisch-christliche Werte und Leitlinien sind. Sie müssten auch wissen, welche Einflüsse von außen wir begrüßen und welche wir entschieden ablehnen.

Ihr müsst es nicht nur kommunizieren, sondern auch begründen. Sonst passieren nämlich zwei Dinge. Erstens: Die „alten Hasen“, die schon lange dabei sind, können es außerhalb der Gemeinde, außerhalb ihrer eigenen Echokammer, irgendwann nicht mehr begründen. Das führt dazu – und ihr wisst, dass das stimmt –, dass es in Deutschland eine ganze Generation von Christen gibt, die zwar gläubig sind und es auch von Herzen ehrlich meinen, aber die komplett in Schockstarre fallen, sobald sie anderen von ihrem Glauben erzählen wollen oder sogar von anderen auf ihren Glauben angesprochen werden.

Ein Christ, der nicht weiß, wie er mit anderen über seinen Glauben spricht, ist kein kerngesunder, vor Kraft strotzender Christ.

Und zweitens: Solange ihr eure Werte und Leitlinien nicht begründet, hilft das den Neuankömmlingen und Besuchern in euren Gemeinden gar nichts. Gemeinden, die nicht liebevoll, nicht klar und nicht gut begründet Rede und Antwort stehen können, wenn es um ihre Leitlinien geht und warum sie diese haben, sind am Ende des Tages Gemeinden, die schrumpfen.

Frag dich selbst: Wie viele neue Christen hat deine Gemeinde im letzten Jahr als Mitglieder aufgenommen? Wie viele im Jahr davor? Wie viele in den letzten fünf Jahren? Damit meine ich nicht hauptsächlich Christen, die zufällig aus anderen Städten in die Nachbarschaft gezogen sind, sondern Menschen, die vorher keine Christen waren und sich dann frisch zum Christentum bekehrt haben. Menschen, die jetzt mit dir und euch zusammen Jesus nachfolgen.

Wir denken häufig, dass eine Gemeinde wachsen müsste, wenn sie so weltoffen, so liberal und so pluralistisch wie möglich ist. Das stimmt aber nicht. Es gibt klare Statistiken, die weltweit eindeutig zeigen, dass das nicht so ist.

Schau dir nur an, in welche Richtung die evangelische Kirche in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren gegangen ist. Ich musste an Offenbarung 2 denken, wo es heißt: Erkenne, aus welcher Höhe du herabgefallen bist.

Weltweit und auch in Deutschland sind die Gemeinden, die wachsen, die Gemeinden, die klare Leitlinien und klare Werte haben – biblische Leitlinien und biblische Werte. Und die das begründen können und damit nach außen gehen.

Denk daran: Wir sind eine Konversionsreligion. Das heißt, damit unsere Gemeinden wachsen, muss nicht jeder von uns sechs Kinder zeugen. Wir leben in einem freien Land, und wir können Menschen, die Jesus noch nicht kennen, begeistern, wie sie Christen werden können.

Wie du das machen kannst, habe ich dir mal ein paar Beispiele hier unter diesem Video verlinkt.

Die Rolle des Gemeindemitglieds in der Gemeinde

Und dann möchte ich wieder zu allen von uns sprechen, die kein Amt innehaben, sondern ganz normale Gemeindemitglieder sind. Jetzt kommt etwas, was manchen Leuten nicht gefallen wird.

Damit meine Gemeinde mich als Gemeindemitglied in der Lehre und in der Moral korrigieren kann, ist es gut, dass es Leute in meiner Gemeinde gibt, die um meinen Lebenswandel wissen und die mich korrigieren können, falls ich drohe, vom Weg abzukommen. Nehmen wir als Beispiel an, meine Frau und ich hätten zusammenziehen wollen, bevor wir verheiratet waren. Dann hätte ich doch gewollt, dass früher oder später jemand Nettes aus der Gemeinde kommt und sagt: „Hey Markus, darf ich dir mal zwei, drei Gedanken mit dir teilen, warum das vielleicht nicht die allerbeste Idee ist?“ So etwas hätte ich gewollt – selbst wenn es nur mein Hauskreis gewesen wäre.

Jetzt lass uns noch einmal rauszoomen und aus der Vogelperspektive auf das Ganze schauen. Damit das neutestamentliche Konzept von Gemeinde funktioniert, sind zwei Dinge eine automatische Voraussetzung. Das könnte jetzt wieder manchen Leuten vor den Kopf stoßen, aber daran kann ich nichts ändern.

Erstens: Solange ich Teil der Ortsgemeinde bin, gebe ich dieser Gemeinde und ihren Leitern bis zu einem gewissen Maß das Recht, in mein Leben hineinzusprechen. Das heißt, ich bin bereit, mich der Gemeinde zu unterstellen. Um das Offensichtliche noch einmal anzusprechen: Das bedeutet nicht, dass du dein Gehirn oder deine Bibel an der Kirchentür abgeben musst. Das wäre auch kein biblisches Konzept.

Es heißt auch nicht, dass du niemals deine Gemeinde wechseln darfst, falls unüberbrückbare Differenzen auftreten oder der „Nasenfaktor“ ins Spiel kommt, also wenn man sich einfach nicht mehr riechen kann. Das ist menschlich und völlig in Ordnung, auch geistlich. Du darfst deine Gemeinde wechseln, dein Heil hängt nicht daran, es ist total okay.

Aber wenn du deine Gemeinde wechselst, dann tu das bitte so, dass du in der neuen Gemeinde auch wirklich lebst. Geh nicht aus der alten Gemeinde raus, bevor du nicht klar bist, wo du stattdessen hingehst. Das machst du mit deiner Wohnung doch auch nicht. Du ziehst ja auch nicht aus, um irgendwo anders eine neue Wohnung zu haben und dann obdachlos zu sein.

Und welche Gemeinde es dann auch immer wird: Du brauchst eine bibeltreue Gemeinde. Sei dort auch wirklich präsent. Das heißt, dass du dort, wo du bist, auch wirklich bist – nicht als halbherziges Aktivenmitglied alle zwei Monate mal zum Gottesdienst auftauchen, wenn gerade kein Familienausflug ansteht, kein Besuch da ist oder du nicht ausschlafen willst.

Das heißt auch, dass du nicht nur körperlich da bist, während du innerlich schon gekündigt hast. Du bejahst deine Mitgliedschaft und sagst: Für diesen Zeitraum, in dem ich hier bin, will ich hier sein. Das hat etwas mit Commitment zu tun, mit Vorschussvertrauen. Und das ist etwas Gesundes.

Das Zweite, was eine Voraussetzung ist, damit das neutestamentliche Konzept von Gemeinde funktioniert, ist Folgendes – und da werden jetzt sicher kritische Kommentare kommen, denn das klingt erst einmal missverständlich: Du bist als Gemeindemitglied in erster Linie passiv.

Natürlich ist es gut, richtig und wichtig, dass du dich in deiner Gemeinde – gerade wenn sie etwas kleiner ist – bis zu einem gewissen Maß ehrenamtlich engagierst und dich mit deinen Fähigkeiten und Ressourcen einbringst. Das sieht bei jedem ganz anders aus.

Wenn ich zum Beispiel lange Zeit nicht die Möglichkeit hatte, meine Gemeinde finanziell zu unterstützen, habe ich eben versucht, Zeit zu spenden. Das ist total okay. Andere haben ganz andere Begabungen. Der eine kümmert sich gut um den Kindergottesdienst, jemand anderes ist gut in organisatorischen Dingen. Wunderbar! Dafür hat Gott uns doch ganz verschieden begabt. Alles in Ordnung.

Worum es hier geht, ist die Frage der Verhältnismäßigkeit. Denk mal mit: Ich will dich jetzt kurz herausfordern, wenn ich darf. Ich muss doch zuerst empfangen, bevor ich geben kann. Und ich muss doch mehr empfangen, bevor ich einen Teil davon weitergeben kann.

Wenn ich nur zur Gemeinde gehe, um dort aktiv zu sein, mitzuarbeiten und zu geben, wann und wo genau empfange ich dann? Ich will es jetzt mal absichtlich überspitzen, um dir das Problem zu zeigen: Im Sinn des Neuen Testaments kann ich nicht Christ sein, solange ich überwiegend zur Gemeinde gehe, um mich dort zu engagieren und zu geben. So funktioniert das nicht.

Wofür gehe ich denn als Christ in die Gemeinde? Wofür mache ich das? In erster Linie gehe ich als Christ in die Gemeinde, um geistliche Nahrung zu empfangen, um Leitung zu empfangen, um Weisung zu empfangen, um Gemeinschaft zu empfangen.

Das heißt für mich als Mensch, als Individuum und als Seele – denn ich bin ja nicht nur ein soziales Wesen, sondern auch ein geistliches Wesen – ist die Gemeinde in erster Linie ein Ort für ein gesundes Nehmen, nicht in erster Linie ein Ort zum Geben.

Mal schwarz-weiß gezeichnet: Deine Gemeinde sollte eine Schule für deine Seele sein und nicht ein zweiter Arbeitsort. Ich sollte überwiegend als seelischer Schüler kommen, bereit, geistlich dazuzulernen und zu wachsen.

Das ist übrigens auch das, was im griechischen Urtext gemeint ist, wenn davon die Rede ist, dass die Jünger sich um Jesus versammelten. Im Altgriechischen steht dort das Wort „mathetes“, das heißt „die, die von ihm lernen“. Damit ist nicht nur der Kopf gemeint.

Deshalb ist es in einigen gesunden Gemeinden so, dass Ehrenamtliche maximal jede dritte Woche mitarbeiten dürfen. So wird sichergestellt, dass sie an zwei von drei Wochen normale empfangende Gemeindemitglieder sein können. Das ist eine gesunde Idee, über die du mal nachdenken kannst.

Das neutestamentliche Konzept von Gemeinde funktioniert also nur, solange ich als Gemeindemitglied mehr ein empfangendes Mitglied bin als ein gebender Mitarbeiter.

In zweiter Linie ist ehrenamtliches Engagement eine ganz tolle Sache, absolut, keine Frage. Aber in erster Linie ist eine Gemeinde für mich da und nicht ich für die Gemeinde. Dafür gibt es den Pastor, und der wird dafür bezahlt.

Das heißt: Gemeinde nach dem neutestamentlichen Prinzip funktioniert nur, solange ich mehr ein normales Gemeindemitglied bin als ein Mitarbeiter.

Abschließende Gedanken und Ermutigung

Deshalb zwei abschließende Gedanken für alle, die gerade keine Gemeinde vor Ort haben, für jeden, der jetzt nur Online-Gemeinschaft erlebt, ohne Verbindlichkeit – oder falls du, wie ich, eine Zeit lang Churchhopping machst, also zu unterschiedlichen Gemeinden gehst, ohne dich auf eine Heimatgemeinde festzulegen.

Ich sage das wirklich aus eigener Erfahrung als früherer Mitbetroffener: Frag dich einfach selbst in der Moral und stell es dir ganz konkret vor. Die eine Gemeinde zuckt mit den Achseln, wenn Leute zum Beispiel unverheiratet zusammenziehen. Die andere Gemeinde ermutigt zu Commitment und zu Heiligkeit. Wenn ich jetzt keine Gemeinde vor Ort habe, warum sollte ich mir dann nicht die Position rauspicken, die mir gerade besser gefällt?

In der Lehre behauptet die eine Gemeinde zum Beispiel eine Allversöhnung. Das heißt, dass am Ende alle in den Himmel kommen oder die Hölle leer wäre beziehungsweise gar nicht existiert. Die andere Gemeinde hält dagegen die biblische Lehre hoch. Warum sollte ich als Gemeindemitglied mir nicht die Position rauspicken, die mir besser gefällt? Ist das ein ehrliches Vorgehen? Gründe ich damit im Grunde nicht meine eigene Kirche?

Und für alle, die noch keine Gemeinde haben und sich einer anschließen wollen: Falls du dich fragst, was die richtige Gemeinde ist – das ist, nein, Spaß – es gibt keine perfekte Gemeinde. Also nimm einfach eine unperfekte Ortsgemeinde und verbessere sie, indem du dort mitwirkst.

Ein paar sinnvolle Fragen zum Schluss: Von welcher Gemeinde, von welchem Hauskreis sollen überhaupt irgendwann einmal Menschen mein Leben kennen dürfen? Welchem Pastor oder welcher Gemeindeleitung ordne ich mich unter – in Fragen von Lehre und in Fragen von Moral? Welche Gemeinde soll sonst das Recht und die Pflicht haben, in Lehre und Moral irgendwann einmal in mein Leben sprechen zu dürfen? Und wo gehe ich, wenn der Bedarf da ist, in die Seelsorge?

Das alles immer im Bewusstsein vom Hebräerbrief, wo es heißt: Die Aufgabe der Gemeindeleiter ist es, über eure Seelen zu wachen, und sie werden Gott dafür einmal Rechenschaft ablegen müssen (Hebräer 13,17).