Serie•Teil 1 / 1Predigten zu Genesis von Thomas Powilleit
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung und erste Wahrnehmung des Textes
Als ich meinen Predigttext las, den ich mir irgendwann einmal selbst gegeben hatte, war ich wirklich versucht, den Verkündiger, der nach mir kommt, zu fragen: Kannst du mir bitte etwas von deinem Text abgeben? Ich habe dann wirklich nachgeschaut: Geht das noch?
Ich habe gemerkt, es ist gar nicht so einfach, diese Texte dann noch anders zu strukturieren, denn in meinem Text regnet es fast nur. Also, es passiert eigentlich nicht mehr viel. Wir haben das schon gesungen in diesem Lied: Der Regen fiel herab, und die Flut steigt auf. Das ist das, was im Wesentlichen in diesem Text passiert. Jedenfalls sieht es auf den ersten Blick so aus.
Davon könnt ihr euch jetzt gleich selbst überzeugen, wenn ihr gedanklich mit mir in 1. Mose 7 hineinkommt, ab Vers 17 bis Vers 24. Da heißt es in 1. Mose 7, ab Vers 17:
Und die Flut kam vierzig Tage lang über die Erde, und das Wasser wuchs und hob die Arche empor, so dass sie sich über die Erde erhob. Und das Wasser schwoll an und wuchs gewaltig auf der Erde, und die Arche fuhr auf der Fläche des Wassers. Und das Wasser schwoll sehr, sehr an auf der Erde, so dass alle hohen Berge, die unter dem ganzen Himmel sind, bedeckt wurden. Fünfzehn Ellen darüber hinaus schwoll das Wasser an, so wurden die Berge bedeckt. Da kam alles Fleisch um, das sich auf der Erde regte, alles an Vögeln und an Vieh und an Tieren und an allem Gewimmel, das auf der Erde wimmelte, und alle Menschen. Alles starb. In dessen Nase ein Hauch von Lebensodem war, von allem, was auf dem trockenen Land lebte, so löschte er alles Bestehende aus, das auf der Fläche des Erdbodens war, vom Menschen bis zum Vieh, bis zu den kriechenden Tieren und bis zu den Vögeln des Himmels, und sie wurden von der Erde ausgelöscht. Nur Noah blieb übrig, und das, was mit ihm in der Arche war, und das Wasser schwoll an auf der Erde hundertfünfzig Tage lang.
Also, wenn wir in diesen Texten bei Noah unterwegs sind, dann werden wir nicht umhinkommen, auch gewisse Überschneidungen dort zu haben und vielleicht Dinge auch mal ein Stück weit zu wiederholen. Wir haben nämlich schon am letzten Sonntag mitbekommen, dass, so habt ihr es gelesen, am 17.02. es plötzlich anfing zu regnen, und zwar 40 Tage und 40 Nächte, also ununterbrochen. Und an diesem Tag ging also Noah mit seiner ganzen Familie in die Arche, zusammen mit den Tieren, und dann haben wir gelesen: schloss Gott die Tür zu. Also, niemand kam mehr hinein.
Und die Szene, die wir jetzt haben, die wir gelesen haben, die findet nicht in der Arche statt, sondern die findet außerhalb der Arche statt. Wir stehen also im Regen. Und wir schauen von draußen auf die Arche, und wir sind ausgeschlossen. Noah hatte schon in den Versen zehn bis sechzehn diese Flutkatastrophe gut beschrieben. Er hat gesagt, wann das Wasser kommt, wie das Wasser kommt und wer in dem Wasser umkommt.
Also, das hat Noah schon sehr deutlich formuliert. Und wenn wir jetzt springen würden und in 1. Mose 8,1 weiterlesen, dann würde dort stehen, oder steht dort: Und Gott gedachte des Noah und aller Tiere. Wenn wir das so schnell lesen, dann fällt uns gar nicht auf, dass unser Abschnitt, den wir jetzt gerade gelesen haben, fehlt, denn er enthält streng genommen keine großartige neue Information.
Es wird eben auch beschrieben, das haben wir gelesen, wer alles umkommt. Also, einmal fängt es bei den Vögeln an und geht runter, und dann fängt es bei den Tieren an und geht wieder hoch. Ja, es ist im Grunde genommen genau die gleiche Beschreibung. Und es ist eigentlich logisch, wenn Tiere und Vögel lange im Wasser sind, dass sie das auf Dauer nicht überleben.
Und deswegen ist die Frage schon spannend: Warum steht 1. Mose 7,17-24 in der Bibel? Warum war es Gott wichtig, diese Verse in die Bibel zu schreiben? Natürlich gibt es keinen Kommentar dabei, in dem dann steht: Deshalb war es Gott wichtig, dass es in der Bibel steht. Man kann manche Dinge nur vermuten.
Ich habe die Predigt mal überschrieben mit dem Satz: Der Regen des Todes, so habe ich es genannt. Darum geht es hier: der Regen des Todes.
Der Blick auf das wachsende Gericht
Also, wenn wir in den Text hineinschauen, dann sehen wir zunächst einmal: Die Arche steht auf der Erde, logischerweise. Wahrscheinlich hatte es bis zu dieser Zeit noch gar nicht geregnet, also wussten die Leute noch gar nicht richtig, was Regen ist.
Und dann sehen wir, wie es beginnt zu regnen. Und wir bekommen mit: Das sind so stündliche Wasserstandsanzeigen, die wir mitbekommen. Das Wasser steigt und steigt und steigt.
Die Bibel nimmt in unserem Text, den wir lesen, die Arche in den Fokus. Du schaust innerlich jetzt auf die Arche und merkst: Aha, sie steht auf der Erde, und jetzt schwimmt sie schon so ein bisschen auf dem Wasser. Und jetzt wird sie noch weiter steigen, und irgendwann haben wir nur noch eine Wasseroberfläche. Und wir haben die Arche, die sieben Meter über den höchsten Bergen ist.
Ich weiss nicht, ob die Berglandschaft damals so war wie heute. Wenn das so war, dann ist das Wasser ungefähr neun Kilometer hoch gewesen. Das heisst, jeder Quadratmeter dieser Erde hatte ein Gewicht von neun Tonnen, das auf diesem Quadratmeter gelastet hat. Also eine Riesenkatastrophe. Da hält natürlich auch kein Baum oder Ähnliches, der da steht, aus, unter neun Tonnen, wenn du das dann darauf legst.
In dieser Beschreibung fällt mir auf: Ich muss ganz genau hinsehen. Wenn ich diesen Text anschaue, wird ja ganz genau beschrieben, was jetzt passiert. Und vielleicht will ich das gar nicht so genau wissen, wo jetzt das Wasser steht und wo jetzt das Wasser steht und dann das Wasser steht.
Was nicht in den Fokus genommen wird, aber automatisch da ist, ist ja, dass mit jedem Meter, mit dem das Wasser steigt, die Verzweiflung der Menschen immer grösser wird. Davon ist in diesem Text nicht die Rede, aber das ist absolut naheliegend. Wir haben hier Menschen, die kämpfen mit dem Tod. Erst einmal verlieren sie den Boden unter den Füssen, also du kannst nicht mehr auf dem Boden stehen. Dann versuchen sie zu schwimmen, keine Ahnung, ob sie das damals konnten. Dann haben sie keine Kraft mehr, du hörst ihre Todesschreie, dein Atem stockt.
Also ich habe selber persönlich noch nie gesehen, wie ein Mensch ertrinkt, aber ich kann mir vorstellen, das muss schrecklich sein, das zu sehen und nicht eingreifen zu können. Und irgendwann: Du hörst hundertzehn Tage lang nur das ewige Lied der Wellen, also wenn ich die vierzig Tage Regen mal von den hundertfünfzig Tagen, die hier genannt werden, abrechne. Später siehst du dann auf der Fläche, die dieses Wasser einfach darstellt, massenhaft tote Körper von Menschen und von Tieren.
Und du fragst dich: Warum muss ich mir das so genau anschauen? Das, was du vor dem inneren Auge siehst, wenn du in den Text hineinschaust, ist Gottes Gericht, Gottes Gericht über die Sünde. Deshalb heisst meine erste Überschrift: Der Regen des Todes bringt Gottes Gericht.
Der Regen des Todes bringt Gottes Gericht. Du siehst hier buchstäblich, was Paulus in Römer 6 mal so formuliert: Der Lohn der Sünde ist der Tod. Das ist buchstäblich, du siehst es vor Augen. Und diesen massenhaften Tod vor deinen Augen gibt es deshalb, weil die Menschen unbeirrbar hinter der Sünde hergelaufen sind.
Gott hat viele Jahre zugeschaut, und jetzt bekommen wir mit in diesem Text, dass er eingreift. Und es zeigt uns: Gottes Gericht ist eben nicht nur theoretisch. Gottes Gericht ist hier sehr real. Und deswegen sollen wir, weil der Text uns mitnimmt, genau hinschauen, damit es sich uns einprägt, damit auch wir Gottes Gerichtsworte ernst nehmen, die sich erfüllen werden. Wenn Gott eine lange Zeit nicht handelt, dann heisst das nicht: Ich komme mit meiner Sünde bei Gott durch.
Ich möchte parallel noch einige Verse aus Psalm 50 zitieren. Da beschreibt der Psalmschreiber eben mit eigenen Worten einen Lebensstil eines Gottlosen, also den Lebensstil von den Zeitgenossen, die wir hier bei Noah miterlebt haben. Sie werden so beschrieben: Du hast Zucht gehasst und meine Worte hinter dich geworfen. Du sahst einen Dieb und befreundetest dich mit ihm, und mit Ehebrechern hattest du Gemeinschaft. Deinen Mund schicktest du los zum Bösen, und deine Zunge spannte Betrug davor.
Also: Diesen Lebensstil lege ich fest. Ich lege fest, was falsch und was richtig ist, und in diesem Leben hat Gott nichts zu sagen. Und weil Gott nicht eingreift, denke ich, ich komme mit meinem gottlosen Lebensstil durch. Aber damit irre ich mich. Gott sagt: Das hast du getan, und ich schwieg; du dachtest, ich sei ganz so wie du? Weil ich nichts gesagt habe, hast du gedacht: Ist schon in Ordnung, was ich tue.
Genau so haben die Leute während des Baus der Arche eben gedacht. Denn wir haben gelesen, dass Noah sie zu Gott eingeladen hat. Er wird bezeichnet im Neuen Testament als Prediger der Gerechtigkeit. Das heisst, er hat den Leuten gesagt, was ihr gerechtes Urteil ist, aber er hat ihnen auch gesagt, dass Gott ihnen seine Gerechtigkeit schenken will. Das gehört zum Paket, ein Prediger der Gerechtigkeit zu sein. Aber sie haben lieber ein Leben ohne Gott gewählt, und sie waren überzeugt: Gott lässt mich so stehen, wie ich lebe, er sagt ja nichts, es geht mir immer noch gut.
Und dann spricht Gott in Psalm 50 wie auch hier in unserem Text ein Machtwort. Das heisst dort: Merke dies, die ihr Gott vergesst, damit ich nicht zerreisse und keiner kann retten. Es ist genau das, was bei der Sintflut hier passiert. Gott hat sehr schmerzhaft eingegriffen, um Sünde im Leben von Menschen zu richten, auch um der Sünde in der Gesellschaft einen Stopp zu setzen. Wir haben es vorher in diesen Texten gelesen, dass die Gewalttat sehr zunahm, also auch um Gewalttat einzudämmen.
Wenn Gott richtet, dann tut er das nicht willkürlich. Da macht er das auch nicht aus irgendeiner Laune heraus, sondern sehr bestimmt. Gott will nicht, dass Sünde in meinem Leben oder in dem Leben anderer seine zerstörende Kraft entfaltet oder dass eine Gesellschaft so geprägt wird, dass eben die Massstäbe des Teufels Richtlinie werden. Irgendwann kommt, wie wir es hier sehen, das Gericht.
Ich finde ein Lied von Manfred Siebald als Illustration hier sehr hilfreich. Vielleicht kennen das noch manche von euch. Er beschreibt, wie die Leute eines Dorfes sich über den Deich aufregen, der sie doch so eingrenzt. Und es bringt sie dann zu der Forderung: Der Deich muss weg. So heisst eben auch dieses Lied. Gesagt, getan, sie machen den Deich platt und feiern anschliessend die freie Sicht aufs Meer. Bis die Sturmflut kommt, und die Felder und auch das Kind des Bürgermeisters werden ein Raub der Fluten.
Und erst da wird den Dorfbewohnern klar: Der Deich, also Gottes Gebote, sind Schutz für sie gewesen und keine Eingrenzung. Und damit haben die Dorfbewohner genau den gleichen Fehler gemacht wie die Leute bei der Sintflut. Und es ist gut, von den Fehlern anderer zu lernen, und ich lerne daraus: Nimm Gott in seinen Gerichtsankündigungen ernst. Gott sagt keine leeren Worte. Was er androht, das wird er auch tun.
Und hier bei der Sintflut lässt Gott Menschen sterben, das ist nicht immer so, zum Glück. Aber andere Gerichtsandrohungen Gottes müssen wir genauso ernst nehmen wie hier auch die Sintflut. Israel als Volk hat zum Beispiel Gottes warnende Stimme nicht ernst genommen: Wenn ihr ohne mich lebt, wenn ihr den Götzen hinterherlauft, dann werde ich euch aus dem Land werfen. Das ist die Botschaft der Propheten. Hier rein, da raus, jahrelang. Und irgendwann hat Gott dann eingegriffen, er hat die Assyrer geschickt, er hat die Babylonier benutzt, damit sie sein Gericht an Israel ausführen. Also Israel wurde aus dem eigenen Land vertrieben, zum Beispiel eine Gerichtsankündigung Gottes.
Oder die Gemeinden in Kleinasien, von denen die Offenbarung redet, haben Gottes warnende Stimme ebenfalls nicht beachtet. Gott warnt dort seine Gemeinde sehr eindrücklich davor, dass sie zum Beispiel die Liebe zu ihm verlassen, dass sie, da gab es eine bestimmte Gruppe, die Nikolaiten, dass sie wie die Nikolaiten hinter den Götzen hinterherlaufen und sexuelle Unmoral dulden, dass sie meinen, sie sind reich an Erkenntnis, und sie haben nicht geblickt: Die tiefe Jesusbeziehung ist schon lange nicht mehr das, was meinen Alltag bestimmt.
Und wenn man dann entsprechend weiterschaut, dann sieht man an den Orten, die in der Offenbarung genannt werden, kaum relevante Gemeinden, ausser in Smyrna. Das ist so die Gemeinde, die ja stark unter Verfolgung damals gelitten hat. Da haben wir schätzungsweise so 500 Christen in der Stadt. In Laodizea, die dachten: Na ja, wir haben’s, hast du keinerlei christliche Spuren heute.
Und deshalb: Wenn Gott in seinem Wort deutlich gegen Sünde redet und sie benennt, dann müssen wir das als Gemeinde auch ernst nehmen, sonst ziehen wir Gottes Gericht auf uns. Und diese Ehrfurcht vor dem heiligen Gott, die sollten wir aus dieser Gerichtserfahrung der Sintflut auf jeden Fall mitnehmen.
Gottes Gerechtigkeit im Gericht
Der Regen des Todes bringt Gottes Gericht. Auf der anderen Seite zeigt der Regen des Todes aber auch Gottes Gerechtigkeit. Deshalb habe ich als zweite Überschrift gewählt: Der Regen des Todes zeigt Gottes Gerechtigkeit.
Vielleicht sagst du jetzt: Na ja, okay, du redest von Gottes Gerechtigkeit, aber ist das ein gerechter Gott, der Menschen und kleine Kinder in eiskalten Fluten ertrinken lässt? Ist das ein gerechter Gott, der, wie wir es in den Versen 21 bis 23 gelesen haben, Vögel, Vieh, Tiere und Kriechtiere untergehen lässt?
Zu den Tieren nur ein kurzer Gedanke, und dann komme ich zum eigentlichen Punkt. Der Text betont ja die Landtiere. Das fiel mir noch einmal auf. Das heißt: Die Fische sind alle am Leben geblieben. Eigentlich ist es nicht korrekt zu sagen, alle Tiere gingen unter, denn die Fische sind am Leben geblieben. Aber die anderen Tiere, die Landtiere, sind alle untergegangen.
Leider sind die Tiere durch die Sünde der Menschen in Mitleidenschaft gezogen worden. Manchmal haben unter der Sünde auch Geschöpfe zu leiden, die gar nichts dafür können. Die hängen da unschuldig mit drin. Auch wenn sie kein unsterbliches Leben haben. Wenn ein Tier tot ist, dann ist es tot. Es hat kein ewiges Leben. Aber Gott hat auch Tiere geschaffen, und er kümmert sich um sie. Das siehst du zum Beispiel in Ninive, wo Gott sagt: Ich lasse doch die Stadt nicht untergehen, und so viele Tiere sind auch dort. Tiere sind ihm nicht egal.
Und übrigens: Die Arche war so groß, weil der Elefant auch noch mit musste. Also, wenn die Familie Noahs nur in der Arche gewesen wäre, dann hätte auch so ein kleines Rettungsboot, das richtig zu ist, gereicht. Da hätte es nicht so ein Riesenschiff gebraucht. Es brauchte dieses Riesenschiff, weil die ganzen Tiere auch noch in diese Arche mit hineinkamen.
Aber das stimmt: Die meisten Landtiere starben durch die zerstörende Auswirkung der Sünde des Menschen. Nicht durch ihre eigene Sünde. Und Gott tritt dem Menschen, oder der Sünde des Menschen, hier mit Leidenschaft entgegen. Der Tod ist die Konsequenz der Sünde, leider auch für die Tiere. Nicht Gott sündigt, wenn er Sünde bestraft, sondern er bestraft Sünde, weil Menschen fortwährend gegen ihn gesündigt haben.
Ich glaube, das ist wichtig zu verstehen. Wenn Gott Sünde ungestraft ließe, dann wäre er nicht gerecht. Aber natürlich sind auch viele Kinder hier gestorben, die weder Böses noch Gutes unterscheiden können, oder auch Menschen, die eher auf der Opferseite standen und nicht auf der Täterseite.
Noch einmal die Frage: Macht Gott sich nicht die Hände schmutzig, wenn er solchen Menschen das Leben nimmt? Das ist eine Frage, die einem kommt, wenn man diesen Text liest. Bei solchen Fragen, und die gibt es ja auch in anderen Texten, hilft mir, mich daran zu erinnern: In Psalm 119,68 heißt es einmal: „Du bist gut und tust Gutes.“ Auch die Sintflut hat das Gutsein Gottes nicht verändert.
In Nehemia 9,33 lesen wir einmal von Gottes Gericht, und da heißt es: Du bist gerecht in allem, was über uns gekommen ist, denn du hast Treue bewiesen, wir aber, wir haben gottlos gehandelt. Also sagt Nehemia: Du bist gerecht in allem.
Und im Lied des Mose wird Gott in 5. Mose 32 eben beschrieben mit: Du bist ein Gott, der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er. Also die Bibel betont immer wieder: Gott ist gerecht.
Das heißt hier, und das hört sich jetzt sehr herausfordernd an, aber wenn ich das zusammenrechne, hier bei der Sintflut bekommen die Menschen das, was sie verdienen. Und weil Gott so oft gnädig ist, weil er uns nicht das gibt, was wir verdienen, haben wir uns so daran gewöhnt, dass wir ganz erschrocken sind, wenn Gott uns das gibt, was wir verdienen.
Und ich glaube, ein Gedanke hat mir auch noch geholfen: Mein Leben gehört nicht mir selbst, auch wenn ich so tue, als ob das so wäre. Hiob hat das einmal tief verstanden, wenn er über das Leben seiner eigenen Kinder sagt: Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gelobt. Das sagt er über seine eigenen Kinder. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen.
Wenn Gott mir mein irdisches Leben nimmt, dann nimmt er das, was er mir für einige Zeit geliehen hat. Es ist nicht mein Besitz, auch wenn ich immer wieder so tue. Die Erfüllung meines Menschseins liegt auch nicht in der Menge meiner Jahre. Ich habe mit Gott keinen Vertrag, dass ich mindestens siebzig Jahre auf dieser Erde sein muss. Und wenn Gott mich früher nimmt, dann sage ich: Du bist vertragsbrüchig geworden. Nein.
Die Beerdigung, die jüngste Beerdigung, die ich gemacht habe, ich glaube, das Kind war sechs Wochen alt, und Gott nahm das Leben. Macht Gott damit einen Fehler? Er hat mir Leben gegeben, und Zeit ist Gnade, sagt die Bibel. Auch hier für die Leute in der Sintflut. Und Gott beendet ihr Leben an diesem Punkt.
Die Bibel macht deutlich: Die Beziehung zu Gott ist das, was mein Leben erfüllen soll. Die Qualität meiner Jahre geht damit vor der Quantität meiner Jahre. Das ist also die biblische Sicht.
Hier steckt ja auch eine andere Frage dahinter, die Frage nach dem Leid dieser Welt. Ich finde die Antwort auf diese Frage, sofern es überhaupt eine Antwort gibt, nur darin, dass ich weiß: Gott ist gerecht, und er ist souverän, auch wenn ich sein Handeln nicht verstehe. Wenn ich begreife, mein Leben ist nur von Gott geliehen, und er kann es zurücknehmen, wann und wie er will, dann weiß ich: Ich bin nicht der Herr über mein Leben.
Und ja, ich leide an der Ungerechtigkeit dieser Welt. Es geht nicht nur mir so. Ich habe mich erinnert an die Märtyrer beim Öffnen des fünften Siegels, die sagen: Herr, warum rächst du nicht unser Blut? Also, das heißt, das haben die mit ins Grab genommen. Und Gott sagt: Wartet, ich werde euch rächen, aber es wird noch eine Zeit dauern.
Also hier wird Gott auch gezeigt als ein Gott, der Unrecht nicht einfach unter den Tisch fallen lässt. Der nicht sagt: Ja, ihr seid ja schon tot, das hat sich erledigt. Nein, ich werde es rächen. Das heißt, die Sintflut ist auf der einen Seite Gericht über die Gottlosigkeit und Gewalt in dieser Welt. Das ist sehr deutlich.
Aber wenn Menschen gewalttätig sind, dann heißt es ja auch, dass andere Leute Gewalt erleben, dass andere Leute Unrecht erleben, dass andere Leute verletzt werden. Und wenn du auf dieser Seite stehst, wenn du verletzt wirst, wenn du Unrecht erlebst, wenn dir etwas angetan wird, dann kann, so komisch das auch klingt, auch die Sintflut für dich ein Trost sein.
Denn es wird wahr durch die Sintflut, was in Römer 12 steht: Gebt Raum dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: Mein ist die Rache, ich will vergelten, spricht der Herr. Das wird sichtbar durch die Sintflut. Die Sintflut zeigt mir eben diesen Grundsatz: Gott rechnet auch mit denen ab, die mir Verletzungen und Gewalterlebnisse zugefügt haben und sie nie bereinigt haben, sondern daran festhalten.
Es trifft bei der Sintflut natürlich vor allen Dingen auf die zu, die in der Arche sind, aber sie erleben: Gott vergisst das Unrecht nicht, das mir angetan wird. Am Ende der Zeit wird er es richten. Und wenn du unter Unrecht leidest, dann wünsche ich dir diese Sichtweise, dass sie dir hilft: Am Ende des Tages wird Gott für mein Recht einstehen. Es sieht zwar sehr ungerecht aus und ist auch sehr ungerecht, aber ich weiß: Gott wird am Ende richten. Und deshalb muss ich auch nicht selbst um ein Recht kämpfen.
Also in diesem Sinne zeigt der Regen des Todes Gottes Gerechtigkeit.
Die Arche als Ort der Rettung
Und bei allem Gericht Gottes, das die Menschen durch den Regen des Todes jetzt erleben müssen, möchte ich trotzdem noch bei einem Satz in Vers 23 stehen bleiben. Da heißt es ja: Nur Noah blieb übrig und das, was mit ihm in der Arche war.
Diesen letzten Satz habe ich überschrieben mit: Der Regen des Todes erreicht die Arche nicht. Der Regen des Todes erreicht die Arche nicht, und das ist typisch für Gott bei allem Richten, bei allem Donnern, bei allem Blitzen. Gibt es am Horizont einen ganz hellen Lichtstrahl der Hoffnung? Gott will Sünder nicht verdammen, Gott will Sünder retten.
Das sehen wir daran, dass die Tür der Arche auch so lange offen stand. Aber die Menschen wollten nicht kommen. Sie wollten sich nicht von Gott helfen lassen. Und deshalb ist die Arche so ein eindrückliches Bild dafür, was Jesus in meinem Leben getan hat. Er starb stellvertretend für meine Sünde, und er bewahrt mich dadurch vor dem Zorn Gottes, wenn ich an ihn als meinen Retter glaube. Dann steht sinnbildlich die Tür offen.
Manchmal hört man so den Satz: Ich kann nicht an einen Gott glauben, der Menschen in die Hölle wirft. Da ist es wichtig, das noch einmal zu vergegenwärtigen: Gott hat die Hölle nicht für Menschen gemacht, sondern für den Teufel. Das sagt Jesus wörtlich in Matthäus 25. Er sagt dort: Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Dafür ist es bereitet, dafür ist es gemacht.
Und ich weiß von Gott aus 1. Timotheus 2: Gott will, dass alle Menschen gerettet werden. Gott will alle in der Arche, die ein Typ für Jesus ist. Aber es gibt Menschen, die sich bewusst dagegen entscheiden, die sich bewusst gegen ein Leben mit Gott entscheiden. Und dann entscheide ich mich automatisch auch für ein Sterben ohne Gott und für eine Ewigkeit ohne Gott. Und nur deshalb wurde die Hölle erweitert. Aber es war ursprünglich nicht Gottes Ziel, Menschen dort hineinzuwerfen. Es ist das Ziel des Teufels, so viele wie nur irgend möglich mitzureißen in sein Urteil, in sein Verderben.
Gottes Ziel bei der Arche war auch: Alle sollten umkehren. Das ist ja hypothetisch, aber stell dir vor, alle wären umgekehrt. Was wäre dann passiert? Ich glaube, wir können ziemlich sicher sagen: Es wäre das Gleiche passiert wie in Ninive. Gottes Gericht war angedroht, die Menschen kehrten von ihren bösen Wegen um, und wir lesen: Gott ließ sich des Unheils gereuen, das er ihnen zu tun angesagt hatte, und er tat nichts. So lesen wir es. Und das würde also meines Erachtens wirklich auch hier auf den ersten Seiten der Bibel stehen.
Timothy Keller erzählte: Ich habe einer bürgerlichen und moralisch gut lebenden Frau das Evangelium erklärt. Also, ihr Leben war top, und er hat ihr erklärt, was das Evangelium ist. Und er hat es ziemlich gut gemacht, dass sie es verstanden hat. Und er erzählt dann selber, was sie als Rückfrage gestellt hat. Und er sagt: Sie hat mich dann gefragt: Du sagst also, wenn ich anständig lebe und in die Kirche gehe, aber keine Beziehung zu Jesus habe, gehe ich am Ende verloren. Und dann hat sie ihren Satz noch weitergeführt und sagt: Aber wenn jemand einige Menschen in seinem Hass umgebracht hat, aber auf den letzten Metern noch zu Jesus umkehrt, verbringt er die Ewigkeit mit Gott. Ist es das, was du sagst?
Keller hat dann darauf geantwortet: Ja, das ist im Grunde genommen das, was ich gesagt habe. Und die Frau hat dann sinngemäß zu ihm gesagt: Dann ist das Christentum eine dumme Religion. Das ist doch Blödsinn, dass jemand, der Leute umbringt, gerettet wird und jemand, der sich bemüht, anständig zu leben, dann verloren geht.
Ich fand Kellers Antwort sehr spannend. Er hat gesagt: Nein, ist es nicht. Denn nirgendwo sonst hätte der Massenmörder die Hoffnung: Meine grausamen Taten müssen nicht wie eine Betonmauer zwischen mir und Gott stehen, wenn ich zu Jesus umkehre. Diese Hoffnung, die gibt es nirgendwo sonst. Und diese unglaubliche Hoffnung, die wird schon in der Arche sichtbar.
Und so wie die Arche für Noah dieser helle Strahl von Gottes Hoffnung war, so ist Jesus für uns Gottes Hoffnungsstrahl. Von ihm heißt es im Johannesevangelium: Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Und deshalb ist unser sinnbildlicher Gang in diese sichere Arche: Vertraue Jesus, dass er alles für dein Heil getan hat. Ja, also so wie Jones ist auch in seinem Gottesdienstrahmen schon gesagt: Es geht um dieses Vertrauen. Steh zu deiner Schuld, verdeck sie nicht, bitte Gott um Vergebung und unterstelle Gott dein Leben.
Und dann stehe ich nicht mehr unter dem Zorn Gottes. Dann muss ich nicht mehr befürchten, der Regen des Todes bringt mir Gottes Gericht. Dann darf ich wissen: Der Regen des Todes zeigt mir Gottes Gerechtigkeit, aber vor allen Dingen erreicht mich der Regen des Todes in der Arche nicht. Das ist sicher. Amen.

