Einstieg in ein ungewöhnliches Thema
Ich bin noch nicht ganz bei Weihnachten angekommen, das werdet ihr merken. Nächste Woche werde ich das ändern, denn dann gibt es eine Predigt, die mehr mit Weihnachten zu tun hat.
Heute möchte ich etwas anderes mit euch machen, worauf ich richtig Lust habe. Manchmal macht man einfach etwas, weil man einfach Lust dazu hat, und so ist es heute.
Wenn ihr euch erinnert: Beim letzten Mal, als ich hier vorne stand, haben wir die Gemeindeleitung gefeiert. Wir haben uns Apostelgeschichte 20 angeschaut und Tipps für die Ältesten besprochen.
Heute möchte ich an dieser Stelle weitermachen. Ich gehe noch einmal in die Apostelgeschichte, Kapitel 21, dort, wo die dritte Missionsreise endet. Ich möchte mit euch heute zwei Themen in den Blick nehmen.
Das erste Thema ist ein bisschen kleiner: Prophetie. Das müssen wir nur machen, weil es im Text vorkommt. Das zweite Thema ist die Frage: Hat Gott einen Plan für dein Leben? Und wenn ja, welchen? Das ist so ein bisschen das Thema heute, das ich an diesem Text, der vielleicht recht ungewöhnlich ist, mit euch durcharbeiten möchte.
Wir schauen uns also erst einmal den Text an. Ich lese ihn vor: Apostelgeschichte 21, Verse 1 bis 17. Ihr könnt auf der Folie einfach verfolgen, wo wir sind.
Es ist ein unglaublich nüchterner Reisebericht, okay? Erwartet jetzt kein theologisches Feuerwerk. Aber wenn ihr wollt, achtet mal auf das Thema Prophetie. Das taucht an dieser Stelle häufiger in der Apostelgeschichte auf als sonst irgendwo. Es ist ein echtes Highlight.
Außerdem achtet vielleicht auf das Thema: Wie führt Gott?
Der nüchterne Reisebericht und die Rolle der Prophetie
Als wir aber abfuhren, nachdem wir uns von ihnen losgerissen hatten, kamen wir auf direktem Weg nach Kos. Am folgenden Tag fuhren wir weiter nach Rhodos und von dort nach Patara. Dort fanden wir ein Schiff, das nach Phönizien übersetzte. Wir stiegen ein und fuhren ab.
Nachdem wir Zypern gesichtet und links liegen gelassen hatten, segelten wir nach Syrien und legten in Tyros an. Dort sollte das Schiff seine Ladung abliefern. Nachdem wir die Jünger gefunden hatten, blieben wir sieben Tage dort.
Ein interessanter Punkt an dieser Stelle: In der Bibel werden Christen immer als Jünger bezeichnet. Wir sind also immer Jünger Jesu, wenn wir Christen sind.
Nochmal Vers 4: Nachdem wir die Jünger gefunden hatten, blieben wir sieben Tage dort. Diese sagten Paulus durch den Geist, er möge nicht nach Jerusalem hinaufgehen.
Als wir aber die Tage vollendet hatten, zogen wir weiter. Alle begleiteten uns mit Frauen und Kindern bis außerhalb der Stadt. Wir knieten am Ufer nieder und beteten. Nachdem wir voneinander Abschied genommen hatten, stiegen wir in das Schiff. Die anderen kehrten heim.
Als wir die Fahrt beendet hatten, gelangten wir nach Tyrus. Von Tyrus aus fuhren wir nach Ptolemais, wo wir die Brüder begrüßten und einen Tag bei ihnen blieben.
Am folgenden Tag zogen wir weiter und kamen nach Caesarea. Dort gingen wir in das Haus des Philippus, des Evangelisten, der einer von den sieben war, und blieben bei ihm. Dieser hatte vier Töchter, Jungfrauen, die Weissagungen machten.
Als wir nun mehrere Tage blieben, kam ein Prophet namens Agabus aus Judäa zu uns. Er nahm den Gürtel des Paulus, band sich damit die Füße und Hände und sprach: „Dies sagt der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem binden und in die Hände der Nationen überliefern.“
Als wir dies hörten, baten sowohl wir als auch die Einheimischen Paulus, nicht nach Jerusalem hinaufzugehen. Paulus aber antwortete: „Was macht ihr, dass ihr weint und mir das Herz bricht? Denn ich bin bereit, nicht allein gebunden zu werden, sondern auch in Jerusalem für den Namen des Herrn zu leiden.“
Als er sich nicht überreden ließ, gaben wir Ruhe und sprachen: „Der Wille des Herrn geschehe.“
Nach diesen Tagen machten wir uns auf und gingen hinauf nach Jerusalem. Einige der Jünger aus Caesarea begleiteten uns und brachten uns zu einem gewissen Mnason, einem Zyprer und alten Jünger, bei dem wir herbergen sollten.
Als wir in Jerusalem ankamen, nahmen uns die Brüder freudig auf.
An dieser Stelle endet die dritte Missionsreise.
Auffälligkeiten im Text und Einführung in die Prophetie
Was fällt in dem Text auf? Zunächst einmal dieser ungewöhnlich starke Fokus auf Prophetie.
Hier nochmals Vers 4: Nachdem wir die Jünger gefunden hatten, blieben wir sieben Tage dort. Diese sagten dem Paulus durch den Geist – hier ist der Heilige Geist gemeint – er möge nicht nach Jerusalem hinaufgehen.
Und dann nochmals die Verse 9 bis 11. Dort geht es um diesen Philippus, den wir als Evangelisten kennen. Früher war er Diakon, jetzt ist er Evangelist.
Apostelgeschichte 21,9: Dieser aber hatte vier Töchter, Jungfrauen, die weissagten.
Als wir nun mehrere Tage blieben, kam ein Prophet mit Namen Agabus von Judäa herab. Er kam zu uns, nahm den Gürtel des Paulus und band sich die Füße und die Hände. Dabei sprach er: „Dies sagt der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Nationen überliefern.“
So Agabus.
Für alle, die die Apostelgeschichte schon mehrfach gelesen haben: Ihr werdet euch erinnern. Agabus ist ein Name, der schon in Apostelgeschichte 11 auftaucht.
Apostelgeschichte 11,27-28: Dort lernen wir Agabus kennen. Deswegen muss er hier nicht mehr speziell eingeführt werden.
Ich springe mal kurz zurück zu Apostelgeschichte 11. Dort heißt es: „In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochia herab. Einer aber von ihnen mit Namen Agabus stand auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, die über den ganzen Erdkreis kommen sollte.“ Diese Hungersnot trat auch unter Claudius ein.
Daher kommt es, dass Agabus jetzt so prominent im Text noch einmal aufgeführt wird. Wir können mit dem Namen etwas anfangen.
Es ist wichtig, wenn man so einen Text wie die Apostelgeschichte liest, immer im Blick zu haben, dass der Autor voraussetzt, was er vorher schon gesagt hat. Das ist irgendwie klar.
Er setzt auch immer ein bisschen das Gesamtpaket voraus. Das werdet ihr heute auch sehen.
Was ist ein Prophet? Definition und Funktion
Frage: Was ist ein Prophet oder was ist eine Prophetin? Solche Personen gibt es nämlich auch in der Bibel.
Zunächst ganz allgemein: Ein Prophet ist jemand, der im Auftrag Gottes zu den Menschen spricht. Interessanterweise können das auch ungläubige Menschen sein. Paulus behandelt in 1. Korinther 14 einen Fall, der leider nur hypothetisch ist. Er sagt: Stellt euch vor, alle Gemeindeglieder wären Propheten und könnten Weissagungen geben. Dann tritt jemand von außen dazu, der noch nicht gläubig ist, und alle offenbaren ihm seine Sünden. Was würde dann passieren?
Die Antwort ist: Wahrscheinlich würde diese Person merken, dass Gott unter euch ist. Sie würde auf die Knie fallen und fragen: „Was soll ich tun?“ Das wäre schön, doch leider bleibt es ein hypothetischer Fall.
Ganz allgemein kann man sagen: Wozu dient die Prophetie? In 1. Korinther 14, Vers 3 heißt es: Wer aber weissagt, redet zu den Menschen zur Erbauung, zur Ermahnung und zur Tröstung. Das bedeutet, wir sprechen auf ganz unterschiedliche Weise ins Leben von Menschen hinein.
Noch einmal: Ein Prophet ist jemand, der im Auftrag Gottes zu den Menschen spricht. Die Empfänger können, wie in 1. Korinther 14 beschrieben, auch ungläubige Menschen sein, doch meistens betrifft es gläubige Menschen.
Ein schönes Beispiel dafür ist Agabus, der Paulus begegnet.
Herkunft der prophetischen Botschaften und Unterscheidung von falschen Propheten
Jetzt die Frage: Woher haben die Propheten ihre Informationen?
Die Antwort ist: Sie erhalten ihre Eingebungen natürlich von Gott. Das ist logisch, denn es heißt, sie reden im Auftrag Gottes. Und zwar – das ist jetzt ganz wichtig – geschieht das durch eine Vision oder einen Traum. Es ist entscheidend, dass wir das verstehen. Prophetien sind keine bloßen Eindrücke, die ich habe. Vielmehr ist es so, wie Gott es selbst formuliert hat, nämlich in 4. Mose 12,6. Dort steht diese Definition:
„Und er sprach: Hört doch meine Worte!“
Hier spricht Gott selbst in eine sehr kritische Situation hinein, in der Mose angefeindet wird. Es heißt weiter: „Wenn ein Prophet des Herrn unter euch ist, dem will ich mich in einer Erscheinung zu erkennen geben, im Traum will ich mit ihm reden.“
Das bedeutet: Propheten haben Erscheinungen, Visionen, es gibt auch das Wort „Gesicht“ oder sie haben einen Traum. Das ist förmlich ein Kennzeichen von Propheten, dass sie auf eine übernatürliche Weise etwas sehen. Sie sehen etwas und folgen nicht einfach nur einem inneren Eindruck.
Ich möchte euch das noch an einer anderen Stelle zeigen. Jetzt drehen wir es um. Das eben war die positive Seite, wie es sein soll. Nun kommt die negative Seite.
In Hesekiel 13,3 geht es um falsche Propheten. Dort spricht Gott:
„So spricht der Herr, Herr: Wehe den törichten Propheten, die ihrem eigenen Geist nachgehen und dem folgen, was sie nicht gesehen haben.“
Das heißt, sie folgen ihren eigenen Eindrücken, aber nicht einer wirklichen Vision oder einem wirklichen Traum.
In Vers 17 heißt es weiter:
„Und du, Menschensohn, richte dein Gesicht gegen die Töchter deines Volkes, die aus ihrem eigenen Herzen weissagen und Weissage gegen sie.“
Diese Warnung ist dramatisch. Es gibt ähnliche weitere Texte im Alten Testament, in denen Gottes Wehe, also Gottes Fluch, gegen falsche Prophetinnen und falsche Propheten ausgesprochen wird.
Warum sage ich euch das? Weil es mir wichtig ist, dass wir verstehen, was eine Prophetie ist. Vor allem sollen wir festhalten: Prophetien kommen in ihrer echten Form tatsächlich von Gott. Und zwar in Form einer Offenbarung. Diese Offenbarung kann ein Traum, eine Vision oder ein Gesicht sein. Und das, was ich da gesehen habe, gebe ich dann weiter. So funktioniert Prophetie.
Umgang mit Prophetien: Prüfung und Interpretation
Nehmen wir also an, das passiert: Jemand gibt einen Traum weiter. Als Empfänger habe ich nun die Pflicht, das, was da kommt, zu prüfen.
Einerseits muss ich grundsätzlich überprüfen, ob die Person ein falscher Prophet ist. Wenn jemand schon öfter Dinge prophezeit hat, die nicht eingetroffen sind, dann setze ich einen Haken dahinter und sage: „Tschüss, ich höre da nicht mehr zu.“ Es ist wirklich so: Wenn mich jemand fragt, was ich von einer bestimmten Person halte – im Internet gibt es ja viele Leute –, mache ich immer diesen falschen Propheten-Check. Hat die Person schon einmal Unsinn erzählt? Wenn ja, ist sie für mich raus, und ich beschäftige mich nicht mehr mit ihr.
Zweitens kann es sein, dass jemand eine Prophetie gibt, die tatsächlich eintrifft, aber dabei falsche Götter predigt. Auch das muss ich bei einem Propheten prüfen. Es könnte ja sein, dass wir es bei der Person gar nicht mit einem Propheten Gottes zu tun haben, sondern mit einem okkulten Phänomen, etwa der Hellsichtigkeit. Auch das muss ich überprüfen.
Drittens gibt es leider auch Propheten, die, wie soll ich sagen, einfach einen Tick zu viel Sendungsbewusstsein haben, gepaart mit einer ordentlichen Portion eigenem finanziellen Interesse. Sie stellen sich hin und sagen: „Hallo, hier ist eine Prophetie.“ Auch das muss ich prüfen.
Ich muss Propheten prüfen, weil der Anspruch, mit dem sie auftreten, sehr hoch ist: Sie sagen, Gott spricht in mein Leben hinein. Wenn das stimmt, was sie sagen, dann muss ich das ernst nehmen. Ein „na ja, vielleicht“ reicht da nicht aus. Deshalb muss ich prüfen, ob sie echt sind, ob sie wirklich für Gott stehen und ob ihre Motivation sauber ist. Das ist die eine Seite.
Die Herausforderung der Interpretation von Prophetien
Aber jetzt wird es spannend. Das ist ja nicht die Seite, die wir hier im Text haben. Es gibt eine andere Seite, ein anderes Problem mit Prophetien. Es gibt die Prophetien, die völlig klar sind, bei denen ein Prophet wie Agabus auftaucht, von dem alle wissen: Ja, den hatten wir schon bei der Hungersnot, absolut qualifiziert, der für Gott einsteht.
Das Problem besteht darin, dass ich das, was da prophezeit wird, interpretieren muss. Ich muss sagen, was ich mit dem, was jetzt gesagt wird, mache. Der Text, den wir haben, ist an dieser Stelle unglaublich spannend. Er ist deshalb spannend, weil hier zwei Interpretationen im Blick auf dieselbe Prophezeiung aufeinandertreffen.
Auf der einen Seite steht das Missionsteam und auch die Christen ringsherum, die das gerade mit Agabus hören. Das muss ja super dramatisch sein. Agabus sagt: „Gürtel, binde dich, so wirst du gebunden sein.“ Also denkt man sich: Alles ist klar, oder?
In Apostelgeschichte 21,12 heißt es: „Als wir aber dies hörten, baten sowohl wir als auch die Einheimischen ihn, nicht nach Jerusalem hinaufzugehen.“ Das ist doch völlig klar, was soll man denn sonst dazu denken?
Die Antwort ist das, was Paulus denkt. Wer nämlich mit dieser Interpretation null einverstanden ist, sieht das ganz anders. In den Versen 13 und 14 sagt Paulus nämlich nicht: „Oh, vielen herzlichen Dank, dass ihr mir das noch mal so deutlich gemacht habt, stimmt, wir brechen an dieser Stelle ab.“ Paulus sagt: „Was macht ihr, dass ihr weint und mir das Herz brecht? Denn ich bin bereit, nicht allein gebunden zu werden, sondern auch in Jerusalem für den Namen des Herrn zu sterben.“
Als er sich aber nicht überreden ließ, gaben sie Ruhe und sprachen: „Der Wille des Herrn geschehe.“ Merkt ihr, Paulus treibt seine Freunde hier echt in den Wahnsinn. Sie sind sich ganz sicher, das ist so eine Art Kamikaze-Mission. Das darf er nicht tun, der muss aufhören. Und er sagt einfach: Nein, ich gehe da jetzt hin.
Die Spannung zwischen Gottes Führung und menschlicher Entscheidung
Frage: Warum sieht Paulus die Prophetie des Agabus nicht als Stoppschild?
Das ist eine tolle Frage, oder? Ihr merkt, Fragen an den Text zu stellen ist immer wichtig. Stellt Fragen an biblische Texte, bringt sie zur Gemeindeleitung – die freut sich über solche Fragen und ist dazu da, sie zu beantworten. Also traut euch!
Wäre das nicht unsere erste Reaktion? Versteht ihr: Ihr hört so eine Prophetie, und wir hätten alle genauso reagiert. Wir hätten gedacht: „Oh, jetzt ist alles klar, wir sollen nicht nach Jerusalem.“
Das Ganze wird noch etwas wirrer, wenn wir uns die Frage stellen, wie es überhaupt dazu kam, dass Paulus nach Jerusalem wollte. Springen wir mal zwei Kapitel zurück, zu Apostelgeschichte 19, Vers 21. Dort heißt es: „Als dies aber beendet war, nahm sich Paulus im Geist vor, nachdem er Mazedonien und Achaia durchzogen habe, nach Jerusalem zu reisen. Und sprach: Nachdem ich dort gewesen bin, muss ich auch Rom sehen.“
Damit wir uns richtig verstehen: Hier steht, Paulus nahm sich im Geist vor – hier ist der menschliche Geist des Paulus gemeint. Paulus nimmt sich etwas vor. Paulus hat eine Idee: „Ich muss noch nach Jerusalem und dann von dort aus weiter nach Rom.“ Das hat er einfach so im Herzen, das ist so, das nimmt er sich vor.
Und jetzt der Clou: Was passiert, nachdem Paulus sich dieses Projekt vornimmt? Wir lesen in Kapitel 20, das hatten wir in unserer letzten Predigt über dieses Thema, Apostelgeschichte 20, Verse 22-23, in seiner Abschiedsrede an die Ältesten. Da sagt Paulus bereits: „Und nun siehe, gebunden im Geist gehe ich nach Jerusalem und weiß nicht, was mir dort begegnen wird, außer dass der Heilige Geist mir bezeugt und sagt, dass Fesseln und Bedrängnisse auf mich warten.“
Das heißt, er kommt überall hin, und überall tauchen Propheten auf und sagen ihm: „Hey, in Jerusalem wird es schwierig, in Jerusalem wird es richtig schwierig, in Jerusalem wird es ganz, ganz arg schwierig.“ Paulus sagt, das passiert ihm die ganze Zeit, wo er unterwegs ist. Ständig kommen sie vorbei und sagen ihm, es wird schwierig. Der Heilige Geist hört nicht auf, ihn zu warnen.
Noch einmal die Frage: Warum interpretiert Paulus dieses offensichtliche Reden des Heiligen Geistes nicht als Stoppschild? Er nimmt sich etwas vor, wird gewarnt und bricht nicht ab. Warum nicht? Wenn der Heilige Geist ihn warnt, kann die Reise nach Jerusalem doch nicht Gottes Wille sein, oder?
Gottes Führung verstehen: Kein Plan wie auf einem Spielfeld
Und jetzt wird es ganz, ganz spannend, denn hinter dem Satz, den ich eben gesagt habe, verbirgt sich eine ganz falsche Vorstellung davon, wie Gott führt.
Wenn du denkst, dass Gott einen genauen Plan dafür hat, wie du heute den Rest des Tages leben sollst oder auch die nächste Woche, und wenn du das dann den Willen Gottes nennst, muss ich dich enttäuschen.
Wir dürfen Gott um Weisheit bitten, ja, und wir dürfen darauf vertrauen, dass er unsere Schritte festigt, wenn wir einen Weg gehen. Aber sei ganz vorsichtig, wenn du eine falsche Vorstellung davon hast, was Gott will – so als wären wir auf einem Spielfeld eine Spielfigur, die über das Spielfeld gezogen wird, und wir müssten auf eine ganz wundersame Weise herausfinden, welchen nächsten Zug wir gehen sollen.
Wenn das in deinem Kopf ist, kann ich nur sagen: Falsch, wirklich ganz falsch.
Aber warum warnt Gott dann den Apostel vor dem Weg, den er gehen will? Warum macht er das?
Die Antwort ist ganz banal: Weil es ein sehr schwerer Weg wird. Das ist der Grund.
Und wenn Paulus dann tatsächlich zwei Jahre im Gefängnis sitzt, werden genau diese Prophezeiungen für seinen Glauben sehr hilfreich sein.
Das hat damit zu tun, dass Prophezeiungen auch dazu da sind, unseren Glauben zu stärken.
Hier mal eine Stelle aus Johannes 14, wo der Herr Jesus das im Blick auf sich selbst sagt. Es gibt weitere Stellen im Johannesevangelium, die genau dasselbe unterstreichen. Diese eine Stelle mag genügen:
„Und jetzt habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es geschieht.“
Manchmal gibt Gott Prophezeiungen, damit wir, wenn das Ereignis eintritt, erst etwas damit anfangen können – nämlich Glauben haben.
Und hier ist es nicht anders. Paulus kann diese Prophezeiungen wirklich gut gebrauchen, einfach deshalb, weil vor ihm eine richtig schwere Zeit liegt.
Wir lernen hier im Umgang mit Gottes Reden, wie ein Christ sein Leben lebt.
Die Freiheit in der Nachfolge und die Ausnahme der klaren Führung
Und bevor ich jetzt weitermache und viel über die Freiheit rede, die wir als Christen haben, möchte ich eine einzige Einschränkung machen.
Die Einschränkung lautet folgendermaßen: Wenn Gott dich in deinem Leben irgendwohin führen will, also wenn es ihm wirklich wichtig ist, dann tut er das auch. Es gibt Führung Gottes im Leben, aber sie ist selten. Wenn Gott dich führt, dann ist das so klar, dass du es nicht verpassen kannst.
Ein Beispiel für so einen Moment findet sich in Apostelgeschichte 16. Paulus bekommt dort in Form eines Traums eine Prophetie. Er träumt von einem mazedonischen Mann, während er noch auf der türkischen Seite ist. In dem Traum erscheint dieser mazedonische Mann, ein Grieche, und sagt: „Komm herüber!“
Wenn du dann eine Offenbarung oder etwas Übernatürliches bekommst und deine Lebensumstände genau zu dem passen, was du gerade geträumt hast, kannst du mit anderen darüber sprechen. Diese sagen dann: „Ja, das ist wirklich verwunderlich, da scheint Gott etwas zu wollen.“
Wo diese drei Dinge zusammenkommen – Offenbarung, Umstände und Beratung – da führt Gott. Und das kannst du nicht verpassen.
Wir haben das als Ehepaar ungefähr dreimal in unserem Leben erlebt. In solchen Momenten weißt du ganz genau: „Okay, hier muss ich jetzt gehen. Ich muss das tun.“
Aber noch einmal: Das ist die absolute Ausnahme.
Solche Führung findet an besonderen Stellen statt, zum Beispiel bei unserem Umzug nach Jerusalem, dem Umzug ins neue Jerusalem oder unserem Umzug nach Spandau.
Unser Umzug nach Spandau war zum Beispiel von so einer Führung geprägt. Wir wussten eigentlich: „Okay, wir wollten das nicht.“ Wir haben sehr dafür gebetet, dass jemand anderes nach Spandau zieht und die Gemeindegründungsarbeit übernimmt.
Als es dann tatsächlich auf uns zukam, dachten wir: „Das kann nicht wahr sein.“ Aber dann weißt du, was Sache ist, und du kannst auch Dinge wagen – an der Stelle, die Gott mit dir will.
Aber Achtung: Das ist die Ausnahme!
Der Wille Gottes in der Bibel: Lebensumstände und Gebote
Zurück zum Normalbetrieb. Wenn man den Begriff Wille Gottes in der Bibel studiert, stellt man fest, dass er auf zwei Weisen gebraucht wird.
Zum einen zeigt sich der Wille Gottes einfach in den Umständen, in die Gott mich stellt – und zwar unabhängig davon, ob ich will oder nicht. Gott platziert mich einfach in bestimmte Situationen. So heißt es zum Beispiel in 1. Petrus 3,17: „Denn es ist besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutes Tun zu leiden, als für Böses Tun.“ Gott will das, führt dich dahin, und dann kannst du nur sagen: Aha, hier bin ich richtig. Denn dort, wo du gerade lebst, bist du richtig; dort hat Gott dich hingestellt.
Oder in Epheser 1,1, wo es um die Berufung des Paulus geht: „Paulus, Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen.“ Hier zeigt sich wieder derselbe Gedanke. Der Wille Gottes offenbart sich also zum einen in meinen Lebensumständen, die ich überhaupt nicht beeinflussen kann. Sie passieren einfach. Zum anderen zeigt er sich in meiner Berufung. Das ist die eine Seite.
Die andere Seite, auf der der Begriff Wille Gottes in der Bibel vorkommt, betrifft das Leben nach seinen Geboten. Zum Beispiel in Römer 12,2. Ihr könnt das Thema gerne selbst studieren. Gebt bei bibleserver.de einfach „Wille Gottes“ mit Sternchen dahinter ein, dann könnt ihr es selbst sehen. Macht euch da wirklich selbst schlau und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der Wille Gottes ist.
Was ist denn der Wille Gottes? Er ist das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene. Es geht dabei um moralische Regeln, um Weisheit, das Leben richtig zu führen. Zum Beispiel heißt es in 1. Thessalonicher 4,3: „Denn dies ist Gottes Wille, eure Heiligung.“ Hier wird explizit gesagt, dass wir nach seinen Regeln leben sollen, insbesondere dass wir uns von Unzucht, also von sexueller Unmoral, fernhalten.
Der Wille Gottes zeigt sich also sowohl in den Lebensumständen als auch in den Regeln, die er uns gibt. Im Hinblick auf die Frage: „Hat Gott einen Plan für mein Leben? War es das dann?“ bleibt es wichtig, beide Aspekte zu berücksichtigen.
Ein Leben für Gott wagen: Freiheit und Verantwortung
Das heißt, und ich hoffe, dass euch das mindestens genauso begeistert wie mich: Du kannst dir, wie Paulus, in deinem Geist einfach etwas vornehmen, weil du nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen bist, dass es genau richtig wäre. Und dann gehst du los.
Jetzt kommt der wichtigste Satz dieser Predigt. Ich sage ihn zweimal: Das Beste, womit du Gott beschenken und ihm deine Liebe zeigen kannst, ist ein hingegebenes und von dir verantwortetes Leben. Ich wiederhole es noch einmal: Das Beste, womit du Gott beschenken und ihm deine Liebe zeigen kannst, ist ein hingegebenes und von dir verantwortetes Leben.
Das ist das größte Geschenk, das ich Gott machen kann, wenn ich bereit bin, aktiv für ihn zu leben – so als mein Geschenk, nicht als eine Spielfigur. Warum? Weil so ein Denken, dieses Spielfigurdenken, schnell in Passivität führt. Es kann auch Angst erzeugen, Fehler zu machen.
Deshalb mein Tipp: Mach Fehler! Ganz wichtiger Tipp: Mach Fehler und traue dich, Fehler zu machen. Ich habe euch ein Beispiel mitgebracht, das nicht ausgedacht ist.
Was ist mehr Ausdruck von Liebe? Überlegt mal: Wir haben ja bald Weihnachten. Was ist mehr Ausdruck von Liebe – wenn ich an Weihnachten auf Nummer sicher gehe und meiner Frau nur die Dinge schenke, die auf ihrer Amazon-Wunschliste stehen? Oder wenn ich es wage, über sie nachzudenken und sie mit einem ganz besonderen Geschenk überrasche?
Wo steckt mehr Liebe drin? Genau. Und ich garantiere dir, du wirst Fehler machen. Ich erinnere mich an ein legendäres Weihnachten, als meine Frau das Geschenk auspackte, hineinschaute, das Nackenmassagegerät wahrnahm. Kurz entglitten ihr die Gesichtszüge, dann fing sie sich wieder, legte das Geschenk zur Seite, lächelte mich an und machte das nächste Geschenk auf.
Es gibt diese Momente im Leben, in denen du weißt, das war ein Griff ganz tief ins Klo. Aber das ist nicht schlimm. Aus verschiedenen Gründen ist das nicht schlimm. Man kann das weiterschenken. Ja, es gibt ja Schrottwichteln und solche Sachen, und vielleicht mag das ja jemand haben.
Warum erzähle ich euch diese Geschichte? Weil es wichtig ist, dass wir begreifen: Im Umgang mit Gott dürfen wir Fehler machen. Fehler machen, um zu wachsen. Wirklich, das meine ich ganz ernst.
Meine Beziehung mit Gott wächst dort, wo ich aus einer ganz gesunden Lässigkeit heraus mit Gott lebe. Vielleicht muss man das häufiger predigen – so ein bisschen Predigerstyle.
Hier Prediger 9,7: Geh hin, iss dein Brot mit Freude, trink deinen Wein mit frohem Herzen, denn längst hat Gott Wohlgefallen an deinem Tun.
Versuch nicht, Gottes Wohlgefallen mit dem, was du tust, zu erkaufen. Er liebt dich bedingungslos. Fang irgendwann an, das zu glauben.
Oder Vers 10: Alles, was deine Hand zu tun findet, das tu in deiner Kraft. Hau rein! Und da, wo du keine Kraft hast, hörst du wieder auf. Logisch, in deiner Kraft, nicht in der Kraft von jemand anderem.
Und das „alles“ meint: Du hast eine gute Idee, tu es! Du darfst dir etwas vornehmen. Du musst nicht ständig danach fragen, ob es Gottes Wille ist.
Und ja, ich rede jetzt nicht von Sünde. Bete um Weisheit. Wenn du von der Sache überzeugt bist, dann traue dich!
Jetzt ein kleiner einschränkender Tipp an alle mit einer sehr lebhaften Phantasie oder, sagen wir, einem kleinen Helfer-Syndrom: Wenn du dir nicht ganz sicher bist, ob die Idee, die du hast – diese verrückte Idee –, wenn du ein bisschen Sorge hast, sie könnte wirklich zu verrückt sein, dann such dir einfach ein paar gute Ratgeber, die dich mal kurz spiegeln, ob das noch passt.
Oder mach es wie Gideon: zwei Zeichen, und dann los! Dann ist die Sache rund. Dann traue dich.
Ich wünsche einfach, dass wir an dieser Stelle eine Freiheit entwickeln. Die Frage war ja: Was ist Gottes Wille für dein Leben? Es ist Gottes Wille für dein Leben, dass du Entscheidungen fällst, dir Gedanken machst, dich traust und dein Leben für ihn lebst – und zwar dein Leben.
Gottes Plan für dein Leben: Freiheit und Hingabe
Sieh dein Leben doch einfach jeden Tag als ein Geschenk an, als deine persönliche Antwort auf das Kreuz.
Also noch einmal: Was ist Gottes Plan für dein Leben? Hat Gott einen Plan für dein Leben? Ja, was ist Gottes Plan für dein Leben? Sein Plan besteht darin, dich zu befreien, ihn zu beschenken.
Das ist sein Plan. Er will dich befreien, ihn zu beschenken. Dabei will er dich unterstützen. Er will dir Weisheit geben und dir gute Ratgeber an die Seite stellen. Er will dir Kraft und Mut geben.
Er bereitet zum Teil gute Werke vor, die wir nur noch ausführen müssen. Außerdem will er uns vor dem Bösen bewahren. Gott ist da, Gott ist mit dir unterwegs.
Paulus würde sagen, dass er dir das Wollen und das Wirken schenkt. Deshalb fehlt uns nichts. Es ist Gottes Wille für unser Leben, dass wir handeln und ihn beschenken – mit ganz eigenen Ideen, wie wir es gerade gesehen haben.
Deshalb: Sei mutig, gib Gas und wage tatsächlich ein Leben für Gott.
Unterschied zwischen Jesus und uns in der Nachfolge
Aber war das bei Jesus nicht anders? Anders hat er nicht nur das getan, was er vom Vater tun sah. Stimmt, bei Jesus war das anders.
Es gibt allerdings einen klitzekleinen Unterschied zwischen dir und Jesus. Der Unterschied ist: Du bist nicht menschgewordener Gott. Das ist der Unterschied zwischen Jesus und dir.
Oder drücken wir es anders aus: Du bist nicht eine Person mit Gott. Du kannst niemals sagen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Nie! Wer dich gesehen hat, hat dich gesehen. Punkt.
Unsere Beziehung zu Gott, dem Vater, ist nicht dieselbe wie die, die Gott der Sohn zu Gott dem Vater hatte. Da gibt es einen Unterschied.
Und deswegen dürfen wir an dieser Stelle sagen: Das müssen wir jetzt nicht genauso machen wie Jesus.
Was für uns gilt: Wir dürfen ein Leben für Gott wagen. So.
Zusammenfassung und Abschlussappell
Jetzt sind wir am Schluss, und ich fasse noch einmal ein Stück zusammen. Ich hatte gefragt: Was ist, wenn ich mir etwas vornehme, das nicht Gottes Wille ist? Meine Antwort darauf lautet: Was, wenn es diese Art von Gottes Willen überhaupt nicht gibt? Was, wenn Gott sich wünschen würde, dass wir ihn mit einem Leben beschenken – und zwar mit einem Leben, das wir aus uns heraus mit Herzblut, Kreativität und den Gaben, die er uns geschenkt hat, für ihn leben?
Was wäre, wenn wir glauben könnten, dass Gott jeden Lebensweg segnen kann, den wir mit Aufrichtigkeit und Hingabe für ihn gehen? Was würde dann passieren, wenn wir das glauben könnten?
Die Antwort: Wir würden ein Leben führen, wie Paulus es geführt hat. Ein Leben, das nicht ständig fragt: „Was will Gott?“ Ein Leben, das nicht ständig Lebensumstände nach vermeintlichen Zeichen absucht, um himmlische Wegweiser zu finden und Gottes Willen zu erkennen.
Es wäre ein Leben, das aus der Angst heraustritt, etwas falsch zu machen, und wirklich hineintritt in die Freude und das Abenteuer der Nachfolge. Ich kann nur sagen: Das ist ein gutes Leben, und das ist ein spannendes Leben.
Und es ist in letzter Konsequenz ein Leben, das von echter Liebe geprägt ist. Deswegen möchte ich euch dafür gewinnen, ein solches Leben zu führen. Es ist ein Leben, bei dem man manchmal Wege wagt, die in den Augen gutmeinender Freunde ein wenig verrückt erscheinen. Aber das ist dann halt so.
Amen!
