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Versuchung: Von Jesus den Umgang mit Versuchungen lernen – Teil 2

Matthäus 4,5-7
Matthäus 4,5-4,709.04.2001
Serie•Teil 6 / 37Matthäus-Evangelium
Wie gehst du mit Versuchungen um? Lerne von Jesus, der in der Wüste vom Teufel auf die Probe gestellt wurde. Anhand seiner Reaktionen zeigt sich, dass wahre Stärke im Vertrauen auf Gott liegt und nicht im Ausprobieren von Grenzen. Statt Spektakel zu bieten oder Gott herauszufordern, sollten wir uns auf ihn verlassen. Entscheidend ist auch, in Notlagen nicht zu murren, sondern unseren Glauben zu prüfen. Was passiert, wenn wir uns selbst beweisen, statt auf Gott zu vertrauen?

Einordnung der bisherigen Gedanken

Wir wollen uns heute Nachmittag mit der Fortsetzung des Textes vom letzten Mal beschäftigen, als ich hier vorne stand. Wir befinden uns immer noch im Matthäusevangelium, für die, die mitlesen wollen. Wir sind immer noch am Anfang der Wirkungszeit Jesu Christi, in der er vom Heiligen Geist in die Wüste geführt wird, um versucht zu werden.
Wir haben uns beim letzten Mal die erste Versuchung angeschaut und uns dabei zwei Grundwahrheiten vor Augen gehalten. Zwei Grundwahrheiten, die ich heute nicht mehr ausführlich wiederholen werde, die aber gleichwohl immer noch gelten und die ihr auch in den kommenden zwei Versuchungen immer wiederfinden werdet.
Die eine Grundwahrheit in der Auseinandersetzung zwischen dem Teufel auf der einen Seite und Jesus auf der anderen Seite ist die, dass Jesus einfach der Sieger ist. Er geht ganz souverän aus dieser Auseinandersetzung hervor, und wir werden das in der dritten Versuchung ganz, ganz deutlich sehen, wenn es da von Jesus ganz lapidar heißt: Geh hinweg, Satan! Und der Teufel tatsächlich gehen muss. Also die eine Sache, die wir beim letzten Mal gesehen haben und die sich durchzieht, ist: Jesus ist der Sieger.
Die zweite Seite würde ich so benennen: Jesus ist unser Vorbild. Und zwar in Form von zwei Prinzipien. Auch das sei nur noch einmal erinnert. Das eine Prinzip war der Umgang mit Versuchung, und das hat etwas zu tun mit Wachsamkeit und Gebet. Dass man sich nicht einlullen lässt und nicht einschläft im Leben. Das Zweite ist dies, dass der Umgang mit Versuchung anscheinend sehr viel damit zu tun hat, dass man das Wort Gottes kennt und anwenden kann. Denn Jesus verwendet das Wort Gottes, um die Angriffe des Teufels zu parieren und dann siegreich aus diesen Versuchungen hervorzugehen.
In der ersten Versuchung ging es in erster Linie um körperliche Bedürfnisse. Der Teufel wollte Jesus dazu verführen, seine körperlichen Bedürfnisse ohne Gott zu stillen. Und wir haben gesehen, dass körperliche Bedürfnisse anscheinend nicht das Wichtigste im Leben eines Menschen sind, dass es Wichtigeres gibt. Und dass das auch dann gilt, wenn ich eine Weile nichts zu essen habe. Man kennt im Deutschen diesen Spruch: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Und die erste Versuchung widerlegt diesen Spruch. Das stimmt nicht.
In unserem Leben müssen wir sehr gut aufpassen, dass wir körperliche Bedürfnisse, unsere Körperlichkeit, nicht an die erste Stelle setzen und meinen, wenn wir da nur alles haben, was wir wollen, wenn da nur alles gut ist, Hauptsache gesund, dann wäre auch sonst in unserem Leben alles in Ordnung. Und die erste Versuchung zeigt uns, dass das nicht stimmt. Es gibt Bedürfnisse im Leben eines Menschen, die gehen über seine körperlichen Bedürfnisse hinaus. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern, wie es in dieser Textstelle aus dem fünften Buch Mose heißt, von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.
Wir werden nicht allein durch Brot satt, sondern durch all das, was Gott uns zu geben hat. Und manchmal ist es besser, eine Weile auf Essen zu verzichten und auf Gott zu warten, als sich gleich alles selber zu nehmen und am Ende festzustellen, dass ich am Segen Gottes vorbeigelebt habe.

Der Weg in die heilige Stadt

Heute wollen wir im Text weitergehen. Ich möchte euch bitten, Matthäus 4 aufzuschlagen. Ich finde es schön, wenn einige von euch Bibeln dabei haben. Das macht es auch mir leichter, weil ich dann auf die Predigtnotizen weniger Text draufschreiben muss. Also möchte ich euch gerne ermutigen: Bringt eure Bibeln wieder mit.
 Matthäus 4, Verse 5-7:
Darauf nimmt der Teufel ihn mit in die heilige Stadt und stellt ihn auf die Zinne des Tempels und spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir befehlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt. Jesus sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.
Der Teufel nimmt Jesus mit. Sie bleiben nicht in der Wüste, sie gehen in die heilige Stadt. Die heilige Stadt, das ist Jerusalem, und in Jerusalem stand der jüdische Tempel.
Kleiner geschichtlicher Rückblick: Das Volk Israel hatte kurz nach dem Auszug aus Ägypten noch keinen Tempel, sondern wir würden so etwas wie ein transportables Heiligtum sagen, die Stiftshütte. Die konnte nämlich mitziehen. Später dann wurde ein Tempel gebaut. Der erste Tempel entstand unter Salomo. Dieser Tempel sollte nicht allzu lange halten. Nach wenigen hundert Jahren wurde er von den Babyloniern zerstört. In dieser Phase wurde das Volk Israel auch noch einmal verschleppt, durfte dann aber zurückkehren. Wir befinden uns in der Größenordnung so im fünften Jahrhundert vor Christus, und sie fingen erneut an, einen Tempel zu bauen.
Und dieser Tempel, der im Jahre 516 vor Christus dann fertig wird, der steht auch noch zur Zeit Jesu. Nur sieht er nicht mehr so aus wie ursprünglich. Denn Herodes der Große, das ist der Herodes, den wir von der Geburtsgeschichte Jesu kennen, hatte, um es den Juden möglichst leicht zu machen, ihn als Nichtjuden anzuerkennen, als König sehr viel Mühe, Geld und sehr viel Nachdenken in diesen Tempel investiert. Wie kann man diesen Tempel noch schöner, noch größer, noch breiter machen?
Und weil so ein Tempelberg ja immer begrenzt ist – ein Berg ist halt irgendwann zu Ende, da hört der Berg auf –, hat er einfach den Berg breiter gemacht, an der Seite noch Stützwände hochgezogen und konnte oben noch breiter, noch voluminöser, noch weiter bauen. Und das, was man heutzutage als Klagemauer in Jerusalem hat, das ist tatsächlich nur so eine Stützmauer. Das hat mit dem eigentlichen Tempel nichts zu tun.

Der Sprung als religiöse Inszenierung

Der Teufel nimmt Jesus jetzt mit. Hier habt ihr mal ein Bild, wie der Tempel damals ausgesehen haben mag. Er stellt ihn hier oben auf die Zinne und sagt zu ihm: Spring doch runter!
Je nachdem, auf welcher Seite man springt oder auf der Rückseite, geht es richtig tief runter. Glaubt man dem jüdischen Historiker Josephus, dann geht es auf der Rückseite direkt ins Kidron-Tal hinunter, etwa 150 Meter. Das ist also schon freier Fall. Wer ein bisschen Bungee-Jumping kennt, weiß: Das dauert eine Weile.
Und der Teufel sagt: Spring! Dahinter steckt der Gedanke: Weißt du, ich möchte gern dein Public-Relations-Manager sein, und ich habe da eine Idee. Ich weiß ja aus der ersten Versuchung, dass du nichts tun möchtest, ohne dass dein Vater im Himmel da mitmacht. Aber ich habe hier eine Bibelstelle. Und diese Bibelstelle sagt, dass Menschen, die mit Gott leben, dass Gott immer auf ihrer Seite ist und dass, wie es in der Textstelle heißt, sie ihren Fuß nicht einmal an einen Stein stoßen werden. Und das gilt doch für dich als Messias, oder? Diese Textstelle.
Und schau mal: Du möchtest nicht unabhängig vom Vater leben, das verstehe ich. Ja, also das mit den Steinen und dem Brot, das war wahrscheinlich ein bisschen zu weit. Aber jetzt hier: Gib doch deinem Vater im Himmel die Chance, dieses Stück Bibel aus dem Alten Testament zu erfüllen.
Und weißt du, was dann passieren wird? Dann werden die Menschen auf dich aufmerksam werden. Denn das passiert nicht alle Tage, dass einer von der Zinne springt, egal ob jetzt vorne oder hinten. Die Leute denken: Gleich schlägt er unten auf. Und dann kommt so kurz bevor er unten am Boden ankommt, eine geheimnisvolle Hand, die hält ihn auf, und zack, hat sie ihn.
Alle werden da stehen und sagen: Was ist hier passiert? Das muss der Messias sein. In der Tat war das damals auch die Erwartungshaltung der Juden, dass der Messias, wenn er käme, etwas machen würde, was ihn total unterscheiden würde.
Wir würden heute sagen: Stell dich auf den Fernsehturm, spring. Am besten sagst du das vorher noch der Bild-Zeitung, damit auch genügend Leute unten herumstehen. Und du wirst sehen: Wenn du unten am Boden ankommst, erwarten alle etwas Schreckliches. Da stehen vielleicht schon die Feuerwehr mit dem Sprungtuch. Und im letzten Moment wirst du aufgefangen, und die Leute werden einfach merken, dass du etwas ganz Besonderes bist.
Das ist die Idee dahinter, und das klingt erst einmal gar nicht so schlecht, oder? Es ist doch heute auch so: Da, wo jemand eine große Show macht, da laufen ihm die Leute auch hinterher. Und Jesus als Messias wollte doch die Menschen erreichen. Aber Jesus tut es nicht.

Warum Jesus keine Sensation sucht

Euch etwas zeigen. Schlagt bitte Matthäus 24,24 auf. Da treffen wir auf Menschen, die es genau so machen werden, wie der Teufel es Jesus empfohlen hat.
 Matthäus 24,24, in der Endzeitrede Jesu, da heißt es über die letzte Zeit: Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen.
Also: Die Methode der falschen Christusse, die in der Endzeit auftreten werden, sind Zeichen und Wunder. Aber sie werden Zeichen und Wunder tun, nicht um Menschen zum Glauben zu bringen, sondern um Menschen zu verführen.
Und ich habe mir überlegt: Warum befriedigt Jesus nicht diese Sensationslust der Massen? Ich denke, die einfachste und erste Antwort ist, dass Jesus Nachfolger will und keine Fans. Er will Nachfolger, Leute, die ihm hinterherlaufen, die ihn lieben, die sagen: Ich will dein Leben teilen, ich will, dass du in meinem Leben lebst. Und er will nicht Menschen, die einfach nur von ihm als Person oder von dem, was er tut, begeistert sind.
Und noch etwas anderes zeigt uns die Bibel klar: Wenn die Grundeinstellung im Leben eines Menschen nicht stimmt, die Grundeinstellung zu Gott, dann werden Zeichen und Wunder, allgemein dann wird das Übernatürliche im Leben eines solchen Menschen keinen Glauben wirken.
In Johannes 12,37 fasst der Apostel Johannes die damalige Entwicklung im Judentum so zusammen: Obwohl er, das ist Jesus, aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn.
Also: Glaube kommt nicht aus Zeichen und Wundern, wenn die Grundeinstellung nicht stimmt. Natürlich dürfen wir als solche, die glauben, manches an Zeichen und Wundern in unserem Leben erleben, und dann wird Glaube auch gestärkt. Aber wenn die Grundeinstellung zu Gott nicht stimmt, wirst du durch Zeichen und Wunder niemanden erreichen. Das hat das Leben Jesu einfach bewiesen.

Der Missbrauch von Bibelworten

Das Nächste, was auffällt, was uns einfach klar sein darf, ist: Der Teufel verwendet tatsächlich die Bibel. Ich habe mir gedacht, vielleicht ist das ein Argument, die Bibel wirklich auch von unserer Seite aus gut zu kennen. Der Teufel kennt sie, und er zitiert sie. Das, was wir gelesen haben, stammt aus Psalm 91, Vers 11 und 12, und deswegen haben wir die noch eingangs einmal ganz vorgelesen bekommen.
Der Teufel verwendet die Bibel natürlich immer in einer verdrehten Form. Nicht wirklich so, dass man sagen würde: Na super, so ist es auch gemeint. Nein, er sagt: Sollte Gott gesagt haben, steht da nicht das und das drin? Und dann verwendet er die Bibel, um den Menschen gegen Gott aufzustacheln.
Und hier heißt es in Matthäus 4,6: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir befehlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt.
Zu diesem Ausdruck Wenn du Gottes Sohn bist noch etwas: Das klingt für uns, als hätte der Teufel einen Zweifel daran. Das ist dummerweise nur unsere Übersetzung. Das Griechische an der Stelle hat überhaupt keinen Zweifel. Man könnte das sehr wohl und sogar einen Tick richtiger so übersetzen: Du bist doch Gottes Sohn, also dann wirf dich doch hier von der Zinne, damit alle Menschen sehen können, dass du wirklich Gottes Sohn bist, und das auch erkennen können. Tu doch etwas Auffälliges, damit die Menschen dir glauben.
Und man könnte die Frage stellen: Sind Wunder an sich etwas Schlechtes? Auch diese Frage muss man mit Nein beantworten. Wunder sind eigentlich schon in Ordnung. Später, das werdet ihr in Matthäus 11 lesen, kommen die Jünger von Johannes dem Täufer. Sie kommen zu Jesus, weil Johannes der Täufer im Gefängnis sitzt und sich die Frage stellt: Ist Jesus wirklich der Messias? Und Jesus wird sagen: Was seht ihr hier? Und sie sagen: Ja, Blinde werden sehend, Lahme können gehen, den Armen wird frohe Botschaft gepredigt. Wunderbar, sagt das dem Johannes. Was bringen sie ihm zurück? Nun ja, Wunderberichte. Und es ist ein im Alten Testament vorhergesagtes Ausweiszeichen für den Messias, dass er bestimmte Wunder tun würde, das ist keine Frage. Also: Wunder sind an sich nichts Schlechtes.
Ist es dann etwas Schlechtes, wenn ich im Alten Testament so eine Verheißung nehme und mich auf diese Verheißung stütze? Ich meine, wir haben doch hier eine Predigt von Stephan gehört: Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes, und alles wird euch hinzugefügt werden. Ist das denn jetzt falsch, dass ich so eine Verheißung nehme und mich darauf stütze? Und wieder würde ich sagen: Nein, nein, das ist nicht falsch. Aber es gibt einen Punkt, wo es falsch wird.
Und diesen Punkt möchte ich so versuchen einzugrenzen: an der Stelle, wo ich mich bewusst Gefahren oder Versuchungen aussetze und dann darauf vertraue, Gott würde mich schon rausholen, wie so eine Spezialeinheit, die dann angeflogen kommt mit dem Helikopter, und dann springen die Leute schwarz vermummt raus und werden mich schon irgendwie aus dem Schlamassel rausholen. Wenn ich diese Einstellung habe, dann muss ich sagen: Na ja, da gehst du wahrscheinlich zu weit, das wird Gott nicht tun.
Oder lassen Sie mich anders formulieren: Es ist nicht unsere Aufgabe in unserem Leben, Gottes Treue zu prüfen, sondern ihm unsere Treue zu beweisen. Es ist nicht unsere Aufgabe im Leben, Gottes Treue zu prüfen, sondern ihm unsere Treue zu beweisen. Niemand, der Risiken um des eigenen Ehrgeizes willen eingeht, hat Gottes Verheißungen auf seiner Seite.
Etwas anderes, ein zweiter Punkt: Wer Gott testen will, mal schauen, ob er doch Gott ist, bringt damit etwas zum Ausdruck, was eigentlich furchtbar ist, nämlich seinen Unglauben. Wer Gott testet, ist eigentlich ein Zweifler. Und jeder, der zweifelt, das ist einer, der nicht glaubt.

Vertrauen statt Testen

Ich will euch ein drastisches Beispiel erzählen. Stellt euch vor, meine Kinder wollten ausprobieren, ob Papa vertrauenswürdig ist. Das machen Kinder normalerweise nicht. Wird Papa uns, wenn es darauf ankommt, tatsächlich ins Krankenhaus fahren? So eine Frage stellen sich Kinder nicht.
Und jetzt nehmen sie eine Schere, schneiden sich den kleinen Finger ab und gehen zu Papa und sagen: Hier ist der kleine Finger, fährst du mich ins Krankenhaus als Test? Und jeder wird sagen: Hey, was ist das für eine blöde Geschichte? Natürlich fährt Papa sie ins Krankenhaus, da brauchen sie doch nichts zu testen. Ja, und Kinder werden nie auf den Gedanken kommen, sich den kleinen Finger abzuschneiden, um mal zu probieren, ob Papa sie auch wirklich ins Krankenhaus fährt, ob Papa so weit vertrauenswürdig ist, dass er das auch macht.
Aber Christen stehen manchmal in der Gefahr, dass sie meinen, sie müssten ihren Vater im Himmel mal testen, ob er wirklich so ist, wie er sich darstellt, ob man ihm wirklich vertrauen kann. Und ihr merkt schon: Das hat dann nichts mehr mit Vertrauen oder Glauben zu tun, das ist purer Unglaube, purer Zweifel.
Und beim Drübernachdenken ist mir noch etwas aufgefallen. Wenn ich biblische Verheißungen nehme und sie einfach aus dem Zusammenhang reiße oder sie losgelöst von Gott verwende, so wie der Teufel das hier tut, dann verhalte ich mich genauso wie jeder Heide. Der Bibelfers ist nämlich in meiner Hand eine Art Zauberspruch, einen Zauberspruch, den ich anwende, um Macht über Gott zu bekommen, um Gott zu manipulieren. Ich möchte bestimmen, was Gott zu tun hat. Und das ist der Kern allen Unglaubens und natürlich auch der Kern allen Aberglaubens, denn ich meine, Gott manipulieren zu können.
Und für den Fall, dass das jetzt etwas Neues ist, dann wirst du ein bisschen erschrecken. Aber ich möchte in dieser Deutlichkeit sagen: Egal mit welchem Bibelfers du zu Gott kommst, wenn es deine Haltung ist, ihn wie einen Zauberspruch anzuwenden und Gott zu irgendetwas zu zwingen, was du meinst, dass er tun muss, es wird nicht funktionieren. Weil Gott nie tun muss, was du willst.
Darf ich das so radikal noch einmal wiederholen? Gott muss nie tun, was du willst. Und jetzt wird einer sagen: Warte mal, Gott muss nie tun, was ich will? Ja, muss er nie, weil er Gott ist.
Ey, das ist ja furchtbar! Wo habe ich in meinem Leben, wo gibt es denn dann irgendwo Sicherheit in meinem Leben, wenn Gott nicht tun muss, was ich sage? Sage ich: Ja, das stimmt. Wenn du einen Bibelfers nimmst und meinst, Gott manipulieren zu können, dann ist das keine Sicherheit.
Aber die Sicherheit unseres Lebens liegt auch nicht in Bibelfersen. Die Sicherheit unseres Lebens liegt darin, dass wir wissen: Ich habe eine persönliche Beziehung zu dem, der Himmel und Erde gemacht hat, der in Ewigkeit lebt. Und aus dieser Person, zu der ich eine Beziehung habe, aus der Person persönlich, da erwächst meine Sicherheit. Er ist der Garant und nicht irgendein Bibelfers, auf den ich mich zurückziehe und mit dem ich meine, Gott in irgendeine Ecke schieben zu können, damit er genau das tut, was ich meine, was er tun soll und was für mich womöglich das Beste ist.

Der Wechsel der Zugehörigkeit

Lasst mich das von der anderen Seite beleuchten: Mit der Bekehrung eines Menschen tritt er aus einer Armee heraus und in eine andere ein. Wir leben in einem kosmischen Kampf, in einer Auseinandersetzung zwischen dem Teufel auf der einen Seite und Gott auf der anderen Seite. Und jeder, der sich bekehrt, der sich zu Gott hinwendet und sagt: Ja, ich möchte jetzt für dich leben, ich möchte, dass meine Sünden bezahlt sind, der wechselt die Seiten. Und er gehört nicht mehr zu der alten Armee.
Das heißt, er hat einen neuen Oberbefehlshaber. Und wenn ich einen neuen Oberbefehlshaber in meinem Leben habe, dann habe ich jemanden, der über mein Leben bestimmt. Er ist der Chef. Und das müssen wir tief, tief in uns verstehen. Nicht wir sind diejenigen, die den Ton angeben Gott gegenüber. Egal, wie fromm wir unsere Ansprüche verbrämen, sie bleiben falsch.
Ich dachte mir, ich konfrontiere euch mit dem heftigsten Beispiel, das ich persönlich kenne, und das diesen Gedanken, man müsse nur einen Bibelvers nehmen und ihn Gott hinhalten, und dann müsse Gott reagieren, wirklich aushebelt. Ich möchte euch etwas vorlesen aus einem Buch, das ich sehr empfehlen kann. Es heißt „Jenseits der endlosen Meere. Abenteuer Weltmission. 50 Geschichten“. Es sind Kurzgeschichten zum Thema Mission. Man kann es auch exquisit seinen Kindern vorlesen. Es ist wirklich interessant, ein exquisiter Abriss über die Missionsgeschichte der letzten paar hundert Jahre.
Und da gibt es einen Mann, den ich euch vorstellen möchte. Er heißt Alan Gardiner, und ich lese euch das vor:
Der englische Marineoffizier Alan Gardiner lernte 1822 als Seemann auf einer weltweiten Schiffsreise die Ureinwohner der unwirklich kalten Insel Feuerland kennen. Ihn erschütterten die unwürdigen Lebensumstände dieser indianischen Ureinwohner des Pächereis. Er schrieb in seinem Tagebuch: „Ich möchte ein bescheidenes Werkzeug in deiner Hand sein, die Seelen dieser Menschen zu retten. Ohne dich kann ich nichts tun, aber mit dir vermag ich alles auszurichten. Lenke meine Schritte und zeige mir den Pfad, den ich gehen soll.“
Erst nach 22 Jahren konnte Gardiner endlich 1844 in England seine Mission für Feuerland und Patagonien gründen. Zwei Expeditionen nach Feuerland scheiterten. Die Europäer waren den Strapazen nicht gewachsen, das Klima setzte ihnen zu sehr zu, auch stahlen die Einwohner alles. Der Plan, eine Siedlung zu beginnen, musste aufgegeben werden. Zu einer dritten Expedition wollte niemand mehr Geld geben. Da bot eine Frau tausend Pfund. Damit konnte man zwar nicht die Expedition im gewünschten Umfang ausrüsten, aber zum Beschaffen von zwei größeren und zwei kleineren Booten reichte es. Er fand auch sechs Männer, die ihn begleiten wollten. Einer war schon bei einer früheren Reise dabei. Er sagte: „Mit Captain Gardiner fühlt man den Himmel auf Erden, denn er ist ein Mann des Gebets.“
Anfang Dezember 1850 landeten sie auf der Insel Picton. Gardiner schrieb wenige Wochen später: „Wenn wir die elenden Eingeborenen ansehen und bedenken, dass sie, wie wir, zum ewigen Leben bestimmt sind, so lieben wir sie von Herzen. Wir sind dann bereit, auch Opfer zu bringen, um ihnen das Evangelium in ihrer Sprache zu verkündigen.“
Das Opfer sollte von ihnen in der ganzen Härte und Bitterkeit gefordert werden. Ein Teil der Lebensmittel wurde gestohlen, anderes verdarb, die Boote zerschellten im Sturm. Das erwartete Versorgungsschiff nach sechs Monaten blieb aus. Einer nach dem anderen wurde von Skorbut befallen und starb vor Erschöpfung. In seinem Tagebuch hielt Gardiner fest, wie seine besten Freunde starben. Immer wieder aber schrieb Gardiner von dem Frieden, den Gott für diese Menschen bereit hatte. Er trug in seinem Tagebuch unermüdlich Fürbitten für Feuerland ein. Er ließ nicht davon ab, auf den Knien für diese trostlose Insel zu beten, die völlig unzugänglich war.
Da liest man in einer Niederschrift: „Arm und schwach, wie wir sind, ist unser Boot ein Haus Gottes für unsere Seelen, denn wir fühlen und wissen, dass Gott hier ist. Ob ich wache oder schlafe, ich bin unbeschreiblich glücklich.“
Dann schreibt Alan Gardiner die letzten Zeilen: „Am sechsten September 1851. Noch eine kurze Zeit, und dann bin ich in der Schar der Gemeinde, die das Lob Christi in Ewigkeit singt. Ich fühle weder Hunger noch Durst, obwohl ich fünf Tage ohne Nahrung bin. Oh, diese wunderbare Liebe zu mir armen, sündigen Menschen!“
Das sehnlich erwartete Schiff kam erst am 26. September 1851 an, zwanzig Tage zu spät. „Hey, ich dachte, Gott wird mich versorgen. Steht das nicht: Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes, und all dies wird euch hinzugefügt werden?“
Merkt ihr, was? Es gibt eine größere Wirklichkeit im Leben eines Christen, als nur Bibelstellen zu nehmen und sie Gott hinzuhalten und zu sagen: So musst du jetzt reagieren. Es gibt eine Wirklichkeit im Leben eines Christen, die nur auf einer persönlichen Ebene erfahrbar ist. Da, wo ein Mensch Gott kennt und von ihm persönlich im Leben geführt wird und wo er sich bis zum Letzten an den Ort führen lässt, wo Gott ihn haben will, um dort letztlich das Opfer zu bringen, das Gott ihn bringen lassen möchte.
Lasst uns das nie vergessen: Das ist die Berufung von wirklichen Christen. Für Gott da zu sein und für ihn zu leben.

Der biblische Hintergrund der zweiten Versuchung

Kommen wir zurück zu der zweiten Versuchung. Wie reagiert Jesus? Er zitiert 5. Mose 6,16, und dort heißt es, wenn ich das aus dem Alten Testament lese: Ihr sollt den Herrn, euren Gott, nicht prüfen, wie ihr ihn zu Massa geprüft habt.
Massa ist ein Ort in der Wüste. Die Geschichte, auf die sich 5. Mose 6 bezieht, finden wir in 2. Mose 17. Vielleicht können wir die Stelle aufschlagen: 2. Mose 17,1-7.
Auf die hier geschilderte Gegebenheit bezieht sich der Vers, den Jesus zitiert, wenn er sagt: Ihr sollt den Herrn, euren Gott, nicht prüfen oder nicht versuchen, wie ihr ihn zu Massa versucht habt. Ich möchte das kurz vorlesen, damit wir das verstehen. 2. Mose 17,1-7:
Und die ganze Gemeinde der Söhne Israel brach nach ihrer Aufbruchsordnung aus der Wüste Sin auf, nach dem Befehl des Herrn, und sie lagerten sich in Rephidim. Aber da war kein Wasser zum Trinken für das Volk. Da geriet das Volk mit Mose in Streit, und sie sagten: Gib uns Wasser, damit wir zu trinken haben.
Mose aber erwiderte ihnen: Was streitet ihr mit mir? Was prüft ihr den Herrn?
Als nun das Volk dort nach Wasser dürstete, murrte das Volk gegen Mose und sagte: Wozu hast du uns überhaupt aus Ägypten heraufgeführt, um mich und meine Kinder und mein Vieh vor Durst sterben zu lassen?
Da schrie Mose zum Herrn und sagte: Was soll ich mit diesem Volk tun? Noch ein wenig, und sie steinigen mich.
Und der Herr antwortete Mose: Geh dem Volk voran und nimm einige von den Ältesten Israels mit dir. Auch deinen Stab, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, nimm in deine Hand und geh hin. Siehe, ich will dort vor dich auf den Felsen am Horeb treten. Dann sollst du auf den Felsen schlagen, und es wird Wasser aus ihm hervorströmen, sodass das Volk zu trinken hat.
Und Mose machte es so vor den Augen der Ältesten Israels. Und er gab dem Ort den Namen Massa und Meriba. Da kommt dieses Wort vor: Massa. Und Massa bedeutet, das sieht man in der Anmerkung, so viel wie Prüfung oder Versuchung, wegen des Streitens der Söhne Israel und weil sie den Herrn geprüft hatten, indem sie sagten: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?

Die Wüste als Ort der Bewährung

Also, die Israeliten haben ein Problem: Sie murren, weil sie kein Wasser haben. Und indem man murrt, prüft man Gott. Schöne Sache: Ich murre in meinem Leben, dass mir etwas nicht so passt! Und in Wirklichkeit prüfe ich, ohne es zu merken, Gott.
Das Argument der Israeliten ist ja irgendwie ganz modern. Also, wenn Gott in unserer Mitte ist, dann darf doch nichts fehlen, oder? Wenn Gott in unserer Mitte ist, dann kann es doch nicht sein, dass ich keinen Arbeitsplatz habe, oder? Wenn Gott in unserer Mitte ist, na ja, dann kann es doch nicht sein, dass ich krank bin, nicht gleich den Ehepartner finde, den ich suche, nicht gleich, wenn die Kinder ein bisschen Kummer machen, den Ausweg finde oder dass ich lange Zeit vielleicht mit einem Problem schwanger gehe. Wenn Gott in meiner Mitte ist, muss doch alles super laufen.
Aber was das Volk hier vergisst, ist, dass Gott in der Wüste sein Volk erzieht. Massa, diese Geschichte, wo es kein Wasser gibt und wo das Volk anfängt zu murren, ist nämlich auf dem Weg der Erziehung Gottes mit seinem Volk nicht die erste Station. Insgesamt finden wir nach dem Auszug aus Ägypten – das war das mit den zehn Plagen, und eigentlich muss man sagen: Es war kein Auszug aus Ägypten, es war eigentlich ein Rauswurf aus Ägypten – dann in 2. Mose 15 das erste Problem, Mara. Man kommt an einen Ort in der Wüste, und das Wasser ist bitter. Was passiert? Holz wird in das Wasser geworfen, und das Wasser wird süß, man kann es wieder trinken.
Dann folgt schon ein Kapitel später die Wüste Sin. Diesmal ist es Hunger, der die Israeliten quält, und die Lösung lautet Brot vom Himmel und Wachteln. Noch ein Kapitel später, 2. Mose 17, sind wir dann bei dem Text, den ich vorgelesen habe.
Ich habe euch das mal so zusammengestellt, weil man sich die Frage stellen kann, und die Frage möchte ich gerne jedem hier stellen: Woran sieht man eigentlich, dass ein Mensch wirklich gläubig ist? Und wenn ich euch nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten gefragt hätte: Glaubt ihr, dass das ganze Volk gläubig ist? Dann hätte manch einer sagen können: Na klar, hast du nicht gelesen, was am Ende von 2. Mose 14,31 steht? Da steht doch: Als nun Israel die große Macht sah, die der Herr an den Ägyptern ausgeübt hatte, da fürchtete das Volk den Herrn, und sie glaubten an den Herrn. Steht doch da, das Volk glaubt.
Aha, und schau mal: Noch ein bisschen später, da singen sie doch und tanzen und sind total begeistert von Gott. Aha, und jetzt denkt sich Gott: Wisst ihr was, ich würde gerne mal wissen, wie es in eurem Herzen wirklich aussieht. Einfach so ein paar Wunder zu tun und eine ägyptische Armee im Wasser zu begraben, das ist eine Seite. Aber ich würde gerne wissen, woran hängt euer Herz? Hängt euer Herz an den Gaben, die ich euch gebe, nämlich an der Befreiung und an der Errettung, oder hängt es an mir als dem Geber? Das wäre doch mal eine ganz interessante Frage.
Ist euer Glaube eigentlich nur ein Glaube, der gerade mal so weit reicht wie die Länge eurer Zungenspitze? Ein behaupteter Glaube, oder ist da noch etwas Echtes dahinter? Wisst ihr, wir machen mal einen Test. Und dann kommt Test Nr. 1, Mara, und sie murren. Und es kommt Test Nr. 2, Wüste Sin, und sie murren. Und es kommt Test Nr. 3, Massa, und sie murren. Und was zeigt es? Der Glaube der Israeliten ist nicht echt. Rettung ja, Vertrauen in Gott nein. Und dabei könnte man so viel lernen aus dem, was Gott tut.

Rettung von außen und das wahre Brot

Gib uns mal bitte die letzte Spalte. Schaut mal: Für euch, die ihr das Evangelium des Neuen Testaments, so wie es von den Evangelisten gepredigt wurde, kennt, ihr werdet solche Geschichten doch mit sehr viel Freude lesen, oder?
Gott bringt den Israeliten bei, wie sie gerettet werden, wie er rettet. Schaut mal, Mara: Haltet mich für verrückt, aber ist es nicht komisch, dass das bittere Wasser dadurch süß wird, dass von außen etwas in dieses bittere Wasser hineingeworfen wird? Ist es nicht das, was das Neue Testament lehrt? Das Leben eines Menschen ist eigentlich bitter. Und er kann sich selber nicht wie Münchhausen aus diesem bitteren Leben herausziehen, aus eigener Kraft. Er braucht einen, der von außen hineinkommt und ihn rettet. Er braucht jemanden, der von außen in das Leben hineinkommt und das Bittere süß macht.
Ich habe die Stellen Johannes 1,1 und 14 einfach daneben geschrieben. Das ist dieses: Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott. Und dann heißt es: Und das Wort wurde Fleisch. Rettung hat anscheinend damit zu tun, dass jemand von außen in mein Leben hineinkommt und mich heil macht. Ich kann das nicht alleine.
Und dann die nächste Stelle: Die Wüste, Sinn, der Hunger. Oh ja, ich glaube, jeder kennt das, dass er Hunger nach Leben hat. Und die Israeliten werden damit konfrontiert, dass Jesus genau dieses Bild nimmt, genau die Worte nimmt aus dieser Versuchung und sagt: Ich bin das wahrhaftige Brot vom Himmel. Und er sagt noch mehr, Johannes 6,33 und 35: Denn das Brot Gottes ist der, welcher aus dem Himmel herabkommt und der Welt das Leben gibt. Ja, hier bei den Israeliten war es natürliches Leben, aber da ist ein anderes Brot vom Himmel heruntergekommen, um der Welt ewiges Leben zu geben, wie es in Vers 35 heißt: Jesus sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nimmermehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nimmermehr dürsten.
Ist das eine Verheißung, dass Gott sagt: Ich möchte euren Lebenshunger stillen? Hier, man sagt das so schön vorgeschattet im Alten Testament. Und das Dritte, Massa, ah, das ist eine spannende Geschichte.

Christus als der geschlagene Fels

Mose muss auf den Felsen schlagen. Der Fels ist im Neuen Testament ein Bild für Christus, der ebenfalls einmal geschlagen wird. Die Geschichte ist viel spannender, wenn man sie genau liest. Dann stellt man fest: Es ist der Fels, und Mose hat seinen Stab. Er schlägt von oben auf diesen Felsen. Und wer steht bitte auf dem Felsen? Es ist Gott.
Im Bild gesprochen wird Gott geschlagen. Was das bedeutet, lesen wir unter anderem in Johannes 19. Dort steht: Es ist vollbracht. Jesus hängt am Kreuz und kann sagen: Es ist vollbracht. Er ist das Lamm Gottes, das ein für allemal geschlagen wurde zur Rettung der Menschen.
Und indem Jesus jetzt diesen Vers aus 5. Mose 6 zitiert und diese Begebenheit im Hintergrund immer mitschwingt, bringt er Folgendes zum Ausdruck: Er sagt, natürlich ist Gott der Retter. Aber gerade weil Gott der Retter ist, gehört es sich einfach nicht, zu murren oder ihn herauszufordern.
Nochmal das, was ich vorhin gesagt habe: Es ist nicht unsere Aufgabe, Gottes Treue zu testen, sondern es ist unsere Pflicht, ihm unsere Treue zu beweisen. Ein Sprung von der Tempelzinne beweist überhaupt nichts. Es ist ein total unsinniger Akt, der nichts bewirkt, weil er niemanden zum Glauben bringt. Eigentlich ist er ein Beweis meines Unglaubens. Er ist bloßer Aberglaube, weil ich Gott manipulieren will und mich dabei selbst total überschätze.

Praktische Warnungen für den Alltag

Zum Schluss möchte ich noch sagen, wo diese Versuchung des Teufels auch in unserem Leben eine Rolle spielt.
Einmal dort, wo wir uns dazu verleiten lassen, Dinge zu tun, mit denen wir angeben wollen. Angeberei. Und ich darf dir die Frage stellen: Warum lebst du dein Leben so, wie du es lebst? Willst du auffallen oder möchtest du dein Leben zur Ehre Gottes führen?
Der zweite Punkt ist der: Überall dort, wo wir uns bewusst Gefahren aussetzen, um Gott zu provozieren, in dem Sinne: Ja, mir kann ja doch nichts passieren. Überall dort trifft das auch auf unser Leben zu.
Dann dort, wo wir die Bibel nehmen wie ein Zauberbuch und sagen: Also mit dem Zauberspruch muss Gott jetzt so und so handeln. Wo dieses Denken in irgendeiner Form in unserem Kopf vorkommt, überall da fallen wir auf die Versuchung des Teufels herein, aus Versuchung zwei.
Und der letzte Punkt, über den geschichtlichen Hintergrund abgeleitet: Wenn wir in Zeiten der Not murren, statt zu vertrauen, dann sind wir auch reingefallen, weil Gott möchte, dass unser Glaube echt ist.
Und wenn du in deinem Leben das merkst, wann immer ich in eine Situation hineinkomme, die ich nicht mehr im Griff habe, dann fange ich an zu murren und Gott Vorwürfe zu machen. Wenn das das ganz normale Muster deines Glaubenslebens ist, dann bitte ich dich, dass du ganz arg darüber nachdenkst: Ist mein Glaube echt? Liebe ich die Gaben oder den Geber? Liebe ich den Segen Gottes oder den, der den Segen gibt? Bin ich einer, der nur die positiven Seiten aus einer Glaubensbeziehung haben will, oder suche ich echten Glauben, echte tiefe Beziehung zu Gott?

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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