
38: Über Jesus reden – auf der REEPERBAHN?! – mit Madeleine Häsler
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Machbar, dem Podcast für Alltagsmissionare. Ich bin Christian, und heute ist Madeleine Hässler von Live on Stage zu Gast. Hallo, Madeleine!
Hallo Christian, schön, hier zu sein. Danke dir für deine Zeit!
Bei Machbar erhältst du Tipps, wie du deinen Nächsten einen Schritt näher zu Jesus führen kannst. Heute sprechen wir darüber, wie Beziehungs- und Event-Evangelisation Hand in Hand gehen können. Außerdem geht es darum, was es bedeutet, Jesus Christus wirklich zu folgen, wenn er uns ruft – sei es in eine andere Stadt oder in die Mission auf die Reeperbahn, wie du das erlebt hast, Madeleine.
Ich finde es richtig toll, dass du heute im Podcast dabei bist und uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.
Einführung und persönliche Vorstellung
Für diejenigen, die dich noch nicht kennen, habe ich ein paar Eckdaten über dich zusammengestellt. Du stammst aus der Schweiz, bist aber, so glaube ich, im Jahr 2021 mit deinem Mann Gabriel und euren drei Kindern nach Sankt Pauli in Hamburg umgezogen.
Er leitet dort die Non-Profit-Organisation Netzwerk Schweiz, mit der er Gemeinden beim Thema Affination unterstützt. Ein Teil davon ist auch die Musicalshow Live on Stage. Darüber sprechen wir gleich noch ein bisschen.
Ganz spannend ist auch, dass du auf der Reeperbahn unter Prostituierten arbeitest. Du hast eben erwähnt, dass du dazu ein Buch geschrieben hast. Auch dazu werden wir gleich noch sprechen.
Wenn man sich andere Interviews von dir anhört, wird schnell klar, dass dein Dialekt auf jeden Fall nicht verloren gegangen ist. Wie war das mit dem Umzug nach Hamburg? Hast du dich daran gewöhnt, kein Schweizerdeutsch mehr zu sprechen oder zu hören? Oder redest du einfach weiterhin Schweizerdeutsch?
Du hast das alles sehr gut zusammengefasst – was wir machen und was ich alles bin. Aber du hast Recht: Als wir vor dreieinhalb Jahren nach Hamburg gezogen sind, hatte ich den Vorsatz, ein astreines Norddeutsch zu lernen. Doch dann habe ich sofort so viele Komplimente bekommen, wie sympathisch das sei und ob ich aus der Schweiz komme. Das war immer ein super Gesprächseinstieg: Was machen wir Schweizer denn hier auf Sankt Pauli?
Da dachte ich mir, dann behalte ich doch meinen Dialekt bei und muss mich nicht extra anstrengen. So ist mein Schweizerdeutsch mit Hochdeutsch ein bisschen erhalten geblieben.
Okay, cool.
Ursprung und Konzept von Live on Stage
Live on Stage bedeutet so viel wie Leben auf der Bühne, und genau das ist es, was wir machen. Jedes Jahr sind wir auf Tournee und treten in verschiedenen Städten in großen Hallen mit unserem Musical und einer Botschaft auf.
Zunächst zeigen wir ein Musical, das auf einer wahren Lebensgeschichte basiert. Es handelt von jemandem, der Gott ganz persönlich erlebt hat. Dabei handelt es sich nicht um eine berühmte Person, sondern um jemanden wie dich und mich. Jemand, der Trennung, Schmerz, Krankheit und Tod erlebt hat, aber durch diese Erfahrungen zu Jesus gefunden hat und in seinem Leben gestärkt wurde.
Das Musical ist professionell inszeniert und sehr berührend. Es trifft genau die Herzenswände, die man vielleicht um sein Herz aufgebaut hat. Im Anschluss an das Musical hält mein Mann, Gabriel Hessler, eine Predigt. Er zieht die „rote Schnur“ weiter und bringt das Evangelium auf den Punkt. Es ist das einfache Evangelium aus Johannes 3,16: Gott liebt dich so sehr, dass er seinen Sohn für dich gegeben hat. Wenn du an ihn glaubst, wirst du nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben.
Am Ende des Abends singe ich ein Lied, mit dem wir die Menschen einladen, ans Kreuz zu kommen. Wir stellen ein großes Holzkreuz in der Halle auf. Es ist überwältigend zu sehen, wie Abend für Abend Menschen zu Jesus kommen, ihr Leben ihm anvertrauen und bereit sind, diesen Schritt zu gehen.
Wir arbeiten dabei sehr eng mit den lokalen Kirchen der jeweiligen Region zusammen. Schon Monate im Voraus investieren wir viel Zeit in Vorbereitung, Schulung und Gebet. Unser Ziel ist, dass Menschen, die ihr Leben Jesus geben, sofort Anschluss an eine lokale Kirche finden. Das ist uns sehr wichtig.
Ich bin wirklich begeistert von diesem Projekt. Wir sind seit über zehn Jahren jährlich auf Tournee. Ursprünglich stammen wir vom Jant Team Schweiz, die früher große Zelt-Evangelisationen veranstaltet haben. Sie haben uns ihr geistliches Erbe und alles, was sie hatten, in unsere Hände gelegt. Das ist ein großes Geschenk für uns.
Toll!
Warum das Musical als Medium?
Warum gerade das Medium Musical?
Ich merke, beziehungsweise wir merken, dass das Musical alle Generationen anspricht. Es spricht irgendwie alle Menschen an. Es ist nicht etwas, das nur für die Jungen oder nur für die Alten gedacht ist, oder nur für einen bestimmten Bereich der Menschen. Alle Menschen lieben Lebensgeschichten und starke Lieder. Diese Art von Musical spricht deshalb alle an.
Sind das dann unterschiedliche Geschichten, oder geht ihr immer mit der gleichen Geschichte auf Tour?
Wir sind jeweils mit drei verschiedenen Geschichten auf Tournee. Es sind also ganz unterschiedliche Themen.
Zusammenarbeit mit Gemeinden und Vorbereitung
Ja, das Event ist nur ein Teil eurer Arbeit. Der Kern besteht eigentlich darin, Gemeinden dabei zu helfen, einen evangelistischen Lebensstil zu entwickeln. So habe ich das wahrgenommen. Aber wie genau macht ihr das? Du sagst, ihr arbeitet mit Gemeinden vor Ort zusammen und es gibt eine lange Vorbereitungszeit. Wie muss ich mir das vorstellen?
Ja, natürlich ist unser Ziel nicht einfach, irgendwo hinzugehen, eine große Show zu veranstalten und dann wieder abzureisen. Wenn wir mit Live on Stage in einer Region sind, sind wir fast ein Jahr im Vorfeld aktiv. Die Kirchen entscheiden sich, ob sie teilnehmen möchten. Meistens nehmen dann die meisten Kirchen aus der Region teil. Es gibt verschiedene Abende, an denen man zusammen betet und geschult wird. Zum Beispiel lernt man, wie man über seinen Glauben sprechen kann.
Jeder Christ wird motiviert, für drei VIPs zu beten – das heißt, für drei sehr wichtige Personen, Freunde, die Jesus noch nicht so gut kennen. Wir ermutigen dazu, Freundschaften zu pflegen und diese Freunde natürlich auch zum Event einzuladen. Unser Ziel ist, dass Menschen ans Kreuz kommen und ihr Leben Jesus geben. Dabei soll der Weg in die lokale Gemeinde ganz einfach sein. Das ist uns sehr wichtig, deshalb investieren wir viel Aufwand – schon lange, bevor wir überhaupt mit Live on Stage in die Region kommen.
Gabriel meinte mal in einem Podcast, dass es nicht das Erzählen von Jesus an den Nachbarn sei, das eigentlich schwierig ist, sondern vielmehr, überhaupt ein Herzensanliegen für den Nachbarn zu entwickeln. Wie helft ihr als Live on Stage den Gemeinden und einzelnen Christen, dieses Anliegen, diesen Herzschlag zu bekommen?
Genau, ich glaube, das ist der große Knackpunkt. Oft sind wir mit uns selbst beschäftigt, mit unserer eigenen Agenda. Wir haben sozusagen Scheuklappen auf und gehen durch den Alltag, ohne unser Umfeld wirklich wahrzunehmen. Die Menschen lieben wir oft gar nicht so sehr, wie wir sollten. Ich bin überzeugt, dass es genau hier beginnt: Wir müssen die Menschen in unserem Umfeld wahrnehmen, ihnen nicht mehr egal sein. Wir sollen begreifen: Wow, dieser Mensch wurde von Jesus gemacht, er wird von Jesus geliebt.
Mir hilft da ganz praktisch die Vorstellung, jeden Morgen die rosarote Brille der Liebe aufzusetzen. Gerade heute Morgen zum Beispiel, als ich mit der U-Bahn ins Büro gefahren bin – Hamburg ist ja sehr groß und es gibt viele Menschen, auch viele Obdachlose. Da saß ein Mann am Boden und hat gebettelt. Das Problem ist ja, wenn man das oft sieht, läuft man Gefahr, dass das Herz erkaltet. Man nimmt die Menschen nicht mehr wahr, empfindet sie als störend oder unangenehm.
Ich habe mir angewöhnt, sofort die rosarote Brille der Liebe aufzusetzen, um diese Person bewusst wahrzunehmen. Ich überlege dann, was das wohl für ein Mensch ist, welche Kindheit er erlebt hat, wie seine Mutter war, warum er jetzt hier sitzt und wie es in seinem Herzen aussehen muss, dass so ein Chaos entstanden ist. Plötzlich ist dieser Mann nicht mehr nur ein Bettler, der unangenehm riecht und Geld will, sondern ein Mensch mit einer sehr zerbrochenen Geschichte.
Dann empfinde ich Erbarmen für diese Person und es fällt mir leichter, kurz stehenzubleiben und ihm zu helfen. Heute Morgen hatte ich kein Geld dabei, aber ich hatte gerade ein langes Brot gekauft. Ich bin zu ihm hingegangen und habe gefragt, ob er etwas frisches Brot möchte. Er hat sich sehr gefreut. Ich habe ihm einfach die Hälfte abgerissen und gegeben und ihm einen guten Tag gewünscht. Ich sage ihm auch immer, dass ich ihm Gottes Segen wünsche, bevor ich weitergehe.
Ich merke, dass es auch mein Herz erwärmt, die Menschen mit dieser Brille der Liebe Gottes anzuschauen. So können wir auch unsere Kinder, unseren Ehepartner, unsere Nachbarn, unsere Mitarbeiter und sogar die Menschen im Auto sehen, die uns die Vorfahrt nehmen. Das ist eine tägliche Entscheidung.
Ja, es ist eine tägliche Entscheidung und auch eine Übung.
Ja, sehr cool.
Verbindung von Freundschafts- und Event-Evangelisation
Madeleine, ich erinnere mich, ich hatte auch mal...
Vor einiger Zeit hatte ich mit deinem Mann eine Podcast-Folge, und er hat einen sehr eindrücklichen Satz gesagt, der mir hängen geblieben ist. Er sagte: „Bei live on stage küssen sich Freundschafts- und Event-Evangelisation.“ Kannst du das ein bisschen erklären? Was meint er damit?
Ja, es gibt ja immer wieder Menschen, die sagen: „Die Zeit der großen Evangelisation ist vorbei, jetzt gibt es nur noch Freundschaftsevangelium.“ Andere sagen: „Nur große Evangelisationen sind wichtig.“ Aber ich sage: Es braucht alles. Wir müssen aus allen Rohren schießen, sage ich jeweils.
Die Menschen suchen nach Frieden, nach Liebe und schlussendlich nach Jesus. Deshalb müssen wir alle Medien nutzen. Das Tolle bei Life and Stages ist, dass durch die Schulungen, die im Vorfeld passieren, genau diese Freundschaftsevangelisation gestärkt wird. Christen werden ausgerüstet, Freundschaft zu pflegen, für ihre Freunde zu beten und ihr Umfeld durch diese rosarote Brille Gottes Liebe zu sehen.
Das mündet dann auch in der Großevangelisation, wo ein richtiges Feuerwerk stattfindet. Dort werden die Menschen berührt, sie spüren Gott, erleben ihn und werden an diesem Punkt geführt, wirklich eine Entscheidung zu fassen. Denn gerade bei der Freundschaftsevangelisation ist man oft einfach freundschaftlich unterwegs, erzählt auch mal von Jesus, aber oft bleibt man dann so stehen. Man weiß nicht, wie man den nächsten Schritt tun kann, wie man den Sack zubinden oder fragen kann: „Willst du jetzt dein Leben Jesus geben?“
Oft ist es ein Miteinanderleben, ein Vorleben, ein Füreinanderdasein, vielleicht mal ein Gebet anbieten oder etwas sagen. Das Tolle bei einer Event-Evangelisation ist, dass ein Evangelist da ist, der das sozusagen macht, der das auf den Punkt bringt. Ich kann einfach neben meinem Freund sitzen, leise beten: „Jesus, berühre sein Herz!“ und bin dann ganz überwältigt, wenn er aufstehen will und sein Leben Jesus geben möchte.
Man kann also sagen, dass die Leute durch diese Beziehung vorher schon vorbereitet sind und schon Aspekte des Evangeliums gehört haben. Ich glaube, ihr macht es auch so, dass ihr die Christen anleitet, zum missionarischen Bibellesen, sodass Menschen schon fast erntereif sind, wenn man diese Veranstaltung macht. Habe ich das richtig verstanden?
Ja, genau. Ich meine, es liegt ja nicht in unserer Hand, wie der geistliche Boden von unserem Freund aussieht. Man kann nur säen, Freundschaft pflegen und für die Menschen da sein. Was dann hängen bleibt oder ausgelöst wird, ist nicht in unserer Verantwortung und auch nicht in unserer Hand.
Es ist so wichtig, dass wir Freundschaft pflegen. Wenn du dich mal umschaust, wie Menschen zu Jesus finden: Ich habe noch nie gehört, dass irgendein Stein vom Himmel fällt und daraufsteht: „Ich bin Jesus, ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, folge mir nach.“ Solche Geschichten gibt es nicht.
Es gibt zwar Geschichten, in denen Engel den Menschen in Träumen begegnen und sie dadurch zu Jesus finden, aber das ist selten. In den allermeisten Fällen finden Menschen zu Jesus durch Freunde, die einfach da waren, die sie eingeladen haben zum Essen, die zugehört haben, mal ein Gebet angeboten oder etwas verschenkt haben. Oder die sie mitgenommen haben an eine Evangelisation.
Sind wir ehrlich: Wir erleben gerade bei live on stage, dass die meisten Menschen wirklich kommen, weil sie eingeladen werden. Natürlich gibt es immer wieder Leute, die irgendwo einen Flyer bekommen oder ein Plakat sehen und dann selbstständig kommen. Aber die allermeisten kommen, weil sie von einem Freund eingeladen wurden.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir unsere Zeit und Kraft in unsere Freunde investieren und nicht nur in unser christliches Bubble-Leben. Das finde ich manchmal schade: Wir sind im Hauskreis, unsere Arbeit ist vielleicht auch noch christlich, und wenn wir Freunde haben, sind die auch alle Christen.
Ich denke, es ist so wertvoll, einfach Zeit mit Menschen zu verbringen, die Jesus noch nicht so gut kennen.
Hm, ja, cool.
Nacharbeit und Begleitung nach der Veranstaltung
Jetzt, wie muss ich mir das vorstellen, Madeleine? Also, da ist die Veranstaltung „Menschen kommen zum Glauben“. Wie sieht das dann aus? Gibt es so etwas wie Nacharbeit nach dem Musical? Oder kümmern sich die Gemeinden darum? Oder macht ihr das?
Ja, da ist ein ganzes Konzept dahinter. Natürlich lassen wir die Leute nicht einfach stehen. Wir gehen dann mit allen Menschen, die am Kreuz ihr Leben Jesus gegeben haben, in einen Nebenraum. Wir nennen ihn den Next Step Raum. Dort bekommt jeder eine Bibel geschenkt. Außerdem geben wir jedem Tipps, wie er seinen Glauben leben kann.
Was wir machen, ist Folgendes: Wenn wir jemanden ans Kreuz rufen, sagen wir immer: „Hey, wenn du jetzt mit einem Freund gekommen bist, der vielleicht schon mit Jesus unterwegs ist, dann kommt gleich zusammen ans Kreuz.“ Das Coole ist, dass in dieser Nacharbeitslounge, wie wir sie nennen, nicht nur der Freund sitzt, der sein Leben frisch Jesus gegeben hat, sondern auch der Christ, also sein Freund, der ihn eingeladen hat, und der Gesprächshelfer.
Der Gesprächshelfer motiviert dann die Christen: „Hey, gehst du eigentlich in eine Kirche?“ – „Ah, du gehst hier in die Vinyart-Treffen oder was auch immer. Gehst du am Sonntag in den Gottesdienst?“ – „Ah ja, möchtest du ihn nicht gleich begleiten?“ So versuchen wir, die Brücke zu schlagen, damit der Freund sich weiter um diesen VIP kümmert, der sein Leben Jesus gegeben hat.
Natürlich bereiten sich die Kirchen auch vor, mit Nacharbeitskursen, wie einem Alpha Life Kurs oder einem anderen Glaubenskurs, der dann gleich auch nach Live on Stage startet. Uns ist einfach bewusst, dass, wenn jemand sein Leben Jesus gibt, er nicht automatisch am nächsten Sonntag in die Kirche geht. Du kannst ihm auch nicht einfach einen Flyer in die Hand drücken und sagen: „Jetzt machst du das und das.“ Das funktioniert einfach nicht. Es funktioniert über Beziehungen.
Deshalb ist es so wichtig, dass die Christen ausgerüstet werden und auch wir realisieren: „Hey, es ist an mir, jetzt meinen Freund weiter zu begleiten in seinem nächsten Schritt.“
Ja, sehr schön.
Persönliche Berührung durch die Arbeit
Gibt es eine Geschichte, die dich besonders berührt hat, wie Gott durch ein Musical oder durch die Beziehungserfahrung gewirkt hat?
Ja, da gibt es natürlich ganz viele Geschichten. Eine einzelne herauszupicken ist schwierig. Ich kann vielleicht einfach meine persönliche Glaubensgeschichte erzählen.
Als „Live on Stage“ bei uns in der Region war, habe ich natürlich auch für meine Freunde gebetet, sie getroffen, eingeladen und ihnen die besten Plätze reserviert. Eine Freundin, die alleinerziehende Mutter ist, kam tatsächlich. Sie war sehr bewegt. An diesem ersten Abend kamen ihre zwei jüngsten Söhne sofort ans Kreuz und gaben ihr Leben Jesus. Das hat mich sehr gefreut.
Am nächsten Abend, dem zweiten Musical, war sie wieder da. Dieses Mal brachte sie ihre anderen zwei Söhne sowie einen Freund und Cousin der älteren Söhne mit. Sie saßen in der vordersten Reihe und waren total berührt vom zweiten Musical. Auch sie gingen ans Kreuz und gaben ihr Leben Jesus – die beiden älteren Teenagersöhne zusammen mit dem Cousin und dem Freund.
Am dritten Abend kam sie erneut zum dritten Musical. Ich sammelte all meinen Mut, ging zu ihr hin und sagte: „Hey, heute ist vielleicht dein Abend, an dem du dein Leben Jesus gibst.“ Sie antwortete: „Ah, ich weiß nicht.“ Sie wusste genau, was kommen würde.
Dann saß sie da, während das Musical und die Predigt liefen. Ihr jüngster Sohn, erst acht oder neun Jahre alt, schlief auf ihrem Schoß ein. Sie betete leise: „Ja, Jesus, dann ist das jetzt ein Zeichen, dass ich nicht zum Kreuz muss.“ In diesem Moment öffnete ihr kleiner Sohn die Augen, schaute seine Mama an und sagte: „Mama, jetzt musst du zum Kreuz!“
Sie stand auf und ging zum Kreuz. An diesem Abend gab nicht nur sie, meine VIP, ihr Leben Jesus, sondern eigentlich ihre ganze Familie. Jeder bekam eine Bibel. Bis heute darf ich sie durch alle Höhen und Tiefen begleiten. Das ist einfach wirklich wunderschön.
Beziehungseffektivation heißt ja, im eigenen Umfeld als Missionar unterwegs zu sein. Du hast gerade ein schönes Beispiel erzählt. In einem Interview hast du auch mal sehr schön gesagt: „Jeder ist berufen, dort zu blühen, wo er gepflanzt wurde.“ Wie erlebst du das selbst in deiner Alltagsmission?
Ein Beispiel hast du schon gegeben. Wenn ich mir das vorstelle, hast du ähnliche Herausforderungen wie ich. Du arbeitest in einem christlichen Netzwerk, bist von Christen umgeben, deine Gemeinde und deine Familie sind Christen. Wie kommst du da raus und zu Menschen in deinem Umfeld?
Ich glaube, es ist noch ein bisschen einfacher, wenn man Kinder hat oder einen Hund. Man merkt, dass ein Hund auch ein Türöffner ist. Was ich mir immer ganz groß auf meinen Alltag schreibe, ist: Ich will immer Zeit für Menschen haben. Menschen sind mir wichtiger als irgendwelche Terminpläne, als dass das Haus geputzt ist oder ich pünktlich die Kartoffeln gekauft habe.
Natürlich muss man auch pünktlich zu Terminen sein. Aber ich möchte mit dieser Haltung durch den Alltag gehen und mir Zeit nehmen, um stehenzubleiben. Das kann bedeuten, wenn die Nachbarin vorbeispaziert, dass man ihr zuwinkt und kurz miteinander spricht: „Hey, wie geht’s dir heute? Was hast du erlebt?“ Man zeigt echtes Interesse, will wissen, was sie wirklich beschäftigt, fragt nach. Und beim nächsten Treffen knüpft man wieder an, zum Beispiel: „Hey, wie ging es deinem Sohn bei der Prüfung?“ So nimmt man Anteil an dem, was unser Umfeld bewegt.
Wir sind doch alle umgeben von Menschen – sei es die Frau an der Kasse, unsere Nachbarn, auf dem Weg zur Arbeit oder bei der Arbeit. Ich sage immer: Gott hat uns zwei Ohren ganz bewusst gegeben, damit wir gut zuhören können. In der Bibel steht ja auch: „Seid schnell zum Hören und langsam zum Reden.“ Das habe ich mir angewöhnt: mehr zuzuhören und weniger von mir zu erzählen oder das Gefühl zu haben, ich müsse jetzt jemandem das Evangelium überstülpen oder dringend von Jesus erzählen.
Gott öffnet ganz automatisch Türen, wenn wir bereit sind, unser Gegenüber wahrzunehmen und zuzuhören.
Das ist sehr wertvoll, danke dir.
Neue Beziehungen nach dem Umzug
Ja, ihr seid vor ungefähr drei Jahren aus der Schweiz nach Deutschland umgezogen. Wie hat sich das auf deine Alltagsmission ausgewirkt? Du hattest ja schon Beziehungen in der Schweiz, dann kamen neue Beziehungen hinzu. Wie hast du diese neuen Kontakte geknüpft?
Das ging ganz schnell. Der Vorteil von Sankt Pauli ist, dass die Menschen dort sehr weltoffen sind. Man kommt sofort mit allen ins Gespräch. Ich versuche natürlich auch, aktiv auf die Menschen zuzugehen. Ich weiß, nicht jeder ist so extrovertiert. Ich würde von mir selbst auch nicht sagen, dass ich mega extrovertiert bin, aber auch nicht introvertiert.
Übrigens ist es oft so, dass man denkt, man sei nicht extrovertiert, aber introvertierte Menschen pflegen ja auch Beziehungen. Man muss ja nicht mit zwanzig Menschen befreundet sein, aber zu ein, zwei oder drei Menschen pflegen auch introvertierte Menschen Freundschaften.
Wir sind mitten auf der Reeperbahn eingezogen. Für mich war schnell klar: Wenn wir hier wohnen, dann sind wir an einem der dunkelsten Orte Europas. Die ganze Prostitution, die sich selbst als „Sündenmeile Europas“ bezeichnet. Wenn man dort am Sonntagmorgen über die Straße läuft, klebt der Boden vom Alkohol und Schmutz der Nacht. Hier wird gefeiert, gesündigt und das sogar zelebriert.
Das ist ein Ort, an dem die Menschen tief in ihrem Inneren Gottesliebe und Frieden suchen. Deshalb sind sie ja eigentlich hier. Ich habe mich dann sehr schnell entschieden, wöchentlich die Frauen auf der Reeperbahn, also die Prostituierten, zu besuchen. So kam ich auch schnell in Kontakt und ins Gespräch.
Die ersten Einsätze haben wir als Familie gemacht. Dabei sind wir natürlich aufgefallen: Ein großer blonder Mann, eine große blonde Frau und drei blonde Kinder, die gerade Teenager waren. Wir kamen mit Kuchen und unsere Kinder hatten schöne Zeichnungen gemalt. Das hat bei den Frauen aus der Prostitution und auch bei den Türstehern einen großen Eindruck hinterlassen.
Sie fragten sich: „Die kommen aus der Schweiz, wohnen hier und besuchen und beschenken uns?“ Das öffnete sofort alle Türen. Ich werde bis heute manchmal darauf angesprochen: „Ah, da seid ihr doch als ganze Familie gekommen.“ Meine Frau hat sogar gesagt, dass sie eine dieser Zeichnungen immer noch eingerahmt zu Hause hat – die, die unsere Tochter gemacht hat.
Zu deinem Dienstag auf der Reeperbahn kommen wir gleich noch. Eine Frage noch, Madlen: Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der mit seiner Alltagsmission ganz bei null anfängt? Was ist hilfreich, was sollte man vielleicht vermeiden, besonders wenn man neu an einen Ort zieht?
Was immer gut ist, wenn man neu umzieht: Einfach mal bei den Nachbarn klingeln und sich vorstellen – vielleicht mit einem kleinen Geschenk. Man sollte nicht darauf warten, dass die Menschen auf einen zukommen, sondern selbst aktiv werden.
Ich habe auch gemerkt, dass es sehr hilfreich ist, sich schnell als Christ zu bekennen. Wenn man gar nicht sagt, dass man Christ ist, ist es schwierig, später noch darüber ins Gespräch zu kommen. Es hilft also, sich früh zu bekennen.
Oft haben wir falsche Hemmungen und denken: „Was denkt mein Gegenüber? Verurteilt er mich?“ Wir haben eine tiefe Angst, nicht angenommen zu werden. Aber ich habe gemerkt, dass das eine Lüge ist. Wir leben in einer Zeit, in der jeder irgendwie Fan von etwas ist: Der eine ist Fußballfan, der andere Motorradfan, wieder ein anderer glaubt an Außerirdische oder trägt nur grüne Socken.
Jeder ist auf seine Art speziell, und es ist überhaupt nicht komisch, sich offen zu Jesus zu bekennen. Wir sind sogar so weit gegangen, dass wir an Halloween einen großen Kürbis hatten, in den wir das Bild von Jesus geschnitzt haben. Meine Tochter hat das gemacht, dann haben wir eine Lichterkette hineingestellt und den Kürbis draußen auf einen Stuhl gestellt.
Du musst wissen: An Halloween ist auf Sankt Pauli die Hölle los – im wahrsten Sinne des Wortes. Alle fünf Minuten hat es an unserer Haustür geklingelt, und kleine Mönche standen davor, also Kinder in Kostümen. Und unser Kürbis mit Jesus leuchtete einfach.
Das hatte unglaubliche Wirkung. Für alle war sofort klar: Hier leuchtet Jesus. Es hat mich sehr gefreut, dass auch die Eltern dabei waren, und meine Mutter sagte: „Wow, dieser Kürbis sieht so schön aus. Darf ich den fotografieren?“
Ich habe gemerkt, dass wir oft falsche Hemmungen haben. Es lohnt sich, mutig zu sein und sich von Anfang an zu Jesus zu bekennen.
Das ist wirklich sehr ermutigend.
Umgang mit Mission in persönlichen Beziehungen
Bei euren Musicals gibt es ja am Ende immer eine Predigt. Wie kommunizierst du das? Also, wie offen gehst du persönlich damit um, dass du deine Freunde oder dein Gegenüber missionieren möchtest, um es mal ganz platt zu sagen? Damit er nicht das Gefühl hat, er sei ein Missionsobjekt oder werde irgendwo hingeschleppt?
Einerseits sagst du: Ja, es ist gut, gleich zu sagen, dass man Christ ist und an Jesus glaubt. Andererseits möchtest du Menschen gewinnen. Viele befinden sich dabei im Zwiespalt. Wie kann ich das so machen, dass es echt ist und mein Gegenüber nicht den Eindruck hat, er sei ein Missionsobjekt?
Ich versuche, mir selbst nie Druck zu machen. Ich denke einfach: Wenn jemand will, ist das schön. Wenn nicht, ist das nicht mein Problem. Ich habe kein festes Ziel, wo ich mit dieser Person hin will. Nein, das ist Gottes Kind, und er ist mit dieser Person auf dem Weg. Wenn er mich noch dazu gebrauchen kann, um etwas anzustoßen, umso schöner. Aber es liegt nicht in meiner Hand oder Verantwortung.
Vielleicht kennst du die Engelskala? Kennst du die? Ja, kenne ich. Die hilft mir sehr. Das ist eine Skala von etwa minus acht bis plus vier. Sie zeigt die verschiedenen Schritte, auf denen ein Mensch auf seinem Weg zu Jesus stehen kann.
Ein Moslem, der noch nie von Jesus gehört hat, ist vielleicht bei minus sieben. Ein Nachbar, der schon Religionsunterricht hatte, ist vielleicht bei minus zwei. Er hat das Evangelium gehört, aber noch keine Entscheidung getroffen. Dann passiert vielleicht ein Todesfall in der Familie, und er beginnt, nach Gott zu suchen. Dann ist er bei minus eins.
Wird er zu einem Live-on-Stage-Event eingeladen, hört das Evangelium und trifft eine Entscheidung, dann geht er über diese Brücke und ist bei plus eins. Aber wir wissen nicht, wo unser Freund steht.
Wenn wir für unsere Freunde beten und Freundschaft pflegen, begleiten wir sie vielleicht von minus fünf zu minus vier. Das ist völlig okay und reicht aus.
Mir hilft auch manchmal das Bild mit der Salontür. Du kennst bestimmt diese Salontür aus den Lucky Luke Comics. Die stößt man einfach so auf, und dann ist man drin.
Wenn ich mit Menschen im Gespräch bin, denke ich: Nein, die Tür ist nicht zu. Sie ist nicht verschlossen. Ich stoße ganz sachte an die Tür ihres Herzens, erzähle vielleicht etwas von Jesus, biete ein Gebet an und stoße ein bisschen an die Tür.
Sobald ich spüre, da ist Widerstand oder kein Interesse, gehe ich wieder zurück und lasse es dabei. Ich will niemandem etwas aufdrängen oder das Gefühl vermitteln, ein Aufschwätzer zu sein oder etwas erreichen zu müssen.
Ich stoße nur ein bisschen an die Tür. Wenn ich merke, da ist weiteres Interesse, ein offenes Herz, Fragen, dann gehe ich weiter. Ich erzähle mehr, bitte vielleicht um Gebet oder frage: Willst du mal mehr in der Bibel lesen?
Wenn ich aber Widerstand spüre, ist das okay. Dann bin ich einfach Freundin und bete im Hintergrund weiter. Da dürfen wir ganz entspannt sein.
Das nimmt einem auch die Last. Es geht nicht darum, dass ich jemanden bekehre. Das ist Gottes Werk. Ich will bereit sein. Und ich höre bei dir heraus, dass du auch sensibel bist: Wie führt mich der Herr? Wie führt mich der Geist Gottes? Gibt es wirklich eine Möglichkeit? Dann probiere ich es und schaue, ob Offenheit da ist, um einen Schritt weiterzugehen.
Ja, das ist eine schöne Illustration mit der Tür. Ja, cool!
Glaube in der Familie und authentisches Vorleben
Du bist ja selbst in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und warst auch ohne größere Umwege mit Jesus unterwegs. Viele unserer Zuhörer haben sicher eigene Kinder. Was hat dir geholfen, im Glauben aufzuwachsen? Oder was haben deine Eltern richtig gemacht, was du jetzt auch mit deinen eigenen Kindern umsetzt?
Gerade wenn man christlich aufwächst, hat man manchmal diese Haltung oder sogar eine Lüge im Kopf: „Ich hätte ja nie ein Leben ohne Jesus gehabt, ich habe kein richtiges Zeugnis zu erzählen.“ Aber ich sehe eher den ganzen Segen darin, wie ich bewahrt wurde von all den Süchten und Sünden, in die ich hätte geraten können. Ich habe keine Heilung oder Wiederherstellung gebraucht, weil ich immer mit Jesus gelebt habe.
Was meine Eltern wirklich sehr gut gemacht haben, ist zum einen, dass wir einfach regelmäßig in die Kirche gegangen sind – egal ob man gerade Lust hatte oder nicht, ob es geregnet hat oder nicht. Es gehörte einfach dazu. Die Kirche war unsere geistliche Familie, dort waren unsere Freunde. Auch wenn die Predigt vielleicht nicht jeden Sonntag außergewöhnlich war, war man einfach da und traf sich. Das hat meinen Glauben geprägt: einfach regelmäßig in die Kirche gehen.
Dann natürlich auch die ganzen biblischen Geschichten. Ich habe sie als Kind aufgesogen. Meine Mutter hat uns die biblischen Geschichten erzählt, wir haben mit Adonia diese Hörspiele hoch und runter gehört. Es gibt noch viele andere gute Angebote, auch ihr habt ja mit Heuckelbach wunderbare Angebote für Kinder. Vielleicht kannst du das auch gleich erwähnen.
Und dann ist da noch das authentische Vorleben. Natürlich machen wir als Eltern Fehler, wir schreien unsere Kinder auch mal an, sind manchmal grob oder machen Fehler. Aber dann entschuldigen wir uns wieder, sagen: „Komm, wir beten zusammen, es tut mir leid.“ Dieses authentische Leben im Alltag ist sehr wichtig. Meine Eltern waren im Umgang mit uns genauso authentisch, egal ob in der Kirche oder wenn die Tür zu war und wir nur unter uns waren.
Diese drei Dinge sind mir sehr wichtig, und das versuchen wir auch in unserem Alltag zu leben. Eigentlich ganz einfache Basics, entspannt, nichts Kompliziertes, aber sehr wichtig und prägend.
Umzug nach Sankt Pauli und Leben im Rotlichtmilieu
Madleni, ihr seid nach Hamburg gezogen, und zwar ausgerechnet nach Sankt Pauli, in die Nähe der Reeperbahn. Wie kam es dazu? Ihr habt ja immerhin drei Kinder, die dort aufgewachsen sind oder weiterhin aufwachsen – umgeben von Prostitution, Drogen und ähnlichem. Das müsst ihr uns ein bisschen erzählen.
Ja, also, wir hatten ein Haus in der Schweiz, ein schönes Chalet mit Blick auf die Berge. Dort wohnten wir direkt neben meinen Eltern, die sich um die Kinder gekümmert haben. Ich habe jeweils gesagt: Ich nehme das Auto meiner Mutter, und meine Mutter nimmt meine Kinder. So haben wir das geregelt und hatten wirklich wunderbare Jahre dort. Für mich war es klar: Hier bleiben wir, bis die Kinder ausgezogen sind. Danach ziehen wir vielleicht nochmal in die Stadt oder so.
Dann hat Gott zu Gabriel gesprochen, also zu meinem Mann, und ihm den Eindruck gegeben, dass wir nach Hamburg ziehen sollten. Mit dem ersten Auftrag, hier ein Büro für „Live on Stage“ aufzubauen. Wir haben gemerkt, dass Gott uns auch nach Deutschland ruft. Gerade „Live on Stage“ ist eine Art und Weise, wie wir Menschen in Deutschland erreichen können. Deshalb ist es wichtig, dass wir in Deutschland selbst präsent sind.
Ihr hattet mir das so gesagt: „Ich habe den Eindruck, wir sollten jetzt nach Hamburg ziehen.“ Ich hatte eigentlich überhaupt keine Lust auf dieses Ziel, aber ich wusste, wenn Gott ruft, will ich ja sagen. Ich kann doch nicht mein ganzes Leben lang sagen: „Herr, hier bin ich, sende mich!“ Und wenn er dann mal ruft, sage ich: „Ja, nein, jetzt passt es gerade nicht, jetzt hast du den Moment verpasst.“ Nein, ich will immer bereit sein, wenn er ruft.
So habe ich dann eine Woche ganz konkret gefast und gebetet. Gott hat mein Herz wirklich bewegt, hat zu mir gesprochen – auch durch Träume. Für mich wurde klar: Ja, das ist unser Weg. Aber ich habe Gott gesagt: „Ich gehe nicht über Kinderleichen.“ Du musst das schon unseren Kindern selbst sagen, sonst will ich das nicht machen.
Der Überraschungseffekt war dann wirklich, als wir es unseren Kindern erzählt haben. Nach dreißig Sekunden sagten sie „Nein, wir wollen nicht weg.“ Und plötzlich: „Oh doch, das ist ein Abenteuer, das ist cool!“ Sie waren himmelhoch jauchzend sofort bereit, alles hinter sich zu lassen. Da habe ich gemerkt: Gott, wenn du rufst, dann bist du treu.
Das haben wir dann auch wirklich erlebt. Im Jahr vor unserem Umzug haben wir als Familie immer gebetet: „Gott, wo sollen wir hin? Was machen wir dann?“ Es war ein richtiges Familienprojekt, das uns als Familie sehr zusammengeschweißt hat.
Evangelisation im Rotlichtmilieu
Du bist inzwischen recht regelmäßig auch im Rotlichtmilieu zum Evangelisieren unterwegs gewesen. Du hast eben schon gesagt, wie das angefangen hat. Ich nehme an, du machst das nicht alleine, sondern mit anderen Christen zusammen. Wie läuft das ab? Nimm uns da ein bisschen mit hinein.
Du hast auch ein Buch darüber geschrieben, oder?
Ja, ich habe ein Buch geschrieben, das ich euch natürlich sehr empfehlen kann: "Mit Jesus aus St. Pauli". Darin schreibe ich einfach von unserem Umzug und was das mit mir und uns als Familie gemacht hat. Auch von Anfangsschwierigkeiten erzähle ich. Außerdem berichte ich von Begegnungen auf der Reeperbahn, was dort passiert. Es sind einfach Geschichten, die nicht erfunden sind, sondern sehr inspirierende Erlebnisse. Gerade für Menschen, die auch in ihrem Alltag Salz und Licht sein wollen, kann ich das Buch sehr empfehlen.
Ganz praktisch machen wir das so: Wir sind ein Team von ein paar Frauen. Meine Tochter backt immer ganz frische Kuchen und Muffins. Diese packen wir dann schön ein, während sie noch warm sind. Anschließend sind wir unterwegs.
Wir besuchen einerseits die Frauen, die auf der Straße stehen. Aber wir gehen auch in die Herbertstraße hinein. Das ist eigentlich für Frauen verboten, aber wir sind dort akzeptiert. Dort stehen die Frauen hinter Glasfenstern und bieten sich den Männern an.
Wir gehen auch in Bordelle hinein, in die normalerweise keine Frauen dürfen. Es gibt einige Bordelle, die uns inzwischen akzeptieren. Das ist auch eine Geschichte für sich, wie wir dort hineingekommen sind. Dort sind vor allem Frauen aus Rumänien und der Slowakei. Frauen, die wirklich aus armen Verhältnissen kommen und nicht viele Wahlmöglichkeiten haben, um es mal so auszudrücken.
Wenn wir hineingehen oder auf die Frauen zugehen, nehmen wir immer einen Muffin mit. Den stecken wir den Frauen entgegen und sagen: "Hey, das ist für dich." Das ist verbunden mit der Botschaft: "Du bist wertvoll in Gottes Augen." Diese Worte spreche ich ganz bewusst den Frauen zu.
Ich merke, dass das schon viel bewirkt: "Du bist wertvoll in Gottes Augen. Jesus liebt dich." Für uns Christen klingt das manchmal wie eine Floskel. Aber diese Frauen, und eigentlich unser ganzes Umfeld, sehnen sich sehr nach dieser Liebe und Aufmerksamkeit.
Da wir jede Woche hingehen und die Frauen inzwischen gut kennen, sind viele von ihnen zu meinen Freundinnen geworden. Ich habe sie einfach ins Herz geschlossen. Wenn ich jetzt einen Kuchen gebe, sage ich oft nicht mehr: "Hey, das ist verbunden mit der Botschaft." Stattdessen sage ich einfach: "Ja, das ist für dich. Du weißt ja, was die Botschaft dahinter ist." Was ist das? "Ja, ich weiß, ich bin wertvoll." "Ja, du bist wertvoll."
So haben wir oft ganz schöne Begegnungen.
Schön.
Herausforderungen und Sicherheit auf der Reeperbahn
Und wie muss ich mir das vorstellen? Die Frauen sind ja eigentlich bei der Arbeit. Inwiefern sind da Gespräche überhaupt möglich? Habt ihr Zeit zum Reden? Oder haben die Frauen auch Möglichkeiten, herauszukommen? Wie ist das?
Ja, das ist tatsächlich immer so ein Eiertanz, sage ich. Die Zuhälter oder die Wirtschafter, wie man sie nennt, sind ja überall. Sie blicken aus dem Fenster, stehen in der Nähe herum und lassen die Frauen eigentlich nicht aus den Augen. Das erfordert von uns immer ein gutes Gespür: Wie lange sind wir geduldet? Wie lange wollen die Frauen mit uns sprechen? Wie lange dürfen sie? Das ist immer ein Abwägen.
Es gibt Frauen, die einfach mit uns sprechen wollen. Dann bleiben wir ganz lange stehen. Bei anderen merkt man schnell, dass Unruhe aufkommt. Das spürt man, wenn man ein bisschen sensibel ist. Die Blicke werden unruhig, oder die Frau sagt einfach so etwas, und dann merkt man, dass man besser gehen sollte. Dann gehen wir auch schnell weiter.
Was mich wirklich erstaunt, ist, dass viele Gespräche überhaupt möglich sind. Ich bin da ganz ehrlich. Wir wissen auch, dass wir wollen, dass die Frauen aussteigen, also dass sie nicht mehr dort arbeiten müssen. Sobald wir eine engere Beziehung aufgebaut haben, sage ich: „Hey, du bist so wertvoll. Es ist nicht in Ordnung, dass ein Mann kommt und das Gefühl hat, er kann dich kaufen. Was ist das denn? Das ist doch einfach Bullshit!“ Er hat das Gefühl, er kann dich kaufen und will dich einfach benutzen. Dabei bist du so wertvoll. Das darf kein Mann einfach so fühlen, dass er dich kaufen kann.
„Hey, wenn du Hilfe brauchst, wir sind für dich da. Wir haben Möglichkeiten.“ So versuchen wir, mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. In den letzten Jahren durften wir einige Male erleben, dass Frauen plötzlich nicht mehr da waren. Das ist für uns eine Bestätigung.
Und dass die Frauen dadurch aussteigen, wirkt ja krass. Sicherlich ist das nicht ganz ungefährlich, denn es gibt genug Leute, die nicht wollen, dass die Frauen aus diesem Leben aussteigen. Das ist wahrscheinlich auch mit einer Gefahr verbunden. Wie erlebt ihr das?
Ich rede mir ein, dass da keine Gefahr ist auf St. Pauli. Die Reeperbahn ist der Ort mit der höchsten Polizeipräsenz in ganz Deutschland. Dort ist so viel Polizei präsent. Gerade auch die Türsteher und Modellbesitzer können es sich eigentlich nicht leisten, dass einem Anwohner etwas passiert. Deshalb fühle ich mich sehr, sehr sicher.
Die gefährlichsten Menschen sind ja überall die gleichen – es sind immer Touristen. Wenn nur irgendetwas ist, kannst du einmal laut „Hilfe“ schreien, und schon steht ein Polizist da.
Gefährlich ist es eigentlich nur dort, wo man alleine durch eine dunkle Gasse muss. So einen Abschnitt gibt es, wenn ich nachts nach Hause komme – ein ganz kurzer Weg bis zu unserem Haus, der noch durchdunkelt ist. Da bin ich manchmal ein bisschen unruhig. Dann sage ich einfach: „Jesus, beschütze mich jetzt.“ Und dann fühle ich mich sicher.
Auch dort habe ich einmal eine Begegnung gehabt, bei der ich Bewahrung erlebt habe. Wenn man ein gutes Gespür hat und die Augen offen hält, glaube ich auch, dass Gott Engel an unsere Seite stellt.
Sehr cool. Das Buch verlinken wir auf jeden Fall in der Podcast-Beschreibung.
Persönliche Motivation für die Arbeit mit Prostituierten
Madlen, warum gerade diese Arbeit? Warum liegen dir gerade diese Menschen so am Herzen? Man spürt das richtig, wenn du darüber redest. Was bereitet dir denn besonders Freude daran?
Ja, es hat ein bisschen mit meiner Geschichte zu tun. Wie gesagt, ich bin ganz heil aufgewachsen und habe schon früh geheiratet. Mit zwanzig habe ich meine erste Liebe geheiratet, und wir sind nach Basel in die Stadt gezogen.
Eines Nachts war ich unterwegs, es war schon nach Mitternacht, sehr spät. Da kam ich ins Gespräch mit einer jungen Frau. Diese Frau hätte meine Schwester sein können. Sie sah mir ähnlich, hatte lange blonde Haare und war genauso alt wie ich, knapp zwanzig. Aber diese Frau war schon alleinerziehend und hatte eine kleine zweijährige Tochter zuhause. Sie arbeitete in der Prostitution und war einfach kaputt – das habe ich ihr angesehen.
Ich stand ihr gegenüber und kam mit ihr ins Gespräch. Sie sagte mir: „Ah, weißt du, ich habe keine Freundin, niemand will meine Freundin sein.“ Ich habe sie angeschaut und gesagt: „Doch, ich will deine Freundin sein. Komm, wir gehen morgen früh zusammen frühstücken, ich lade dich ein.“
Tatsächlich ist diese Frau am nächsten Morgen aufgetaucht. Wir haben zusammen gefrühstückt, und daraus ist eine Freundschaft entstanden, die bis heute anhält. Sie hat es geschafft, aus der Prostitution herauszukommen. Zwar kam sie dann in andere, noch schwierige Umstände hinein. Wenn man so eine schlimme Kindheit hatte, trägt man vieles mit sich herum.
Je länger wir uns kannten, desto mehr hat sie mir aus ihrem Leben erzählt. Das hat mir eine große Liebe für diese Frauen in der Prostitution gegeben. Man weiß auch aus Studien, dass acht oder sogar neun von zehn Frauen in der Prostitution selbst sexuellen Missbrauch in der Kindheit oder Jugend erlebt haben.
Nur so kann ich mir erklären, dass eine Frau solch eine Arbeit macht und dann noch sagt, es sei freiwillig. Da wurde ihre Würde zerstört, eine Mauer in ihrem Herzen wurde heruntergebrochen, aufgebrochen, zerbrochen – schon so früh, dass sie jetzt da steht.
Ich habe realisiert: Meine Güte, ich habe so viel Gnade erlebt, dass ich so ein heiles Leben haben darf. Ich habe es nicht verdient. Wie es ja auch in der Bibel steht: Wenn viel gegeben ist, wird auch viel verlangt.
Wie viel ist mir denn gegeben? Wie könnte ich da einfach ein friedliches, heiles Leben in meinem Häuschen führen und mich nur um meine Familie kümmern? Wenn andere so viel Schwieriges erlebt haben, dann ist es doch auch meine Verantwortung, Liebe, Kraft und Jesus weiterzugeben – so gut ich kann.
Umgang mit Kritik und besondere Gottesdienste
Das extreme Gegenbeispiel ist vielleicht ein Christ, der sich lieber von der Welt abkapselt und Weltflucht begeht, um sich der Sünde fernzuhalten. Manche beschreiben das ja so.
Ich kann mir vorstellen, dass ihr für eure Arbeit unter den Prostituierten auch schon negative Kritik bekommen habt, oder? Wie geht ihr damit um?
Interessanterweise bekommen wir eigentlich gar keine negative Kritik für unsere Arbeit – nur für einen Teil davon. Wir machen regelmäßig auch Gottesdienste im Stripclub. Du musst dir vorstellen: Der Stripclub öffnet alle paar Monate die Türen, alles wird geputzt. Dann wird auf einem Bildschirm die Großwerdung gezeigt, und es wird zum Gottesdienst im Stripclub eingeladen. Dort haben wir eine Gospelband, und wir können predigen und Zeugnis geben.
Das ist dann ein besonderer Punkt. Stell dir vor, die Leute strömen herbei. Menschen, die normalerweise nicht in einen Gottesdienst gehen würden, kommen in den Stripclub zum Gottesdienst. Dort haben wir alle Möglichkeiten, von Jesus zu erzählen, für Menschen zu beten, die dort stehen und trinken. Ich finde das einfach genial.
Aber es gibt tatsächlich Christen, die sagen: „Spinnt ihr? Das geht doch gar nicht, ein Gottesdienst im Stripclub. Das ist das Letzte, das kann man nicht machen.“ Dann denke ich jedes Mal: Jesus ist doch auch zu den Sündern gegangen, und er hatte diese Menschen ganz besonders lieb. Warum sollten wir da extra Hürden einbauen? Jesus ist überall zu erleben.
Ich kann mich erinnern: Einmal war ich in einem Bordell, und da war eine Frau mit langen, schönen schwarzen Haaren. Sie sagte zu mir: „Weißt du, mein Vater glaubt auch an Gott.“ Ich antwortete: „Weißt du, dein Vater betet ganz bestimmt für dich.“ Sie meinte: „Ja, mein Vater weiß nicht, wo ich arbeite. Das darf er nie erfahren.“ Ich sagte: „Ja, weißt du, dein Vater liebt dich so sehr. Kein Vater will, dass seine Tochter hier arbeitet. Darf ich für dich beten?“ Nach anfänglichem Zögern sagte sie dann: „Ja, also gut.“
Ich nahm ihre Hände und betete für sie. Dabei schloss sie die Augen, und ich sprach: „Jesus, zeige ihr deine Liebe. Danke, dass du sie so sehr liebst und für ihre Sünden gestorben bist.“ Ich schüttete mein ganzes Herz für sie im Gebet aus. Als sie die Augen wieder öffnete, war sie völlig durcheinander und sagte: „Was hast du gerade gemacht? Ich habe am ganzen Körper Gänsehaut und so eine Liebe gespürt, das habe ich noch nie erlebt.“
Ich sagte zu ihr: „Weißt du, Jesus kann man nicht nur in der Kirche erleben. Du musst nicht in die Kirche gehen, um zu beten oder Gott zu erleben. Jesus kannst du im Bordell, auch im Stripclub, auf der Straße erleben. Überall ist er präsent und lässt sich anrufen.“ Deshalb gehen wir auch in den Stripclub.
Nicht jeder Christ ist vielleicht dazu berufen, im Rotlichtviertel zu evangelisieren. Aber wir alle dürfen nicht darauf warten, dass Nichtchristen von sich aus auf uns zukommen. Wir müssen auch dorthin gehen, wo Menschen sind, die freiwillig nicht in eine Gemeinde gehen würden. Das ist eine sehr eindrückliche Erfahrung.
Eigene Szene finden und aktiv werden
Aber welchen Tipp hast du? Wie können wir herausfinden, was jetzt meine Szene, was unsere Szene ist, in der wir wirken können? Und wie kann man so eine Szene finden, wenn man zum Beispiel irgendwo auf dem Land wohnt oder wenn man keinen Club um die Ecke hat oder keine sozialen Brennpunkte?
Was würdest du einem solchen Christen sagen?
Ach, es gibt doch überall solche Treffpunkte. Ich meine, es gibt die Feuerwehr, den Turnverein, die Adventfenster auf dem Dorf, Frauenfrühstücke oder soziale Kinderhüteprojekte. Es gibt so viele Möglichkeiten, mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
Ja, gerade die Arbeit mit Prostituierten muss wirklich nicht jeder machen. Aber ich glaube, jeder kann, wie du schon gesagt hast, einfach da blühen, wo er gepflanzt ist. Einfach indem wir unser Haus öffnen, unseren Kühlschrank öffnen, unsere Ohren öffnen, vielleicht auch unser Portemonnaie öffnen und schließlich unser Herz für unsere Gegenüber.
Veränderter Blick auf Mission und Evangelisation
Madlen, wie hat die Arbeit hier deinen Blick auf Mission und Evangelisation verändert?
Das ist eine gute Frage. Eigentlich hat sich mein Blick nicht verändert. Ich hatte schon immer ein Anliegen für Menschen. Ich hatte nie eine andere Einstellung.
Wie meinst du das mit der Frage? Du warst verheiratet, lebtest in Basel und hattet es schön in der Schweiz. Dann kam der Ruf nach Hamburg, deine Erfahrungen auf der Reeperbahn – hat das deinen Blick auf Mission und Evangelisation verändert? Auch im Hinblick darauf, was ihr mit Live on Stage macht?
Man merkt dir an, dass du wahrscheinlich schon lange ein Anliegen für Menschen hast. Du hast natürlich auch viele Erfahrungen gemacht. Hat das deinen Blick auf Mission und Evangelisation geprägt?
Ja, was sich wirklich verändert hat, ist das Gefühl, verstanden zu werden. Ich glaube, das hat sich besonders seit Corona oder in den letzten Jahren entwickelt. Ich habe das Gefühl, dass Gott über unseren Ländern brütet – über Deutschland, die Schweiz und Österreich, also die deutschsprachigen Länder.
All diese Krisen – Corona, Ukraine-Krise, Energiekrise und all die anderen Herausforderungen, in denen wir immer noch stecken – waren wie Brüter, die Gott dazu gebraucht hat, um Menschen wieder neu suchen zu lassen.
Wir erleben das ganz stark auf den sozialen Medien. Besonders auf Instagram und TikTok, aber auch auf anderen Plattformen. Viele Menschen folgen uns dort und stellen Fragen.
Was mich ganz besonders begeistert: Mein Mann Gabriel geht fast jeden Morgen live für eine Stunde, um in der Bibel zu lesen. Er streamt gleichzeitig auf TikTok, Facebook, Instagram und YouTube – also auf allen vier Kanälen gleichzeitig.
Dabei sind bis zu 200, teilweise sogar 300 Menschen gleichzeitig dabei, manche hören die ganze Stunde, andere kürzer. Er liest dann die Bibel und erklärt das Evangelium.
Was mich einfach begeistert, ist, dass er jeden Morgen das Evangelium erklärt und fragt: „Wer möchte jetzt sein Leben Jesus geben?“ Und jedes Mal gibt es Menschen, die die Hand heben und sagen: „Ich will jetzt mein Leben Jesus geben.“
Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen suchend und offen sind. Wenn du sie fragst: „Hast du Lust, mit mir in der Bibel zu lesen?“, denken die Leute nicht mehr, das sei ein altes, verstaubtes Buch. Stattdessen sagen viele: „Ah, klar!“
Natürlich gibt es einige, die sich nicht dafür interessieren, aber ich sage: Ein Großteil der Bevölkerung ist ganz neu offen und sucht nach Jesus. Das sind unglaubliche Möglichkeiten.
Es ist eine Lüge zu denken, dass über Europa eine Decke liegt, die Menschen verschlossen sind oder nicht offen für das Evangelium. Das stimmt einfach nicht.
Cool, vielen Dank, Madlen.
Empfehlungen, Herausforderungen und Tipps
Ich habe zum Schluss noch drei Fragen.
Welches Buch kannst du empfehlen? Was hat dir in deiner persönlichen Evangelisation geholfen? Gibt es da ein Buch?
Das ist eine gute Frage. Was mich immer am meisten inspiriert hat, sind Lebensgeschichten. Theoriebücher langweilen mich oft sehr schnell. Aber diese Lebensgeschichten, zum Beispiel die von Schmugglergottes, oder die Geschichte von Gladys, der Missionarin Gladys Albert, haben mich sehr beeindruckt.
Ja, natürlich. Oder was gibt es da noch für Bücher? Ich habe sie alle verschlungen. Auch die Biografie von Reinhard Bonnke ist sehr inspirierend. Oder Georg Müller, ja, natürlich auch. Ich habe alle gelesen, und diese Bücher haben mich sehr inspiriert. Es ist also nicht ein einzelnes Buch, sondern immer mehr.
Gerade Biografien sind sehr schön.
Welche größte Herausforderung hattest du so in deiner Alltagsmission, bei Live on Stage oder bei der Arbeit unter den Prostituierten? Gibt es da eine große Herausforderung, die du mit uns teilen würdest?
Ja, natürlich geht es mir ähnlich wie den allermeisten Menschen. Der Alltag ist einfach so schnell vollgepackt. Gerade mit Kindern, Haushalt, Job, Terminen und noch Arztterminen. Manchmal hat man auch keine Lust und möchte eigentlich nur auf dem Sofa liegen und Netflix schauen.
Ich musste lernen, mir manchmal selbst einen liebevollen Schubs in den Rücken zu geben. Bis heute ist das immer noch meine Herausforderung. Nicht einfach die Kapuze runterziehen und durch, sondern stehen zu bleiben, sich diesen liebevollen Schub zu geben, jetzt noch Gottes Segen zu sagen oder nochmals nachzufragen.
Das ist auch meine Agenda: die Zeit und Kraft für Begegnungen nicht durch einen zu vollgepackten Terminkalender zu verlieren.
Ja, für Begegnungen mit Menschen.
Meine dritte Frage: Welchen Tipp hast du für meine Podcast-Hörer, den sie gleich diese Woche noch umsetzen können in Bezug auf Alltagsmission?
Ja, einfach mal die rosarote Brille der Liebe aufzusetzen. Das bedeutet, Menschen anzuschauen, vielleicht auch ein bisschen zu beobachten – natürlich so, dass sie es nicht merken – und einfach ein paar liebevolle Gedanken über diese Person zu machen.
Zum Beispiel: Wow, diese Person ist so wertvoll! Gott sieht in ihr Herz. Ich sehe zwar nur, was vor Augen ist, aber Gott sieht in ihr Herz. Was ist wohl in diesem Herz? Was hat diese Person wohl erlebt? Was hat sie für einen Hintergrund?
Einfach sich solche Fragen stellen und Gedanken machen. Du wirst merken, plötzlich macht es plopp, und du hast diese Person lieb. Ja, das ändert auch deinen Blick auf die Person, auf dein Gegenüber. So kannst du sie mehr mit den Augen Gottes sehen.
Sehr schön.
Madeleine, vielen, vielen herzlichen Dank für die Einblicke in dein Leben, deine Arbeit und wie du Alltagsmission lebst.
Ja, ein Wort noch zum Schluss an euch: Schreibt uns gerne eure eigenen Erfahrungen, was ihr in eurer Alltagsmission erlebt habt. Wir sind nicht alleine als Alltagsmissionare unterwegs, sondern als Community dürfen wir voneinander lernen und füreinander beten.
Deswegen schreibt gerne eure Geschichte an machbar@heukerbach.org.
Ich sage danke fürs Zuhören und tschüss bis zum nächsten Mal.