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Füll Deinen Tank regelmässig

Psalm 1,1-620.07.2008
Serie•Teil 2 / 3Aus Gottes Kraft leben
Warum fühlt sich dein Glaube oft kraftlos an? Vielleicht, weil dein Kopf voll ist – aber dein Herz zu wenig von Gottes Wort bekommt.

Einführung in das Thema und der gelesene Psalm

In der Predigt wird es gleich um Gottes Wort gehen, und in dem Text zur Predigt geht es natürlich auch um Gottes Wort. Das ist der erste Psalm, den wir alle gut kennen. Ich lese ihn nach einer moderneren Übersetzung.
Dieser Psalm spricht nicht nur von Gottes Wort, er ist natürlich auch selbst ein Stück von Gottes Wort.
Wahres Glück ist das hier überschrieben:
Wie glücklich ist der Mensch, der sich nicht verführen lässt von denen, die Gottes Gebote missachten, der nicht dem Beispiel gewissenloser Sünder folgt und nicht zusammensitzt mit Leuten, denen nichts heilig ist. Wie glücklich ist der Mensch, der Freude findet an den Weisungen des Herrn und Tag und Nacht in seinem Gesetz liest und darüber nachdenkt. Er gleicht einem Baum, der am Wasser steht. Jahr für Jahr trägt er Frucht, sein Laub bleibt grün und frisch. Ein solcher Mensch hat Erfolg bei allem, was er unternimmt.
Ganz anders geht es denen, die nicht nach Gott fragen. Sie sind wie Spreu, die der Wind davonbläst. Vor Gottes Gericht können sie nicht bestehen, und in der Gemeinde der Treuen ist für sie kein Platz. Der Herr sorgt für alle, die auf ihn hören, aber von den Ungehorsamen bleibt keine Spur.
Guten Morgen. Ich komme heute etwas von weit hinten, weil wir ja Ferien haben, und heute habe ich eine Doppelfunktion: Ich bin für die Technik zuständig und jetzt auch noch hier vorne. Da es ein bisschen schwierig ist, hinten und vorne zugleich zu sein, habe ich überlegt: Soll ich sagen, wir drehen uns einfach alle um? Dann kann ich während des Sprechens das alles steuern. Nur dann seht ihr das, was hier vorne ist, nicht.
Dann habe ich gedacht, ich frage mal Marek, also ist er zuständig, ob es pfeift oder nicht. Das hängt jetzt an ihm. Aber bis jetzt klappt es ja.
In dieser kleinen Sommerserie beschäftigen wir uns mit der Frage, wie wir als Christen aus Gottes Kraft leben können. Am Leben des Paulus haben wir letzten Sonntag gesehen, dass ein Leben aus Gottes Kraft nicht für alle Menschen sichtbar wird. Im Gegenteil: Im Leben des Paulus war viel Schwachheit sichtbar, erstaunliche Schwachheit. Viele menschlich gesehen Misserfolge, mehrmals im Gefängnis, haben wir letztes Mal gesehen, Schiffbruch erlitten und so weiter und so fort.
Und trotzdem, trotz dieser Schwachheiten, könnte man sagen, kommt gerade in diesen Schwachheiten die Kraft Gottes zum Tragen. So sagt es ja Paulus: Ich kann, ja, ich kann es von ganzem Herzen akzeptieren, dass ich wegen Christus mit Schwachheiten, Leiden und Misshandlungen, mit Nöten, Verfolgungen und Bedrängnissen ertragen muss. Denn gerade dann, wenn ich schwach bin, bin ich stark.
Er hat das alles ertragen. Für ihn war der Glaube nicht wie ein Siegeszug. Wenn ich komme, dann geht kein Schiff unter. Wenn ich komme, stürzt kein Flugzeug ab. Wenn ich ins Auto steige, geschieht kein Unfall. Ich bin sozusagen der Superman par excellence, die Kraft Gottes ist ja mit mir. Nein.
Ich habe gerade auf der Straße mit jemandem gesprochen. Wir haben ja so einen Stand, wo wir Schriften verteilen und versuchen, ins Gespräch zu kommen. Und da habe ich ihm gerade am Beispiel des Paulus gezeigt, dass Paulus glaubte, durch alles hindurch. Bei einem Schiffbruch hat er nicht gedacht: Oh, bin ich jetzt auf dem richtigen Weg? Wenn ich Schiffbruch erleide, will Gott wirklich, dass ich da hingehe? Nein, er ging. Er wusste, an wen er glaubt, und er hat nach dem Motto gelebt, dass wir Christen vielleicht auch wieder ein Stück weit so respektieren müssen: Das ist das Leben. Wenn ich ins Auto steige, kann es sein, dass ich verunglücke. Wenn ich das nicht will, dann muss ich nicht ins Auto steigen. So einfach ist das eigentlich.
Paulus hat das wie hingenommen. Er hat gewusst: Wenn ich in ein Schiff gehe, kann es sein, dass das Schiff Schiffbruch erleidet. Da hat er doch nicht seinen ganzen Glauben hinterfragt, ob er jetzt richtig glaubt oder nicht. Er hat das ganz natürlich genommen. Und wir Christen tendieren dazu: Wenn jemand einen Unfall hat, fragen wir gleich, oh, hat er sich versündigt? Und was ist denn mit denen, die in Sünde leben und schon jahrelang unfallfrei fahren? Es wird dann alles so kompliziert.
Es ist viel einfacher, wenn wir das Leben nehmen, wie es eben zu leben ist. Wir sind in dieser Welt, und wir sind den Gefahren dieser Welt ausgesetzt. Und wenn wir in so eine Gefahr geraten, muss nicht gleich und gleichzeitig unser Glaube ins Wanken kommen. So war es wenigstens beim Paulus.
Aus der Kraft Gottes zu leben bedeutet also nicht, dass wir im Leben von Sieg zu Sieg eilen, jedenfalls nicht zu Siegen, die bei Menschen, die nichts von Jesus wissen, Anerkennung finden. Die Kraft, die wir als Christen erfahren, liegt zunächst einmal außerhalb von uns selbst. Wir mobilisieren die Kräfte nicht aus uns selbst, dann wären wir alle miteinander ziemlich schnell am Ende. Gott schenkt uns die Kraft, die wir zum Leben benötigen.
Wenn wir nämlich mit der Kraft Gottes in Verbindung kommen möchten, geschieht das auch dann, wenn wir uns mit dem besten Treibstoff füllen, was ich ja letzten Sonntag erklärt habe. Das heißt, dass wir uns mit der Bibel beschäftigen. Die Bibel ist der beste Treibstoff für unser Leben. Wie wir gehört haben: Alle Informationen, weshalb wir hier sitzen, wissen wir alles, weil wir die Schrift haben. Sonst wüssten wir nichts. Sonst wären wir irgendwelchen Leuten ausgeliefert, die uns irgendwelche Philosophien und Weisheiten erzählen. Und das glauben ja heute viele Leute: einfach Leuten, die dann irgendeine gute Idee haben.
Das Wort Gottes hat Kraft. Und wie Gott durch Jeremia sagen lässt: Mein Wort brennt wie Feuer, es ist wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt. Gott selbst spricht davon, dass sein Wort eine enorme Kraft hat. Die Bibel steht wie ein Leuchtturm in der Brandung unseres Lebens. Sie gibt uns Orientierung für unser Leben, denn die Bibel berichtet uns die Wahrheit. Was in der Bibel niedergeschrieben wurde, hat sich so ereignet. Und wenn das nicht so wäre, würde unser Glaube auf ganz wackeligen Beinen stehen, oder besser gesagt: Er wäre komplett sinnlos. Kann man vergessen.
Und das ist etwas, was mich immer wieder von Neuem ärgert, dass Leute die Bibel nehmen, etwas lesen und sagen: Eigentlich ist es nicht so, die Geschichte ist ganz anders. Dann sage ich: Dann stell doch die Bibel ins Gestell, dann erdichte du doch deine Weisheiten selber, aber bitte mach eines nicht: Verdreh nicht das, was in der Bibel steht. Das ist heute weit verbreitet. Alle wollen hundertmal gescheiter sein und hundertmal besser wissen, wie es steht, und wissen, dass so, wie es steht, eigentlich gar nichts sein kann und sein darf. Dann sollen sie doch die Bibel wegtun und sie denen überlassen, die damit etwas anfangen können oder wollen.
An verschiedenen Stellen in der Bibel wird deutlich, wie wichtig den Schreibern das war und wie sie das betonten, dass das, was sie berichten, Tatsache und Wahrheit ist. So schreibt Petrus: Wir haben uns keineswegs auf geschickt erfundene Märchen gestützt, als wir euch ankündigten, dass Jesus Christus, unser Herr, wiederkommen wird, ausgestattet mit Macht. Vielmehr haben wir ihn mit eigenen Augen in der hohen Würde gesehen, in der er künftig offenbar werden soll. Wir haben keine Märchen, keine Fabeln, denen wir vertrauen. Wir haben ihn selber gesehen, in seiner Herrlichkeit auf dem Berg. Wir sind Augenzeugen.
Es ist das A und O unseres Glaubens, dass wir davon ausgehen, dass die Bibel die Wahrheit berichtet, dass das, was auch an Geschichte weitergegeben wird, so geschehen ist. Die Bibel ist der wichtigste Kraftstoff, den wir in dieser Welt finden können. Sie gibt uns Kraft zum Leben und Kraft zum Sterben.
Was soll ich dann am Sterbebett sagen? Nimm es nicht so tragisch, morgen ist auch noch ein Tag? Oder: Sei froh, dass du leben konntest, es ist halb fertig? Was sagen wir am Sterbebett? Wo liegt die Kraft? Nicht in unseren Weisheiten, sondern in dem, was Gott uns sagt, dass er uns eine Zukunft bereitet hat. Und selbst Leben noch Tod kann mich scheiden von der Liebe Gottes. Mit diesen Worten kann man doch sterben, nicht mit so flapsigem Zeug, das uns dann in den Sinn kommt, weil wir nichts Besseres wissen.
Man kann dem Wort Gottes leben und sterben. Das ist die Kraft des Wortes.

Das Wort Gottes als lebendige Kraft und nicht als bloßes Objekt

In einem Museum in Neuenburg wird eine Geige ausgestellt, die grosse Geschichte gemacht hat. Sie wurde von Stradivari gebaut, einem der besten Geigenbauer überhaupt.
Napoleon schenkte eine dieser Stradivari-Geigen einem seiner Leute. Und heute ist sie in Sicherheit aufbewahrt, in einer gepanzerten Vitrine, ich glaube in Neuenburg. Sie ist mit elektronischen Alarmeinrichtungen versehen, mit Filtern gegen gefährliche Strahlungen. Mit anderen Worten: Die Geige ist total in Sicherheit.
Aber stumm. Sie ist zu nichts nütze, man kann sie nur anschauen. Stradivari hat sie gemacht, damit sie klingen sollte, und nicht, damit man sie ansieht.
Gott hat nicht zu uns gesprochen, damit wir sein Wort irgendwo in einem Büchergestell oder in einer Bibliothek verschwinden lassen. Dass wir die alten Exemplare bewundern, ja, wunderbar. Die Bibel ist dreihundert Jahre alt, das ist ja schön. Können wir sie auch versorgen in der Vitrine?
Eine Bibel, die im Büchergestell verstaubt, ist ein riesiges Kraftpotenzial. Aber die Kraft kommt in unserem Leben nur zum Tragen, wenn wir sie öffnen. Anders gesagt: Die Bibel ist kein magisches Buch, das man wie eine Art Talisman in die Wohnung stellt. Wir werden vermutlich überrascht, wie viele Menschen das noch tun.
Es ist nicht schlecht, wenn man die Bibel hat, so wie einen Talisman. Aber nicht das Buch und der Buchstabe haben Kraft, sondern die Botschaft, die durch dieses Buch und diese Buchstaben vermittelt wird, hat Kraft. Das ist ein grosser Unterschied. Nicht das Buch an sich mit Worten und Buchstaben ist heilig, sondern die Botschaft ist heilig. Was uns Gott mitteilt, ist heilig.
Deshalb ist es wichtig, dass wir uns mit der Bibel beschäftigen, dass wir unseren Tank mit dem besten Treibstoff füllen.
Nun, im Psalm 19 gibt es einen schönen Vers. Also, im Psalm 19 gibt es eh viele schöne Verse, und in der ganzen Bibel gibt es viele schöne Verse. Aber der passt halt gut. Da sagt er: Welch eine Köstlichkeit sind deine Worte, sie sind noch süsser als der beste Honig.
Offensichtlich ist dieser Psalmdichter ein Honigliebhaber. Und das Wort Gottes überbietet für ihn den besten Honig, den er kennt. Da ich kein besonderer Honigliebhaber bin, ich verzichte gern auf Honig, hätte ich natürlich einen anderen Vergleich verwendet. Ich würde sagen: Welch eine Köstlichkeit sind deine Worte, sie sind besser als die knackigsten Nüsse. Vielleicht würden Sie sagen, sie sind besser als das zarteste Steak. Sie sind besser als die feinste Pizza. Oder was sagt man beim Wein? Was ist das Höchste beim Wein? Der beste Gurt des Weines oder wie auch immer. Ich bin auch kein Weinkenner, kein Connaisseur, kein Wein, was auch immer.
Für den Psalmschreiber war jedenfalls klar: Müsste er zwischen dem Wort Gottes und dem besten Honig entscheiden, das würde nebeneinander liegen, hier das Wort Gottes und hier der beste Honig, er würde sofort zum Wort Gottes greifen. Er würde sofort das Bessere nehmen, das will er sagen. Der beste Honig, den ich kenne, und ich liebe Honig, kann das nicht überbieten, was mir das Wort Gottes in mein Leben hinein gibt.
Seine Sehnsucht nach Gottes Wort war riesig. Einige Verse weiter sagt er: Mein Mund ist weit geöffnet vor Verlangen, so lechze ich nach deinen Weisungsworten.
Übrigens: Wenn man den Psalm ganz liest, sieht man, dass dieser Psalmschreiber in tiefer persönlicher Not war, angegriffen, von Feinden umgeben. In dieser Situation hat er die Sehnsucht nach Gottes Wort. Darüber freut sich Gott riesig, wenn sein Wort für uns wie eine Speise ist, ohne die wir nicht leben möchten. Gott freut sich, wenn wir es zulassen, dass seine Gedanken in unser Denken eindringen, wenn wir das Wort Gottes so essen, dass es in unserem Leben seine Kraft entfalten kann.
Paulus rühmte die Thessalonicher, weil sie das Wort Gottes aufgenommen haben. Er schreibt ihnen: Im Übrigen danken wir Gott immer wieder dafür, dass ihr die Botschaft, die wir euch in seinem Auftrag verkündeten, als das aufgenommen habt, was sie tatsächlich ist: das Wort Gottes und nicht eine Lehre von Menschen.
Und seit ihr glaubt, erfahrt ihr die Kraft dieses Wortes in eurem eigenen Leben. Sie haben es als Wort Gottes aufgenommen, nicht als Menschenwort, keine Märchen, sondern wie wenn Gott mit uns spricht. Nur wer dieses Wort als Wort Gottes aufnimmt, wird die Kraft dieses Wortes erfahren. Wenn man also Menschenwort aufnimmt, hat es keine Kraft, es steht keine Autorität dahinter, nur Menschen. Aber weil es Gottes Wort ist, haben sie nicht Legenden und Märchen geglaubt, sondern der Wahrheit Gottes haben sie Platz gemacht. Die Botschaft von Gott haben sie aufgenommen. Und weil sie dieses Wort aufnahmen, weil sie es quasi gegessen hatten, erfahren sie die Kraft Gottes. Und seit ihr glaubt, erfuhren sie die Kraft dieses Wortes in ihrem eigenen Leben.
Das Wort Gottes bezeichnet Paulus sogar als eine Waffe, eine Waffe, die falsche Gedankengebäude, Lügen, auf denen Menschen ihr Leben aufbauen, zum Einsturz bringen kann. Zwei Verse, die ich auch sehr liebe, stehen in 2. Korinther 10,4-5:
Die Waffen, mit denen wir unseren Kampf führen, sind nicht die Waffen dieser Welt, also nicht Schwerter, nicht Pistolen, kein Giftgas, keine Atomkraft. Nein, es sind Waffen von durchschlagender Kraft, die dazu dienen, im Einsatz für Gott feindliche Festungen zu zerstören. Mit diesen Waffen bringen wir eigenmächtige Gedankengebäude zum Einsturz und reissen allen menschlichen Hochmut nieder, der sich gegen die wahre Gotteserkenntnis auflehnt. Das ganze selbstherrliche Denken nehmen wir gefangen, damit es Christus gehorsam wird.
Es ist die Wahrheit Gottes, Gottes Wort, das diese Gedankengebäude zum Einsturz bringt.

Verkündigung, geistlicher Kampf und der Raum für Gottes Gedanken

Und was ist dann? Das Elementare, wenn Christen unterwegs sind, wenn Gott uns den Auftrag gibt, Menschen für Jesus zu gewinnen: Was ist die elementare Aufgabe, die wir zu tun haben? Zu Gott verkündigen. Hingehen und verkündigen, das ist die Waffe des Glaubens, die Verkündigung.
Wir kämpfen nicht mit Waffen. Wir sagen nicht den Leuten: Glaube an Jesus, wenn du nicht glaubst, schiesse ich dir durch die Schläfe. Oder: Glaube an Jesus, und du bekommst jeden Monat tausend Franken. Nein, wir verkündigen das Wort, und wir vertrauen auf die Kraft dieses Wortes, das Menschenherzen erreicht, natürlich auch mit der Hilfe des Heiligen Geistes. Aber der Heilige Geist ist ja auch gleich Wort.
Paulus sagt: Greift zu dem Schwert, das der Heilige Geist euch gibt. Dieses Schwert ist das Wort Gottes. Das ist die Waffe Gottes, das Wort Gottes. Deshalb ist es fatal, wenn wir beginnen, an diesem Wort herumzudeuteln und die Kraft dieses Wortes zu nehmen, indem wir einfach alles weg erklären, was vielleicht etwas unangenehm ist oder uns herausfordert. Die Kraft ist dann da, wenn wir Gott ernst nehmen.
Natürlich kann das Wort Gottes die Kraft in unserem Leben nur dann zur Entfaltung bringen, wenn wir dieses Wort aufnehmen, wenn wir es essen und wenn wir uns von diesem Wort füllen lassen. Was wir dann damit machen, das sage ich dann nächsten Sonntag noch etwas genauer.
Wir müssen zulassen, dass das Wort Gottes in unseren Raum bekommt, zulassen, dass Gottes Gedanken unsere Gedanken durchqueren. Es ist eine alte Weisheit, dass der Umgang, den wir pflegen, unser Verhalten beeinflusst. In den Sprüchen finden wir folgende Empfehlung: Nimm keinen Jähzornigen zum Freund und verkehre nicht mit jemandem, der sich nicht beherrschen kann, sonst gewöhnst du dich an seine Unart und gefährdest dein Leben. Der zieht dich eventuell mit runter, pass auf!
Wenn wir zum Beispiel vorwiegend mit Liebesromanen beschäftigt sind und Filme sehen, bei denen Ehebruch an der Tagesordnung ist, besteht die Gefahr, dass wir uns daran gewöhnen und es nicht mehr so tragisch finden, wenn wir solche Dinge selber tun. Wir haben es ja schon 150 Mal und 1500 Mal gesehen. Wenn ich jetzt auch noch einer von diesen 1500 bin, das kann doch deswegen die Welt nicht untergehen. Es kann uns runterziehen. Es werden in uns Sehnsüchte wach, die unser Leben letztlich zerstören.
Von was und von welchen Gedanken und Ideen lässt du dich beeinflussen? Gib in dieser Beeinflussung in deinem Leben dem Wort Gottes wirklich den Raum, den es verdient. Ich sage nicht, dass wir keinen Liebesroman mehr lesen sollen und nie mehr einen Liebesfilm sehen. Aber wenn das der Hauptast ist, von dem wir uns füllen lassen, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir nichts anfangen können mit der Kraft Gottes, wenn wir uns kraftlos fühlen.
Paulus macht die Korinther darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, dass wir uns ganz bewusst richtig beeinflussen lassen. Er schreibt: Lasst euch durch solche Reden nicht täuschen, schlechter Umgang verdirbt auch den besten Charakter. Du kannst also durch schlechten Umgang deinen Charakter verderben. Du kannst Gottes Wort, obwohl du es schätzt, in deinem Herzen verstauben lassen. Du kannst einen Umgang pflegen, der deinen Charakter zerstört. Charakter kann man bilden, den hat man nicht nur einfach. Das Wort Gottes hilft uns gerade in der Ausbildung unseres Charakters.
Du musst selber entscheiden, hast du guten oder schlechten Umgang.

Gottes Einladung, die Kosten der Nachfolge und die Verantwortung des Einzelnen

Nun, das Grossartige an Gott ist, dass er uns alles absolut gratis schenkt. Jeder, sei er noch so arm oder so reich, sei er geehrt oder verachtet, kann die Kraft Gottes erfahren. Jeder hat einen gratis Zugang zu Gottes Wort.
Schon im Alten Testament lädt Gott sein Volk immer wieder ein, den Reichtum anzunehmen, den er schenken möchte. Einmal rief er durch den Propheten Jesaja: Herr, wer Durst hat, hier gibt es Wasser. Auch wer kein Geld hat, kann kommen. Kauft euch zu essen, es kostet nichts. Gut, das werde ich jetzt nicht auslegen, jemand kauft zu essen, und es kostet nichts, vielleicht ein andermal. Kommt, Leute, kauft Wein und Milch, Zahlen braucht ihr nicht.
Super, wir können in die Migros gehen, den Wagen nehmen und sagen: Wir nehmen jetzt einfach mit, was uns gefällt. An der Kasse fahren wir vorbei und sagen: Bezahlt, wir müssen nichts bezahlen. Es ist gratis, absolut gratis, was Gott uns schenkt.
Im letzten Buch der Bibel hören wir im letzten Kapitel diesen Ruf Gottes noch einmal: Der Geist Gottes und die Braut rufen: „Komm!“ Und wer diesen Ruf hört, soll ebenfalls sagen: „Komm!“ Wer Durst hat, der komme! Wer will, der trinke vom Wasser des Lebens, er bekommt es umsonst.
Es ist umsonst, was uns Gott schenkt. Alles ist gratis, was uns Gott schenkt. Wir können nichts verdienen, nichts erarbeiten. Wir können uns einfach beschenken lassen, und das ist im wahrsten Sinne des Wortes Evangelium, eine frohe Botschaft.
Das Problem, das wir in unserem Denken haben, ist einfach, dass wir uns nicht schenken lassen wollen. Ich doch nicht, ich mache es doch selber. Man kann es nur gratis haben. Das ist die andere Seite. Man kann es nur gratis haben, man kann es sich nur schenken lassen.
Doch obwohl es gratis ist, so ist es nicht ganz kostenlos. Wenn Gott uns ruft, zu ihm zu kommen und sein Geschenk in Empfang zu nehmen, kostet uns das etwas. Zum einen kostet es uns unseren Stolz. Wir müssen bereit sein, unser eigenmächtiges, gottloses Leben aufzugeben.
Übrigens kostet bei jedem Geschenk jedes Geschenk etwas. Wenn mir jemand ein Geschenk gibt, dann muss ich es mindestens auspacken. Das kostet mich etwas. Ich brauche Zeit, um es zu öffnen. Ich muss Pause machen. Und wenn ich mir das Leben von Gott schenken lasse, kostet es mich mein altes Leben.
Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. Es kostet mein altes Leben, da kommen wir nicht drum herum. Es ist nicht der Preis, nicht unser altes Leben rettet uns für die Ewigkeit. Jesus hat uns gerettet für die Ewigkeit. Aber wenn wir das Geschenk annehmen, dann muss unser Stolz fallen und unser Altes beiseitegelegt werden.
Wer das ewige Leben, das uns Gott völlig gratis schenkt, bekommen will, den kostet es das alte Leben. Er muss das alte Leben loslassen und sich auf das Leben einlassen, das Gott ihm schenkt.
Auch Gottes Wort, das völlig gratis ist, ist deshalb nicht kostenlos. Es ist eben kein magisches Wort, das in geheimnisvoller Weise an uns wirkt, so dass ich es in meine Wohnung stellen muss und es dann Kraft ausstrahlt. Das ist ja das, was sich die Menschen immer wünschen: etwas, das ausstrahlt. Da muss ich nichts machen. Ich stelle es in die Wohnung. Da gibt es ja Talismane und etwas, das man ins Bett tun kann, und, weiss ich, dann kann man so etwas unter den Hals hängen, immer mit der Idee, das gibt mir Kraft, ohne dass ich etwas tun muss. Ich muss nur das Ding kaufen. Und das geht nicht mit dem Wort Gottes, weil es nicht magisch ist.
Dieses Wort beansprucht Aufmerksamkeit. Es kostet uns Zeit, Zeit, um darin zu lesen, und Zeit, um darüber nachzudenken. Wie gross der Einfluss des Wortes Gottes in unserem Leben ist, bestimmen deshalb im Wesentlichen wir selber. Wir bestimmen darüber, was wir uns, was wir es uns kosten lassen.
Und manchmal bin ich, muss ich ganz offen sagen, schon etwas schockiert darüber, wie viele Christen es gibt, die von der Bibel relativ wenig Ahnung haben. Dem möchte ich ans Herz legen, wieder mal den Vorsatz zu fassen, die Bibel durchzulesen. Nicht in einem Jahr, es kann zwei Jahre gehen oder drei Jahre, das ist egal. Aber lieber einmal durchlesen, als das ganze Leben lang denken: Ich will das mal machen, und im Altersheim ist man achtzig, hat den grauen Star und kann es nicht mehr lesen. Also lieber weniger, dafür macht man es, anstatt dass man sich etwas wahnsinnig Grosses vornimmt und das dann überhaupt nicht schafft.
Wer sich aber von diesem Wort nicht füllen lässt, wer sich keine Zeit für das Wort Gottes nimmt, der wird die Kraft Gottes in seinem Leben nicht wirklich erfahren. Er wird bestimmte Erfahrungen machen, das will ich nicht abstreiten, aber die Kraft, die vom Wort Gottes ausgeht, wird in gewisser Weise ihm fremd bleiben.
Paulus fordert die Kolosser auf: Lasst die Botschaft von Christus bei euch ihren ganzen Reichtum entfalten. Unterrichtet einander in der Lehre Christi und zeigt einander den rechten Weg. Tut es mit der ganzen Weisheit, die Gott euch gegeben hat. Singt Psalmen, Lobgesänge und von Gottes Geist eingegebene Lieder. Singt sie dankbar und aus tiefstem Herzen zur Ehre Gottes.
Also ich sage es jetzt ein bisschen platt: Lasst euch, wie auch immer, von Gottes Wort berieseln, sei es durch Lieder, sei es durch Psalmen, sei es durch Lehre. Setzt euch dem aus! Etwas von dem geschieht ja in unserem Gottesdienst am Sonntag, etwas von dem geschieht in unseren Hauskreisen unter der Woche.

Praktische Wege, das Wort im Alltag präsent zu halten

Nun möchte ich euch noch drei Tipps mitgeben, wie das Wort Gottes in eurem Alltag mehr Raum einnehmen könnte, so dass wir uns weniger schnell durch die Sorgen und Anforderungen des Tages langsam, aber sicher von Gott entfernen.
Ich möchte euch eben drei Tipps mitgeben.
Tipp eins: Entwickle ein Ritual, wie du in der Bibel liest.
Mit dem möchte ich eigentlich sagen: Überleg dir, wann du das machen wirst und wie du das machen willst. Ob das am Morgen ist, am Mittag oder am Abend, ob das jetzt jeden Tag ist oder jeden zweiten. Wisst: Es geht nicht darum, dass wir etwas abhandeln. Es ist auch ein magisches Denken, wenn ich es gemacht habe, ist es gut. Sondern es geht darum, dass das Wort uns beeinflusst. Das ist das Entscheidende, dass wir uns an diesem Wort orientieren.
Es ist nicht unbedingt entscheidend, dass ich jeden Tag zehn Kapitel lese und erst dann ist es richtig. Das kann auch zu einem Leistungsdenken führen, und dass ich dann denke: Wenn ich die zehn Kapitel nicht schaffe, ist Gott mit mir nicht zufrieden. Ich überlege mir nicht, was ist mir eigentlich übrig geblieben, was weiss ich jetzt noch, was ich gelesen habe. Das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass ich es gelesen habe.
Das meine ich nicht mit Ritual. Ich meine aber mit Ritual, dass ich mir überlege, wo will ich das tun, dass mir das hilft, dass ich das nicht ständig vor mich hinschiebe und am Abend denke: Eigentlich wollte ich, aber ich habe es nicht, weil ich es nicht einplane. Oder will mir jemand sagen, der verliebt ist, dass er seine Treffen mit seiner grossen Liebe nicht plant und am Abend: Oh, jetzt habe ich es vergessen, ich wollte ihn einmal anrufen. Nächste Nacht: Oh, jetzt habe ich es wieder vergessen. Oh, Jan, da war noch das Abendessen, wollten wir gehen, habe ich auch wieder vergessen. Der Kerl ist nicht verliebt, der hat eine Macke ab, sonst würde er von morgen bis abends daran denken. Versteht ihr?
Und dann gibt es ja auch im Glauben so diese Normalität. Das ist einfach so. Wir sind ja auch dann nicht immer in der Liebe, wir sind höchstens drei bis vier Monate auf diesem Level. Denn das ertragen wir nicht, sonst müssen wir dann zum Psychiater, weil irgendwann macht das unser Körper nicht mehr mit, irgendwann kommt man wieder runter von diesem Level, irgendwann müssen die Hormone sich wieder normalisieren. Und so ist es auch im Glauben, irgendwann normalisiert sich das. Und dann kommt der Alltag.
In diesen Alltag hinein muss ich ein Ritual oder eine Art finden, wo ich weiss, dass sie mir hilft, dass ich mir Zeit nehme für das Wort Gottes und für das Gebet. Das kann jeder individuell. Ich bin keiner, der vorschreibt, wie das jemand machen muss. Aber es ist wichtig, dass wir uns das überlegen, und jeder so, wie es geht. Bei einem ist es am Arbeitsplatz über dem Mittag, der andere benutzt vielleicht andere Mittel, auf die ich jetzt kommen möchte.
Tipp zwei: Nutze die modernen Kommunikationsmittel.
Wir haben ja heute so eine fantastische Möglichkeit mit unseren Kommunikationsmitteln. Wir haben Internet, wir haben MP3-Player, wir haben iPods, wir haben Radios, CD-Player, wir haben den Evangeliumsrundfunk. Nutzen wir doch diese Möglichkeiten, um uns ein Stück weit von Gottes Wort und Gottes Gedanken berieseln zu lassen. Also, vielleicht klingt das jetzt etwas tief, berieseln zu lassen, aber warum nicht?
Also, ich habe jetzt hier seit Neuem, als ich in Amerika war, einen iPod gekauft. Und seit ich diesen iPod habe, höre ich so viele Predigten, wie ich, weiss ich, schon lange nicht mehr gehört habe. Ich kann einfach herunterladen. Und ich kann auch die Bibel hören. Ich versuche euch das jetzt mal zu demonstrieren, wie das geht.
Technische Herausforderung: Er gab den Aposteln, die er ausgewählt hatte, vom Läuter, lauter seinem Weggang. Sie waren es auch, denen er sich nach seinem Leiden und Sterben zeigte und denen er viele überzeugende Beweise gab.
Das kann man im Internet herunterladen, auf seinem MP3-Player oder iPod, und dann laufe ich so rum. Alle denken, der höre Musik, dabei höre ich irgendeinen Bibeltext oder ich höre eine Predigt. Da kann ich im Zug fahren, da kann ich spazieren, da kann ich praktisch das nutzen. Wenn jemand Stress hat, wenn jemand früh zur Arbeit muss. Ich kann den auch im Auto anhängen, an meiner Autoanlage.
Also, ich habe keine Prozent bei Apple und könnte auch einen anderen Player kaufen. Ich sage nur: Wir haben heute so fantastische Möglichkeiten, dass wir mit dem Wort Gottes in Berührung kommen, in Berührung bleiben. Und wenn du einen stressigen Job hast und du sagst: Ich arbe so viel, dass ich es nicht schaffe am Morgen, ich schaffe es nicht einmal mehr am Abend, da bin ich so k.o., da falle ich einfach nur ins Bett, dann nimm doch so einen MP3-Player, steck den in die Ohren, wenn du mit dem Zug zur Arbeit fährst, dann höre das Wort Gottes, höre eine Botschaft, höre etwas, das dich zu Gott bringt, gedanklich. Wenn du heimfährst, hörst du wieder etwas, oder wie du willst. Du musst es auch nicht übertreiben, wie ich das im Moment mache, aber nutzen wir doch diese Möglichkeiten!
Es gibt Leute, die nutzen die Möglichkeit, den ERF zu hören, wo die Losungen am Morgen gelesen werden und zu dem Text Gedanken weitergegeben werden. Es gibt so viele Möglichkeiten, warum nutzen wir sie nicht? Es wird uns voranbringen.
Und Tipp drei, der ist mir besonders wichtig: Lass das Wort Gottes gezielt und intensiv in deine Lebenssituation hineinsprechen.
Da möchte ich jetzt etwas ansprechen, was ich wichtig finde, denn es geht nicht darum, dass wir einfach möglichst viel quantitativ machen. Manchmal ist es auch wichtig, dass wir etwas in die Tiefe gehen. Das heisst, ich sehe, wo ich stehe in meinem Leben, ich habe vielleicht ein Problem, das mich zutiefst beschäftigt. Eine grosse Herausforderung, vielleicht im Beruf. Und jetzt nehme ich ein Wort und lasse mich begleiten von diesem Wort. Ich lerne es vielleicht sogar auswendig.
Und dieser Tipp ist übrigens ein tief biblischer Tipp, den gibt nämlich schon Moses seinem Volk. Er sagt: Bindet die Worte Gottes, die Gebote Gottes, euch zur ständigen Erinnerung an den Arm und auf die Stirn, schreibt sie auf die Türpfosten eurer Häuser und auf die Tore eurer Städte, dass ihr an allen Ecken, wo ihr auch seid, immer wieder an das erinnert werdet.
Das ist ein grosser Tipp von mir, also ein wichtiger. Ich weiss nicht, ob ein grosser, aber ein wichtiger. Und ich habe euch eine Liste hier aufgeführt mit verschiedenen Situationen, vielleicht habt ihr eine andere, und habe euch schon mal einige Verse da rausgeschrieben, die ihr euch zum Beispiel machen könnt. Vielleicht neigt jemand dazu, sich zu arg zu sorgen. Dann habe ich hier einige Verse. Er kann die abschreiben, ins Portemonnaie nehmen, er kann sagen: Ich lese die, ich lasse jetzt einmal meine klassische stille Zeit, mein Ritual, lasse ich jetzt mal fallen und ich beschäftige mich nur noch eine, zwei, drei, vier Wochen, ist ja egal, mit diesem Wort. Und ich schaue mal, was dieses Wort in meinem Leben in Bewegung bringt. Ich konzentriere mich jetzt einmal auf das, weil da habe ich jetzt im Moment ein Problem.
Oder wenn ich sage: Ich merke, ich bin eigentlich nicht so ein barmherziger Typ, aber ich möchte barmherziger werden, dann nehme ich ein Wort und lasse mich von diesem Wort herausfordern, intensiv. Wenn ich Todesängste habe, komme ich wirklich in den Himmel, dann schiebe ich die doch nicht einfach vor mich hin, sondern dann nehme ich ein Wort und lasse mir von diesem Wort intensiv zusprechen, was Gott mir sagt, wenn ich sein Kind bin. Und so weiter und so fort. Versteht ihr, was ich meine?
Also, es ist nicht nur immer die Quantität, nicht so viel wie möglich. Manchmal müssen wir in die Tiefe gehen, und an dem Punkt, wo wir merken, dass wir jetzt einen Schwachpunkt haben, Gottes Wort hineinsprechen lassen, ganz intensiv, konstant, so wie es hier heisst: Bindet sie überall hin, dass ihr sie überall seht. Ihr könnt sie in der Toilette hinhängen, in der Küche. Die Juden haben es an die Türe, nur die sind meistens verschlossen, da weiss man nicht genau, was drinsteht, nur die Insider wissen das. Man soll es natürlich lesen können, wenn ich Zweifel habe.
Oder nehmen wir jetzt einmal an: grosse Herausforderung, habe ich das hier? Grosse Herausforderung, zum Beispiel Psalm 18, Vers 30. Dann kann ich diesen Psalm 18, Vers 30 nehmen und gehe ins Geschäft und habe gerade ein schwieriges Gespräch mit meinem Chef. Und nehme das einfach mit, denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschlagen und mit meinem Gott über Mauern springen. Und ich nehme das mit, eine Woche bevor ich zu diesem Gespräch gehe. Und dann gehe ich ganz anders hin, weil ich mir bewusst bin: Ich gehe mit Gott dahin, und mit ihm kann ich über Mauern springen. Und selbst wenn der mich rausschmeisst, wird Gott mit mir über Mauern springen. Über welche, weiss ich noch nicht, aber er wird sie bewältigen, er wird mit mir sein.
So können wir Gottes Wort ganz gezielt und intensiv in unser Leben hineinsprechen lassen. Wir können auch auswendig lernen, das ist ja etwas verkommen, ich bin auch kein Held da drin, aber unser Rudi ist ein Held im Auswendiglernen, er kann etwa hundertfünfzig Verse auswendig. Das ist ein Riesenschatz! Versteht ihr, wie ich das meine?
Das finde ich ganz wichtig, und gerade gestresste Leute, die sagen: Ich habe keine Zeit. Wenn ihr keine Zeit habt, und das kann ja sein, dann macht wenigstens das eine, dass ihr an dieser Stelle, wo ihr denkt, da brauche ich jetzt wirklich von Gott her Unterstützung und Weisung, da muss ich dranbleiben, nehmt wenigstens ein, zwei Verse oder einen Abschnitt, mit dem ihr euch intensiv beschäftigt, im Zug schnell durchlest usw. Das finde ich eine sehr gute Möglichkeit, und biblisch ist sie perfekt abgestützt, weil Mose ja diesen Ratschlag selber gibt.
Vielleicht ist das, was dich jetzt beschäftigt, hier auf dieser Liste nicht aufgeführt. Dann such dir die Bibelstelle oder frag mich, ob ich zu dem oder dem eine kenne, dass sie dich einfach auf dem Weg mit Jesus unterstützt, stärkt und ermahnt.
Was willst du nun in nächster Zeit anpacken? Bist du bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass dein Tank mit dem Wort Gottes gefüllt wird? Und was willst du tun? Und ich möchte dir ans Herz legen: Geht nicht heim und mach einen Riesenplan, morgen lese ich zehn Kapitel und im nächsten halben Jahr das ganze Neue Testament. Und dann bete ich eine halbe Stunde jeden Tag. Und dann nehme ich fünf Verse mit auf die Arbeit und lese die immer in jeder Pause. Und dann kaufe ich noch einen iPod und höre mir noch zwei Predigten am anderen Tag. In zwei Tagen bist du k.o., auf dem Nullpunkt, und du machst nichts mehr.
Ich sage lieber weniger, dafür tun wir was, als uns viel vorzunehmen und dann zu scheitern und dann nichts mehr zu machen. Das ist genau unser Problem, das Problem des Perfektionismus. Wenn es halt nicht geklappt hat, dann mache ich es halt morgen wieder neu. Und ich habe Gott auch schon gesagt, wenn ich am Morgen auf bin und dann war schon mal was los, habe ich gesagt: Oh Herr, jetzt bin ich wieder so einfach nur in den Tag hineingeschlittert, statt dass ich mir Zeit genommen habe. Manchmal geht das einfach so.
Das Schlimmste sind ja die Ferien, da ist der ganze Tagesrhythmus raus und dann, ich meine schlimm, nein, Ferien sind nicht schlimm, aber da merkt man das. Wenn man nicht im Rhythmus ist, dann sind halt die Rituale auch nicht mehr an dem Ort, wo man sie sonst hat, oder die Gewohnheiten, kann man auch einfach sagen. Aber nehmt euch nicht zu viel vor, aber auch nicht zu wenig. Und wenn ihr merkt, das, was ich mir vorgenommen habe, klappt nicht, überdenkt es lieber und sagt: Dann mache ich halt jetzt das weniger, dafür mache ich das. Aber bleiben wir doch dran, das ist entscheidend, dass Gottes Wort in unserem Leben Einfluss haben kann.
Es ist wichtig, dass wir als Christen uns selber versorgen können. Wir dürfen uns nicht einfach darauf abstützen, was uns in der Gemeinde und weiss ich in was für christlichen Veranstaltungen geboten wird. Wir dürfen nicht einfach zuhörende Konsumenten sein. Wir müssen lernen, uns als Christen selbst zu versorgen. Ich halte sehr viel von Gemeinde. Aber Gemeinde kann nur einen Teil tun. Ich muss selber lernen, dass das Wort Gottes in meinem Leben Platz gewinnt.
Wir sollen in der Lage sein, uns selbst zu versorgen. Ich lasse mir ja am Mittag das Essen auch nicht von meiner Frau einlöffeln. Ich esse auch selber. Und irgendwann muss ich als Christ auch mal selber essen können und wissen, wie ich mich ernähre, geistlich. Wir sind dafür verantwortlich, dass unser Tank gefüllt wird. Ihr, du bist verantwortlich, nicht ich. Du bist verantwortlich.
Ich kann nur Tipps geben, nur Hinweise, ich kann nur da und dort mal eine Bibelstelle auslegen und Gottes Gedanken vielleicht etwas vertiefen, aber dass du hierher kommst, das musst du entscheiden. Den Tank füllst du, auch wenn du in der Bibel liest, nicht ich. Die Aufgabe übernimmt niemand für dich. Und das braucht halt Zeit. Schliesslich muss ich bei meiner Fahrt mit meinem Auto auch unterbrechen, wenn mein Tank leer ist. Ich muss auch anhalten, aussteigen, selbst wenn es regnet und gewittert, muss ich aussteigen, wenn der Tank leer ist. Ich muss an die Tanksäule, selbst wenn es kalt ist, und ich muss meinen Tank füllen, sonst bleibe ich hängen. Dann kann ich in meinem Auto nicht einmal mehr heizen. Ich muss halten.
Und so ist es auch im Leben. Wir müssen halten. Übrigens ist es auch ein grosser Segen, dass heute sogar in der säkularen Welt, die gar nichts von Jesus hält, gesagt wird, dass der Mensch solchen Halt braucht, so einen Halt braucht, dass er sich wieder rückbesinnen kann, sich regenerieren kann, sonst geht er kaputt. Das sagt auch die Welt. Und wir können das mit dem wunderbaren Wort Gottes tun, das uns auferbaut, das uns stärkt.
Wenn der Tank voll ist, haben wir die besten Voraussetzungen dafür, dass die Kraft Gottes in unserem Leben zum Tragen kommt, und wie das dann der Treibstoff in Kraft verwandelt wird, das sehen wir dann nächsten Sonntag. Aber zum Abschluss noch ein Wort von Paulus an Timotheus:
So ist also der, der Gott gehört und ihm dient, mit Hilfe der Schrift allen Anforderungen gewachsen. Er ist durch sie dafür ausgerüstet, alles zu tun, was gut und richtig ist.
Ich lese es nochmals:
So ist also der, der Gott gehört und ihm dient, mit Hilfe der Schrift allen Anforderungen gewachsen. Er ist durch sie dafür ausgerüstet, alles zu tun, was gut und richtig ist.
Ich bete mit uns.
Ich möchte dir danken, Vater, dass du uns dein Wort gegeben hast, dass du dich offenbart hast und dass du dafür gesorgt hast, dass Menschen deine Gedanken, die Geschichte, die du in dieser Welt gemacht hast, auch durch dein Volk Israel und dann, wie Jesus auf die Welt kam, dass du dafür gesorgt hast, dass das alles niedergeschrieben wird, dass wir ein zuverlässiges Wort haben von dir.
Die meisten von uns hier drin wissen, dass in deinem Wort Kraft steckt, Kraft zum Leben und Kraft zum Sterben. Und hilf uns in unserer hektischen Zeit, dass wir unser Leben so planen, dass deine Gedanken unsere Gedanken durchqueren können, dass wir uns von dir ansprechen lassen, dass wir selber steuern, welchen Einfluss oder welche Einflüsse wir in unserem Leben hineintragen möchten, welchem Einfluss wir uns öffnen möchten, und schenke, dass dein Einfluss stets der stärkste bleibt.
Ich danke dir und bete dich an. Amen.