
Das Große Halleluja
Nach unserem Fahrplan, vielleicht besitzen Sie ihn - wenn Sie ihn nicht besitzen, es liegen noch solche Zettel auf - nach unserem Fahrplan lesen wir heute am 25. September das "Siegeslied des Himmels", nachdem wir das letzte Mal das Klagelied der Welt noch einmal angeschaut haben.
Heute das Siegeslied des Himmels, Offenbarung 19, die Verse 1 bis 10:
Danach hörte ich etwas wie eine große Stimme. Die sprach: „Halleluja, das Heil und die Herrlichkeit und die Kraft sind unseres Gottes. Denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte, dass er die große Hure verurteilt hat, die die Erde mit ihrer Hurerei verdorben hat, und hat das Blut seiner Knechte gerächt, das ihre Hand vergossen hat.“ Und sie sprach zum zweiten Mal „Halleluja“. Und der Rauch steigt auf in Ewigkeit. Und die 24 Ältesten und die vier Gestalten fielen nieder und beteten Gott an, der auf dem Thron saß, und sprachen „Amen, Halleluja“. Und eine Stimme ging aus von dem Thron: „Lobt unseren Gott alle seine Knechte und die ihn fürchten, klein und groß“. Und ich hörte etwas wie eine Stimme einer großen Schar und wie eine Stimme großer Wasser und wie eine Stimme starker Donner, die sprachen: „Halleluja, denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat das Reich eingenommen. Lasst uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Braut hat sich bereitet“. Und es wurde ihr gegeben, sich anzutun mit schönem, reinen Leinen. Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen. Und er sprach zu mir: „Schreibe: Selig sind, die zum Hochzeitsmal des Lammes berufen sind“. Und er sprach zu mir: „Dies sind wahrhaftige Worte Gottes“. Und ich fiel nieder zu seinen Füßen, ihn anzubeten. Und er sprach zu mir: „Tu es nicht. Ich bin dein und deiner Brüder Mitknecht, die das Zeugnis Jesu haben, bete Gott an. Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Weissagung“. Amen.Liebe Freunde, der große Ausleger dieser Verse ist meiner Meinung kein Theologe gewesen, sondern ein Musiker, ein Komponist. Aus diesen Versen hat Georg Friedrich Händel sein „Großes Halleluja“ geformt. Und dort am Schluss - es stammt aus dem „Messias“, aus dem zweiten Teil - beschreibt er in seinen Tönen das große Halleluja mit dem Text. Eine Auslegung dieser Verse: „Halleluja, denn Gott, der Herr regiert allmächtig. Halleluja, das Königreich der Welt ist fortan, das Königreich des Herrn und seines Christus. Und er regiert auf immer und ewig. Halleluja. Herr der Herren, der Weltengott, und er regiert auf immer und ewig. Halleluja“. Die meisten kennen es. Wir wollen es jetzt einfach einmal miteinander hören, die Auslegung Georg Friedrich Händels.
(Einspielung aus Händel, Messias: Halleluja)
Wenn Sie Engländer wären, wären Sie bestimmt bei diesem Lied und Chorus aufgestanden, denn seit der Erstaufführung in London ist es heute noch dort der Brauch, dass man aufsteht. Bei der Londoner Erstaufführung ist ja Georg II. aus Ergriffenheit aufgesprungen, die ganze Hörergemeinde mit. Und seither wird in London und in England, an anderen Orten, dieses Stück stehend gehört. Das „Große Halleluja“.
Wissen Sie, dass außer in den Psalmen, und zwar interessanterweise nur in den Psalmen zwischen dem 104. und 150. Psalm, dieses Große Halleluja im Neuen Testament nur an dieser Stelle überhaupt vorkommt. Das Leben Jesu, das Leben der Apostel, das Leben der Jünger stand und steht nicht unter dem Großen Halleluja. Dieser Jubelruf weist immer und ganz allein nach vorne auf den, Tag, wo es einmal erklingen soll und es erklingen wird.
Wir alle stehen miteinander nicht unter dem Großen Halleluja, sondern wir stehen alle vielmehr unter dem Eindruck des „Kyrie eleison“, nämlich des „Herr, erbarme dich unser. Herr, sei uns Sünder gnädig“. Wir stehen unter dem Vorzeichen des Kreuzes und ich muss gestehen, dass mir oft genug auch dieses „Kyrie Eleison“, „Herr, erbarme dich“, viel näher und viel schneller auf den Lippen liegt. Nicht nur heute, ich komme gerade herunter von der Ostalb, von der Beerdigung eines treuen Wegbegleiters, der mit 56 Jahren in seiner Wohnung zusammengebrochen ist und tot war und heute Nachmittag beerdigt wurde und zum Schluss die Posaunen. Und ich höre noch das „Große Halleluja“, das Gloria gespielt haben. Und wenn ich immer wieder an Kranken- und Sterbebetten zu stehen habe, die Nöte der Zeit erkenne und an eigener Zerbrechlichkeit und Gebrechlichkeit leide, oder wenn ich hier an einige unter uns denke, dann geht es nicht nach dem Großen Halleluja, sondern dann geht es nach dem „Kyrie eleison“, „Herr, erbarme dich unser“.
Sicher gibt es Stunden, wo man dieses Halleluja singen möchte. Gott sei Dank gibt es diese Stunden. Sicher gehört zu solchen Stunden auch ein Jugendgottesdienst mit 2.200 jungen Leuten in einer restlos überfüllten Stiftskirche. Aber das ist die Ausnahme. Es gilt, was im Lied so heißt:
Unter Jubel ein zur Ruh in den Himmel ziehst.
Gelobt sei er, der vom Kreuz zum Throne stieg,
hilft auch dir zu deinem Sieg.
Liebe Freunde, das Große Halleluja ist die Erkennungsmelodie des Endes. So wie manche Filme oder manche Sendungen Erkennungsmelodien haben, an denen man erkennt, aha, das kommt jetzt. So wissen Christen, wenn das Halleluja aufklingt, auch wenn es mir jetzt nicht so zumute ist, auch wenn ich unter dem Kyrie eleison zerbrechen will, auch wenn ich offene Gräber um mich herum gerade genug habe, ja, wenn ich selbst nicht weiß, wie schnell dies alles auf mich zukommt, wenn dies alles so ist, dann soll mir dieses Halleluja, die Heimatmelodie der Ewigkeit, ins Ohr und ins Herz spielen. Diese Hoffnungsmelodie sollen wir heute schon einüben, wohl mit Seufzer und Tränen drin. Aber einmal, einmal wird es noch viel gewaltiger und herrlicher klingen als in Händels Messias. Einmal ohne Tränen und Seufzen, dann an jenem großen und letzten Tag, auf den wir hoffentlich alle zugehen und auf den ich mich von Herzen freue: Halleluja singst auch du, wenn du Jesum siehst.
Was soll denn all dieses Klagen? Was ist denn dieses Kyrie eleison? Einmal überstrahlt von dem Großen Halleluja, Freunde! Dorthin möchte ich sie mitnehmen, auch an diesem Abend.
"Halleluja", wissen Sie, heißt ja eigentlich und zu deutsch „Gott sei Lob und Dank“. Das heißt Halleluja. Gott sei Lob und Dank.
Wann sagen wir das?
Zum Beispiel nach überstandener Krankheit. Wir wurden schwer krank. Einige befürchteten sogar das Schlimmste. Es dauerte auch lange, bis man wieder auf den Füßen war. Und dann auf einmal steht man wieder mit neuen Kräften und einer fragt, wie geht es denn? „Gott sei Lob und Dank wieder gut.“ Gott sei Lob und Dank.
Oder nach einer überstandenen Prüfung. Man hatte Angst. Man wusste nicht recht, ob man es durchhaut oder ob man vielleicht doch durchfällt. Und dann ist man durch. Und dann kann man sagen, „Gott sei Lob und Dank“.
Oder wissen Sie, wenn man als Autofahrer unterwegs ist und plötzlich eine ganz gefährliche Situation, man bremst noch, es geht noch einmal vorüber, man kann kaum mehr atmen. Und dann sagt man dem Steuerherr „Gott sei Lob und Dank“.
Das heißt Halleluja. Man hat’s Gott sei Dank überstanden. Genau so auch hier in Offenbarung 19. Wissen Sie, die entartete Christusgemeinde, die Hure, die Verführerin, die ist jetzt gestürzt und gerichtet und ist verschwunden. „Sie ist nicht mehr gefunden“, heißt es hier. Und dann hat es uns hoffentlich nicht mit hinuntergezogen. Wir haben nicht zu dieser entarteten Gemeinde gehört, hoffentlich, sondern zu der leidenden Gemeinde Jesu, auch wenn es uns schwergefallen ist. Alles ist hinter uns. Halleluja! Gott sei Lob und Dank.
Verstehen Sie, warum es die Hoffnungsmelodie ist? Wir können es im Grunde jetzt gar nicht so oft sagen, auch gar nicht so oft singen. Und ich bewundere eigentlich die, die hinter jedem Satz das Halleluja sagen. Das Halleluja ist Einübung in die Ewigkeit. Die Erkennungsmelodie des Reiches Gottes der zukünftigen Welt.
Und Halleluja sagt ja das, was dann hier steht: „Halleluja, das Heil ist unseres Gottes“. Das ist das eine, was in Vers 19 steht. Das ..
Heil
…. ist unseres Gottes.
Nicht wahr, unter uns in unseren Städten, in unserem Land leben Atheisten, die das Heil vom Menschen erwarten. „Ich glaube an den Menschen“, heißt es im Glaubensbekenntnis, im Buckberger Glaubensbekenntnis. Oder es leben immer mehr Mohammedaner unter uns. Ich glaube, in Stuttgart sind es jetzt 32 Prozent. Die erleben, die erwarten das Heil vom Islam. Und dann gibt es Buddhisten. Buddhisten, das Heil kommt von Buddha. Hinduisten, das Heil kommt von Hindu. Was sollen wir tun, wenn die unter uns und zwischen uns leben? Die viel diskutierte Antwort heute heißt, ja, dann brauchen wir eben die multikulturelle Gesellschaft, dann brauchen wir eben die multireligiöse Gesellschaft. Die muss befürwortet, gefördert werden, wo es auch nur geht, damit jeder ungestört seines Glaubens, seines Heilsweg gewiss sein kann. So, wie es früher schon geheißen hat: „Juden, Christ und Hottentot, wir glauben ja all an einen Gott“.
Vor 30 Jahren stand ich einmal drüben in den Vereinigten Staaten in einem Baha'i-Tempel. Für mich ein grausiges Gotteshaus. Dort, wo die großen Religionen gleichberechtigt nebeneinander auf einen herabschauen. So wie diese Köpfe hier in unserer Schlosskirche, so ist Christus und Buddha und Hindu und alle nebeneinander aufgereiht. Das ist das Bild der multikulturellen Gesellschaft, der multireligiösen Gesellschaft.
Liebe Freunde, aber Jesus hat nicht gesagt „Ich bin ein Weg“, sondern er hat gesagt „Ich bin der Weg“. Jesus hat nicht gesagt „Ich bin eine Wahrheit neben anderen“, sondern er hat gesagt „Ich bin die Wahrheit“. Er hat nicht gesagt „Ich bin ein Leben, das auch andere bringen könnten“, sondern er hat gesagt „Ich bin das Leben“. Und der Apostel hat es dann fortgeführt. Und das gilt es heute festzuhalten, Freunde. Es ist in keinem anderen Heil. Es ist in keinem anderen Heil. Nicht bei den Mohammedanern und nicht bei den Buddhisten. Und wir können gar nicht anders, als in solch einer Gesellschaft dies sagen.
Liebe Freunde, wenn auch Kirchen nur noch weitersagen, Toleranz üben, lieb sein mit Nächsten, so ist das die Verleugnung dessen, was Jesus gesagt hat. Es ist unser Auftrag, es jedem weiterzusagen - so heißt auch der Kongress auf dem Killesberg - es ist in keinem anderen Heil. Den anderen lieben heißt nicht, dem anderen jede Toleranz zu gewähren. Dem anderen lieben heißt sagen, dass er auf seinem Weg geradewegs in die Hölle geht. Das ist keine Liebe, den anderen in den Abgrund laufen zu lassen. Wer liebt, will einen retten. Wer liebt, will einem zeigen, was einem das Größte und Wichtigste ist. Lieben heißt darauf hoffen, dass jeder einmal das Große Halleluja mit einstimmen kann.
Und deshalb: Das Heil ist unseres Gottes.
Und das andere, und die Herrlichkeit, so steht es hier. Nach dem Heil, die …
Herrlichkeit
Und diese Herrlichkeit ist nur von ihm zu erwarten.
Manche sprechen von der herrlichen Natur. Sie ist schön. Aber wir wissen ganz genau, die Natur ist auch der größte Kriegsschauplatz dieser Erde überhaupt, wo einer gegen den anderen kämpft und wo einer dem anderen als Futter dient. Die Natur ist letztlich nicht herrlich - aber herrliche Menschen, Denker und Dichter und Größen. Aber wenn man direkt wieder vom offenen Sarg kommt, der Mensch ist nicht herrlich. Er ist sterblich, ein Nichts. Menschliche Herrlichkeit ist mit Sterblichkeit verknüpft. Vergehen in Staub und Asche. Herrliche Menschen, das sind wir alle miteinander nicht.
Und manche sprechen dann noch von den herrlichen Zeiten, wie Kaiser Wilhelm, der gesagt hat, ich will euch herrliche Zeiten entgegenführen. Man kann das unserer Generation schon gar nicht mehr sagen. Nein, liebe Freunde, alle Herrlichkeit, die wir kennen, ist mit Sterblichkeit und Vergänglichkeit verknüpft. Aber einmal wird er sein Herrsein beweisen, wenn nur noch er regiert und alle anderen Herren weichen müssen. Einmal, wenn das Große Halleluja klingt, werden wir sehen, dass er herrlich ist.
Heil und Herrlichkeit und die Kraft ist unseres Gottes. Das ist der dritte Hinweis. Die …
Kraft
…. ist unseres Gottes.
Meine Freunde, das ist nicht nur die Muskelkraft, die wir uns wünschen, wenn man älter wird. Das ist nicht nur die Verstandeskraft, die man haben sollte, um einfach mehr kapieren zu können. Das ist nicht nur die Tragkraft, die man haben sollte, wenn man all das Leid verkraften muss, das auf uns hereinstürzt. Es ist noch eine viel, viel größere Kraft. Dieses Dynamit, von dem hier steht, dieses Dynamit ist die Kraft Gottes. Und dieses Dynamit war fähig, den Grabstein am Ostermorgen zu sprengen und dem Tod letztlich seine Kraft und seine Macht und auch seine angebliche Herrlichkeit zu nehmen. Dynamit, Gottes Dynamit sprengt die Gräber auf. Das ist es, Freunde. Und deshalb gehen wir anders von unseren Gräbern nach Hause. Gottes Dynamit sprengt unsere Gräber auf. Das ist seine Kraft. Ihr Grab und mein Grab. Und es gibt keinen Stein, und es gibt keine Asche, die vergessen wäre. Seine Kraft springt unsere Gräber auf. Seine Kraft wird sich schlussendlich durchsetzen, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit.
So sagt es hier eine große Schar, die 24 Ältesten, alle seine Knechte, die es sich sagen, wie sich ausweitende Schallwellen „Halleluja, Gott sei Lob und Dank“.
„Alle seine Knechte“, heißt es hier.
Oh, ich habe in der neuen Frauenbibel, die herauskommen soll - das ist ja schrecklich, jetzt gibt es auch noch eine Frauenbibel und dann gibt es eine Männerbibel, vielleicht gibt es auch eine Hundebibel, ich weiß es nicht. Aber in dieser Frauenbibel steht natürlich drin, alle seine Knechte und Knechtinnen. Als ob wir das nicht wüssten, liebe Freunde! Als ob wir das nicht wüssten“ Natürlich sind mit Knechten auch Männer, auch Frauen gemeint. Große und Kleine, Schwache und Starke. Wir alle zusammen, so wie wir sind, wir sollen einmal miteinander anstimmen. Halleluja. So wie in Vers 6, dann nur noch mit einer einzigen Stimme.
Aber nun noch die Verse 6 bis 10, liebe Freunde:
Dieses Halleluja klingt nicht nur deshalb auf, weil sein das Heil und die Herrlichkeit und die Kraft ist, sondern es hat noch einen ganz besonderen Grund, dieses Große Halleluja. Nämlich, Stichwort, die Hochzeit, die
Hochzeit
Ein Wort, das bei jedem irgendwo aufklingt. Nicht wahr, zuerst erlebte man einmal die Hochzeit seines Bruders. Das war schon eine gewaltige Sache. Aber noch gewaltiger die eigene Hochzeit. Aber am meisten bewegt dann einen die Hochzeit der eigenen Kinder. Wir erleben immer wieder Hochzeiten. Die Bibel hat ja darüber das Hohelied geschrieben. „Halleluja“ heißt es hier, „denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen“.
Wenn hier von der Hochzeit geredet ist, dann wird zuerst geredet vom Hochzeitspaar. Wer ist denn dieses Hochzeitspaar? Die Antwort „das Lamm“. Dass der Lamm Gewordene, der sich Opfernde, der ans Kreuz Gegangene, Jesus selbst nennt sich der Bräutigam. Matthäus 5: Wie können die Hochzeitsleute traurig sein, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Oder Johannes der Täufer nennt ihn den Bräutigam. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam. Auch in Psalm 45 wird Christus im Alten Bund als Bräutigam geweissagt. Und die Braut ist die Gemeinde der Gläubigen, die ihm anhangt.
Wissen Sie, der Brautstand ist schwer, oder man müsste vielleicht heute sagen, der Brautstand war schwer. Meine Mutter erzählte immer, dass sie sieben Jahre verlobt gewesen sei. Eine schreckliche Zeit! Der Vater studierte in Leipzig und sie half in einem Verwandtenhaushalt, im Pfarrhaus in Wolfach im Kinzigtal mit einer Familie mit 13 Kindern. Übrigens sind dort fünf Söhne dann gefallen und ein Behinderter ist vergast worden. So sind Familien zerstört worden durch den Krieg. Aber der Vater aus Leipzig, in Ermangelung des Geldes, das man damals nicht hatte, der kam ein oder zwei Mal im Jahr mit dem Zug bis Stuttgart und dann in zweitägigem Gewaltmarsch bis Wolfach. Und meine Mutter fügt immer wieder an, „Verlobtsein war schrecklich schön, schrecklich und schön“.
Sehen Sie, genau das ist hier ausgedrückt. Auch in dem Paulinischen, das Nichtsehen und doch Glauben, das beschreibt jene Spannung. Das meinen jene Verse, Christen sind gleichsam mit Jesus verlobt. Nicht nur sieben, sondern 20, 50, manche unter uns 70 Jahre. Und wir sehen ihn nicht. Und wir sehen ihn nicht. Das ist die ungeheure Spannung der Christen. Und wem diese Spannung nichts ausmacht, den frage ich, ob er denn mit diesem Herrn verlobt ist, ob er denn eine Verbindung eingegangen ist. Und deshalb konnte in Vers Psalm 42 so gefragt werden: „Wo ist nun dein Gott?“ Andern erscheinen Christen wie eine Witwe. Die Hure dagegen, so haben wir es gehört, die sagt in Kapitel 18, ich throne als Königin und bin keine Witwe. So sieht dieses Brautpaar aus, das jetzt zur Hochzeit gerufen wird.
Dann, das Zweite, dann ist nämlich …
Hochzeitstag
Liebe Freunde, der Hochzeitstag ist der Tag seiner Erscheinung, den wir leider nicht kennen. Er hat jenen Doppelaspekt. Er ist Gerichtstag und Hochzeitstag. Aber wenn wir ihn nicht genau kennen, deshalb bereiten sich Christen darauf vor. Vers 7: seine Braut hat sich bereitet.
Liebe Freunde, wenn Brautleute heute ganz zusammenleben, von Spannung überhaupt, von Spannung keine Spur mehr spüren, dann versteht man nicht mehr das, was hier eigentlich gemeint ist. Die Gemeinde wartet mit schmerzlicher Spannung auf den Hochzeitstag. Sie bereitet sich, sie ist aktiv tätig. Manche Ausleger meinen, dieser Tag sei spätestens unser Sterbetag, wenn Jesus vorher nicht wiederkomme. Ich weiß das nicht. Ich weiß das nicht. Die biblische Zeitrechnung kann mit unseren Uhren nicht viel anfangen. Aber ob dies sofort nach Eintritt des Todes ist oder in vielen Jahren, spielt keine Rolle, weil die Zeit vor IHM keine Rolle spielt. Tausend Jahre sind vor IHM wie ein Tag.
Aber das eine weiß ich, dass Christen diesem Festtag entgegen gehen. Vorväter haben deshalb auch ihre Toten im Hochzeitsanzug bestattet. Oft trugen sie den Anzug, den sie bei ihrer Grünen Hochzeit hatten, um einmal gleichsam als Zeichen für die Hochzeit bereit zu sein. Ein heimliches Wissen um den großen Trost.
Und ich erinnere mich wieder an jenen Text auf der Todesanzeige, die etwas von jenem Tag gewusst hat und der hier steht: „Heimkehr zum Fest“. So stand es auf der Todesanzeige. So müsste es eigentlich bei Christen stehen, Freunde, nicht trauriger Abschied, Heimkehr zum Fest. Halleluja! Das ist’s, was unsere Hoffnung ist. Lasst uns nicht trauern wie die, die keine Hoffnung haben!
Und das …
Hochzeitskleid
Ich denke an Johannes auf Patmos. Er hatte ja sicher einen gestreiften Häftlingsanzug. So hätte er es wenigstens heute gehabt. Und so konnte er sich ja auf einer Hochzeit nicht sehen lassen. Zu Hause im Schrank, da hing wohl sein Hochzeitsanzug, aber das war ja in Kleinasien, weit weg. Darin hätte er eine gute Figur abgegeben. Oder er hatte auch Gewänder. Er war ja Bischof, er war ja Priester, aber diese Gewänder hatte er auch nicht zur Verfügung. Mit all diesen schönen Kleidern hätte man ihm den Zutritt zur Hochzeit nicht verwehrt. Aber Johannes steht jetzt vor dem Spind und darin ist nichts als eine Häftlingskleidung.
Und trotzdem ist er fröhlich, denn es heißt hier: Es wurde gegeben, sich anzutun, Vers 8. Die Hochzeitskleidung wird geschenkt. Liebe Freunde, die Hochzeitskleidung wird geschenkt. Was wir dazu einmal brauchen, bringen wir nicht mit. Alles, was durch unsere Hände geht, hat die Fingerabdrücke des alten Adam. Ob es die Jeanshose des Buben ist oder der Maßanzug des Erwachsenen, ob es der blaue Anton des Arbeiters ist oder der Talar eines Pfarrers. Unsere Kleidung taugt nie als Hochzeitskleidung zum letzten Fest. Alles, was aus menschlichen Werkstätten kommt, hat keinen Pfifferling Wert. Hier steht, Vers 8, angezogen, bereitet mit dem Leinen der Gerechtigkeit.
Das Leinen der Gerechtigkeit, was ist das? Leinen wird gewebt. Und ich habe einmal noch in Laichingen in einem Privathaus solch im Keller solch einen hölzernen, großen Webstuhl gesehen. Dort, wo die Frauen unter unsäglichen Mühen und Arbeiten dieses Leinen gewebt haben. Das Schifflein fuhr hin und her unter Schweiß und Tränen und oft genug blutenden Händen entstand dieses Leinen von der Schwäbischen Alb.
Liebe Freunde, Gottes Webstuhl ist das hölzerne Kreuz. Wie ein Weberschiff gingen Hohn und Spottsalven hin und her. Blut floss auch, nicht nur aus den Händen, sondern auch aus Füßen und Seitenwunden. Und so ist die Leinwand der Gerechtigkeit entstanden, die vor Gott gilt. Und damit werden seine Leute eingekleidet, so wie der verlorene Sohn. Bringe das beste Kleid hervor. Doch so ist dieser Herr. Wenn er zur Hochzeit einlädt, dann gibt er auch die notwendige Kleidung dazu. Christi, Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid.
Das ist das Leinen, das ich brauche. Einmal findet der große Kleiderwechsel statt. Die schwarzen Kleider, unsere schwarzen Kleider der Trauer, unsere schweren Kleider der Schuld, unsere schmutzigen Kleider der Sünde, unsere engen Kleider der Unfreiheit. Alles, alles wird ausgezogen. Dafür das Kleid der Gerechtigkeit. Der Friedhof ist nur die Kleiderkammer dann für die Ewigkeit, wo ich alles, alles ablegen kann. Und dann - Gott möge es schenken! - er mir jenes Hochzeitskleid des neuen Tages in die Hände gibt. Und dann gilt wirklich, dann erst gilt, „Kleider machen Leute“.
Und dann kommt das …
Hochzeitsmahl
…. zum Schluss.
JJesus hat das Abendmahl eingerichtet, das Abendmahl, damit wir den Geschmack für das letzte Fest nicht verlieren. Stärkung auf dem Weg dorthin. Einmal wird dieses Fest, diese große Mahlzeit dann stattfinden, so wie es hier steht.
Heinrich Kemmner hat einmal erzählt, er sei im Bauernhof aufgewachsen, ein Bauernbub. Heinrich Kemmner ist jener Mann, der dieses große Rüstzentrum in Crelingen gebaut hat und auch dort heute noch in den 80er Jahren ihm vorsteht. Ein kräftiger Bauernbursche und der dann in die Fremde kam. Und dort sehr schnell abmagerte und krank wurde. Kein Mensch wusste, was ihm denn eigentlich fehlt. Alle Medikamente sprachen nicht an. Und schließlich schickten ihn die Ärzte nach Hause. Und dann kam er wieder heim. Und als erstes habe seine Mutter den großen Holzofenlaib geholt und einen dicken Ranken heruntergeschnitten und ihm gegeben und hat gesagt Bub, iss, Bub, iss“. Und dann habe er gegessen und gegessen und gegessen und habe sich gesund gegessen. „Brot von daheim“, schrieb er, „Brot von daheim hat mich gesund gemacht“.
Liebe Freunde, beim Abendmahl gibt es Brot von daheim. Wohl scheibchenweise. Aber einmal laibweise. Einmal, bis wir ganz gesund sind. Das Hochzeitsmahl.
Und dazu als letztes die …
Hochzeitseinladung
Johannes denkt noch einmal an seine Leute. Sie stehen noch in der Bedrängnis. Werden Sie durchhalten, werden Sie durchkommen? Und die Stimme sagt diesem Johannes, sag es ihnen, nein, schreib es ihnen. Das ist nicht vergessen. Schreib es ihnen, sie sind eingeladen.
Auch für Sie ist der Tisch gerichtet. Auch für Sie steht ein Stuhl bereit. Diese Hochzeitseinladung gilt allen, die unter Druck stehen und mit der Angst in die Zukunft ziehen. Die Stimme sagt: „Denk nicht nur an dies alles. Denk jetzt, dass du auch eingeladen bist zum letzten Mahl.“
Jedem will heute Abend Johannes eine Karte schreiben. Und ich möchte gleichsam als Briefträger diese Einladung zum letzten Fest jedem persönlich weitergeben. Selig, glücklich, glückselig bist Du, der Du zum Abendmahl des Lammes eingeladen bist. Kommt her, ihr seid geladen.
Ich weiß nicht, was Ihnen noch bevorsteht, heute Nacht, die nächsten Tage, Ich weiß nicht, was unserem Volk bevorsteht, wenn wir jetzt am 3. Oktober zusammengehen. Wer weiß, was uns mit den Spannungen in der Golfregion bevorsteht. Wer weiß? Niemand weiß. Aber eins weiß ich. Christenleuten steht ein Fest bevor.
Amen.