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Jesus - verachtet wie Mose

Lukas 24,13-2403.01.1998
Was, wenn Gott gerade nicht im Glanz kommt, sondern im Scheitern? Der Auferstandene zeigt: Echte Hoffnung beginnt dort, wo du deine Erwartungen loslässt und ihm vertraust.
 Lukas 24
Am ersten Tag der Woche aber, sehr früh am Morgen, kamen die Frauen zum Grab und brachten die wohlriechenden Öle mit, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein vom Grab weggewälzt. Als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht.
Und es geschah, während sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zwei Männer in strahlenden Kleidern zu ihnen. Als sie aber erschraken und ihr Angesicht zur Erde neigten, sprachen diese zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Denkt daran, wie er zu euch redete, als er noch in Galiläa war, und sagte: Der Sohn des Menschen muss in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.
Da erinnerten sie sich an seine Worte. Und sie kehrten vom Grab zurück und verkündeten das alles den elf Jüngern und allen Übrigen. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus, und die übrigen Frauen mit ihnen, die dies den Aposteln sagten. Und ihre Worte erschienen ihnen wie leeres Gerede, und sie glaubten ihnen nicht.
Petrus aber stand auf und lief zum Grab. Er beugte sich hinein und sah nur die Leinentücher. Und er ging weg und wunderte sich bei sich selbst über das, was geschehen war.
Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tag in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt war. Und sie redeten miteinander über all diese Dinge, die geschehen waren. Und es geschah, während sie miteinander redeten und sich besprachen, dass Jesus selbst sich näherte und mit ihnen ging. Ihre Augen aber wurden gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
Er aber sprach zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr unterwegs miteinander verhandelt? Da blieben sie traurig stehen. Und der eine, namens Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige, der in Jerusalem lebt und nicht weiß, was dort in diesen Tagen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk; wie ihn unsere Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überliefert und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Ja, bei alledem ist heute schon der dritte Tag, seit dies geschehen ist. Aber auch einige Frauen aus unserer Mitte haben uns außer uns gebracht. Sie waren früh am Morgen beim Grab und fanden seinen Leib nicht. Sie kamen und sagten, sie hätten sogar eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagten, er lebe. Und einige von denen, die bei uns waren, gingen zum Grab und fanden es so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn aber sahen sie nicht.
Da sprach er zu ihnen: O ihr Unverständigen und trägen Herzens, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezog.
Und sie näherten sich dem Dorf, wohin sie gingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich schon geneigt. Und er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch lag, nahm er das Brot, sprach den Segen, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.
Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns die Schriften öffnete? Und sie standen noch in derselben Stunde auf, kehrten nach Jerusalem zurück und fanden die Elf und die bei ihnen waren versammelt. Diese sprachen: Der Herr ist wirklich auferstanden und dem Simon erschienen. Und sie erzählten, was auf dem Weg geschehen war und wie er von ihnen am Brotbrechen erkannt worden war.
Während sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und wurden von Furcht erfüllt und meinten, einen Geist zu sehen. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum steigen Zweifel in euren Herzen auf? Seht meine Hände und meine Füße, dass ich es selbst bin. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Füße. Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Da reichten sie ihm ein Stück gebratenen Fisch und etwas von einer Honigwabe. Und er nahm es und aß vor ihnen.
Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war: Alles muss erfüllt werden, was über mich im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen geschrieben steht. Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden. Und er sprach zu ihnen: So steht geschrieben, und so musste der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen, und in seinem Namen soll Buße zur Vergebung der Sünden gepredigt werden unter allen Nationen, beginnend von Jerusalem. Ihr seid Zeugen hiervon. Und siehe, ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch; ihr aber bleibt in der Stadt, bis ihr mit Kraft aus der Höhe ausgerüstet werdet.
Und er führte sie hinaus bis in die Nähe von Betanien und hob seine Hände auf und segnete sie. Und es geschah, während er sie segnete, schied er von ihnen und wurde in den Himmel aufgenommen. Und sie warfen sich vor ihm nieder und kehrten nach Jerusalem zurück mit großer Freude. Und sie waren allezeit im Tempel und priesen und lobten Gott.

Lukas 24

Der tiefste Punkt und die ersten Gerüchte vom Leben

Da wird in Lukas 24 berichtet vom dunkelsten Tag, den es je für die Christenheit gegeben hat. So dunkel kann gar kein Tag mehr sein, auch wenn es die größten Christenverfolgungen geben wird. Jesus war weg, totgeschlagen, ins Grab gelegt, das Grab versiegelt.
Und dann kam es noch schlimmer: Am Ostermorgen kamen die Frauen zu den übrigen Jüngern und haben gesagt: Das Grab ist leer. Und wir haben einen Engel gesehen, der hat gesagt, Jesus ist auferstanden. Da haben sich die Freunde Jesu geschworen: Wir wollen nie mehr auf etwas hereinfallen, vor allem nicht auf Frauengeschwätz.
Da ist Petrus hinausgelaufen zum Grab und fand es leer. Jetzt haben wir nicht mal mehr eine Stelle für den Heldengedenktag, nicht mal eine Stelle, wo man ganz niederleben kann. Jesus ist absolut weg, die Sache ist aus.
Deshalb hat sich der Jüngerkreis zerstreut, und zwei von den Freunden Jesu sind in ihre Heimat marschiert. Wir lesen ab Vers 13, überschrieben: die Emmausjünger. Und siehe, schau mal, stell dir das vor: Zwei von ihnen gingen an demselben Tag. Sie haben nicht mehr lange gewartet. So, jetzt lasst das Ding bleiben, es hat keinen Wert mehr. Wir haben drei Jahre auf das falsche Pferd gesetzt.
Sie gingen am selben Tag in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt, dessen Name ist Emmaus. Und sie redeten miteinander von all diesen Geschichten: Kreuzigung, Beerdigung, das leere Grab. Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Und ihre Augen wurden gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Geschichten, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. Und der eine mit Namen Kleophas antwortete und sprach zu ihm: Bist du der einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Weil ich dir immer sage: Hast du nicht Zeitung gelesen, hast du nicht Tagesschau gesehen, hast du nicht von Peter Hahne gehört, was los ist? Also, hast du nicht mitbekommen?
Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazaret. Das passt jetzt sehr hoch, jetzt ist jedes Wort wichtig. Er war ein Prophet, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk. Ihn haben unsere Hohen Priester und Obersten zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt. Wir aber hatten gehofft, er sei es, der Israel erlösen werde. Da haben sie alles beieinander. Das waren Leute, die auf den Propheten gewartet haben.

Die Hoffnung auf den kommenden Befreier

Warum denn? Weil Mose gesagt hat, dass einmal einer kommen wird wie er.
Tja, der Mose. Er hat mit seinem Stab über das Rote Meer nur einmal gedeutet, und dann gab es eine Furt mitten hindurch. Und wenn er wieder den Stab ausgereckt hat, ist das Wasser zusammengefallen. Er konnte dem Meer befehlen. Der Mose konnte mit seinem Stab an den glühheißen Felsen schlagen, und da kam das Wasser heraus. Der Mose konnte Staub in die Luft werfen, und plötzlich kamen die Blattern über Ägypten. Der konnte seinen Stab vor dem Pharao in eine Schlange verwandeln. Der Mose konnte das Manna schaffen für das hungrige Volk. Zeichen und Wunder.
Und wenn der Mose sagt: einem Propheten wie mich, ach Mensch, dann ist doch der Jesus. Der hat blindenden Augen aufgetan, Lahme wieder zum Gehen gebracht, Trauernde getröstet, Tote auferweckt. Der war an mächtigen Taten und Worten. Wir dachten, er würde Israel erlösen. Er sei der Prophet, der noch mehr fertig bringt als der Mose.
Mose konnte Israel befreien aus Ägypten, aber verstehen Sie: Erlösung ist mehr. Mose ist beinahe kaputtgegangen daran, dass er von Gott die Gesetzestafeln bekommt, und unten bauen sie ein goldenes Kalb. Da ist ein Widerstand bei uns persönlich, selbst wenn wir zum Volke Gottes gehören wollen, gegen Gott. Ich mache es mir immer bei mir persönlich klar, über meinem Beten. Bei einem Telefongespräch sehe ich den Partner auch nicht, aber da schweifen nie meine Gedanken so ab wie beim Beten, wo ich Gott auch nicht sehe. Das liegt doch nicht an meiner Verkalkung, sondern daran, dass in mir Widerstände sind. Nein, ich will mit Gott nicht so enge Verbindung haben, dass er mich wie mit tausend Stricken wegzieht.
 Psalm 130: Er wird Israel erlösen aus allen ihren Sünden. Aus dem, was uns von Gott wegzieht, ist noch schlimmer als die ägyptische Sklaverei. Erlösung! Aus aller Wankelmütigkeit, aus allem Widerstreben gegen Gott. Wir hofften, er sollte Israel erlösen.
Sie müssen jetzt nicht aufschlagen, ich lese es Ihnen, aber wenn Sie es aufschreiben wollen: Jesaja 63 ist so eine entscheidende Stelle, die etwas von diesem Verlangen, von diesem Sehen nach dem göttlichen Befreier zum Ausdruck bringt. Wo ist denn der Hirte der Herde? Jesaja 63: So denkt der Mann wie Mose. Das Volk gedachte an die Zeiten Moses. Wo ist er denn nun, der aus dem Wasser zog, der Hirte der Herde? Damals, als der Mose schon als Kind von Gott gerettet wurde. Wo ist denn der, in den Gott seinen heiligen Geist gab? Dem Gott seinen herrlichen Arm zurechtgehen ließ, der die Wasser spaltete vor ihnen her, auf dass er sich einen Namen machte, der sie führte durch die Fluten, wie Rosse, die in der Wüste nicht straucheln, wie Vieh, das ins Tal hinabsteigt.
So brachte damals der Geist des Herrn uns zur Ruhe. So hat Gott uns geführt, zur Zeit des Moses. Wo ist denn heute der Prophet, mächtig mit Taten und Worten?

Wenn Erwartungen an Zeichen zerbrechen

War ein unglaubliches Sehnen. Wann kommt denn der Versprochene? Und es endet damit: Ach, da hast du den Himmel zerrissen, lieber Gott, und schick deinen Propheten, den Befreier.
Einen Propheten wie mich, hat Mose gesagt, wird Gott schicken, der die Fluten spaltet, der uns wie das Vieh zur Weide führt. Ist’s das? Mächtige Zeichen und Taten und Worte – was hat denn Jesus gemacht? Hier und da ein paar Kranke gesund gemacht.
Aber als der Teufel sagte: Komm, mach doch die Felswüste zu Brot, dann werden alle in Galiläa gespeist, komm!, hat Jesus gesagt: Nein, dies nicht, soll es Gott nicht versuchen. Als die Pharisäer sagten: Jesus, lass uns ein Zeichen sehen vom Himmel, dann werden wir glauben, wissen Sie, was Jesus gesagt hat? Es wird euch kein Zeichen gegeben werden, außer vielleicht das Zeichen des Jona, wie er drei Tage in des Fisches Bauch war, so wird auch des Menschensohns drei Tage im Schoß der Erde sein.
Jesus hat die Zeichen abgelehnt. Das sollten wir bedenken, wenn heute an manchen Stellen der Christenheit so viel darauf abgestellt wird, Zeichen und Wunder, dass tausend Rollstuhlfahrer pro Jahr wieder laufen können. In Israel hat selbst in den Tagen Jesu das Totenglöcklein oft geläutet. Es gab viel Krankheit, auch in Nazareth, der Heimatstadt Jesu, in Kapernaum.
Jesus hat einige geheilt, mächtig in Zeichen und Wundern. Das war doch nicht so, dass die Rabbinen plötzlich ihre Rabbinerschulen geschlossen haben und gesagt haben: Wir können euch nichts mehr beibringen, geht zu dem Jesus! Und Tausende sind zu Jesus geströmt. Keineswegs.
Wir sind auf dem falschen Dampfer, wenn wir meinen, dass Erkennungszeichen Jesu als des wahren Propheten, als des Gott gesandten Befreiers, sein Zeichen und Wunder seien. Das ist nicht das, womit er sich belegt.
Es geht ja weiter mit der Geschichte von Emmaus. Sie kamen nahe an Emmaus, und Jesus ... Lukas 24, da erzählen sie: Die Frauen sind zum Grab gegangen, haben es leer gefunden, und die Frauen haben uns erschreckt und haben von dem Engel gesprochen. Ab Vers 25: Und Jesus sprach zu ihnen: O ihr Toren, o ihr dummen Kerle. Wenn Jesus schwäbisch geschworen hätte, sorgsam! Ihr mit eurem trägen Herzen, ihr seid ja innerlich so unbeweglich, dass ihr nicht dem glaubt, was die Propheten geredet haben. Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?

Das Kreuz als Kennzeichen des wahren Gesandten

Das Leiden ist das Zeichen des Propheten. Der wahre Prophet ist verachtet. Und: Lass mich sehen dein Bilde in deiner Kreuzesnot. Deshalb ist bis heute das Zeichen für die Christenheit das Kreuz der Verachtung, des Spottes. Zeichen dafür brauchen wir nicht. Weg mit ihm. Das ist das Zeichen des Propheten, wie Mose.
Das ist auch Glauben. Es geht weiter bei Vers 27: Und er fing an bei Mose, also bei dem, was wir heute die fünf Bücher Mose nennen, bei der Tora und allen Propheten, und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war. Und nachher haben sie gesagt: Da haben unsere Herzen zu brennen angefangen. Brannte nicht unser Herz, als er uns die Schrift öffnete?
Und wir begriffen nicht: Zeichen und Wunder und große Taten und Reden sind wichtig für den Propheten, nicht das, was bei Menschen fasziniert, weil es sagt: Oh, da muss noch etwas gehen. Das ist ja wie beim Gröning, das ist gesund. Das Zeichen des von Gott Erwählten ist das Leiden. Warum das so ist, weiß ich auch nicht. Aber Gott erwählte Abraham beinahe hundert Jahre alt, und er hatte noch keinen Sohn, den verheißenen Erben nicht. Er besaß keinen Fußbreit Boden.
Verstehen wir Schwaben, was das bedeutet? Als ich nach Korntal gezogen bin, haben sie gesagt, da hätten sie kein Grundstück, keine Bauplätze, kein Haus. Ach, wenn die Leute mich mitleidig angucken, was ein so armer Kerl. Der Abraham hat keinen Fußbreit Boden nach hundert Jahren. Da wäre er bei hundertzehn zu keinem gekommen. Verkrachte Existenz. Und Gott sagt: Ich will dich zum Segen für die Völker machen durch deinen Nachkommen.
Der Josef, von Brüdern verstoßen, verkauft in die Sklaverei, in der Sklaverei ins Gefängnis geworfen, im Gefängnis vergessen von denen, die ihm versprochen hatten zu helfen. Aber der Herr war mit ihm und hat aus ihm etwas gemacht, zur Hilfe für den ganzen Vorderen Orient.
Die Hanna, kinderlos, beschimpft von der Peninna: Was bist denn du schon? Sie jubiliert, als sie ihren Samuel bekommen hat. Daher hebt er die Elenden aus dem Staub.
Wenn Sie dieser Geschichte nachgehen: ein Jeremia, der in seinem Volk gepredigt hat, gepredigt hat, gewarnt hat, gemahnt hat und keinen Erfolg gehabt hat außer Baruch. Bei uns ist ja in der schlimmsten kirchlichen Situation: Gehen nur acht oder zehn Leute in die Kirche. Beim Jeremia sind sie alle weggelaufen und haben gespottet. Den hat Gott bis heute benutzt. Aber der Herr ist bei mir als ein starker Held. Können Sie so weitermachen.
Paulus sagt einmal: Das Geheimnis ist, dass wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzen, sondern auf den Gott, der von Toten erweckt. Wenn bei uns bloß nur Bruch ist, wenn es deutlich wird, wir können absolut nichts, mit aller Erfahrung, mit allem Geld, mit allem, wenn mit einem Satz von Menschen alles Bruch ist, dann zeigt Gott, was er kann. Deshalb lässt er uns gegen die Mauer laufen.
Gott will nicht, dass seine Segensträger auf dem Jubel der Massen emporgejubelt werden. Er sagt: Das ist etwas. Er will den Verachteten beistehen, auf dass die überschwängliche Kraft sei von Gott, nicht von uns. Wenn es um Zeichen und Wunder ginge, versehen Sie: Im Dritten Reich, warum sind so viele Christen, von denen wir meinten, sie seien mit klarem Durchblick beschenkt, hereingefallen? Weil sie gesagt haben: In einem Jahr Arbeitslosigkeit beseitigt, Reichsautobahnen gebaut, die Führerstraßen, kein Hunger mehr, toll, das ist der Gottgesandte. Nein, nicht Zeichen und Wunder. Das Zeichen der Erwählung, das ist das Leiden.
Es gibt ein ganz großes Wort, wir kommen in diesen vier Tagen gar nicht dazu, darüber nachzudenken. Johannes 3,14 sagt Jesus: Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat. Das Abbild ist schrecklich, nur nicht, dass die Schlangen uns töten. So wird es Menschen so und so werde ich erhöht werden, als Zeichen der Verachtung. Das Zeichen des Erwählten ist das Leiden.

Mose, Stephanus und die Linie der Verachteten

Ja, also Mose, jetzt wollen wir doch über Mose sprechen. Wenn Sie zu Hause nachlesen, finden Sie das in Apostelgeschichte 7, aber wir wollen ein wenig hineinzählen, wenn wir schon dort sind, in Apostelgeschichte 7, in der Verteidigungsrede des Stephanus.
Stephanus war einer der Größten in der ersten Christenheit. Auf die Anklage gegen ihn, er nehme Mose nicht ernst und ändere die Sitten, die uns Mose gegeben hat, antwortet Stephanus: Entschuldigung, jetzt wollen wir einmal darüber reden, wie das mit Mose ist.
Abraham war verachtet, Josef war verachtet. Mose war ein schönes Kind, aufgezogen von der Tochter des Pharao. Aber als er seinen Volksgenossen, den Israeliten, helfen wollte und den ägyptischen Aufseher erschlug, da haben sie gesagt: Hau doch ab, du machst unsere Lage immer so schwierig. Er möchte bei uns auch totschlagen. Da floh Mose vierzig Jahre in die Wüste, die besten Jahre des Lebens, beinahe achtzig.
Da wird er bei uns aus jedem Verein hinausgewählt. Er ist Ehrenvorsitzender, aber was hat er schon gemacht? Oder er hat gesagt: Wenn ich zum Volk komme, lieber Gott, sie werden mich nicht hören. Und so war es die ganze Geschichte. Da ist sie mal durch die Mosegeschichte geschirrten, sie murrten gegen Gott und gegen Mose. Kaum, dass sie aus Ägypten heraus waren, als das Manna da war. Das war weiß wie Koriandersamen. Ich weiß auch nicht, wie der weiß ich aber wo es weiß gewesen sei und schmeckte wie Semmel mit Honig. Das weiß ich, wie das schmeckt. Aber schon nach ein paar Tagen haben sie gesagt: Uns stinkt es, uns ekelt vor dieser Speise.
Und sie murrten gegen Mose im Haderwasser. Sogar Aaron, der hohe Priester, und Mirjam, die im Roten Meer gepaukt hat – ich weiß nicht, ob das bei den feministischen Bibelarbeiten auch vorkommt – sie murrten gegen Mose und Gott. Hat der überhaupt etwas zu sagen? Und er war ein gedemütigter Mensch, wie kein Mensch auf Erden gedemütigt ist.
Als die Kundschafter sagten: Das Land, das Gott uns verheissen hat, ist herrlich, aber wir kommen nicht hinein, da gibt es Riesen und große Festungen, da haben sie beinahe den Mose gesteinigt. Die Geschichte erzählt Stephanus und hört auf mit den Versen 51 und 52:
Ihr Halsstarrigen mit verstockten Herzen und tauben Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr. Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben den getötet, der zuvor verkündigt wurde, den Gerechten, dessen Verräter und Mörder seid ihr geworden.
Macht der Stephanus eine Linie von Mose her bis Jesus, die Segenslinie Gottes. Die Segensträger Gottes sind abgestoßen. Es gibt eine tolle Erzählung von Maxim Gorki, in der heißt es: So eine Räuberbande, wir haben einen dabei gehabt, der war besonders geschickt, und eines Tages hat er gesagt: Leute, was wir machen, ist nicht gut. Da haben wir ihn totgeschlagen. Man kann in einer Räuberbande keinen brauchen, der ein guter Mensch ist. Und so war es, sagt der Gorki, der Kommunist war, auch mit Jesus gewesen. Sie haben gemerkt, es ist ein Guter, den wollen wir nicht haben. Den haben sie abgestoßen wie Fremdgewebe.
Die von Gott als Segensträger in unsere Welt gesandten sind die Ausgestoßenen, die Verachteten, die Verlachteten. Fritz Grünzweig hat immer gesagt: Nur Jesus konnte sagen: Sie hassen mich ohne Grund. Bei uns wird immer auch etwas dabei sein, wo wir selber mitschuldig sind. Aber es gehört zur Nachfolge Jesu das Leid, wie ihr es vorher gesungen habt. Freut euch, wenn die Leute euch hassen, wenn sie euch verfolgen. Freut euch, seid auf dem richtigen Dampfer.
Die Leute, die Gott gebrauchen kann, die ein Groß herausstellen, trotz aller Verachtung hat Gott mit Mose geredet, wie ein Mann mit seinem Freunde redet. Als Mirjam und Aaron gesagt haben: Was will der Mose schon, wir sind auch etwas, hat Gott gesagt: Wenn ich zu Menschen rede, benütze ich Träume, aber mit Mose rede ich von Angesicht zu Angesicht.
Mose, der Erwählte, von Gott benützt als der Befreier, das Volk herauszuführen aus Ägypten. Einen Propheten wie Mose, lassen Sie sich das vom Stephanus sagen: verachtet wie Mose, ausgestoßen wie Mose, einsam wie Mose. Sogar sein Bruder, Kampfgefährte Aaron, macht den Blödsinn, dass er das goldene Kalb macht. Der Mose steht allein da, wie wir oft in der Nachfolge Jesu allein dastehen, so wie Jesus allein dastehen musste.
Das Zeichen der Erwählung wie Mose ist das Verachtetsein. Und deshalb hat auch Jesus gesagt: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst. Ich möchte meine eigenen Wünsche nicht kennen und trage das Kreuz mir nach.
Mir ist aufgegangen, in dem Buch, das meine Schwägerin Beate und mein Bruder Winrich herausgebracht hat, den Kummer sich vom Herzen singen, alle Liederdichter, die von Paul Gerhard angefangen. Von großen Trostquellen, die Gott benutzt hat, mehr als alle großen Theologen, um die Christenheit bei der Stange zu halten, waren Leute, die durch unglaubliche Not, Verachtung und Einsamkeit gingen.
Liederdichter Garve war Herrnhuter, und die Herrnhuter haben ihn noch als Lehrer hinausgeschmissen. Das ist so ein Softie, den kann man nicht brauchen. Er hat keine Anstellung gehabt, hat er gedichtet: Stark ist meines Jesu Hand, und sie wird mich ewig fassen.
Wer im Leiden ist, merkt: Ich kann mich nicht auf Menschen verlassen, nicht auf einen Einzigen, nicht auf Verwandte und nicht einmal auf Gemeindeglieder, aber auf meinen Gott, der zugesagt hat: Ich bin den Elenden und Zerbrochenen nahe. Und wenn man als Pfarrer allein ist und denkt: Sie verstehen mich nicht, der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.
Das Zeichen der Erwählung ist das Leiden.

Die große Linie von Abraham bis zum leidenden Christus

Propheten wie Mose. Das würde ich Ihretwegen gerne abschließen, und ich darf es noch nicht.
Diese Linie ist komprimiert, gebündelt in Jesaja 53. Ein ganz tolles Kapitel, in dem der Prophet selbst sagt: Was soll das, was ich jetzt schaue? Eine Gestalt, verachtet wie niemand sonst, der Allerverachtetste, der Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Zuerst dachte ich: Den hat Gott auf die Seite gestellt. Nein, er trug unsere Sünde, damit wir Frieden hätten. Und weil er sich gedemütigt hat, weil er die Sünden der vielen getragen hat, weil er für die Übeltäter gebetet hat, deshalb wird der Plan des Herrn durch seine Hand fortgehen. Er wird die Starken zum Raube haben, er wird sich als der Aller stärkste erweisen. Der Allerverachtetste, dem wird Gott etwas tun.
Sie wissen das: Ulrich Eisler und ich sind familiär verbunden mit Wilhelm Busch. Wenn er uns als Neffen gesehen hat, hat er schon gesagt: So groß wollte ich, so lang gewachsen wollte ich einmal sein, aber ich bin ein kleiner Stumpen geblieben. Schon rein körperlich kann man ja leiden. Begabt, theologisch, künstlerisch, es gab kein Gebiet, auf dem er nicht durch war. Und Sie haben ihn bis zum fünfundsechzigsten Lebensjahr als Jugendpfarrer in Essen sitzen lassen und vergessen. Das gibt es nicht, einen Jugendpfarrer sonst mit fünfundsechzig.
Ich habe mal den Präses Beckmann gefragt. Ach, hat er gesagt, der Willy Busch, der ihm den richtigen Namen gegeben. Verachtet im Dritten Reich, nach fünfundvierzig haben all die Kämpfer der Bekennenden Kirche, die im Gefängnis waren, sich selber zu Oberkirchenräten hochkatapultiert. Auf den Willy Busch haben sie sitzen lassen, dass er sich mit 14- und 15-Jährigen herumhört.
Wenn Sie heute sehen, wo Gott eine Spur des Segens durch Deutschland gelegt hat, dann sehen Sie Konrad Eisler und Theo Sorg und Ulrich Barzany und Herbert Dämmer und Horst Armin Eickel, alles Schüler aus dem Weikelhaus. Gott schafft bis heute mit den Verachteten, den von den Menschen Verstoßenen, bei Propheten wie Mose, wie dem Verachteten, dem Ausgestoßenen, dem einsamen Mose. Wozu? Dass wir uns nicht auf Menschen verlassen, sondern dass wir ihm fest vertrauen, uns gründen, ganz aufliegen, ganz, hundertprozentig.
Oder das andere schöne Karl-Gerhard-Lied: Wenn mein Können, mein Vermögen nichts vermag, noch helfen kann. Oh, Sie werden im Leben oft an solche Situationen geführt, in der Gemeinde, versöhnlich im Christenleben. Wenn mein Können, mein Vermögen nichts vermag, nichts, nicht wenig, nichts, noch helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an, sein Vermögen beizulegen, was er kann. Wie Mose, verachtet, auf die Seite gestellt. Gott, das ist mein Mann, mit dem werde ich weitermachen.
Wozu? Der verachtete Befreier. Gott hat den Mose dazu benutzt, dass er Israel aus der Gefangenschaft führen durfte. Und Israel hat erwartet nur eine größere Erlösung. Wir hofften, er sollte Israel erlösen von allen seinen Sünden, von aller Halbheit. Der große Hirte der Herde, der Mose, und jetzt kommt Jesus und sagt: Ich bin der gute Hirte. Und ich werde meine Herde aus- und einführen.
Schon das Wortlaut ist mir im Interesse. Das Erste ist, dass er uns aus dem dumpfen, muffigen Stall, wo noch der Kot ist, herausführt auf die frische Weide und dann wieder in den gesäuberten Stall. Die Befreiung ist, dass Gott uns aus all dem Dreck, von dem wir doch in unserem Leben wissen, herausführt. Dass uns Jesus als der große Befreier herausführt, der Verachtete. Es gab wohl in der ganzen Weltgeschichte keinen, der so verachtet, allerverachtet und unwürdig war, und den der Herr Gott zum Befreier gemacht hat.
Der Auferweckte, den brauche ich, den braucht ihr. Es gibt eine Geschichte, und damit will ich abschließen, von David. Da hat seine Frau Michal gesagt: Haha, du hast dich aber heute schön blamiert vor den Knechten, vor den Mägden. Und David hat gesagt: Ich will noch niedriger werden vor Gott.
Wenn wir das fertigbringen, wenn wir in die Niedrigkeit geführt werden, dann sagt der liebe Gott: Hol mir auch aus. Ich will bereit sein, dass es noch weiter hinuntergeht, damit deutlich wird, was Gott kann. Ich will lieber noch niedriger werden in den Augen Gottes und dann erleben, wie er Jesus auch für mich, den verachteten Jesus, zum Befreier eingesetzt hat.
Darf mit ihnen beten: Herr Jesus, wir sind gespannt darauf, wie du es bei uns wahrmachst, du, der du der Allerverachtetste warst. Und wir wollen uns immer schon schütteln, wenn etwas Schweres in unser Leben hineinkommt. Wir sind gespannt darauf, wie du als der Allerverachtetste dich als Befreier bei uns erweist. Herr Jesus, du bist vom Vater erweckt worden, damit wir solch einen Befreier hätten. Und jetzt wollen wir es einfach gelten lassen und darauf warten, deine Befreiung zu erfahren.
Hilf uns, Herr, hilf uns an dem Ort, an dem wir noch im Kot sind, in Muffigkeit. Und lass uns nicht Angst haben vor dem einsamen Verachteten. Lass uns Mut bekommen durch deine Segensträgerinnen und Beauftragten, deren Würde ihres Lebens war, dass du da bist.