Serie•Teil 6 / 7Da berühren sich Himmel und Erde
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung: Warum Gleichnisse sofort wirken
So weit ist es also mit dir gekommen, schimpft der Pfarrer mit deinem Jungen, du hast Schokolade gestohlen. Weißt du denn nicht, dass es ein Wesen gibt, das alles sieht, alles weiß und vor dem ich nur ein kleines Staubkorn bin?
Ja, schluchzt der Junge, es ist die Frau Pfarrer.
Wisst ihr, warum ihr jetzt gelacht habt? Ich habe gelacht, weil ihr die Anspielung dieser Geschichte versteht. Alle Elemente dieser Geschichte sind euch vertraut, und die überraschende Pointe löste bei uns eine sofortige Reaktion aus. Es ist nicht nötig, euch diesen Witz zu erklären. Wenn ich euch diesen Witz erklären müsste, wäre es kein Witz. Dann wäre der Witz, dass ich euch den Witz erklären muss. Ein Witz muss einfach einschlagen. Er muss sofort verstanden werden, sonst ist er ja nicht lustig.
Und genauso ähnlich verhält es sich mit den Gleichnissen, die Jesus erzählte. Die meisten Gleichnisse lösten bei den Zuhörern sofortige Reaktionen aus. Sie verstanden sofort, was Jesus damit andeutete, seine Feinde noch schneller als manchmal die Jünger. Als Jesus den Pharisäern einige Gleichnisse erzählte, wussten sie, dass Jesus über ihr Verhalten sprach, obwohl im Gleichnis keine Pharisäer vorkamen. Als die führenden Priester und Pharisäer diese Gleichnisse hörten, war ihnen klar, dass sie damit gemeint waren und dass es Volltreffer gewesen waren. Sie waren außer sich. Am liebsten hätten sie Jesus gepackt, eingesperrt und getötet, was sie ja später dann auch getan hatten. Aber sie fürchteten sich noch vor der Reaktion des Volkes.
Wenn Jesus Gleichnisse erzählte, löste das meistens unmittelbare Betroffenheit aus. Es sind Geschichten, die sich im Lebensumfeld der Zuhörer abspielen. Diese Geschichten beinhalten immer überraschende Elemente und Wendungen, die niemand erwartet. Und das ist ja dann auch der Effekt, den Jesus damals erzeugen konnte.
Und warum erkläre ich das? Heute beschäftigen wir uns mit einem Gleichnis, das Jesus im Blick auf seine Wiederkunft erzählte. Das Gleichnis der zehn Jungfrauen, die an einer Hochzeit teilnehmen wollen, musste schon ganz verschiedene Deutungsversuche über sich ergehen lassen. Gleichnisse, die wir heute nicht mehr sofort verstehen, verleiten uns oft zu abenteuerlichen Spekulationen. Es wird der Eindruck erweckt, dass das Gleichnis eine verborgene Botschaft in sich trägt, die wir jetzt durch besondere geheime Schlüssel und besondere Einsichten aufschließen müssen.
Das mag vielleicht interessant sein, und das mag uns vielleicht schmeicheln, dass wir etwas verstehen, was im Grunde genommen für alle verborgen bleibt. Doch wenn wir ehrlich sind, bleiben wir oft auch verstört zurück und denken: Muss denn das alles immer so kompliziert sein?
Ich habe mal gehört, dass ich dieses Gleichnis vorbereitete. Ich höre mich ja manchmal auch ein bisschen im Internet herum. Da habe ich jemanden gehört, der einen Vortrag gehalten hat. Der hat gesagt, er könnte eine ganze Woche problemlos über dieses Gleichnis sprechen. Also, ich muss euch sagen, mir reicht das heute Abend.
Es ist nicht so kompliziert. Man muss einfach verstehen, dass Gleichnisse keine Rätsel sind. Spekulative Auslegungen verunsichern uns, und wenn wir ehrlich sind, machen sie uns Angst. Wenn zum Beispiel bei diesem Gleichnis ein Klassiker daraus gemacht wird und das Öl für den Heiligen Geist steht, dann würdet ihr heute diese Kirche verlassen und euch fragen: Habe ich jetzt genug Heiligen Geist oder nicht? Denn es hatten ja alle Jungfrauen Öl, wenn das Öl der Heilige Geist ist.
Jesus wollte aber verstanden werden. Er gab seinen Jüngern und uns keine verschlüsselten Botschaften weiter. Und wenn die Jünger ein Gleichnis nicht verstanden und Jesus es ihnen erklärte, war die Erklärung einfach und sofort einsichtig.
Der Schlüssel zum Verständnis von Bildern und Geschichten
Also nehmen wir einmal das Gleichnis vom vierfältigen Kornfeld, vom Sämann. Da erzählt Jesus dieses Gleichnis vom Sämann. Die Jünger verstehen zunächst nichts, und das ist ja oft so bei den Jüngern. Oft haben sie nicht begriffen. Es waren ja auch die Pharisäer, die wollten, dass man das Grab bewacht, weil sie sich daran erinnerten, dass Jesus gesagt hatte, er würde auferstehen. Sie wollten das Grab bewachen. Die Jünger waren alle weg, die haben gar nicht daran gedacht, dass Jesus das gesagt hatte. Also egal, wir sprechen jetzt nicht über die Jünger.
Jetzt fragen die Jünger Jesus: Wie müssen wir das Gleichnis verstehen? Und dann sagt Jesus: Der Same ist das Wort Gottes. Und wir denken: Warum bin ich nicht selber auf die Idee gekommen? Natürlich, dann macht alles Sinn, dann ist alles klar, es bleibt kein Widerspruch, es geht in sich auf.
Gleichnisse sind keine geheimnisvollen Rätsel, die wir lösen müssen und die nur bestimmte eingeweihte Leute verstehen können. Im Grunde genommen kann das Gleichnis, wenn es aufgeschlüsselt ist, jeder verstehen. Und er kann sagen: Jawohl, das macht in sich Sinn. Ob man es dann glauben will oder nicht, ist ein anderes Thema. Aber es ist in sich schlüssig.
Natürlich verstehen wir die Gleichnisse nicht so wie damals die Menschen, denn wir leben heute in einer ganz anderen Welt. Wir verstehen nicht alle Anspielungen automatisch, wie bei dem Witz, den ich euch erzählt habe. Würde ich den Witz irgendwo erzählen, wo es keinen Pfarrer gibt, dann würde kein Mensch lachen, weil gar keine Assoziationen dazu da sind.
Deshalb müssen wir herausfinden, was die ersten Zuhörer verstanden haben, als sie diese Geschichte hörten. Das ist der Schlüssel zum Verständnis eines Gleichnisses und überhaupt auch zum Verständnis der Bibel.
Nun wollen wir sehen, was wir heute herausfinden und was ich euch da zeigen kann. Zuerst möchte ich aber den Abschnitt nochmals in sozusagen deutscher Sprache lesen. Oder soll ich ihn so im Dialekt lesen, schweizerdeutsch?
Die Erzählung in verständlicher Form
Wenn der Menschensohn kommt, Menschensohn steht für Jesus Christus, wird es mit dem Himmelreich wie mit zehn Brautjungfern sein, die ihre Fackeln nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die Törichten nahmen zwar ihre Fackeln mit, aber keinen Ölvorrat. Die Klugen dagegen hatten nicht nur ihre Fackeln dabei, sondern auch Gefäße mit Öl.
Als sich nun die Ankunft des Bräutigams verzögerte, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht ertönte plötzlich der Ruf: Der Bräutigam kommt, geht ihm entgegen! Die Brautjungfern wachten alle auf und machten sich daran, ihre Fackeln in Ordnung zu bringen.
Die Törichten sagten zu den Klugen: Gebt uns etwas von eurem Öl, denn unsere Fackeln sind ausgegangen. Aber die Klugen erwiderten: Das können wir nicht, es reicht sonst weder für uns noch für euch. Geht doch zu einem Kaufmann und holt euch selbst, was ihr braucht.
Und während die Törichten weg waren, um Öl zu kaufen, kam der Bräutigam. Die fünf, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und dann wurde die Tür geschlossen. Später kamen auch die anderen Brautjungfern und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Doch der Bräutigam antwortete: Ich kann euch nur sagen: Ich kenne euch nicht.
Seid also wachsam!, schloss Jesus, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde im Voraus.
Der große Rahmen dieser Erzählung ist ein Hochzeitsfest. Entsprechend der damaligen Sitte wurde die Braut vom Haus des Vaters vom Bräutigam abgeholt. Vermutlich wartete man im Haus des Vaters auf die Ankunft des Bräutigams. Sobald man hörte, dass er kommt, machte man sich auf den Weg, und die Brautjungfern liefen ihm entgegen. Da es meistens am Abend dunkel ist, und in Israel wird es ja knallauffallend dunkel, die haben nicht so eine Dämmerung wie wir, brauchten sie diese Lichter.
Das waren Lichter an Stangen, an deren Spitze sich so eine Art Kupferschale befand, mit Kleiderfetzen, Öl und Baumharzen getränkt. Einige übersetzen das deshalb mit Fackeln.
Mit diesem Hintergrund beginnt Jesus die Erzählung: Wenn der Menschensohn kommt, wird es mit dem Himmelreich wie mit zehn Jungfrauen sein, die ihre Fackeln nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Oder anders gesagt: Wenn Jesus kommt, das zweite Mal. Jetzt ist er gekommen an Weihnachten, und an Weihnachten war das erste Mal. Dann ist er getötet worden, dann ist er auferstanden, zum freien Vater zurück, und jetzt wartet die Gemeinde Jesu auf sein nächstes Kommen. Das ist dann quasi das nächste Kommen, ich sage das Ende der Welt, nur so vom Konzept her.
Und hier erzählt es Jesus. Da geht es ihm darum zu sagen, wie das sein wird, wenn er eben das nächste Mal kommt. Wenn Jesus kommt, wird prinzipiell etwas Vergleichbares geschehen wie in dieser Geschichte der zehn Jungfrauen. Jesus hat verschiedene Geschichten in Bezug auf seine Wiederkunft erzählt, verschiedene Gleichnisse, und jedes Gleichnis betont einen anderen Punkt. Wir haben jetzt einfach dieses eine hier, eines werden wir morgen noch anschauen.
Die erste Überraschung ist, dass sich die Jungfrauen unterscheiden. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Bei einer Hochzeitsfeier würde man eher sagen, es waren zehn hübsche Jungfrauen. Aber da ging es jetzt um etwas anderes. Die einen waren klug, die anderen töricht. Oder schön gekleidete Jungfrauen, so irgendetwas. Aber nicht so, dass man einfach sagen könnte: Die einen sind klug, die anderen töricht. Wie sich dieser Unterschied bemerkbar macht, erfahren wir auch gleich.
Warten, Müdigkeit und die erste Zuspitzung
Die Törichten nahmen zwar ihre Fackeln mit, aber keinen Ölvorrat. Die Klugen dagegen hatten außer ihren Fackeln auch Gefäße mit Öl dabei.
Nun ist es für die Zuhörer vielleicht gar nicht so klar, ob dieser Vorrat wirklich nötig ist und ob das nicht etwas übertrieben ist. Normalerweise sollte ja eine Füllung für diese Lampen reichen. Falls es unverhofft nicht reichen würde, wäre ja vielleicht im Haus der Braut noch ein Ölvorrat vorhanden.
Doch nun trifft es tatsächlich ein, was niemand überhaupt erwartet hatte: Der Bräutigam kommt einfach nicht. Natürlich wusste man die genaue Zeit nicht. Aber nun hat er die Toleranz überschritten. Das ist ja bei uns auch so, wir haben auch so eine Toleranz. Bei den Schweizern ist sie relativ eng, da handelt es sich um Sekunden, unsere Toleranz. Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist, ob das Minuten sind. In eher arabischen Ländern oder so ist die Toleranz dann ein bisschen größer. Aber egal, wie groß die Toleranz ist, irgendwann ist auch da Schluss.
Irgendwann hat man den Eindruck: So, jetzt ist es gelaufen, jetzt kommt er nicht mehr. Und man musste sich schon fragen, ob überhaupt dieser Bräutigam noch kommen will und ob diese Hochzeit überhaupt stattfindet.
Als sich nun die Ankunft des Bräutigams verzögerte, wurden sie alle müde und schliefen ein. Alle sind miteinander eingeschlafen. Die Wartezeit war für die zehn Jungfrauen zu lang, der Spannungsbogen war gebrochen.
Ich warte, kommt der, kommt der, kommt der, kommt der. Und danach noch: Es geht schon eine Stunde, aber er kommt dann gleich, kommt dann gleich. Nach zwei Stunden denkt man: Jetzt habe ich schon etwa zwei Stunden lang immer gedacht, jetzt kommt er gleich. Jetzt kommt er vermutlich nicht mehr.
Es war einfach so: Der Spannungsbogen war gebrochen. Das war zu lang für diese Frauen, sie wurden sehr müde und schliefen ein. Die Törichten und die Klugen miteinander. Also die Klugen schliefen nicht später als die Törichten.
So wichtig komme ich da noch einmal drauf. Jetzt dachten vielleicht die Jünger: Nun hat den Klugen der Vorrat auch nichts genützt. Sie schlafen ein, der Bräutigam kommt nicht, die Hochzeit findet nicht statt, alles umsonst.
So war nun der erste Teil der Geschichte.
Drei Deutungsfragen vor dem Weitergang
Bevor wir mit der Erzählung weiterfahren, möchte ich drei Punkte klären.
Erstens: Das Hochzeitsfest ist ein Bild für die Zusammenführung der Jünger mit ihrem Herrn. Jesus ist der Bräutigam. Es ist die Wiederkunft von Jesus, der seine Gemeinde zu sich holen wird. Das ist ein Ereignis, auf das wir warten. Es ist eigentlich das nächste grosse Ereignis, auf das Christen warten.
Zweitens ist es wichtig festzustellen, wie sich die törichten von den klugen Jungfrauen unterscheiden. Das wird uns am Schluss der Geschichte sofort klar, aber ich möchte das schon hier erklären. Jesus erklärt in der Bergpredigt mit einem Vergleich, wer klug und wer töricht ist. Er sagt: Jeder, der mein Wort hört und danach handelt, gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Felsengrund baut. Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht, die Wassermassen heranfluten und der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus hereinbricht, stürzt es nicht ein; es ist auf felsigem Grund gebaut. Das sind also die klugen Menschen, die auf Gott hören und entsprechend handeln. Sie bauen auf Felsen, sie sind klug.
Und die Törichten: Jeder, der mein Wort hört und nicht danach handelt, gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf sandigem Boden baut. Wenn dann ein Wolkenbruch niedergeht, die Wassermassen heranfluten und der Sturm tobt und mit voller Wucht über das Haus hereinbricht, stürzt es ein und wird völlig zerstört. Es ist also die Reaktion auf die Gebote Gottes, auf das Wort Gottes, die die törichten von den klugen Jungfrauen unterscheidet.
Drittens müssen wir feststellen, um was für einen Schlaf es sich in diesem Gleichnis handelt. Die klugen und törichten Jungfrauen schliefen ja alle ein. Da gibt es absolut keine Unterschiede. In der Bibel und auch in unserem Sprachgebrauch verbinden wir mit Schlafen verschiedene Vorstellungen. Eine Vorstellung ist der Erholungsschlaf, den wir täglich nötig haben und auf den sich vielleicht die einen jetzt schon freuen. Ich bitte euch, einfach noch ein bisschen mitzuwarten.
Eine weitere Verwendung ist der geistliche Schlaf. Bei diesem Schlaf verliert man die Sicht für die richtigen und wichtigen Werte im Leben. Deshalb gibt es verschiedene Weckrufe, die uns auffordern, die Augen vor der Wirklichkeit nicht zu verschliessen. Paulus schreibt Timotheus, wir dürfen nicht schlafen wie die anderen, sondern sollen wach und besonnen sein. Damit meint er natürlich nicht, dass man 24 Stunden am Tag aufbleibt, sondern dass wir das Wissen um die Wiederkunft Jesu und um die wichtigen Werte nicht vergessen und nicht aus dem Blick verlieren, worum es im Leben wirklich geht.
Viele Ausleger meinen, dass in diesem Gleichnis dieser Schlaf gemeint ist. Nur müsste man dann doch beantworten, warum die fünf Klugen auch eingeschlafen sind. Dann sind sie ja nicht klug; damit hätten sie ja ihre Klugheit verschlafen, versteht ihr? Das kann nicht der Unterschied sein. Also kann es nicht ein geistlicher Schlaf sein, auch wenn sich das sehr schön anbietet. Wenn man sagt, es sei geistlicher Schlaf, dann geht das ganze Gleichnis nicht auf, man kann das nicht lösen. Da muss man fragen: Warum macht es jetzt diesen Unterschied? Am Schluss schlafen ohnehin alle miteinander ein. Also, was ist jetzt die Warnung? Ja, selbst wenn du klug bist, kannst du einschlafen. Das kann ja nicht sein.
Und als Drittes wird Schlaf auch euphemistisch, also beschönigend, für den Tod verwendet. So schreibt Paulus: Wir wollen euch nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind. Also über die, die gestorben sind, über die Toten. Und Jesus sagt zu seinen Jüngern, als Lazarus gestorben war: Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen. Jesus wusste genau, dass er nicht geschlafen hat, sondern dass er gestorben ist.
Die törichten und klugen Jungfrauen sind eingeschlafen. Ich bin der Überzeugung, dass mit dem Schlafen der Tod gemeint ist. Sie sind gestorben. Sie haben auf den Bräutigam gewartet, der ist nicht gekommen, und jetzt sind sie gestorben. Die Klugen sind eingeschlafen, sie sind gestorben, und auch die Törichten, weil der Bräutigam so lange nicht gekommen ist.
Die Jungfrauen, das sind die Menschen, die vor der Wiederkunft, bevor Jesus kommt, sterben. Es ist nicht wie beim Gleichnis von den bösen und treuen Dienern, die noch leben, wenn der Herr zurückkommt. Das ist eben hier ein anderer Aspekt. Die Jungfrauen haben das Fest verpasst, es scheint so, als ob die Hochzeit ausgefallen ist.
Bei den ersten Christen war genau das eine unglaublich wichtige Frage: Was geschieht mit denen, die gestorben sind, bevor Jesus wiederkommt? Weil die Erwartung sehr stark war, dass der Herr kommen wird, Maranatha, hat man mit dem Bewusstsein gelebt: Jederzeit kann Jesus kommen. Jetzt sterben plötzlich Christen, was geschieht jetzt mit ihnen? Diese Frage stellt uns übrigens auch Paulus, und Paulus hat das ja dann im Thessalonicherbrief beantwortet. Und das ist der Punkt: Das war eine brennende Frage bei den ersten Christen. Was ist denn los? Was passiert mit denen, wenn sie gestorben sind?
Nur nimmt die Geschichte eine überraschende Wende: Mitten in der Nacht ertönt plötzlich der Ruf, der Bräutigam kommt, geht ihm entgegen. Die Hochzeit ist also nicht abgeblasen. Sie findet statt, einfach viel, viel später als erwartet.
Die überraschende Wende und das Ende der Tür
Der Bräutigam kommt, auch wenn ihn niemand mehr erwartete. Sie haben das Fest nicht verpasst, und dann musste alles schnell gehen. Die Jungfrauen wachten alle auf und machten sich daran, ihre Fackeln in Ordnung zu bringen.
Sie mussten ihre Fackeln schnell reinigen und Öl nachfüllen. Doch die Törichten hatten natürlich kein Öl mehr, weil sie bei brennender Fackel eingeschlafen waren. Das Licht war ausgegangen, deshalb brauchten sie jetzt Nachschub. Nun fehlte es ihnen. „Gebt uns auch von eurem Öl, unsere Fackeln gehen aus“, sagten sie.
Sie waren in Panik. Doch selbst wenn die Klugen ihnen hätten helfen wollen, hätte es keinen Sinn gemacht. Denn sie sagten: „Das können wir nicht. Es reicht sonst weder für uns noch für euch. Geht doch zu einem Kaufmann und holt euch selbst, was ihr braucht.“
Da blieb den Törichten nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach dem Öl zu machen. Und während die Törichten weg waren, um Öl zu kaufen, kam der Bräutigam. Die fünf, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und dann wurde die Tür geschlossen.
Das ist, denke ich, ein überraschender Effekt, dass man bei einer Hochzeit einfach gleich alles abschließt. Was für eine Freude muss das gewesen sein! Sie sind bei diesem Hochzeitsfest dabei, bei einem Hochzeitsfest, auf das sie ein Leben lang gewartet hatten.
Einige Zeit später kommen die törichten Jungfrauen zum Haus. Vermutlich hatten sie immer noch kein Öl, nehme ich an. Ich weiß es nicht, denn mitten in der Nacht, während sie kaum einen Händler gefunden haben, ist das auch egal. Sie versuchten jetzt trotzdem, zum Fest zu kommen. Doch die Türen zum Festsaal waren verschlossen. Und so rufen sie: „Herr, Herr, mach uns auf! Herr, Herr, mach uns auf!“ Vielleicht haben sie sogar noch an die Türen gepoltert.
Der Bräutigam hörte ihr Rufen, aber er will ihnen die Tür nicht öffnen. Und die Begründung ist nicht das fehlende Öl, was wir eigentlich erwarten würden. Ich lasse euch nicht rein, weil ihr kein Öl habt. Ihr habt zu wenig Öl. Aber hier geht es gar nicht ums Öl, es geht um viel mehr.
Der Bräutigam sagt nämlich: „Ich kann euch nur das eine sagen: Ich kenne euch nicht.“ Ich kann euch nur eines sagen: Ich kenne euch nicht. Mit anderen Worten: Ihr seid gar nicht zum Fest eingeladen. Eure Namen stehen nicht auf meiner Gästeliste. Ich lasse nur die Gäste rein.
Was für ein Schock für diese törichten Jungfrauen.
Die eigentliche Frage: Zugehörigkeit zu Christus
Den meisten ist mittlerweile klar geworden, dass Jesus hier von der Auferstehung spricht. Die Rufe, die die Jungfrauen aufweckten, werden die Rufe sein, die uns im Zusammenhang mit der Auferstehung oft begegnen.
So schreibt Paulus den Thessalonikern übrigens gerade auch in diesem Abschnitt, in dem er die Frage beantwortet, was mit denen geschieht, die sterben, bevor Christus gekommen ist: Der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen, ein lauter Befehl wird ertönen, und auch die Stimme eines Engelfürsten und der Schall der Posaune Gottes werden zu hören sein. Daraufhin werden zuerst die Menschen auferstehen, die im Glauben an Christus gestorben sind.
Die im Glauben an Christus gestorben sind, das sind die klugen Jungfrauen. Für die törichten Jungfrauen wird das ein böses Erwachen sein. Sie realisieren sofort, dass sie nicht vorbereitet sind. Und sie versuchen trotzdem, in den Festsaal zu kommen. Der Bräutigam kennt die törichten Jungfrauen nicht, sie sind nicht auf seiner Gästeliste.
Was er diesen Jungfrauen sagt, erinnert an das ernste und schockierende Wort aus der Bergpredigt, wo Jesus sagt: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, wird ins Himmelreich kommen, sondern nur der, der den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen prophetisch geredet, in deinem Namen Dämonen ausgetrieben, in deinem Namen viele Wunder getan?
Was mich an dieser Aussage wirklich schockiert, ist, dass diese Menschen Beachtliches vorzuweisen haben. Es sind Menschen, denen das Religiöse nicht fernlag. Sie handeln sogar im Namen von Jesus, mit scheinbar hoher Autorität: prophetische Rede, Dämonen austreiben, Wunder tun. Wer solches vollbringt, braucht übersinnliche Kräfte. Also heißt es ja nicht: Wir haben jeden Tag gebetet, wir sind jeden Sonntag in den Gottesdienst gegangen, wir haben die nötigen Opfer gebracht, sondern sie bringen Dinge hervor, für die besondere Autorität nötig ist.
Und Jesus sagt ihnen: Ich habe euch nie gekannt, geht weg von mir, ihr mit eurem gesetzlosen Treiben. Mit anderen Worten: Diese Leute sind noch nie mit Jesus zusammengekommen. Jesus kennt sie nicht, weil er von ihnen nie eingeladen wurde. Sie sind wohl fromm und religiös, sie sprechen vielleicht sogar von Jesus, aber sie haben ihn noch nie eingeladen. Sie sind seinem Ruf nicht gefolgt, obwohl die Einladung steht.
Kommt zu mir, sagt Jesus, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast zerdrückt werdet, ich werde sie euch abnehmen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn das Joch, das ich auferlege, drückt nicht, und die Last, die ich zu tragen gebe, ist leicht.
Es ist also nicht schwierig. Die Gebote Gottes sind leicht, jeder Mensch kann sie einhalten. Doch zuerst müssen wir auf die Einladung von Jesus antworten. Zuerst müssen wir uns von Jesus unsere Last abnehmen lassen, unsere Schuld. Erst wenn das geschehen ist, werden die Gebote Gottes leicht für uns sein, denn in diesem Moment lebt Jesus durch den Heiligen Geist in uns. Das ist der Punkt.
Einladung, Glaube und neue Zugehörigkeit
Die zentrale Frage unseres Lebens muss eigentlich sein: Stehe ich auf der Gästeliste für das Hochzeitsfest mit Jesus, wenn er uns holt? Die Frage ist: Wie komme ich auf diese Gästeliste, wenn ich nicht darauf bin?
Es ist eigentlich ganz einfach. Das ist ja das fantastische Evangelium: Der Glaube heißt nicht, dass ich jetzt sagen muss: Wenn ihr in den Himmel kommen wollt, dann müsst ihr mindestens vom Erzgebirge auf den Knien bis nach Zürich kriechen. Wenn ihr das geschafft habt, dann kann Gott nicht anders, dann stößt er euch die Himmelstüre auf. Oder ihr müsst nur jeden Sonntag hier in die Kirche kommen und möglichst jedes Mal, wenn sich die Gemeinde trifft. Und dann, wenn ihr das tut, wird euch Gott die Himmelstüre aufstoßen, er wird euch die Tür zum Saal öffnen, dann steht ihr auf der Gästeliste.
Nein, es ist zum Glück nicht so. Es ist egal, woher du kommst, es ist egal, wer du bist: Jeder Mensch hat den gleichen Zugang zu diesem Hochzeitsfest. Jeder von uns hier drin, wenn er noch nicht auf der Gästeliste steht, kann auf diese Gästeliste kommen. Du bist eigentlich nur ein aufrichtiges Gebet davon entfernt.
Ich möchte das kurz aufzeigen. Wenn wir Jesus einladen, das können wir in einem Gebet machen, dann werden wir Kinder Gottes. Wie es im Johannesevangelium heißt: Allen, die Jesus aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. Und wenn wir Gottes Kinder sind, dann gehören wir zur Gottesfamilie. Dann sind wir zu diesem Hochzeitsfest natürlich eingeladen, weil wir Familienmitglieder sind. Dann stehen wir auf der Gästeliste.
Und wenn wir Kinder Gottes geworden sind, wird Gott durch den Heiligen Geist in uns leben. Das finde ich auch etwas Wunderbares am Evangelium. Christ sein und glauben heißt nicht, dass ich ein Gesetzbuch bekomme und dann schauen muss, welche Gesetze ich jetzt halten muss. Sondern Christ sein heißt, dass Gott in mir etwas Neues beginnt.
Ich bin mit 19 Jahren Christ geworden. Ich bin nicht speziell aus einem gläubigen Haus, in einem gläubigen Haus groß geworden, nicht freikirchlich, ein bisschen kirchlich. Mein Vater besuchte Gottesdienst nie, meine Mutter mehr, war im Kirchenchor und so, auch so ganz normal. Das war für mich eine große Veränderung. Ich habe auch vorher in der Bibel gelesen, aber nachdem ich wirklich mein Leben Jesus anvertraut hatte, hat sich in mir etwas Fundamentales verändert. Ich habe die Bibel viel besser verstanden, nicht gleich alles, aber viel besser. Ich habe vorher ab und zu gelesen, habe das meiste nicht verstanden, plötzlich hat sich mir das Wort Gottes geöffnet.
Und was mich fasziniert bis heute: Jetzt bin ich ja mittlerweile, das war mit 19, jetzt bin ich ja schon 62 geworden. Ich habe all die Jahre gewusst, dass Jesus für meine Schuld gestorben ist, dass er auferstanden ist und dass er kommen wird. Und das weiß ich genauso gut, wie ich weiß, dass ich meine Frau geheiratet habe. Ich habe vor bald vierzig Jahren geheiratet. Nächstes Jahr haben wir vierzigjährige Hochzeitstage. Wenn mir jemand sagen würde: Du hast deine Frau nicht geheiratet, würde ich sagen: Du lügst.
Wenn mir jemand sagen würde, wenn ich sagen müsste, wenn mich jemand dazu zwingt, zu sagen, dass Jesus nicht der Sohn Gottes ist und nicht für die Schuld von uns am Kreuz gestorben ist, und ich würde sagen: Ja, das stimmt, er ist nicht für unsere Schuld gestorben, dann wüsste ich, dass ich gelogen habe. Und wisst ihr warum? Nicht, weil ich ein wunderbar frommer Christ bin, sondern weil Gott in mir lebt durch den Heiligen Geist. Der Geist Gottes gibt Zeugnis meinem Geist, dass ich ein Kind Gottes bin.
Ich glaube nicht, dass ich diese Jahre aus religiösem Leben diese tiefe Überzeugung hätte erarbeiten können. Es sei ein Geschenk: Weil ihr nun seine Söhne und Töchter seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt, den Geist, der in uns betet und Abba, Vater, ruft. Das ist Gott selbst, der das in mir tut. Deshalb ist der christliche Glaube ein ganz besonderer Glaube, weil Gott mein Leben verändert und ich nicht einfach Vorschriften einhalten muss.
Als ich mich bekehrte, habe ich ziemlich viel in der Bibel gelesen, einfach weil ich wollte. Niemand hat mir gesagt: Du musst jetzt in der Bibel lesen. Ich habe die Bibel gelesen wie verrückt, meine Eltern haben gesagt: Du würdest besser wieder mal Zeitung lesen. Gut, heute lese ich auch viel Zeitung, aber mir musste das niemand sagen, weil ich das wollte. Das war ein Wirken Gottes.
Christlicher Glaube heißt, dass etwas in mir neu wird, dass Gott in mir etwas Neues schafft, dass ich die Welt neu sehe, dass ich eine tiefe Überzeugung in mir habe, die ich nicht erzeugen kann, sondern die mir nur geschenkt werden kann, dadurch, dass der Heilige Geist zu mir kommt. Und wenn Gott in uns lebt, dann sind die Gebote Gottes nicht schwer. Gott wird uns leiten, wenn wir das zulassen. Wir können das dann auch immer noch, wir sind ja dann nicht Marionetten. Gott macht uns nicht zu Marionetten.
Ich kann heute Abend diese Kirche verlassen und etwas ganz Schlimmes machen. Ich bin immer noch, Gott hat mich nicht zu einer Marionette gemacht. Ich habe immer noch Verantwortung für mein Leben. Die Verantwortung für mein Leben hat er nicht einfach übernommen. Christ sein heißt nicht: Jetzt werde ich Christ und jetzt zieht Gott die Fäden, jetzt bin ich nur noch eine Marionette. Sondern ich bleibe der, der ich bin, und werde erneuert durch Gott, der durch den Heiligen Geist in mir lebt. Aber ich bin nach wie vor in der Lage, etwas ganz Schlimmes zu tun, weil ich mich trotzdem gegen Gott sträuben kann, wenn ich will.
Natürlich möchte ich das jetzt nicht heute Abend gerade, nicht, dass ihr Angst habt, wenn ich jetzt rausgehe. Da heißt es: Alle, die sich von Gottes Geist leiten lassen, sind seine Söhne und Töchter.
Wachsamkeit, Hoffnung und der abschliessende Zuspruch
So sagt uns Jesus mit diesem Gleichnis, dass wir mit der Zeit nicht kalkulieren sollten. Es ist nicht entscheidend, ob wir noch leben oder bereits gestorben sind, wenn er kommt. Wenn wir gestorben sind, können wir auch nichts mehr verändern.
Das Wichtigste ist, ob wir auf dieser Gästeliste stehen oder nicht. Es spielt keine Rolle, wann wir sterben, aber auf dieser Gästeliste sollten wir sein. Dann gilt: Wenn wir anklopfen und Jesus sagt: Ah ja, dich kenne ich, komm, ich mache schnell auf.
Wenn wir hier in der Beziehung zu Jesus leben und diese Beziehung heute pflegen, dann muss niemand Angst haben, dass er nicht bei dieser Hochzeit dabei sein wird. Deshalb sagt Jesus abschliessend: Seid also wachsam, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde im Voraus.
Seid einfach bereit. Schaut, dass ihr auf meiner Gästeliste seid. Es ist ganz wichtig für uns, dass wir dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren. Wir sollen so leben, dass Jesus heute kommen könnte. Und wenn wir sterben, bevor er kommt, werden wir nichts verpassen. Wir werden bei diesem grossen Fest dabei sein.
Denn die Hochzeit wird garantiert stattfinden. Wenn du auf dieser Gästeliste stehst, dann wirst du garantiert daran teilnehmen. In der Offenbarung lesen wir: Glücklich, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes von Jesus eingeladen ist. Auf alle diese Worte ist Verlass, denn es sind Worte Gottes.
Konzentrieren wir uns in unserem Leben auf die Werte, die über unseren Tod hinaus von grösser Bedeutung sind. Und schauen wir doch, dass wir auf dieser Gästeliste sind. Dann sind wir für die Zukunft vorbereitet. Und wenn wir heute mit Jesus unterwegs sind, dann wird Jesus uns kennen. Wir müssen dann keine Angst haben, dass unser Ölvorrat nicht reichen würde.
Sie können heute Abend mit jemandem von uns darüber sprechen. Sie können natürlich auch Pfarrer Seltmann anrufen für ein sehr sorgsames Gespräch, wenn Sie den Eindruck haben: Ich weiss jetzt eigentlich gar nicht, ob ich auf dieser Gästeliste stehe. Ich möchte mal mit dem Pfarrer darüber sprechen. Machen Sie doch das! Finieren Sie sich nicht!
Das ist eigentlich etwas ganz Normales. Es ist die wichtigste Frage, die man im Leben eigentlich klären sollte: Stehe ich auf dieser Gästeliste, bin ich an dieser Hochzeit dabei?
Beten Sie mit uns.
Ich danke dir, Herr Jesus, für alles, was du für uns getan hast. Du hast die Herrlichkeit bei deinem Vater verlassen, bist auf diese Erde gekommen und hast für uns am Kreuz unsere Schuld auf dich genommen. Für uns bist du gestorben.
Du bist auferstanden, und so hast du die Tür zum Himmel aufgestossen. Es ist einfach wunderbar, dass wir nur ein Gebet davon entfernt sind. Dass wir nichts erarbeiten müssen und auch nicht können, sondern dass wir uns einfach vor dir demütigen, unsere Schuld bekennen und unser Leben dir anvertrauen. Und wir dann auf dieser Gästeliste sind, dass du uns dann kennst, weil wir dadurch miteinander in Verbindung gekommen sind und du durch den Heiligen Geist in uns Wohnung nimmst.
Das ist ein riesengrosses Geschenk, und dafür möchte ich dir danken. Amen.

